Ausgabe 
13.10.1900 Erstes Blatt
 
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Ministerialrat im Ministerium des Innern. Am 1. August 1884 folgte er Schleiermacher im Präsidium des Finanz­ministeriums und wurde später Finanzminister. Im Jahre 1898 trat er gleichzeitig mit Finger in denorRuhestand. Todesursache ist ein Krebsleiden gewesen.

Eberstadt, 9. Oktober. Ein hiesiger Arbeiter, der sich vor einigen Tagen in Darmstadt ein Sittlichkeitsvergehen zu Schulden kommen ließ, hat sich gestern aus Furcht vor Strafe in Käferth al bei Mannheim von einem Eisenbahn- zuge überfahren lassen, was den sofortigen Tod zur Folge hatte.

Worms, 9. Oktober. Die Einführung des neuen Direktors des Gymnasiums und der Real­schule, Dr. Theodor Walter, fand heute morgen vor Lehrerkollegium und Schülern, sowie in Anwesenheit zahl­reicher Ehrengäste, darunter die Vertreter der Behörden und der Stadtverwaltung, im Festsaal des Gymnasiums in feierlicher Weise statt. Nach einem ansprechenden Musik- vortraae des Dr. Scheuermann hielt der Vertreter der obersten Schulbehörde, Geh. Oberschulrat N o d n a g e l, die Einsührungsrede. Namens der Kollegen hieß Pro­fessor Rahn als dienstältester Lehrer den neuen Direktor herzlichst willkommen. Nun erhob sich der neue Direktor Walter und hielt eine längere Antrittsrede. Den Schluß der Schulfeier bildete ein zweiter Musikvortrag.

Mainz, 10. Oktober. In dem benachbarten Weisen'au wurde eine Falschmünzer - Werkstätte aufgefunden. Der Falschmünzer, ein Schuhmacher namens Wettig, aus Hattenheim gebürtig, wurde verhaftet. Wettig ist wegen Falschmünzerei schon vorbestraft.

Mainz, 9. Oktober. Bei der Anlegung eines Bau- schachtes im Gartenfeld sind vor einiger Zeit eine Anzahl römischer Funde, als Gefäße, Näpfchen, Lämpchen usw. mit Stempel und Namen versehen, gemacht worden; u. a. wurde auch ein bläuliches Kugelglas gefunden, welches die eingeritzte Inschrift: PVERMISCET VEP . . . trug. Die Inschrift lautet: puer misce tu ep (otapo),Knabe, mische du den Wein, ich werde ihn austrinken."

Allgemeiner Deutscher Bäderverband.

Tie neunte Jahresversammlung des All­gemeinen deutschen Bäderverbandes wurde am 9. Oktober im Bad Wittekind beiHalle a. d. S. eröffnet. Oberbürgermeister a m E n d e - Bad Pausa, führte in Vertretung des am Erscheinen behinderten ersten Vor­sitzenden, Geheimrats Dr. Wagner- Salzungen, den Vorsitz.

In die Tagesordnung eintretend, gab zunächst Dr. Lange-Halle-Wittekind einen Ueberblick über die ge­schichtliche Entwickelung des Bades Wittekind. Hiernach sprach Staatsrat Prof. Dr. K o b e r t - Rostocküber den Wert balneologischer Demonstrations-Ob- jekte an den deutschen Hochschulen". Er führte aus, daß der Unterricht in der Bäder- und Kurortslehre Lrg darniederliege. Was ihn beleben könnte, sei: a. ge­eignetes, bis jetzt fast ganz fehlendes Unterrichtsmaterial,

namentlich demonstrativer Art, als Modelle, Bilder, Karten, graphische Darstellungen, Quellprodukte usw.; b geeignetes spezialistisch vorgebildetes Lehrpersonal und ein eigener Lehrstuhl, der außer mit der Bäder- und Kur­ortslehre nur noch mit Klimatologie und Hydrotherapie belastet werden darf; c. alljährlich wiederkehrende Ex­kursionen in die den einzelnen Universitäten nicht allzu­fern liegenden Kurorte und Bäder.

Im Anschluß hieran gab Sanrtätsrat Dr. Engel­mann-Kreuznach einen Berichtüb er d ie Lie f erun g von Demonstrationsobjekten der Bäder an die Universitäten" und brachte die Fassung folgen­der Resolution in Vorschlag:

Der Allgemeine Deutsche Bader-Verband begrüßt warm das Vorgehen des Professors Jacobi zu Göttingen zur Beschaffung von Demonstrationsmaterial für die bal- neologischen Vorlesungen auf den Universitäten und spricht dem Herrn Professor seinen verbindlichsten Dank aus. Er erkennt darin einen wesentlichen Faktor zur Hebung des balneologischen Unterrichts und giebt der Erwartung Aus­druck, daß die anderen deutschen Universitäten dem Bei­spiele Göttingens nachfolgen werden. Er erwartet von den Verwaltungen der deutschen Badeorte, daß dieselben dem Beispiele Kreuznachs folgen und sämtlichen Universi­täten ein möglichst vollständiges Material zur Verfügung stellen werden. Der Deutsche Bäder-Verband erklärt sich bereit, die Vermittlung zwischen Universitäten und Kur­orten zu übernehmen und beauftragt seinen Gesamt­vorstand, nach dieser Richtung die geeigneten Schritte zu thun". , .

