nomierat Johannsen- Hannover zum stellvertretenden Anwalt. ,
Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: „Welel)e Maßnahmen können zur wetteren Ausgestaltung der ländlichen Spar- und Darlehnskassen ergrifsen werden?" wurde nach -eingehenden Darlegungen- des Verbandsrevisors Mehrer Sparr-Rackow folgender Beschluß gefaßt: „Die Verbände werden ersucht, in verstärktem Maße daraus bedacht zu sein, daß die ländlichen Spar- und Darlehnskassen ihre Betriebsmittel aus Vern eigenen Bezirk entnehmen Die Einrichtung von Kinder-, Gesinde- und Arbeitersparkassen ist als eine durchaus gesunde wirtschaftliche und soziale Maßnahme zu bezeichnen und ist es den ländlichen Kreditinstituten durchaus zu empfehlen, ihren Geschäftsbetrieb auch auf derartige Kleinsparkassen auszudehnen."
Hierauf sprach Verbandsdirektor Landtagsabgeordneter und Landrat z. D. v. Brockhausen-Stettin über: Welche Erfahrungen sind mit dem Bezüge von Kohlen seitens der landwirtschaftlichen Genossenschaften gemacht worden? Die Kohlenfrage sei nicht nur für die Industrie, sondern auch für die Landwirtschaft eine eminent wichtige. Daher sei es erklärlich, daß die Landwirte der Frage des genossenschaftlichen Bezuges näher getreten feiert. Die Erfahrungen der Genossenschaften seien sehr traurige gewesen. Wir befinden uns auch jetzt noch mitten in der Preissteigerung und sei auch für Geld kaum Kohle zu erhalten. Für die deutsche Kohlenproduktion komme fast nur Preußen in Betracht. An einem großen Teile der Kohlenförderung sei der Fiskus beteiligt, denn er besitze in Oberschlesien 2, im Ruhrrevier 1, int Saarrevier 11, im Bezirk Halle 2 Gruben Die Gruben im Ruhrrevier seien allerdings zum größten Teil Aktien-Unternehmungen. Den Landwirten sei ost von autoritativer Seite nahegelegt worden, sich genossenschaftlich zu organisieren. Jetzt müßten sie aber and) von dem Ministerium verlangen können, daß die fiskalischen Gruben sie bei ihren Abschlüssen in erster Reihe berücksichtigen. Der Verband müsse fest und energisch an die Staats-Regierung herantreten. Sollten sie mit einer Denkschrift an das Staatsministerium keinen Erfolg haben, so bleibe poch die Hoffnung, vielleicht mit einer Immediateingabe mehr zu erreichen. (Beifall.) Unsere Wünsche sind nicht unberechtigt; wir verlangen nicht eine Bevorzugung vor anderen Erwerbsklassen, sondern nur eine Berücksichtigung der Eigenartigkeit des landwirtschaftlichen Betriebes. (Lebhafter Beifall.) Hauptmann Schmidts-Breslau verlangt ein Ausfuhrverbot für Kohlen, Gallratski -Schneidemühl fordert, daß sämtliche Privatgruben in fiskalischen Besitz übernommen werden, da dies das einzige Mittel sei, dauernd eine Kohlennot zu beseitigen. Major En de 11- Kiekoz hält eine vorn Referenten vorgeschlagene Resolution für zu milde und beantragt mehrere Verschärfungen, Der Anwalt Geh. Rat Haas legt den Genossenschaften nahe, bevor sie mit solchen Forderungen herantreten, ein entsprechendes Quantum in ihren Händen zu konzentrieren, denn das von der Zentralgenossenschaft gemeinsam mit den EinkaufssteNen Neuwied, des Bauernvereins und des Bundes der Landwirte bezogene Quantum Kohlen habe rund 9 Millionen Zentner betragen. Der Referent v. Brockhausen bemerkt dazu, daß die Genossenschaften mit Leichtigkeit das zehnfache Quantum hätten absetzen können, sie seien aber bemüht gewesen, Aufträge abzuschieben (Sehr richtig!). Den Antrag auf Verstaatlichung aller Gruben bitte er abzulehnen. Als Abgeordneter müßte er jetzt dagegen stimmen. Der Staat würde den Aktionären ein schweres Stück Geld in den Rachen werfen. Man kauft nicht in der Hausse, sondern in der Baisse (Beifall). Die Versammlung nahm hierauf die Resolution des Referenden mit den von Endell beantragten Abänderungen an. Dieselbe lautet: „Die Anwaltschaft wird ersucht, die bei dem Bezug von Kohlen seitens der landwirtschaftlichen Genossenschaften gemachten Erfahrungen so schnell als möglich in einer Denkschrift an das Staatsministerium darzulegen, sowie aus die der Landwirtschaft insonderheit dem "landwirtschaftlichen Genossenschaftswesen durch die eingetretene Kohlennot drohenden Gefahren aufmerksam zu machen und zu bitten, möglichst noch im laufenden Jahre Sorge zu fragen, daß den landwirtschaftlichen Zentral- genössenschaften die Lieferungen von Kohlen in Zukunft sichergestellt werden"
Aus Stadt und Land.
