Ausgabe 
20.7.1900 Erstes Blatt
 
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ift; nicht schwer, uns zu schlagen, aber uns zu erobern weniger W).t. geht damit wie mit den chinesischen Mahlzeiten. Ein mutiger Europäer wird sie genießen können, aber ob er sie verdaut, das bezweifle uf) spielen mit Eurem Neid, Eurer gegenseitigen Begehrlich­keit; wir geben, was man verlangt, selbst das, was man uns durch Verträge versprochen hat, niemals zu verlangen. Wir thun es, aber wir sorgen dafür, daß England, das stärker ist als die anderen, Euch verbietet, zu nehmen, was Ihr nehmen möchtet. Die internationale Politik be­ruht eben auf der Furcht: der, die einem nahegelegt wird, und der, die man empfindet . . . Und was Sw alle nicht ohnen, das ist der Grad grenzenloser Energie, der die es Land und seine Bewohner, die Kaiserin und alle erfüllt!

Es ist in Betracht gezogen, daß diese Ansichten des ch-inesischm Staatsmannes vor ungefähr vier Monaten ge­äußert wurden. -

bach, Mainz mit Kastel, Worms, Gießen, Bad Nauheim. Sie sollen betragen bei einem Gehalt von 2100 M.: 300 M., bei 24004500 M.: 400 M, bei 4800 M. und 5000 M.: 800 M.

Das erweiterte Oberkonststorium hat alS Anfangstermin für bte Neuregelung mit Rücksicht darauf, daß im lausenden Jahre das neue Gehaltsgesetz zwar noch nicht vollständig durchgeführt wird, die Gehalts- aufbefferung sich durch die gewährten Zuschüsse aber doch schon fühlbar macht, den 1. Oktober d. Js. festgesetzt. Für die Geistlichen tn den vorbezeichneten Städten wird also mit diesem Tag die Herabsetzung der bisherigen Zulagen, für die Geistlichen in anderen Orten, welche bisher Teuerungszulagen erhielten, deren Wegfall eintreten.

Bezüglich der bisher ausschließlich wegen Schwierigkert des Dienstes gegebenen Zulagen werden wir in den einzelnen Fällen prüfen, ob deren Weitergewährung angezeigt erscheint. Sollten wir Streichung oder Kür­zung verfügen, so werden wir die Aenderung ebenfalls mit 1. Oktober d. Js. eintreten lassen."

* Stenographische System-Einheit. Auch von Kreisen, die ganz außerhalb der stenographischen Bewegung stehen, ist vielfach der Wunsch ausgedrückt worden, es möchte der Zersplitterung aus diesem Gebiete des Schristwesens ein Ende gemacht und so der Kurzschrift eine all­gemeine Verwendbarkeit im Haushalte des Volkes eingeräumt werden. Wenn nun auch eine Zu­sammenschmelzung aller verschiedenen deutschen Stenographie- systeme nicht möglich ist, weil zum Teil die Grundlagen zu sehr voneinander abweichen, so würde doch voraussichtlich die Frage der stenographischen Einheit für Deutschland praktisch gelöst seiu, wenn sich die beiden größten Schulen, die von Stolze-Schrey und Gabelsberger, zu einer Bereinigung ihrer nahe verwandten System- formen entschließen könnten. Vom deutschen GabelS- berger Stenographenverein zu Wien ist für den bevor­stehenden GabelSberger'schen Bundestag der Antrag gestellt, eine Einigung der beiden Systeme anzubahnen. Aus diesem Anlässe hat sich der Vorstand des Stenographenverbandes Stolze Schrey mit der Angelegenheit beschäftigt und in seiner letzten Sitzung die Erklärung abgegeben, daß die Schule Stolze-Schrey grundsätzlich bereit sein würde, an dem Ausbau einer deutschen Einheitskurzschrist mitzuwirken, wenn der ernste Wille bei allen Beteiligten vorwaltet, durch daS Zusammenwalten tüchtiger Systemkenner und -Forscher einen Fortschritt über das bisher Geleistete hinaus zu erzielen, daß sie aber Einigungsverhandlungen dann als zwecklos ansieht, wenn den Vertretern einer Schule von vornherein eine gebundene Marschroute bezüg­lich Festhaltung dieser oder jener Zeichen oder Darstellungs­arten gegeben wird, wie dies in einer früheren Erklärung des GabelSberger'schen Bundesvorsitzenden geschehen ist.

