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17.8.1900 Erstes Blatt
 
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Freitag den 17 August

Erstes Blatt.

Nr. 191

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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werden müffen, möglichst zollfrei eingehen sollen, daß eS aber andererseits unbedingt notwendig ist, die nationale Arbeit vor der Konkurrenz des Auslandes durch Zölle zu schützen.

Nachdem die Handwerkskammer« in den einzelnen Bundesstaaten errichtet oder die Funktionen dieser Kammern den bestehenden Gewerbekammern übertragen sind, macht sich vielfach das Bestreben geltend, einen Deutschen Handwerkstag zu schaffen, d. h. ein alle Kammern zu­sammenfassendes Organ, wie eS die Handelskammern im Handelstage haben, zu gründen. Ob das neue Organ ständig thätig sein soll oder ob es nur einmal im Jahre zwecks Abhaltung einer allgemeinen Versammlung und damit zur Herbeiführung einer Aussprache über die Gesamtheit interessierende Fragen in Funktion treten soll, darüber ist man sich, wie dieBerl. Pol. Nachr." schreiben, noch nicht einig. Jedenfalls würde die näherliegende Aufgabe die sein, erst einmal einen allgemeinen Handwerkskammerlag zu stände zu bringen und auf demselben die Frage zu besprechen. Es dürfte sich dazu demnächst schon Gelegenheit bieten, da in Lübeck am 27. und 28. September ein Deutscher Gewerbe und Handwerkskammertag stattfinden soll.

Gratisbeilage«: Girßrarr FamiUenblättrr, Der heWchr Ksndwirt, Mütter für heUche Nsvcsksndr.

treffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 61.

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Bei Pakbezug VU. 2,40 viertelzLtz^ mu vestellgeG.

Gießen, den 15. August 1900.

Betr.: Die Vorschriften des Arbeiterschutzgesetzes vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und Be­schäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiterinnen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grosth. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des KreiseS.

Diejenigen von Ihnen, welche mit der Erledigung unserer Auflage vom 2. Juli d. I. (Gießener Anzeiger Nr. 154) noch im Rückstände sind, werden hieran erinnert, v. Bechtold.

Politische Tagesschau.

Zu der Frage der Verteilung der Einquartierungskosteu liegt eine wichtige Entscheidung der Aufsichtsbehörde vor. Ein Beschluß der Stadtverwaltung von Nauen, wonach auch Mieter zur Aufnahme von Einquartierungen ver­pflichtet sein sollen, hat die Zustimmung der Regierung in Potsdam erhalten. Gleichzeitig hat die Aufsichtsbehörde bezüglich der Frage, ob Beamte, die bisher von den Kommunalsteuern befreit waren, auch von der Quartier­leistung sreibleiben müffen, dahin entschieden, daß derartige Leistungen nicht als Kommunal-, sondern als Staats- lasten aufzufassen seien. Demnach müßten also auch Lehrer rc. Quartiere stellen. Der Beschluß der Nauener Stadtverwaltung betreffs anderweiter Verteilung der Ein­quartierungslasten besagte Folgendes:

Bei einer Belegung der Stadt mit Einquartierung in einer Stärke von 1000 Mann und darüber werden auch die Mieter,' welche einen jährlichen Mietszins von 300 Mk. und mehr zahlen, zur Tragung der Natural-Einquartierungslast herangezogen. Die Zuteilung geschieht von der Einquartierungskommission nach Maßgabe des Mietspreises und zwar so, daß als Einheit auf 300 Mk. Miete ein Mann kommt und dann auf weitere je 100 Mk. ein weiterer Mann.

Die neugebildeteu Handwerkskammer« beginnen nunmehr, wie es ihr gutes Recht ist, ebenfalls ihre Wünsche in Bezug auf die Neuregelung unserer Handels­beziehungen zu formulieren. Die Handwerkskammer in Breslau fordert die zu ihr gehörenden Innungen aus, ihre Wünsche, betreffend die Höhe der Zollsätze, zur Kenntnis der Kammer zu bringen. Es sei dabei im Auge zu behalten, daß diejenigen Produkte, welche aus dem Auslande bezogen

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Zeit stehen und in ihrer einzigen Großartigkeit bei um­fassendster Vielseitigkeit ihresgleichen suchen, bilden sak- tischeineGesamtrepräsentationdesdeutschen Gewerbes, der deutschen Industrie. Als solche sind sie berufen und verpflichtet, mit einer geschlossenen Darstellung ihrer Erzeugnisse von Zeit zu Zeit vor die Jnteressentenschaft zu treten und dieser ihre Leistungs­fähigkeit als diejenige, welche auf die Qualität der ge­samten Industrie. Deutschlands schließen läßt, in ganzer stolzer Vollständigkeit glänzend >vor Augen zu führen.

