Ausgabe 
13.11.1900 Erstes Blatt
 
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Der daraus folgende Hauptübelstand für de« Reifeudeu ist, daß sehr häufig die Züge nicht einsahreu können und auf freiem Felde halten müssen.

Es stellt sich immer mehr als ein unabweisbares Be­dürfnis heraus, daß das Geleis-Terrain auf den Bahnhäfen von nur einigermaßen verkehrsreichen Stationen erheblich vergrößert wird, denn der Bahnhof ist das Herz des Ver­kehrs. Die zunehmende Berkehrssteigerung bringt eine immer größer werdende Konzentration des Wagen- rc. Materials in den Bahnhöfen zu Stande; das Terrain auf tiefen muß nun von einer derartigen Aufnahmefähigkeit sein, daß es alle Maschinen- und Wagenschiebungen mit Leichtigkeitverdauen" kann. Dadurch allein wird das Halten auf den Strecken, auf freiem Felde, das sich oft als eigentliche Ursache von Unfällen gezeigt hat, vermieden.

Aufgabe unserer Bahnverwaltung und noch mehr unserer Parlamente wird es sein, auf diesen Umstand ein besonderes Augenmerk zu richten; insbesondere werden es sich unsere Volksvertretungen abgewöhnen müssen, bei Bahn­hofsbauten die sonst bei allen Dingen vorteilhafte Sparsam­keit walten zu lasten, eine Forderung, die sich der Eisen­bahnfiskus selbstverständlich erst recht wird merken müssen.

Geräumige, viergeleisige Bahnhöfe, die den in ihnen sich stauenden Wagenverkehr derartig bewältigen können, daß die Strecken zu jeder Zeit frei sind, das scheint eine Hauptforderung rationeller Verkehrstechnik zu sein und es wäre zu wünschen, daß FiSkuS und Volksvertretung gleicher Weise an der Verwirklichung dieser Forderung arbeiten wollten.

Politische Wochenschau.

Am Mittwoch beginnt die Reichstagssession, deren Anfang seit dem Sommer dieses Jahres der Gegen­stand eines sehr heftigen Streites gewesen ist. Alsbald nach dem Beginn der chinesischen Wirren war die Forderung nach der Einberufung des Reichstages erhoben worden, und diese Forderung, der die Mehrheit der Parteien anfangs ungünstig gegenüberzustehen schien, hatte allgemach immer mehr Verfechter gefunden. Frei­lich erfolglos, denn die Regierung stellte sich auf den Standpunkt, daß der Reichstag immer noch früh genug einberufen werden würde. Heute ist vielleicht auch die Regierung zu der Erkenntnis gelangt, daß es auch! von ihrem eigenen Standpunkte aus richtiger gewesen wäre, die Forderungen für die chinesische Aktion in einem Zeit­punkt geltend ßluj machen, wo der Kritik noch nicht ein jo breiter Boden gegeben war, als jetzt. Es ist selbstver­ständlich, daß die Jndemuitätsvorlage bewilligt werden wird, aber in diese Bewilligung wird der Wer­mutstropfen herber Kritik fallen, die sich gegen die man­cherlei Einzelheiten, die mit dem Vorgehen gegen China ver­knüpft waren, richten wird. Dem Bundesrat ist der Etat für die Expedition nach Ostasien in Form eines dritten Nachtragsetats für 1900 zugegangen. Zur Be­streitung der einmaligen außerordentlichen Ausgaben wer­den 152 770 000 Mark gefordert, die auf dem Wege -es Kredits flüssig zu machen sind. Die Vorlage bestimmt: Soweit Ausgaben auf diesen Betrag zu Verwendungs­zwecken bereits geleistet sind, werden sie nachträglich genehmigt und kommen auf den bewilligten Kredit in Anrechnung. Von der Forderung entfallen: 119 800 000 Mark auf die Heeresverwaltung, 15 857 000 Mark auf die Marine, 380 000 Mark auf die Post- und Telegraphen- Verwaltung, 243000 Mark auf Pensionen usw. und 70000 Mark Kosten für eine T e il n e h m e r-Me­tz/ail le. Die Ansätze, so heißt es in der amtlichen Mit­teilung weiter, entsprechen dem überschläglichen "Schätz- «ngsbedarf bis zum 31. März 1901. Für das Rechnungs­jahr 1901 wird eine weitere, entsprechende Vorlage ge­macht, sobald die Verhältnisse genügend übersehbar sind. Die Begründung des Etats besagt, die Form eines Nach­trags-Etats sei gewählt, um bei der Unsicherheit der Schätzungen wenigstens diejenige Gliederung der Aus­gaben zu bieten, die gegenwärtig möglich sei. Der Vor­lage ist eine Denkschrift beigegeben über die politische Not­wendigkeit der Expedition, über die Maßnahmen der einzelnen Verwaltungen und deren Finanzierung. Die Stärke des ganzen Expeditionskorps beträgt 582 Offiziere, 120 Sanitätsoffiziere, 161 obere Beamte, 18 712 Mannschaften, 27 untere Beamte und 5579 Pferde. Ersatzsendung für den Abgang ist nur vorgesehen, wenn tzie Verhältnisse cs durchaus erfordern.

