Ausgabe 
20.9.1900 Erstes Blatt
 
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Ausreißer. Zwei Kellnerlehrlinge in einem hiesigen Hotel, Burschen im Alter von 15 und 16 Jahren, haben vorgestern bei Nacht und Nebel das Weite gesucht. Sie haben sich von ihren Eltern in Hanau bezw. Fried­berg Geldbeträge von 40 und 10 Mk. senden lassen unter der Vorspiegelung, Schneiderrechnungen bezahlen zu müssen, und sind ohne Abschied verschwunden, ohne irgend etwas zu hinterlassen, was von ihren Dummenjungen-Plänen Kunde giebt.

O Mit Original-Geläute aus der Schweiz hat ein hiesiger Viehbesitzer eine Herde von 40 jungen Rindern versehen lasten, die täglich in der Nähe der Rodheimer» straße auf dir Weide getrieben wird.

0 Befitzwechsel. Das Conrad'sche Haus an der Mäusburg wurde von der Konkursmaffe an den Uhrmacher Hause für 28,000 Mk. veräußert.

Immunität gegen die Maul- und Klauenseuche. Bon hier wird derKl. Pr." geschrieben: Dem Professor an der hiesigen Universität, Dr. Winkler, war es aus­gefallen, daß vielfach in Gehöften, in denen beim Rindvieh die Maul- und Klauenseuche aus­brach, der Schweinebestand von der Seuche gänz­lich unberührt blieb, obgleich derselbe mit der Milch der von der Seuche befallenen Tiere gefüttert worden war. Diese Thatsache wurde Herrn Professor Winkler mehrfach von Landwirten bestätigt, denen dieselbe ebenfalls ausgefallen. Nachdem der Landwirtschaftliche Bezirksverein Gießen sich bereit erklärt hatte, die Kosten zu übernehmen, und einzelne Mitglieder sich bereit erklärt hatten, Versuchstiere zu stellen, hat Profesior W. an 15 Stück jungem Rindvieh Beob­achtungen gemacht, welchen Einfluß unter gegebenen Um­ständen die Milchsütterung bei diesen Tieren ausüben würde. In dieser Woche berichtete Dr. Winkler im Landwirtschaftlichen Bezirksverein Gießen über die Ergebnisse seiner Beob­achtungen und bezeichnete dieselben als überaus wichtig zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Die Schweine in den verseuchten Gehöften waren seinerzeit nach Aussage der Eigentümer mit Milch und Molkereiprodukten, die man mit heißen Kartoffeln vermischt hatte, gefüttert worden. Dr. W.hat nun seine Versuchstiere kürzere Zeit hindurch mit Milch von Kühen gefüttert, die kurze Zeit vorher von der Maul- und Klauenseuche be­fallen gewesen und dadurch für längere Zeit gegen die Seuche immun geworden waren. Vor der Bersütterung war die Mich aus 7585 Grad Celsius erwärmt worden. In gleicher Weise hatte man Fütte­rungs-Versuche mit Milch von Tieren gemacht, die von der Seuche befallen waren. Obgleich man nun die in dieser Weise gefütterten Tiere direkt in ver- senchte Gehöfte unterstellte, um dieselben der Ansteckungs­gefahr nahe zu bringen, blieben dieselben doch ge- sund. Bei mehreren der Versuchstiere hatte man sogar den Schleim von Tieren, die an der Seuche litten, benutzt und ihn an für die Ansteckung besonders empfindlichen Stellen der Versuchsobjekte eingerieben. Aber auch hier­gegen erwiesen sich die Tiere immun. Fütterungsversuche mit Milch, die auf 90 100 Grad Celsius erwärmt war, erwiesen sich als nicht geeignet, die Immunität der Versuchs­objekte herbeizuführen. Herr Professor Winkler erklärte, daß das Resultat seiner Beobachtungen von Herrn Pro­fessor Ehrlich bei weißen Mäusen, mit denen E. mani­pulierte, bestätigt werde. Es hänge nun von den praktischen Versuchen der Landwirte ab, weitere Beobachtungen zu machen. Er glaube, daß sie das gleich günstige Resultat haben würden, wie seine Versuche. Damit aber sei ein überaus wohlfeiles Schutzmittel ge­funden, um die Rindvieh- und Schweinebestände gegen die Seuche zu schützen.