Wie schon oben gesagt, sind die Weltausstellungen ihres internationalen Charakters wegen nicht dazu an» gethan, dem Interessenten das volle Können der einzelnen Länder, beziehungsweise ihrer Jndustriegruppen, zu zeigen. Man kann es der ausländischen Konkurrenz nicht übel nehmen, wenn sie sich bemüht, daraus Kapital zu schlagen und die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands auf dem Welt­märkte in Zweifel zu ziehen. Es ist daher, um auch dem Auslande gegenüber die erstklassige Stellung unserer deut­schen Produktion zu wahren, durchaus nötig; daß die großen deutschen Jndustriebezirke sich zusammenschließen und inmittenihrer Gebiete die gemeinschaftlichen Leist­ungen vereinigen zu wirksamen und umfassenden Pro­vinzialausstellungen. Der Wert und die Bedeutung der­selben kann aber nur dann in vollem Maße gewürdigt und somit für die Aussteller ersprießlich werden, wenn die Beteiligung der betreffenden Bezirke eine allgemeine ist, wenn sich keine Firina von einiger Wichf- tigkeit ausschließt. Gerade durch die lückenlose Vollständig­keit tritt die gesamte Produktionskraft erst augenfällig in die Erscheinung, und allein dieses Zusammenwirken bringt den imposanten Eindruck hervor, der den Interessen­ten von der Konkurrenzfähigkeit des deutschen Ausstellers so überzeugt, daß er sich zu Ankäufen oder Aufträgen ver­anlaßt sieht. Dann ist mit einem Wort der Erfolg ge­sichert; denn nur die Umfassenheit in Verbindung mit der allseitigen Gediegenheit der Ausstellung hat eine zwingende Macht.

Hieraus sollten die Aussteller zweierlei lernen: Ein­mal, daß es nicht unbedingt notwendig für jeden ist, mit großen Opfern sich an den fremden Weltausstellungen zu beteiligen; zweitens aber, daß keiner fehlen darf, wenn es gilt, im eigenem Lande die eigenen Erzeugnisse auszustellen, damit der d e u t s ch e Fleiß und die d e u t s ch e Arbeit vor allem auch in Deutschland zu Ehren ge­bracht werde und auf der L a n d e s - A u s st e l l u n g in Darmstadt hessischer Fleiß und hes sische Arbeit. Das haben die größten deutschen Industriellen längst er­kannt und handeln danach, indem sie zur Zeit sich in Paris beschränken oder gänzlich fern bleiben, dafür aber z. B. in Düsseldorf 1902 umfangreich, würdig und reprä- sentabel ausstellen. Möchten viele noch ihrem guten Bei­spiele folgen, um an den weittragenden Vorteilen einer iso bedeutenden provinziellen Ausstellung partizipieren zu können; danw wrrd auch die erstrebte «nutzbringende Wirk­ung sicher nicht ausbleiben, dem Einzelbetrieb zum direkten Gewinn und unserer Industrie und Landwirtschaft zum ferneren Gedeihen.

Deutsch» Islldloirlslhoftlichkr (Stnofftut^aftetag.

Halle a. S., 15. August.

Unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung der Ver­treter der Verbände und Genossenschaften aus allen Teilen des Reiches trat gestern früh die Hauptversammlung des 16. Vereinstages der deutschen landwirtschaftlichen Ge- nossensck)aften zusammen. Den Verhandlungen wohnen bei: als Vertreter des Preuß. Landwirtschaftministeriums Geh. Reg.-Rat Brümmer, ferner der Landeshauptmann der Provinz Sachsen Geh. Ober-Reg.-Rat Bartels, Re­gierungspräsident Frhr. v. d. Recke- Merseburg, Dr. Heilig en stad t, Präsident der Preuß. Zentral-Ge nossenschaftskasse und Dr. Heßberger, Direktor der Zentralgenossenschaftskasse, als Vertreter des Ministeriums, für Elsaß-Lothringen Dr. A s ch e n b r a n d t, als Vertreter der Zentralstelle für Landwirtschaft des Königreichs Würt­temberg Reg.-Rat S t i n g e, als Vertreter der Stadt Halle Oberbürgermeister Staude, als Vertreter des landwirt­schaftlichen Instituts der Universität Geh. Ober-Reg.-Rat Prof. Dr. Kühn, als Vertreter des deutschen Landwirt­schaftsrats Generalsekretär Dr. Dade-Berlin, des bayer­ischen Landwirtschaftsrats Reichsrat von Soden -Frauu- hofen, des Landeskulturrats des Königreichs Sachsen Sekretär Dr. B a u b o l d - Dresden, der Deutschen Land­wirtschafts-Gesellschaft Oekonomierat W ö l b l i n g. Für den Bund der Landwirte sind erschienen der stellvertretende Direktor Plaskuda und Hauptmann Schlieper. Der Allgemeine Verband landw. Genossenschaften in Oesterreich läßt sich durch, Prof. Franz Richter, der Rheinische Revisionsverband in Kempen ourch Frhr. v. Loe-Berger - hausen vertreten. Der Oberpräsident der Provinz Sachsen Staatsminister Dr. v. B ö t t i ch e r hat das Ehrenpräsidium der Hauptversammlung übernommen und sein Erscheinen für heute zugesagt. Der Anwalt des Genossenschafts-Ver­bandes Geh. Reg.-Rat Haas-Offenbach hob in seiner Eröffnungsrede hervor, daß man in einer Provinz tage, in welcher sich die Landwirtschaft in dem glänzendsten Lichte zeige und vorbildlich erscheine. Dank der unermüd­lichen Agitation des Verbandsdirektors v. Mendel habe das Genossenschaftswesen in dieser Provinz eine Aus­dehnung genommen^ wie sie von niemand erwartet worden sei. Allerdings seien die sächsischen Genossenschafter seitens anderer Verbände und der Gegner des Genossenschafts­wesens den heftigsten Angriffen und Gehäfsigkeiten aus­gesetzt gewesen. Namens des gesamten Verbandes könne er die Versicherung abgeben, daß sie geschlossen hinter den sächsischen Genossenschaften stehen würden. Derartige An­griffe seien nur geeignet, die Einigkeit noch mehr zu fördern (Beifall). Der Anwalt brachte ein Hoch auf den Kaiser aus und widmete dem verstorbenen Präsidenten der Preuß. Zentralgenossenschaftskasse, Freiherrn von H u e n e, der stets ein Freund und Förderer des landwirtschaftlichen Ge­nossenschaftswesens gewesen sei, einen warmen Nachruf. Geh .Reg.-Rat Brümmer überbrachte die Grüße des aLndwirtschaftsministers Freiherrn v. H a m m e r st e i n - Loxten. Die preußische Landwirtschaftsverwaltung sei von jeher von der hohen wirtschaftlichen Bedeutung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens überzeugt ge­wesen. Sie erblicke darin ein sicheres Zeichen, daß die deutschen Landwirte in schwierigen Verhältnissen weit ent' fernt seien von der Staatshilfe alles zu erwarten,, sondern daß sie durch Zusammenschluß auch zur Selbsthilfe schreiten. Es folgte dann der Geschäftsbericht des Anwalts.

Geh. Reg.-Rat Haas -Offenbach wurde für dre nächste fünfjährige Wahlperiode zum Anwalt wiedergewahlt, Oero-»

Neber Zweck und Nutzen der Proviuzial- Ausstellnngen.

Gießen, 16. August.

Es sollte heutzutage eigentlich als eine völlig über­flüssige Frage erscheinen, ob die Ausstellungen im all­gemeinen ihren Zweck erfüllen, d. h. ob der geschäftliche Erfolg für die Aussteller ein thatsächticher und von solchem Vorteil ist, daß er im rechten Verhältnis zu den aufsiemen- deten Kosten steht; denn jedermann weiß, wie nötig es in der jetzigen Periode fieberhaften Schaffens auf allen Gebieten der einzelne hat, sich und seine Erzeugnisse be­kannt zu geben.

