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Samstag den 17. Februar
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Meßmer Anzeiger
Heneral-"Unzeiger
Nr. 4»
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* Vom Kriegsschauplatz.
Heute kommt das erste Lebenszeichen wieder von dem dreifach geschlagenen
General Buller.
Er hat sein Hauptquartier von Springsteld-Brücke, wohin er nach seinem letzten verunglückten Entsatzversuch zurückgedrängt war, wieder nach Chieveley, südlich von Colenso an der Bahnlinie Pretoria-Ladysmith-Durban zu- rückoerlegt, das Richtigste, was er thun konnte. So hat er doch wenigstens die Möglichkeit, etwaigen Umklammerungsversuchen der Buren zu entgehen und sich rückwärts nach seiner Operationsbasis Pietermaritzburg zu konzentrieren. Jedenfalls hat Buller sein Hauptkorps in Chieveley beisammen, während seine Vortruppen noch die von ihm gebaute Feldbahn Springfield Chieveley halten und die vollständige Rückbeförderung des Trains decken.
Der erste Teil des Telegramms bestätigt, daß die Buren, nachdem sie Buller über den Tugela zurückgeworfen, denselben ihrerseits überschritten, und sich am südlichen Ufer festgesetzt haben. Ob der Aufklärungsmarsch Dundonalds
ebenfalls bei Springsield stattgefunden hat, geht aus der Depesche leider nicht deutlich hervor; er kann auch von Chieveley, etwa in östlicher Richtung erfolgt sein, wo die Buren sich schon lange festgesetzt halten. Von einer weitausgreifenden Umgehung Bullers durch Joubert, die erst gemeldet wurde, kann wohl noch nicht die Rede sein. Wir raten derartigen Nachrichten gegenüber wiederholt Vorsicht an.
Was Buller jetzt eigentlich beginnen will schwebt noch vollständig im Dunkel. Vielleicht versucht er den Tugela nun östlich von Colenso zu überschreiten, was wir aber schon als unwahrscheinlich bezeichneten, oder erfordert den Neber- gang nochmals westlich der Stadt, was englische Blätter annehmen, oder aber er „hält Natal", wie er selbst sich geäußert haben soll, d.h.er bleibt südlich de« Tugela liegen und bindet dort einen großen Teil der burischen Streitmacht, die sonst am Modderriver oder im Norden der Kapkolonie bessere Verwendung finden könnte. Er wird sich wohl für das letztere entschieden haben.
An weiteren Nachrichten liegen folgende Telegramme vor: c i
Loudon, 15. Februar. Die amtliche Meldung, daß der langerwartete britische Einfall in den Oranjefreistaat endlich unter günstigen Auspizien begonnen hat, verursacht unendliche« Freude, und drängt die Ereignisse auf den anderen Kriegstheatern in Südafrika in den Hintergrund. Die „Times" erwartet von den Operationen des Lord Roberts während der letzten drei Tage strategische Folgen von höchstem Werte; nicht nur habe Roberts große Fortschritte in der Umgehung der furchtbaren Burenstellung bei Magersfontein gemacht, sondern die direkten Verbindungen zwischen dieser Stellung und ihrem Stützpunkt bei Bloemfontein abgeschnitten und festen Fuß auf ihnen ge- faßt. Die Anwesenheit einer großen britischen Truppenmacht im Oranjestaat müsie die Aussichten des Krieges für die Buren ändern. (?)
— Dem „Morning Herald" zufolge soll Buller mit einer starken Division über Kapstadt nach de Aar gehen, um einen Flankenmarsch gegen die Buren auszuführen. Warren soll die Buren bei Ladysmith festhalten, bis der neue Plan in Fluß gekommen sei.
— „Herald" will wissen, die Regierung wolle den Armee-Erlaß zurückziehen, weil ihre eigene Partei im Unterhause ihm feindlich entgegentrete.
