Ausgabe 
13.7.1900 Zweites Blatt
 
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Dienste an der Kammer.

Deutsches Keich.

Berlin, 11. Juli. Aus Bergen in "Norwegen wird vom heutigen Tage gemeldet: Die kaiserliche Yacht Hohenzollern" mit dem deutschen Kaiser an Bord

ans dem Protokoll der 8. Sitzung Hroßh. Kandets- kammer Hießen für die Kreise Hießen, Alsfeld nnd Lautervach vom 10. Juli 1900.

Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Tür­ke ck, Kommerzienrat Heichelheim, Ho os, Ihring, Moll, No wack, Ramspeck, Schirmer, Schm all. Entschuldigt fehlen die Herren: Sch)eel, Balser, Grüne­wald Katz, Rinn, Steinecke, Wallach, Kommerzienrat Wort-

ist heute nachmittag hier eingetroffen. Die: Nordland­reise des Kaisers ist vorläufig! bis zum 6. August ge­plant, doch ist eine Abkürzung bei der herrschenden politi­schen Lage nicht ausgeschlossen.

Wie dieNordd. Allg. Ztg." erfahrt, ist die Mel­dung eines englischen Blattes, daß die Rede des Kaisers bei der Abfahrt der Marineinfanterie aus Wilhelmshaven ein D e p e s ch e n w e ch s e l mit der Königin von Eng­land vorangegangen sei, unbegründet.

DerNational-Zeitung" zufolge wird das Post­check-Verfahren nicht ein geführt. ^e Regie­rungs-Vorlage, durch die der Reick)skanzler ermächtigt wer­den sollte, das Verfahren einzuführen, wurde bekanntlich vom Reichstage wesentlich umgestaltet. Die Gebühren wur­den beinahe gänzlich beseitigt und die Verzinsung ber Ein­lagen aufgehoben. Wie jetzt aus wohlunterrichteten Kreisenj verlautet, beabsichtigt der Reichskanzler nicht, von der ihm erteilten Ermächtigung, das Postcheck-Verfahren emzu- führen, Gebrauch zu machen. Ob dem Reichstage eine neue Vorlage unterbreitet werden soll oder ob der ganze Plan als endgiltig geschmettert zu betrachten ist, ist noch ungewißmosd, 11. Juli. Die Mutter des Lippe'schen Grafregenten, verw. Gräfin Adelheid zur Lippe - Biesterfeld, geb. 18. Juni 1818, ist heute gestorben.

Nürnberg, 11. Juli. Der Fleis ch e r v e r- bandstag beschloß beim muntM unb

schriftlich um Erweiterung der in der kaiserlichen Verord­nung vom 27. März enthaltenen Hauptgewahrsm angel vorstellig zu werden. Der Verbandstag beschloß ferner eine Resolution dahingehend, daß er das Gutachten des Reichsgesundheitsamts, betreffend den Zusatz vor Praeserve- salz zu Fleisch nicht als maßgebend ansehe und den Prae- ervesolzzusatz als Produktionsfortschritt betrachte.

2. Handelskammergesey. L>en Robbau fertig dastehen; dann sollen die vorigen «roenen

stand der Beratung bildete der von der Handelskammer I ? cj.riet.en werden. Trotzdem unsere Gemeinde finanziell

Mainz ausgearbeitcte und dem Ministerium des Innern I 0 1$ « steht, so war sie doch nach dym Vorschlag

unterbreitete Entwurf eines neuen Handelskammergesetzes. | mcht sehr günstig steyi, ]u rviu v

9*o erfolgen.

* Die Vorstellungen des CirkuS Althoff nehmen fort­gesetzt das Jntereffe des Kurzweil suchenden, allerdings in den letzten Tagen auch an Veranstaltungen anderer Art stark interessierten Publikums in Anspruch. Neben den üblichen Reitkünsten, Dressuren von Pferden und Lunden, sowie den immer belachten Späßen der ClownS, bot das gestrige Programm einige mit verdientem BeifaL aufaenommene Neuheiten. Die rugendlichen Geschwister Baven leisteten sowohl als Tänzer wie als Trapezkünstler vorzügliches. Der Jockey Reiter Richter erntete mit seinem Tric" mit verbundenen Augen und einem über den Kopf gezogenen Sacke auf galoppierende Pferde zu springen, volle Anerkenunng. Die Nummer wird, wie uns mitgeteilt wurde, heute abend wiederholt. Originell und belustigend inbezug aus Instrumente waren auch die Leistungen der musikalischen ClownS Gebrüder Marzelly. Für die noch bevorstehenden Vorstellungen hat die Direktion einige Glanz­nummern vorbereitet. Den Abschluß der heutigen Vorstel­lung wird eine Pantomime:Das Zigeunerlager oder daS geraubte Försterskind" bilden. . .

