Ausgabe 
13.10.1900 Erstes Blatt
 
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M. 840 EEes Blatt Samstag dm 13. Oktober IS». Aahraaua isoo

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Gießener Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Nachdem durch Händler vom letzten Viehmarkt in Gießen die Maul- und Klauenseuche in mehrere Orte unseres Kreises aufs neue eingeschleppt worden ist, sind wir im Einvernehmen mit Großh. Kreisveterinäramt Gießen genötigt, den für den am 2S. und 24. ds. Mts. in Meßen vorgesehenen Viehwarkt zu verbiete«.

Gießen, den 11. Oktober 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. __v. Bechtold.__________________

Bekanntmachung

Betr.. Großh. Obstbau- und landwirtschaftl. Winter­schule zu Friedberg.

DaS Wintersemester der landwirtschaftl. Abteilung be­ginnt Montag den 5. November, vormittags 9 Uhr, und endigt Mitte März.

Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an unter­fertigte Direktion zu richten, von welcher auch Programme, sowie WohnungSauSweise und Schülerfahrscheine zu er­halten sind.

Letztere wolle man beizeiten einreichen, damit sie mindestens 8 Tage vor Schulanfang den Bahnämtern der betreffenden Stationen eingehändigt werden können, andern­falls Verzögerung des Giltigkeitstermins zu erwarten ist.

Friedberg, den 1. Oktober 1900.

Großherzogliche Direktion der Obstbau- und landwirtschaftlichen Winterschule.

Dr. von Peter, t

Bekanntmachung.

Betr.: Landwirtschaftliche Vorträge.

Am Sonntag dem 21. Oktober, nachmittags Vs4 Uhr, wird Herr Oekonomierat Leithiger aus Alsfeld in Grüviugeu im Arnold'schen Lokale einen Bortrag überViehzucht, insbesondere Schweine­zucht und Schweinemästung", halten. Ich lade dazu jedermann, der sich dafür interessiert, freundlichst ein.

Gießen, den 9. Oktober 1900.

Der Direktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold.

10. Sitzung Hroßtz. Kandetskammer Kietze« für die Kreise Hieße«, Aksfekd und Lauteröach vom 10. Oktober 1900.

(Protokollauszug.)

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Heichelheim, Balser, Grünewald, Jhring, Katz, Nowack, Ramspeck, Rinn, Schwall und Kommerzienrat Wortmann, sowie der Sekr. Dr. Kehm.

Entschuldigt fehlen die Herren: Kommerzienrat Koch, Dürbeck, Hoos, Moll, Schirmer, Steinecke und Wallach.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Kommer­zienrat Heichelheim, der in Abwesenheit des 1. Vorsitzenden bie Sitzung leitet, zunächst in warmen Worten des kürzlich gestorbenen 2. Vorsitzenden der Kammer, Herrn Richard Scheel. Die Anwesenden erheben sich zum ehrenden An­denken der Verstorbenen von ihren Sitzen.

Gemäß Artikel 17 des Handelskammergesetzes von 1871 schreitet sodann die Kammer zur Wahl eines neuen 2. Vor­sitzenden. Die Wahl sällt durch Acclamation auf Herrn Kommerzienrat Heichelheim, der dieselbe dankend an­nimmt.

1. Aus dem Geschäftsbericht ist hervorzuheben: Zur Linderung der Kohlennot ist die Kammer unterm 21. August erneut bei dem Großh. Ministerium des Innern vorstellig geworden mit der Bitte, dahin wirken zu wollen, daß der für die Ausfuhr von Steinkohlen u. s. f. von den Produktionsstätten nach deutschen Seehäfen und Küsten­stationen geltende Ausnahmetarif auch auf die Einfuhr von deutschen See- und Binnenhäfen nach dem Binnenlande ausgedehnt und gleichzeitig baldmöglichst die erst vor kurzem erfolgte Ausdehnung dieses Tarifs auf die Ausfuhr von Braunkohlenbriquets wieder aufgehoben werde.

