Ausgabe 
17.10.1900 Zweites Blatt
 
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Ausland

Slbfidjt habe, nach Südafrika zurückzukehren. Die orttische Regierung würde ihn dort nicht wieder landen lassen. Krüger würde Donnerstag oder Freitag an Bord desGelderland" absegeln. Sein Ziel sei Brüssel. Er glaube, die einzelnen Burenkorps würden noch vier Monate aushalten können.

Reuters Bureau meldet aus Pretoria: Ein angesehener Bürger, van Post, hat die Erlaubnis erhalten, sich in den Oranjefreistaat zu begeben, um De Wet aufzusuchen und ihm vorzustellen, daß es thöricht sei, den Kampf weiter fortzusetzen. Scho em an und ein anderer Bürger haben sich zu demselben Zweck zu Botha begeben.

Aus Anlaß der Abreise des Generals Buller nach England ist ein Armeebefehl erschienen, der mitteilt, daß Buller das Kommando über die Streitkräfte in Natal abgegeben hat und worin ihm der Dank Lord Roberts ausgesprochen wird für die großen Dienste und die Ge­schicklichkeit, mit der er seine Aufgaben erfüllt hat, während er unter dem unmittelbaren Kommando Lord Roberts gestanden hat.

Telegramme des Gießener Anzeigers.

London, 16. Oktober.Daily Mail" meldet aus Pretoria: 500 Buren sind in der Gegend von Sanderton hervorruft0^^ to0 ^re Anwesenheit große Aufregung

London, 16. Oktober. Aus Pretoria wird gemeldet' General Viljoen, unterstützt von zahlreichen Afrikandern * üus Johannesburg, bereitet augenblicklich sich vor, den Engländern in der Umgebung der Stadt h e f t i a e n i Widerstand zu leisten

Rust en bürg, 16. Oktober. General Methuen ist hier eingetroffen.

Pretoria, 16. Oktober. Nach einer Meldung aus I Rustenburg hat sich General Broadwood eines Lebens- I Mittelzuges'von 14 Wagen bemächtigt und machte dabei fünf Buren zu Gefangenen.

I . y« 15. Oktober. Am Freitag wurde hier

I JJJ fachen der Feldbereinigung unter dem Vorsitz des I Aegierungsrates Bach eine Versammlung der beteiligten I Grundbesitzer abgehallen behufs Wahl der Vollzugskommission I m c Feststellung der Art der Aufbringung der Mittel. Die Wahl der Kommission verlief resultatlos, da keiner der Vor­geschlagenen die erforderliche Zahl (%) der Stimmen er» hielt. Dagegen wurden die beiden Ersatzmänner zur Voll­zugskommission einstimmig gewählt. Die Feldbereinigung dürfte hier, da Parzellenvermessung schon erfolgt ist, binnen 2 Jahren vollendet sein. Auch die Anlage einer Wasser­leitung ist hier projektiert. Wasser ist genug in der Nähe des Ortes mit genügendem Falle vorhanden. Der größere Teil der Einwohner würde die Anlage einer Wasserleitung i '^udig begrüßen, da die Wasserverhältnisse in Robröack viel zu wünschen übrig lassen.

Mainz, 15. Oktober. In einer in Elsheim von mehreren Hunderten von Wahlinteressenten und sämtlichen Gemeindevertretungen des SelzthaleS besuchten Versamm­lung, in der die Landtags-Abgeordneten Molthan, Dr. Frenay, v. Brentano und Wolf sprachen, wurde nach einem eingehenden Referate des Abg. Molthan ein­stimmig eineResolution angenommen, die die Regierung und Landstände imJnteresse des Baues der Selzthal, bahn um raschere Erledigung der Nebenbahn-Vorlage er­sucht. Weiter erwartet die Versammlung die einmütige Ablehnung des Antrages HaaS-Offenbach, weil er praktisch schwer durchführbar sei, in jedem Falle aber daS Zustandekommen der Nebenbahnvorlage auf lange hinaus verschieben würde. Die Resolution wird der Regierung und den Landständen zugehen.

