Deutsches Reich.
Berlin, 15. Febr. Zur gestrigen Mittagstafel beim Kaiserpaar waren geladen Prinz Heinrich und Erb- prinzessin von Sachsen-Meiningen. Um zweieinhalb Uhr empfing der Kaiser den türkischen Botschafter Tewfik Pascha und Prof. Döpler jun. Um dreieinhalb Uhr unternahm der Kaiser mit dem Prinzen Heinrich eine Ausfahrt. Heute Vormittag geleitete der Kaiser seinen Bruder, welcher um 9 Uhr nach Kiel abreiste, zum Bahnhof. Um 10 Uhr hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Militärkabinctts v. Hahnke und empfing später den Architekten Ebhard, welcher Pläne, Entwürfe und Modelle der Hochkönigsburg i. E. vorlegte. Später aedachte der Kaiser nach Hubertusstock abzureisen. Die Kaiserin wird erst in einigen Tagen dorthin folgen.
— Dem Bundesrat ist der Gesetzentwurf einer kaiserlichen Verordnung zugegangen, wonach die Bestimmungen über die Bildung der Handwerkskammern mit dem 1. April d. I. in Kraft treten. Dagegen sollen die Bestimmungen über die Befugnis zur Ausbildung von Lehrlingen und die Bildung von Ausschüssen für Gesellenprüfung erst am 1. Januar 1901 und bic Bestimmungen über die Erteilung des Meistertitels erst am 1. Oktober n. I. in Kraft treten.
— Die „Nat. Ztg." schreibt zu dem von der „Schles. Volks-Ztg." angekündigten neuen Militär forde- r u n g e n: Es sei bekannt, daß bei den letzten Manöverw Versuche mit Maschinengewehren angestellt worden sind; ebenso bekannt dürfte aber auch sein, daß der gegenwärtig zur Beratung stehende Etat keine Neuforderungen in dieser Richtung bringt und daß die Friedenspräsenzstärke des Heeres gesetzlich festgeleat sei. Die Versuche mit dem Maschinengewehr würden selbstverständlich fortgesetzt. Die Nach- richt von der Einführung der Gewehre in dem von der „Schles. Volksztgj." gemeldeten Umfange beruht jedoch lediglich auf Kombination.
— Dem Bundesrat ist ein am 31. Dezember 1899 in Berlin abgeschlossenes Uebereinkommen zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn zum Schutze der Urheberrechte an Werken der Litteratur, Kunst und Photographie zugegangen.
— Wie die Blätter melden, ist Oberbürgermeister Kirschner an der Influenza erkrankt.
— Dem Bundesrate sind die Gesetzentwürfe von Bestimmungen für frie Vornahme einer Volkszählung am 1. Dezember 1900, für bic land- und forstwirtschaftlichen Aufnahmen im Jahre 1900 und für die Vornahme einer Volkszählung am 1. Dezember 1900 zugegangen.
• ~ Nach der „Germania" ist in dem Befinden des Abg. Dr. Lieber eine wesentliche Aenderung nicht zu verzeichnen. Die erste Hälfte der letzten Nacht war sehr unruhig, dann aber stellte sich ein stärkender Schlaf ein. Das Befinden war im Laufe des heutigen Vormittags wieder befriedigend. Der heute hier eingetroffene Kardinalfürstbischof Kopp aus Breslau ließ sogleich nach seinem Eintreffen über das Befinden des Erkrankten Erkundigungen einziehen.
Kiel, 15. Februar. Anläßlich der Heimkehr des Prinzen Heinrich prangt die Stadt in Flaggen- und Guirlandenschmuck. Besonders prächtig sind der Bahnhofsplatz, die Holstenbrücke und der Marktplatz ausgeschmückt. Um 7 Uhr abends findet eine allgemeine Illumination statt. Der Festschmuck bleibt bis Sonntag bis nach der Beendigung des Festzuges bestehen. Oberpräsident von Koeller ist zum Empfang eingetroffen.
Greiz, 15. Febr. Die Greizer halbamtliche Landeszeitung erfiärt es nach eingezogenen Erkundigungen für unrichtig, daß die fürstliche Regierung im Bundesrat der Flottenvorlage zugestimmt habe. (Die Nachricht verdient natürlich nur als Kuriosum nufgefaßt zu werden.)
Ausland.