Im Jahr 1902 soll eine Industrie- und Ge­werbe-Ausstellung für Rheinland-Westphalen und benachbarte Bezirke in Düsseldorf stattfinden. Auf Wunsch einer Reihe von Interessenten hat die Kammer an den Arbeitsausschuß dieser Ausstellung das Ersuchen gerichtet, die Industriellen des Großh. Hessen oder wenigstens Ober­hessens mit zuzulassen. Ein definitiver Bescheid hierauf steht erst gegen Ende d. I. zu erwarten. Mit der Ange­legenheit wird sich auch der auf den 21. Oktober nach Mainz einberufene Hess. Handelskammertag befassen.

Im Interesse des Holzhandels und der Holzindustrie ihres Bezirks ist die Kammer bei der Königl. Eisenbahn­direktion in Frankfurt a. M. für die Einrichtung von ge­eigneten Holzverladerampen auf den Stationen Eisenbach und Rixfeld der im Bau befindlichen Nebenbahn LauterbachGrebenhain eingetreten. Eine definitive Ent­scheidung in dieser Frage hat die genannte Direktion bis heute noch nicht getroffen.

Das Großh. Ministerium der Justiz hat an die Kammer die Anfrage gerichtet, ob sie an ihrem Anträge, die Ge­meinden Gießen, Klein-Linden, Wieseck und Heuchelheim

als. eine Gemeinde im Sinne des Firmen rechts (§30? H- G. B.) zusammenzufassen, festhalte, wenngleich die ziw Zeit einer Eingemeindung bereits vorhandenen gleiche namigen Firmen so lange als gleichberechtigt neben ein­ander weiterbestehen, bis die eine oder andere Firm« freiwillig für eine Unterstützung sorge. Die Kammer hat sich für Festhaltung an dem Anträge entschieden.

Tie Zentralstelledie Uhr" hat die Kammer um Unter­stützung einer von ihr an den Bundesrat gerichteten Ein­gabe betr. Verbot desHandels>mitUhren,Achmuck- s ach en und dergleichen aufMessen und Jahr­märkten ersucht. Eine Umfrage bei den Interessenten des Kammerbezirks ließ ein Bedürfnis für Erlaß dieses Verbots nicht erkennen. Die Kammer lehnte daher die Unterstützung der genannten Eingabe ab.

2. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Frage der Errichtung einer Reichshandels stelle^ (vergl. Protokollauszug der 9. Sitzung Gr. H. K. Gießen vom 1. August d. I.) In Uebereinstünimung mit den bei der Kammer eingelaufenen Gutachten einer Reihe von Inter­essenten sprach sich die Kammer entschieden für die Er­richtung einer solchen Stelle aus. Der Hauptnachdruck sei indessen nicht auf die Stelle Auskunftserteilung auf Anfrage, sondern auf die spontane Verbreitung der durch systematische Beobachtung und Verfolgung aller für Handel und Verkehr wichtigen Verhältnisse und Vor­gänge im Ausland gewonnenen Kenntnisse an die Inter­essenten (und zwar im direkten, unmittelbaren Verkehr) zu legen. Tie Anstalt sei im großen anzulegen, da sie sonst nur ein weiteres Glied der heute schon bestehenden unvollkommenen Einrichtungen bilden würde. Tie Kosten seien überwiegend von den Handel- und Gewerbetreiben­den selbst aufzubringen, die Heinere Hälfte vom Reich und Berlin (als Sitz des Instituts) zuzuschießen. Dem­entsprechend sei Verwaltung und Aufsicht der Anstalt, wenn auch nicht ausschließlich so doch überwiegend in die Hände der Gewerbetreibenden selbst zu legen.

Tie Frage der Reichshandelsstelle wird auch auf dem nächsten Hess. Handelskammertag erörtert werden.