Aus dem Rheingau, 15. Oktober. Der Herbst ist für unseren Weinbau überraschend schnell gekommen; er heischt mehr noch als in anderen Jahren gutes, trockenes Wetter, damit die vorzüglichen Trauben glücklich unter Dach gebracht werden können. Der September hat den Weingemacht"; der August war nur ein Wonne­monat'für ' den! Sauerwurm und rief manche Befürchtungen hervor. Sie haben sich zum Glück nicht bestätigt, und so stehen wir heute vor einer Ernte, die an Menge zwar nur mäßig, an Güte aber sehr reich zu werden verspricht, zumal die Stöcke noch jetzt gesund und grün im Laube stehen. -Ue hochedelreifen Trauben sind mit geringen Aus­nahmen in Fäule (techn. Ausdruck für Reife) übergegangen, schrumpfen in den besseren Lagen aller Gemarkungen zu Rosinen und drängen dadurch zu rascher Lese. Bleibt das Wetter gut und wird vorsichtig gelesen, so unterliegt es keinem Zweifel, daß die Qualität eine hohe wird, ^ie Lese des Spätrot in Aßmannshausen ergiebt bei großer Güte etwa einen halben Herbst und wird außer der Domäne von den meisten Besitzern schon beendet sein. Im unteren Rheingau fand schon in dieser Woche eine allgemeine Lese statt, während im Mittel- und oberen Rheingau Vorlesen gehalten wurden und allgemein am Montag die Hauptlese begann. Recht hohe Qualitäten verspricht man sich in Rüdesheim, das auch in seinen Berglagen im Quantum bevorzugt sein soll. Bleibt das Wetter leidlich trocken, so erlebt der Winzer also wieder einmal Freude nach beir letzten beiden Fehljahren.

Kirchhain, 14. Oktober. Die Kunde von einer ent­setzlichen That durchlief heute unser Städtchen. Eine Frau in Rauisch--Holzhausen sollte ihr neugeborenes Kind getötet und verbrannt haben. DieOberh. Ztg." schreibt dazu folgendes: In dem genannten Orte hatte am Freitag abend eine Frau, Katharine Rquch, die

| Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat des Herrn I H^Yse (/^Hlied des wirtschaftlichen Ausschusses) über I $cn Zollanschluß benachbarter Staaten an Deutschland.

I f "m 1- A"ober ist in Leipzig beiDeuts ch e V e r - I r te n-V er band" ins Leben getreten, der die I rnbhrnung berechtigter Interessen der deutschen Ver- I kicherten in allen Versicherungs- und Entschädigungs- I bezweckt. Es sind demselben bereits eine große I getreten?^'Keller, Aerzte und andere Interessenten bei- I .Kassel, 15. Oktober. Amtliches Wahlergebnis der Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Rinteln- Hofgeismar-Wolfshagen am 11. d. M.: Stich- w a h l zwischen L i p p o l d e s in Weibeck (k o n s.) mit 2636 und Vogel-Oberweiler (Antis.) mit 2353 Stimmen.

Ko b lenz, 15. Oktober. Der Wirkt. Geheime Rat *? r rJJe r och, früher preußischer Gesandter bei den Hansestädten, ist gestern auf seinem Gute Bassenheim, 63 ! ^ohre alt, gestorben. Heinrich von Kusserow wurde Ä^ohn eines preußischen Generals 1836 in Köln geboren. Nachdem er verschiedenen diplomatischen Vertretungen Preußens bei auswärtigen Höfen anghört hatte, kam er 1865 an die preußische Gesandtschaft in Washington. 1868 ijatte er öaö diplomatische Dezernat im Bundeskanzler­amt in Berlin und vertrat 1870 den Botschaftsrat in London Der Wahlkreis Elberfeld-Bannen schickte ihn in den ersten deutschen Reichstag, wo er die liberale Reichspartei mitbegründete. Später kehrte er wieder ins Auswärtige Amt zurück. Seiner Vorliebe für : die überseeischen Interessen Deutschlands blieb er treu nachdem er 1885 Gesaiidter bei den mecklenburgischen Hofen und den Hansastädten in Hamburg geworden war. ^ie Errichtung der großen Hamburger' Schiffs-Ver­bindungen, u. a. nach Britisch- und Niederländisch-Jndien 1,1 MM großen Teil sein Werk. Mitte 1890 trat Kusserow ui den Ruhestand, (v. Kusserow veröffentlichte 1873 in einer Brüsseler Zeitschrift eine völkerrechtliche Arbeit' Les devoirs dun gouvernement neutre. D. Red.)

