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Samstag den 19 Mai
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Nr. 116 Zweites Blatt
Aus Stad! md Kund.
(Anonyme Sinsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht aufgenommen.)
Gießen, 18. Mai 1900.
«eschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 118 Jahren, am 18. Mai 1782, wurde zu Berlin Adolf Freiherr v. Lützow geboren. Er war eine vornehme, tapfere Natur, immer zur rechten Zett am rechten Ort, und von reinster Vaterlandsliebe beseelt. In den Befreiungskriegen bUdete er aus dem Kerne deutscher Jugend ein Freikorps, dem Theodor Körner durch seine Lieder und durch seinen Tod eine höhere Weihe verlieh. Lützow starb am 6. Dezember 1834 in seiner Vaterstadt. __________2__
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Landtag. Abg. Köhler-Darmstadt und Genossen beantragen zur Regierungsvorlage, betreffend den Gesetzentwurf, die Gehalte der Volksschullehrer, dem Absatz 1 des Artikels 1 folgende Fassung zu geben:
....... ' ~ ~r Volksschulen
Mannheim. Hierauf hieß Geh. Kommerzienrat Phil. Dif- fene die Gäste im Namen des hiesigen Flottenvereins willkommen. Kapitänleutnant Funke dankte für die herzliche Begrüßung und fügte hinzu, daß sie einen großartigeren Empfang wie hier noch in keiner rheinischen Stadt gehabt hätten. y .
Hierauf begab sich Kapitanleutnant Funke auf dem Torpedoboot S 9 nach dem bayrischen Ufer, wo inzwischen Bezirksamtmann Bachmeier, Bürgermeister Krafft, Handelskammerpräsident Wagner und Geheimrat v. Lavale an das Ufer gegangen waren. Die Herren betraten, nach^ dem das Torpedoboot S 9 am Ludwigshafener Ufer fest- gelegt hatte, das Torpedoboot, wo Bezirksamtmann Bachmeier die Gäste im Namen der bayrischen Regierung und Bürgermeister Krafft sie im Namen der Stadt Ludwigs- f NachO dem Begrüßungsakt begaben' sich die Ludwigshafener Herren auf das Festschiff zurück, während das Torpedoboot S 9 bei den übrigen Booten auf der Ludwigshafener Seite anlegte. Bald darauf kamen die Offiziere und die abkömmlichen Mannschaften der Torpedodivision an Mord des Festschiffes, um auf demselben eine Rundfahrt durch die Hafenanlagen mitzumachen.
Während der Fahrt fand in dem Salon ein Dejeuner statt, an dem 60 Herren teilnahmen und zwar die Offiziere der Division sowie die Spitzen der staatlichen, städtischen und militärischen Behörden von Mannheim und Ludwigshafen. Oberbürgermeister Beck toastete auf den Kaiser, i den Prinzregenten von Bayern und den Großherzog von Baden. Bürgermeister Krafft von Ludwigshafen toastete auf die Ehrengäste. Kapitänleutnant Funke dankte für den glänzenden Empfang und führte aus, daß sie auf ihrer Reise auf dem Rhein außer Köln noch nie einen derart glänzenden Empfang gefunden haben als wie heute in Mannheim-Ludwigshafen. Bei der Besichtigung der Hafen- aulaqen sei ihnen so recht zum Bewußtsein gekommen, haß es die Aufgabe und die Pflicht unserer Marine sei, die I Güter zu schützen und zu hegen. Redner schloß mit einem1 Hpch auf die beiden Städte Mannheim-Ludwigshafen.
Die Mannschaften wurden auf dem Vorderdeck bewirtet I und zwar mit Essen, Bier und Wein.
Vom Jndustriehafen ging die Fahrt wieder rheinauf- I wärts bis in die Nähe der Rheinbrücke, wo das Festboot zunächst auf der Ludwigshafener (Seite landete, wo die I Marineoffiziere und die Ludwigshafener. Gaste das Schiff I verließen. Sodann fuhr das! Boot auf die Mannheimer I <3fite.