Wien, 15. Februar. Die hiesigen Blätter bleiben gegenüber den offiziösen Dementis dabei, daß der Reichsfinanzminister Kalley in nächster Zeit mit mehreren ungarischen Parteiführern, besonders mit dem Abgeordneten Kossuth, Besprechungen haben wird, um die Opposition für die event. Aktionen der auswärtigen Politik zu gewinnen, sowie für die Flottenvermehrung und die Kolonialpolitik Propaganda zu machen, damit das Parlament zur größeren Machtentfaltung Oesterreich Ungarns seine Zustimmung gebe, falls die erstere durch auswärtige Verwickelungen bedingt werden sollte.
Lissabon, 15. Februar. Die Regierung wird keinerlei Truppenverftärkungen nach Afrika entsenden.
Madrid, 15. Februar. Der heute früh 1 Uhr beendete Ministerrat beschloß die Freilassung von 28 auf der Insel Chafarinas im Bagno befindlichen Barcelonaer Anarchisten.
Lokales und Drovilyieiles.
* * Von der Universität. An der am 19. d. M. stattfindenden feierlichen Einweihung des physikalischen und und physikalisch-chemischen Instituts werden außer den Mitgliedern der Landesuniversität 26 Ehrengäste teilnehmen, darunter die Spitzen der hiesigen Behörden, sodann der Minister des Inneren Rothe, der Geh. Staatsrat Krug von Nidda, der Geh. Oberbaurat Hofmann, ferner von auswärtigen Professoren: Koch, derzeitiger ReLtor der technischen .Hochschule in Darmstadt, V a n t H o s f, Charlottenburg, K r u d w i g, Lüttich, Riecks, Göttingen, Lenard, Kiel u. a. m. lieber das einzuweihende Gebäude machen wir nach den Beschreibungen seitens der Herren Institutsleiter in der „Physik. Zeitschr." 1899, Dezemberheft und in der „Chemiker-Zeitung" 1899, Nr. 75 nachfolgende weitere Mitteilungen: Das Gebäude ist in Sockelhöhe mit Lindorfer Basaltlava, im übrigen mit roten Blendziegeln verkleidet, die Architekturteile bestehen aus grauem Sandstein. Das mansardenförmige Dach ist in seinen geneigten Flächen geschiefert, oben mit Holzzement abgedeckt. Das hierdurch entstehende große Plateau kann für Versuche im Freien benutzt werden. Mit Ausnahme der hölzernen Decken über dem Erdgeschoß und denjenigen im eisenfreien Flügel sind die Zwischendecken aus Stampf beton zwischen Eisenträgern hergestellt. Der Raum für
konstante Temperatur im Sockelgeschoß des eisenfreien Flügels wurde mit einem Betongerölle, in welches Zuganker aus Deltamaterial eingelegt sind, überdeckt. Die Decke über dem Raum für magnetische Versuche ist aus Holzbalken unter Vermeidung von Eifenklammern hergestellt, und als Holzkassettenoecke ausgebildet. Die vier steinernen Festplatten werden durch besondere Balken getragen, welche mit der sonstigen Decke keine Berührung haben. Beim inneren Ausbau dieses Flügels wurde ebenfalls alles Eisen vermieden und durch Kupfer oder Messing ersetzt. Der in der Mitte des Gebäudes befindliche Turm, der sich auf einem Quadrat von 4,90 Meter Seitenlänge 24 Meter hoch erhebt, stellt freie vertikale Höhen für Versuchszwecke zur Verfügung. Jene Plattform kann auch zu astronomischen Zwecken verwendet werden. Der große Hörsaal des physikalischen Instituts ist 11,50 Meter lang, 9,80 Meter breit, 7,75 Meter hoch, von oben und von der Seite beleuchtet. Er bietet einen 4 Meter breiten Raum zum Experimentieren, und 120 Sitzplätze in geraden nach hinten zu aufsteigenden Reihen. Es ist zu erwarten, daß die beiden neuen trefflich eingerichteten Institute unserer Alma mater neue Scharen von Zöglingen zuführen werden. *
** Von der Universität. Zur Errichtung von Bismarck- säulen in Friedrichsruhe und in Straßburg Els. hat die hiesige Studentenschaft 393 Mark aufgebracht, wozu die Korporationen 362 Mark, die Richtkorporationsstudenten 31 Mark steuerten. Das Ergebnis darf im Verhältnis zur Gesamtzahl der hier Studierenden als durchaus erfieulich bezeichnet werden.