Gießen, den 15. August 1900.
•* Persoualnachrichten. Dem Pfarrer Wilhelm Krämer zu Seckmauern wurde die evangelische Psarrstelle zu Groß- Bieberau, Dekanat Reinheim übertragen. Ernannt wurde am 10. August 1900 der Militäranwärter Karl Alle- brand zu Darmstadt zum Hauswärter im Neuen Kanzleigebäude.
Erledigte Stellen im Bezirk des 18. Armeekorps. Biebrich, Magistrat, Nachtwachtmann, 950—1150 Mk. Gehalt und freie Dienstkleidung. Darmstadt, Kaiserliche Ober- Postdirektion, Landbriesträger, 700 Mk. Gehalt und der gesetzmäßige Wohnungsgeldzuschuß. Daselbst, 2 Postschaffner, je 900 Mk. Gehalt und der gesetzmäßige Wohnungsgeldzuschuß jährlich. Frankfurt a. M., Königliche Eisenbahn- Direktion , 5 Lademeister-Aspiranten, je 1020—1800 Mk. Gehalt und 60—240 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. Homburg v. d. H., Polizeiverwaltung, Nachtschutzmann, 1000 bis 1400 Mk. Gehalt und 175 Mk. jährliches Kleidergeld. Weyer (Kreis Oberlahn), Gemeinde Weyer, Gemeindeförster, 858 Mk. Gehalt und 40 Mk. Wohnungsgeldzuschuß. — Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Direktion der Main-Neckarbahn, 9 Gehilfen für den StationS- und Abfertigungsdienst, je 1000 Mk. Gehalt.
** Der deutsche Verei« für öffentliche Gesundheitspsiege wird seine diesjährige 25. Jahresversammlung in den Tagen vom 12. bis 15. September in Trier abhalten. Der Ausschuß des Vereins hat soeben das Programm für die Trierer Versammlung ausgegeben. Der erste VerhandlungS- tag wird zwei Themata zur Besprechung stellen, ein ärztliches und ein vorwiegend technisches. DaS erste Thema lautet: „Maßregeln zur Bekämpfung der Pest"; das einleitende Referat hat Geheimrat Prof. Dr. Gaffky- Gießeu übernommen, der bekanntlich vor 2 Jahren die
vom Deutschen Reiche nach Indien entsandte Kommission zum Studium der Pest in chrer Heimat leitete. Der zweite Gegenstand dieses Tages betrifft die Wasserversorgung mittels Thalsperren in gesundheitlicher Beziehung und hat die erste Autorität aus diesem Gebiet, Geheimrat Pros. Jntze in Aachen, die Güte gehabt, )aS Reserat über den technischen Teil dieser heutzutage o wichtigen Frage zu übernehmen, während Prof. Karl Zränkel (Halle) vorwiegend die hygienische Seite der Frage lehandeln wird. Auch am zweiten Tage stehen zwei Gegen- tände zur Beratung: „Die Ursachen und Bekämpfung der ;oheu Säuglingssterblichkeit", für welche Pros. Dr. Praus- nitz in Graz das Referat übernommen hat, und die zum erstenmale in einer Vereinsversammluug behandelte Frage „Hygiene des Radfahrens" mit Dr. Sigmund Merkel Nürnberg) als Referenten. Am dritten Tage steht nur ein Gegenstand zur Beratung, aber ein heutzutage besonders wichtiger: „Die kleinen Wohnungen in Städten, ihre Beschaffung und Verbesserung". Um diese schwerwiegende Frage von allen Seiten zu beleuchten, sind hierfür drei Referenten gewonnen: einBerwaltungSbeamter, ein Techniker und ein Arzt, Oberbürgermeister Beck (Mannheim), Geh. Baurat 'Stübben (Köln) und Medizinalrat Dr. Reincke (Hamburg). Den Kongreß soll am vierten Tag ein gemeinsamer Ausflug nach dem reizend in dem sang- und weinreichen Moselthal gelegenen Städtchen Bernkastel schließen. Einen besonderen Anziehungspunkt wird die diesjährige Versammlung des Vereins noch durch eine mit derselben verbundene Ausstellung für Gesundheitspflege erhalten, die sehr reichhaltig nnd mannigfaltig zu werden verspricht. Teilnchmen an den Versammlungen des Vereins kann Jeder, der Interesse für öffentliche Gesundheitspflege hat und den Jahresbeitrag von 6 Mark zahlt, mMr er dann den offiziellen Bericht über die Versammlung erhält. Beitrittserklärungen zu dem Verein werden von dem ständigen Sekretär, Geh. Sanitätsrat Dr. Spieß in Frankfurt a. M, owie später auf dem Bureau der Versammlung in Trier entgegengenommen.