** Jnmor'fA 2 rx Gießen, 16. Oktober.

I und Rcrn fterbeiaeirtpnÄ gewesen war. seinen aus Nay /K Ä « °7n"bL^ndliches,WiIlk°mmL schwierige Aufgabe zur äLlunNi^ echt turEisLn

I Statte nach Möglichkeit zu lösen ^werrschen

kleinen Mangeln war alles in der Ä Hetzen van ber neu aufgeführte Anbau kani bereits ^r'^vwwn

Tu?n^er de? bie ^ier vereinten besseren

Turner des Mittelrheinkreises wetteiferten, das Beste vor- am 91 P ff 11Tt S SR AVV'OW S. _ _. ± f f Kürturnen

f^afk? p ß Gütlich hervor. Auch die Mann- schasten des Gießener Turnvereines waren auf ihrem ttblaaen präzis aufgeführte Stvck-

KWev./and a gemeinen Beisall. Die während des gepflogenen Verhandlungen konnten dann

auch das Vorhergesagte nur bestätigen. Für den nächst- ^bbungsort wurde Darmstadt gewählt. Ein

M anschließendes Konzert, verherrlicht durch die F^nhett zu Gehör gebrachten Gesangs- h pmh ? ^beß- ^auer scheu Gesangvereins, versammelte ^be wie hiesige Turner in großer Zahl, und viele Gaste, kehrten erst spat nachts in ihre Heimat zurück, nach- dem sie auch von der gegebenen Gelegenheit, das Tanzbein zu schwingen, ausgiebigen Gebrauch gemacht hatten.

-r Melbach, 16. Oktober. Unser Berichterstatter hält die in Nr. 239 ds. Bl. über die Beerdigung des Selbst- morders gebrachte Notiz voll aufrecht und fügt hinzu, daß dies schon der zweite Fall in diesem Jahre sei, in dem sich der bett. Geistliche weigerte, diesmal eine Selbstmörderin, a~c Frau, die sich erhängte, zu beerdigen. Hin­sichtlich des Textes der Grabrede könnte er sich vielleicht geirrt haben.

Deutsches Reich.

1^' Oktober. Aus Homburg wird qe- meldet: Das K a i s e r p a a r und das Prinzenpaar Hein-

UK, h/ute nachmittag nach FriedrichDhof.

§F^vpaar kehrte um 6 Uhr, das Prinzenpaar Hein- ?ter Ter Kaiser hörte gegen Abend

Marme-Vortrage. Zur Abendtafel waren geladen: Kom- Tn^?plrreQb? ?eneral v. Lindequist mit Gemahlin und brat v-Meister mit Gemahlin und Mutter, der Ches des Marinekabmetts v. Senden-Bibran und Admiral D^errchs. Das Kaiserpaar wird voraussichtlich bis zum ^s^'-^Aomburg verbleiben. Am 18. wird im königl. Schlosse m dem zur Kapelle umgewandelten Bibliotheks- L?x£. Konfirmation des Prinzen Adalbert durch die Hofprediger Goens und Dr. Dryander statt- Uuden. Der Kronprinz und die kaiserlichen Prinzen treffen uns Plon und Berlin am Mittwoch vormittag hier ein.

Wie man aus Hildesheim meldet, hat das ?o^lerpaar seinen Besuch zur Denkmalsfeier dort für Ende Oktober zugesagt.

