Ausgabe 
13.10.1900 Erstes Blatt
 
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ein Rundschreiben gerichtet, in welchem sie anregt, sich gemeinsam beim Reichspostamt für die Einführung einer weiteren billigeren Briefbestellung mit Empfangsbestätigung zu verwenden. Die Brief­bestellung ist so gedacht, daß die Post gegen ein Mehr­porto von 5 (oder höchstens 10) Pf. bei der Ablieferung an den Empfänger sich von diesem eine_ Empfangs­bescheinigung geben läßt und diese zu Gunsten des Ab­senders etwa 6 Monate aufbewahrt, um sie letzterem im Bedarfsfall zustellen zu können. Der Antrag wird auf dem nächsten Hess. Handelskammertag zur Beratung ge­langen.

5. Die Kaiserl. Oberpostdirektion in Darmstadt hat die Kammer um ein Gutachten über den Vorschlag ersucht, Drucksachen, Warenproben und Geschäfts­papiere, die für den Ortsverkehr frankiert und au Empfänger gerichtet sind, die den Ort endgiltig verlassen haben, wenn möglich den Absendern wieder zurückzugeben.

Tie Kammer billigt diesen Vorschlag, sowie den weiteren, Sendungen an Empfänger, die sich nur vorüber­gehend außerhalb des Bereichs der Ortstaxe aufhalten, in die Briefkasten der Empfänger am Orte zu legen oder bei der Bestellpostanstalt bis zur Rückkehr des Empfängers aufzubewahren. Dagegen befürwortet die Kammer, be­züglich der Postkarten es bei dem bisherigen Modus der Nachsendung in den Fernverkehr mit Erhebung von Nach-- fchußporto bewenden zu lassen.

Tie Kammer nimmt von einer Eingabe der Handels­kammer in Frankfurt a. M. Kenntnis und beschließt, ihrer­seits ebenfalls für eine Revision dieses Gesetzes und speziell der Bestimmungen über - das Termingeschäft an zu­ständiger Stelle einzutreten.

Ter Kammer sind Mitteilungen zugegangen bezgl. der Teilnehmer an der Leipziger Messe 1900/01, einer inter­nationalen Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungs­wesen Berlin 1901, der Eröffnung des deutschen Kabels unserer Amerika-Adler-Linie für den Verkehr, Aussichten für die deutsche Industrie in Bulgarien, Absatzgelegenheit für deutsche Drahtstifte im (europäischen) Ausland, deutsch­persische Handelsbeziehungen, Lieferung von Wagen für eine ausländische Eisenbahnverwaltung, Lieferung von Ge­genständen für den landwirtschaftlichen Betrieb nach dem (europäischen) Ausland, das unbefugte Verwerten von deutschen Fabrik- und Handelsmarken, die in Oesterreich- Ungarn eingetragen sind, die Anwendung des englischen Warenzeichengesetzes auf die nach England einzuführenoen deutschen Waren, Warnungen vor Beteiligung an einer Ausstellung im überseeischen Ausland, zweifelhafte Firmen in New-dork, Buenos Aires, London, Valencia und Kairo.

Tiefe Mitteilungen können auf dem Bureau der Kammer von Interessenten eingesehen werden.

Ans Stadt und Fand.

Gietzen, 12. Oktober.

*" Personalnachrichten. Der Gerichtsassessor Dr. Pusch in Gießen wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Gernsheim, der Gerichtsaffefsor Trapp in Gernsheim mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Gießen und der Gerichtsaffefsor Schmidt in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienst­verrichtungen eines Amtsanwalts in Alzey beauftragt.

** Auszeichnung. Auf der Weltausstellung in Paris beteiligte sich, wie schon mitgeteilt, die hiesige Firma H. Sch affst gebt mit einigen Modellen verschiedener von ihr nach eigenem System ausgeführter Volks- und Ar­beiterbadeanstalten in hervorragender Weise, und zwar an einer vom kaiserlichen Gesundheitsamt zu Berlin ver­anstalteten Gruppe, die die Pflege der Wohlfahrt im deut­schen Reiche zur Anschauung bringen soll. Diese Gruppe in ihrer Gesamtheit wurde bekanntlich bei der Prämiierung mit dem Grand Prix bedacht, außerdem aber erhielten einzelne der daran beteiligten Firmen noch besondere Aus Zeichnungen. Unter diesen befindet fich auch die Firma H. Schafsstaedt hier, und zwar wurde ihr für ihre vor­züglichen Leistungen auf dem Gebiete der Gesundheitstechnik überhaupt, nicht minder aber auch für die geschmackvolle und elegante Ausstattung der erwähnten Modelle die Sil­berne Medaille zuerkannt.