* Bauten der Bahuvenvaltung. In jeder Hinsicht ist die Bahnverwaltung bestrebt, für ihre Unterbeamten gesunde und billige Wohnungen zu beschaffen. Nachdem sie im vorigen Jahre bei der Wirtschaft Riemer zwei Wohn­häuser für je acht Familien erbaut hatte, ist dieser Tage wieder bei Klein-Linden ein prächtiger Bau fertig gestellt worden, der vier Wohnungen enthält. Speicher und Keller find dementsprechend in vier gleiche Räume abgeteilt. Eine Waschküche und vier Ställe gehören ebenfalls zu dem Ge­bäude, sodaß nirgends ein Mangel ist. Im nächsten Früh­jahr wird neben diese Wohnungen ein noch größeres Ge­bäude gestellt werden. Da die Bahnverwaltung nach jenem Gebäude extra eine Straße gebaut hat, so ist es wahr­scheinlich, daß sie den Bau von noch mehr Wohnhäusern plant. Außerdem find gegenwärtig zwei UnterkunstS- und Uebernachtuugslokale für das Fahr- und Bahnhosspersonal nn Bau, von denen eins an der Frankfurterstraße gegen- t \ Holzhandlung I. Lenz, daS andere neben der ebenfalls nn Bau begriffenen neuen Maschinenhalle er- "^Brücken find gegenwärtig zwei im Bau, die Wreseckbrücke und eine Fahrbrücke bei Klein-Linden. Diese lst aufmoutrert, und wird im Laufe deS Winters gänzlich fertiggestellt, und dem Verkehr übergeben. Die Bahnverwaltung will außerdem noch einen Personen. Übergang bei Klem-Lmden errichten. Der Rangierbahnhos wird noch wesentlich erweitert werden. Die Bahnverwal- L^L^^kanntlich deshalb die Margarethenhütte und die Wirtschaften von Schlesinger und Rüsing angekaust Die beiden ehemaligen Wirtschaftsgebäude sind in den letzten Tagen abgebrochen worden; auch der Schmelzofen der Mar­garethenhütte ist gänzlich niedergelegt; doch dürfte die Er­weiterung und Verlegung der Geleise erst im Frühjahr erfolgen.

0 Die Obsterntej in unserer Gegend ist im großen und ganzen gut ausgefallen. Kann man auch die Aepfelernte nur als mittlere bezeichnen, so ist doch der Ertrag der Birnen im allgemeinen gut zu nennen. Die Zwetschenbäume jedoch hängen von Früchten so voll, daß sie dieselben kaum tragen können, Das Obst an den Kreisstraßen wird in

diesen Jahren wieder versteigert, während streckenweise be­sonders edlere Sorten gebrochen werden, um dann im Kreis- amtsgebüude zu Gießen Liebhabern zum Kauf angeboten zu werden. Die Reflektanten des von sachkundigen Händen gepflückten und sortierten Obstes thun gut, sich schon jetzt wegen der Abnahme desselben im KreiSamt zu melden.

Friedberg, 17. September. In der letzten Ge­nre i n d e r a t s s i tz u n g entwickelte sich eine lebhafte Dis­kussion darüber, ob neben dem Anschluß an das Ober­hessische Elektrizitäts-Werk auch die Errichtung eines eigenen Werkes in Erwägung gezogen werden soll. Die Versammlung beschloß auf Grund des vorliegenden, Vertrags-Entwurfs zu beraten und somit ist auch vor­läufig die Frage der Errichtung eines eigenen Werkes beseitigt. Die Beratung der Paragraphen technischer Natur wird erledigt, wenn die Sachverständigen gehört sind, mit denen die bereits bestehende Kommission sich benehmen soll. Die Baupläne der Herren Gebr. Ferber und Hauptmann Peytsch wurden nicht beanstandet.

