Ausgabe 
18.9.1900 Zweites Blatt
 
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** Eine öffentliche Versammlung für Kaufleute, vermr-

Der nächste Punkt betrifft die Agitation für den Arbeiterinnenschutz. Fräulein D u n k e r - Leipzig spricht für einen Antrag der Leipziger Genossinnen auf einen erweiterten Schutz und materielle Unterstützung wäh­rend der gesetzlichen Schutzzeit der Wöchnerinnen. Wir, die wir an der Zukunft arbeiten, müssen aicch für ein Ge­schlecht sorgen, das sich der Zukunft freuen kann. Frau Jrer wünscht einen größeren Schutz für die verheirateten Frauen und die Krankenkassenunterstützung der Wöch­nerinnen während der gesetzlichen Ruhezeit. Frau Zetkin: Der gesetzliche Arbeiterinnenschutz sei em Agitationsmittel gegen das Zentrum, dem damit die heuchlerische Maske vom Gesicht gerissen werden könne. Während das Zentrum die verheirateten Frauen aus der Fabrik heraus haben wolle, seien es gerade die Zentrumsgrößen, den Reichs­tagspräsidenten Graf Vallestrem eingeschlossen, welche die Arbeiterinnen in den Gruben ausbeuten. Die weitere Debatte bot nichts neues.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 17. September 1900,

* Herr Adols Müller, in Firma Moritz Gregori und L-ohn, Kreuzplatz 14, bittet uns mitzuteilen, daß er mit oem unter dem Verdachte der Brandstiftung verhafteten Splelwarenhändler Müller vom Seltersweg nicht iden- TT 1 fn tu

< p ?^inBaa der-Berlin ist der Meinung, wenn da- heutige Menschenmaterrat noch nicht auf dem S punkt der Zeit stehe urtd sich mit demselben noch 'nicht ideale Zustände schaffen lassen, so müsse dies Materäl ,,umgemodelt" werden. Es gehöre zur Aufgabe der sozial­demokratischen Bewegung, auch die Vorurteile der Menschen zu beseitigen und edlere Menschen zu erziehen.

Frau W en g els-Berlin warnt vor Annahme des letzterwähnten Antrages Zetkin. Die Konferenz würde sich dadurch nur lächerlich machen.

Arbeitersekretär K a tz e n st e i n-Mannheim erkennt an, daß viele ^männliche Sozialdemokraten die Frauenbewegung noch scherzhaft behandeln. Dieselbe Behandlung erfahre z. Zt. die Alkoholfrage, obwohl die gründliche Behandlung derselben der Partei bedeutend mehr Frauen zuführen wurde, als alle Resolutionen.

Genossin Steinbach-Hamburg verwahrt sich da-. . _____

gegen, daß sie eine Männerfeindin sei. (Heiterkeit.) Sie I tisch ist. habe viele Genossen näher kennen gelernt, die so hoch

I stehen, daß sie zu ihnen die größte Liebe hege. An­dererseits habe sie aber aud} schon vielböses Kraut"

I können gelernt (Heiterkeit). Sie glaube nicht, daß eine I sozialdemokratische weibliche Bertrauensperson das er- | reichen werde, was den Männern nicht gelungen sei (Ruf- Was sie nicht gethan haben!). Die Zigarrenarbeiter seien

I wohl die rötesten Genossen, auf denBuden" werde von I nichts weiter gesprochen als von Parteisachen (Ruf:und I Alkohol!" Heiterkeit), es sei denselben aber nicht gelungen, I die Arbeiterinnen in die Organisation hineinzuziehen. I Sie warne vor einer Ueberschätzung des Antrages, tuemi I derselbe jedoch angenommen werden sollte, so müßten die I weiblichen Bertrauenspersonen aber auch als völlig gleich- I berechtigt und zu allen Sitzungen zugezogen werden. (Sehr I richtig!) Sonst würde es meistens unterbleiben und heißen: IAch, was sollen wir mit der, die quatscht uns doch nur I etwas vor."

I Genossin Zeise- Köln rechnet auch nicht auf An- | nähme des Antrages auf Gleichberechtigung der weib- I lichen Vertrauenspersonen durch den Parteitag. Am meisten leide die Parteipresse unter der Gleichgiltigkeit

I der Genossen gegenüber der Frauenbewegung.