Reichskanzler Fürst Hohenlohe traf heute abend rn Homburg ein und nahm im Hotel de Russie Wohnung Ueber den Gesundheitszustand der Kai- s e r in Friedrich wird folgender Krankheitsbericht durch den Oberbürgermeister Dr. Tettenborn in Hornburg ver- I ofsentlicht: a

Ihre Majestät die Kaiserin und Königin Friedrich leiden seit längerer Zeit an neuralgischen Schmerzen. Infolge der andauernden Beschwerden hat sich allmählich ein Erschöpfungszustand be­merkbargemacht, der zu einem Anfall von akuter H e r z- chw ach e geführt hat. Im Anschluß daran hat sich ein |etunöarer Lungenkatarrh entwickelt, der unter Achter (Steigerung der Temperatur und wechselnder P^tch^eguenz noch fortbesteht. Eine augenblickliche I Lebensgefahr ist gegenwärtig nicht vor-I Händen, indessen muß die Wiederholung eines solchen Herzschwächezustandes als ein das Leben unmittelbar I gefährdendes Ereignis erachtet werden. Auf Wunsch und mit Rücksicht auf die hohe Patientin ist bisher von der I Ausgabe von Bulletins Abstand genommen worden

Friedrichshof, 14. Oktober 1900.

gez. Professor Ren Vers.

m gez- Leibarzt Dr. Spielhagen.

Em Bericht vom 15. Oktober lautet: In dem Be- I finden der Kaiserin Friedrich sind dem Vernehmen nach I feit gestern bemerkenswerte Veränderungen nicht einge- I treten, ^ie Besserung nimmt einen langsamen Fortgang. I xie Umgebung der Kaiserin ist streng verpflichtet, sich I le.vev ^udiskretion, wozu sie in erster Linie alle von ihr I Nicht sanktionierten Mitteilungen über den Stand ihrer I nf?anbneit 5e?net' ZU enthalten. Es soll nach MöglMeit ^P?pr,??^bbn.werden, was die Aufmerksamkeit der

Kaiserin lenken könnte. Nur mit I kfimpft? ni.a &at Ve tn bie Hinzuziehung einer Pflege- I eh?pmiHinf§ Jprf°?er9 §ur Ablösung in den Nachtwachen hi?ipUinm 1 ?5, tote lie s^ch äußerte, nun doch gewiß bl<e Zeitungen kommen würde. So viel steht für jetzt I

I^tcn ^ankheitsaufull in der 'Ba f ac^e glücklich überstanden hat, wenn auch ihre völliae I Genesung und oot allem bie Beseitigung ilrir alten neu" ralgischen Schmerzen noch längere >ieit in Anspruch neh- I 'nen und sie für ablehbare Zeit, vielleicht sogar ür den ganzen Winter zwingen wird, in Cronberg zu bleiben Energie der Patientin verleiht ihr eine Widerstandskraft bte nur sehr schmerzhaften Anfällen, wie denen d^r letzt n Wochen, bis zu einem gewissen Grade erliegt die aber bald wieder erwacht und die Genesung der Kaiserin ördert

- Der Chef des baierischen Jngenieurkolps und L spekteur der Festungen, General der Infanterie Ritter v Popp der vorige Woche sein fünfzigjähriges Dienst, tubilaum feierte, ist, wie aus München gemeldet wird gestern abend am Typhus gestorben. ' |

Der Bund der Industriellen trat heute nor- I mittag im Sitzungssaale des Reichstagsgebäudes zu feiner < Generalversammlung unter zahlreicher Beteiliguna r,, | Jammen. Kommerzienrat Wirt-Berlin erstattete den I Iahresberichit über die.TH-ätigkeih des Bundes. Den- nächsten I

| Stockholm, 15. Oktober. König Oscar von Schweden I *si bedenklich erkrankt. Sein Zustand erregt Besorgnis.

_ Kopenhagen, 15. Oktober. Der dänische Gesandte in I Washington ist hier eingetroffen, um über den Verkauf I der we.stindischen Inseln mit der Regierung direkt zu verhandeln. Die Amerikaner wünschen den Besitz der Inseln, um auf St. Croix einen Kriegs Hafen anzulegen. Ueber den Kaufpreis herrscht Uneinigkeit.

I k- London, 15' Oktober. Am Samstag abend gewannen I dle Liberalen noch einen Sitz; bisher sind 657 Mitglieder des neuen Unterhauses gewählt, darunter 398 Mi­nisterielle, und zwar 331 konservative und 67 liberale

I ll^onisten, sowie 259 Oppositionelle, und zwar I V9 Liberale und 80 irische Nationalisten. Da beide Par- I ^ien nunmehr je 35 Sitze gewonnen haben, ist die mini- I ^bhrheit nicht größer, als sie bei Beginn der I Wahlen war.