** Ortskrankenkasse. Der gestern gemeldete Beschluß der Ortskrankenkasse, betreffend freie Acrztewahl, tritt erst am 1. Januar 1901 in Kraft.

** Unbestellbare Postsendungen. Ueber die Oefsnung und weitere Behandlung un­bestellbarer Sendungen sind vom Reichspostamt neue Bestimmungen getroffen worden. Für diesen Dienst wird ein besonderer Ausschuß bestellt, dessen Mit­glieder vom Oberpostdirektor ernannt werden. Der Aus­schuß hat die Aufgabe, durch Eröffnung der unbestellbaren verschlossenen Postsendungen deren Absender zu ermitteln, sowie die Aufbewahrung und weitere Behandlung der end­gültig unanbringlichen Postsendungen zu übernehmen. Tie Sendungen tverden vom Ausschuß zunächst darauf geprüft, ob ihre Einsendung berechtigt war. Diese Prüfung erstreckt sich einmal darauf, ob die als unbestellbar eingesandten Gegenstände nach den allgemeinen Vorschriften wirklich als unbestellbar anzusehen sind, ob also die Rücksendung von der Bestimmungs- zur Aufgabe-Postanstalt zu Recht er­folgt ist, ober ob noch eine Möglichkeit, den Absender zu ermitteln, bestanden hätte. Bei Sendungen, deren An­nahme verweigert worden ist, wird darauf geachtet, ob die Bestimmungs-Postanstalt einen Vermerk darüber, daß beim Empfänger wegen der Adresse des Absenders Rück­frage gehalten worden sei, nieoergeschrieben hat. In zweiter Linie achtet der Ausschuß darauf, ob die für die verschiedenen Arten von Briefsendungen bestehenden Ver­sendungsvorschriften gehörig beachtet und insbesondere, ob etwa Sendungen zu Unrecht als den Vorschriften wider­sprechend von der Beförderung ausgeschlossen oder zu Un­recht mit Porto belastet und deshalb vom Empfänger nicht angenommen worden sind. Die unrichtig behandelten Sendungen werden der Ursprungsanstalt zurückgegeben. Diese Bestimmungen finden nicht nur auf verschlossene Briefe, sondern auch auf unbestellbare Postkarten, Drucö- fachen, Warenproben und Geschäftspapiere sinngemäß An­wendung.

O Grimberg, 11. Oktober. Aus dec Straße zwischen hier und Lauter ereignete sich gestern Abend nach 8 Uhr ein bedauerlicher Unglücksfall. Der hier wohnhafte Besitzer der WollspinnereiGeorgenhammer" bei Lauter, Herr Godosar, kam mit seinem Fuhrwerk, in dem noch seine Gattin, sowie der schon bejahrte Buchhalter Lang nebst dessen Tochter saßen, vom Georgenhammer zurück. An dem Berg vor Lauter kam der Wagen ins Rollen, da anscheinend die Hemmvorrichtung nicht richtig funktionierte, das Pferd ging durch und der Wagen prallte mit solcher Wucht an einen Kilometerstein, daß das Fuhrwerk umfiel und die Jnsaffen in den Chauffeegraben geschleudert wurden. Herr Godosar und Fräulein Lang erlitten schwere Ver­letzungen, sodaß sie zu Wagen nach Hause gebracht werden und ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten. Frau Godosar erlitt nur einige Hautabschürfungen im Gesicht, während Herr Lang mit dem bloßen Schrecken davonkam. Der Wagen wurde stark beschädigt, das Pferd blieb un­verletzt.

+ Lehnheim, 11. Oktober. Bei der AuSfischung des fiskalischen Teiches bei Merlau wurden, wie berichtet, nicht 6, sondern zwölf Centner Fische, etwa 10 Cemner Karpfen und 2 Centner Hechte, gefangen.

