Werbegerichte wieder einzubringen, desgl. über Sicherung des Wahlgeheitnnisses. Gleichfalls soll die Regierung über ihre Stellung der Kohlennot gegenüber interpelliert werden. Daß die Fraktion sich auch mit dem Jesuitenantrag beschäftigt hat, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden.
— Die „Berl. Neueft. Nachr." schreiben: Elsässische und polnische P r o t e st l e r, Pfarrer Winterer an der L-pitze, haben im Reichstage wiederum den Antrag auf Aufhebung des sog. Diktatur-Paragraphen eingebracht. Da die Gründe für die Aufrechterhaltung der dem Statthalter in diesem Paragraphen übertragenen Vollmachten des ehemaligen Oberpräsidenten unverändert fortbestehen, ist weder jetzt noch überhaupt in absehbarer Zeit daran zu d enken, daß derartigen Anträgen oder Beschlüssen Folge gegeben werde, die ungefähr gleichbedeutend sind mit Anträgen auf Entfestigung von Metz und Straßburg. Eher wäre preußischerseits in Erwägung zu nehmen, außerordentliche Vollmachten für die obersten Behörden der Provinz Posen einzuführen.
— Bei der Chinadebatte am Montag wird — so ist wenigstens bisher festgestellt — Abg. Dr. Lieber im Namen des Zentrums sprechen. Dr. Lieber ist ziemlich frisch hier eingetroffen und hat sich von der schweren Krankheit leidlich erholt. Seitens der Nationalliberalen / wird Bass ermann das Wort ergreifen. Eugen Richter vertritt die Freisinnige Bolkspartei und zum Redner der Freisinnigen.Vereinigung ist Rickert bestimmt. — Auch! die „Kreuzzcitung" erklärt, daß in den Nackftragsetat für die Chinaexpedition eine Indem nitätsklausel ausgenommen werden muß.
— Dem B u n d es r a t ist der Entwurf eines Gesetzes wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Rechnungsjahre 1901 zur Schuldentilgung zur Beschlußfassung zugegangen. Danach sollen, wenn im Rechnungsjahre 1901 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabaksteuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben, sowie an Reichsstempelabgaben die auf- zubringenden Matrikularbeiträge übersteigen, drei Vierteile des Ueberschusses an den den Bundesstaaten aus dem Ertrag der Zölle und der Tabaksteuer zu überweisenden Beträgen gekürzt und zur Verminderung der Reichsschuld zurückgehalten werden. Uebersteigen dann im Rechnungsjahre 1903 die Matrikularbeiträge das Etatssoll der Ueberweisungen für die gleiche Periode um mehr als den Betrag der für das Rechnungsjahr 1901 über die Matrikularbeiträge hinaus erfolgenden Ueberweisungen, so soll der Mehrbetrag insoweit unerhoben bleiben, als auf Grund der vorstehenden Bestimmung Mittel zur Schuldentilgung verfügbar geworden sind.
— Der Handwerkskammer tag beschloß mit 31 gegen 15 Stimmen, die Frage des Befähigungsnachweises für die Tagesordnung des nächsten Hand- werktskammertages zurückzustellen. Ferner wurde beschlossen, bei den Landesbehörden hinzuwirken, daß der Jnnungszwang sich auf Großbetriebe und Mittelbetriebeerstrecke, die handwerksmäßige Arbeiten mit handwerksmäßig ausgebildeten Hilfskräften herstellen. Zum Vororte des Handwerkstages wurde Hannover gewählt. In den Ausschuß wurden gewählt die Kammern von Berlin, Lübeck, Dortmund, Breslau, Dresden, München und D a r m st a d t. Sodann wurde ein Antrag angenommen, wonach unzweifelhafte Handwerksbetriebe von der Eintragung in das Handelsregister frei sein sollen. Ferner wurde ein dreigliederiger Ausschuß zur Vorbereitung von Anträgen zur Gewerbeordnungsnooelle gewählt. Der Handwerkskammertag wurde sodann geschlossen.
