Ausgabe 
18.8.1900 Erstes Blatt
 
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Kampf auf, hier durchzukomrnen^!" Und nun erst die armen Ausstellungsbesucher, die weniger lernen als sehen wollen, sie wissen größtenteils nicht, wohin sie die Augen lenken, wohin sie die Schritte richten sollen, denn streng sachwissen- schaftlich^ Gegenstände wechseln mit allgemein fesselnden ab, und nach einigen Stunden Umherwanderns ist's ihnen, als ob ihnen das berühmte Mühlrad im Kopfe umher­schwirrt.

Betreten wir die linke Palastreihe, so gelangen wir zunächst in die Abteilung der Hüttenkunde und Minen, die Gewinnung der Metalle wird uns veran­schaulicht und ihre Bearbeitung, wir werden eingehend mit dein Betrieb in den Bergwerken vertraut gemacht und mit den dazu nötigen Vorkehrungen, Maschinen und Werkzeugen; unter den gewonnenen Metallen nehmen Eisen und Stahl die Hauptstelle ein, gewaltige, prächtig geformte Portale wölben sich über uns, und in staunens­werter Riesenhöhe sehen wir die für die modernen Schiffs­kolosse bestimmten Schrauben im Gewicht von 80 000 Krlo. Des Kriegsgottes ist natürlich besonders gedacht, ganze Arsenale verschiedenster Geschosse sind aufgespeichert, und ihre Wirkung vergegenwärtigen die von ihnen getroffenen Panzerplatten, während wir in enger Nachbarschaft die Entstehung der Geschützrohre verfolgen können. Der Be­zwingung und Verwertung des Gesteins ist gleichfalls ein breiter Platz gewährt worden, u. a. wie man in den Marmor-, Granit-, Sandsteinbrüchen vorgeht und wie »man bestrebt ist, hierbei Unglücksfälle zu vermeiden. Sehr hübsch sind die Sonderausstellungen der verschiedenen Nationen, vor allem der Vereinigten Staaten von Amerika mit den tausendfachen Proben der Landesmineralien, unter denen ansehnliche Goldklumpen manch' heimliche und laute Wünsche erregen; dasGold des Meeres", den Bernstein, bringt Deutschland in stattlicher und umfassender Weise zur Schau.

Die Gruppe der Bekleidungsindustrieen mit ihren mannigfachen Nebenzweigen schließt sich an. Hier ist das Paradies der Damen, von diesen Sälen ver­mögen sie sich nur schwer zu trennen und kehren immer wieder zu ihnen zurück, sobald sie es nur ermöglichen können. Madame Mode schwingt ja hier ihr beherrschendes Szepter und übt ihren allgewaltigen Einfluß auf all' die aus, die sich letzterem, ach wie gern, beugen! Auch die männlichen Besucher kommen zu ihrem Recht, wenn sie nur ein wenig Sinn für Beobachtung haben und nicht etwa selbst die Begleiter holder Schönen sind, sodaß sie ihre Studien nicht an anderen, sondern an sich anstellen müßten. Frisch und unternehmungslustig kommt jener beleibte Herr mit seiner jungen, hübschen Gattin an, seine Augen über­fliegen das Gebiet und scheinen zu sagen:O, das werden wir hier bald haben, damit werden wir bald durch sein!" aber betrachtet ihn nach einem Stündchen, wie er zu­sammengeknickt und entmutigt umherschleicht und nach einem Ruheplätzchen sucht, die sämtlich! jedoch von Leidens­gefährten besetzt sind in allen möglichen Stellungen sieht man sie auf den von dürftigen Palmen beschatteten Rundsophas zusammengepfercht: diese lesen die Zeitungen, jene sehen nervös immer von neuem nach der Uhr, andere blicken fast stumpfsinnig vor sich nieder, die Klügsten aber befreundeten sich mit Morpheus, wobei es an gediegenen Schnarchkonzerten nicht fehlt. Diejenigen Männer, welche denZauber" hier schon kennen, suchen eins der vielen unter den offenen Arkaden gelegenen Restaurants auf und lassen sich dort von ihren Holden abholen es soll aller­dings schon vorgekommen sein, daß dann der teure Gatte nicht mehr ganz fest auf den Beinen war, da er die lange Zeit des Wartens zu einem gar zu liebevollen Studium der Gambrinusgaben benutzte.

