Ausgabe 
18.5.1900 Zweites Blatt
 
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Freitag bett 18. Mai

1900

Rr. 1l5 Zweites Blatt

2lnrts- rrnd Zlnzeigeblcrtt für den Uveis Gretzen

Fremde Jntereffen iu Korea

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Nach der Rückkehr des

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her Kaiserin Friedrich in Cronberg und dem Berliner Hofe Besuche machen wird.

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Erscheint tügNch mit Ausnahme des

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II

Politische Tagesschau.

Die unerwartet am 6. Mai in Korfu, wo der Hof weilt, verkündete Wiederverlobung der Prinzessin Marie mit dem Großfürsten Georg Michajlowitsch hat allgemein über­rascht. Mit dem Großfürsten Georg war Prinzessin Marie kurz vor den Olympischen Spielen verlobt; dann, so be­haupten die Gerüchte, wurde ein Heiratsantrag des Königs ! Alexander von Serbien, der zu den Spielen seine Am : Wesenheit angesagt hatte, erwartet. Jedenfalls wurde die Verlobung während des türkisch-griechischen Krieges totge­schwiegen und dann als gelöst betrachtet. Großfürst Georg ist der Sohn des Großfürsten Michael Nikolajewitsch, des Bruders des Zaren Alexanders II., der als Trauzeuge für den Zaren bei der am 13. Mai in der Georgskirche vor­genommenen Trauung fungierte. Brautführer der Prin­zessin Marie war Kronprinz Konstantin. Zu der Hochzeit hatten sich die Minister Theotokis und Karapawlos mit dem Metropoliten von Athen nach Korfu begeben, die ersteren, um den civilrechtlichen Akt, der letztere um den kirchlichen zu vollziehen. Bei der Trauung wurden dieselben Braut­kronen über den Häuptern des Brautpaares gehalten, die einst der Zar Alexander III. zur Hochzeit des Kronprinzen­paares nach Athen gesandt hatte. Die Neuvermählten gingen mit der königl. Familie nicht nach Dekeleia, dem königlichen Landsitz, sondern blieben in Monrepos auf Korfu. Die Verlobung und Hochzeit der Prinzessin Marie ist der Grund für das Nichterscheinen des Kronprinzen bei den Feierlichkeiten in Berlin. NebrigenS wird die Wiederher­stellung und der Fortbestand der freundschaftlichen Bezieh­ungen zwischen Berlin und Athen von neuem dadurch be­stätigt, daß das Kron Prinz en paar mit seinen Kindern, Georg, Alexander und Helene, alsbald nach Deutschland ! zum Besuch der Kaiserin Friedrich sich begeben und von Cronberg aus auch dem deutschen Kaiser in Berlin einen Besuch machen wird. Bei dieser Gelegenheit wird dann auch die Angelegenheit eines zu berufenden Armee-

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung.

Betr.: Abhaltung der Viehmärkte.

Der Viehmarkt zu Gießen am 22. und 23. Mai kann unter den mehrfach und zuletzt am 28. März (Gieß. Anzeiger Nr. 78) bekannt gegebenen Beschränkungen abge­halten werden.

Gießen, den 16. Mai 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießener Anzeiger

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Aus Tokio wird derWelt-Corr." geschrieben:

