Ausgabe 
18.5.1900 Zweites Blatt
 
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Aus Stadt und Land.

#* Die für das Schwurgericht im II. Quartal ausge- losten Geschworenen find: Adam Bin ding IV., Landwirt in Unter-WidderSheim; Karl Junker, Baumeister in Orten­berg; Philipp Winter I., Landwirt in Büdesheim; Dr. Karl Fromme, Professor in Gießen; Hermann Metten­heimer, Kaufmann in Gießen; Wilhelm Voll müll er, Weinhändler in Lauterbach; Dr. Friedrich Eichbaum, Professor in Gießen; Konrad Philipps IX., Landwirt in Fauerbach v. H.; August Reitz, Landwirt in Södel; Jakob Neide!, Drechslerin Wieseck; Löb Bär, Lederhändler in Gießen; Otto Rull mann, Gutspachter in Mittel-Grün­dau; Wilhelm Fertsch, Kaufmann in Friedberg; Konrad Brücke! II., Landwirt in Pohl-GönS; Philipp Menge!, Landwirt in Groß-Karben; Heinrich Emmelius, Fabrikant in Gießen; Philipp Frey, Kaufmann in Lang-Göns; Heinrich Winter I., Landwirt in Glauberg; Heinrich Riehm II., Landwirt in Lollar; Georg Möbs, Landwirt in Gettenau; Heinrich Bausch III., Rentner in Nieder- Wöllstadt; Jakob Gör!ach IV., Landwirt in Eberstadt; Eduard Lutz, Landwirt in Elpenrod; Louis Dern, Kam­merrat in Assenheim; Friedrich Heimer, Kaufmann in Gießen; Konrad Blei II., Landwirt in Burkhardsfelden; Wilhelm Spörhase, MechanikuS in Gießen; Theodor Stein, Müller in Grünberg; Konrad Jakob Rupp, Privatier in Dortelweil; Ludwig Kreh, Maurer in Butzbach.

** Der Zweiten Kammer der Laudstüude liegt ein Be­richt des Ersten Ausschusses über die Vorstellung der Gym­nasiallehrer (jetzt Oberlehrer) Dr. Seidenberger und Völsing zu Friedberg, betreffend die Regelung ihres Besoldungsdienstalters vor. Die Regierung hat auf dieselbe folgendes erklärt: Da- Ministerium habe beschlossen:Denjenigen akademisch gebildeten Lehrern an den höheren Lehranstalten, welche früher im staatlichen Auf­trag an höheren Bürgerschulen des Landes thätig und als solche mit den Rechten der Volksschullehrer definitiv ange­stellt waren, zur Gleichstellung mit ihren gleichalterigen Amtsgenoffen, welche an höheren Lehranstalten ihre erste Anstellung gefunden haben, diejenige Zeit, während welcher sie an den höheren Bürgerschulen definitiv angestellt ge­wesen sind, in Gemäßheit der Artikel 24 und 8 des Be­soldungsgesetzes vorbehältlich der au- diesen Bestimm­ungen, insbesondere aus Artikel 8 Abs. 3 des genannten Gesetzes sich ergebenden Beschränkungen als Besoldungs­vordienstzeit anzurechnen." Die Verwendung und Anstel­lung der betreffenden Lehrer an höheren Bürgerschulen ist s. Zt. im dienstlichen Interesse von der obersten Schulbe­hörde veranlaßt worden, und es entspricht daher der Billig­keit, daß ihnen nach ihrem Uebertritt in den eigentlichen Staatsdienst in Bezug auf ihre BesoldungSverhältnisse hier- J18 tcln Nach^il erwächst. DaS unterzeichnete Ministerium »st deshalb geneigt, de» Gymnasialoberlehrern Dr. Seiden- oerger und Völsing von ihrer provisorischen Dienstzeit an höheren Bürgerschulen vorbehältlich der Art. 7 Abs. 2 unb 8, Abs. 3 der Beamtenbesoldungsgesetzes so viel anzurechnen, als noch erforderlich ist, um dieselben lhren Kollegen an de« staatlichen höherenLehr- j

anftalten mit gleicher CxamenSaueieunetät völlig glerchzustellen. Es würde dies zur Folge haben, daß 1. Dem Oberlehrer am Gymnasium zu Fried­berg Dr. Seidenberger, dessen Besoldungsdieustzeit gegen wärt.g vom 14. Januar 1891 an festgesetzt ist, eine weitere Besoldungsvordienstzeit von 1 Jahr, 7 Monaten und 13

