im Alter von 42 Jahren steht und seit 9 Jahren von ihrem Manne getrennt lebt, heimlich geboren und das Kind gleich nach der Geburt in den Ofen gesteckt und dort verbrannt. Die Hausbewohner waren durch den penetranten Geruch aufmerksam gemacht worden, sie erstatteten Anzeige. Bei der sofort angestellten Untersuchung, zu der auch Herr Kreisphysikus Klingelhöfer - Kirchhain zugezogen wurde, wurde noch ein Beinchen des Kindes sowie in der Asche zahlreiche Knochenüberreste gefunden. Ob das Kindchen lebensfähig gewesen war, ließ sich nicht feststellen. Die Frau, die noch am Samstag morgen Holz sägte, leugnet die That beharrlich; sie ist zur Zeit transportunfähig und wird deshalb in ihrer Wohnung bewacht. Die Staatsanwaltschaft in Marburg wurde benachrichtigt, sie wird heute am Thatorte erwartet.
** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der seit acht Tagen vermißte Schulknabe Schreier aus Wetzlar ist jetzt aufgefunden. Er war unter einer unwahren Angabe bei einem Bäckermeister in Marburg in Arbeit getreten. — Sämtliche Aerzte des Kreises Wetzlar haben einen Aerzteverein gegründet, der den Zweck hat, den kollegialen Sinn unter den Aerzten zu fördern und die Standesinterefsen zu wahren.
Vermischtes.
* Köln a. Rh., 15. Oktober. Auf der Strecke Grefrath - M o e d r a t h entgleisten die Maschine sowie mehrere Wagen eines Güterzuges in dem Augenblick, als der Zug eine abschüssige Stelle passierte. Das Personal sprang ab: der Heizer geriet indessen unter die Maschine und blieb sofort tot. Mehrere Wagen wurden zertrümmert.
Universität und Hochschule.
— Der Gymnasial-Professor Dr. Rudolf Lehmann hat sich an der Berliner Universität in der philosophischen Fakultät als Pnvat- dozent für Pädagogik eingeführt. Seine Antrittsrede handelte über ästhetische Erziehung. — Der Zahnarzt Dr. Wather Bruck in Breslau rst zum Lehrer der Zahnheilkunde und Leiter der Abteilung für Zahnfüllung am zahnärztlichen Institut der dortigen Universität ernannt worden. — In Wien ist der seit Jahresfrist pensionierte frühere Vize- direktor der Hofbibliothek Eduard Chmelarz im Alter von 53 Jahren gestorben.
Marburg, 15. Oktober. Die feierliche Uebergabe des Rektorats sand gestern vormittag in der Aula der Universität in den althergebrachten Formen statt. Nachdem die Chargierten der studentischen Korporationen mit ihren Fahnen emmarschiert waren und der akademische Lehrkörper seine Plätze eingenommen hatte, eröffnete der akademische Chor mit dem Gesang des 95^ Psalms von Mendelssohn die Feier. Der scheidende Rektor Prof. Dr. Hans Meyer, gab sodann den üblichen Bericht über D°nn überreichte der scheidende dem neuen die Insignien des Amtes. Dieser hielt dann, Vacksung, die den Hellenismus, seine Bedeutung und » bex ben Völkern des Altertums behandelte. Der
akademische Chor trug die Kinz'sche Motette „Preis und Anbetung sei die Feier schloß. Die Festschrift zu derselben hatte Prof. Dr. Ribbert verfaßt, sie trug den Titel: „Ueber die Ausbreitung der Tuberkulose im Körper".
Kunst und Wissenschaft.
— Der Direktor der königl. ungarischen Oper, Alex Erkel, ist gqtotoen.
