im Darmstadt und Herstellung von Einzelzellen im Gefängnis au Mainz, pro 1900/1901. — Bericht oes Ersten Ausschusses Uber die Regierungsvorlage, betreffend: Universitätsgebäude (Aula) zu Gießen. (Für bereits ausgeführte bauliche Veränderungen verschiedener Räume des Gebäudes und für Mobiliarausstattung desselben werden 9200 Mk. gefordert.) — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend den Botanischen Garten zu Gießen. (Für den Neubau eines Ueber- winterungShauses sind 44,000 Mk. und für Herstellung der Wege 2000 Mk., zusammen 46,000 Mk. gefordert. Die Notwendigkeit dieses Neubaues wird mit dem bestehenden Raummangel im alten Gewächshause (Palmenhaus) begründet, infolge dessen die wertvollen, ausländischen Pflanzen in einer Weise zusammengedrängt werden müßten, daß sie zugrunde gingen. Ein Teil dieser Pflanzen müßte außerdem in der nicht heizbaren Vorhalle des Gewächshauses aufbewahrt werden, wo sie leicht erfrieren. Eine Benutzung der Pflanzen für den Unterricht im Winter wäre unter diesen Verhältnissen ganz unmöglich. Diesen Mißständen soll dadurch abgeholfen werden, daß der Mittelbau deS Gewächshauses seiner eigentlichen Bestimmung als Pamlenhaus zurückgegeben wird, und zur Unterbringung namentlich der Mittelmeergewächse ein einfaches UeberwinterungshauS, wie solches auch in anderen botanischen Gärten vorhanden ist, gebaut wird. Der Ausschuß erkennt die Notwendigkeit des Neubaues rc. an und fand den vorgelegten Plan und Voranschlag nicht zu be anstanden, da insbesondere die Höhe der Kosten auf die vorgesehene notwendige eiserne Bedachung zurückzuführen ist. Der Ausschuß beantragt daher: Genehmigung der 46000 Mk.— — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend: Kreisamtsgebäude zu Alsfeld. — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage betreffend: Blindenanstalt in Friedberg. — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage betreffend: Kreisamtsgebäude zu Worms. — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage betreffend Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim. — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage betreffend: Errichtung von Dienstwohnungen für Gendarmen. — Bericht des Ersten Ausschuffes über die Regierungsvorlage betreffend: Schloßruine zu Alzey. — Bericht des Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend: Stadtkirche zu Friedberg.
** Personaluachrichte«. Der Großherzog versetzte am 9. Mai den Hofkoch Joses Fr ick er auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juni an in den Ruhestand und verlieh ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Ernannt wurden die Forstaccessisten Ernst Eckhard aus Gießen und Karl Nicolaus aus Hausen bei Gießen zu Forstaffefforen.
x Grüuberg, 17. Mai. Der Rechner des Vorschußvereins, C. Dippel, hat wegen vorgerückten Alters sein Amt zum 1. Oktober gekündigt, weshalb in der am Samstag stattfindenden Hauptversammlung die Wahl eines Rechners vorgenommen werden soll. Dem Vernehmen nach wird der Aufsichtsrat den seitherigen Kontrolleur der Kasse, Fr. Ritter, der sich als tüchtiger, pflichttreuer Beamter bewährt hat, in Vorschlag bringen. — Am nächsten Sonntag findet die Gauturnfahrt des Gaues „Heffen" nach Grünbergstatt. Der hiesige Turnverein trifft umfassende Vorbereitungen.
Darmstadt, 17. Mai. Der Großherzog hat gestern nachmittag N/z Uhr den österreichisch ungarischen außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister Freiherrn von Pereira-Arnstein behufs Entgegennahme seines Beglaubigungsschreibens in besonderer Audienz empfangen, und dem Privatdozenten an der Technischen Hochschule, Ingenieur Theodor B e ck zu Darmstadt, den Charakter als Professor erteilt.
A Darmstadt, 17. Mai. Im Gewerbemuseum wird gegenwärtig das Definitorialexamen für Schulamts-Aspiranten und -Aspirantinnen abgehalten. Wegen der großen Zahl der Examinanden wurden sie in vier Gruppen geteilt. Das Examen beansprucht für jede Abteilung drei Tage. Die erste Gruppe wurde schon in der Vorwoche geprüft. Es waren ihr 18 Aspiranten und die diesmaligen Aspirantinnen, 4 an der Zahl, zugeteilt. Die 4 Damen sind sämtlich katholisch.