** Stadtlheater. Wie wir schon mitteilteu, findet am nächsten Dienstag, dem 20. ds. Ms., die Benefiz- vorstellung für den hier allgemein beliebten Heldenvater Karl Walter statt. Derselbe hat sich dazu die Bauernkomödie mit Gesang „Der G'wissenswurm" von L. Anzengruber gewählt; wir sind überzeugt, daß Herr Walter damit eine gute Wahl getroffen hat, zumal unserem Theaterpublikum in dieser Saison noch keine bayerische Dialektkomödie zu sehen Gelegenheit gegeben wurde.
** Konzerthaus vier Jahreszeiten: Ab 17. Februar wird das Kasseler Reichshallen-Ensemble in drei täglichem Gastspiel in den „Vier Jahreszeiten" debütieren. Selbiges erfreute sich in Kassel bekanntlich eines guten Rufes und wird sich auch hier beim Publikum durch genußreiche Abende zu rechtfertigen wiffen. Da das Gebotene nach Kasseler Berichten sehenswert ist, dürfte ein Besuch der „Vier Jahreszeiten" bestens zu empfehlen sein. (Siehe Inserat).
** Vakanzen im Bezirk des 18. Armeekorps. Braubach, Magistrat, Polizei- und Stadtdiener, sowie Vollziehungsbeamter, Anfangsgehalt 900 Mark, ca. 300 Mk» Nebeneinnahmen, mindestens 50 Mk. Wert der von der Gemeinde zu stellenden Dienstkleidung, in Summa 1250 Mark. — Großauheim (Kreis Hanau), Gemeindebehörde, Ortspolizeidiener, 1200 Mk. jährlich und freie Dienstkleidung. — Großauheim (Kreis Hanau), Gemeindebehörde, Ortspolizeidiener, 900 Mk. jährlich und freie Dienstkleidung, sowie die Gebühren für Bekanntmachungen u. s. w. im- ümgefähren Betrag von 300 Mk. pro Jahr. — Hachenburg, Polizei-Verwaltung, Polizeisergeant, 1000 Mk. Anfangsgehalt, steigend bis 1200 Mk.; außerdem jährlich 100 Mk. Kleidergeld. — Ober-Postdirektionsbezirk Frank- irrt (Main), Briefträger und Postschaffner, je 900 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. — Ober- Poftdirektionsbezirk Frankfurt (Main), Briefträger und Postschaffner.
.,** Die diesjährige erste Definitorial- Prüfung der Schulamts - .-Aspiranten und -aspirantinnen beginnt am 6. Mai im Schulhause der Landes-Baugewerkschule zu Darmstadt. Gesuche um Zulassung zu dieser Prüfung sind bis spätestens zum 7. April bei der betreffenden Kreisfchulkommission einzureichen.
** Annahme von Supernumeraren für )en Eisenbahndienst. Im Amtsblatt Nr. 103 Groß- herzoglichen Ministeriums der Finanzen sind die nach- tehenden Vorschriften über die Annahme von Zivilsuper- numeraren für den Hessischen Stellenanteil im Dienst der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft veröffentlicht. 1. Bezüglich der Einstellung von Zivilsupernumeraren für den Hessischen Stellenanteil sind die Bestimmungen über )ie Annahme von Zivilsupernumeraren für den Preußischen Staatseisenbahndienst maßgebend. Demnach sind Bewerber, die neben der körperlichen Tauglichkeit für den Bahnhofsdienst die Reife für die erste Klasse einer neunstufigen höheren Lehranstalt besitzen, vorzugsweise zu berücksichtigen. Wenn solche Bewerber in einer zur Deckung des voraussichtlichen Bedarfs ausreichenden Zahl vorgemerkt ind, ist die Aufzeichnung von anderen Bewerbern über- -aupt zu unterlassen. Bewerber, welche eine neun- (oder ieben-)klassige höhere Lehr-Anstalt — in Hessen oder Preußen — vor der Einführung der Abschlußprüfung verlassen haben, dürfen als Zivilsupernumerare, soweit ihre Berücksichtigung überhaupt in Frage kommt, unter der Voraussetzung angenommen werden, daß sie entweder die Reife für die Prima vor dem Verlassen der Anstalt erlangt oder später erworben, oder daß sie sich der Reifeprüfung an einer sechsklassigen öffentlichen höheren Lehranstalt nachträglich unterzogen haben. Zeugnisse von Privatlehr- anstalten und Zeugnisse der Prüfungskommissionen für Einjährig-Freiwillige gelten nicht als Nachweis der vorgeschriebenen Schulbildung. 