I Arbeitersekretär Dr. Braun- Nürnberg hält es für I überflüssig, über die Form lange zu sprechen. Es hätte | vorher ein Situationsbericht über die Frauenbewegung I gegeben werden müssen. Leider gebe es nur geringe An- I sätze einer Frauenorganisation und an vielen Jndustrie- I orten fehlen selbst diese. Wenn auch viele Leiter der poli- | tischen und der Gewerkschastsbewegung Gegner der I Frauenbewegung sind, so sollte man die Männer nicht im I allgemeinen so schlecht machen. Am besten entwickele sich I die Organisation dort, wo Männer mit Frauen zusammen - I arbeiten.

Es wurden dann die Vorschläge der Frau Zetkin an- I genommen. Danach sollen in jedem größeren Ort oder I Jndustriebezirk nach vorausgegangener Verständigung mit I den Genossen von den Genosjinen eine Vertrauensperson I gewählt werden, welche die Agitation unter dem weib- I lichen Proletariat planmäßig leitet. Die Vertrauensper- | sonen der Genossinnen sind überall, wo die Vereinsgesetze I dem nicht entgegenstehen, von den Organen der allge- I meinen Bewegung zu allen Sitzungen und Arbeiten als gleichberechtigte Mitarbeiterinnen heranzuziehen.

Es wird zum nächsten Punkt: Die Agitation unter dem weiblichen Proletariat, geschritten. Angenommen wird folgender Antrag der Genossin Zetkin: Zur Agitation unter den Arbeiterinnen sind, wie es schon der Parteitag zu Gotha beschlossen, in be­stimmten Zwischenräumen kurze, populär gehaltene Flug­blätter herauszugeben,-welche in knapper, kräftiger Dar­stellung einzelne Seiten der Arbeiterinnen-Jnteressen und der Frauenfrage behandeln (Lohnfrage, Arbeitszeit, Ueberstundenarbeit, sanitäre Bedingungen, gesetzlicher Schutz, Gewerkschafts-Organisationen, Gcwerbe-Schieds- gerichte, Krankenversicherung rc. re.)- Diese Flugblätter sollen die Form kleiner Broschüren erhalten, aus gutem Papier gedruckt und geschmackvoll ausgestattet werden. Mit ihrer Herausgabe wird eine Kommission betraut."

Die Kommission soll ihren Sitz in Berlin haben. In einer Resolution wurde es der Parteipresse zur Pflicht gemacht, der Agitation unter den Arbeiterinnen künftig mehr Ausmerksumreit zu widmen. Die Genossin Dun ker- Lerpzrg legte den größten Wert auf die persönliche Agi­tation in den Fabriken.

Reichsratsabg. Pernerstorffec- Wien Vertreter ba,i die Fraueyfrage nur ge ost werden konire durch dte Frauen, es gebe viele an­gesehene Parteigenossen, die in Bezug auf bie Frauen- frage achselzuckend sagen: Es sind ja nur Fr^en

Genossin Vogel-Berlin glaubt im Gegen^is dass die Frauenbewegung zu schwach sei, um ohne Mithilfe de? Genossen weiterzukommen.

Genosse Katzen st ein - Mannheim hält die Frage des Salzaufschlages für ein geeignetes Agitationsmittel unter den Frauen. (Ruf:Kohlennot!) Ueberhaupt müssen die Interessen, der Konsumenten bei der Handelsvertrags- Politik gegenüber den Hungerzöllen agitatorisch verwertet werden. t

Steinbach-Hamburg: Der BegriffWeibchen" muß den Männern im Verkehr mit uns völlig ausgetrieben werden. (Heiterkeit.) Die Frauen dürfen nicht zu poli­tischen Zwecken ausgenutzt werden. Ein Mittel auf diesem Wege sind die neutralen Gewerkschaften, von denen man vorläufig noch wenig wissen will. (Zwischenruf mehrerer Genossen:Hoffentlich niemals!") Das kommt noch! Ueber die Gewerkschaftsbewegung hat man früher auch gelacht, und jetzt ist es die Hauptsache (Sehr richtig!).

Genossin Dun ker-Leipzig will noch Flugblätter in den Frauenabteilen der 4. Wagenklassen der Eisenbahn verteilen lassen.

mehr hinzuzufügen habe. Es erübrige ihm nur, den Be­schluß der gestrigen Versammlung der drei landwirtschaft lichen Provinzialvereine mitzuteilen, mit dem Anheimgebeu, sich der Resolution anzuschließen; denn auf die Einigkeit lege er das größte Gewicht.