— In einer Zwickauer Versammlung des Evangelischen Bundes ist jüngst eine Resolution beschlossen worden, die dem sächsischen Kultusministerium die Erwartung ausspricht, daß das sächsische Gesetz, betreffend die Oberaufsicht des Staates über die römisch-katholische Kirche in allen seinen Teilen aufrecht erhalten und auch gegen den Prinzen Max angewandt werde: dieselbe Versammlung beschloß, an den Bundesrat eine Petition um Beibehaltung des Jesuitengesetzes zu richten. — Beide Beschlüsse veranlassen die „Köln. Volksztg." zu folgender Forderung:
„Es wird doch die höchste Zeit, daß das sächsische Ministeriuin die belfernden Maulhelden einmal ernstlich zur Ruhe verweist, sonst veranstalten sie nächstens noch Straßenputsche zur Rettung des Evangelium s."
Ausland.
London, 18. November. Der Staatssekretär hat die Vorschläge der indischen Regierung bezüglich einer Verbesserung des Transportwesens des Heeres genehmigt. Die Vermehrung auf dem Friedensfuße beträgt 26 Offiziere, 55 Unteroffiziere, 273 eingeborene Offiziere, 291 Tierärzte, 4400 Treiber, 2143 Kameele und 506 Ponies.
Glasgow, 18. November. Lord Rosebery hielt als Rektor der Universität an die Studenten eine Ansprache, worin er u. a. ausführte: Bor 50 Jahren sah die Welt noch ruhig zu, wie die Briten unkultivierte Länder ent- deckten und annektierten. Damals pflegten die fremden Länder über unsere HandelSthätigkeit noch zu spotten, jetzt werde über jede Meile Landes, das noch nicht auf der Landkarte verzeichnet sei, Streit erhoben. Jede Nation wünsche jetzt eine Nation von Handelsleuten zu sein. Die Engländer, die einst eine Art Monopol hatten, haben jetzt um ihre Existenz zu kämpfen. Das 20. Jahrhundert werde eine Periode scharfen und erbitterten Wettbewerbs unter den Nationen sein, wahrscheinlich noch mehr auf dem Gebiete der Werte des Friedens als des Kriegs Die Nation müsse daher noch kaufmännischer werden, ganz gleich, ob es sich um Krieger, Kaufleute oder Staatsmänner handle. — Lord Rosebery nahm die Führerschaft der liberalen Partei an.
Paris, 18. November. Die Nationallisten schlagen Skandal wegen eines Geldschwindels bei Ordensverleihungen. Sie nennen den Kolonialministcr Deerais und feinen Sohn als die Bloßgestellten. Dem
„Figaro- zufolge wird der Sohn Decrais gegen feine „Verleumder- energisch vorgehen. Das Blatt ^Voltaire- erklärt, daß die Affaire ihren Abschluß vor dem Schwur- gericht finden werde. Der junge Decrais erklärte seinen Freunden gegenüber, es fei ihm ein Leichtes, die Beschuldigungen zurückzuweisen. — Die nationallistische Presse bezeichnet bereits Gaston Meunier als den mutmaßlichen Nachfolger des Ministers Decrais.
— Wie aus Fontainebleau gemeldet wird, fand zwischen zwei Offizieren der dortigen Garnison ein Duell statt. Sie waren über die Haltung Lebandys verschiedener Meinung. Wie verlautet, werden vom Kriegsminister in den nächsten Tagen eine ganze Reihe Strafversetzungen infolge der Affaire Lebandy-Kollentz vorgenommen werden.
— Der Einführer des diplomatischen Korps Crozier sprach heute Nachmittag im Auftrage des Ministers des Aeußern Delcasso auf der deutschen Botschaft vor, um die Freude der Regierung über das Mißlingen des Breslauer Anschlags zum Ausdruck zu bringen.
Rom, 17. November. Der Vatikan wies die s p a n i s ch e Geistlichkeit unter Androhung der strengsten geistlichen Strafen an, sich jeder Teilnahme an irgendwelcher politischer Bewegung zu enthalten.
Bukarest, 18. November. Komplottprozeß. Der Ches der Sicherheitspolizei erklärt, Trifanow habe ihm nach der Ermordung Fitkowskis über einen Verschwörungsplan gegen den König von Rumänien Enthüllungen gemacht, die dem Minister des Auswärtigen zur Kenntnis gebracht wurden. Karambnlow erklärt, sowohlKorniakow als Bogdanow hätten gesagt, es werde leicht sein, einen Anschlag gegen den König auszusühren, da dieser fast ohne jede Begleitung in den Straßen promeniere. (Lebhafte Bewegung.) Auch der Präsident erklärt, Bogdanow habe ihm selbst gesagt, daß der König am 18. Dezember 1899 von Arsow und Orsniakow am Dimbowitza-Quai verfolgt worden fei. (Große Bewegung.)