** Wern gehört das Ob st? Zwischen Gartenbesitzern und deren Nachbarn entsteht oft Streit darüber, wem das noch am Baume befindliche aber auf des Nach^ bars Grundstück überhängende, sowie auf dasselbe übergefallene Obst gehört. Wie das in Kraft getretene Bürgerliche Gesetzbuch bestimmt, gehört die am Baume überhäuge n d e Frucht dem Besitzer des Baumes, die über* gefallen e aber dem Nachbarn.
„i“ Rodheim a. b. B., 15. August. Tierschausest. Die von der Herdbuchgesellschast des Kreises Biedenkopf für das Vogelsberger Rind veranstaltete Tierschau findet Dienstag den 21. August hier statt. Anfänglich war diese Tierschau auf Donnerstag den 30. August festgesetzt, da aber auf kommenden Sonntag und Montag unsere diesjährige Kirmes festgesetzt ist, so soll diese Besichtigung hiermit verbunden werden. Auf Wunsch des Landrats v. Heimburg zu Biedenkopf wird sich diese Tierschau zu einer Festlichkeit gestalten, indem auf dem BefichtigungSPlatze, der am Wege nach Fellingshausen, unterhalb der Schmallffchen Zigarrenfabrik gelegen, gleichzeitig Konzert abgehalten und am Nachmittag in den Lokalen noch ein Tänzchen sich anschließen wird. Die Tierschau erstreckt sich nur auf die 9 Ortschaften deS Bezirks Rodheim.
„e“ Dorlar, 15. August. Die am Ausgang unseres Dorfes gelegene, der Witwe Schneider gehörige Wirtschaft ging, wie seinerzeit gemeldet, im verflossenen Winter durch Kauf an Herrn Failing aus Atzbach über. Dieser hat nun die Räumlichkeiten einer Renovierung unterzogen und wird daneben eine Metzgerei betreiben. Damit ist auch hier einem längst empfundenen Bedürfnis abgeholfen. Die Wirtschaft wurde am verflossener, Sonntag eröffnet.
Alsfeld, 12. August. In den Tagen vom 18. bis zum 20. August veranstaltet der „Verband Gabelsberger Stenographen jn Hessen und Waldeck" hier seine fünfte Hauptversammlung. Am 18. findet abends von halb neun Uhr an im Vereinslokal des hiesigen Vereins („zum Gambrinus") eine Vertreterversammlung statt. Sonntag den 19. halten zunäch'st die Unterrichtsleiter der Einzelvereine eine Konferenz ab, alsdann folgt ein Wettschreiben und von 11 Uhr ab im großen Saale des „Deutschen Kaisers" eine öffentliche Hauptversammlung, bei der Herr Eisenbahnbetriebssekretär Gaßmann aus Fulda einen Festvortrag über „Entwickelung, Ausbreitung und Nutzen der Stenographie" halten wird. An das gemeinschaftliche Mittagessen schließt sich ein Spaziergang und von abends halb neun Uhr ab (ebenfalls im „Deutschen Kaiser") ein Kränzchen. Für Montag den 20. August ist bei genügender Beteiligung ein gemeinschaftlicher Ausflug nach der Altenburg vorgesehen.