An dem seit fünf Jahren stets bewölkten Himmel der asiatischen Politik ist soeben wieder ein Wetterleuchten vor­übergegangen, durch das auch fernere Kreise an die hier aufgesammelte atmosphärische Spannung erinnert worden sind. Wie gewöhnlich, war Korea der Schauplatz der Ent­ladung, und R u ß l a n d und I a p a n stellten die Gegenpole dar. Bekanntlich verlangte der russische Ministerresident in Söul von der koreanischen Regierung die Abtretung d e r I n s e l R a m p o , die den Eingang des geräumigen und guten Hafens von Masampo beherrscht, wo m den > letzten Jahren einige Japaner begierig Land aufgekauft hatten. Ta indes die japanische Regierung und die japa­nische Presse mit ihrem Protest gegen eine solche russische Erwerbung nicht zurückhielten und da sogar anläßlich der Frühjahrsmanöver der japanischen Marine die Marme- reserven in außergewöhnlichem Umfange zu den Uebungen herangezogen wurden, so fühlte sich denn auch die korea­nische Regierung genügend gesichert um das ruffifche An­sinnen abzulehnen. Ihren guten Willen, das Gleichgewicht zwischen den beiden Rivalen zu erhalten, konnte sie da­durch zeigen, daß auch, Japan eine Weigerung emzusteckew hat. Seit etwa einem Jahre ist nämlich das Post- und! Telegraphenwesen in Korea der Kontrole der japanischen Regierung unterstellt; um Rußland versöhnlicher zu stim­men lehnte Korea den weiteren Ausbau seines Postdienstesj durch die Japaner ab. Direkte Verhandlungen zwischen dem japanischen und dem russischen Vertreter in Soul führten dann ja auch zu dem Resultate, daß Rußland feine Forderung auf einen Stützpunkt an der strategisch wichtiges Südspitze aufgab, und sich mit einer kleinen Erweiterung, einer Konzession in Mokpo begnügte, die Japan sich ge­fallen ließ. Damit ist der Konflikt auf eine spätere, gün­stigere Gelegenheit verschoben. Der russijche Vorstoß ist vielleicht doch nicht ohne Folgen für die Situation m Ost- asien- er hat der koreanischen Regierung Gelegenheit ge­geben, zu erkennen, daß auf die Anlehnung an England in Ostasien augenblicklich nicht zu rechnen, und daß Ruß­land mit unbequemen Kompensationsforderungen bei der Hand ist, wenn die koreanische Regierung den neu belebten japanischen Bemühungen, Koreas Hilfsquellen zu ent­wickeln, mit zu viel Wohlwollen entgegenkommt. .ue end-

b^e ®e I organifator* Werben. .

e n^ s g nd-n Abhängigkeit Koreas von Japan in helles Kronprinzen Wirb König Georg seine Jährliche. Europa- Licht gesetzt, weil bas letzte japanische Parlament für biefen | reise antreten, aus ber er auch bet Ausstellung in Paris,

Deutscher Reichstag.

195. Sitzung vom 16. Mai. 1 Uhr.

Der Reichstag erteilte heute den aus dem Dispositions­fonds des Auswärtigen Amtes gemachten Aufwen­dung e n für die P a l ä st i n a r e i s e d e sK a i s e r s seins Zustimmung. Nachdem das Haus zunächst den Gesetz­entwurf betreffend die militärische Strafrechtspflege un Kiautschou-Gebiete in dritter Lesung debattelos angenom­men hatte, folgte die zweite Beratung der Uebersicht der Reichs-Ausgaben und Einnahmen für das Rechnungsjahr 1898. Eine mit der Reise des Kaisers nach Jerusalem zusammenhängende Etatsüberschreitung war bekanntlich au die Rechnungskommission zurückverwiesen worden. Diese beantragt indessen die Genehmigung des Postens. Der Berichterstatter macht in ihrem Namen geltend, daß der Staatssekretär Graf Bülow den Kaiser in amtlicher Eigenschaft begleitet habe.

Abg. Singer (Soz.) erklärt sich gegen den Antrag der Kommission. Die Konsequenz der Auffassung der Kom­mission, daß der Kaiser überall, wo er sich befinde, als Vertreter des deutschen Reiches zu betrachten sei, wurde ev sein, daß auch seine Privatreisen vom Reiche bezahle werden müßten. Dem stehe aber die Praxis der Ver­gangenheit entgegen, und auch jetzt verlange man ja nur die Kosten für die Begleitung. Redner beanstandet auch, daß das Reich die Kosten für eine dem türkischen Minister des Auswärtigen Amtes geschenkte Dose tragen solle. Han­dele es sich bei diesen Dingen aber wirklich um Reichs-Aus­gaberi, so müßten diese wenigstens! in den Etat eingestellt werden. ' , ' ' - t ,