3. Bezüglich der Frage der Abänderung des Zoll­tarifgesetzes vom 15. Juli 1879 ist die Kammer der Ansicht, daß die geltenden Bestimmungen im wesentlichen sich bewährt haben und darum auch in Zukunft beizube­halten sind. Insbesondere spricht sich die Kammer für die Fortgewährung der zinslosen Zollkredite auf die Dauer von 3 Monaten, sowie für den auch fernerhin zollfreien Eingang der bisher zollfrei eingelassenen Warenumschließ­ungen aus. Dagegen empfehle es sich eine weitere Aus­dehnung der bisher schon die Regel bildenden Verzollung nach dem Nettogewicht auf alle diejenigen Waren, bei welchen sich für die Verzollung ein handelsübliches Durch­schnittsgewicht herausgebildet habe.

4. Die Kammer hat an die hessischen Schwesterkammern

Die Sruvdstemlkgung des Rnchs-Fmes-Muskliws.

Id. Homburg tz. d. H., 11. Oktober.

Heute Vormittag fand auf der Saalburg die Feier der Grundsteinlegung des Neichs-Limes- Mufeums statt. Die Beteiligung von Homburg aus war sehr stark. Hunderte von Fuhrwerken und Taufende von SUßgängern zogen hinauf zur Saalburg. Auch aus der näheren und weiteren Umgebung kam erheblicher Zuzug an gelaßenen Festgästen und an Zuschauern. Eine kombinierte Kompagme des 81. Infanterieregiments hielt neben einer Abteilung des Homburger Bataillons die Ehrenwache an der Saalburg und leistete der großen Gendarmerie-Ab- leilung bei der Absperrung Hilfe. Punkt 11 Uhr setzten

^^ENbläser em: der Kaiser und die Kaiserin hielten nn Vier Panner an der Porta Dooumana. Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und das Gefolge schlossen sich in zweispännigem Hofwagen dem Kaiserpaare an Der Kaiser trat durch die Pforte, begrüßt durch die Notabeln des Kastells und die Krieger. Dann trat in der Retentura der Präsekt vor, neigte sich und hielt eine lateinische An­sprache. Gesprochen wurde dieselbe von dem Schauspieler Schreiner-Wiesbaden. Sie lautet in der Uebersetzung:

Unter glückoerhetßmden Zeichen tritt, erlauchter Kaiser, mit Deiner hohen Gemahlin, ein in daS auf Deinen Befehl erneuerte Kastell Saolburg! Nichts Schöneres, nichts G.ößereö, nichts Erwünschteres als Deine Ankunft konnte unS zu teil werden. Einen glücklichen Ausgang wögen alle Deine Unternehmungen zu Wasser und zu Lande haben, die Du planst zur Mehrung des Ruhmes des Reiches. Der allmächtige Gott möge Dein beiliges Haupt unversehrt bewahren, möge bewahren Deine Gemahlin Augusta Viktoria, deren Name schon eine glückliche Vorbedeutung in sich schließt, und möge bewahren Deine Söhne und Dein Töchterchen, die unter dem Schutz Eurer Penaten die vortrefflichste Erziehung genießen. Doch nicht wage ich, o Kaiser, dich länger zurückzuhalten. Wir bitten Dich, sei

überzeugt, daß Du nirgends auf dem Erdkreise treuere, Dir ergebenere Menschen finden kannst, als die Bewohner des Tanusgebietes."

Nun schritt der Kaiser mit den übrigen Fürstlichkeiten durch das lange Spalier römischer Krieger und Legionäre in den Hof des Prätoriums.