Konstantinopel, 18. November. Für die Geldknappheit der türkischen Regierung ist es charakteristisch, daß die Pforte beim internationalen Sanitätsrat eine Anleihe von 100 000 Pfund nachsuchte.
Livadia, 18. November. Kaiser Nicolaus brachte den gestrigen Tag gut zu, er schlief ein wenig. Der allgemeine Zustand ist befriedigend, das Befinden ist gut. Um 9 Uhr abends war die Temperatur 38,7, der Puls 64. Die Nacht hindurch schlief der Kaiser sehr gut. Heute morgen war das Befinden gut, der Kopf ganz klar. Um 9 Uhr morgens war die Temperatur 37,6, der Puls 68. — Es ist unrichtig, daß der Zustand der bekanntlich in gesegneten Umständen sich befindenden Zarin Besorgnisse rechtfertige. (Daß zu ernstlichen Befürchtungen kein Anlaß vorliegt, beweist schon der Umstand, daß unser groß- herzoglichesPaar,das zu Vergnügungszwecken in Paris weilt, keinen Anlaß gefunden hat, feinen Aufenthalt dort abzukürzen, und erst am Dienstag nach Darmstadt zurückkehren wird.)
Prozeß Sternberg.
Berlin, 17. November.
Bei Beginn der heutigen Verhandlung im Sternbergprozeß teilt der Vorsitzende mit, daß der-Gerichtshof die beantragte Vernehmung des Chef-Redakteurs der „Post", Kronsbein, abgelehnt habe, weil der betreffende Artikel zu dieser Strafsache in keiner Beziehung stehe. Bei dieser Gelegenheit kommt der Vorsitzende aus eine gestern vom Angeklagten Sternberg zu dieser Sache gemachte Bemerkung zurück. Diese erhebe eine unerhörte Verdächtigung gegen die hier auf dem Podium sitzenden Beamten, denn er habe gesagt, daß vielleicht amtlich mit dieser Sache befaßte Personen diesen Artikeln nickst fern stehen könnten. Sollte der Angeklagte noch einmal eine solche dreiste Anschuldigung erheben, dann werde ihn der Gerichtshof sofort in die höchste zulässige Ordnungsstrafe nehmen. Es werden nunmehr einige von der Verteidigung geladene Zeugen vernonimen. Frau Goerz bekundet über einen Vorfall, bei dem die Frieda Woyda vor sieben Jahren eine unzüchtige Handlung mit einer kleinen vierjährigen Gespielin begangen hat. Diese That- sache ist durch den Detektiv-Direktor Schulze vermittelt worden. Auch die Zeugin Frau E l i s e Z i cke r t bekundet eine unzüchtige Handlung, die die Woyda vor Jahren mit dem kleinen Sohne der Zeugin begangen haben soll. Eine ähnliche Sache sagt die Zeugin Frau Müller über die Woyda aus. Die Woyda erklärt auf die Frage des Staatsanwalts, was sie zu diesen Aussagen zu bemerken habe, sie könne sich dieser Dinge nicht mehr entsinnen. Justizrat Dr. Sello betont, oaß sie früher zugegeben, mit einem kleinen Jungen Dummheiten begangen zu haben. Frieda Woyda behauptet, sie habe dies nur gesagt, weil Frau Müller es ihr zugeflüstert habe. Frau Müller bestreitet dies entschieden. Nach einer kurzen Pause wird .Kriminalkommissar v. Tresckow befragt, welches Ergebnis seine Recherchen nach den Briefen der Pfeffer im Hause Wilhelmstraße 47 gehabt haben, v. Tresckow antwortet, das Suchen habe bisher keinen Erfolg gehabt. Der Vorsitzende bittet, aifi Dienstag vormittag, an welchem Tage der Prozeß erst mittags 12 Uhr beginnt, das Suchen nach den Briefen fortzusetzen. Auf Anregung des Justizrats Dr. Sello und des Verteidigers Fuchs I wird die Zeugin Frau Blümke darüber befragt, ob sie während des jetzigen Prozesses mit ihrer Schwester Frieda über den Prozeß und ihre Aussage gesprochen