Nach einer lebhaften Aussprache fand die Resolution ein st immige Annahme.

Einen weiteren Vortrag hielt Dr. Axel Winckler- Bad Neundorf überdas Korrigieren von Mine­ralwässer n". Die in den Handel gebrachten Mineral­wässer unterscheidet man jetzt als natürliche, künstlich^ und halbnatürliche oder korrigierte Mineralwässer, d. h. solche, denen man einen Teil ihrer natürlichen Bestandteile künst­lich und absichtlich entzogen, oder denen man neue Sub­stanzen, seien es Gase, Salze oder sonstige Chemikalien, hinzugefügt hat. Zumeist ist das Korrigieren bei solchen Mineralquellen üblich geworden, die als Tafelwässer oder Luxuswässer dem Genüsse dienen sollen. Heilquellen wer­den selten korrigiert. Die Prozedur erfolgt hauptsächlich durch Abscheidung des Eisens aus dem Wasser, durch Salz­zusatz und Imprägnierung mit Kohlensäure. Die Wirkung dieser Manipulationen stellt sich als eine tiefgreifende Ver­änderung des Mineralwassers dar. Es giebt in Deutsch­land noch keine gesetzliche Bestimmung, welche die An­preisung eines künstlich veränderten Mineralwassers als ein natürliches verböte. Ob das Gesetz gegen den un­lauteren Wettbewerb ein genügender Schutz der natür­lichen Mineralwässer ist, wird der Ausgang des noch schwe­benden Apollinaris-Prozesses lehren. Redner erklärt, daß er das Korrigieren von Tafelsäuerlingen an und für sich durchaus nicht tadele, sondern nur die Täuschung mifc billige, die der begeht, der solche Halbfabrikate als natür- I liche Mineralwässer in den Handel bringt. Sachliche Be- | denken erregt das Korrigieren von Thermalwässern. Wenn

die gleichen Mißbräuche auch noch auf dem Gebiete betf Heilquellen einreißen, ss wird es mit dem Ansehen der Mineralquellen und der Mineralquellen-Lehre rasch ab­wärts gehen. Redner fordert auf, dafür zu sorgen, daß der gute Ruf der deutschen Mineralquellen nicht durch Uebergriffe einer rücksichtslosen Industrie geschädigt werde.

Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen.

40. Woche vom SO. September bis 6. Oktober 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitszifserj: 14,67%0, nach Abzug der Ortsfremden 8,38«/«.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

' 1. Lebensjahr: 2.15. Jäher

Lungenschwindsucht 2 2

Gehirnschlagfluß 11

Nierenentzündung 11

Tnberkulose des Herz-

beutels 1 (1) 1 t1)

Furunkulose 1 (1) 1 (1) ~

Ueberfahren _______1 (1)______________________1 W

Summa: 7 (3) 5 (1) 2 (2)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der TodesMe in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Frankianer BSt*ee vom 11. Oktober.

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Dienstag den 16. Oktober, vormittags ll3/t Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeits­beschreibung und Bedingungen liegen bei uns auf Zimmer Nr. 6 zur Ein­sicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bis zum genannten Termin eiuzureichen.

ZuschlagSfrist 18 Tage.

Gießen, den 10. Oktober 1900.

Das Stadtbauamt.

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Vergebung.

Für das Großh. Pcoomzial-Arreft- haus dahier soll die Lieferung von ea. 10 000 Kilo abgetrock­neter, guter Tpeisekartoffelu irn Verbindungswege vergeben werden.

Versiegelte Angebote und Proben sind kostenfrei bis zum Eröffnunqs- termine Mittwoch den 17. Ok­tober 1900, vormittags 10 Uhr, auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft dahier Justiz­gebäude, Zimmer Nr. 43 nieder- zulegen.

Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Minifterial- erlaß vom 16. Juni 1893, das Ver­dingungswesen betr., enthaltene all­gemeinen und den von dem Unter­zeichneten ausgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Kanzln Großh. Staatsanwaltschaft eingesehen und gegen Erstattung der Schreib- gebühren bezogen werden können.

Der Zuschlag bleibt 3 Tage Vor­behalten.

Gießen, 25. September 1900.

Der Großh. Oberstaatsanwalt.

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