-oe. Alsfeld, 10. Oktober. Heute wurde hier in der Walpurgiskirche die diesjährige Dekanatssynode des evangelischen Dekanats Alsfelo abgehalten. Ten Ver­handlungen ging ein Gottesdienst voraus, in dem Pfarrer Diefenba ch-Eudorf die Frage behandelte:Mit welchem Geiste sollen wir stehen in der Arbeit für Gottes Sache in unseren Gemeinden?" Dann eröffnete Dekan Wöriß- Hoffer die Verhandlungen mit einem Gebete und einer kurzen Ansprache. Zu Schriftführern wurden Pfarrer Sommerlad und Stotz gewählt. Zunächst wurde hier­auf der Bescheid des Großh. Oberkonsistoriums auf die Verhandlungen der vorjährigen Dekanatsshnode verlesen, in dem Großh. Oberkonsistorium sein Einverständnis mit den damaligen Verhandlungen ausdrückt und den Wunsch ausspricht, es möchte in diesem Jahre gelingen, das an­gefangene Referat des Pfarrers Jäger zu Ende au bringen. In die Behandlung dieses Referats wuroe darauf sofort eingetreten. Das Referat selbst war der Synode im vorigen Jahre erstattet worden; es erübrigte nur noch die Diskussion darüber. Um eine solche herbei­zuführen, wies Pfarrer Jäger an der Hand der ein­zelnen Thesen noch einmal kurz auf deren Inhalt hin. Es erhob sich hier und da eine kurze Diskussion, im all­gemeinen war die Synode mit den Thesen einverstanden und nahm sie in dem vorliegenden Wortlaut einstimmig an. Nachdem Herrn Jäger seitens des Dekans für seine

gründliche Arbeit der Dank der Synode ausgedrückt wor- ^en J?nr' ergriff Pfarrer Klingens chmidt- Romrod das Wort zu seinem Vortrage über das von Großh. Ober­konsistorium gestellte Thema:Was sollen der zunehmenden Vergnügungssucht gegenüber Staat, Ärche und Schule zur Herbeiführung einer gesunden Volkserholung thun?" Der geistvolle, scharf durchdachte Vortrag fand bei den Synodalen einhelligen Beifall. Nachdem in der ersten ^.hese von dem Recht und unter Umständen von der Pflicht der Erholung die Rede war, wurden in der zweiten These die Ursachen der heutigen Vergnügungssucht klar gelegt und in der Glaubenslosigkeit wie in den sozialen Ver­hältnissen unserer Zeit gefunden. In den weiteren Thesen wurde dann die Antwort auf die im Thema gestellte Frage bis ins kleinste gegeben und auf die verschiedensten Mittel zur Abwehr der bestehenden Mißstände hingewiesen. Die Diskussion war eine sehr lebhafte und förderte noch manches Interessante zutage. Nach einem von Pfarrer V o l p-Schwarz gesprochenen Schlußgebet wurde die Synode um halb drei Uhr geschlossen. Eine von zwei Synodalen beantragte Resolution gegen das Abhalten von Feuer­wehrtagen an Sonntag Vormittagen, wie es vor kurzem im Kreise Alsfeld geschah, fand bei der Synode keinen Anklang, und wurde der Dekan beauftragt, mit dem Großh .Kreisamt darüber in Verhandlungen zu treten. Bei dem auf die Verhandlungen folgenden Mittagsmahl im HotelKrone" brachte Dekan Wörißhoffer einen Toast aus auf den Großherzog, Pfarrer Volp-Schwarz auf den Kaiser. Die von dem letzten Redner besprochene und empfohlene Schrift von Pros. Warneck-HalleDie deutsche evangelische Mission im Lichte der deutschen Zeitungspresse" wurde von fast allen Anwesender: bestellt.