HK. Friedberg, 17. September. Aus der Tagesordnung zur 15. Sitzung der Großh. Handelskammer Friedberg für die Kreise Friedberg, Büdingen und Schotten am Donnerstag, dem 20. September stehen folgende Punkte: 1. Neue Einläuse seit der Sitzung vom 26. Juli. 2. An­trag Küchel (Butzbach) auf Einführung eines Zolles auf gemahlene Erdfarben. 3. Beschluß der Handelskammer Schweidnitz über die Neugestaltung des Zolltarifgesetzes. 4. Hessischer Handelskammertag. (Entwurf eines neuen hessischen Handelskammergesetzes). 5. Antrag der Redaktion desManufakturisten" über die Handhabung der Sonntags­ruhe. 6. Antrag der sächsischen Handels- und Gewerbe- kammcrn auf Ermäßigung der Kohlentarise. 7. Antrag des Herrn Vorbach (Okarben) betr. die Post- und Eisenbahn- Verhältnisse in Okarben. 8. Antrag der Firma Fahlberg, List & Co. betr. Saccharin. 9. Umfrage des Deutschen Handelstags betr. Einrichtungen zur Förderung des aus­wärtigen Handels. 10. Antrag auf Errichtung einer Reichs­banknebenstelle in Friedberg. 11. Neue Anträge. 12. Fest­stellung der Taxen für die Revisoren von Gründungen.

- f- Friedberg, 18. September. In Nr. 138, 2. Bl., brachten wir die Mitteilung, daß das Lehrerkolleginm des hiesigen Gymnasiums den Beschluß gefaßt habe, freundliche Beziehungen unter den akademisch gebildeten Lehrerü der Provinz herzustellen u. s. w. Diese Mitteilung wnrbe einige Tage später vom hiesigen Gymnasialdirektor dementiert, von uns indessen aufrecht erhalten. Am 15. d. MtS. hat nun die erste dieser geselligen Vereinigungen hier statt - gefunden, die zahlreich besucht war und einen allgemein befriedigenden Verlauf nahm.

- 1. Queckborn, 17. September. Vom schönsten Wetter begünstigt, nahm unsere Kirch weihe einen in jeder Hin­sicht befriedigenden Verlauf. Besonders am Sonntag war der Besuch von auswärts so stark, daß die beiden Wirt­schaften, in denen Tanzmusik stattsand, bis auf den letzten Platz gefüllt waren.

- m. Melbach, 18. September. Gestern abend kurz nach Eintritt der Dunkelheit schlugen Flammen aus der Scheuer des Landwirts B., wo eine Stunde vorher noch die Dresch­maschine gearbeitet hatte. In wenigen Minuten war unsere Löschmannschaft beisammen, der es gelang, das Feuer auf die Scheuer zu beschränken.

(-) Nidda, 16. September. Vor einigen Tagen be­merkte ein Familienvater in seinem Hause Brandgerrvch Trotz allen Nachsehens konnte er die Ursache nicht finden. Als abends der Geruch immer stärker wurde, suchte ter vor dem Schlafengehen noch einmal alle Räumlichkeiten ab und fand, daß ein Balken, der neben dem altmodischen Schornstein herlief, sich entzündet hatte und wahrscheinlich schon lange glimmte. Bereits war der Stubenboden von, unten angebrannt und ebenso das Kinderbett. Wäre bei Nacht das Feuer ausgekommen, so hätte das Kind sein Leben eingebüßt. Vorgestern tummelten sich, zwei Knaben von acht Jahren aus einem Heuboden. Beide sprangen herab; dabei sprang der eine dem anderen so plump auf den Oberschenkel eines Beines, daß er brach und der Knabe zu seiner Heilung in die Klinik nach Gießen gebracht werden mußte. Gestern war unsere Stadt wieder von zahlreichen Fremden besucht; unter anderem hatte der evangelische Arbeiterverein einen Ausflug hier­her unternommen.

-y. Bad-Salzschlirf, 18. September. Es ist, als ob wir dem Sommer entgegengingen, so herrliches Wetter hatten wir in den letzten Wochen, was auf den Besuch unseres Bades nicht ohne günstigen Einfluß geblieben ist. Gegen 1630 Kurgäste in 1899, hatten wir dies Jahr 2422, darunter 73 Aerzte also 50 Prozent mehr und ent­sprechend hat die Zahl der Bäder zugenommen. Vor einigen Tagen besuchte unser Bad Prof. Dr. von M e h - ring-Halle, der in den Jahren 1875 und 1876 hier Badearzt war, und äußerte sich anerkennend über die Ver­änderungen, die in den Anlagen und Einrichtungen des Bades eingetreten sind. Professor von Mehring gehört zu den ersten wissenschaftlichen Begründern der Heilwirk­ungen des Bonifiaziusbrunnens durch seine hier vorge­nommenen Stoffwechsel-Untersuchungen bei Gichtkranken, welche hier in Behandlung standen. Dadurch sind die wissenschaftlichen Zentren, die Universitäten, auf Salz­schlirf und seiner nun zur Berühmtheit gelangten Boni- faziusquelle aufmerksam gemacht worden. So lange nun hier eine Winterkur noch! nicht eingerichtet ist, sind die Gichtkranken auf die H a u s t r i n k k u r mit Salzschlir- fer Bonifazius angewiesen.