Orpheum Ensemble. Auch die gestrige Vorstellung des Ensembles in denBier Jahreszeiten" hatte sich, wie man uns mitteilt, wieder großen Besuches und reichen Bei­falles zu erfreuen. Da dasselbe nur kurze Zeit hier ist, so versäumen wir nicht, Interessenten daraus nochmals hin­zuweisen.

* * Zoologisch-wissenschaftliche Ausstellung. Die Ham­burger zoologisch-wissenschaftliche Ausstellung wird 4 Tage lang von SamStag ab auf Oswaldgarten zur Schau gestellt. Die Ausstellung hat in letzter Zeit die Städte Limburg, Koblenz, Wetzlar besucht, und die betr. Lokalblätter sprechen sich sehr lobend über die Sehenswürdig­keiten aus. In der Abteilung: Lebende Tiere sind u. a. Hyäne, indischer Schakal, fliegender Hund, Ichneumon, der seltene Löwenasfe, Nasenbär, Agutis, Stachelschwein, Waschbär, Moschusbeuteltier; ferner eine 27 Fuß lange Riesenschlange, 250 Pfund schwer. In der zweiten Ab­teilung findet man naturwissenschaftliche Präparate und Sammlungen, darunter einen Kugelfisch, einen Haifisch, fliegende Fische, eine Muschel- und Conchylien-Sammlung rc. Besonders seien die Schulen darauf aufmerksam gemacht. DaS weitere ist aus dem Inseratenteil ersichtlich.

* Kühle Zimmer. Wenn die Sonne es gar so gut I meint, wie in diesen Tagen, und die schwüle Luft die ! Temperatur noch härter empfinden läßt, dann dürste es I wohl zweckmäßig sein, an die Vorschriften zur Erhaltung eines kühlen Zimmers zu erinnern. Die erste Hauptsache, wenn morgens das Thermometer draußen höher steigt, als die Stubentemperatur, ist, die Fensterflügel schließen. Kommt dann die Sonne, so sind Rouleaux oder Jalousieen herab- zulasien, doch ja nicht bei geöffnetem Fenster, denn sonst kommt die Hitze doch in« Zimmer. Ist die Sonne fort, so bleiben die Fenster immer noch etwas geschlossen, bis draußen das Thermometer ein wenig gefallen ist. Daraus erfolgt die Oeffnung, und zwar, was die zweite Hauptsache, der oberen Fensterflügel. Ein Oeffnen der unteren Fenster­flügel, wie eS der Bequemlichkeit wegen in der Regel ge­schieht, hat keinen besonderen Nutzen. Die warme Luft im I Zimmer ist besonders oben an der Decke. Diese Luft muß zuerst hinaus. Sie thut uns aber nicht den Gefallen, nach I unten zu kommen, sie will, wie eben alles heutzutage, oben hinaus, darum müssen die oberen Fensterflügel geöffnet I werden. Kann man dann für kurze Zeit Zugluft schaffen, so wird der Erfolg sicherlich nicht auf sich warten lassen.

ß M-imLiudeu, 19. Juli. Die Philipp Weigel'schen (IX.) Eheleute gedenken nächsten Sonntag ihre golden - och zeit zu feiern. Beide sind noch sehr rüstig.

- L. LaugGöns, 17. Juli. Herr Anton Boller und I Frau feierten vor einigen Tagen daS seltene Fest der go l- I denen Hochzeit.

Butzbach, 18. Juli. Die Zu s amm enkun ft der evang. Arbeitervereine Gießen, Friedberg und Butzbach am Sonntag nahm einen überaus ve- friedigenven Verlauf. Vom Bahnhof auä führten wir unsere Gäste, etwa 200, auf der Taunusstraße nach dem Zipfenwalde, der an vielen Stellen einen H^Urch^n Aus- I blick auf die Stadt, die Wetterau, ihr '-Tintenfaß und I viele Dörfer bietet. Von da an erstiegen wrr trotz, der I Hitze denSchrenzer" und besichtigten den 1899 wi^reic I errichteten römischen Holzturm, die Reste emes römischen I Steinturmes, den in seiner ursprünglichen Tiefe blos- I gelegten Pfahlgraben und den ,^LeidigshaiN unter : kürzerer Besprechung der einzelnen Punkte durch Pfarrer - | Loos- Butzback).. Gegen einviertel 5 Uhr gelangten wir

Politische Tagesschau.