Darmstadt, 15. August. In einem Ausschreiben des Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe an die Verwaltungsbehörden, welches das Kreisamt Darmstadt den ihm unterstellten Bürgermeistereien zur Kenntnisnahme und entsprechender Berichterstattung über die in Betracht kommenden Verhältnisse bekannt giebt, wird ausgeführt: „Angesichts des zunehmenden Mangels an landwirtschaftlichen Arbeitern sind aus den Kreisen der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung mehrfach Wünsche bezüglich der Verlegung der Ueb- ungen der Reservisten und Landwehrleute während der Erntezeit geäußert worden. In jüngster Zeit hat Großherzogl. Ministerium des Innern auf Antrag des landwirtschaftlichen Vereins für die Provmz Rhem- Hessen bei Großherzogl. (25.) Division eine Verlegung der 14 tägigen Landwehrübung ab 12. Juli l. I. aus die Zett vom 8. bis 21. l. MtS. erreicht. Ebenso hat das General- kommando erklärt, es sei gerne bereit, allen Wünschen, welche aus Anlaß des Arbeitermangels in der Landwirtschaft geäußert werden, thnnlichst entgegenzukommen. Hierbei werde empfohlen, thnnlichst Rücksicht auf die Zeiten zu nehmen, in welchen keine Erntearbeiten fiattsinden, und der Militärbehörde während dieser Zeiten die Einberufung zu überlasten, so z. B. keinen Antrag auf Befreiung von den
Hebungen während der Zeit zwischen Heu- und Kornernte- zu stellen. Auch sei zu erwägen, ob nicht die verschiedenen Gegenden des Landes verschieden zu behandeln und die Anträge hiernach, getrennt nach den verschiedenen Gegenden, zu stellen seien. Um für die Berücksichtigung dieses letzteren Umstandes Material zu gewinnen, empfehlen wir Jhnem eventl. nach Benehmen mit den landwirtschaftlichen Bezirksund Ortsvereinen, festzustellen, welche Zeiten für den dortigen Kreis oder Teile desselben als diejenigen zu bezeichnen sind, in welchen Erntearbeiten stattfinden, und in welchen remgemäß Einberufungen zu militärischen Hebungen nicht gewünscht werden. Heber das Ergebnis dieser Feststellungen wollen Sie uns demnächst berichten."
Darmstadt, 15. August. Der Grundbesitz, der zum Fürstlich Jsenburg-Birstein'schen Fidei- kommiß gehörig, und in den Gemarkungen Offenbach, Forst Dreieich und Gehspitz belegen ist, wird auf Antrag )er Bergisch-Märkischen Bank am 1. Oktober dS. Js. auf dem Amtsgericht zu Offenbach zwangsweise versteigert werden. Die Kapitalforderung beträgt 6,5 Millionen Mark, zu denen 503 750 Mk. für rückständige Zinsen und Amorti- fationsraten kommen.
Aus Rheinheffen, 15. August. Um der allgemeinen Arbeiternot abzuhelfen, hat der landwirtschaftliche Verein für Rheinheffen eine größere Anzahl Feldarbeiter aus Ungarn kommen lassen, welche sich bei den gegenwärtigen Erntearbeiten sehr gut bewähren.
Alzey, 16. August. Am Montag und Dienstag tagte hier der Zweigverband „Mitteldeutschland" des Verbandes deutscher Bäckerinnungen, genannt „Germania". Rach der im „Hotel Eß" am Bahnhof fiattgehabten Begrüßung der sehr zahlreich Eiugetroffenen ward ein Frühstück eingenommen und darauf unter klingendem Spiel der Marsch nach dem Verhandlungslokal angetreten. Dort begrüßte der Vorsitzende, Herr Sim men-Kassel, die erschienenen Vertreter des Kreisamts (Kreisamtmann Herberg) und der Stadt (Bürgermeister Dr. Sutor) und eröffnete sodann die Verhandlungen. Nachmittags 3 Uhr fand Festessen und abends 8 Uhr Familienabend mit Konzert und Feuerwerk in den Räumen des „Geselligen-VereinS" (Kasino) statt.
