Regierung gegen die polnischen Schulen bildete besonders der Mangel ausreichenden polnischen Gottesdienstes Gegenstand lebhafter Beschwerde. Der von der kirchlichen Oberbehörde vorgebrachte Einwand, daß es an polnisch sprechenden Deutschen fehle, wurde als nicht stichhaltig bezeichnet. An der Debatte, die sehr heftig geführt wurde, beteiligten sich auch einige Geistliche. Es wurde hervorgehoben, daß die Maßnahmen gegen die polnische Bevölkerung diese vielfach ins sozialdemokratische Lager hineintreiben. Es wurde eine Resolution angenommen, welche die Einführung des polnischen Gottesdienstes in jeder Parochie, soweit dies irgend thunlich, fordert. Ferner sollen kirchliche Amtshandlungen, Trauungen, Taufen 2C„ wenn dies von den beteiligten Parteien verlangt wird, in polnischer Sprache ab- gehalten werden. (Die Herren Polen werden hoffentlich kein Glück mit derartigen unverdauten Forderungen haben. D. Red.)
Wilhelmshaven, 11. Dezember. Heute Nacht trafen mit dem Dampfer „Köln" beinahe tausend China- Kämpfer hier ein. Namens der städtischen Behörden begrüßte der Bürgermeister auf dem Dampfer „Köln" die Heimkehrenden. Der Führer, Oberleutnant Petz old sprach hierauf seinen Dank aus. Die Stadt war reich beflaggt. Um 10 Uhr begrüßte der Chef der Nordsee- Station Admiral Thomsen in Gegenwart des Offizier- Korps und der städtischen Behörden, die auf dem Exerzierplatz angetretenen Chinakämpfer in einer warmen Ansprache, die in einem Hoch auf den Kaiser ausklang.
Ausland.
London, 11. Dezember. (Unterhaus.) Havard Vincent fragt an, ob die Regierung Kenntnis habe von der Bewegung in Deutschland zu Gunsten einer Erhöhung der Zölle auf Stahl, und zwar in solcher Ausdehnung, daß die Zollerhöhung den Handel von Sheffield stark beeinträchtigen würde. Der Präsident des Handelsamtes, Gerold Balfour, erwidert, die Regierung habe von der erwähnten Bewegung Kenntnis erhalten. Die ganze Angelegenheit, der Ablauf der deutschen Handelsverträge, sowie die wahrscheinliche Wirkung auf den britischen Handel werde sorgfältig verfolgt. Kriegsminister Brodrick bringt eine Nachtragsforderung für das Heer in Höhe von 16 Mill. Pfund ein. Auf die Lage in Südafrika übergehend sagt er, durch den Guerillakrieg werden die Feindseligkeiten noch eine gewisse Zeit andauern können. Der Kampf müsse mit aller Kraft fortgeführt werden. Harcourt tadelt die Regierung wegen Mangels an Voraussicht.
— „Daily Mail" berichtet über einen englisch- französischen Zwischenfall, der sich im persischen Golf abspielte. Der französische Konsul beschwerte sich beim englischen Admiral, der sich an Bord des englischen Kriegsschiffes „Cossak" befand, darüber, daß der englische Konsul durch 11 Kanonenschüsse begrüßt wurde, während er, der französische Konsul, nur durch 7 Kanonenschüsse begrüßt worden sei. Der Admiral billigte die Haltung des englischen Kapitäns mit der Motivierung, daß der englische Konsul gleichzeitig englischer und indischer Konsul sei.
Paris, 11. Dezember. In hiesigen diplomatischen Kreisen betrachtet man die Erklärung des Grafen Bülow in der gestrigen Sitzung des Reichstags über die südafrikanische Angelegenheit als einen geschickten Schachzug, um dem deutschen Volk die Meinung beizubringen, daß die Lage Deutschlands gegenüber England die gleiche ist, wie gegenüber Frankreich. Man weiß hier aber genau, daß die Aeußerungen des französischen Ministers des Auswärtigen viel bestimmter lauteten, als Graf Bülow im Interesse seiner Argumentation sie hingestellt hat. Delcassö hat zwar kein Hehl daraus gemacht, daß die Lage, in der sich Frankreich z. Zt. befindet, zu schwierig ist, als daß es die Initiative in der Transvaal-Angelegenheit ergreifen könnte; aber er hat ausdrücklich und bei jedem Vorbehalt die Mitwirkung Frankreichs versprochen, wenn von irgend einer anderen Seite die Initiative ergriffen würde. Die französische Presse beurteilt im großen und ganzen die Rede des Grafen Bülow ungünstig. Die „Patrie" schreibt: Deutschland hat ein Interesse daran, England zu schonen. Der Reichskanzler hat die Worte: „Deutsche Interessen" wohl 20mal wiederholt. Die ganze deutsche Politik gipfelt in diesen Worten. Recht und Gerechtigkeit seien leere Dinge für die deutsche Diplomtie.