Darmstadt, 12. Oktober. Zu dem gestern kurz ge­meldeten Hinscheiden des Wirkt. Geimrats Finanzministers i. P. August Weber, Exzellenz, schreibt dieDarmst. Zeitung":

Einem an Arbeit und Erfolgen reichen Leben, das in erster Linie dem Wohle unseres engeren Vaterlandes gewid­met war, hat hier die göttliche Vorsehung ein Ziel gesetzt. Als er vor zwei Jahren aus seinem Amte schied, hatte man dem krästigen Manne nach den Mühen seines schweren Berufs noch eine lange Zeit verdienter Muße gewünscht, doch es sollte anders kommen, ein schweres inneres Leiden suchte ihn heim und die Angehörigen weiter Kreise, denen der Verblichene nahe gestanden, stehen jetzt tief erschüttert an seiner Bahre. Dem Verstorbenen war es vor einigen Jahren vergönnt, seinen 70. Geburtstag unter den ehrend­sten und reichsten Ovationen zu feiern, und hier trat so recht die hohe Wertschätzung und die allgemeine Beliebt­heit Webers zu tage, der in der hessischen Beamtenlauf­bahn bis zu sehr hoher Stufe aufgestiegen war, und jahr­zehntelang eine ungemein rührige und ersprießliche Thätig- keit zum Wohle des ganzen entfaltete. Neben seinem eigentlichen Berufe widmete sich Weber auch mit einem Eifer, der ein besonders warmes Herz für die Sache ver­riet, gemeinnützigen Bestrebungen zum Wohle der Mensch­heit; u. a. war er lange Jahre Präsident des hessischen Rote Kreuz-Vereins, des Jnvaliden-Unterstützungsvereins von 1860 usw. und bewahrte deren Bestrebungen bis zu seinem Ende lebhaftes Interesse.

TerD. Tägl. Anz." schreibt:

Noch im verslossenen Jahre haben wir anläßlich seines 70. Geburtstages den Lebensgang des Hingeschiedenen geschildert und dabei die großen Verdienste hervorgehoben, die er sich au fseiner amtlichen und außeramtlichen Lauf­bahn erworben hat. Sein Heimgang wird nicht nur von seinen zahlreichen Freunden und Verehrern, sondern von allen tief betrauert werden, die zu beurteilen wissen, welche seltene, hervorragende Eigenschaften mit ihm zu Grabe gehen. Ganz besonderer Dank gebührt dem Entschlafenen für die kluge, besonnene und maßvolle Leitung der hessi­schen Staatsfinanzen während seiner letzten vierzehnjähri­gen Amtsthätigkeit als Finanzminister. Was seit seinem Rücktritt auf dem Gebiete der Steuerreform, des Besold­ungswesens, der Förderung aller Zweige der Volkswohl- fahrt geschehen ist, wäre nicht möglich gewesen ohne den günstigen Zustand/ in dem'er die Hessischen'Finanzen ftinem Nachfolger übergeben hat, und die Gerechtigkeit erheischt, dies dankbar anzuerkennen, wenn es ihm auch nicht ver­gönnt war, jene letzten Früchte seines rastlosen Wirkens selber zu pflücken. Sein Andenken wird m Ehren bleiben.

- Finanzminister August Weber war am 31. Januar 1829 geboren. Er war nach Beendigung seiner juristischen Studien zunächst Stadtgerichtsassessor in Darmstadt, dann Hofgerichtsrat daselbst und wurde am 12. Februar 1875

entgegenschreitet, so ist auf den Höhen des ragenden Taunus dem Phomx gleich aus seiner Asche emporgestiegen das alte Römerkastell, ^n Zeuge römischer Macht, ein Glied in der gewaltigen ehernen Kette, die Roms Legionen um das gewaltige Reich gelegt, die SL.ck.a Geheiß eines einigen römischen Imperators, des Cäsar bec Welt ihren Willen aufzwang und die gesamte Welt Kultur eröffnete, die befruchtend vor Allem auf Ger- So weihe ich diesen Stein mit dem ersten Schlage der SEH SL?Va f!,W ^"drich III., mit dem zweiten Schlage der beub erbenden Mus^^^^^^^nden Geschlechtern, die hier in dem neu Z TÖ0en' roo3 ein Weltreich bedeutet, und

KbenTe?n unseres deutschen Vaterlandes, dem es be-

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Ein gedämpfter Beifall erhob sich nach dieser Rede des Kaisers in dem Kreise der Nächststehenden. Wortlos traten die übrigen zum Hammerschlag Zuqelassenen an den Stem, btc Fürsten, die Minister Studt und Posadowsku Herr von Lukanus, General von Lindequist, Herr von Kütten' Baurat Jacobi, Frau von Cohausen/ vor. Dann setzte der Schlußgesang ein. Brausende Hochrufe verkündeten den Schluß der drelvrertelstüudigen Feier.