Oppenheim, 13. August. Das Aussehen der Weinberge in der hiesigen und den benachbarten Gemarkungen ist ein ganz vorzügliches, und läßt nichts zu wünschen übrig. Der Behang an Trauben ist ein guter, teilweise sogar ein sehr guter, so daß der Winzer voller. Hoffnung die Weinernte erwartet. Die Fruchte selbst sind stark und voll und entwickeln sich ganz prächtig. Vielfach trifft man schon schwarze Frühburgunder und weiche Oesterreicher Trauben. Vereinzelt haben sich zwar Anflüge von Peronospora und Oidium gezeigt, doch wurden sofort Gegenmaßregeln zur Unterdrückung dieser Schädlinge mit Erfolg angewendet. Vom Sauerwurm zeigen sich nur ganz unbedeutende Spuren. Im Weingeschäft ist es eben ruhig, Mittelweine werden wenig und gute Sachen gar nicht verlangt. Die Lagerbestände erstrecken sich auf 1898er und 1899er. :
Zum Eisenbahnunglück bei Caftel Giubileo.
In Rom traf die erste Nachricht erst nach einer Stunde ein, und zwar wurde von einer auf dem Wege liegenden Zollstation telephoniert. Der Bahnhof Rom erhielt erst aus Umwegen eine Mitteilung. Die verunglückten Züge waren von einer riesigen Menge gestürmt worden. Erwägt man ferner, daß zu der Leichenfeier in Rom etwa hundert- fünszigtausend Menschen zusammengeströmt waren, so kann man sich ein Bild von der Verwirrung machen, die aus, dem Bahnhof herrschte. Dazu kommt, daß das gesamte Bahnpersonal, infolge der Anstrengungen der letzten Tage übermüdet war. Der erste Zug ging nach Florenz um elf Uhr ab; es folgte zehn Minuten später der Schnellzug nach Ancona-Rimini, der bis Orte auf demselben Geleise wie der Florentiner Zug fährt. Bei Portonacciv, an der Zollgrenze Roms, wurde bemerkt, daß die Westinghousebremse versagte. Sie wurde repariert, versagte aber bei Castelgiubileo wieder, weshalb der Zug hielt. Niemand dachte daran, daß in wenigen Minuten ein anderer Zug von hinten komme, was um so gefährlicher war, als die Bahnlinie dort eine große Kurve beschreibt. So erfolgte denn plötzlich der Zusammenstoß. Vier Wagen wurden ganz^ lich zertrümmert, zwei andere schwer beschädigt. Wohl die einzige Person, die in den drei letzten Wagen leben blieb, war Reinhold Schöner. Alle seine Coupegenossen wurden getötet, er selbst konnte aus dem Fenster springen. Nach einem furchtbaren Krach erhob sich furchtbares Hilfe- aesckrei Nur die fester gebauten Salonwagen blieben unversehrt Der Zugführer forderte die unverletzt gebliebenen Passagiere auf, mit dem verschont gebliebenen vorderen Teil des Zuges weiterzufahren, was viele thaten. Großfürst Peter blieb und schrieb ein Bittet an den König. Ein Alpenjägerleutnant erhielt den Auftrag, das Bittet nach Rom zu bringen, und machte sich zu Fuß auf den Weg. Zum Glück stieß er auf eine berittene Karabinier^ Patrouille. Einer der beiden Gendarmen gab ihm nach einigem Zögern ein Pferd, und der Offizier jagte in Karriere nach dem Quirinal. Das Weitere ftt bekannt. Die ersten Mannschaften, die auf der Un gluckste Ue eln- trafen, waren Zollbeamte, dann erschienen Pompierv und Vereine vom Roten, Weißen und Grünen ^uz. Der König war bei den Rettungsarbeiten der erste und eifrigste. Eine weinende Kleine, die mit zerschmetterten Bemen nach ihrer Mutter rief, hob er selbst auf, legte sie auf ent Polster und liebkoste sie. Das Kind wemte herzzerreißend und verlangte nach seiner Mutter. Der König konnte seine Tbränen nicht zurückhalten und versprach ihm, es zu seiner Jitter zu bringen. Ob die Mutter gefunden wurde, ist nickt bekannt Unter den Toten befindet sich auch eine eleaant gefleibete junge Frau, vielleicht eben die Mutter dieses Müdes. An der Stätte des Unglücks steht es, vb- schon die Leichen weggeschafft sind, entsetzlich aus. Der ntfere Teil und die Vorderräder der Maschine des zweiten, ^uaes sind glatt wegrasiert. Von den letzten Waggons des angefahrenen Zuges sieht man nur mehr em Durchs einander von Holz- und Eisenteilen. Einem .Waggon, sowie dem Postwagen wurden die Wände eingedruckt. Daq.