Frankfurts. M, 18. Mai. Im Zoologischen Garten giebt die Kapelle Samstag einen Schubert-Weber-Abend. Sonntag ist während des ganzen Tages der Eintrittspreis auf 50 Pfg. (Kinder 25 Pfg.) ermäßigt. Nachmittag und Abend ist Doppelkonzert unter Mitwirkung der Musik des 8l. Jnf.-Regts. Es scheint ja, daß der letzte Anklang an den Winter, den »uns in den verflossenen acht Tagen die Eisheiligen brachten, überstanden ist, und man sich zum Sonntag wieder der herrlich aufgegangenen Frühlingsnatur erfreuen kann. Menschen und Tiere lechzen danach, im Freien sein zu können und es steht zu hoffen, daß sie un „Zoologischen" Sonntag wieder zu diesem ihrem Mai- Recht kommen. Müssen auch die empfindlichsten Tropen- trere noch in !den Häusern bleiben, wo in dieser Woche einmal die Oefen angesteckt werden mußten, so sind doch die meisten Bewohner des Gartens nun tagsüber und tummeln sich in den geräumigen Gehegen, sichtlich froh, die engen Wintergelasse hinter sich zu haben, freilich peht man jetzt noch manchmal die jetzt vierzehn- kopfige -Lchar von Flamingos ohne Köpfe, die sie zum Schutz gegen kühle Winde unter die Flügel stecken, und es ist spaßhaft anzusehen, wie dann die langen weißen Körper wie aus einer Spielschachtel genommen, herumstehen aufi einer merkwürdig ungeraden Zahl von Beinen. Denn viele haben eine von ihren zwei langen roten Stelzen auch zum Körper hinaufgezogen. Tann aber wieder schwingen sie wieder ihre reichsfarbenen Flügel und tanzen einen Reigen mit den Reihern und Störchen in. buntfarbigem Durcheinander, während Nimmersatte und Kraniche gemessenen Schrittes die große Wiese durchschreiten. Am sehnsüchtigsten von allen erwartet das Hin- I auskommen „Fanny", der Elefant, der — oder vielmehr |
die nächtlicherweile in ihrem Stall vor Ungeduld allerlei Unfug treibt, sodaß ihr eine starke Schiffskette ums Bein gelegt wurde, mit'& er sie abends in einer Ecke des Hauses festgelegt wird. Da ist es nun sehr belustigend, wie und mit welcher Ausdauer sie den Kettenverschluß mit ihrem Rüssel bearbeitet, um ihn zu öffnen, eine vergebliche Be-! schäftiguug, die nur durch die angenehmen und löblichen Gepflogenheiten des Fressens und Orgelspielens unterbrochen wird.
Die Kaiser-Regatta.
Biebrich, 17. Mai. Die Kaiser-Regatta nahm, von dem herrlichsten Wetter begünstigt, einen glänzenden Verlauf. Zehntausende von Besuchern säumten die Regattabahn, deren linke Seite durch Dampfer und Segelboote abgegrenzt war. Der Kaiser traf in Begleitung der Prinzessin Adolf von Schaumburg und des Großherzogs von Sachsen ein, wurde vom Ehrenpräsidium empfangen, ließ sich hierauf die Herren Ernst Ladenburg und Heinrich Heyter vom Frankfurter Regattaverein vorstellen und bestieg in deren Begleitung den Dampfer „Badenia X", der die Rennen begleitete. Der Kaiser sprach sich über das Arrangement höchst lobend aus und war von der Oertlichkeit sehr entzückt. Er gab den Vorsitzenden des Frankfurter Regattavereins zu erwägen, ob sie nicht im Anschluß an die Wiesbadener Festwoche alljährlich die Regatta wiederholen wollten. Er überreichte den Berliner Studenten vom „Wiking" seinen Preis persönlich und verließ nach dem vierten Rennen den Regattaplatz. Die Stadt Biebrich war reich geschmückt und der Großherzog von Luxemburg hatte telegraphisch angeordnet, daß das Schloß zu beflaggen sei. So stiegen denn — zum ersten Male nach 1866 — um 1 Uhr die oranischen Hausfarben (blau und orange) an den riesigen Flaggenmasten des Daches in die Lüfte, um sich nach der Rückfahrt des Kaisers wieder zu senken. Der Verlauf der Bootrennen war ein sehr schöner, und es wurden recht tüchtige Leistungen geboten.