Nach der Festfahrt der Torpedoboote zur Besichtigung I der Hafenanlagen wurde von dem Bürgermeister Krafft ein I Telegramm an den Prinzregenten von Bayern abgesandt. | — Der gestrige Vorfall in Oppenheim hat kein I Menschenleben gefordert._________________________
Deutscher Reichstag.
196. Sitzung vom 17. Mai. 1 Uhr.
Wie es sich erwarten ließ, waren im Reichstage die I Tribünen heute gleich bei Beginn der Sitzung stark be- I sucht, auch von den neuerdings für die Mitglieder der I einzelstaatlichen Landtage reservierten Sitze waren einige, I besetzt. Mit großem Interesse wenden sich vieler Blicke auf I Hermann Sudermann, der in der linken Ecke der großen I Mittelloge, Men sichtbar, Platz genommen hat. Voller I noch als die Tribünen präsentierte sich der Sitzungssaal, I zumal die Reihen des Zentrums zeigten kaum eine Lücke. I
Präsident Graf Ballestrem zählt kurz noch em- I mal auf, welche Teile der lex Heinze bereits erledigt sind, j und teilt mit, daß noch einige handschriftliche Anträge zu I dem Gesetze soeben eingegangen sind, die er sogleich zum' I Druck gegeben habe und, sobald sie gedruckt sind, dem! I .Hause zur Kenntnis bringen werde.
Darauf wird die namentliche Abstimmung über den I Antrag Heine vorgernommen, nach dem der § 360, 11 I des Strafgesetzbuches (Grober Unfugs-Paragraph) au f Er- I Zeugnisse der Ku u st und Literatur keine An - I rvendun g finden soll. Die Abstimmung ergiebt die I Anwesenheit von 290 Abgeordneten, von denen 80 mit I „Ja" und 210 mit „Nein" stimmen. Ter Antrag ist also | o b g e I e I) n t. ,
Nach der Verkündung des Abstimmungsergebnisses ver- I lieft der Präsident einen von den freisinnigen Abgeordneten' I Munckel Md Müller-Meiningen eingebrachten Antrag, der inhaftierte jugendliche Personen weiblichen Ge- I schlecht vor dem Zusammensein mit gleichfalls verhafteten I Dirnen zu schützen bezweckt.
Darauf begründet Abg. Bebel mehrere Anträge der I Sozialdemokraten, die prinzipiell die sittenpolizeiliche Kon- I treit' der Dirnen überhaupt ausheben, falls dies nicht durch- I «e-M, wenigstens mildern, resp. rechtliche Garantieen gegen ihren Mißbrauch schaffen wollen. Er führt zum Beweise der Notwendigkeit, diese Verhältnisse zu ändern, Fälle von polizeilichen Mißgriffen vor, die in der Presse schon vielfach besprochen worden sind; die Zahl der alljährlich sistierten Frauen und Mädchen sei außergewöhnlich groß und wachse noch an, die wenigsten aber hätten gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden können.
Abg. Stadthagen (Soz.) wird nut großer Unruhe ,
Präsident Graf B a l l e st r e m schafft dem Redner Gehör indem er das Haus um Ruhe bittet. >ze größer die Zahl der Anwesenden sei, um so notwendiger sei Ruhe, weil sonst leicht ein unerwünschter Ton Platz greife.