Im übrigen sind die Dinge in China auf dem alten Fleck stehen geblieben. Die Mächte verhandeln und ver­handeln miteinander und kommen vor lauter Verhand­lungen nur sehr wenig vorwärts. Die Machthaber in Jfyina aber machen firij diesen diplomatischen Schlendrian, -er durch die mancherlei militärischen Erfolge nicht wett gemacht werden kann, zu Nutze und leisten einen passiven Widerstand, bei dem sie mehr Erfolge erzielen, als früher Ser den aktiven. Jedenfalls ist das Facit der in der »ongen Woche eingelaufenen Nachrichten, daß die chi- nesstchen Machthaber fürs Erste gar nicht daran denken, yigcben^enin^en ^d)te freiwillig und gutwillig nach-

Wir sind freilich daran gewöhnt, daß uns von Asien »lchts gutes kommt, und wir wurden an diese Thatsache erinnert als dckr Pest fall in Bremen die Befürcht­ung wachrief, daß es sich hier vielleicht nicht um einen vereinzelten Pestfall handele. Daß dieser unheimliche asiatische Gast uns eine ernftlübe Visite abstatten könnte, -fft nun nicht mehr anzunehmen, und die Beunruhigung die ein zweiter Erkrankungsfall in Hamburg erregte hat fick erfreulicherweise als grundlos und der Erkrankungs- fall als eine harmlose Halsaffektion erwiesen. Der kurze Besuch der Pest ist übrigens diesmal nicht direkt aus Asien sondern auf dem Umwege über Süd-Amerika zu uns ge' iomnien, woraus hervorgeht, daß unsere Maßnahmen, eine Einschleppung der Pest zu verhindern, fid) nach allen Richt­ungen zu wenden haben.

Nach Amerika hatten fid* diesmal auch sonst unsere Blicke diese gunze Woche hindurch gerichtet, denn in den Bereinigten Staaten tobte der gewaltige Wahl­kampf, der zu Gunsten der Republikaner, zu Gunsten Mac Kinleys entschieden worden ist. Nicht nur bei

der Präsidentenwahl erzielte« die Republikaner eine Mehr- ,eit, welche die von 1896 übertraf, sondern auch die Wahlen zum Kongreß endeten mit dem Siege der Republikaner, odaß deren Regiment auf weitere vier Jahre gesichert ist. Für dasTemperament", mit dem in Amerika ge­wählt wird, ist übrigens die Meldung kennzeichnend, wo­nach bei dem Austrag der Wahlwetten in Kentucky sechs Mann über den Haufen geschossen wurden. Das ist echt amerikanisch. Aber nicht minder echt amerikanisch ist das Wahlmanöver der Republikaner, die einen Tag vor den Wahlen die Schwind ein ack) richt verbreiteten, daß der Kriegaufden Philippinen angeblich in den letzten Zügen liege.

Tas entpuppte sich alsbald als ebenso eitel Schwindel, wie die von den Engländern schon so in die Welt gesetzte Nachricht, wonach der Guerillakrieg in Südafrika seinem Ende entgegengehe. Diese Nachricht ftnüet jogar in England selbst keinerlei Glauben mehr. Macht sich doch die englische Kriegsleitung bereits mit dem Gedanken vertraut, daß der Burenkrieg noch ein halbes Jahr dauern könne. In der That ist es nicht zu verkennen, daß der Widerstand der Buren gerade in letzter Zeit un­verkennbar an Energie gewonnen hat, und die Bewunder­ung aller verdient die heldenmütige Tapferkeit, mit der >ie zusammengeschmolzenen Sckaren der Buren für ihre Sache kämpfen.

Der Prozeß Masloff in Könitz.

Kvnitz, 9. November.

