Ausgabe 
15.11.1900 Zweites Blatt
 
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Phantastisches Schriftstück genannt, besten Zweck sei, die öffentliche Meinung vom rituellen Motiv auf das sexuelle zu leiten.

Daß ein antisemitisches Prager Blatt, das sich mit dieser Angelegenheit in langen Artikeln beschäftigte, kon­fisziert worden ist, haben wir bereits gestern mitgeteilt.

Die Zustände in Marokko werden in den den Pariser Zeitungen zugehenden Berichten so gefahrdrohend dargestellt, daß das Eingreifen einer europäischen Macht absolut geboten erscheint. Ueberall bereite'man sich auf Ueberfälle der in dem Sultanate wohnenden Europäer vor, da man überzeugt sei, daß die zivilisierten Nationen ihre Macht nicht über die an der Küste belegenen Orte hinaus fühlbar machen können. Zu dieser Ansicht habe besonders die lächerlich geringe Schadenersatzforderung der Regierung der Vereinigten Staaten für den Mord des Handelsagenten Marcos Ezaoni Anlaß gegeben. Wenn der Totschlag eines Europäers nur 5000 Douros koste, hört man die Marokkaner erklären, so könne man sich ja leicht den Luxus gönnen, die in Fez und anderen Orten des Innern ansässigen Europäer und Amerikaner zu erschlagen. Deshalb werde von diesen letzteren, die somit nur zu ge­rechtfertigte Veranlassung zu Befürchtungen haben, selbst energisch aus ein europäisches Einschreiten oder wenigstens auf ein kräftiges diplomatisches Auftreten gedrungen. Na­türlich verlangen Kolonialschwärmer und Nationalisten, daß Frankreich die Aktionsrolle übernehme und keine andere Macht sich in diese Angelegenheiten mischen lasse, abgesehen selbstverständlich von den Fällen, in denen es sich um An­griffe und Schädigungen ihrer eigenen Unterthanen handle. Europa müsse hier einen vorbeugenden Hüter be­stellen, um nicht, wie in China, von den Ereignissen überrascht zu werden. Von einer effektiven Besitzergreifung des Landes sei dabei keine Rede, und Frankreich liege nichts ferner, als in dieser Beziehung sich irgendwelche Schwierig­keiten aufzubürden und mit anderen Mächten zu Überwerfen. Nur müsse es darauf bestehen, daß kein anderes Land in diese seine Interessensphäre eingreife. Alle diese Erörter­ungen haben aber wohl vorläufig nur eine platonische Bedeutung und sollen hauptsächlich zur Abwehr vorgeblicher oder wirklicher englisch r Machenschaften in dem Sultanate dienen. Zu irgend einem gefährlichen Experiment fehlt alle Last, und nur unvorher eschene, aber jedenfalls von den Franzosen nicht Herbeigei. ünschte Zwischenfälle könnten in der Nordweftecke Afrikas e nste Verwicklungen herbeiführen. Den Franzosen liegt es zunächst am Herzen, sich in Süd- algerien zu befestigen und die Verbindungen derselben mit der Küste herzustellen und zu sichern, was noch viel Zett in Anspruch nehmen wird.

Gießen, 14. November 1900.

KreiSausschuß Sitzung. Am Samstag dem 17. No­vember, vormittags 9 Uhr, findet im Regierungsgebäude (Brandplatz 9) eine öffentliche Sitzung des Kreis- ausschuffes des Kreises Gießen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Dampfkesselanlage des Heinrich Geißler VII. zu Staufenberg. 2. Gesuch des Eberhard Ranft zn Allen- dorf a. d. Lda. um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast­wirtschaft. 3. Gesuch des Heinrich Theiß XX. zu Weickarts­hain um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft.