Unsere Damen, die sonst so leicht müde werden, namentlich in jenen Teilen der Ausstellung, in welchen die Männer sich gern näher umschauen, hier kennen sie nichts von Ermattung, in diesen weiten Räumen, angefüllt' mit Putz und Tand, mit Legionen der kokettesten Schuhe und Stiefel, mit künstlichen Blumen, Stickereien, Spitzen, mit den neuesten Erzeugnissen der Korsage-Fabrikation, mit Handschuhen, Hüten, Fächern, Coiffuren und und das ist doch die Hauptsache mit den Meisterwerken der bekanntesten Pariser Toilettenkünstler. Nach tausenden zählen die Kostüme, die in hohen, von allen Seiten durch­sichtigen Glasschränken ausgestellt wurden und die von den duftigsten Matinees bis zu den prunkendsten Ball- und Gesellschaftsroben gehen; sehr hübsche Gruppen von Wachsfiguren verstärken den Eindruck, namentlich in den elektrisch glänzend bestrahltenSalons de Lumiere", die eine Gesamtausstellung der allerersten Pariser Schneider, wie Worth rc., enthalten und zum Teil einen fast fabel­haften Wert verkörpern. Eine historische Abteilung zeigt uns die Thorheiten und Launen der Mode von 1800 an

Oesterreich wäre natürlich sofort bereit, wieder wie einst die alleinige Führung zu übernehmen. Es grollte dem auf­strebenden Preußen und seinem Minister, der sogar dem Grafen Karolyi ganz unverfroren geraten hatte, Oester­reich thue am besten, seinen Schwerpunkt nach Ofen zu ver­legen. Die Gelegenheit war also jetzt für Oesterreich die günstigste, die man sich denken konnte.

Kaiser Franz Joses berief einen Fürstenkongreß nach Frankfurt a. M. Dort sollte über das Wohl und Wehe des Deutschen Reiches beraten werden. Das Endziel war klar- gesteckt: unter der Maske einer Bundesresorm wollte Oester­reich sich unter Zustimmung seiner Vasallen die erste Stel­lung wieder sichern, und Preußen ganz an die Wand drücken. Damit wäre allerdings der unglückselige Dualismus auf einmal beseitigt worden. Aber auch das alte Elend des achtzehnten Jahrhunderts wäre wieder herausbeschworen worden. Daß das verhütet wurde, das haben wir Bis­marcksnotorischer Unfähigkeit in diplomatischen Dingen" zu verdanken, denn die Hohenzollern selbst hatten sich nie ganz von dem Wahne sreimachen können, daß Oesterreich als äfteste und größte Macht die führende Stellung in Deutschland gehörte. Kaiser Franz Joseph lud auch den KpNlg von Preußen zu dem Kongreß ein. Lange wider- Sh der selbständige Sinn des Königs. Als aber König ann von Sachsen selbst nach Karlsbad, wo König Wil- 1 mit seinem Minister sich zur Kur aushielt, kam, und mit Zureden und Bitten nicht nachließ, da schwankte König

es ist alles schon dagewesen" lernen wir auch hier wieder, und wer weiß, ob nicht allerhand Verdrehtheiten, über die wir jetzt spöttisch lächeln, uns in kurzem schon von neuem beglücken!

