15V. Jahrgang
Dienstag den LV. November
1900
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen
Bezugspreis viertrljährl. Mk. 2,28 monatlich 75 Pfg. mit Bringrrlobn; durch dir Aoholrstelleu virrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 viertrljährl. mit Bestellgeld.
Berlin, wird gemeldet: Jagdgesellschaft
Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslande» nehmen Anzeigm für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
WeWNW*, Expedition und Druckerei;
>4*r^r*6t Nr. 7.
leeeNme von Anzeigen zu der nachmittags für de« faßende» tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«.
Fernsprecher Nr. 51.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Dolkskun-e.
Vieh. — Roberts meldet ferner von Angriffen auf britische Patrouillen und Geleitmannschaften, die an verschiedenen Punkten stattfanden.
Die Buren, die FickSburg besetzt halten, erwarten, daß sich De Wet mit ihnen vereinigen werde. Sie haben eine feste Stellung in den Bergen des Freistaates inne und sind mit Kleidern und Lebensmitteln für zwei Jahre versehen.
Ein Gefecht wurde am 14. d. M. in der Nähe von Ed in bürg (Halbwegs zwischen Springfontcin und Bloemfontein) geliefert. Die Buren wurden vertrieben.
„Standard" meldet aus Durban vom 15. ds.: Nach Meldungen aus Stan der ton ist der dortige Bezirk noch immer beunruhigt. Die dort ansässigen Buren stoßen wieder zu ihren Kommandos. — „Daily Telegraph" meldet aus Pietermaritzburg vom 15. ds.: Die englische Garnison von Vryheit ist eingeschlossen. Die Stadt wird geräumt, es wurde Stellung auf den Hügeln genommen, die den Platz beherrschen. Die Garnison hat für sechs Monate Proviant.
Der bisherige Generalkonsul der südafrikanischen Republiken in Lourenzo Marques Pott wurde amtlich angewiesen, nicht mehr die Flaggen der Südafrikanischen Republik und des Oranje-Freistaats aufzuziehen.
Telegramm deS Gietzeuer Anzeigers.
Marseille, 19. November. Dr. L e y d s ist gestern in Begleitung seines Privatsekretärs hier eingetroffen.
. Ni*« lititnjtitol. '«»ImrfetailBm, “flen5arbeno.Jlk.L50:
"pre ’nbriWt. nt tl*«। »on Mi, fa laityti und ätiipfn sorgt. 6'
nt. 272 Zweites Blatt
jon emet nfiffwn 5
7.ML
Dkulsches Reich.
18. November. Aus Groß-Strelitz Der Kaiser begab sich gestern mit der nach Sucholona und der Fasanerie.
chrschetnt täglich mit Ausnahme des
MontagS.
Die Gießener Dßlmtlteubtätter «erben dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Luidwirt" «. „Blaller pr heff. Volkskunde- vbchtt. 4 mal beigelegt.
meldet sodann, daß sich die Missionare verhältnismäßiger Ruhe erfreuten. Der Glaube an die Unverwundbarkeit der Boxer sei nach den letzten Niederlagen stark erschüttert. Zwar stehe das Räuberwesen in Blüte, doch scheine von dieser Seite den verfolgten und fast von allem entblößten Christen ein gewisses Mitleid entgegengebracht zu werden.
Der kaiserliche Generalkonsul in Shanghai, Dr. Knappe, hat am 15. ds. die Reise nach Nanking angetreten auf S. M. Linienschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm, an dessen Bord der Geschwaderchef Kontre-Admiral Geißler sich befindet. Zurzeit befinden sich auf hem Aangtse an der Nähe von Nanking auch eine Anzahl englischer Kriegsschiffe und ein französisches Kriegsschiff. Die Reise Dr. Knapps hat Verhandlungen mit dem Vicekönig zum Zweck, wie verlautet, auch über die Verproviantierung des chinesischen Hofes, die von Nanking aus betrieben wird. Es wird daher wohl richtig sein, wenn aus Shanghai depeschiert wird, der Vicekönig von Nanking dürfte vermutlich gezwungen werden, entweder seine Hand dazu zu bieten, daß die weitere Verproviantierung von Singanfu aushört und der Hof nach Peking zurückkehrt oder leine den fremden Mächten unfreundliche Haltung offen zu dokumentieren. Zweideutigkeiten sollen länger nicht geduldet werden. Eine Million Taels, die in verschiedenen Provinzen des Südens und im Zentrum gesammelt wurde, ist jetzt nach Nanking unterwegs, wo sie em Spezialkommissar übernehmen soll. Fünf große Transporte, die von Truppen aus den Wusungforts begleitet werden, harren hier der Weiterbeförderung. Sie sollen eine halbe Million Taels, den Tribut der Kwan- tung- und Tschekiang-Provinzen mitführen, und die Verbündeten müssen dem zuschauen, ohne etwas machen zu können.