Prozeß Sternberg.
Berlin, 11. Dezember.
Bei Beginn der heutigen Sitzung im Sternbergprozesse beantragt Staatsanwalt Braut die Vernehmung zweier Frauen, denen die Frieda Woyda nach der ersten Verhandlung erzählt haben soll, was sie mit Sternberg vorgehabt habe. Ferner teilt der Staatsanwalt mit, daß er den Zeugen Miller ermittelt habe, der schon vor zwei Jahren mit der Ehlert verkehrt haben will. Da der Verdacht bestehe, daß der Vater der Ehlert sich bei dieser Gelegenheit einer Erpressung gegen Müller schuldig gemacht habe, so behalte er sich nähere Feststellung nach dieser Rick) tu ng hin und die Entscheidung darüber vor, ob es sich wirklich um den Vater Ehlert handele und ob dieser zu verhaften sei.
Erster Zeuge ist heute der Kommissar Thiel, der vom Vorsitzenden aufgefordert wird, sein Geständnis zu wiederholen und zu sagen, wie er mit der Sternberg-Sache in Verbindung gekommen sei. Thiel bekundet, er habe sich in sehr ungünstiger Vermögenslage befunden. Er habe 4000 bis 5 0 00 Mark Kapital- s! ich ul den! iUs'nd 2000 Mark andere Schulden gehabt. Am 1. Januar habe er von seinem Gehalt so viel zu bezahlen gehabt, daß ihm nur noch 20 bis 30 Mark übrig geblieben seien. Ta habe er den unglückseligen Gedanken gehabt, daß er sich vielleicht retten könne, wenn
er sich der Sternbergpartei anbiete, als Pri- vat-Detektiv thätig zu sein. Er habe sich Luppa angeboten, aber seinen Namen nicht gleich genannt. Luppa habe weder Ja noch Nein gesagt und ihn hingehalten. Zeuge sei dann noch zwei- oder dreimal bei Luppa gewesen, es sei aber immer noch nichts zu stände gekommen, bis er dann im Zimmer des §errn v. Tresckow der Vernehmung der Callis beigewohnt habe. Nun habe er sich definitiv entschließen müssen, denn er habe nicht mehr gewußt, woher er das Geld nehmen solle. Luppa habe von ihm erfahren wollen, ob das, was er, Luppa, über die Vernehmung der Callis gehört, auch wirklich wahr sei. Daraus sei der gemeinsame Besuch von ihm, Thiel, Münchs- Hausen und Luppa in der Wohnung der Haußmann bei der Callis gemacht worden. Bestimmte Abschlüsse mit Luppa darüber, was er, Thiel, bekommen sollte, wenn er Privatdetektivdienste verrichtete, seien nicht getroffen gewesen. Noch im letzten Augenblicke, als sie zur Callis gehen wollten, sei es ihm wieder leid geworden, aber er habe doch nicht mehr anders gekonnt. Schon am nächsten Tage habe Herr v. Tresckow ihm mitgeteilt, daß die ganze Vernehmung der Callis verraten sein müsse. Daraufhin habe er sich vier Wochen lang von Luppa zurückgezogen. Nack) dieser Zeit habe ihn Luppa einmal auf dem Korridor des Polizeipräsidiums gesprochen und ihm gesagt, daß er, Thiel, jetzt erkannt sei; es sei unerhört, daß ein königlicher Polizeikommissar solche Geschichten mache; es sei zu erwägen, ob es nicht angebracht sei, der Staatsanwaltschaft hiervon Mitteilung zu machen. Er habe Luppa ;dann himmelhoch gebeten, ihn zu schonen. Luppa habe nichts darauf entgegnet. Nachmittags sei er in dessen Bureau gegangen und habe ihm erklärt, daß er ihm Dienste leisten würde. Er habe dann gleich 500 Mark erhalten und weiter in verschiedenen Zwischenräumen Beträge von im Ganzen 7 — 8 0-0 0 M ar k. Dafür habe er beim Einwohnermeldeamt Erkundigungen über Personen eingezogen, die als Zeugen benannt gewesen