* Konzert der Meininger am 22. November. Der «Eisenacher Ztg." entnehmen wir nachstehende Notiz:

Das 2. Meininger Lac.desmustkfest ist nun zu Ende, ein Fest, so großartig und wohlgeiungm in jeder B-ziehung, so überreich an erhebenden, unvergeßlichen Momenten, wie kaum ein anderes. Eine besondere Weihe verlieh ihm sein Charakter als Brahmöfeier, als welche es geradezu von kunsthistorischer Bedeuiung erscheint. GUt es doch auch in unseren Tagen noch, der Brahms'schen Muse th-e

laut klagend, schier verzweifelnd, das ganze Milieu der alten Heimat verwünschend und dennoch erfolglos sich von ihr loSringend. Und da sie endlich jenes schlimme Wort von der Schuld langsam und tief hervorstöhnt, da klopft ihr gewaltiges Leid an unser Herz, und wir thun eS weit auf, um einen quälenden Bann eine Weile mit uns herumzutragen.

Was wir sonst noch an der Triesch bewundern, das sind ihre Bewegungen, die alle eine seltsame Ruhe haben; sie find langsam, haben nichts von nervöser Zappligkeit, sondern nur eine stille Beredsamkeit. Und dann ihre Kunst deS Zuhörens, ihre Pausen, ihr wundervoll modulations­fähiges Organ, daS sie wie ein Instrument mit vollendeter Meisterschaft zu behandeln weiß wir haben da kein Lob mehr zu verausgaben.

Wenn wir gegen die Magda deS Frl. Triesch ein kleines Bedenken haben, dann ist eS dies: sie ist vielleicht manchmal zu weich, zu nachgiebig. Eine Maddalena del Orto, diese Schülerin Max StirnerS, bleibt eine stahlharte, dominierende Natur, auch wo sie sich beugt. Wenigstens schildert Sudermann sie so. Aber freilich, jeder wahre Künstler hat das Recht, die ihm gestellten Aufgaben nach srch zu modeln.

Sudermann hat mit kluger Berechnung neben die blendende internationale Diva das bescheidene deutsche Mädchen, neben die Zentifolie das zarte Vergißmeinnicht gestellt. Durch Frl. Kuglers zurückhaltende Darstellung ergab sich dieser Kontrast ganz angemeffen. Ein Heffter- dingk von pastoraler Milde, wovon etwas weniger mehr ge- wesen wäre, war Herr Ramsey er, nicht ohne Kraft und Wärme. Herr Liebscher in der schwierigen und so un­dankbaren als an vielen psychologischen Unwahrheiten krankenden Rolle des Oberstleutnants Schwache überschwärzte das Düstere. Mit seinem theatralischen Heroismus fand er den ganzen Abend über keinen echten, natürlichen Ge- sühlSton. Frau Kruse setzte als Franziska v. Wend- lowski dem dunkeln Bilde einige heitere Lichter auf. Der

volle Würdigung zu erkämpfen, den Heimgegangenen Meister lals wüldigcn Nachfolger und Erben Beethovens zu verkünden, und was in dieser Beziehung dem 1. Meininger Musikfest noch nicht gelungen sein sollte, das dürfte jetzt errungen sein Dar.k der unermüdlichen Hingabe und der flammenden Begeisterung Steinbachs, der sich als Brahms-Apostel ein unvergängliches Verdienst er worben und die Musikgeschichte verpflichtet hat, auch seinen Namen zu nennen, wo sie von B ahms redet. Wmn Schumann mit Recht sagt, daß es in der Musik nichts Schöneres gebe,als wenn der Meister den Meister ausspricht", so trifft das auf die eben erlebte Wiedergabe der Brahms'schen Werke zu, und es konnte denn auch Joachim in feiner b:geistert aufgenommenen Redeganz objektiv, um in meiner Freund­schaft für den Dirigenten nicht üheischwänglich zu erscheinen", die Worte sprechen:Ich habe niemals so wundervoll Brahms fphlen hören, «18 hier in Meiningen."

* Heber das Ensemble Berghaus, das am Donnerstag dem 15. und Samstag dem 17. ds. MtS. im Restaurant Royal" auftritt, schreibt die BaselerNat.-Ztg.":

Zurzeit gastiert in Basel wieder das von früheren Besuchen hier schon längst vorteilhaft bekannte Ensemble Ernst Berghaus aus Elberfeld. Die Gesellschaft hat nun neue Kräfte gewonnen und zählt jetzt vier Herren und drei Damen, recht tüchtige Sänger und Sängerinnen, die sowohl im serteusen wie im komischen Fache gutes leisten. DaS Programm ist zum größten Teile neu und ist aus fast lauter zugkräftigen Nummern zusammengestellt. Bet seinem Auftreten am Samstag und Sonntag hatte das Ensemble eine dicht­gedrängte Zuhörerschaft angezogen und erntete stürmischen Beifall.