Nach einer telegraphischen Meldung des Chefs des Kreuzergeschwaders ist die io eite re Heimsendung von Mannschaften, ausgenommen die mit dem Dampfer „Köln" unterwegs befindlichen, erst im Frühjahr des nächsten Jahres zu erwarten.
* * *
Telegramme des Gießet»er Anzeigers.
London, 19. November. „Daily News" melden aus Shanghai, der Kaiser habe auf Verlangen des Taotai Scheng dieVermittelungdesGouverneursvon Schantung angenommen.
Loudon, 19. November. Aus Peking wird vom 17. gemeldet: Der französische Gesandte Pichon stattete heute Li-Hung-Tschang einen Besuch ab. Li Hung-Tschcmg teilte ihm den Wortlaut der letzten kaiserlichen Dekrete mit. Daraus geht hervor, daß dem Prinzen Tu an der Adelstitel genommen, und daß er wie auch Prinz Tsching vorläufig iuS Gefängnis gebracht werden sollen. Später sollen beide nach dem SlaatSgefängnis von Mukden überführt werden, wo sie bis zu ihrem Tode verbleiben sollen. Prinz Traings, der bereits degradiert ist, wird auch eingesperrt. Prinz T sch ui-Seng ist auch verurteilt. Er darf seinen Palast nicht verlassen. Prinz Duelan hat fein Gehalt verloren und ist um eine Rangstufe zurückversetzt. Der Zensor Dungien ist um zwei Rangstufen zurückversetzt. Der Justizminister wurde degradiert, be- hält jedoch sein Amt bei. Aynhien ist gleichfalls verbannt. Die übrigen Dekreten betreffen Tungfusiang und erklären, daß es unmöglich sei, sich seiner Person zu bemächtigen, da er über bedeutende Truppen-Abte lungen verfüge. Seine Bestrafung ist vertagt, bis man sich seiner Person bemächtigt hat.
New-York, 19. November. Der amerikanische Gesandte in Peking, Conger, wurde benachrichtigt, daß ihm die Entscheidung darüber belasten werde, ob die von der chinesischen Regierung angeordnete Bestrafung der Boxerführer genügend sei, und daß er auch ermächtigt sei, darüber zu entscheiden, ob die chinesische Regierung gewillt ist und die Macht habe, die angeordnete Bestrafung durchzuführen. Präsident Mac Kinley und Staatssekretär Hay haben ihre Meinung über die zu verhängenden Strafen nicht ausgesprochen, da sie der Ansicht sind, Conger sei bester in der Lage, über die Schuld der Boxerführer und die Angemessenheit der Strafe zu urteilen.
Buren und Engländer.
Feldmarschall Roberts berichtet aus Johannesburg vom 16. ds.: Die Generäle Bartou und Douglas, ersterer von Potchefstroom, letzterer von Ventersdorp kommend, besetzten am 16. ds. KlerkSdorp, ohne auf Widerstand zu stoßen. Douglas hatte Tag für Tag Geplänkel mit dem Lichtenburg. Kommando; er nahm dabei 15 Buren gefangen und erbeutete viele Schafe und Rind
— Wie aus Homburg v. d. H. telegraphiert wird, trifft der Kaiser Mittwoch früh 8 Uhr 40 Min. dort ein und reist Donnerstag abend 10 Uhr wieder ab. Der Kaiser trifft nächste Woche zum Besuch in Hamburg ein und wird einer Vorstellung im Deutschen Schauspielhause beiwohnen, mit dessen Direktor, Freiherr v. Berger, der Kaiser kürzlich beim Reichskanzler Bülow zusammentraf.
— Heber das Befindender Kaiserin Fried- r i ch wird gemeldet, d aß der Gesundheitszustand leidlich sei. Die Reisepläne sind jedoch zurückgestellt worden. Die Nachricht, daß eine Villa in Bordighera für die Kaiserin gemietet sei, wird an unterrichteter Stelle lediglich als eine Kombination bezeichnet.