An die fertigen Toilettesachen schließen sich die Gruppen der Seiden-, Sammet-, Wollen-, Leinewand- Waren, der Gardinen- und Spitzen-Jndustrie, der Stickereien und Passementerieen, darunter die wundervollen Seiden- und Damaststoffe aus Lyon mit täuschend aufgewirkten Blumen und Spitzen, die man, wenn man nicht ganz genau prüft, als ausgenäht betrachtet. Aber auch hier, auf dem bisher unbestrittenen französischen .Textil-Gebiet, be­hauptet Deutschland würdig seinen Platz, hauptsächlich) durch die Kollektiv-Ausstellung der Niederrhein­ischen Sammet - und Seiden-Jndustrie, die in einem prächtigen, aus Zedernholz errichteten und reich mit Bronzeschmuck verzierten Pavillon, der allein die Kleinigkeit von 300 000 Mark gekostet haben soll, unter­gebracht worden ist. Großen Beifall und rege Beachtung finden die in der (von Pastor I a c o b se n ins Leben gerufene) Webschule zu Scherrebeck, einem nahe Tondern gelegenen Kirchdorfs, hergestellten Wandteppiche, welche in der aus Norwegen und Schweden übernommenen Technik der Handweberei außerordentlich geschickt und künst­lerisch wirkend hergeMlt worden sind; es ist lebhaft an­zuerkennen, daß diese uralte Art der Weberei so gewissen­hafte und zielbewußte Pflege erhält und, von tüchtigen Malern unterstützt, so gute Resultate zeitigt, wie man es in Paris bewundern kann. Aber auch in unserer deut­schen Heimat sollte man sich mehr um diesen eigenartigen, einen fröhlichen Eindruck hervorrufenden Zimmerschmuck kümmern und den Erzeugnissen dieser Webschule, die nur idealen Zwecken dient und von großem erziehlichen Wert ist, mehr Beachtung schenken, damit auch im eigenen Lande deutscher Fleiß Und deutsche Intelligenz die. verdiente An­erkennung finden.

Verschiedene fremde Staaten haben umfassende Ge­samt-Ausstellungen veranstaltet von imposanter Schönheit, so die Schweiz, deren Seiden- und Sammet-Fabrikanten neuen Ruhm ernten, Italien mit Seidenstoffen in Hellen Farben und köstlichen Venetianischen Spitzen, Rumänien mit farbenreichen National-Kostümen und originellen Stickereien, vor allem aber Rußland und Japan, ersteres u. a. die kostbarsten golddurchwirkten Stoffe für kirchf- liche Zwecke, eine Fülle von schönen Pelzen, aber auch Putz und Toiletten zur Schau stellend, letzteres seine Gemälde in Seide", denn thatsächlich machen diese kunst­reichen Stickereien den Eindruck der erlesensten und farben­frohesten Malereien.

Die Abteilung der Mechanischen Künste schließt sich an mit tausenderlei Maschinen und Werkzeugen der Verarbeitung von Metallen und Holz, mit Motoren und anderen Maschinen, die kleineren Betrieben dienen, mit Telegraphen- und Telephon-Apparaten; sie leitet zu der im Elektrizitätspalast, welcher die Verbindung zwischen den beiden Reihen der Paläste des Marsfeldes yerstellt, untergebrachten Abteilung über, die uns mit allen Ge­heimnissen der elektrischen Kräfte vertraut macht und welche Verwendung letztere in zahllosen Zwei­gen des öffentlichen Lebens finden, sei es im Verkehrs­wesen, in der Beleuchtung, im Haushalt, in der Fabri­kation vieler chemischer Erzeugnisse, in der Telegraphie und Telephonie, m der Regulierung der Uhren und anderer Apparate, im Heizungswesen rc.

Wie hier, so ist auch Deutschland in der benachbarten Abteilung der ChemischenJndustrien hervorragend vertreten; der in zierlichsten und reizvollsten Formen ge­staltete Pavillon der deutschen Parfümerie-Fabrikantien lenkt die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich, und man hört gerade von französischer Seite manch ehrendes Wort darüber. Von allgemeinem Interesse ist die außerordent­lich reich beschickte Gruppe des Ingenieur- und Transpdrt-Wesens mit den jüngsten Errungen­schaften des Rad- und Automobil-Sports wie der Lust- schiffahrt. Welche Umwälzungen dieses Gebiet aufzu­weisen hat, zeigt uns die rückblickende Ausstellung mit ihren Tragstühlen und schweren Kaleschen, den Gala- und Reisewagen, darunter verschiedene von geschichtlicher Be­deutung; die schon das System unseres Velocipeds auf­weisende erste Draisine aus dem Jahre 1795 steht neben der ersten, von Stephenson erbauten Lokomotive, welche am 3. Mai 1831 zum ersten Male zwischen Whitstable und Canterbury lief.