H.Hartmannshain, 17.September. Gegenwärtig sind wieder mehrere Geometer mit Vermessungsarbeiten an der schon seit Jahren projektierten Nebenbahn Gedern Grebenhain beschäftigt. Während man früher die Bahn von Bermuthshain über Völzberg (preuß. Grenzdorf) führen wollte, soll sie jetzt, um bedeutende Summen zu sparen, ihren Weg nach Hartmannshain nehmen und damit demHerzen des Vogelsberges" mehr genähert werden. Allem Anscheine nach will man nun­mehr die Vermessungsarbeiten dieser Strecke endgiltig zum Abschlüsse bringen, damit dem Landtage, wie verlautet, eine entsprechende Vorlage gemacht werden kann.

§ Gedern/ 16. September. Die neue Telephon- lei t u n g nach Grebenhain ist fertiggestellt.

?! B e r m u t h s h aiN, 17. September. Von den zwei leiner^en geprüften Bewerbern zum hiesigen Gerne tnde- rechneramte erhielt der hiesige Kaufmann Johannes, O echl e r die kreisamtliche Bestätigung. Gegenwärtig fin­det die amtliche Ueberlieferung statt.

Frankfurt, 17. Septembers Umfangreiche Unter­schlagungen sollen den Rechtsanwalt Dr. S. Marx zum Selbstmord getrieben haben. Diese Thatsache, die schon als Gerücht einige Zeit umlief, konnte sich um so schwerer im Publikum Eingang verschaffen, als der Ver­storbene das höchste Ansehen genoß und die verschiedensten Ehrenämter bekleidete, u. a. war er im Vorstande der An­waltskammer. Er ließ sich zu großen Spekulationen,- besonders auch in australischen Goldshares verleiten, bei denen er nicht nur sein eigenes Vermögen verlor, sondern auch noch schließlich die ihm anvertrauten Gelder unter­schlug, und zur Deckung seiner Verluste verwendete. Die Unterschlagungen, über deren Höhe sichere Angaben noch Nichtvorliegen, werden aufMk.600000 bis 1000000 geschätzte Unter den Gläubigern aus verschiedenen anderen Konkursen find auch die aus der Hausen und Herzseldschen Zahlungs­einstellung, in der Marx Konkursverwalter war, durch dessen Unterschlagungen abermals in weitere Verluste gekommen. Die Passiva betrugen bei diesem Konkurse annähernd Mk. 800 000, gegen 30 Prozent der Masse. Von diesen 30 Prozent sind bereits früher zweimal 5 Prozent zur Aus­zahlung gelangt und im Juli wieder 10 Prozent. Bei der letzten Auszahlung soll aber schon nur ein Teil der Gläu­biger befriedigt worden sein. Die noch weiter ausstehenden restlichen 10 Prozent sind jetzt vollständig verloren. Ob> die Angaben über die Verluste anderer auf Wahrheit be­ruhen, lassen wir noch dahingestellt. Um in den Kreisen der geschädigten Gläubiger der Konkurse Hansen u. Herz- seld und Georg Schönfeld übertriebene Befürchtungen zu zerstreuen, ist darauf hinzuweisen, daß das Konkursgericht voraussichtlich zunächst die Frage prüfen wird, ob die in beiden Konkursen dem Maffenverwalter zur Seite gestellten Gläubiger-Ausschüsse ihre Schuldigkeit gethan haben, und ob sie der gesetzlichen Vorschrift, allmonatlich Kassen-Revisionen vorzunehmen, regelmäßig nachgekommen sind. Anscheinend war dies nicht der Fall, da sonst die Unregelmäßigkeiten schwerlich so lange Zeit unentdeckt ge­blieben wären. Wenn sich dies bestätigt, wird zweifellos versucht werden, die Mitglieder der Gläubiger-Ausschüsse zur Ersatzleistung heranzuziehen. Die weitere Verwaltung der beiden Konkursmassen soll dem Rechsanwalt Dr. Wein­traub übertragen worden sein.

