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Vet Komposition ihrer Toiletten. Tenn gleich im ersten «Ute mußte die Fürstin Helene als exzentrisci)e Modedame erscheinen, darauf bedacht, schon durch ihr Aeußeres die Aufmerksamkeit Der galanten Herrenwelt auf sich zu knfen. Ta aber irr diesen Tagen alles, was im äußeren «ufsallend ist, mit der so künstlerisch klingenden Bezei.ch,- nung ^Sezession" belegt wird, so bestellte die Künstlerin eine hochmoderne „Sezessions"-Toilette, die in allen mög- lictzen Stilen schillert. Und richtig — die Komposition gelang, das Kostüm der Fürstin für den Atelierbesuch im ersten Akt der „Nixe" fiel so verrückt aus, daß es schon „höchste" Sezession 'war. Frau Mitterwurzer freute sich schon nief den Heiterkeitserfolg, den blos ihr Erscheinen Hervorrufen werde — da kam die erste Enttäuschung des Abends:'dos Kostünt war nicht geliefert worden. Und es war schon sechs Uhr abends, eine Stunde vor Beginn ber Vorstellung! Man telephoniert. . . Der Diener mit der Toilette fei vor einer Viertelstunde abgesendet worden, und er müsse in einigen Minuten im Burgtheater sein — lautet die Antwort. Es vergeht eine Viertelstunde, ja es tmrb halb sieben, und Diener und Kostüm sind noch immer nicht zur Stelle. Man telephoniert nochmals an den Aalon, die Direktrice möge Boten nach jenem Diener aus- feitben. Gleichzeitig befährt ein Dienstwagen des Burgtheaters die Strecke, um nach einem etwa verunglückten Modesalondiener auszulugen. „Dam Manne muß ein Unglück passiert sein", ruft Frau Mitterwurzer aus, indem sie sich den Schweiß von der Stirn wischt, „und mich Arme nmß dieses Unglück treffen." Aber die Künstlerin hat »och in ihrer Aufregung noch so viel Geistesgegenwart, für einen Ersatz des „verrückten" Kostüms zu sorgen. Sie sendet in die Garderoben ihrer Kollegen um Hilfe, und
in den nächsten Minuten fliegen ihr eine buntscheckige Boa, etliche chargierte Schleifen in unglaublichen Timen- firmen und andere ähnliche Sachen zu, die sie in aller Eile gastiert und probiert — denn in einer Viertelstunde wird das letzte Zeichen von der Bühne aus ertönen! Schon ist das Notkostüm zusammengestellt, an dem fast das ganze Tamenpersonal des Hauses seinen Anteil hat, da erschallt plötzlich der befreiende Ruf: „Er ist da!" — Ter Diener nämlich mit der Toilette. Die Vermutung mit dem Unglücksfalle hatte sich bewahrheitet: der Mann war in eine Gas grübe gefallen. Er hatte sich den Fuß verstaucht und konnte nicht weiter ... Es sind noch fünf Minuten Zeit. Frau Mitterwurzer kann das richtige Kostüm noch anlegen. Drei Garderobegehilfinnen bringen diese Postarbeit fertig. Endlich sitzen Robe und Taille. Zrau Mitterwurzer braucht also nur noch den Hut aufzusetzen. Die Modistin selbst steckt den Hut an die Frisur an. Da blickt die Künstlerin in den Spiegel und stößt einen Schrei des Entsetzens aus. „Aber, um Gottes willen, dieser Hut ist ja zu schön, zu geschmackvoll und einfach", ruft Frau Mitterwurzer aus,' „den kann ich zu dieser schreienden Toilette gar nicht brauchen. Ter Hut ist zu wenig verrückt! Er ist schrecklich!" „9hir ruhig, gnädige Frau!" sagt die Modistin gefaßt und sicher, „nur keine Aufregung! Sie werden sofort einen genügend verrückten Hut haben!" Und die Modekünstlerin nimmt den Hut wieder herab, schlägt mit dessen Innenseite einige Male r e s o l u t a u f i h r K n i e und setzt ihn Frau Mitterwurzer dann wieder auf. „Das ist ja ein ganz neuer Hut!" ruft die Schauspielerin hocherfreut aus, „d e r p a ß t großartig '." „Es ist derselbe Hut, gnädige Frau, nur habe ich ihn umgekehrt, das Hintere nach vorn und
das Vordere nach hinten!" antwortet die Modistin triumphierend. „Das war eine großartige Idee von Ihnen", sagt Frau Mitterwurzer und eilt auch schon die Treppen zur Bühne hinan, hocherfreut nach so viel Angst und Gefahr nun endlich vollkommen gerüstet auf der Bühne zu erscheinen.
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