seien, ferner über Vorstrafen derselben. Die Resultate dieser Recherchen habe er Luppa mitgeteilt. Zeuge schildert, wie sehr er unter diesem Verhältnis gelitten habe. Er habe sich manchmal, wenn Not am Manne war, kleine Beträge von Luppa erbetteln müssen. Luppa habe ihm 30 000 Mark versprochen, wenn er den Nachweis liefere, daß die Pfeffer die Woyda beeinflußt habe. Diesen Betrag sollte er mit Stier st ädter teilen. Alles, was Stier st ädter angegeben, sei wahr. Er, Zeuge, habe Stierstädter gesagt, er solle Sternberg schonen. Der moralische Schaden, den die Woyda erlitten, sei doch nicht so groß. Als er die Zeugenaussage Stierstädters erfaßen, habe er schwer mit sich gekämpft, ob er flieheüMrder zurückkehren solle. Mit Rücksicht auf seine FainsnK habe er sich W letzterem entschlossen. Bei seinem Besuche bei Dr. Sello habe er diesem angedeutet, daß in einer Strafsache eine Beeinflussung versucht worden, und daß er von der Pflicht ab g e wich en sei. Dr. Sello habe ihm dringend geraten, seine Finger von solchen Sachen zu lassen. Er solle sich ja hüten, vom Pfade der Pflicht abzuweichen. „Ich erkläre hiermit ausdrücklich", so fährt Thiel fort, „daß ick) Dr. Sello nicht gesagt habe, daß ich ein bestochener Beamter bin; ich erkläre ferner, daß ich den Namen des Justizrats Dr. Sello in meinen Unterhaltungen mit Stier st ädter von Anfang bis zu Ende mißbraucht hab e."
Der Staatsanwalt hält dem Zeugen vor, daß er in seiner Aussage vor dem Untersuchungsrichter viel bestimmtere Angaben gemacht habe. Der Zeuge erwidert, er sei bei jener Aussage, als er gesehen, daß alles zusammenbreche, namenlos aufgeregt gewesen. Er könne nicht beschwören, daß er gesagt habe, seine Verfehlung sei in der Sternberg-Sache geschehen. Der Staatsanwalt fragt Thiel, wie er dazu gekommen sei, den Namen eines geachteten Rechtsanwalts in so schuöder Weise zu mißbrauchen.
Der Zeuge antwortet, Luppa habe ihm gesagt, er solle nur Stierstädter wissen lassen, daß er, wenn er eine Annäherung an die Sternbergpartei nehmen wolle, zu den Verteidigern gehen solle; diese seien zum Stillschweigen verpflichtet. Was aus den an Luppa gelieferten Berichten geworden sei, wisse er nicht; Luppa habe sie an sich genommen und in seine Brieftasche gesteckt. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Luppa gesagt habe, daß er häufig mit Dr. Werthauer konferiere, erwidert Zeuge mit: Ja wohl! Ein Grund zu seinem Geständnis sei auch die Angst gewesen, die Callis könne einen Meineid ; leisten. Dieser Gedanke sei ihm furchtbar gewesen. Am Tage nach seiner Vernehmung habe er Angst gehabt, vielleicht doch vereidigt zu werden; er habe Luppa himmelhoch gebeten, ihm Geld zur Flucht zu geben. Das habe keinen Erfolg gehabt. Nachher habe er noch einmal 1900 Mark erhalten. Luppa müsse noch andere und bessere Verbindungen gehabt haben, denn er habe Sachen gewußt, die Thiel nicht geahnt habe. Auch die Frage des Vorsitzenden, ob Zeuge irgendwelchen Anhaltspunkt habe, daß v. Meerscheidt-Hüllessem in dieser Sache gewirkt habe, antwortet der Zeuge: Durchaus nicht. Weiter bekundet er, daß er keine Ahnung habe, wie die von ihm gelieferten Berichte in die Hände der Verteidigung gelangt । seien. Man habe den Berichten auch nicht ansehen können, daß sie von einer Amtsperson stammten.