-X- Klei-.Lindm, 12. Juli. Bor ewigen Tagen wurde in unserem Ort mit dem N e ud au - .n-s S chu Hause- begonnen, da« an das im Jahre 1893 ewg-w-,ht- Schul- Hau« angebaut wird. Es werden zwe, Schulsale und zwe, Lehrerwohnungen neu hergestellt, sodaß da« Gebäude stückig wird. Die Erdarbeiten hat Schachtmeister Weimer. Gießen übernommen, während Maurermeister Bernhardt von hier Ull vvv 0lullllhVM r , die Maurerarbeiten aussührt. Bis zum Herbst wird der

Hanbelskammergesetz. Den Hlruptgegen- I - « fertig dastehen; dann sollen die übrigen Arbeiten **4fSo** ker Handelskammer I ^^schrieben werden. Trotzdem unsere Gemeinde finanziell

Der Entwurf ist in der Hauptsache in Anlehnung an daK neue preußische Handelskammergesetz vom 19. August 1897 abgefaßt und bringt gegenüber dem geltenden Gesetze wesentliche Verbesserungen. Namentlich sind Wahlberech­tigung und Wählbarkeit näher präzisiert und erweitert; den Handelskammern ist juristische Persönlichkeit verliehen; sie sollen in der Regel bei jeder Handel und Industrie be­treffenden Angelegenheit gehört werden u. s. f. Die Kammer ist mit deut Entwurf im großen ganzen einver­standen und wird ihn, bei der Regierung mit einigen Ab­änderungsvorschlägen befürworten.

3. Lagerplatzmiete. Von der Eisenbahnbetriebs­inspektion I in Gießen ist an einige Firmen der Holz­branche, die auf den ersterer unterstellten Stationen Lagerplätze in Benutzung haben, ein Rundschreiben er­gangen, in dem ihnen eitze Erhöhung der Lagerplatzmiete um 50 bis 100 Prozent angezeigt wird. Die betreffenden Firmen wandten sich an die Kammer mit der Bitte um Intervention. Angesichts des Umstands, daß die Lager­platzmieten der genannten Inspektion ohnehin schon sehr hoch! sind, z. T. erheblich höher als anderwärts,, beschloß die Kammer, im Sinne einer Beibehaltung der bisherigen Mietsätze an zuständiger Stelle vorstellig zu werden.

4. Ursprungszeugnisse nachderTürkei.Von dem Kais. Ottomannischen General-Konsulat in Frankfurt am Main wurde der Kammer mitgeteilt, daß Sendungen aus Deutschland nach den Gebieten der Türkei künftig eines in duplo auszufertigenden Ursprungszeugnisses be­dürfen, das gegen eine Gebühr von Mark 5,60 von dem genannten General-Konsulat legalisieren zu lassen ist.

5. Die Zentralstelle für Spiritus-Ver- w e r t u n g in Berlin hat den Versuch, unternommen, freu Kleinverkaufspreis des von ihr zum Vorzugspreise zu be­ziehenden Brennspiritus zu normieren, indem sie den Vor­zugspreis nur denjenigen Detaillisten bewähren will, die sich verpflichten, per Liter höchstens 3 dis' 5 Pfg. Aufschlag zu nehmen. Der hiesige Detaillistenverein hat alle hiesigen beteiligten Firmen, sowie auswärtige Detaillistenverbänd« ersucht, diese Verpflichtung nicht einzugehen und die Han­delskammer gebeten, seine Bestrebungen in geeigneter Weise zu unterstützen. Die Handelskammer war der An­sicht, daß ein obrigkeitliches Einschreiten gegen das Vor­gehen der Zentrale unmöglich ist, beschloß aber, der Re­gierung über den Fall Bericht zu erstatten.