Nach Verlesen der Resolution wird diese zur Dis­kussion gestellt. ReichStagSabg. Luche warnt vor Spaltung, vor Vertreten von Parteipolitik, wodurch die gemeinsamen Jntereffen in den Hintergrund geschoben würden. Er bitte der Resolution zuzustimmen, da sie ein bedeutendes Mene tekel für die deutschen Negierungen sei.

LaudtagSabg. Korell bittet auch um Annahme der Resolution, um der Regierung zu zeigen, daß auch der kleinste Bauer voll und ganz damit einverstanden sei. Dann spricht er noch sein Befremden darüber aus, daß die Re­gierung bei der gestrigen Versammlung nicht gesagt habe, ob und wie weit sie über den jetzigen Zollsatz von 3,50 Mk. hinauszugehen geneigt sei.

Land- und ReichStagsabg. Köhler bemängelt, daß im Ministerium Handel, Gewerbe und Industrie und Land wirtschaft durch ein und dieselbe Person vertreten seien. Wir müssen eine besondere Vertretung haben.

Der Sekretär deS hessischen Bauernbundes, Redakteur Hirsche!-Offenbach mahnt auch zur Einigkeit, die man von den Gegnern gelernt haben müßte, die stets geschloffen gingen, wenn eS gelte, ihre Jntereffen in der Gesetzgebung zu vertreten.

Hierauf wird folgende Resolution einstimmig angenommen:

Die zu Darmstadt vereinten hessischen Bauern deS hessischen Bauernbundes, des Bundes der Landwirte und oer landwirtschaftlichen Vereine für das Großherzogtum Hessen sehen die gegenwärtigen Zollsätze der landwirt­schaftlichen Produkte als durchaus ungenügend an und bitten die Landesregierung dringend, für Verdoppelung der bestehenden Getreidezölle und wesentliche Erhöhung der Zölle auf andere landwirtschaftliche Produkte ein­zutreten."

Nach kurzen Worten der Freude über die endlich zu stände gekommene Einigung und Jber Mahnung zum Standhaftbleiben seitens des LandtagSabg. Weidner schließt kurz nach 12 Uhr ReichStagsabg. Köhler mit einem Hoch auf den Bauernbund die Versammlung hessischer Landwirte.

Sozialdemokratische Frauenkonferenz.

Mainz, 16. September.

r^raulein Bader eröffnete gestern in der Restau­ration des Herrn Rothermund als Vertrauensperson der sozialdemokratischen Frauen und Mädchen Deutschlands i ine zum ersten Male tagende Konferenz. Die Rednerin führte aus, daß der Frauenkongreß nicht den Zweck habe, sich von der sozialdemokratischen Bewegung der Männer zu trennen, sondern derselben sich immer mehr zu nähern u sozialdemokratische Bewegung mehr und mehr Zu fordern. Daß zum ersten Male eine Frauenkonferenz vor dem Parteitage tage, beweise, daß auch bei den grauen bedeutende Fortschritte gemocht worden seien. Sie I Posse, daß in 25 Jahren die Bewegung unter den Frauen I solche Fortschritte gemacht, wie bei der politischen und | gewerkschaftlichen Bewegung der Männer.

Zur Präsidentin der Konferenz wurde die G e n o s s i n | Zetkin gewählt. Nach Annahme einer Geschäftsordnung I und der Aufstellung einer Tagesordnung, sprach die Ge- I nossin Zetkin über denAusbau des Systems der I Vertrauenspersone n". Die Rednerin will volle I Gleichberechtigung für die weiblichen Vertrauenspersonen I bei der gewerkschaftlichen und politischen Organisation und I Mitarbeit bei derselben. Die Genossen seien nach dieser I Richtung noch gerade so rückständig, wie die übrigen Ge- I sellschastsklassen". An der Debatte zu dem Antrag des I Ausbaues der weiblichen Vertrauenspersonen beteiligten I sich zahlreiche Rednerinnen.

Die Genossin Jrer ist der Ansicht, daß die Ver- I emsgesetzgebung in Preußen es unmöglich mache, daß I weibliche Vertrauenspersonen bei der männlichen poli- I tischen und gewerkschaftlichen Organisation Mitarbeiten I könnten. In Preußen würden ja schon die politischen Ver- I Sammlungen aufgelöst, in denen ein paar Frauen an- I wesend seien.