Die Sitzung wird um drei Uhr durch den Präsidenten eröffnet, der sogleich dem Ersten Staatsanwalt das Wort erteilt. Er führt aus: Ein grauenvoller Mord hat die allgemeine Aufmerksamkeit in hohem Maße er­regt. Leider ist es bisher allen Bemühungen von Be­ll ö'rden und Beamten nickst gelungen, den Mörder aus- fuldig zu mach>en. Die sogenannte Volksmeinung hat die Behörden nach einer bestimmten Richtung hin zu drängen sich bemüht, aber die mit der Ermittlung und Untersuch­ung betrauten Beamten haben trotz der eifrigsten und unparteilichsten Prüfung nach dieser Richtung hin nichts zu ermitteln vermocht. Die Beweise bei den nach dieser Richtung hin verfolgten Spuren waren nicht ausreichend, uni daraufhin irgend einen bestimmten Verdacht begrün­den zu können. Bei dem heutigen Prozesse steht aber nicht der eigentliche Mord im Mittelpunkt, es handelt sich hier nickst darum, die Frage zu entscheiden, ob Ri­tualmord oder nicht, und es handelt sich auch nicht um den oder die Thäter, die das Verbrechen an Winter verübt haben, es handelt sich heute ausschließlich um das Verbrechen des Meineides, dessen die An­geklagten sich schuldig gemacht haben sollen. Was den Mord Winters anbelangt, so ist es heute nur möglich, sich auf die Thatsachen zu stützen, die für das Verschwin­den Winters noch vorhanden sind, und auf die That­sachen, soweit sie sich auf die Auffindung der Leiche beziehen. Winter ist eines gewaltsamen Todes gestorben, das haben die Aussagen und Gutachten der Gerichtsärzte bewiesen. Die erste Annahme ging dahin, daß Winter in den Wohnräumen einer Dirne ums Leben gekommen sei. Dann lenkte sich der Verdacht auf den Fleischermeister Hoffmann. Hier waren indessen die Beweise nicht aus­reichend. Darauf richtete sich der Verdacht gegen Lewy. Zehn Tage nach dem Morde erschien Masloff auf der Polizei, um dort seine Wahrnehmungen zu bekunden. Alle Nachforschungen bei Lewy ergaben aber ein nega­tives Resultat und absolut nichts Belastendes. Erst am 13. April, also 25 Tage nach dem Morde, erschien Frau Roß und erzählte von den Wahrnehmungen, die jener Knecht gemacht haben wollte. Daraufhin trat das Nebenuntersuchungskomitee in Thätiakeit und machte aller­lei Anzeigen, die dazu führten, daß die Angeklagten mehrfach eidlich vernommen wurden. Der.Staatsanwalt geht nun des Näheren auf die bekannten Aussagen Mas- loffs und der anderen Angeklagten ein. Er weist dabei auf die verschiedenen Widersprüche hin, die sich zwischen den Aussagen der Angeklagten vom 23. April resp. 2. Mai und denen vom 8. Juni ergeben. Tie Geschworenen sollen jetzt nun entscheiden, ob die Anklage berechtigt ist oder nicht. Masloff hat un­bedingt am 2. Mai einen Meineid geschworen. Amtsrichter Pankau hatte ihn eindringlich verwarnt und trotzdem hat Masloff höchst wichtige Dinge verschwiegen. Das Gleiche gilt von Frau Roß, die schon früher vernommen wurde, und von Frau Masloff und Frau Berg. Auch ihre Aussagen haben zahl - ; reiche Widersprüche ergeben und der Augen­schein widerspricht den Angaben Masloffs. Masloff widerspricht sich in einem fort. Die Zeugen-Aus- fagen haben auch ergeben, daß Masloff bei seinen Er­zählungen dritten Personen gegenüber widersprechende An­gaben gemacht hat. Die Aussagen der Handlungsgehilfen Puppel und Kuntzig beweisen, daß Masloff unmöglich seine Wahrnehmungen hat machen können. Der Pfarrer Boenig hat zwar erklärt, daß ihn noch keines seiner Pfarrkinder belogen hat, wenn es freiwillig zu ihm kam. Masloff ist aber nicht freiwillig zum Pfarrer getommen, sondern ist auf Veranlassung der Kriminalbeamten geholt worden. Der Angeklagte hat vor Ostern gebeichtet, hat dann aber am 2. Mai unter allen Umständen falsche Angaben gemacht. Bei den Aussagen der Frau Roß ist von Wichtigkeit die Erzählung ihres Besuches bei Lewy, wobei sie das Wimmern gehört haben will, ferner auch die Geschichte von dem Knechte. Bei dieser letzteren Sache hat sie nachgewiesen er maßen die verschiedensten sich widersprechenden Angaben gemacht. Es ist auch trotz der größten Anstrengungen nicht ge­lungen, diesen Knecht ausfindig zu machen. Es ist un­möglich, daß jener Knecht und Masloff die gleichen Wahr­nehmungen gemacht haben können. Außerdem soll dann ja noch ein Dritter, der Schlosser Berg, die gleichen Be­obachtungen gemacht haben. So verdienen denn weder die Angaben von der Roß noch von Masloff Glauben und min ziehe man in Betracht, daß Frau Roß behauptet hat, um 7 Uhr bei Lewys gewesen zu sein und dort Helene Lewy getroffen zu haben. Thatsächlich hat dieser Besuch aber erst uim 9 Uhr stattgefunden, wie dies durch einen weitläufigen Beweis festgestellt worden ist. Frau Masloff hat ausgesagt, dort die Uhrkette und die Photographie Winters gesehen zu haben. Diese Aussagen sind höchst