Staats-Sekretär des Innern Graf Posadowvky glaubt, der Abg. Singer fasse die Frage von einem zu engen, so zu sagen privaten Gesichtspunkte auf. Schon die Beamten in höheren Stellen könnten, auch wenn sie auf! Urlaub seien, den Zusammenhang mit ihrem Amte nicht! völlig lösen. Mutatis mutandis gelte dies in erhöhtem Maße von einem Monarchen, zumal von dem Monarchen eines großen Staats eines Bundesstaates, wie das deutsche Reich sei. Die GefMfte des Monarchen ruhen nie, er habe immer Entschlüsse zu fassen. Befehle zu unterzeichnen usw., auch im Auslande, sonst könne er seine Verantwortlichkeit nicht tragen. Um den Zusammenhang mit den Aemtern in der Heimat aufrecht zu erhalten, müsse er in seiner Be­gleitung einen militärischen und zivilen Generalstab hüben, der die Entschließungen des Monarchen den zuständigen Stellen mitteile. Diese Begleitung des Monarchen sei euic sachliche Notwendigkeit, um ihm die Erfüllung seiner Re-

I gentenpflichten zu ermöglichen. Liegen die Tinge aber so, dann seien die Ausgaben nicht Privatausgaben der Schatulle des Kaisers, sondern Reichsausgaben, die vom

I Reiche getragen werden müßten. Wenn der Abg. Singer I ferner über ein Geschenk gesprochen habe, das dem tür­kischen Minister des Auswärtigen gespendet worden ist,

I so hätte der Staatssekretär gewünscht, diese an sich belang- I lose Angelegenheit wäre lieber gar nicht erwähnt worden. I Ein derartiges Geschenk sei nicht ein Privatgeschent, | sondern eine öffentlich-rechtliche Auszeichnung, die der Mo- I narch einem verdienten Staatsmanne des Auslandes er» I teilt habe. Im übrigen bestehe in dieser Beziehung eine I langjährige Praxis, wie sich der Abg. Singer leicht über- I zeugen könne. Wenn dieser in solchen Fällen eine Etati- I sierung der Ausgaben verlange, so sei diese schwer durch- I zuführen, weil sie meistenteils ja nicht vorauszusehen seien. I Unter dem Beifall der Mehrheit des Hauses schließt der I Staatssekretär mit dem Hinweise, daß der König von | Preußen es als ein nobile officium betrachte, die sehr I beträchtlichen Repräsentationskosten, die er als Kaiser für I das Reich' aufwenden müsse, aus seiner Privatschatulle I zu decken. . .

An die Ausführungen des Grasen Posadowsky knüpft I sich noch eine längere Debatte, an der sich die Abgeord- I neten Sch w a r tz e-Lippstadt (Ztr.), Singer (Soz.), I Gröber (Ztr.), v. Levetzow (kons.) und Dr. Hasse I (nl.) beteiligen. Die Redner stimmen, natürlich mit Aus- I nähme des Abg. Singer, darin überein, daß es sich um I Reichsausgaben handele, und daß die. ganze Angelegenheit I in ordnungsmäßiger Weise vor den Reichstag gebracht I worden sei. <

Darauf werden die in der Uebersicht nachgewiesenen I Etatsüberschreitungen und außeretatsmäßigen Ausgaben | vorläufig genehmigt. Ter Nachtrag, zum Etat für I 1900 (Ausgabe Mark 4 818600, darunter 4 einhalb Mill. I für Vervollständigung des deutschen Eisenbahiinetzes im I Interesse der Landesverteidigung) wird ohne ^iskustion I in zweiter Lesung unverändert bewilligt.