habe. Die Zeugin bejaht dies. Die Frieda bleibe dabei, daß sie jetzt die Wahrheit sage und alle ihre früheren Bekundungen unwahr seien und nur auf Einflüsterungen des Zeugen Stier st ädter beruhten. Die Zeugin Woyda wird nochmals aufgerufen und sehr eindringlich vom Vorsitzenden befragt, wie sie denn zu gewissen Einzelheiten gekommen sei, die sie vor dem Untersuchungsrichter Hamel als angeblich geschehen bekundet hat. Die Woyda bleibt immer dabei, daß Stier st ädter ihr alles das vor erzählt habe. Zeuge Stier st ädter bestreitet
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die Behauptungen des Mädchens. Die Woyda ruft' Es ist doch wahr! Ich sage jetzt die Wahrheit Stier st ädter entgegnet: Um dem Mädchen alle diese Einzelheiten zu sagen, hätte ich ja 24 Stunden Zeil haben müssen, während der kurzen Droschkenfahrt war es ja ganz unmöglich. Die Woydableibtwiederum dabei, daß sie die Wahrheit sage. Der Vorsitzende giebt sich unendliche Mühe, von der Zeugin herauszubekommen, wie sie denn zu diesen Einzelheiten gekommen sei. Der Vorsitzende wiederholt: Frieda, geh doch in Dich und sage mir die Wahrheit Du mußt mir eine Erklärung dafür geben, wie Du zu diesen Einzelheiten gekommen bist. Kind, sage doch bie Wahrheit! Die Woyda bleibt dabei, daß Stier- städter ihr alles erzählt habe, daß sie früher gelogen und jetzt die Wahrheit sage. Rechtsanwalt H e i- nemann fragt hierauf den Zeugen St i e r ft ä b ter, was er dazu sage. Zeuge erwidert: Wenn ich das alles höre, kann ich nur sagen: Entweder hat die Frieda früher schrecklich gelogen, oder sie lügt jetzt. Eine Mitschülerin der Frieda bekundet einige unanständige Ausdrücke, die sie von derselben gehört haben will. Die Woyda bestreitet dies und erklärt auf verschiedene Vorhaltungen der Verteidigung: Na, ich will mich ja auch gar nicht loben. Der Vorsitzende will dann an einzelne der ehemaligen Hausgenossen der Familie Woyda einige Fragen der Sach verständigen gerichtet wissen, die sich aus die Eltern der Frieda, deren Gesundheitszustand rc. beziehen.
Physikus Dr. Stürmer hält es für notwendig, daß die Sachverständigen näheres über das Vorleben der Eltern erfahren und über das Geistes- und Triebleben des Mädchens durch besondere Exploration unterrichtet werden. Er halte es für nötig, daß er durch längere Unterhaltungen mit der Woyda in die Lage komme, die ihm wichtig erscheinenden Momente festzustellen. Die Eheleute Blümke erklären sich damit einverstanden, daß die Sachverständigen sie zum Zwecke der Exploration der Frieda besuchten. Der Gerichtshof hält diese Vorbesuche nach § 80 Str.-P.-O. für unzulässig. Zeugin Frau Kahlert weiß nichts von einer etwaigen Krankheit der Eltern der Woyda. Zeugin Albrecht sagt aus, die Frieda habe ihr im September erzählt, sie habe mit ihrer Schwester eine Erbschaft gemacht und komme jetzt in eine höhere Schiule. Die Frieda bemerkt, sie könne sich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben. Die Verhandlung tüitb, hierauf abgebrochen und auf Montag vormittag vertagt. .
Aus Stadt und Land.
Gießen, 19. November 1900.
Se. Kgl. H. Prinz Heinrich von Preußen nebst Gefolge und Dienerschaft reiften heute früh mit dem v-Zuge 7 Uhr 57 Min., von Kiel kommend, hier durch und nahmen das vorher in der Bahnhofrestauration telegraphisch bestelltr Frühstück im Salonwagen ein.