** Auf dem Deutschen Handwerk?- und Gewerbekammer' tag, der, wie gemeldet, vom 14.17. d. Mts. in Berlin zusammentritt, wird die hessische Handwerkskammer durch den 1. Vorsitzenden Jean Falk-Mainz, den stellvertretenden Vorsitzenden Karl Rockel-Darmstadt und den Handwerks­kammer-Sekretär Engelb ach-Darmstadt vertreten sein.

** Die Sternschnuppen in der N acb t vom 14. zum 15. November. In den Frühstunoen des 15. November erreicht die Erde ihre größte Annäherung ali die Bahn der Sternschnuppen, die aus dem Bilde des großen Löwen Herkommen. Im vergangenen Jahre er­warteten die Astronomen ein großartiges Auftreten dieses Meteorschwarms, doch wurde diese Erwartung getäuscht, denn unter den günstigsten Umständen wurden während jener Nacht nur WO200 Sternschnuppen an einem und demselben Orte sichtbar. Die Ursache des Ausbleibens des Hauptschwarms war der Umstand, daß die Bahil der Meteore seit 1866 durch die Einwirkung des großen Planeten, besonders des Jupiter, eine erhebliche Ver­schiebung erfahren hatte. Indessen ist der Schwarm dieser Meteore auf dem Umfange seiner Bahn so ausgedehnt, daß er längere Zeit als ein Jahr gebraucht, um den nächsten Punkt 'Lei der Erdbahn zu Passieren. Dazu fommt, daß dieser Teil des Meteorschwarms der Einwirkung des Planeten Jupiter und des Saturn weniger ausgesetzt war als der voraufgehende, er demnach weniger aus seiner Bahli abgelenkt wurde als dieser. Aus diesem Grunde ist es wahrscheinlich, daß heute nacht (vom 14. zum 15. No­vember), besonders in den frühen Morgenstunden des 15., zahlreiche Meteore sichtbar werden. Zwischen 2 und 3 Uhr früh steht um diese Zeit das Sternbild des großen Löwen, von dem die Meteore ausskrahlen, genau im Osten, etwa in einem Drittel der Höhe vom Scheitelpunkte bis zum Horizont. Dorthin wird man vorzugsweise den Blick richten müssen, um das Auftauchen der Stern­schnuppen zu sehen. v

Grün berg, 13. November. Nachdem schon seit etwa zwei Jahren die Frage der Einführung des elektrischen Lichtes für unsere Stadt erörtert und in Fluß gebracht wurde, hatte sich auch der hiesige Orts­gewerbeverein der Sache angenommen und in dankens­werter Weise Herrn Ingenieur Hahn veranlaßt, einen öffentlichen Vortrag über die in M e l b a ch zu errichtende elektrische Zentrale zu halten, welchem Ansinnen genannter Herr durch einen Vortrag am 9. November nachgekommen ist. Der Vortragende gab zunächst in allgemein verständ­licher Weise ein Bild über die Entstehung und Verwertung elektrischen Lichtes und elektrischer Kraft. Aus dem Vor­trage entnehmen wir demGründ. Anz.", daß, da eine genügende Anzahl von Gemeinden sich nunmehr ange­schlossen, die Erbauung des Melbacher Werkes in sicherer Aussicht steht. Die Aufsicht über die Anlage der Leitungen

Herr v. Keller, der ja glücklicherweise nicht der Typus eines Regierungsrats ist, dieser bis ins Mark frivole Mensch, hat von Sudermann mehr Schneidigkeit mit auf den Weg bekommen als Herr di Balthyni ihm gab; gewiß steht Herr v. Keller bei der Reserve eines feudalen Regiments. Herr di Balthyni charakterisierte etwas mehr von dem hohlen Gesinnungslumpen als von dem selbstbewußten Streber. Eine freundliche, gute, alte Dame von heiliger Einfalt war Fr. Ernst. Die wenig bedeutenden übrigen Partien, die Preferencepartie, der Damenempfang rc. wurden im allgemeinen nach Wunsch repräsentiert. Nur allzu spießig" war der Aufzug der drei provinzialhauptstädtischen Damen, die zu den weiblichen Spitzen der Gesellschaft ge­hören.