Nach den Ausführungen, die in der Hauptversamm­lung des landwirtschaftlichien Bezirks- und Viehzuchtvereins gemacht wurden (s.Gieß. Anz." Nr. 183, 1. Bl.), scheint es aber nicht so. Herr Dr. v. Peter wies darauf hin, daß die Anmeldungen zur Beschickung der Landes-Ausstell­ung zu Darmstadt von feiten der Landwirte noch recht gering seien, und daß die Landwirte überhaupt die Gelegenheit zur Reklame, die dort ja unentgeltlich für sie gemacht wird. Mehr benutzen müßten. Diese Mahnung trifft aber noch weit mehr für die I n d u st r i e zu. Wenn auch der Wert jeder sonstigen Art von Reklame keineswegs zu unterschätzen ist, so giebt es doch eigentlich nur ein Mittel, dem Interessenten die Güte, Gediegenheit und Zweckdienlichkeit der Produkte ad vculos zu demonstrieren: das sind die A u s st e l l u n g e n.

Dies bezieht sich mehr oder weniger auf sämtliche Industrien, Landwirtschaft und Gewerbe; in erster Linie kommt es allerdings für die Großindustrie in Frage, da deren Betriebe auf die Vorführung ihrer Fabrikate durch Ausstellungen geradezu angewiesen sind; denn soweit ist man leider noch nicht, daß z. B. Maschinenmodelle durch Reisendeim Betrieb vorgeführt" werden können.

Den Meltaus st ellungen gebührt unstreitig das Verdienst, überall bahnbrechend für die Ausstellungsfreu­digkeit gewirkt und den Export günstig beeinflußt zu haben. Es liegt jedoch im Wesen der Weltausstellungen und galt lange Zeit hindurch sozusagen alsfestes Prinzip", auf denselben die Einzelindustrieen aller Länder quasi als Land er grupp en" darzustellen, sodaß zuerst das ethnographische Moment bei den Ausstellungen mehr in den Vordergrund trat auf Kosten des industriellen Zweckes. Erst seit 1870 begann man, die Wichtigkeit des Hauptzweckes gebührend würdigend, geschlossene Jndustrie- gruppen zu arrangieren, wodurch ein ausgezeichnetes Resultat erzielt wurde; damit war auch der Weg gezeigt für die Zentralisierung gewisser hervor­ragenden Industriegebiete durch die Pro- vinzial-Aus st ellungen.

Ta auf den Weltausstellungen die Industrien aller beteiligten Länder, Deutschland nicht ausgenommen, natur­gemäß stets nur lückenhaft vertreten waren und vertreten sein konnten, weil das vielgestaltige Bild eben nur eine Gesamtübersicht zu bieten vermag, fing man beson­ders in Deutschland an, sich für die ersichtlich frucht­bringenden Provinzial-Ausstellungen mehr und mehr zu erwärmen. Die großen industriellen Ausstellungen zu Königsberg i. P, Karlsruhe, Erfurt, München, Zwickau, Hannover, Düsseldorf (1880), Straßburg i. E., Nürnberg' Leipzig und Berlin waren infolgedessen, wenn auch nicht immer finanziell als Unternehmen an sich, so doch in Bezug auf die Erfolge, welche sie der deutschen Industrie brachten, äußerst befriedigend: sie bewiesen dadurch schlagend die gewaltig steigende Bedeutung, ja die Notwendigkeit der Provinzial-Ausstellungen, die sich deny,.auch heute in allen Teilen unseres deutschen Vaterlandes so fest ein­gebürgert haben, daß man sie nicht mehr entbehren könnte.

Der riesige Aufschwung, der sich speziell in den Jn- bnskriegebieten Rheinlands und Westfalens mit ihren zahl­reichen Großbetrieben während der wenigen Jahrzehnte seit dem Jnslebentreten der Ausstellungen vollzogen hat, ist nicht zum kleinsten Teile dem durch die letzteren mächtig angeregten Wettbewerbe zu verdanken. Diese gewaltigen Industriezentren, die in jeder Beziehung auf der Höhe der