• * Eiseubahnpersoualieu. Der Hilfsbahnwärter Georg Görnert aus Grünberg ist vom 1. November ab auf Posten Nr. 73 in der Gemarkung Klein-Minden zum Bahn» Wärter ernannt worden. Zum 1. Januar 1901 find in den Ruhestand versetzt: der Bahnwärter Heinrich Zimmer auf Posten Nr. 2 in Gießen, der Weichensteller Ludwig Volk I. in Gießen, der Weichensteller Heinrich Dechert in Lauterbach und der Verwalter der Haltestelle Peter Krauß in Ehringshausen; zum 1. Februar 1901 ist in den Ruhestand versetzt: der Eisenbahnsekretär Heinr. Grüniger in Gießen, zum 1. April der Großh. Stationsvorsteher Lotz in Lauterbach.
• • Die Kohlenabgabe seitens der Stadt, die, wie meldet, laut Stadiverordneteubefchluß an Einwohner mit einem eingeschätzten Einkommen bis zu 1500 Mk. in Mengen von höchstens fünf Zentnern er folgen soll, nimmt
wie wir hören, dieser Tage ihren Anfang. Der Preis soll für den Zentner 1,15 Mk. betragen.
Laudeslotterie. Als Ziehungstage für die fünfte und letzte Klasse der 2. Klaffenlotterie sind der 19., 20., 21., 22., 27., 28., 29. und 31. Dezember festgesetzt.
* » Tyroler Konzert. Unter Hinweis auf den Inseraten- teil machen wir auch an dieser Stelle auf das Konzert aufmerksam , das die Kapelle Lechner morgen abend im Spnck'schen Lokale in Klein-Linden geben wird.
* • Das Offenbacher Eisenbahnunglück wird in -ec Zweiten hessischen Kammer zum Gegenstände einer Anfrage an die Regierung gemacht werden. Die Landtag-- abgeordneten von Brentano, Dr. Frenay, Hahn, Molthan, Pennrich, Schlenger und Dr. Schmitt haben folgende Anfrage eingebracht:
„Das furchtbare Eisenbahnunglück bei Offenbach hat in den weitesten Kreisen der Bevölkerung tiefgehende Erregung hervorgerufen. Es besteht die Ansicht, daß eine schuldhafte menschliche Handlung nicht vorliegt, daß aber auch der am fraglichen Abend herrschende Nebel oder andere Zufälle den Unfall wenigstens in seiner entsetzlichen Ausdehnung nicht erklären. Es werden gewichtigste Stimmen laut, nach denen Fehler in der Berwaltung, veraltete Konstruktionen der sogenannten V-Wagen, insbesondere fehlerhafte Anlagen von Licht- und Schutzvorrichtungen, die andererseits unangebrachte Sparsamkeit in Bezug auf Anlage von weiteren Bahngleisen und in Bezug auf Anstellung von geeignetem und genügendem Wärterpersonal an der Ausdehnung des Unfalles mitge- wirkt haben Wir fragen deshalb bei der großherzoglichen Regierung an, ob die stattgehabten Ermittelungen die Richtigkeit oder das Unzutreffende dieser Ansicht ergeben haben? Wir fragen gleichzeitig an, ob die Regierung gewillt ist, in energischer Weise im Lande der hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft dahin zu wirken, daß etwa bestehende Mißstände beseitigt und unangebrachte Sparsamkeit ohne Rücksicht aus den finanziellen Effekt für die Zukunft vermieden werde!
Die Voruntersuchung ist, da das Bahnpersonal der beiden Züge noch nicht hat vernommen weiden können, noch nicht zu Ende geführt. Zuständigen Orts erwartet man den Schluß für heute ober morgen. Erst dann wird entschieden werden, ob und gegen wen ein Strafverfahren zu eröffnen ist. Alle Meldungen Über ein bereits eingeleitetes Strafverfahren sind lediglich Kombination.
*♦ Ost asiatisch er Hilfsverein Gieße n. S» der von einem provisorischen Komitee der vereinigten Mi-- litärvereine auf den 15. ds. in das „Hotel GroßherzoDl von Hessen" zur Konstituierung eines hiesigen ostasiatl-' scheu Hilfsvereins einberufenen Versammlung wurden.
j Auheim SurM (14,890 Deutsche, ' (16,380 Deutsche i (15,910 Deutsche der letzten Suifi Erwartungen, 1 beten des neuei hatte, gingen al abgegeben: 18 • 302,506, ferne der Kinderheim alfo der vorjähl daß in der letzten strombäder o.
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