— lieber den Strafvollzug gegen den Prinzen Prosper v. Are n b e r g-Meppen, der zur Verbüßung der ihm auferlegten fünfzehnjährigen Freiheitsstrafe vor einigen Tagen dem Gerichtsgefängnisse in Hannover zugeführt worden ist, liegt jetzt eine amtliche Erklärung vor. Der Direktor der Strafanstalt, Thikötter, läßt sich dahin aus, daß die Mitteil" ungen über Beköstigung, Beschäftigung und Beaufsichtigung des Gefangenen durchweg thatsächlich unrichtig sind. Bei der Behandlung des internierten Prinzen fänden irgend welche Abweichungen von den Vorschriften der Gefängnisordnung nicht statt, auch hätten solche bisher nicht stattgefunden.
— Der englische Kolonialminister Chamberlain sollte dem „B. T." zufolge heute in Berlin c in treffen.
— Die Ernennung des früheren Landrats Dr. Goe- d e ck e aus Wetzlar zum Geh. Finanzrat und Vortragenden Rat im preuß. Finanzministerium ist amtlich bekannt gegenben worden. Dr. Goedicke trat 1883 in den Justiz- oienst, ging 1887 zur Staatsverwaltung über, wurde 1890. von der Stellung als Regierungsassessor bei der Regierung in Lüneburg zum Oberpräsidium in Coblenz berufen und hat seit 1896 das Landratsamt in Wetzlar verwaltet, bis er im Frühjahr dieses Jahres als Hilfsarbeiter inS Finanzministerium gezogen wurde.
— Zur Präsidentenwahl im Reichstags schreibt die „Köln. Ztg.".":
Wenn die Konservativen für die Besetzung dev ersten Vizepräsidentenstelle an der Kandidatur des Herrn v. Fr e g e-Weltzien festgehalten haben, so wollten sie damit offenbar bestätigen, daß sie in ihrer Fraktion, da der frühere, bestens bewährte Dr. v. Levetzow nicht in Betracht kommen kann, kein anderes Mitglied besitzen, das durch geistige Schärfe, logische Klarheit, außergewöhnliche Geschäftskenntnis und vornehme Bescheidenheit sich mit Herrn v. Fr ege zu messen vermag. Außerdem hat die Wahl das Gute, daß Herr v. Frege meist, wenn er den Vorsitz führt, selbst beim trockensten Verhandlungsstoff für einige Aufheiterung des Hauses zu sorgen pflegt.
— Die „Germ." schreibt: DieZentrumsfraktiow des Reichstages beschloß, ihre Anträge bezüglich der Arbeitskammern, der Berufsvereine und der Ge^
k,„ fite“
88 Lft
11: Stück 45 V
'/MO Stück NA ;6töd 85 Psg., 'n,1'0 Stück 28 Ml
•fr, ® fifit tlt. ,lv
1 Graf
MM
MH-
Der Krieg itt China.
Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen ist es dem Prinzen Tsching und Li-Hung-Tschang gelungen, von dem Grafen Waldersee empfangen zu werden. Frhr. v. d. Goltz von der deutschen Gesandtschaft biente dabei als Dolmetscher. Die chinesischen Unterhändler haben ersichtlich die Beschwerde der Kaiserin wegen bei Expeditionen ins Innere Chinas zum Ausdruck gebracht und um Einstellung dieser militärischen Unternehmungen gebeten. Die Antwort des Feldmarschalls lautete, daß dies erst dann geschehen könne, wenn alle chinesischen Truppen aus der Nähe d es besetzten Gebiets zurrtck- aezogen sein würden. Es ist erwiesen, daß dort, wo Die bewaffneten Banden auf chinesische Truppen stoßen, beide gemeinsame Sache gegen die Fremden machen. Wo bie ansässige Bevölkerung allein geblieben ist, dort hat sich auch bald Beruhigung eingestellt. Daß man an den tzrenzen des besetzten Gebiets nicht neue Ansammlungen dulden darf, ist einleuchtend. Fraglich aber bleibt, ob die chinesischen Truppen überhaupt noch jemandem gehorchen, und dann hätte eine zustimmende Erklärung von Tsching, Li-Hung-Tschgng „und anderen" — wie die amtlichen Mitteilungen während der Belagerung der Gesandtschaften unterzeichnet wurden — keinen Wert. Die Ex- ped ition Graf 2) o r k wird in der Lage fein, etwas über der Zustand im Nordwesten der Provinz Tschili zu erkunden. Die Kolonne des Obersten s2)orf hat am 14. November Tschatau, nordwestlich von Peking an der Großen Ruuer, erreicht, wo abends vorher chinesische Kavallerie, gestützt auf die Nachhut stärkerer Sreitkräfte gewesen ist.