Abg. Stadthagen: Die einzige Berechtigung, die {Uh für die Polizeiaufsicht ausfindig machen läßt, hegt in den sanitären Rücksichten. In diesem Punkte wollen rott auch das Erforderliche vorgekehrt wissen. Die Polizei kann nicht den Beruf haben, die Sitten des Volkes zu regulieren; aber wir finden eine solche Auffassung selbst tn gerichtlichen Erkenntnissen als Unterlage für die Erkenntms- aründe wieder. Die Kasernierung wird andererseits infolge schriftlicher Verfügungen des Chefs der Polizeibehörde von den davon Betroffenen als eine Art Konzession betrachtet. Der Polizeipräsident in Berlin z. B. ist ja ganz und gar nicht im stände, die vielen Tausende von Frauen und Mädchen, die alljährlich der Sittenpolizei zugeführt werden, persönlich zu vernehmen und seine Entscheidung danach zu treffen Die Frauen und Mädchen smd der Willkür untergeordneter Polizeiorgane überantwortet. Sind doch soaar Fälle voraekommen, wo Mädchen unter Polizeiauf- ftcht gestellt werden sollten, die sich bei der ärztlichen 'Untersuchung als völlig unberührt erwiesen! In welche Seelenkämpfe müssen solche Mädchen hmemgeraten, und welche Sittenverderbnis muß die Folge solcher polizeilichen Willkürlickjkeiten sein! Die Kasernierung oder Lokatt- fierung der Prostitution muß gerade die Arbeiterviertel der Städte mit ihrem verpestenden Einfluß vergiften. Die Absteigequartiere in den feinen Vierteln betrachte -die Polizei nicht als Bordelle. Wolle man das schreiende Unrecht der Nr. 6, das der Polizeibehörde das Recht gebe, Arbeiterviertel mit Huren zu besetzen, nicht gänzlich beseitigen so möge man wenigstens die Eventualanträge annehmen. Das Institut der Sittenpolizei müsse verschwinden. Er treue sich darüber, daß aus dem Hause bisher gegen den sozialdemokratischen Prinzipalantrag kein Widerspruch erhoben worden, sei (Schallende Heiterkeit) ein Beweis, daß das Haus bis zum letzten Wort mit demselben einverstanden sei. (Beifall bei den Sozialdemo
Nach dieser siebenviertelstundigen Rede erhalt das Wort Abg. Beckh-Koburg (frs. Vp.): Bei der früheren Beratung hatte man sich auch auf der Rechten gegen die Handhabung ldes § 361 erklärt. Wenn diese Bestimmungen auch nicht darauf hinwirken, daß die Regierungsmaschme das Zuhältertum begünstigt, so muß sie doch verderblich sein, wie sie gehandhabt wird. Die Streichung dieser Be- stummung könnte aber einen unheilvollen Einfluß auf
folgende Drucksachen vor: "Bericht des Ersten Ausschusses über die RegierungS. Vorlage, betreffend Entsch-id.gung für g°tüt-tes und aefalleneS Vieh IN Seuchefällen rc., Bencyr des Ersten AusfchuffeS über die Regierungsvorlage zu Kapitel 143 Titel 1 und 8, betreffend: Provinz,alarresthau«
die Zunahme der geschlechtlichen Krankheiten haben. Ich I bin ein Gegner der Kasernierung und damit der Aus- j beutung und Sklaverei der Prostituierten. Durch Ablehx- I nung unseres Antrages in Bezug auf das Wohnen der I Prostituierten haben Sie den Riegel weggeschoben, den I wir vor die Kasernierung legen wollten. Ich kenne eine I Stadt, in der von den Bordellen Steuern erhoben wurden I unter der Rubrik „Landesprodukte". (Große .Heiterkeit.) I Ich hin mit dem Grundgedanken des Eventualantrages I einverstanden. (Beifall links.) . I
Von den Abgg. Spahn (Ztr.) und v. Levetzow wud I Schluß der Debatte beantragt. — Abg. Singer beantragt I darüber die namentliche Abstimmung. Der Antrag wird I genügend unterstützt. I
Der Antrag auf Schluß der Debatte wird in nament- I kicher Abstimmung mit 213 gegen 92 Stimmen angenom- I men. Ein Abgeordneter enthält sich der Abstimmung Gegen den Schluß stimmen auch die Polen. — Darauf I wird in namentlicher Abstimmung der Eventualantrag I Albrecht und Gen. zu. § 361 Nr. 6 (Kasernierungsverbot) I mit 221 gegen 73 Stimmen, der Eventualantrag Heine I (Untersuchungsverbot) mit 218 gegen 70 Stimmen, der I Antrag Albrecht auf Streichung des § 361 Nr. 6 nut 237 I gegen 48 Stimmen abgelehnt. I
" Um 6 Uhr 45 Mim wird die weitere Beratung auf
Freitag 1 Uhr vertagt. (Vorher dritte Beratung des Nachtragsetats.) I
Die deutsche Torpedobootsdivifion in den Rheinftcidten.