6. Eingan gsstelle für ausländisches Pö­kelfleisch. Das Kreisamt Gießen hat bei der Handels­kammer angefragt, ob für die hiesige Zollstelle die Er- richtung einer Eingangsstelle für ausländisches Pökelfleisch im Interesse der Jndusttie des Kammerbezirks erwünscht sei. Die Kammer verneinte die Bedürfnisfrage für bw genannte Institution mit bem Hinweis, baß Pökelfleisch l bisher hier nicht eingeführt worben unb eine nennens- I werte Einfuhr auch, für bie Zukunft nicht anzunehmen fei, 7. Aus den Einläufen ist ein verttaulrches Smuv- schreiben desjReichDamtsdesInnernbetr. bidrussischeit Kredit- unb Rechts-Verhältnisse, sowie eine Liste von zweifelhaften Firmen im Auslande (Genua, Neapel, Buenos Aires, Rubaix, Croix) hervorzuheben. Die­selben können von Interessenten auf dem Bureau der Kam­mer eingesehen werben.____________________

1. Aus bem Geschäftsbericht ist hervorzuheben, baß bie Kammer bezüglich bes Gutscheinhandels wie zuvor schon beim Bunbesrat, so unterm 22. Juni auch beim Ministerium bes Innern vorstellig geworben ist. Die Kammer sprach, bie Bitte aus, bas Ministerium möge mit allen Mitteln auf bie Beseitigung bes Gutscheinhanbels, insbesonbere bes Hybrawesens, hinwirken unb namentlich im Bunbesrat für ein gänzliches Verbot besselben ein- treten. Auf biese Eingabe hat bas Ministerium zwar an­erkannt, baß die derzeitigen gesetzlichen Bestimmungen keme ausreichende Handhabe gegen das in Rede stehende v - denkliche Treiben bieten, hat es aber vorläufig für empfehlenswert erachtet, sich auf obrigkeitliche; Warn ungen des Publikums in den Kreisblättern zu beschranken.

' Vor Eintritt in die Tagesordnuna begrüßt sodann ber Vorsitzenbe den neuen Sekretär der Kammer, Dr. Kehm, bisher Assistent ber Handelskammer in Stuttgart, ber seit dem 3. d. Mts. die Führung der Sekretariats schäfte übernommen hat, und dankt dem bisherigen S - kretär, Gerichtsaccessist Schlosser, für seine treuen

Aus Stadt Md Land.

Gießen, 12. Juli 1900.

* Personaluachrichten. Der Professor Dr. Karl SHe­ring wurde zum Rektor der Technischen Hochschule für die Zeit vom 1. Septemaer 1900 bis zum 31. August 1901 ernannt; der Bezirksseldwebel bei dem Bezirks-Kommando Darmstadt II Carl Ruppel zu Darmstadt wurde zum Kanzlisten beim Ministerium des Innern mit Wirkung vom 1. Juli an ernannt; den Fabrikarbeitern Jakob Wißmann und Justus Leisler, beide zu Darmstadt, wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der InschriftFür treue Arbeit" verliehen. .

* Zahlmeister Roltz vom 2. Bataillon unseres Regiments hat heute mittag seine telegraphische Einberufung als Vor­stand derKriegskasse des Expeditionskorps für China erhalten.

* Konzert. Morgen abend findet das erste Konzert des Kruse'schen Streichquartetts in Kruse's Saalbarr in Heuchelheim statt, die nächsten Konzerte an den fol­genden vier Freitagen. Die Rückfahrt nach Gießen kann

Kuskmd.

Brüssel, 11. Juli. DerGazette" zufolge habe die Staatsanwaltschaft gegen Sipibo einen Haftbefehl erlassen. Der Staatsanwalt glaubt, baß Sipibo Belgien nicht verlassen hat. .

Paris, 11. Juli. Der Semeprafekt hat gegen den Stabtrat Gaston. M e r y, Rebakte>ur b,er|Libre Parole",ber in ber gesttigen Sitzung sich in Ausfällen gegen ben Pra- sibenten ber Republik erging, Strafanzeige beim Staats­anwalt erstattet. Gastvn Mery hat einem sozialistischen Rebner zugerufen:Sprechen Sie boch von Ihrer gegen­wärtigen Republik, von Ihrer aus Panamisten unb Juben zusammengesetzten Schgnbregierung!" Der Semeprafekt, de Selbes, hatte sich sofort erhoben unb erklärt, er werbe bie Beleibigung zur strafgerichtlichen Verfolgung bringen.

Infolge ber letzten Kammerskanbale wirb zwischen den Antisemiten L a s i e s unb G e r a u l t Ri ch a r b von berPetite Republique" ein Säbelbuell stattsinben.

Gmunben, 11. Juli. Das Großherzogspaar von Baben reiste heute früh nach Karlsiruhe ab. Der Kronprinz von Griechenlanb unb bas Prinzenpaar von Hessen reisten mittags nach München ab.