London, 15. Februar. AuS Fröre wird gemeldet, das Bombardement von Ladysmith dauere fort. Die Buren haben von TrichardtSfurt und dem Spionkop bis östlich vom Halangwana Verteidigungswerke auf beiden Seiten des Tugela aufgeworfen; sie haben auch drei Holzbrücken über den Tugela gebaut und einen Drahtseil-Apparat angebracht, um Proviant und Munition hinüberzuschaffen.
Brüffel, 15. Februar. Soweit verläßliche Nachrichten vorliegen, verlegte General Buller sein Hauptquartier nach Chieveley zurück, wo er sich bemüht, den Weg nach Pietermaritzburg gegen die Buren zu halten.
Deutscher Reichstag.
149. Sitzung vom 15. Februar. 1 Uhr.
Die Beratung des Kolonial-Etats wird fortgesetzt. Beim Etat für Südafrika wird die weitere Forderung für die Eisenbahn Swakop- mund-Windhoek debattelos genehmigt. Auch die auf die Kolonial Ver- waltung bezüglichen Stellen des Etats des Auswärtigen Amtes werden debattelos genehmigt. Eine Forderung von 1 753 000 Mk. zur Erwerbung eines Grundstückes für ein Dienstgebäude für die koloniale Centralverwaltung sowie zugleich als erste Baurate waren von der Kommission gestrichen worden. Das Haus genehmigte die Streichung debattelos.
Es folgt der Etat der elsaß-lothringischen Eisenbahnen. Die Kommission beantragt hierzu zwei Resolutionen: eine betreffend Aufhebung der billigen Sondertarife für den Kohlen-Transport, eine zweite betreffend Vorlegung von Nachweisen über die thatsächliche Dienstzeit des Fahr- und Stations-Personals.
Beim Titel fortdauernde Ausgaben beantragt Abg. Müller- Sagan Ureis. Volksp ) eine Resolution betreffend Herabsetzung des von beurlaubten Mannschaften vom Feldwebel abwärts zn zahlenden Kilometer-Satzes von 1,5 Pfg. aus 1 Pfg. Weiter beantragt Redner eine Resolution betreffend Herabsetzung der Personentarife.
Minister Thielen lehnt letzteres Verlangen ab. Der Personenverkehr habe sich auch unter dem gegenwärtigen Tarif gut entwickelt. (Heiterkeit.) Was den ersteren Punkt anlange, die Ermäßigung des Militärtarifs, so sei er nicht ermächtigt, darauf eine Erklärung abzugeben.
Abg. Haas (Els.) bringt eine Reihe von Beschwerden vor.
Minister Thielen erwidert, die Verwaltung sei bestrebt, die v-Züge vom Lokal-Verkehr zu entlasten, aber grade auch nach dieser Richtung hin seien die so viel bemängelten Platzkarten von Wert.
Abg Riff (freis. Vp ) bespricht den Bffchweiler Eisenbahnunfall, bei welchem eine unglückliche Verkettung von Umständen vorgelegen habe. Hoffentlich würde der Schadenersatz gegenüber den Angehörigen der verunglückten Beamten nicht versäumt. Redner spricht noch den Wunsch nach einer Reform der Personentarife aus.
Abg. Graf B e r n st o r f f (Rp ) hält ebenfalls eine Reform der Personentarife für dringend wünschenswert.
Minister Thielen antwortet, falls eine Reform erfolge werde auch der Bequemlichkeit des Reisens Rechnung getragen werden. Anstatt der Rückfahrtkarten würden zwei einfache Karten gelöst werden müffen. Ein Rabatt würde dann aber nicht mehr möglich sein.
Es ist noch eine Resolution Haas (Els.) eingegangen, welche für die Teilnehmer an Genossenschafts- und Darlehnskassen rc. Verbandstagen freie Rückfahrt verlangt. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Titel 1 bewillig:. Die Abstimmungen über die Resolutionen sollen erst bei der dritten Lesung erfolgen.