I. Vierer. Ehrenpreis des Frankfurter Regatta-Vereins.
1. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Sachsenhausen". (685). — 2. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Germania" (63*). — 3. Offenbacher Ruder. Gesellschaft „Undine" (6").
II. Dollenzweier. Ehrenpreis des Vorstandes des Frankfurter Reqatta-Vereins.
1. Ruderklub Bamberg (850). — 2. Neuwieder Rudergesellschaft (9M). — 3. Wetzlarer. Ruderklub (9°<). — 4. Kreuznacher Ruderverein (9").
III. Vierer. Ehrenpreis des deutschen Sportvereins.
1. Frankfurter Ruder-Gesellschaft „Germania" (68*). — 2. Ludwigshafener Ruder-Verein (6").
IV. Vierer. Ehrenpreis des Kaisers.
1. „Wiking"-Berlin (6lT). — 2. Akademischer Ruderklub „Rhenus" Bonn /76). — 3. Frankfurter Ruderverein (711). — 4. Gießener Ruder-Gesellschaft (7**).
V. Einer. Ehrenpreis der Stadt Biebrich.
1. Gießener Ruder-Gesellschaft (6").
2. Ludwigshafener Ruder-Verein (71®). — 3. Würzburger Ruderverein (7"). — 4. Ruder-Gesellschaft WormS (7<i). VI. Ach ter. Ehrenpreis deS Frankfurter Rudervereins 1865.
1. Frankfurter Ruder Gesellschaft „Germania" (6"). — 2. Mannheimer Ruder-Gesellschaft (615). — 3. Ludwigs- Hafner Ruderverein (616). — 4. Frankfurter Ruderverein (623).
Die Gießener Rudergesellschaft siegte im Einer (Albert Rübsamen) überlegen über 6 Gegner (Hamburger R.-K., Würzburger R.-B., Mainzer R.-V., Ludwigshafener R.-V., R.-Ges. Worms, Frankfurter R.-G. „Germania"). Die hiesige akademische Mannschaft (F. Weyl, Goeckel, F. Lommel, W. Wolff, O. Helwig) hielt sich außerordentlich gut und lief sofort auf den zweiten Platz. Sie hatte sich jedoch beim Anfahren an den Start ein Leck geholt, sodaß am Ziel das Boot zur Hälfte voll Wasser war. Sonst dürfte sie der Berliner Mannschaft den Rang ernstlich streitig gemacht haben.
Vermischtes.
* Berlin, 17. Mai. Das tragische Ende eines greifen Gelehrten erregt in weiteren Kreisen Teilnahme. Der 77jährige. Professor Dr. Immanuel Schmidt in Groß- Zichterfelde, der zweite Vorsitzende des Neuphilologischen Vereins zu Berlin, erlitt vor acht Tagen in Berlin einen chweren Unfall. Er fiel beim Ueberschreiten des Fahr- lamme» in der Leipziger Straße hin, brach sich den Arm und kam dann noch unter die Räder einer Droschke, wo- mrch ihm eine Rippe gebrochen und die Leber gequetscht wurde. In seiner Wohnung wurde ihm die sorgsamste Pflege zu Teil, und man hoffte, daß Professor Schmidt, der sich bis dahin einer ungewöhnlichen körperlichen und geistigen Rüstigkeit erfreut hatte, genesen würde. Da trat ilötzlich eine so große Herzschwäche ein, daß er alsbald rerschied. Noch zwei Stunden vor seinem Tode hatte er )ie Korrekturen seines letzten Werkes gelesen. Schmidt war rüher Direktor der höheren Mädchenschule in Hamm i. Wests., und war 1879 als Professor an die Hauptkadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde berufen, an der er bis zum Jahre 1893 wirkte. Dann trat er in den Ruhestand und lebte nur noch wissenschaftlichen Arbeiten. Er vollendete zunächst das „Flügel, Schmidt, Tanger'sche Lexikon". Bei der Bearbeitung des Muret'schen Lexikons ereilte ihn der Tod mitten in seinem Schaffen. Von seinen anderen Arbeiten tnd zu nennen englische Schulgrammatiken, sowie Ueber- etzungen aus Shakespeare's Werken.