Frnu Steinbach warnt vor großen Hoffnungen. I Die hier gestellte Forderung sei eine Machtfrage. Sie be- I Zweifle, daß die Männer gewillt sein werden, den Frauen I volle Gleichberechtigung Auzugestehen. Das gegenwärtige I loäialdemokratische Männer- und Frauenmaterial sei vor- I jaujig noch von derartiger Beschaffenheit, daß mit dem- rsefit ^ale Zustande sich nicht schaffen (affen.

8 0ebe noch sehr viele Genossen, die die I terocaunn X'Ie9 rückständig chatten und von einer Frauen- aemnAÄ It,ollcu' Trotzdem müsse der Ver- j ^K^durchzüschem Gleichberechtigung der Frauen in _ b'NM Zietz - Hamburg erwidert der Genossin chrer *c,n" bte Vrremsgesetze den Frauen nicht Beschränkunaen auferlegen wurden, wäre überhaupt eine gesonderteFrauen- bewegung unnötig. ö 1 v I

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staltet von der Ortsgruppe Gießen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes, findet am 20. September abends 9 Uhr im Cafs Ebel statt. Es wird ein Vortraq über die ..Wirtschaftliche Lage der Handlungsgehilfen und ihre Forderungen an die Gesetzgebung" gehalten werden

O Groß-Karben, 16. September. Bei der auf dem Selzerbrunnen gestern abgehaltenen Lehrerversamm­lung waren nahezu 200 Lehrer anwesend. Landtagsabg. Backes aus Darmstadt hielt einen Vortrag über den jetzigen Stand der Gehaltsvorlage. Unter allgemeiner freudiger Zustimmung der Versammlung erklärte er, daß die Be­soldungssache im Herbste nochmals die beiden Kammern beschäftigen werde, und er glaube versichern zu können, daß die Beratungen und Beschlüsse zur vollsten Zufriedenheit des hessischen Lehrerstandes ausfallen werden. . o. Friedberg. 16. September. Dienstag 18. September wird der Großherzog hier zu einem viertägigen Aufent' halte eintreffen, und in dem Großh. Schlosse Wohnung nehmen.

-armstadt, 15. September. Ein imposanter Leichenzug, wie man ihn bet uns nur selten gewohnt ist, passirte heute die Straßen der Stadt nach dem Friedhof. Galt es doch, Überreste des plötzlich verschiedenen Kabinetts­buchhalters Regierungsrat Carl Rothermel, der Mit­glied und Ehrenmitglied einer ganzen Anzahl Vereine ge­wesen und sich um das Darmstadter, das hessische, ja das deutsche Turnwesen sehr verdient gemacht hat, zur letzten Ruhe zu geleiten. Tausende von Freunden und Bekannten waren in dem Zug, viele Tausende hatten sich in der Straße als Zuschauer eingesunden. Unter Vorantritt der Kapelle Hilge eröffnete der Kriegerverein Darmstadt den Zug. Dem Kriegerverein folgten die Fahnen der hiesigen Turnvereine, deren Mitgliedern sich zahlreiche Freunde Verblichenen zugesellt hatten. Dann trug ein Turner ... Orben, es folgte der vierspännige Leichenwagen mit un­zähligen Bouquets und Lorbeerkränzen bedeckt, dem " Angehörigen mit Freunden, sowie den Vertretern ... Deutschen Turnerschaft, dem Turnkreise und Gaue folgten. Hieran schlossen sich die Deputationen der einzelnen Turn­vereine des Kreises mit über 70 Standarten und Bannern.