Es entspinnt sich nun eine lebhafte Diskussion zwischen den Verteidigern und dem Präsidenten darüber, ob Justizrat Dr. Sello in folgender Sache als Zeue zu vernehmen sei. Bekanntlich hat Thiel nach der Vernehmung des Justizrats Dr. Sello in aufgeregter Weise gefragt, ob Sello schon vereidigt sei, und auf die verneinende Frage ausgerufen: Gott sei Dank! Da Thiel sich dieses Ausrufes nicht mehr entsinnen will, beantragt Rechtsanwalt Fuchs I, Sello als Zeugen zu vernehmen. Nach einer längeren Kontroverse wird die Sache für erledigt erklärt. Zeuge Thiel wird wieder abgeführt und eine Pause gemacht.
Nach Wiederaufnahme der Sitzung wird zunächst eine Anzahl unwesentlicher Zeugen vernommen. Dann werden der Frau Miller (Margarethe Fischer) mehrere von ihr an ihre Schwester Clara und v. Tresckow gerichtete Briefe vorgchalten, die Stellen enthalten, die mit der Aussagge der Zeugin in Widerspruch zu stehen scheinen. Zeugin erklärt dies damit, daß sie damals sehr empört auf Sternberg gewesen sei und deshalb manches übertrieben dargestellt habe. Unter Verweigerung ihrer Aussage auf einzelne ihr vorgelegte Fragen bleibt sie dabei, daß sie
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Aus Stadt und Land.
Gieheu, 12. Dezember.
* * Ernennungen. Am 8. Dezember wurde der dritte Professor an dem evangelischen Predigerseminar zu Fried- berg Albrecht Schöller zum zweiten Professor an dieser Anstalt und der Stadtpfarrer Lic. theol. Karl E g er zu Darmstadt zum dritten Profeffor an dem evangelisch«! Predigerseminar und zum Pfarrer zu Friedberg, beide mit Wirkung vom 1. Januar 1901 an ernannt.
* * Eine Autispiritisten Vorstellung findet am Donnerstag abend im Restaurant zum Perkeo statt.
♦ * Anarchisten. Die Beaufsichtigung der im Großher- zogtum Hessen wohnenden, als Anarchisten besonders gekennzeichneten Persönlichkeiten, die seither den Kreisämtern des Landes unterstellt waren, wurde nach einer von dem Ministerium der Justiz erlassenen Verfügung nunmehr den verschiedenen Polizeiämtern des Großherzogtums übertragen. Ueber jede einzelne Persönlichkeit, die sich als zu den Anarchisten gehörig gekennzeichnet hat, muß ein besonderes Tagebuch geführt werden.
• * Allgemeine Sterbekasse. Der Bericht über die Generalversammlung der Allg. Sterbekaffe (Nr. 290, 4. Bl. deß „Gieß. Anz.") ist dahin zu ergänzen, daß auch der 2. Vorsitzende, Heinrich Seidewand, wiedergewählt wurde. 1. Vorsitzender ist Schneidermeister Gg. Pfaff.
- o- Ruttershausen, 11. Dezember. Gestern nacht gegen 12 Uhr haben drei Burschen andere aus einer Spinn- stube Heimkehrenden auf hiesiger Ortsstraße überfallen. Es entstand nach wenigem Wortwechsel eine Schlägerei, m deren Verlauf einer der Burschen einen Messerstich m die linke Seite erhielt und zu Boden sank. Der Angreifer flüchtete unter Drohungen: Wer ihm zu nahe käme, den würde er zusammenstechen. Den Verletzten, Friedrich Fischer, brachte man nach Hause und der sofort zu Hilfe gezogene Arzt konstatierte, daß der Messerstich durch die Lunge gedrungen und höchst lebensgefährlich sei. Der Messerheld ist ein Former Louis Karber von hier.
- o- Ruppertenrod, 10. Dezember. Gestern abend fand man in der Ohm die Leiche der Katharina Kratz von hier. Die Lebensmüde soll nach Aussage ihres Vaters in letzter Zeit Anfälle von Geistesgestörtheit an den Tag gelegt und auch in einem solchen Anfalle die That verübt haben. DaS Mädchen stand im zwölften Lebensjahre.