Der letzte europäische Brief aus Peking, der in London vorliegt, ist ein langes Schreiben eines englischen I Dolmetschereleven vom 10. und 11. Juni. Es ist | mehr ein Stimmungsbild, als eine Reihe von Ereignissen, was diese« junge Blut seinen Angehörigen eingesandt hat. Der Briesschrciber ist ganz entzückt, daß er in so aufregender Zeit mit dabei sein kann. Er versichert ein über das andere Mal, um alles in der Welt möchte er bei der Geschichte nicht fehlen. Wir hören, wie Missionare ermordet worden sind, wie ganz in der Nähe von Peking ge- I mordet und gesengt wird, wie tags vorher erst auf der I europäischen Rennbahn die große Tribüne niedergebrannt, wie am 10. Juni nachmittags ein paar andere Eleven nur durch die Schnelligkeit ihrer Pferde dem Tode entrannen und einer genötigt war, sich eines Verfolgers mit dem Re- volver zu erwehren. Nebenbei wird erzählt, wie, nach An- I gäbe eines Mitgliedes des Tfungliyamen, am selben Nach- I mittag die Kaiserin in Hellem Zorn vom Sommerpalast in die Stadt gekommen sei und gegen die hochfahrende Art der Ausländer in letzter Zeit getobt habe. Die englische Gesandtschaft war gut bewaffnet und hatte Lebens- I mittel für acht Tage. Daß die Dinge einigermaßen bedenk­lich lagen, erkannten die jungen Leute daran, daß nicht nur I Missionare aus der Gesandtschaft Zuflucht gesucht, sondern daß auch Sir Robert Hart, das Haupt des Seezollamtes, I am selben Abend die Damen seiner Beamten dort in Sicher- I heit gebracht hatte. Gerüchte kamen von neuen Verstärkungen, I die im Anzug seien. Die Bahn war unterbrochen. Der Postdienst wurde zu Esel befördert und war schon damals I recht zweifelhaft. Die Chinesen hatten große Geschütze aus I demTschienmienthor ausgepflanzt, wild aussehendes fremdes | Kriegsvolk war in der Stadt zu sehen, kurz die Lage er- I schien drohend genug, aber die jungen Leute freuten sich | königlich über den ungeheuren Ulk und die Möglichkeit einer I kleinen Belagerung. Nur die Gegenwart der Übrigens recht I tapferen Frauen und der Kinder machte ihnen einige Be- I Hemmung. I

Aus Stadt und Kand.

Gießen, den 19. Juli 1900.

Der Zweiten Kammer der Landstande ging 1) die Vorstellung des Sekretärs bei der Technischen Hochschule, Rechnungsrats K o ch zu Darmstadt, betreffend die Regn- lierung seiner Pensionsverhältnisse, zu, und 2) die Vor- | fiellung der Ortsvorstände von 13 rheinhessischen Ge­meinden, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts zu I Sprendlingen.

Militärisches. Mit Wahrnehmung einer offenen I Assistenzarztstelle wurde Dr. Stühlinger, einjährig-frei­williger Arzt vom 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde- I Drag.-Regt.) Nr. 23, beauftragt, unter gleichzeitiger Ver­setzung zum 1. Großh. Hess. Jns.-(Leibgarde-)Regiment Nr. 115 und Ernennung zum Unterarzt des Friedens- I standeS.

** Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des GroßherzogtumS Hessen Nr. 13, ausgegeben am 13. Juli, I enthält:

Ausschreiben deS Oberkonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 15) vom 6. Juli:

Auf Anregung der Großherzogin hat sich der im Jahre 1896 I gegründete Viktoria-Melitta-Verein zur Errichtung von Genesungs- I Häusern für die fünf größeren Städte des Grohherzogtums zu I einem Landesverein mit dem Sitz in Darmstadt umgestaltet, unter gleichzeitiger Aenderung, bezw. Erweiterung seiner Aufgaben derart, daß I die Fürsorge für Lungenkranke in erster Linie den Vereinszweck I bilden soll. Er will 1. für Lungenkranke des Großherzogtums Hessen, I ohne Unterschied des Standes und des Bekenntnisses, Heilstätten, 2. all- I gemeine Genesungsheime erricht?» und unterhalten, 3. für hilfsbedürftige I Angehörige der in die Heilstätten und Genesungsheime aufgenommenen I Personen Fürsorge üben und 4. den aus den Anstalten des Vereins ent- I lassenen Personen zur Erlangung von Arbeit behilflich sei«. Zur Er- I reichung und Verwirklichung seiner Absichten bedarf der Verein der Mit- I Hilfe, namentlich in Bezug auf die unter 3. und 4. aufgeführten Be- I strebungen.