Unter den Seibtragenben bemerkten wir auch Kabinettsrat Römhelb als Vertreter bes Großherzogs. Am Grabe würbe der Trauerzug durch einen von dem Sängerchor der Vereinigten Turnvereine vorgetragenen Choral em­pfangen, worauf Pfarrer Eger sprach. Nach dem Gebet folgte em weiterer Choral. Dann sprach der hessische Turmnspektor Schmuck unter Niederlegung zweier Kränze ftr den hiesigen Turnverein, wie für den Mitlelrheinkreis. Es folgte Herr Hoffmeister-Ludwigsburg als Vertreter des Deutschen Turnausschusses, der im Namen der Deutschen Turnerschaft einen Kranz niederlegte. Namens der Kreis­vorturnerschaft legte Herr Heidegger-Wiesbaden einen Kranz nteber. Namens des Kriegervereins Darmstadt, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, sprach unter Nieder- l-gung eines Kranzes Hauptmann Waldecker. Dann kamen die hiesigen und auswärtigen Vereine unb uuo Offen­bach, Frankfurt, Mainz, Hanau, Gießen, Marburg Wetzlar, Worms, Kastel 2c., die alle Kränze ntebv.uäh>°' Die Landwirtschaftliche Ausstellung war heutk zum Erdrücken besucht. Während am erst»' Tage ca. 4000, gestern ca. 16000 Personen anwesend waren, schätzt man )en heutigen Besuch auf über 35000 Personen. Ver- chiedene Ohnmachts- und sonstige kleine Unfälle gaben der istlfsbereiten Sanitätswache Anlaß, helfend einzugreifen. Während der gestrige Luftöallvnauf stieg von Fräulein

cn Paulus gut von statten ging, sodaß sie in jtiein^u wohlbehalten landen konnte, kam sie nur bis vor oen Wa^, unterhalb des Exerzierplatzes, wo der Ballon ich m den Bäumen festhing, sodaß die Luftschifferin wie )er Ballon aus den Aesten herabgeholt werden mußte. vernehmen mit Bestimmtheit, daß die Leiche des nun­mehr verstorbenen Prinzen Heinrich von Hessen hier­herverbracht und auf dem Mausoleum auf der Rosenhöhe beigefetzt werden soll. y v

Eingesandt.

(Für Form unb Inhalt aller unter biefer Rubrik hebenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.)

rt. t Gieße«, 17. September 1900

Dem Einsender des ^.-Artikel in Nr. 216 sei noch erwidert 'daß er bester gethan hätte mit dem Vorstande des Kaufmännischen Vereins Fühlung zu nehmen *) als in geschehener Weise ungerechtfertigte Kritik zu Üben. Wie m der ersten Entgegnung schon erwähnt, ist in dem neuen Gesetze für die Angestellten eine Ustündige ununterbrochene Ruhe- pau/e bestimmt und es dürfte dem größten Teil der Angestellten gleich- gütig sein, ob diese Pause von 8 Uhr abends bis 7 Uhr morgens oder

® 8 "ahrt. In dieser Beziehung hält also der^ Vorstand

des Kaufmännischen Vereins eine Diskussion für überflüssig Was den L-d-nschluß anbelangt, so konnte de- Vorstand nur i-A n, laß wte vorher der dazu berufene Detaillisten-Verein die Wege tut Eräelunn etner möglichst Allen Rechnung tragenden Einigung anbahnte. In der Versammlung ist der Vorstand des Kaufmännischen Vereins vertreten gewesen, und der erfolgte Beschluß, der mit allen gegen eine Stimme ?^°^snroUrbre,CT s? zufriedenstellend, daß der Kaufmännische Verein keine Veranlaffung haben wird, daran etwas auszusetzen. Es kann nur werden, daß niemand geschädigt wird, wenn Einigkeit herrscht, Äii- der Versammlung betonte, darf die ideale

?^änfay der Verkaufszeit hat, nämlich die Förder- ung des Familienlebens, auch nicht gering angeschlagen werden.

c, müssen dazu bemerken, daß diese von uns gelassene Rubrik,

die die UeberschrtftEingesandt" trägt, dazu da ist, daß Angelegenheiten werden^^bmelnem^Interesse von unseren Abonnenten öffentlich behandelt Herrn Verfasser des Ll.-ArtikelS in Nr. 217 deSGieß.

c^ch JIarJ£r n müssen, daß dem Einsmder des m-ArtikelS, betreffend das Oeffnm und Schließen der hiesigen Läden, ein ganz unbedeutender Schreibfehler unterlaufen war, indem es sich tn diesem Eingesandt hauptsächlich um das Ocffnen der Läden bandelt. Im weiteren will der Herr Einsender rotff en, um welche Zeit die Arbeiter, die früh um 6 Uhr an ihrer Arbeitsstelle sein müssen, ihre Einkäufe besorgen sollen. Laut Reichsgesetz können vom 1. Oktober an die Verkaufsläden von 5 Uhr morgens bis 9 Uhr abends un­unterbrochen offen gehalten werden.