Beim Kapitel Besoldungen erwidert auf eme Beschwerde des Abg. Haas der Regierungs-Vertreter, daß das Sammeln unter den Beamten für Ehrengaben verboten sei. Das Zirkulieren von Bettrttts- listen zum Flotten-Verein unter den Beamten sei eine private An- gelegenheit.^^^jgung beg Ordinariums vertagt sich das Haus.
Morgen 1 Uhr Fortsetzung der Etatberatung und Antrag Münch- Färber betr. Landelskammern im Auslande.
Schluß 6 Uhr.
Telegramme des „Gießeuer Anzeiger".
London, 16. Februar. Nach Telegrammen der „Morning Post" aus Chieveley und Springfield haben die Buren den Tugela überschritten und die frühere Stellung der Engländer bei Spearmans Farm besetzt. Am 13. griffen sie die englischen Vorposten jenseits der Spearmans- Brücke an, wobei ein Leutnant und 6 Mann gefangen genommen wurden. Lord Dundonalds Rekognoszierung vom 13. d. M. endete mit dessen Rückzüge, wobei sein Nachtrab hart bedrängt wurde. Mehrere Batterieen und berittene Infanterie warfen sich den Verfolgern entgegen, und Dun- donald gelangte glücklich ins Lager zurück.
London, 16. Februar. Ein Telegramm aus dem Burenlager vor Ladysmith meldet, daß General Botha an der Spitze einer kleinen Abteilung Buren den Tugela überschritten und die früher von den Engländern inne gehabten Stellungen bezogen habe. Die Abteilung geriet in ein Gefecht mit den englischen Lanzenreitern, wobei 13 von den letzteren getötet oder verwundet wurden.
Brussel, 17. Februar. In den letzten Tagen erhielten die Buren an der Oranjegrenze fortgesetzt Verstärkungen, sodaß daselbst 20000 Bewaffnete unter General Cronje stehen. Man glaubt hier, daß General Joubert sich nach dem Modderfluß begeben wird.
den Volkes, Pie Steigerung britischer Anmaßung und Ueber- hebung bis zur Unerträglichkeit bedeuten.
Die Engländer möchten ihr militärisches Prestige wieder Herstellen und wir vermögen,.wie gesagt, dies Gefühl zu würdigen. Aber ist es auch möglich? Wie man die Dinge auch ansehen mag, diese Frage muß entschieden verneint werden. Daß der Engländer ein tapferer Soldat, em mutiger Offizier ist, weiß alle Welt und braucht nicht erst bewiesen zu werden. Aber ebenso gewiß ist auch, daß er kein guter Soldat und kein tüchtiger Offizier ist, und wenn schließlich das gewaltige Britenreich die kleinen Burenstaaten unterwirft, wenn Zweimalhunderttausend Notröcke, die um die Hälfte schwächeren Burenheere niederzwingen, so ist da von militärischem Ruhm absolut keine Rede, und das allgemeine Urteil über die Minderwertig-, feit der englischen Truppen kann dadurch nicht im geringsten eine Aenderung erleiden.
Aber werden die Engländer sich in diese vernünftige Anschauungsweise ergeben? Das ist die Frage.
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Bekanntmachung.
Da« Großherzogliche Ministerium des Innern hat die 3er Liverpool und London und Globe Versicherungsgesellschaft erteilte Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb im Groß- Herzogtum Heffen für die Feuer- und LebenSverficherungs brauche wegen Nichtbenutzung derselben für erloschen erklärt.
Gießen, den 13. Februar 1900.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
= Vermittlung?
Die bereits mitgeteilte Meldung, daß man in Brüssel mach der nächsten Schlacht in Südafrika — die man schon fast selbstverständlich als eine neue englische Niederlage d-etrachtet — eine Intervention oder richtiger Vermittelung des deutschen Kaisers erwartet, tritt mit etwas größerer Sicherheit und auch mit größerer innerer Wahrschein- lichkeit auf, als es bei früheren ähnlich lautenden Meldungen der Fall war.