I Tagen, 2. dem Oberlehrer an derselben Anstalt Völsing I dessen Besoldungsdienstzeit vom 1. Dezember 1893 an fest^ I gesetzt ist, eine weitere Besoldungsvordienstzeit von 11 Mo­naten und 21 Tagen anzurechnen wäre. Der Ausschuß beantragt, die Regierung zu ersuchen, ihrem Schreiben

I Nom 30. April lfd. Js. gemäß das Besoldungsdienstalter I der beiden Oberlehrer festzusetzen. Ferner beantragt der I Erste Ausschuß, die Regierungsvorlage, betreffend die Set, | mehrung der Betriebsmittel der Staats-Eisen- I bahnen für das Jahr 1900/1901, anzunehmen.

**. Der Turnverein Hieße, beschäftigte sich in seiner I am Mittwoch abgehaltenen Generalversammlung mit dem Projekt einer Erweiterung der Turnhalle. Nach

I einer s. Z. an den Stadtvorstand gerichteten Eingabe war I beabsichtigt, den Vorderbau um ein Stockwerk zu erhöhen, die Garderoberäume zu unterkellern und den Hallenbau

I durch Anbau einer Bühne zu vergrößern. Die insgesamt I auf ca. 23000 Mk. veranschlagten Kosten gedenkt der Verein I dis zu 4000 Mk. durch freiwillige Zeichnungen, durch Auf­nahme einer Hypothek in Höhe von ca. 12000 Mk. und durch ein Darlehen der Stadt im Betrage von 5000 Mk. auf­zubringen, während der Rest von etwa 1000 Mk. aus

I dem Vereinsvermögen genommen werden soll. Herr L. Pirr I erstattete zunächst Bericht über die bisher zur Ausführung I des Projektes unternommenen Schritte; er hob hierbei her- I 0yr, daß es dem Vorstande fern gelegen, den Umbau ledig- I lich wegen der Vereinsvergnügungen auszuführen; allerdings I fei nicht in Abrede zu stellen, daß die Räume für die vom I Verein veranstalteten und nicht zu umgehenden Vergnügungen I Nicht mehr ausreichen; doch fei man seit langem darüber I iui klaren, daß die Halle für den Betrieb des Turnens zu I klein fei. Die Stadtverordneten-Versammlung hat dem I Verein unter der Bedingung, daß Stockwerkaufbau, Unter- I kellerung und Hallenerweiterung ausgeführt werden, und die Sparkasse ein weiteres Darlehen giebt, 5000 Mk. zu 4 pCt. zur Verfügung gestellt und für die ersten fünf Jahre auf Verzinsung dieses Darlehens verzichtet. Die Versamm­

lung kam nach längerer Debatte, in der besonders vom finanziellen Standpunkt aus das Für und Wider des Gesamtprojektes erwogen wurde, zu dem Beschluß, unter Anerkennung des Entgegenkommens der Stadtverordneten - Versammlung, die Umbauarbeiten am Borderbau zu verschieben, dagegen die Erweiterung der Halle alsbald vorzunehmen. Nachdem Architekt Stein an Ort und Stelle den Plan erläutert hatte, wurde eine aus den Herren Vaubel, Lotz, Stadtverordneter Keller, Hermann Köhler und Eidmann bestehende Kommission, die durch sechs Mitglieder des Vorstandes verstärkt werden soll, eingesetzt. Die Kommission wurde ermächtigt, den auf Er­weiterung der Halle lautenden Beschlug nach Einvernehmen mit dem Vorstand auszuführen.

* Haftstrafe. Ein hiesiger Familienvater, der sich dem Trünke und dem Müßiggänge htngegeben hat, sodaß seine Familie Unterstützung aus der Armenkasse beziehen mußte, ist durch das Amtsgericht in eine Haststrafe von 14 Tagen genommen worden.

O HarlmamlShaiu (Kreis Schotten), 16. Mai. Der Landwirt Johannes Jöckel VIII. aus Langenhain konnte gestern auf der Fahrt von Herchenhain nach hier sein Pferd auf der abschüssigen Straße vor unserem Dorfe uicht mehr halten, sodaß es durch ging. Im Orte stieß die Wagendeichsel mit aller Wucht auf ein hier im Abfahren begriffenes Fuhrwerk des Bürgermeisters Nebel aus Fisch­born derart, daß das durchgegangene Pferd sofort zusammen­stürzte, während der Wagen des Bürgermeisters Nebel in­folge des gewaltigen Anpralles völlig zertrümmert wurde. Auf beiden Wagen befanden sich außer dem Fuhrmanue noch mehrere Personen, die durch den heftigen Anprall herunter- geschleudert wurden, doch kamen alle mit geringen Haut­abschürfungen und Verstauchungen davon. Eine Person war gerade unter das Pferd gefallen, jedoch ohne Schaden zu nehmen.