* Zum Konitzer Morde. Die Sektion der Leichenteile des ermordeten Winter wurde am Donnerstag fortge» efct. Dazwischen fand die Besichtigung der Fundstelle des Kopfes hinter dem Schützenhaus im Stadtwald statt. Die Sektion wird ungewöhnlich eingehend vorgenommen. Die Leichentetle werden aufs genaueste vermessen. Der Unter- I
suchungsrichter wohnte der Sektion bei; sein Vertreter nahm unterdessen wichtige Vernehmungen vor, die der Berfolgunq neuer -Dpur dienen. Die vernommenen Zeugen konnten unter ihrem Eid Auskunft darüber geben, wo die verdächtige Persönlichkeit den nachmittag des Mordtages zugebracht hat. Im Mittelpunkt der Erhebungen steht der Schneidermeister und Hausbesitzer P. Er ist Junggeselle und gut beleumdet. Er tote sein Bruder waren mit Winter befreundet. Winter war zwei Häuser von dem P.'S entfernt in Pension. P. hat die Aussage gemacht, daß er Winter an dessen Todestage in Gesellschaft zweier bisher trotz aller Bemühungen nicht ermittelter junger Leute gesehen habe, was die letzte Kunde ist, die man vom Verbleibe Winters bis zur Auffindung seiner Leiche hat. AuS P.'S Geschäft stammen das Packpapier und der Sack, in dem die Leichenteile gefunden wurden. Unter diesen Umständen ist eß nicht verwunderlich, daß der Name P.'S im gesamten bisherigen Verlauf der Untersuchung eine gewisse Rolle gespielt hat und sich immer wieder in den Vordergrund drängt. Ohne jeden Anhalt ist man übrigens nach wie vor gegenüber der Frage, wer die Zerteilung Winters nach dessen Ermordung vorgenommen haben kann. Auch die Berliner Gerichtsphysiker sind der Ansicht, daß unbedingt eine sachverständige Hand, wahrscheinlich die eines Schlächters, Messer und Säge geführt haben muß. Unaufgeklärt ist die Auffindung des Rhodeschen Taschentuches bei dem Kopf Winters. Frau Kreisschulinspektor Rhode, die sich nebst ihrem beurlaubten Gatten auf einer Erholungsreise befindet, hat, als sie als Besitzerin des Taschentuchs entdeckt wurde, erklärt, sie habe sich trotz der öffentlichen Aufforderung nicht gemeldet, well sie dem Taschentuchfund gar keine Bedeutung beimeffe. Sie sei der festen Ueberzeugung, daß ein Ritualmord vorliege, und da sei es gleichgiltig, daß das Taschentuch aus ihrem Hanse sich in die Nähe des Fundorts Der* irrt habe.
* München, 17. Mai. Von Geisterspuk liest man gewöhnlich aus entlegenen Orten. Zur Abwechselung hat ein kleines Vorkommnis dieser Art während mehrerer Tage das allgemeine Gespräch Isar Athens gebildet. Die wohl etwas abergläubische Familie eines Zitherlehrers wurde nächtlicherweile durch unheimliches Klopfen und das Umher* fliegen von Kohlenstückchen derart geängstigt, daß sie zur Geistlichkeit und später auch zur Polizei ihre Zuflucht nahm. Während bis spät in die Nacht hinein Hunderte von Zuschauern das SpukhauS umlagerten, kamen und gingen die Geistlichen, beteten mit den Insassen, rieten auch angeblich, den vermeintlichen Geist, der natürlich keine Antwort gab, anzurufen, wußten aber der Sache nicht auf die Spur zu kommen. Schließlich gelang es einem Zeitungsberichterstatter, das 14jährige Dienstmädchen der geängstigten Familie zum Geständnis zu bewegen. Es scheint, daß dieses Kind im Verein mit einer anderen Frauensperson Geist gespielt hat, und daß, wie bei so vielen ähnlichen Vorkommnissen, hysterische Anlage der treibende Beweggrund gewesen ist.
Universität und Hochschule.