2. Bewerber, welche bis zum 1. Januar 1898 in Hessen die spezielle Prüfung im Finanz- ach erster Kategorie bestanden haben (Finanzaspiranten), können ohne den Nachweis der unter Ziffer 1 bezeichneten Schulbildung als Zivilsupernumerare angenommen werden. Solchen Personen wird, mit Rücksicht auf die in der Prüfung bereits nachgewiesenen Kenntnisse, die für Zivil- upernumerare vorgeschriebene Ausbildungszeit um ein Jahr gekürzt. Sind sie vor dem 1. Oktober 1898 in den Eiseübahndienst eingetreten, so ist für ihre Zulassung zur Fachprüfung erster Klasse für die Stationsassistenten in den Bestimmungen des Bundesrats (Reichs-Gesetz-Blatt 1892 S. 730) vorgeschriebene einjährige Probezeit und die daran anschließende formlose Prüfung im Bahnhofsdienste eine unerläßliche Bedingung. Die seit dem 1. Oktober 1898 in den Eisenbahndienst eingetretenen Fi.ianzaspiranten haben ign äußeren Betriebsdienste die volle für Zivil
supernumerare vorgeschriebene Ausbildungszeit zurückzu- legen. Für die Abkürzung der dreijährigen Ausbildungs zeit kommt daher nur der Bureaudienst in Betracht. % Gewährung der für Zivilsupernumerare im zweiten unb dritten Vorbereitungsjahre zulässigen Monatsbesoldung richtet sich lediglich nach der Länge der Beschäftigung im Eisenbahndienst.
** lieber Brandschäden. Nach den Aufstellungen der Brandversicherungskasse des Großherzogtums sind im abgelaufenen Vermaltrmgsjahre im ganzen 581 135 Mark an Brandschäden und Abschätzungskosten vergütet worden. Davon kommen auf die Provinz Oberhesseu 247116 Mark, Rheinhessen 167 240 Mark und Starkenburg 166 778 Mark. ___________
x Homberg a. O., 14. Februar. Die zwischen Homberg und Rieder-Gemünden verkehrende Personenpost erlitt vorgestern unterwegs einen Unfall, der leicht die schwersten Folge hätte haben können. Als die Poft in die Nähe des an der Ohmftraße gelegenen Hofes Wäldershausen kam, scheuten die Pferde wohl infolge des Abladens von Draht, das dort vorgenommen wurde. Die Pferde gingen durch, bezw. von der Straße ab, und der schwere Personenwagen stürzte mit seinen fünf Insassen kopfüber die Böschung hinab. Da brach zum Glücke die Deichsel, so daß die Pferde sich von dem zu Boden liegenden Wagen loslösen konnten. Nur hierdurch wurde Schlimmes ver- hütet. Die Personen im Postwagen krochen durch das zertrümmerte Fenster in das Freie. Einer mitfahrenden Frau waren durch den Sturz die Kleider vom Leibe gerissen worden. Dessenungeachtet kamen alle mit dem Schrecken davon. Den Zug in Nieder Gemünden konnten die Reisenden, welche mit einem Wägelchen von dem nahen Hofe weitergefahren waren, nicht mehr erreichen.
A AuS dem Jlsbachthale, 15. Februar. Die Zeichen des kommenden Frühlings mehren sich trotz des Anhaltens des Winters. In den Morgenstunden hört man schon den aufmunternden Ruf der Meise: spitz die Schar (Pflugschar)! Jedenfalls hat dieser Ruf auch einen Landwirt aus unserem Thale bewogen, den Pflug zu gebrauchen, wenn auch der Schnee noch den Boden deckte. Dieser Landwirt pflügte dieser Tage frisch und wohlgemut seinen Acker, eine Erscheinung, die man hier während des Winters noch nicht beobachtet hatte. Mehren sich so die Zeichen des naheyden Lenzes, so können wir doch nicht glauben, daß schon die Kraniche, wie jüngst eine Notiz von Laubach mitteilte, ihren Rückzug begonnen. Spaß beiseite, das sind Schneegänse gewesen. Gewöhnlich werden diese mit den Kranichen verwechselt. Der Rückftrich der Kraniche erfolgt bekanntlich etwas später als zu Anfang des Februar.