Es wird beabsichtigt, Vertrauenspersonen-Bezirke einzurichten, wo vornehmlich auch auf Ihre Mithilfe gerechnet wird. Wir zweifeln nicht daran, daß Sie dem menschenfreundlichen und auch sozial bedeutsamen Unternehmen gerne Ihre Mitarbeit, wo sie begehrt wird, widmen werden, und empfehlen Ihnen daher, demselben alle mögliche Förderung ange­deihen lassen, insbesondere das Ihnen etwa angetragene Amt eines | Vertrauensmannes, wenn irgend möglich, übernehmen zu wollen."

Ausschreiben deS Oberkonsistoriums an die evangelischen Geistlichen (Nr. 16) vom 7. Juli:

Mit Inkrafttreten des neuen Gehaltsgesetzes werden die Ein- kommensverhältnifle der Geistlichen sich im allgemeinen wesentlich ver­bessern, so daß es nicht mehr gerechtfertigt erscheint, Zulagen in so großem Umfang und so hohen Beträgen wie bisher zu gewähren.

Eigentliche Teuerungszulagen werden für die Zukunft nicht mehr gegeben werden, vielmehr werden sich die Zulagen grundsätzlich auf solche wegen Schwierigkeit des Dienstes beschränken. Bei den an Geistliche in den größeren Städten zu gewährenden Zulagen wird allerdings auch die durch diese Geistlichen zu leistende Repräsentation für die Festsetzung der Höhe mit bestimmend sein, so daß über solche Zulagen nach wie vor das erweiterte Oberkonsistorium entscheidet.

Rach Beschluß dieser Behörde sollen derartige Zulagen künftig nur gewährt werden an die Geistlichen von Darmstadt mit Befsungen, Offen­

aus derWilhelmshöhe" an, wo die eigentliche Tagung stattfinden sollte. Die Eröffnung bildete ein Lied des, gemischten Chores des Gießener Vereins, das mit den noch folgenden, schön vorgetragenen und gut gewähltes Liedern viel Stimmung machte, was umsomehr anerkannt werden soll, als eine Musik für diese Zusammenkunft nach den beendeten Verhandlungen der Vereine nicht mehr zu haben gewesen war. Dem Eingangslied folgte die herz­liche Begrüßung aller Erschienenen durch den 1. Vorsitzen­den des Butzbacher Vereins, der im Anschluß daran aus­führte, weshalb sich dieser Ort so gut für eine Zusammen­kunft evang. Arbeitervereine eigne. Die Rede schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Im weiteren Verlaufe wechselten mehrstimmige Gesänge des genannten Chors und einstimmige Lieder, die die ganze Versammlung, sang, mit weiteren Ansprachen. Pfarrer Dr. Grein auA Gießen redete von den Früchten, die er sich von dieser Zusammenkunft versprach, von den Aufgaben der evang. Arbeitervereine, die mit noch viel mehr Eifer aller ein­zelnen Mitglieder angepackt werden müßten, von den Stücken, in denen wir von den Sozialdemokraten lernen könnten, aber auch von der praktischen Arbeit, auf die die evang. Arbeitervereine bereits zurückblicken könnten. (Hilfskassen, Konsumwesen, Wohnungen.) Den evang. Ar­beitervereinen galt sein Hoch Fabrikant Bindewald- Friedberg lenkte die Blicke auf den stolzen Bau des deutschen Reiches, der so verschiedene Elemente und Par­teien umfasse, dem gegenüber auch, die einzelnen Gruppen eine so verschiedene Stellung einnähmen, an dessen be­haglicher Einrichtung wir auf dem Wege besonnenen Reform zum allgemeinen Nutzen weiter Mitarbeiten wollten. Die Ansprache des zweiten Vorsitzenden des Butz­bacher Vereins, Herrn Flach, gab der Freude über den schönen Verlauf der Zusammenkunft Ausdruck, der recht geeignet gewesen sei, aufgetauchte Bedenken und Befürcht­ungen gegenüber unserer Vereinssache zu beseitigen, und schloß mit herzlichen Tankesworten an den gemischten Chor, sowie an alle Frauen und Jungfrauen. Die erwachsene Jugend erfreute sich inzwischen an mancherlei Spielen; auch zu einem kleinen Tänzchen wurde ihr verhalfen, weil sie so sehr fleißig gesungen hatte. (Butzb. Z.)