Dem neuesten Jahresbericht des Allgem. deutschen Sprachvereins, der die Zeit vom September 1899 bis September 1900 um- faßt, ist zu entnehmen, daß sich der Verein in erfreulicher Weise fort- entwickelt. Es entstanden 14 neue Zweigvereine mit vorläufig 440 Mitgliedern. Die Gesamtzahl der Zweigvereine bettägt gegenwärtig 216 mit 13800 Mitgliedern. Rechnet man hierzu noch die unmittelbaren Mitglieder, deren Zahl fich auf etwas mehr als 1600 beläuft, so ergibt
sich ein Gesamtbestand von reichlich 15 400 Mitgliedern. In erster Linie steht mit seiner Mitgliederzahl, wie schon seit langer Zeit, der Zweigverein Kassel mit 732. Ihm folgt Bonn mit 427, Dresden mit 404, Köln mit 333 und London mit 289 Mitgliedern. - Auch die Sprachfreunde der Reichshauptstadt scheinen sich endlich auf sich zu besinnen. Der Zweigverein Berlin-Charlottenburg, der im vorigen Jahre nur 190 Mitglieder zählte, war bis Juli d. I. auf etwa 500 angewachsen, und es steht zu hoffen, daß er mit etwa 600 Mitgliedern in das nächste Jahr eintreten wird.
Sport, Spiet, Jagd.
-Ok. Gießen, 16. Oktober. Verein zur Züchtung reiner Hunderassen-Gießen. Bet dem am Sonntag, dem 14. d. Mts., vom Verein zur Züchtung reiner Hunderassen zu Offenbach a. M. veranstalteten Preisfchliefen erhielt unser Vorstandsmitglied L. Benner aus seine beiden Teckel im Jugendschkiefen den 1. und 2. Preis mit je einem Ehrenpreis. Der Verein hat dadurch wieder bewiesen, dah seine Mitglieder nicht nur im Besitze von Aus- strllungshunden, sondern auch von Gebrauchshunden sind.
Handel und Umkehr. Volkswirtschaft.
Gieße«, 16. Oktober. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. A 0.90—1.00, Hühnereier per St. 7—8 2 St. 00—00 Enteneier 2 St. 00—16 A, «äwe-
eier per St. 00-00 Käse 1 St. 6—7 Käsematte 2 St. 6—6 A. Erbsen per Liter 24 Linsen per Liter 34 Tauben per Paar
A 0.50—0.80, Hühner per St. ** 0.90—1.20, Hahnen per Stück A 0 50—1.00, Enten per St. A 1.80—2.20, Gänse per Pfun A 0.50-0,60 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh. und Rindfleisch i>er Pfd. 62—64 H Schweinefleisch per Pfd. 50—70 Ä, Schwemr» fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 4, Hammelfleisch per Pfd. 60—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00 bi'z 6.00 A, Weißkraut per St 00—00, Zwiebeln per Etr. A 4.50—6.00, Milch per Liter 18 Zwetschen 2.30—3.00.
Dauer der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.
Bremen, 15. Oktober. Der Norddeutsche Lloyd und zwölf ausländische Schiffahrtsgesellschaften haben von heute ab infolge höherer Kohlenpreise die Passagierfahrpreise nach und von China, Indien, Australien und Neu-Seeland um 10 Proz. erhöht.
Familien Nachrichten.
Gestorben: Joh. Georg Wintzr in Frankfurt a. M.
Neueste Meldungen.
Cronberg, 16. Oktober. Ueber die Vorgeschichte der letzten akuten Erkrankung der Kaiserin Friedrich meldet man Folgendes: Die Kaiserin befand fich nach ihrer Rückkehr aus dem Süden, wo fie in Begleitung des in Cronberg wohnenden Leibarztes Dr. Spielhagen geweilt hatte, längere Zeit recht wohl. Später traten heftige Rück en sch merz en ein und die Kaiserin suchte ihre Schmerzen lange Zeit zu verbergen, sodaß sie kaum für die nächste Umgebung wahrnehmbar waren. Die Spazierfahrten wurden während des Sommers täglich fortgesetzt. Seit vier Wochen trat das Leiden indeß in ein akutes Stadium und die Schmerzen mehrten sich. Dr. Spielhagen siedelte ganz nach Schloß Friedrichshof über. Das Leiden erreichte am Dienstag der letzten Woche seinen Höhepunkt. Seit Freitag ist der Krankheitsprozeß in der Rückbildung begriffen. Wenn auch das momentane Befinden eine größere Gefahr nicht in sich schließt, so rechnet man doch in den dem Hofe nahestehenden Kreisen mit jeder möglichen Eventualität und vermeidet jede Beschlußfassung über die Teilnahme an festlichen Vorgängen. Der Zustand der Kaiserin erfordert die größte Ruhe.
Berlin, 16. Oktober. Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, geht man nicht fehl, wenn man die Reise des Fürsten Hohenlohe nach Homburg zum Kaiser mck der Einberufung des Reichstages in Zusammenhang bringt, deren Termin in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden soll.