Die Brüsseler Kreise, in denen man diese Information verbreitet, dürften bis dichl an die Umgebung des Ge- sVindten Dr Leyds hinanreichen, da im übrigen den Bewohner der belgischen Hauptstadt auch keine besseren Nach lichtenquellen zur Verfügung stehen, als den Bewohnern anderer festländischer Städte. Wenn nun auch die Vermutung nahe liegt, daß man es bei dieser Meldung mit ein ein Nachklang der Berliner Reise des Gesandten zu chun hat, so muß doch andererseits im Auge behalten werden, daß alle Gerüchte, wonach von dieser Reise be- ionders wichtige Folgen zu erwarten seien, bisher sehr entschieden dementiert worden sind. Aber es kommt etwas riibered hinzu, was ge'tade in diesem Augenblick den neuen Vermittelungsgerüchten größere Beachtung sichert als sonst.
Natürlich kann niemals von einer Intervention die Rede sein, die von einer Vermittlung ihrem ganzen Charakter.nach verschieden ist. Eine Intervention wird von unbeteiligten Mächten angeboten und aufgedrängt und trägt in der Regel schon aus diesem Grunde einen unfreundlichen Charakter. Die Geschichte lehrt, daß sie, anstatt den Frieden herzustellen, vielmehr oft zum Kriege aeführt hat. Etwas anderes ist es um eine Vermittelung, die mit Aussicht auf Erfolg dann unternommen nierben, kann, wenn beide kriegführenbe Mächte barum ersuchen.
Bisher war man aus Grünben, bie gewiß nirgenbs besser gewürbigt werben als in einem auf seine kriegerischen Leistungen so stolzen Lanbe wie Deutschlanb, in Eng- (unb nicht nur geneigt, jebes von außen kommenbe Vermittelungsanerbieten "als eine unfreunbliche Hanblung zu betrachten, fonbern auch keineswegs gesonnen, bie Initiative selbst zu ergreifen. Diese, wir wollen nicht sagen gerechtfertigte, wohl aber verstänbliche Haltung ber englischen Regierung jinbet, wie gar nicht bezweifelt werben kann, bie Zustimmung bes Parlaments unb der ungeheuren' Mehrheit der britischen Bevölkerung. Das wird auch von Denen bestätigt, die als Anhänger der Friedensbewegung dem Blutvergießen in Südafrika ein Ende machen möchten; das hat der radikale Abgeordnete Labouchere am eigenen Leibe erfahren müssen, als er in öffentlicher Versammlung für seine abweichende Meinung Propaganda machen wollte.
Es erscheint trotzdem nicht ganz unmöglich, daß sich nach und nach den regierenden Kreisen das Gefühl aufge- »rängt hat, man führe in Südafrika einen hoffnungslosen Krieg. Der lange Kabinettsrat in London, die Besuche des Kaisers bei dem britischen Botschafter Lascelles hängen vielleicht mit dem Wunsche nach einer thunlichft ehrenvollen Beendigung des schimpflich begonnenen, unrühmlich und verlustreich geführten Krieges zusammen.
Vielleicht! — Denn es sei nachdrücklich betont, baß die Wahrscheinlichkeit, daß es sich so verhält, zwar größer ist als früher, aber immer noch nicht sehr groß.
Daß die Buren eine deutsche Vermittelung, wenn sie auf englisches Ersuchen unternommen würde, nicht zurückweisen würden, darf als feststehend angenommen beerben.
Eine solche Entwickelung der Dinge könnte nur freudig begrüßt werden; es ist schon früher dargelegt worden, Nvarum eine so empfindliche Erschütterung der englisches Macht, wie sie eine Folge ihres definitiven Unterliegens in Südafrika sein müßte, mit Nichten für Deutschland als wünschenswert angesehen werden kann: das hat mit einer Vorliebe für die Engländer gar nichts zu thun, sondern isst das zwingende Ergebnis sehr nüchterner realpolitischer Erwägungen. Andererseits würde ein entschiedenes Ob- füegen der Briten höchst unerwünscht sein: es würde den Triumph einer ehr- unb gewissenlosen Politik, ben Untergang ber Selbstünbigkeit eines kernigen unb freiheitlieben