Die Inszenierung hätte sich doch wohl etwas mehr der Kleinmalerei des Dramas anpassen können. Der Inspizient that gestern seine Schuldigkeit; unser berechtigtes Sonntags- Monitum scheint also gewirkt zu haben.

Es bleibt uns noch ein Wort über den Dialekt auf unserer Bühne zu sagen übrig. Möglichst dialcktlos zu sprechen muß eine der hauptsächlichsten Aufgaben junger Bühnenangehöriger fein. Wir hören aus dem Munde des einen das vollkommenste Sächsisch, wie man es in Leipzig nicht markanter hört; ein anderer spricht ein breiteseei" ----- ei, wie man es in den Ostprovinzen kennt; ein dritter hat einen stüddeutsch-n Tonfall rc. Daß derartiges mög­lichst beseitigt werde, ist auch eine der wesentlichsten Auf­gaben der Regie. P- Witt ko.

Zeitungsjubikäen.

Im 150. Geburtsjahre desGießener An­zeigers- feierten zwei bedeutende Zeitungsverlage, der derMünchener Neuesten Nachrichten" und der derKönigsberger Allg. Zeitung", ihr 25jährigeS

innerhalb der Gemeinden unterliegt dem Kreisamt. Außer dem Melbacher Werke darf gleichzeitig einem Konkurrenz­unternehmen innerhalb der einzelnen anschließenden Ge­meinden keine Konzession erteilt werden, während es den letzteren indessen sreisteht, den Vertrag mit Melbach lösen und sich einer anderen vorteilhafteren Beleucht­ungsweise zuzuwenden. Der Preis für eine -Kilowattstunde- Licht (ca. 20 Lampenbrennstunden von 16-Kerzen-Stärke) soll 50 Pfg., der für Kraft 18 Pfg. betragen. Nach dem mit dem Staate vereinbarten Vertrage kann die Gesell­schaft mit ihren Preisen nicht in die Höhe, wohl aber heruntergehen. Der Betrag für die Straßenbeleuchtung, würde sich, 600 Brennstunden zu Grunde gelegt, auf 620 Mark belaufen. Die Erbauung eines eigenen Werkes für kleinere Orte bezeichnete der Vortragende als sehr riskant, wie die Erfahrungen an anderen Orten zeigten. Bei einem solchen für Grünberg müsse ein Kapital von 150 OOÖ Mark vorgesehen werden. Hierzu trete dann der jährliche Aufwand für die Unterhaltungskosten, den er auf über 20 000 Mark beziffert, sodaß mit Wahrscheinlichkeit die Jahresrechnung mit einem Defizit abschließen würde. Hier­zu komme noch der Umstand, daß ein kleineres Werk sich Neuerungen und Verbesserungen nickst in dem Maße zu Nutze machen könne, wie dies bei einem großen in sicherer Aussicht stehe.

Die nächsten Vorträge im Gewerbeverein werden gehalten werden von Zeichenlehrer Grün i g- Gießen (2. Dezember) über seine auf der Weltausstell- ung in Paris gemachten Erfahrungen, sowie von Ober­lehrer Koob-Gießen über die Sonne, beide Vorträge unter Vorführung von Lichtbildern.