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unglaubwürdig. Die Pbvtographie sollte offenbar be­weisen, daß Lewy fmit Winter in sehr intimen Verkehr taut) und daß der Letztere an Moritz sein Bild geschen» hat. Es ist doch festgestellt, daß vor dem Tode WintetB keinerlei Photographie desselben außer dem Klassenbild« existiert hat. Es hat Frau Berg dann über das Taschen­tuch ausgesagt, daß es mit einem W. gezeichnet gewesen ei. Bei sofortiger Nachsuchung ließ sich jenes Taschentuch jedoch nicht finden und die Angaben der Frauen Roß und Berg sind über die Zeichnung auf dem Taschentuch s» verschieden, daß man annehmen muß, dieses Taschentuch hat niemals existiert. Ten Aussagen der Angeklagten teht das Zeugnis der Familie Lewy gegenüber, das nuter- tützt wird durch eine sehr große Anzahl von Zeugen. Frau Roß will um 7 Uhr, Masloff um 10 Uhr wimmern gehört haben. Winter mußte aber scvon um 7 Uhr tot sein. Er­haben überdies alle Zeugen ausgesagt, daß die Familie Lewy durchaus harmlos ist. Dahingegen bezeichnete der Untersuchungsrichter Maßloff und Frau Roß für völlig un­glaubwürdig. Unerheblich sind die Angelegenheiten Js- raelski und Eisenstädt sowie der Fall Matheus Meyer, sie stehen in gar keinem direkten Zusammenhang mit den Beschuldigungen gegen Lewy. Alle Angaben der Ange­klagten sind augenscheinlich erfunden zu dem Zwecke, die ausgesetzte Belohnung zu verdienen. Es haben fänü- licheAngeklagteoffensichtlicheinenwissent- lichen Meineid geleistet. Der Erste Staatsanwalt schließt mit dem Antrag auf Schuldig in allen Punkten.