Die zweihundert Sänger unter der Leitung des Hom­burger Kapellmeisters Iwan Schulz stimmten, von sanfter Musik begleitet, dasSalve Imperator" von Dahn-Lachner an. Weihrauchflammen wurden entzündet, die Priester nahmen malerische Stellungen ein, die geladenen Feftgäste erhoben sich und entblößten die Häupter, der Kaiser betrat den Hof des Prätoriums. Voran schritt eine Gruppe germanischer Häuptlinge und kleine Römerknaben streuten Blumen auf den Weg. Der Kaiser trug kleine Generals- unisorm, Prinz Heinrich Admirals-Uniform. An das Gefolge schloß sich wieder eine Gruppe Römer und Ger­manen. Als die Spitze des Zuges vor dem Sacellum an­langte, erhob der Legat (Schauspieler Leffler-Wiesbaden) in purpur- und goldgesäumter Toga die Arme und ries laut:Ave Caesar!" Dann fuhr er in deutschen Jamben fort:Den Hammer hebe, Kaiser der Germanen, daß unterm Klange das Prätorium steigt. In diesem Bau giebst Du der Welt ein Zeichen. Am Schwert die Faust, ein Schirmherr ohnegleichen, bist Du ein Mehrer schaffen­der Kultur. Mit Gott für Ehre, Ruhm und Vaterland."

Hierauf nahmen daS Kaiserpaar und die beiden prinz- lichen Paare auf den mit herbstlichem Eichenlaub gezierten Sesseln neben dem Grundstein Platz. Herr v. LukanuS trat vor und verlas die von Theodor Mommsen verfaßte lateinische Urkunde, die dem Grundstein einverleibt werden sollte. Mommsen selbst hatte aus Gesundheitsrücksichten der Feier fern bleiben müssen.

DaS Dokument in Metall gestochen, hat den folgenden Wortlaut, dem wir die Uebersetzung beifügen:

Castellum limitaneum Saalburgense

A Romanis imperatoribus conditam Ad fines contra Germanos tulandos Labente Romano Imperio a Germanis excisum post sedecim saecula

Ad deolarandam disoidiorum vetustorum memoriam Subsecuta populonim concordia

Ruderibus quae superfuerunt religiöse servatis Quae interierunt ad form am antiquam instaurati« Museo antiquitatum limitanearnm adiecto Anno imperii deoimo tertio In memoriam patris imperatoris Friderici HI.

Restltuit

Gnilelmus II. Imperator Germanornm.

A. MDCCCC. D. OCT. XL

Theodoras Mommsen.

(Das Limes-Kastell der Saalburg, von den römischen Kaisern zum Schutze der Grenzen gegen die Germanen erbaut und von den Germanen beim Zerfall des römischen Reiches zerstört, hat nach sechzehn Jahr­hunderten zur Erinnerung an die alten Kämpfe, nach erfolgter Eintracht der Völker, unter pietätvoller Bewahrung der Ueberreste und Wieder­herstellung des Vernichteten in der alten Form sowie unter Beifügung eines Museums der Limes-Antiquitäten, zum Gedächtnis seines Vaters, des Kaisers Friedrich III., wiederhergestellt: Wilhelm II. Kaiser dec Deutschen. Im Jahre 1900, 11. Oktober).

Der nächste Redner war Kultusminister Studt. Er verlas eine deutsche Urkunde, die auf Veranlassung des Kaisers dem Grundstein beigegeben wird. Der Kaiser unter­zeichnete hierauf das Pergament und las die Metallplatte. Dann fügten die Maurer die Metallkiste ein und füllten die Fugen aus, der Kaiser verstrich den Mörtel, der Stein wurde daraus gewälzt, der Kaiser ergriff den Hammer und hielt folgende Rede:

Der erste Gedanke am heutigen Tage schweift zurück in wehmuts­vollem Danke an meinen unvergeßlichen Vater Karser Friedrich III Seiner Thatkraft, seinem schaffensfreudigen Wollen verdankt die Saal­burg ihr Entstehen. Gleichwie im fernen Osten der Monarchie die ge­waltige Ritterburg, die einst die deutsche Kultur in den Osten verpflanzte, auf sein Geheiß wieder neu erstand nnb nunmehr ihrer Bollendurrg