n. Rieder-Florstadt, 18. Juli. Gestern ereigneten sich hier zwei Unglücks fälle, die aber beide glücklicherweise einen verhältnismäßig guten Ausgang nahmen. Vormittags nach 11 Uhr stürzte ein Schüler der Oberklaffe von plötz­lichem Unwohlsein, wahrscheinlich einem Hitzschlag, betroffen aus der Straße hin. Hätte ihn nicht ein Mitschüler rasch zur Seite gerissen, so wäre ihm das Hinterrad eines be­ladenen Wagens im nächsten Augenblick über den Kopf ge­gangen, ohne daß dem Fuhrmann, der den Unfall nicht bemerkt hatte, irgend ein Vorwurf zu machen gewesen wäre. Am Nachmittag brachte man einen jungen Zimmergesellcn von der Arbeit heim. Er hatte sich beim Behauen eines Baumstammes mit dem Beil in den Fuß gehauen. Aerzt-

liche Hilse war bald zur Stelle.

-b. Vilbel, 17. Juli. In unserem Städtchen fand am Sonntag und Montag das 25jährige Stiftungsfest des Kriegervereins statt. Eine große Anzahl Krieger­vereine aus der Nähe und Ferne waren erschienen. Die Veteranen von hier, die am Feldzug 187071 teilgenommen, ;atten Einladungen erhalten und nahmen auch am F^zug teil. Prächtig waren Ort und Festplatz mit Fahnen, Gmr- anden usw. dekoriert. Um 2 Uhr bewegte sich em ansehn- icher Festzug durch die Straßen der Stadt nach dem Fest- ilatz, der dicht an den Usern der Nidda liegt. Der Jux­platz bot vielerlei Vergnügungen. Dank der herrlichen, allerdings etwas heißen'Witterung nahm die ganze Feier einen schönen, würdigen Verlauf. .

r- Bettenhausen, 18. Juli. Der Spinnstuben- unfug und die Zuchtlosigkeit unter der hlesigen, namentlich auch weiblichen Jugend hat hier erschreckende Grenzen erreicht. Auch aus der Umgegend kommen radau- lustige Burschen zum Besuche der hiesigen Spinnstuben. So trugen sich in der Nacht von Sonntag aus Montag, ver­anlaßt durch Burschen aus Bellersheim, hier große Straßenskandale zu. Das geradezu viehische Gebrüll brachte viele Leute aus den Betten. Alle Aufforderungen der Ortspolizei zur Ruhe hatten nur neues Gebrüll zur Folge. Da schon wegen einer hier kürzlich vorgekommenen Spinnstubenschlägerei Verhandlungen vor dem Amtsgerichte bevorstehen, so wäre zu wünschen, daß die Polizeiorgane einmal ihr besonderes Augenmerk daraus richten wurden, daß bei Zuteilung gesalzener Strasbesehle auch die weibliche, hauptsächlich schuldige Jugend nicht leer ausgmge. Denn wenn die Eltern unbegreiflicher Weise dulden, daß sich ihre Töchter bis nachts 2 Uhr und noch länger m und außer­halb des Dorfes hernmtreiben, dann hat eben der'Staa. im Interesse der Sittlichkeit solchem Treiben energisch Ein­halt zu gebieten. , , ,

88 Gedern, 18. Juli. Heute nachmittag erhängte sich die Ende der 40er Jahre stehende Ehesrau des im Frühjahr verstorbenen Glaser« und Schreiners Christen Ackermann in ihrer Küche mittelst eines Stranges. Sie hinterläßt 4 Kinder. Sie litt in letzter Zeit an Schwermu und soll sich öfters geäußert haben, sie könne Nicht mehr leben. Zufällig hinzugekommene Nachbarn schnitten den Strick durch, um die A. vielleicht noch retten zu können, jedoch zu spät. Nach Aussage des Arztes hatte sie ihr Vorhaben schon vor etwa 2 Stunden ausgeführt.

88 Greb-uhm», 17. Juli. Di- beinahe bv Jahre a Ehesrau des Landwirts Batthas-r H-rchenrüder fühl sich heute nachmittag beim H-umachen plötzlich» unwohl setzte sich, um etwas auszuruhen D,e Angehörigen suhr-« inzwischen -inen Wagen Heu nach Hause; als sie wi-d- kamen, sanden sie di- Frau tot vor. Em Hitzschlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. .

9 § Bleichenbach, 17. Juli. Gegenwärtig schweben Ver­

handlungen zwischen der Gesellschaft des Elektrizität - Werkes bei Melbach in der Wetterau und vielen Ge« meinden des Kreises Büdingen zum Anschluß an die Leitung- Bei den Ortseinwohnern wurden Formulare abgegeben, aus denen die Bedingungen ersichtlich sind, unter denen der