- t- Stangenrod, 12. Dezember. Sobald die Witterung es zuläßt, soll mit dem Bau der Kreisstratze Stangenrod-Lumda mit dem Treffpunkt Weikersheimer Kreisstraße begonnen werde. Alsdann hat Stangenrod, statt bisher einer Zufuhrstraße deren drei; ja es ist sogar Durchgangsverkehr von Grünberg nach WeiterShain, Rüd- dingShausen zu erwarten.
- t- Lumda, 12. Dezember. Trotz der Eisenbahn Grün- berg-Londorf verkehrt noch zwischen beiden genannten Ortca eine Fahrpost. Vorigen Montag machte letztere aber anstatt früh morgens ihre Route über 3 Stunden später des schlechten Wetters wegen. Leider ist daS schon mehr vorgekommen. Es läge im Interesse sämtlicher Ortschaften des Lumdathales, wenn zwischen BahnfiskuS und Post ein billiger Vertrag zustande käme und, wenn eine Aenderung der Bestellbezirke zeitgemäß eintreten würde. Im vorigen Jahre schon sollte eine Versammlung von Interessenten stattfinden und eine Aenderung beantragt werden. Diese Versammlung kam leider nicht zustande, da man annahm, 'seitens der Postverwaltung würde, veranlaßt durch oveo gemeldete Vorkommnisse, die Initiative zur Aenderung oe für die Dauer unhaltbaren Verhältniffe ergriffen werde, ■
FC. Ettingshausen, 10. Dezember. Gestern abend gegen 5 Uhr fiel das 7 Jahre alte Töchterchen des Müll« Keil von einem Stege mitten in den stark angeschwollenen
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selbst sich nicht als Verbrecherin fühle. Der Vorsitzende erklärt wiederholt, daß dem Gerichtshöfe doch nickst u viel Leichtgläubigkeit zugemutet werden solle. DieZeugrr wird mit der Ehlert, der Woyda, der Teichert, der Schnör wange, der Callis konfrontiert. Sie erklärt, daß sie sich überhaupt nicht entsinnen könne, ob die Mädchen bei ihr waren.
Die Zeugin Ehlert bleibt mit aller Entschiedenheit dabei, daß ihre früheren belastenden Bekundungen erlogen seien.
Physikus Dr. Puppe wird vom Vorsitzenden aufgefordert, ein Urteil über die Persönlichkeit der Ehlert abzugeben. Er erklärt, was er bisher von ihrem Auftreten gesehen, deute auf einen gewissen Schwachsinn. Für die neuliche Ungebührszene halte er die Ehlert für verantwortlich, dagegen glaube er, daß sie wegen mangelnder Verstandesreife den Ernst und oie Bedeutung des Eides nicht zu erkennen vermöge.
Physikus Dr. St ärmer geht in seinem Gutachten weiter; nach seiner Ansicht ift die Ehlert eine Jmbecille comme il faut.
Der Staatsanwalt hält trotz dieser Gutachten seinen Antrag auf volle Verbüßung der über die Ehlert verhängten Ordnungsstrafe aufrecht. Der Gerichtshof behält sich eine Beschlußfassung darüber vor. Staatsanwalt Braut beantragt, Briefe, die sich im Besitze her Pfeffer befinden, welche von der Margarethe Fischer stammen und etwas über den Fall Woyda enthalten, M beschlagnahmen und den Gesundheitszustand der Fischet durch Dr. Puppe feststellen zu lassen.
Hierauf werden einige Zeugen über die Persönlichkeit der Ehlert vernommen. Sämtliche Zeugen bekunden, daß die Ehlert ein ganz verdorbenes Mädchen sei, schlimme, unzüchtige Redensarten gebrauche und eine Frechheit zeige, die alle Grenzen überschreite. Auch zeige sie eine riesengroße Kunst der Verstellung. Ein junger Mann, Willy Boden berg, bekundet einen Vorfall aus dem Jahre 1898, wo er mit der Ehlert in Konflikt gekommen fei. Die Ehlert sei dabei so ausfallend geworden, daß er ihr ein paar Ohrfeigen verabfolgt habe. (Heiterkeit.)
Die Ehlert protestiert dagegen und erwidert, sie habe i h m Ohrfeigen gegeben.
Fortsetzung der Verhandlung morgen vormittag.