I Paris, 16. Oktober. Wie dieAgence Havas" aus Aden meldet, pachtete Deutschland von der Türkei die kleine Insel Wroan im Roten Meere für 30 Jahre zur Errichtung einer Kohlenstation.

Nach der amtlichen Zollstatistik betrug der Wert der Einfuhr in den ersten 9 Monaten des laufenden Jahres 3,282,623,000 Francs gegen 3,367,731,000 Frcs. im gleichen Zeiträume des Vorjahres, der Wert der ; fuhr 2,981,963,000 gegen 3,012,254,000 im Vorjahre.

Madrid, 15. Oktober. Der Kriegsminister ließ sich überzeugen, die Mehrung seiner Ausgaben aus 9 Millionen zu beschränken, die ausschließlich für den Ankauf von Schnellfeuerkanonen verwendet werden.

Prag, 15. Oktober. Dr. Herold erklärte in einer Rede, falls das staatsrechtliche Programm der Tschechen nicht gewährt würde, würde der Reichs rat auch nicht zu Stande kommen und die Tschechen müßten eventuell mit Gewalt das an ihnen begangeneUnrecht" ab­wehren.

Belgrad, 15. Oktober. Sämtliche Verteidiger der im Attentats-Prozeß Verurteilten beschloffen, trotzdem nunmehr sämtliche Verurteilten in Freiheit gesetzt sind, von I denselben keinerlei Honorar oder Schadenersatz zu ver- I laugen._______________

Politische Tagesschau.

Zur Reichskanzlerfrage bringt dieMünch. Allg. Ztg." eme Auslassung, die umsomehr Aufsehen erregt, als das genannte Blatt bekanntlich bisher für offiziös galt. Wir I entnehmen dem Artikel folgende Sätze:

Jemehr, um einen Ausdruck des Fürsten Bismarck zu gebrauchen, I bie Aufgabe, dem Kaiser das erforderliche ministerielle Bekleidungsstück I ju liefern, auf die Person eines Einzelnen, des Reichskanzlers, sich I beschränkt, um so unerläßlicher wird es sich erweisen, daß dieser eine I nicht nur die Entschlossenheit, sondern auch die F ä h i g k e i t I besitze, in vollerThatkraft und mit breiterBruft den I Kaiser tatsächlich z u decken. Die Schwierigkeit dieser Aufgabe I wird dabei naturgemäß in dem Maße wachsen, in dem das Reichs- I Oberhaupt das Bedürfnis empsindet, mit starker Hand fördernd oder I hemmend in das politische Räderwerk einzugreifen und sich der Wirkung I der publizistischen und parlamentarischen Geschosse rücksichtslos auszu- I setzen. Die Frage, ob der jetzige hochbetagte Reichs-! k a n z l e r eine solche Aufgabe, an der selbst die Kraft manches | jüngeren, reich begabten Staatsmannes scheitern könnte, auf die Dauer I zu tragen vermöge, ist in der Presse seit Jahr und Tag lebhaft er- I örtert worden. Wenn auch dieHamb. Nachr.", die dieser Tage der | Befürchtung Ausdruck gaben, daß es bei der gegenwärtigen Lage der I Dinge zu einer Herabdrückung der Reichskanzlerschaft auf das Niveau I einer Art höchsten Hofamts kommen werde, über das Ziel sicherlich I weit hinausschteßen, da die moralische Autorität, die einem Manne | wie dem Fürsten Hohenlohe durch seine hervorragende soziale Stel- I lung und durch sein langjähriges, ebenso verdienstvolles wie erfolg- | reiches politisches Wirken nach oben wie nach unten immerhin ge- I sichert bleibt, einer solchen Möglichkeit vorbeugt, so ist es doch nicht I n Abrede zu stell en, daß der Wunsch, es möge demnächst ein I m der Vollkraft der Jahre stehender Staatsmann, einstarker I

®nn" mit der Reichskanzlerschaft betraut werden, in I I ?si allen P a r t e i l a g e r n, auch in denen, die über der Partei- ] flaggt bas nationale, das kaiserliche Banner hiffen, laut ge- I worden ip