Cassel, 13. November. Heute früh 7 Uhr ist im Hofe des hiesigen Landgerichtsgefängnisses in der Unter­neustadt der Mörder P f l ä g i n g durch der Scharf­richter Reindel aus Magdeburg mittels Richtbeils h i n - gerichtet worden. Der 29 jährige Arbeiter Wilh. Georg Pfläging, aus Heckershausen gebürtig, in Cassel wohnhaft, verheiratet, Vater eines Kindes, hatte bekanntlich am 22. April d. I. in dem Wäldchen auf dem sogenannten Jungfernkopf" bei Harleshausen seine Schwägerin Anna «Fuhrmann, ein sehr braves, sparsames Mädchen, das hier in Cassel diente, in gräßlicher Weise ermordet, um sich in den Besitz ihres auf 700 Mark lautenden Spar­kassenbuches zu fetzen. Er war am 22. April, einem Sonn­tage, mit der Schwägerin spazieren gegangen und führte den Mordplan, mit dem er sich, seinem eigenen Geständ­nisse nady, schon längere Zeit getragen hatte, an jener abgelegenen Stelle aus, indem er der Anna Fuhrmann sein Messer, das dieselbe noch eben zum Vespern benutzt hatte, 'in die Gurgel stieß, und ihr dann mit einem schweren Stein den Schädel zertrümmerte. Der Mörder hatte sich dann ruhig nach Hause begeben, erst mehrere Tage später wurde die Leiche gefunden, und zwar hat der Mörder selbst eine Postkarte an die Polizei geschickt mit der Mitteilung, daß in dem Wäldchen am Jungfern­kopf eine Leiche liege. Es war ihm wohl hauptsächliche darum zu thun, daß die Identität der Leiche festgestellt werde, damit er dann baldigst in den Besitz der Erbschaft käme. Noch am nämlichen Tage wurde der Mörder er­mittelt und sestgenommen. Nachdem er anfangs.geleugnet, verstand er sich nachher zu einem Geständnisse und war auch! vor dem Schwurgericht, vor das er am 14. Juni d. I. gestellt wurde, in vollem Umfange geständig. Die Geschworenen bejahten die Schuldftagen nach Mord und der Gerichtshof verurteilte den Angellagten zum Tode und dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Die Hin­richtung wurde heute früh! 7 Uhr rasch und sicher vollzogen.

Vermischtes.

* Sezessionistisches aus dem Wiener B u r g t h e a t e r. An die Halbpremiere von T r i e sckM LustspielDie Nixe", das gegenwärtig im Burgtheater aufgeführt wird, wird Frau Mitterwurzer wohl noch einige Zeit denken. Frau Mitterwurzer gab sich alle Mühe alk Fürstin Dartschikoff. Mit peinllcher Sorgfalt arbeitete sie nicht nur an dem Stuimim ihrer Rolle, sondern auch an

Geschäftsjubiläum. Die Firma Knorr u. Hirth in München gab zu ihrem Festtage einen sehr stattlichen Oktav- band mit zahlreichen Illustrationen heraus. Sie führte uns im Bilde ihre Begründer und Besitzer, zeigte die zahl­reichen Räumlichkeiten ihres großen Geschäftshauses rc. rc. und gab so einen trefflichen Ueberblick namentlich über ihre hervorragende technische Leistungsfähigkeit. Das Königs­berger Blatt reichte seinen Freunden eine etwas bescheidenere Festgabe dar, die aber darum nicht minder interessant ist. Sie bietet, nachdem sie auch verschiedene ihrer Geschäftsräume gezeigt hat, eine mit Originalsprüchen versehene Bilder- galerie aller aus Ost- und Westpreußen stammenden Staats­männer, Gelehrten, Poeten und Künstler der Gegenwart. Da finden wir den Staatsminister Hobrecht, den Neichs- gerichlspräsidenten v. Oehlschläger, die Profefforen Friedländer- Straßburg, Goltz'Straßburg, Liebreich Berlin, v. Leyden» Berlin rc. Der alte Wilhelm Jordan steuert folgende Verse bei:

Sei groß genug, um ohne Prunken stolz, Und stolz genug, um eitel nicht zu sein.

Da sehen wir Felix Dahn, Herm. Sudermann, Ernst Wichert, die Theater-Direktoren Schlenther-Wien und Neumann-Hofer-Berlin, den Bildhauer Hundrieser, den Leiter der deutschen Südpolar - Expedition v. Drygalski rc. rc., Eine Anzahl bekannter Schauspieler und Sänger, Dichter und Komponisten bringen dann Festgrüße aus dem Reiche und zeigen sich selbst im Bilde. Beide Blätter, sowohl das von der Isar als das vom Pregel, haben sich um die nationale Sache verdient gemacht. Beider mit schönen Er­folgen gekröntes Bestreben war es bisher, mit den stetig sich erneuernden Bedürfnissen der Zeit gleichen Schritt und sich auf der Höhe der deutschen Publizistik zu halten, über dem Kampf der Tagesintereffen, sie ausgleichend und zu gemeinsamem Schaffen zusammenfaffend.

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