? Bleichenbach, 14. Mai. Gestern fand in hiesiger Kirche ein geistliches Konzert statt. Die Kirche war bis auf den letzten Platz dicht besetzt, und andächtig lauschte» die Anwesenden den Musik- und Gesangsvorträgen. Was wir hörten, waren durchweg hervorragende Stücke aus dem Gebiete geistlicher Musik. Schon die beiden Festspiele für Orgel (op. 8 u. 10 v. Volkmar), die Lehrer Diehl- Bleichenbach mit Meisterhand vortrug, zeigten den Zuhörern die Schönheit geistlicher Musik. Auch die beiden Biolin- vorträge des Lehrers Lind-Rohrbach (Largo für Violine v. Händel und Air v. Goldmark), sowie die Cello-Vorträge des Lehrers Pf aff «Bleichenbach (Kirchenarie v. Stradella und ein Andante von Goltermann) fanden großen Beifall. Die Musikvorträge wurden unterbrochen durch die Solo­gesänge des Kammersekretärs Vogel und Gerichtsvollzieher- Meyer aus Ortenberg. Herr Vogel erfreute uns durch Vortrag des Fischer'schenBleibt bei dem, der unsertwillen" (Solo für Tenor) und des Guth'schenBefiehl dem Herrn deine Wege", und Herr Meyer mit seiner schönen Baß­stimme durch das Emmrich'scheMeine Seele ist stille" und da- Haydn'scheNun scheint in vollem Ganze", und beide durch das Duett über den 163. Psalm:Barmherzig und gnädig ist der Herr" (von Seiffert). Allen Mitwirkenden sei nochmals unser Dank hier ausgesprochen für den Genuß, den sie allen Zuhörern bereitet haben. Auch das pekuniäre Ergebnis des Konzertes war für hiesige Verhältnisse ein recht gutes. Der vereinnahmte Beitrag soll zur Ausschmückung der Kirche verwendet werden.

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den. Die Nachforderung für Kamerun wird begründet mit der notwendigen Vermehrung der Schutztruppe zum wei­teren Vorrücken in das Benne-Gebiet und zur Anlage einer festen Station bei Garua. Die Kommission hat die For- derung genehmigt.

Abg. Bebel (Soz.): Selbst in der Kommission ist eine starke Strömung gegen die Fortsetzung dieser Kolonial­politik aufgetreten' Was in den Kolonien passiert, er­fahren wir nur zum kleinsten Teil. Alles, was unan­genehm wirken könnte, wird sorglich mit dem Schleier des Geheimnisses bedeckt. In der Kolonie Kamerun hören wir unausgesetzt von Aufständen, die zeitweise die ganze Kolonie zu gefährden scheinen, und den Handelsverkehr aufs empfindlichste stören. Diese Aufstände haben thatsäch- lich eine recht bedenkliche Ausdehnung erlangt. Im Vor­dergründe steht auch hier die Arbeiterfrage. Die Ein­geborenen werden mit äußeren Macht- und Zwangsmitteln zur Arbeit herangeholt und schlecht behandelt, die ver­kehrteste Maßnahme, die man treffen konnte. Den Ar­beitern wird schlechte Ernährung gegeben, wodurch allerlei Krankheiten unter ihnen hervor gerufen werden. Nach einer Angabe des Herrn Eugen Wolff ist der Tod des Kauf­manns Eonrau auf diesen Umstand zurückzuführen, indem die Leute ihn wegen der Lieferung schlechter Nahrung zur Rede gestellt und kurzen Prozeß mit; ihm gemacht hätten. Herr v. Puttkamer mußte zugeben, daß eine Arbeiternot bestehe. Die großen Konzessionen, welche die Nord-West- . Kamerun- und die Süd-Kamerun-Gesellschaft von der Ko- i lonialverwaltung erlangt haben, sind an diesen Zuständen \ mit schuld. Die letztere soll ihre Effekten für 18 Mill, mit einem Reingewinn von 16 Mill, in Deutschland abge-^ fetzt haben. Wir wollen doch u. a. auch ein bischen Zivi­lisation und Christentum in den Kolonien verbreiten. Aber die Strafexpeditionen, die sich von den Mordbrennereien in nichts unterscheiden, die die Eingeborenen niedermetzeln und das Eigentum zerstören, müssen die Kolonien zum Schauplatz einer allgemeinen, permanenten Empörung, I machen. Das ganze Arbeitsverhaltnrs, wie es dort noch I immer in der Gestalt der Haussklaverei existiert, ist ohnehin I sehr anfechtbar. Trotz der offiziellen Ableugnungen be- I steht aber daneben auch noch die Plantagensklaverei und' I werden Sklaven noch immer als Zahlungsmittel ver- I wertet. Nachdem Deutschland schon so lange in Kamerun' | die Hoheit ausübt, hätte doch einem solchen Zustand längst' I ein Ende gemacht werden müssen. Aber nicht nur dies! I ist nicht erreicht, sondern es ist auch nicht einmal gelungen, I das Land zu pazifizieren. Je mehr wir kolonisieren, desto I unruhiger wird es in unseren Kolonien.