In d er folgenden Abteilung der Erziehung und des Unterrichts nimmt Frankreich den bedeutsamsten Platz ein mit einer Uebersicht des gesamten Nnterrichts- wesens und sehr lehrsamen Rückblicken auf frühere Zeiten; auch hier ist Japan, das enorme Anstrengungen gemacht

Wilhelm. Bismarck sah schon im Geiste seine Pläne durch­kreuzt. Es kostete ihm die äußersten Anstrengungen, seinen Herrn von dem verhängnisvollen Schritte zurückzuhalten. Und als er endlich seinen Willen durchgesetzt hatte, als König Johann ohne Erfolg abgereist war, da konnte Bis­marck seinen verhaltenen Groll nicht länger unterdrücken. Mit geballter Faust schlug er aus einen Teller mit Gläsern, daß die Scherben im Zimmer rings herumflogen. Jetzt erst war ihm wieder wohl. Preußens Fernbleiben vom Kongreß ließ alle Beschlüße, die gefaßt wurden, wirkungslos bleiben. Aber dem preußischen Minister zürnte man bitter, sogar im eigenen Lande selbst. Man hielt seine Politik für toll, für abenteuerlich. Und doch wie klar stand ihm sein ZielLos von Oesterreich, kein Groß-Deutschland, nur ein Klein-Deutschland!" schon vor Augen! Dem Kaiser Franz Josef aber jubelte man in allen deutschen Landen zu. Selbst Die, die einst auf Preußens Seite standen und vom König Wilhelm allein das Heil des Reiches erwarteten, selbst die gingen zum größten Teil ins österreichische Lager über. Die Besten aber fürchteten, daß Preußen nun von Oesterreich erdrückt werden würde. Kaiser Franz Joses stand aus der Höhe seiner Macht.

Ein Schritt noch, und die Krone, die man einst Fried­rich Wilhelm IV. vergeblich angeboten hatte, war sein. Wie gefürchtet Oesterreich damals war, wie sehr man an Preußen verzweifelte, das geht daraus hervor, daß selbst die Königin Victoria von England den Kaiser aufsuchte

hat, um den anderen Kulturstaaten gleichzukommen, zu ftnden, besonders fesseln die Ausstellungen der kunstge- werblrchen Schulen, die uns zeigen, wie meisterhaft Irma- ^apan Zeichensllft und Pinsel zu führen versteht. Deutsch- land ist in dieser Gruppe nicht vertreten nach feinem glänzenden Erfolge in Chicago, es hätte das dort Ausge­stellte nur wiederholen können. Desto häufiger treffen! wir deutsche Aussteller in der Abteilung der Schönes Künste und W i ssenschaften, die sehr reichhaltig rtt, da sie auch vieles enthält, was sich kaum in diesen; Rahmen fügt. Buchdruck, Lithographie, Autographie, Photographie, kurz, die vervielfältigenden Künste mit Ma­schinen, Rohmaterialien wie fertigen Erzeugnissen sind hier untergebracht worden, dann wird uns die Herstellung von Banknoten und Briefmarken, Münzen und Medaillen ge­zeigt, der Musik wurde ein breiter Raum gewährt mit sehr beachtenswerter geschichtlicher Gruppe, in welcher wir auf das mit frohsinnigen Malereien geschmückte Klavier Marie Antoinettes stoßen, und viel hübsches enthält auch die der Bühne gewidmete Abteilung mit dem stets an­ziehenden Leben und Treiben hinter dem Theatervorhang und all den Geheimnissen der szenischen Ueberraschungen, welche die Augen der Zuschauer blende«. Die WisseNf- schaft ist durch reiche geographische Sammlungen reprä­sentiert, darunter die umfassende des Prinzen Jerome Bonaparte, dann durch die Zweigabteilungen der Optik und Chirurgie, wobei sich Deutschland durch seine meister­hafte JnstrumenteN-Jndustrie vor allen anderen Staaten auszeichnet.

Und das Gleiche ist in der Maschinenhalle, zu der wir unsere Schritte lenken, der Fall; hier stampft unb- saust und rasselt und dröhnt es ununterbrochen, daß man sein eigenes Wort nicht versteht, gewaltige Räder schwin­gen sich in hohem Bogen, und viele Zentner schwere Häm­mer fallen wuchtig nieder, man ist ja im Reiche der mo­dernen Cyklopen. Die deutschen Maschinen sind gesondert aufgestellt und finden noch ihre Ergänzung in einer eigenen kleineren deutschen Maschinenhalle, die vierzig Aus­steller vereint; hier tritt Deutschland mit voller Wucht auf und erzwingt sich einen Erfolg, wie es ihn bisher auf keiner anderen Ausstellung gefunden.