§ Bleichenbach, 14. Februar. Inmitten unseres Dorfes stand bis vor einiger Zeit eine uralte Linde, unter welcher einst ein Blutgericht abgehalten werden sollte, worüber unsere Dorfchronik folgenoes berichtet: Am 19. Juni des Jahres 1705 wurde unter der in der Mitte des Dorfes stehenden Linde, nächst der Brücke, unter freiem Himmel ein Blutgericht gehalten über einen Mann Namens- Peter Gram von Hapete aus Nieder-Hessen gebürtig, weil er sich zwei Weiber hatte antrauen lassen. Die erste war aus der Pfalz. Mit ihr war er in Frankfurt a. M. getraut worden. Die zweite war aus Ortenberg mit Namen Su- sanna Reitz. Da sich der Pfarrer in Ortenberg geweigert hatte, die Trauung zu vollziehen, so hatte sich Peter Gram nach Heldenbergen gewandt, allwo sie ein katholischer Geistlicher vollzog. Die ihm erste anvertraute Frau hatte er vor einem halben Jahre verlassen, und sich hierher begeben, wo er sich mit Holzschneider: beschäftigte. Als sie seinen Aufenthalt erforscht und ihn gesunden hatte, wurde er inhaftiert und in das Gefängnis nach Ortenberg gebracht. Nach Hanau wurde alsdann der Vorfall berichtet, und von dort aus verfügt, es solle der Bigamist mit Ruten gepeitscht und des Landes verwiesen werden. Der Amtmann ließ ihn aber auf der Meinung, er werde hingerichtet. Am 18. Juni brachte man den Gefangenen von Ortenberg hierher in Gewahrsam und zwar in das Rathaus (jetzt in Besitz des Gastlvirtes H. Hartmann) das damals von dem reformierten Schullehrer Cyrinkus Krahn bewohnt wurde. Den folgenden Tag mußte der reformierte Geistliche dem Gefangenen, da derselbe sich zur reformierten Religion bekannte, das hl. Abendmahl reichen und ihn zum Richtplatze begleiten. Zugegen war das Gericht von Ortenberg, die beioen Schultheißen, sämtliche Gerichtsschöffen, der Physikus Licentiat Müller und Defensor Licentiat Drescherer, beide von Hanau. Das Urteil, daß er hin- gerichtet werden sollte, ward dem Bigamisten vom Amtmann vorgelesen, dann vor demselben der Stab gebrochen, und dem Doppelbeweibten vor die Füße geworfen. Hieraus iel derselbe nebst seiner ersten Frau vor dem Amtmarme auf die Knie und beide baten um Gnade. Diese wurde auch erteilt, allein der Bigamist mußte Urfehde schwören: 1. Daß er feine erste Frau nehmen, die andere wieder verlassen; 2. daß er sich im Hananischen Lande nicht rächen, und 3. daß er dieses Land verlassen, und nie wieder betreten iwvlke. Nachdem er .dieÄ'mit einem Eide beschworen hatte, wurde er bis auf die Grenze nach Stockheim hin mit Ruten gepeitscht und somit aus oer Landgrafschaft Hessen verwiesen.
Schlitz, 14. Februar. Der „Schützer Bote" schreibt: Am Sonntagnachmittag wurde im „Deutschen Haus" von Herrn Eisenbahnsekretär Blum-Gießen der angekündigte Vortrag über „Die Notwendigkeit der Verstärkung der beut» chen Kriegsflotte" vor einer sehr zahlreichen Versammlung zehalten. Nachdem Herr Forstmeister Stockhausen mit einer urzen Ansprache Herrn Blum der Versammlung vorgestellt, prach derselbe über das oben erwähnte Thema, und schilderte )ann in überzeugungstreuer, zündender Weise die Entstehung, )en Zweck und die Ziele des deutschen Flottenvereins, wo- bet Redner seine Erlebnisse unb Erfahrungen aus seiner Marinedienstzeit eindrucksvoll einflocht. Seinen nahezu zwei- kündigen, von der Versammlung mit großem Beifall auf» genommenen Vortrag, schloß Herr Blum mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und den Landesherrn, das legeisterten Widerhall fand. Die Anwesenden ehrten den Redner durch Erheben von den Sitzen. Darauf erhob sich Herr Forstmeister Stockhausen zu einer von patriotischem
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