Worms, 16. Mai. Die Rhein TorpedobootS- Division ist heute mittag gegen 2 Uhr hier eingetroffen. Die Spitzen der Behörden und die Stadtverordneten waren den Torpedobooten entgegengefahren, und hatten sie unterhalb Rhein-DürkheimS mit lebhaften Zurufen begrüßt. An I den Rheinufern bildete eine dichtgedrängte Menschenmenge Spalier. Das Infanterieregiment Nr. 118 hatte am Gestade Aufstellung genommen. Um 3 Uhr nachmittags fand ein Festmahl stall. Natürlich war ganz Worms auf den Beinen, um sich die Schiffe anzusehen.
Worms, 17. Mai. .Heute früh erfolgte die Wetter- fahrt der Torpedoflottille nach Mannheim. Tas Divisionsboot der Flottille mußte wegen des niedrigen Wasser- standes von Koblenz die Rückfahrt nach Köln antreten.
Mannheim, 17. Mai. Ein prachtvolles Frühlings-. Wetter verherrlichte den heutigen ersten Festtag des Be- fuchs, den die Torpedodivifion den mächtig emporfttebenden südwestdeutfchen Handels- und Industriezentren Mann-.
I Heim-Ludwigshafen abftattet.
In der Stadt Mannheim haben viele Häuser geflaggt. I Noch reicher ist der Flaggenschmuck in der Stadt Ludwigs^ Hafen. Um einhalb 11 Uhr erfolgte die Abfahrt des Fest- | schisses „Ernst Moritz. Arndt", um der Torpedoflottille I entgegenzufahren. Unter dem Krachen der Böllerschüsse wurden die Anker des Festschiffes gelichtet, und dasselbe
I dampfte stolz in den Rhein hinaus, auf der ganzen Fahrt nach dem Frankenthaler Kanal von dem die beiderseitiges
I Ufer einsäumenden Publikum lebhaft begrüßt.
Gegen einhalb 12 Uhr kamen die Torpedoboote in I Sicht, mit größter Spannung erwartet von der festlich I gestimmten, auf den Schiffen versammelten Menschen- I menge. Von den sechs Torpedobooten, die in einer geraden I Linie hinter einander fuhren, kam das erste, auf welchem I Kapitänleutnaut Funke war, an das Festschiff heran. Es fand hierauf die gegenseitige Begrüßung statt. Herr Ka- I pitänleutuant dankte mit militärischem Gruß für die ihm I entgegenschallenden Hochs, während die Mannschaft des I Bootes ein von dem Leutnant kommandiertes dreimaliges! I Hurra ausbrachte.
Die beiden Musikkapellen spielten während der Be- I grüßung die „Wacht am Rhein". Das Torpedoboot fuhr I sodann zurück zu den übrigen Booten der Division, worauf I die Fahrt der ganzen Flottille sttomauftvärts begann.
Gegen einhalb 1 Uhr erfolgte die Ankunft der Flottille an der Landungsstelle der Köln-Düsseldorfer Gesellschaft, I lebhaft begrüßt von der Kopf an Kopf stehenden, nach I vielen Tausenden zählenden Menschenmenge, die das! I Mannheimer und Ludwigshafener Ufer sowie die Rhein- I brücke besetzt hielt.
Nachdem das Festschiff angelegt hatte, fuhren die sechs I Tropedoboote parademäßig an dem Festschiff vorüber, wo- I bei Hie Offiziere uni) Mannschaften militärisch grüßten.
Inzwischen waren Landeskommissär Ministerialrat I Pfisterer, Oberbürgermeister Beck und Geh. Kommerzien- I rat Phil. Diffene als Vorsitzender des Flottenvereins vom I Festschiffe an Land gegangen, um sich von hier auf das I Torpedoboot S 9 zu begeben und Kapitänleutnant Funke I und in ihm die ganze Torpedodivision zu begrüßen. Lan- I deskornrnissär Pfisterer hieß die Gäste im Namen der badi- I schen Regierung willkommen. Sodann bewillkommnete | Oberbürgermeister Beck die Gäste im Namen der Stadt
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