Aber, wer nicht ganz spezielle Interessen verfolgt, rettet sich gern aus dem ohrenbetäubenden Gesurr und Gesumtne in die Wein- und Bierstadt, als welche uns die mit der Landwirtschaft verbundene Abteilung des Nahrun Zswesens erscheint. Sie bietet einen äußerst fröhlichen Anblick d ar, denn viele der großen Wein-, Bier-, Chokoladen- rc. Firmen haben ihre Erzeugnisse in den oft auf das phantastischste und mannigfaltigste errichteten Pa­villons und Kiosken ausgestellt. Da giebts Gehöfte, Zelte, Burgen, Bauernstuben, Schiffe, Türme, Mühlen, Klöster, und Gott sei Dank, man braucht nicht nur die Fässer und Flaschen von außen zu betrachten, sondern kann sich auch mit ihrem Inhalt befreunden, mit den edlen Gaben der Champagne und Bourgogne, der Gironde und Bordeaux', und es ist kein schlechter Stoff, der einem hier gereicht wird, und gern thut man manch kräftigen Zug, dexn gewiß, solch eine Ausstellung ist ungeheuer sehenswert und unterhaltend, aber einen Durst macht sie daneben, einen) Durst, daß man die hohen Pachtsummen versteht, welche die Inhaber der zahllosen Durststill - Stationen bezahlen! müssen!

Aus Stadt und Kund.

Gießen, 17. August 1900.

** Elektrizitätswerk. Wie aus dem Anzeigenteil unseres Blattes ersichtlich, ist die Lieferung eiserner Träger für das hier zu erbauende Elektrizitätswerk ausgeschrieben. Wie wir hören, wird dasselbe in der für diesen Zweck vor mehreren Jahren angekauften Neumühle errichtet, und es ist sowohl für die Beleuchtung unserer ausgedehnten Bahnhofsanlagen, wie zur Abgabe von Licht und Kraft an Geschäftsleute und Private, die daraus reflektieren, bestimmt. Die Bedingungen für die Anmeldungen dürften in aller Kürze bekannt gegeben werden. Der Bau des Werkes soll derart beschleunigt werden, daß eS thuulichst schon im kom­menden Frühjahre in Betrieb gesetzt werden kann.

** Fahrplauänderung zum 1. Oktober. Strecke Gießen Gelnhausen: Personenzug 501, der auf der Strecke StockheimNidda bisher nur Montags, Dienstags und Freitags verkehrte, wird auch an Sonntagen gefahren. Personenzüge 511 und 514 GelnhausenNidda und zurück^ die bisher nur Sonntags, Montags und Donnerstags ver­kehren, werden auch an Samstagen gefahren. Strecke Friedber gH a n a u: Gemischter Zug 3962 Heldenbergcn

und ihn bat, doch glimpflich mit dem König von Preußen, um ihrer eigenen Tochter willen, umzugehen. Aller Augen waren auf das aufstrebende Reich der Habsburger gerichtet. Der König von Preußen war fast ganz verlassen. Selbst sein Sohn mißbilligte seine Schritte. Der König aber hatte seinem Minister das Wort gegeben, an besten Politik zu glauben und ihm treu zur Seite zu stehen. Und er war bekannt, daß er nie sein gegebenes Wort brach.

Dieses Jahr 1863 ist das glücklichste in dem so er­eignisreichen Leben des österreichischen Kaisers. Bald aber sollte Schlag auf Schlag folgen, und einsam sollte er unter seiner bunten Völkerschar dastehen.

Jetzt an seinem 70. Geburtstage wird er vielleicht zurückdenken an die vielen falschen Hoffnungen und Ent­täuschungen. Ein Gedanke aber wird ihn doch beglücken und neu ermutigen, nämlich der, daß ihn jeder Untertan seiner völkerreichen Monarchie liebt und daß es auf dem ganzen Erdenkreise wohl Keinen giebt, der ihn nicht ehr­furchtsvoll achtete.

Nach Ischl, wo er einst seine unglückliche Gemahlin zum ersten Male sah, und wo er nun seinen 70. Geburts­tag feiern wird, sind jetzt Aller Sinne gerichtet, und Millionen Glück- und Segenswünsche werden dem greifen Herrscher zugesandt werden, der da von sich sagte:Soll mir denn gar nichts erspart bleiben?" . . .