* Kleine Mitteilungen aus Hesse« und den Nachbarstaaten- In Fränkisch,Crumbach feierte das 50jährige Dienst­jubiläum der Lehrer Weiß. Zwischen Oberrad und Sachsenhausen fand man die Oberkleider eines seit einigen Tagen vermißten Porteseuillers aus Offenbach geläudet. In der Weste befand sich eine Taschenuhr. Da der junge Mann fleißig und ehrlich war, auch sonst kein Grund zu Selbstmord vorliegt, befürchtet man, er sei beim Baden ertrunken. Bis jetzt ist die Leiche noch nicht aus­gesunden worden. Ein junger Droguerie-Besitzer aus Cassel namens Mainz passierte zu Rad einen Steg über das Losse-Flüßchen bei Helsa und stürzte durch einen un- ölücklichen Zufall ab. Gr wurde als Leiche im Wasser liegend gesunden; das Genick war ihm gebrochen. Wie derRheing. Bürgersr." mitteilt, hat Baron Rothschild irr Paris von der Gutsverwaltung des Schlosses Johannis­berg 120 Flaschen 1893r Schloß Johannisberger Ausbeer- wein für 12 000 Mk. gekauft. Der Schnellzug Kassel- Altenbeken Köln überfuhr hinter Paderborn mehrere Kühe, die beim Herannahen des Zuges aus der Umfriedi- gung ihres Weideplatzes aus den Bahnkörper gesprungen waren. Drei Kühe wurden aus der Stelle getötet.

Vom sozialdemokratischen Parteitag.

Nachdruck verboten.

II.

Mainz, 18. September.

In der heutigen Vormittagssitzung erstattete zunächst Auer-Berlin ein Referat über das Organisatrons- Statut. Dem Anträge, das Zentral-OrganVorwärts^ so lange die Berliner Genossen einen größeren Einstich auf das Organ ausüben wollen, unter eine Kontroll- Kommission zu stellen, kommt der Vorstund der Partei mit folgendem Anträge entgegen: Zur Kontrolle der prin­zipiellen und taktischen Haltung des Zentral-Organs Vorwärts" sowie zur Leitung desselben wählen die Parteivertreter von Berlin und den Vororten eine Preß- Kommission, die aus höchstens zwei Personen für jeden Reichstugswahlkreis bestehen darf. Des weiteren spricht der Antrag über die Rechte dieser Komtnission und über Entscheidungen bei eintretenden Meinungsverschiedenheiten. In der Debatte sprachen eine Anzahl Redner für diesen Antrag, während ein anderer Teil sich für das Vertrauens­männersystem aussprach. Für die Anträge der Frauen­bewegung sprachen Frau Ziehrer und Frau I r e r, beide mit großer Emphase.

Das Organisations-Statut wurde an eine 25gliedrige Kommission verwiesen. 198 Delegierte sind nach der Prä­senzliste anwesend. Metzner-Berlin berichtet über die Maifeier und schlägt folgende Resolution vor, die nach kurzer Debatte angenommen wird:

Sn Ue6ereinftimmung mit ben BeMussA der inter- nationalen Arbeiter-Kongresse zu Paris 1889, Brussel 1891, Zürich 1892, London 1896 feiert bte deutsche Sozialdemokratie den 1. Mar als das Weihefest der Arbeit, gewidmet den Klassen-Forderungen des Prole­tariats ' der Verbrüderung und dem Weltfrieden. Als die würdigste Feier des 1. Mai betrachtet die Partei die allgemeine Arbeitsruhe Die Partei macht daher den Arbeiter-Organisationen zurPflM, neben den anderen Kundgebungen die allgemeine Arbeitsruhe am 1. Mai eintreten und Überall da, imx die Möglichkeit für! Arbeits- mhe vorhanden ist, die Arbeit am 1. Mai ruhen zu lassen.