Abg. Prinz von Ar en berg berichtet über den An- I trag zum Etat der Schutzgebiete für ^O^woriN für Ka­merun 865 300, für die neu einzusetzende Verwaltung , für das Schutzgebiet Samoa 252000 Mark verlangt wer-

Bahnbau in einem fremden Lande bereitwillig eine Sub- I vention bewilligte.

Tie glücklich vorübergegangene Krisis hat einer japan- I ischen Zeitung Veranlassung gegeben, einmal übersichtlich I zusammenzustellen, was für KonzessionenKoreabe- I reits an Ausländer vergeben hat. Weit voran stehen I die Japaner mit ihren Bahnbauten, ihrem Post- und I Telegraphendienst, ihren Bergbau- und Fischerei-Gerechtig­keiten, ihren 16 weltlichen und zwei buddhistischen Schulen. Aber von den vielen geplanten japanischen Bergwerken ist nur eine Goldmine wirklich in Betrieb gesetzt. Ruß­land hat sich leinen Teil der Eisenbahnschwellen seiner sibirischen Bahn aus Korea zu beschaffen gewußt, und hat einem unternehmenden russischen Seemanne die Berechti­gung zum Walfischfang und zum Thranichmelzen an der koreanischen Küste gesichert. Eine rührige deutsche Firma betreibt seit drei Jahren eine ertragreiche Gold­mine; auch giebt es in Söul eine Schule für deutsche Sprache, mit etwa vierzig koreanischen Schülern. In jüngster Zeit hat sich auch der Unternehmungsgeist eng­lischer und amerikanischer Kapitalisten wieder in Korea betätigt, während zugleich zwölf von amerikaniscben Vereinen unterhaltene Missionsschulen der Verbreitung des englischen Idioms zu Hilfe kommen. Politisch ist diese ideelle und wirtschaftliche Konkurrenz entfernterer Länder für Korea eine Sicherung gegen den ausschließlichen Zwang, den eine japanisch-russische Verständigung über den macht­losen Pufferstaat verhängen könnte. Eine auch äußerlich mehr in die Augen fallende Repräsentation des deutschen Reiches wäre deshalb in der Hauptstadt des koreanischenKaiserreiches" wohl am Platze. Es ist sehr zu bedauern, daß die deutsche Regierung die Gelegen-, i heit zum Ankäufe des wohlgelegenen Grundstückes, an­dern das von Ehlers bespottete gemietete KonsulatshÜuschen stand, nicht benutzt und nicht ein stattliches Amtsgebäude in Angriff genommen hat. Der neu ernannte deutsche Konsul für Korea, Dr. Weipert, bisher Dolmetscher- Sekretär der Legation in Tokio, wird Mühe haben, in der verfallenen Stadt ein Amtsgebäude und eine Wohnung in passender Lage zu finden. So rächt sich die übergroße | Zurückhaltung, die man bisher bei deutschen Konsulats- I bauten in Japan und Korea bewiesen hat. Auch in Yoko- I Hama liegt der Bauplatz für das Generalkonsulat seit acht I Jahren unbenutzt. Nur in Twatutia auf Formosa besitzt I Deutschland jetzt ein seiner würdiges Konsulatsgebäude I monumentalen Gepräges. Hoffentlich sieht auch Yokohama I bald ein so stattliches deutsches Generrülkonsulat wie das

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Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Nachdem die Maul« und Klauenseuche in Bellers­heim bis auf drei Gehöfte erloschen ist, heben wir die Gemarkungssperre auf. Die Sperre der drei Gehöfte bleibt vorerst noch bestehen.

Es wird noch bemerkt, daß der LangSdorfer Vieh­markt am 21. ds. Mts. aus Bellersheim nicht beschickt werden darf.

Gießen, den 17. Mai 1900.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

I. V.: Boeckmaun.

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat April 1900 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: ä

Hafer Mk. 16,70, Heu Mk. 6,30, Stroh Mk. 3,40.

Gießen, den 17. Mai 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.