Berlin, 16. Oktober. Wie die „Post" mitteilt, wird in diesen Tagen ein Aufruf an den öffentlichen Anschlagsäulen die Berliner Bürger zum Unterschreiben einer Glückwunsch-Adresse, die der Kaiserin zu ihrem bevorstehenden Geburtstag überreicht werden soll, auffordern. Das Stadtverordneten-Kollegium hat bekanntlich beschlosien, in diesem Jahre von einer Glückwunsch-Adresse an die Kaiserin Abstand zu nehmen.
Breslau, 16. Oktober. Das freisinnig-sozialistische Kartell errang bei den gestrigen Wahlmänner- Wahlen einen Sieg, der das Resultat der kassierten Wahlen erheblich übertreffen wird.
Paris, 16. Oktober. Aus Stockholm wird gemeldet, König Oscar von Schweden ist an einem Brust- katarrh erkrankt. Seine Kräfte sind im Schwinden, jedoch ist sein Schlaf normal. Der Leibarzt des Königs, Dr. Egebert, ist andauernd in der Nähe des Königs.
Marseille, 16. Oktober. Der Dampfer Djeddah, der aus Dschibuti hier eingetroffen ist, berichtet, daß zwischen Abessyniern und Anhängern des Mahdi ein Krieg ausgebrochen ist.
New-dork, 16. Oktober. Das „New Aork Journal" erfährt, Staatssekretär Hay werde demnächst zurücktreten und durch den bisherigen Botschafter in London Choate ersetzt werden.
Telephonischer Kursbericht.
Frankfurt, den 16. Oktober.
3i/i % Reichsanleihe .
3 o/o do
3i/i r/o Konsols . . .
3»/o do ...
31/2 ”/o Hessen . . .
5 % Italien. Rente . .
40/0 Griech Monop.-Anl.
3 o/o Portugiesen . .
3 o/o Mexikaner . . .
41/2 % Chinesen . . .
74.70
Tendenz: fest.
Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . .
94.45 85.40
94.25
85.50 91.30
93.80 42.-
23.70
. 201.60 . 170.10 . 128.80 . 141.50 . 141.5» . 136.80 . 139.40 . 193.— . 171.— . 172.80
Bei Todesfällen
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6789
Mulch, Pfandmeister.
Körber.
6813
L. Kalkhof
6806
llrlannitiuiidjniiiu'ii .
Donnerstag den 18. d. M., vormittags von 9 Uhr au, lasten die Erben der Philipp Brück II. Eheleute dahier
2 Kühe,
2 Rinder,
2 Schweine,
Heu, Stroh, Kartoffeln und landwirtschaftliche Geräte in der Wohnung derselben versteigern. Alten-Buseck, 15. Oktober 1900. Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck.
Versteigerung.
Montag den 22. d. Mts., nach, mittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfand- lokal, Seltersweg 11, gegen Barzahlung:
1) 6 Stämme Eichenholz, 1 Vertikow, 1 Ässchrank;
2) um 3 Uhr: Die Ernte von einem Triebviertel. Zusammenkunft a. Lutherberg;
3) um 4 Uhr: Die Ernte von einem städtischen Acker. Zusammenkunft an der früher Rüffing'schen Besitzung.
Gießen, den 16. Oktober 1900.
—
Frau Leib im Philosophmwald ge- hören, ist nicht genehmigt, und soll Freitag den 19. d. M., nach- mittags S Uhr, eine zweite Versteigerung an Ort und Stelle statifinden. 6800
Gießen, den 16. Oktober 1900.
Großher-ogliche Bürgermeisterei Gießen.
I. V.: Wolff.
GklWdkverpluhtllvg.
Die Verpachtung der 8 Vielte! Land hinter den Eichen, welche der
A. Holterhoff Söhne.
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß der für Mitt- woch ben 24. Oktober vorgesehene Krämermarkt in Gießen stattfindet, daß aber die für den 23. und 24. Oktober vorgesehenen Biehmärkte ausfallen-
Kastanien
in frischer, hochfeiner Ware eingetroffen.
Das evang. Schwesternhaus
«T als Unterkunft für reisende Damen für kürzere oder längere Zeil
WW^»»^^^^flEmsowieseimMarthaherberge für stellenlose Dienstmädchen.