Kolonial-Direktor von Buchka bestreitet, daß die! Kolonialabteilung nur die günstigen Nachrichten, mitteilt I und die ungünstigen mit dem« Schleier des Geheimnisses I bedeckt. Natürlich wechseln in unseren! Kolonien günstige I und ungünstige Ereignisse miteinander ab. Wollten wir I fcie Sachen verheimlichen, so würde sich eine große Reihe I von Berichterstattern finden, die, ohne zur Verantwortung I Lyogen werden zu können, dennoch! über jene Ereignisse | Mitteilungen machen würden, die uns« in Verlegenheiten | setzen würden. Die Veranlassung zur Vermehrung der | Schutztruppe sind allerdings die Aufstände gewesen, die | im Süden und Nordwesten des Schutzgebietes entstanden | waren, weil eben die Schutztruppe zu Nein und mit anderen I Aufgaben beschäftigt war, sodaß die Eingeborenen, die nur | eine Macht respektieren, soweit sie thatsächlich vor sich | sehen, den Versuch machten, das deutsche Joch abzuschütteln. | Hauptmann v. Besser ist auf seinem Zuge nach der eng- I tifdjen Grenze unversehens hinterrücks von den Einge- I borenen angegriffen worden. Er war gezwungen, ein I Gefecht zu liefern, und daß es dabei. Tote gegeben hat, | ist selbstverständlich Ich habe Gelegenheit gehabt, aus Veranlassung eines Antrages der Kameruner Plantagen- | bescher ihnen bei der Beschaffung von Arbeitern behilflich I ö" fein. Der Häuptling pflegt eine Rats Versammlung ab- I zuhalten und die Sack)e nach Angebot und Nachfrage zu | regeln. Werden die Arbeiter gut behandelt, dann kehren | ffe zurück u nd ziehen noch andere Arbeiter nach, sich. Ge- rhieht das Gegenteil, so bekommt natürlich die Plantage I berhaupt keine Arbeiter. Dasselbe gilt auch von Togo.

Ein Beamter einer Plantagengesellschaft befindet sich wegen I grausamer Behandlung schwarzer Arbeiter in Untersuch­ungshaft. Daß im Binnenlande noch Sklavenjagden be- I stehen, soll nicht bestritten werden, aber dieser Umstand I veranlaßt uns gerade, die Vermehrung! der Schutztruppe I hu beantragen, um die deutsche Herrschaft auf das Binnen- I lanb auszudehnen. Wir wollen die gegenwärtige Situation | «usnutzen, um, ohne einen Schuß abzufeuern, bis nach I Garua zu kommen und dort eine feste Station anzulegen. | Das Gebiet von Nordwestkamerun ist noch wildes Land | und muß erst kultiviert werden. Wie notwendig die Ver- | mehrung der Schutztruppe ist, beweist, daß int englischen | Territorium zwei Bataillone mit je 1200 Mann stehen. Demgegenüber sind 900 Mann, auf die wir unsere Schutz- | truppe bringen wollen, verhältnismäßig wenig.

Abg. Eickhoff (freis. Vp.): Wenn auf die Zahl der englischen Schutztruppen hingewiesen wird, so ist es doch | «uch die Frage, wer diese bezahlt. Der Kolonialdirektor widerspricht sich selbst, wenn er dem Abg. Bebel gegenüber m Abrede stellt, daß man von überraschenden Ereignissen | sprechen kann, andererseits aber die Mehrforderung durch | »ie plötzlich aufsteigende Bewegung in Kamerun motiviert. | ,~ir <§a?n uns nicht von der Notwendigkeit der Erhöhung I be§ Bestandes der Schutztruppen überzeugen können. In , dem Gebiete das die Expeditionen berührt haben, ist der < ^ndel auf lange Zeit vernichtet. Der Tod des Leutnants ihm Herbeigeführt' worden, daß er die