Aus London wird gemeldet: Infolge eines Pro- memorias des Taotai Sheng erwartet man ein Edikt mit dem Todesurteil 2) ohsiens. England protestierte gegen die Versetzung Yosthangs aus Honan nach Wmhgng, wo er den Vizekönig Changchitung ersetzen sollte. Molge eines Berichts Li-Hung-Tschangs und des Prinzen tetiiung wird der VersetznngSbefehl aufgegeben werden.
Ferner wird aus London berichtet: Laffans Büreau nteübet aus Shanghai, Prinz Tu an befinde sich in Haft in Ning-Hsia in Schausi, und Gouverneur Yohsien sei zu Pinan unweit Singanfu verhaftet. Beide bereiteten sich jedoch zur Flucht vor. — Der „Standard" meldet aus.Shanghai vom 15. November: Das kaiserliche Edikt, dus befiehlt, daß die Prinzen Tuan und Tschwang auf Lebenszeit ins Gefängnis gelegt werden sollen, bestimmt, fcife sie in das Gefängnis des Kaiserhauses in Mukden fii bringen sind.
Die Washingtoner Depeschen über chinesische Angelegenheiten tragen immer eine besondere Farbe. Man braucht nicht in den Lärm einzustimmen, der sich in London kegen angeblicher Trennung der Vereinigten Staaten von der verbündeten Staatengruppe erhebt, denn Beweise einer thatsächlichen oder beabsichtigten Trennung sind nicht vorhanden. Das Gebäude der Uebereinstimmung der ttächte ist zwar augenblicklich fest genug, doch kann es durch unnötiges Rütteln nichts an vermehrter Festigkeit Minnen. Aus Washington wird jetzt gemeldet, daß die Washingtoner Regierung nach dem New York Herald der er Ansicht ist, da ß der chinesische Erlaß vom 13. November betreffend die Bestrafung mehrerer hoher Beamten nicht weit genug gehe. Das Kabinett habe daher be- stlossen, den Gesandten Conger anzuweisen, er solle baren f bestehen, daß General Tungfuhsiang bestraft verde und daß die Strafen für einige der in dem Edikt angeführten Beamten noch verschärft werden. Die Mächte haben in dieser Frage schon gesprochen, und die Regier- ling der Vereinigten Staaten habe ohne Vorbehalt dem Vorverträge zugestimmt. Dadurch ist die Frage der Be- (kafiingen theoretich erledigt, und es handelt sich jetzt um die Vollstreckung.
Es ist bekannt, daß noch zahlreiche christliche Missionare im Innern Chinas weilen oder den durch die Behörden fanatischen Banden zum Opfer gefallen sind. Die aus jenen entlegenen Gegenden in die Welt dringenden Nachrichten sind überaus spärlich Dankenswert ist es, daft die Scheuler Mission jetzt in Brussel einige Mitteilungen macht, die einem vom 20. September datierten Hefe des Provinzialsuperiors der Ostmongolei entnommen sind. Ter Brief enthält Einzelheiten über das Martyrium des Missionars Segers, der am 24 Juli auf befiehl des Unterpräfekten von Langpmghften nach jch-weren Mißhandlungen lebendig be- gr aben wurde. Das Schreiben beruhigt sodann die An- -ctzörigen über das Ergehen der übrigen in der Ost- mo ugolei wirkenden Missionare. Alle Missionare des sud- lichaen Teiles des Vikariats, 20 an der Zahl, feien in der bchchöflichen Residenz vereinigt. Nur Pater Conard fei «niffi seinem Posten an der Grenze der Mandschurei ver- Mieeben und gebe in einer Mitteilung von Ende August in«, daß sieben Missionare im Gebiete der schwarzen Keivässer auf ihren 'Posten ausharrten. Der Superior
Werg f
vohrnmg jofonota W bei Expedition d. Mttt meinem Neicku WM hrereS-AMenvohiM :hör Mb ju venne- i SMHorYrate 1l.
•re s-.^umnaMnunp c L Januar, totl M Rtutau echottstnch Hinterhaus.__________
rwWohnung, 5 Zim xx zu vermieten, Mftt, Merstraße! kleines Familuntoai^ nmer WeMgS W ijtxm. Slictstratzi
vermieten.
hrlmüraße S.
seckrS Zimmer und Mt zu vermieten.
aeM —
Merwohnung eten, Trünbemechr,
-eher per Modo
tKdÜlyen m, den«11'Äs bei