Hießener Stadttheater.

f-r. Gießen, 12. Oktober.

Einen überaus glücklichen Griff hat unsere Theater Leitung mit der Wahl des gestern abend gegebenen Stückes

gethan.Vasantäsena" nennt es sich, ein indisches Drama des Königs Sudraka. Emil Pohl hat die ver­dienstvolle Aufgabe, dies alte Schauspiel, dessen Ent­stehungszeit man um fast 3000 Jahre zurücksetzt, für unsere Zett umzuarbeiten, in der glücklichsten Weise gelöst. Wir sehen uns im Zeitalter des indischen Königs Palaka. In seinem Reiche gährt es infolge unheilvoller sozialer und gesellschaftlicher Zustände, an deren Verschärfung sein Schwager Samsthanaka, ein despotischer, aber feiger Wüst­ling, größten Anteil hat. Der Hirte Ariaka schürt ins­geheim die revolutionäre Bewegung, von der er seine Er­hebung auf den Königsthron erhofft. Einer seiner An­hänger, der edle, aber völlig verarmte Brahmane Kara- dutta entbrennt in Liebe zu dem reichen Mädchen Vasan- tasena aus der niederen Kaste der Bayaderen. Ta ihr auch Samsthanaka nachstellt, so entsteht ein furchtbarer Konflikt. In seinem Verlaus ermordet er aus Eifersucht die Bayadere und klagt dann Karadutta öffentlich des Mordes an. Karadutta hatte inzwischen eine Zusammen­kunft mit Ariaka gehabt und ihn in Sicherheit gebracht. Als er dann vor Gericht gestellt wird, bekennt er sich, um Ariaka nicht zu verraten und aus Gram über den Tod der Geliebten schuldig. Vasantasenas Sklavin Madanika und sein Freund Majetra proklamieren, um ihn zu retten, über Nacht unter Mithilfe Ariakas die Revolution. Auf dem Wege zum Richtplatz drängt sich plötzlich Vasantasena herbei, die ein Bettelmönch aus ihrem Scheintod erweckt und zu vollem Leben zurückgeführt hat. Sie entlarvt den feigen Samsthanaka, der von dem als Sieger herzu­geeilten Ariaka verbannt wird. Karadutta wird zum Reichs­verweser, Vasantasena zu seiner ebenbürtigen Gattin er­hoben.

Es ist ein Zeit- und Sittendrama voll wunderbarer Kraft Mit oft glühender Poesie der Sprache hat der indische Dichter eine Wahrheit der Empfindung, Cha­raktere und Situationen empfunden, die ihn in die nächste Nähe unserer modernen Klassiker nicht zum mindesten Shakespearescher Gestaltungskraft, Urwüchsigkeit und Humor bringt. Oft geradezu ergreifende Liebes- und Freundesszenen wechseln mit packenden Volks­szenen, wobei die Einheit der Handlung bei einem trotz der Fülle der Gedanken und Ereignisse äußerst schlichten Aufbau in der glücklichsten Weise ge­wahrt bleibt. Man staunt in dem Stücke jenen indogerma­nischen Urhumor zu finden, dessen Formen und Bethatig- ung in den damaligen Indern die Vorfahren des Ger­

manentums erkennen lassen.

Die Aufführung selbst kann, abgesehen von einigen Unebenheiten in Beherrschung der Rollen, eine nahezu mustergiltige genannt werden. Das Zusammenspiel nappte gut, Masken und Szenerie ließen kaum etwas zu wünschen übrig. Herr di Balthyni wurde als Karadutta gegen Schluß sichtlich wärmer. Seine Partnerin, Henny Schoelermann, gab die Rolle der Vafantasena, Herr Liebscher die des Samsthanaka ganz vorzüglich, tväh- renb £>err Ramseyer den treuen derbkomisch^n Majetra und Hennv Wohlbruck die schlagfertige Mandantt« in der ansprechendsten Weise verkörperten. Eine recht natürliche Wiedergabe fand der buddhisttsche Bettelmönch in Herrn Reinhardt. Auch alle übrigen Mitwirkenden füllten ihren Platz aus. Es war ein genußreicher Abend. Die Wiederholung des Stückes dürfte ein ausverkauftes.

Haus sehen.