itjm gestellte Aufgabe überschritten hat. Das sind die I 1 folgen dieser einseitig militärischen Unternehmen. Wir I 1 sollen mit dem Fürsten Bismarck, daß der Kaufmann in > den Kolonien vorangehen soll, der Soldat dem Kaufmann 1 SU solgen hat Daß auf gütlichem Wege Arbeiter nicht I beschäftigt werden können, hat der Gouverneur selbst zu- ] gegeben. Es wird also Zwang, Gewalt ausgeübt, die Leute < werden zwangsweise zu Plantagenarbeiten herangeholt oder von den Häuptlingen des Hinterlandes zur Küste ge- 1 fandt. Das ist doch die reine Sklaverei. Dabei handelt es ! sich meistens um Kranke und Schwache, das schlechteste I ; Arbeitermaterial. Der Neger scheint überhaupt nicht zur I 1 Kulturarbeit geeignet: wie alle wilden Völker, wird er I auch desto rascher untergehen, je mehr er mit der Kultur I in Berührung kommt. Ein besonders,christliches Vorgehen | i

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| könne» wir in dem von der Verwaltung gebilligten und | geforderten Verfahren zur Beseitigung der Arbeiternot I nicht erblicken. Wir werden gegen die Erhöhung stimmen. I , Abg. Graf Arnim (Rp.): Die.Sllaverei in Afrika I ist das Ergebnis tausendjähriger Gewohnheit. Wird ein I Fehler gemacht, dann solk der Gouverneur eingreifen ; I greift er ein, dann' wird wieder über Büreaukratismus I geklagt. Es ist das! alte Lied: je weniger Kolonien, desto I besser! Es ist neuerdings in der Öffentlichkeit darauf I hingewiesen worden, daß die Konzessionserteilungen mit | Gewinnbeteiligung der Regierung nicht logisch und nicht I angemessen sei. Man erkennt daraus, wie fein oft mit I Patriotischen und nationalen Erwägungen argumentiert I wird, um rein materielle Zwecke zu verfolgen. An sich I haben wir gegen die .Gewinnbeteiligung der Regierung I nichts, aber unter den obwaltenden Umständen würde es doch das richtige sein, auf diese Beteiligung zu verzichten. Jedenfalls ist die Süd-Kamerun-Gesellschaft nicht ganz von dem deutschen Charakter, den man ihr beilegt; sie ant­wortet z. B. auf deutsche Anfragen französisch.

Direktor v. Buchka: Mit mir hat die Gesellschaft stets deutsch korrespondiert. (Heiterkeit rechts.) Franzö­sisch würde ich mir verbeten haben. Ich thue alles, um der Gesellschaft den internationalen Charakter, den sie etwa

1 annehmen sollte, zu nehmen. In den Kolonien werden stets gelegentlich; Aufstände und ähnliche Ueberraschungen auftreten. Dem Neger können wir nur mit großer Macht­entfaltung imponieren, dann glaubt er an die Macht und Autorität des Deutschen Reiches. Die Arbeiterfrage kann nicht gelöst werden, bevor die Kolonie nicht völlig paci- fiziert ist.

Abg. Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.): Es trifft auch auf unsere afrikanischen Kolonien zu, daß die eingeborene Bevölkerung durch ihre Berührung mit den europäischen Kulturträgern verheerenden Wirkungen ausgesetzt wird. , Für die deutsche Kolonialpolitik versprechen wir uns von j unseren afrikanischen Besitzungen überhaupt kein Heil.

Abg. Bebel findet es ungeheuerlich, daß man der deutschen Volksvertretung zumute, die Suppe auszuessen, welche die Herren von der Kolonialverwaltung und die konzessionierten Gesellschaften eingebrockt haben.

Die Forderung wird gegen die Stimmen der Sozial­demokraten und der freisinnigen IVolkspartei bewilligt, desgleichen ohne Debatte die Ausgaben für das neue Schutz­gebiet Samoa. Der Gesetzentwurf, betreffend diel Unfallfürsorge für Gefangene, wird in zweiter | Lesung ohne jede Debatte mit zwei redaktionellen Amendements des Abg. Rösicke-Dessau .nach den Korn- | misfionsbeschlüssen angenommen.

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr. (Fortsetzung der I dritten Lesung der Lex Heinze, Fortsetzung der dritten Be- | ratung der Gewerbeordnungsnovelle, dritte Lesung des | Gesetzentwurfs, betreffend die Fleischbeschau.)

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