— Don der UntverfitLt Bonn. Am 15. ds. wurde der Großherzog Friedrich Franz lV. von Mecklenburg- Schwerin als etadiosus jurig an der Bonner Hochschule immatrikuliert. Dem Jmmatrikulatlonsakt im Senatssaale wohnten bei außer dem Rector magnificus, der ihn vollzog, der Kurator Wirkt. Geh. Rat Dr. v. Rottenburg, die Mitglieder des akademischen Senats und einer der Lehrer des Großherzogs, der Geh Justizrat Professor Dr. Seuffert. Der Rektor Konsiflorialrat S i e f f e r t richtete an den Großherzog folgende Ansprache: „Königliche Hoheit! Der heutige Tag wird immer zu den Ehrentagen unserer Universität gehören. Ohnehin steht dieselbe auf einem Höhepunkt ihrer Entwicklung. Die Zahl ihrer Stu dierenden ist in den letzten Jahren außerordentlich gewachsen. Zum zweitenmal überschreitet sie in diesem Frühjahr das zweite Tausend, vielleicht wird sie noch etwas höher steigen, als im vorigen Sommersemester und damit den höchsten Stand seit dem Bestehen unserer Hochschule erreichen. Ein Prinz unseres Kaiserhauses will in diesem Semester seine akademischen Studien abschließen, und der Besuch unserer Universität seitens des Thronerben des deutschen Reiches ist in nahe Aussicht gestellt. So wird sich dieselbe von neuem des hohen Vorzuges bewußt, daß unser Herrscherhaus seine Prinzen chr anzuvertrauen pflegt. Andere deutsche Fürstenhäuser haben dies Beispiel vielfach befolgt. Daß ein Mitglied des Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Fürstenhauses, welches mit unserm Hofe durch die Prinzessin Alexandrine, die Tochter der Königin Luise von Preußen, nahe verwandt ist, in Bonn sich immatrikulieren läßt, geschieht heute bereits zum fünftenmale. Vor 60 Jahren that es der Herr Großvater Ew. König!. Hoheit, genau vor 30 Jahren der nach menschlichem Gedenken so früh verewigte Herr Vater. Es ist aber eine ganz besondere, eine bisher einzigartige Auszeichnung unserer kleinen akademischen Republik, daß Ew. Königliche Hoheit als regierender Herr in die Zahl ihrer Bürger eintreten will. So der Wissenschaft zu huldigen, entspricht den Traditionen des Mecklen* burg-Schwerinischen Hauses. Ein besonders leuchtendes Beispiel dafür bietet einer der hervorragendsten Ahnherrn Ew. König! Hoheit; Johann Albrecht I., der mit Recht als der zweite Gründer der Mecklenburgischen Landesuniversität gerühmt wird, hat selbst mit hingebendem Eifer bis zu einem Ende wissenschaftliche Studien getrieben. Und in der That, wenn Wissen Macht ist, wem sollte es erstrebenswerter sein, als den Herrschern? Wenn aber zur Pflege und Leitung des nationalen Lebens Berufene einer wissenschaftlichen VorbUdung bedürfen, wie sollte sie nicht vom höchsten Werte für diejenigen sein, welchen das gesamte Wohl des Volkes anvertraut ist? Rur aus der Geschichte der Vergangenheit lernt man die komplizierten Verhältnisse der Gegenwart hinreichend verstehen, um die Aufgaben für die nächste Zukunft mit Sicherheit erfassen zu können. Wenn ich nun noch den Wunsch ausspreche, daß Ew. König!. Hoheit den hierzu dienenden Studien in Bonn ohne jede Störung obliegen dürfen, so geschieht es in gegensätzlicher Beziehung auf frühere Fälle. Der Erbgroßherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg wurde aus seinen Bonner Studien heraus an das Sterbelager seines Vater- abberufen, um bald die Regierung des Landes zu übernehmen. Die hiesigen Univerfitätsstudien des Erbgroßherzogs Friedrich Franz III. wurden durch den Ausbruch des französischen Krieges unterbrochen, an dem er einen rühmlichen Anteil nahm. Es ist zu hoffen, daß Sw. Königliche Hoheit die für das Bonner akademische Studium gefaßten Pläne völlig werden durchführen können. Aber auch Ew. Königliche Hoheit werden gleich jenen erlauchten Voreltern von hier aus dem Rufe des Vaterlandes folgen, um in Thaten für sein Heil das hier erworbene Wiffen umzusetzen. Das walte Gott!" Hierauf wurde dem Großherzig die Matrikel überreicht, und er trug sich in das Universitätsalbum ein. Dann wurden ihm die einzelnen anwesenden Herren vorgestellt Der Prodekan der juristischen Fakultät, Geheimrat v. Schulte, trug darauf den Namen des Großherzogs in das juristische Fakultätsalbum ein. Die nächsten Studierenden, die unmittelbar darauf an unserer Rheinischen Hochschule neu ausgenommen wurden, waren vier junge türkische Mediziner, sämtlich Schüler des z. Zt. als Reformator des türki»