Es nimmt nunmehr der Oberstaatsanwalt ba£ Wort. Er stellt sich gleichfalls auf den Standpunkt, daI die Anklage durchaus begründet ist. Es haben die An­geklagten Behauptungen ausgestellt, die nur dann Sinn haben, wenn man annimmt, daß der Gymnasiast Winter im Lewy'schen Hause getötet worden ist. Ist hingegen die Familie an diesem Tode unschuldig, so sind die Ange­klagten schuldig. Nun müssen auch Zeugenaussagen nach­geprüft werden. Es sind nicht immer zwei Aussagen, die sich widersprechen, so zu verstehen, daß die eine eint bewußt falsche ist. Keineswegs! Im Falle Eisenstädt- Schlochau find beispielsweise beide Aussagen augenschein­lich nach! bestem Wissen gemacht, trotzdem sie sich wider­sprechen. Die.AussagenHugoLewysmüssenats zutreffend erachtet werden, da sie durch eine große Reihe von Zeugen unterstützt werden. Eine besondere Kategorie von Zeugenaussagen sind jene, bei denen von Blut geb rauch der Juden die Rede ist. B e - tannt ist es zunächst, d ifj in den jüdischen Re­ligionslehren kein Wort über den Ritual­mord steht. Auch Fürstbischof Kopp teilt diese Ueber- zeugung der Gelehrtenwelt. Die Vorgänge im Laden der Familie Meyer müssen gleichfalls als unwahr erscheine« und dies uplsomehr, da sie zu drei verschiedenen Zeiten stattgefunden haben sollten, und die Familie doch wahrlich keine Veranlassung hatte, sich mit dem Blut des 18jährige« Gymnasiasten zu besudeln. Wenn man dies alles nach­prüft, so wird inan finden, daß man den VersuA als mißglückt erachten in u ß, d i e hiesige« Juden mit einem Ritual mord in Verbind­ung zn bringen. Gegen die Familie Lewy insbesondere liegt nichi das Geringste vor. Nicht das geringste Belastende konnte gegen diese Personen bewiesen werden, und dafür gäbe es gewiß nicht den ge­ringsten Anhalt, daß sie an einem Komplott beteiligt ge­wesen seien. Wollte man nun ein anderes Motiv bei irgend einem Mitgliede der Familie Lewy annehmen, s» ist auch hierfür keine thatsäckliche Unterlage vorhanden Ernst Winter ist spätestens um 7 Uhr gestorben. Bis dahi" haben aber alle Mitglieder der Familie Lewy ihr Alibi n a ch g e w i e s e n. Was nach 7 Uhr oorgegangen fein Jon, ist hierbei zunächst ganz nebensächlich. Der Oberstaats­anwalt schließt sich den Ausführungen des Ersten Staats­anwalts an und beantragt dasSch u l d i g An­

geklagten wegen Meineids, da schwere Lwersch:uche vor- liegen und da für ihre Behauptungen kein Beweis er­bracht worden ist. m , .... , .

Erster Verteidiger Dr Vo-g e l ergreift bar auf das Wort - Es ist bedauerlich, daß nmn in der jetzigen Sckiwnraerichtsperiode nicht über den oder die Mörder deS Ernst Winter zu Gericht sitzen könne. Statt dessen ver­handle man über Landfriedensbrüche und Meineide. Trotz der Bemühungen aller Behörden ist es nicht gelungen, Sicf)t in das Dunkel der That zu bringen. Auch jetzt ist etx positives Ergebnis nicht erzielt worden, aber der Meinu«- möchte ich doch Ausdruck geben, daß die Familie Lewy bei That dringend verdächtig erscheint. Gleichwohl gebe ich zu, daß politische nUterlagen für diese Behauptungen nicht vorhanden sind. Immerhin kann ich mich der Beweis­führung der Staatsanwaltschaft bezuglisst der Familie Lewy ganz und gar nicht an - schließen. Es muß die That in unmittelbarer Nahe des Mönchsees geschehen sein, und von sachkundiger Seite ist augenscheinlich die Zerstückelung des Leichnams erfolgt. So kommt denn als Thäter entweder Hoffmann oder Lewy in Betracht. Dem Verteidiger kommt es darauf an, fest- zustellen: Ist ein Ritualmord ausgeschlossen ober ist oit Möglichkeit nahe gerückt, daß em solcher verübt worden sein kann? Die Möglichkeit ist vorhanden, und weiteres zu be­haupten, wünsche auch die Verteidigung nicht. Daß sich die Angeklagten bei ihren verschiedenen Vernehmungen mehrfach in' Widersprüchen verwickelt haben, muß zuge­geben werden, aber im allgemeinen sind ihre Angaben doch richtig, und dies treffe auch auf den Angeklagten Masloff zu, dessen Widersprüche nur nebensächliche Punkte betreffen. In der Schuldfrage bezüglich des Masloff ist über die kleinen Widersprüche hinwegzusehen und daß auch Masloff zuerst den Gang der drei Männer nach dem Mönch fee verschwiegen habe, sei erklärlich durch die Furcht des Angeklagten, wegen des Fleischdiebstahls zur Rechenschaft gezogen zu werden. Der Verteidiger beantragt, Maslosi freiz'usprechen.

Rechtsanwalt Hnnrath plattierte noch für Frau Roß Er erklärte die Lewy's für unglaubwürdig uno hält die Wahrnehmung der Angeklagten bei den Lewy» für richtig. In der heutigen Sitzung plattiert zunacW Rechtsanwalt Zielewsky zu Gunsten der Anna Mas­loff. Sie habe zunächst beschworen, was sie von - ihrem Mann und dessen angeblichen Beobachtungen erfahren bat. Wenn diese Beobachtungen von ihrem Manne fE wiedergegeben sein sollten, so habe Anna Masloff oop.

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