Bubapest, 11. Juli. Der Senat der Universität relegierte 18 Studenten wegen Jndex-Fäl- sch ung^ fjießgeg Platt veröffentlicht einen Geheim­erlaß ber Regierung an bie Komitatslbehörben, ber die offizielle Beteiligung an bem bernnächst stattfinden Jubiläum ber 900jährigen Gründung der katholi­schen Kirche sttengstens verbietet, nicht nur well der Hochllerus Regierung und Parlament zur Feier nicht geladen hat, sondern weil diese Feier auch einen mit dem Regierungsstandpunkte unvereinbaren politischen, nämlich klerikalen Charakter tragen wird. Auch darf üur einer beschränkten Anzahl Beamten behufs privater Teil­nahme an der Jubiläumsfeier Urlaub gegeben werden.

Konstantinopel, 11. Juli. Die r u s si sche B o t- schaft überreichte gestern der Pforte eine Note in der sie darauf drängt, daß die Pforte den türkischen Konsuln im Kaukasus den Befehl erteilt, die P ä s s e von ungefähr 3000 armenischen Kaufleuten, die sich unter den 40 000 armenischen Flüchtlingen befinden und nach der Türkei zurückkehren sollen, mit bem hierzu notwenbigen Visum zu versehen.

N ew y o r k, 11. Juli. Der b e u tsch»-am eri ka n i sche Reziprozitätsvertrag ist gestern unterzeichnet worben.

Zentral-Comite vom Roten Kreuz vorgehen. Zu der T eil­nah m e Bayerns an ber China-Expebition erfahrt das Berl. Tagebl.", baß an Bayern die Anfrage gerichtet worden sei, ob es bereit wäre, die Stellung eines kr i e gs- starken Infanterie-Bataillons zu übernehmen, worauf bejahend geantwortet wurde. Das Bataillon wird 800 Mann zählen und sich nur aus Freiwilligen der Infanterie und Jägern zusammensetzen. Auch zu den drei Escadrons sowie zu vier Batterien, die für China be- sttmmt sind, werden einzelne bayrisck)e Freiwillige an­genommen. , _ .

Nach, der Abfahrt des Kaisers nach Norwegen und nachdem unmittelbar darauf der Kreuzer Bussard bie Fahrt nach China angetteten hat, ist es im Kieler H vfen etwas ruhiger geworben. Die Arbeiten auf ben Werften dauern aber fort, teils weil die für die Kriegs-Uebungen | in Dienst zu stellenden Schiffe fertig gestellt werden, teiL? I weil weitere Entsendungen nach! China zu erwarten sind. I

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Wie dieHamburgische Börsenhalle" meldet, hat die 1 Hamburg-Amerika-Linie mit dem Reichsmarmeamt einen I Vertrag betreffend Charterun g dreier Dampfer I zu Trausportzwecken nach. China abgeschlossen.

Wie verlautet, soll Generalleuttiant v. L e s s e l, Kom- I mandeur der 28. Division, zum Kommandeur des Expe- I ditionskorps für China und zum Stabschef Oberstleutnant I Gündel vom Großen Generalstab ernannt worden sein. 1

Der australische Kolonialminister telegraphierte! dem englischen Premierminister von Neusüdwales, daß die I deutsche Regierung uni die Erlaubnis zum Ankäufe I australischer Pferde für China nachgesucht habe. I Chamberlain fügt hinzu, er werde sich freuen, wenn den I deutschen Agenten jede Erleichterung zu diesem Zweck ge- I währt würde.

DerPerseveranza" zufolge beabsichtigt die i t a l i e n - 1 ische Regierung die Absendung zweier weiterer Kriegs- I schiffe und eines dritten Bataillons Infanterie nach fi!hina. I

Es bestätigt sich, daß General Voyron Oberbefehls- I Haber ber französischen Truppen in China wirb I nnd baß ihm bie Generäle Baillard unb Frey zur Führung I der Brigaden unterstellt werden. Vize-Admiral Pottier I wird den Befehl über die Flottenmachzt führen. >

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Telegramme bei Gieheuer Anzeigers

Hamburg, 12. Juli. Das Reichs-Marineamt unter- I handelt mit der Amerika-Linie wegen Ueberlassung von I 20 Dampfern für Truppen-Transporte nach! China.

London, 12. Juli.Daily Expreß" meldet aus I Shanghai: Der Gouverneur von Kanton habe an den eng- I lischest Konsul in Shanghai telegraphisch berichtet, zwei! Gesandtschaften seien am 5. Juli noch unversehrt I gewesen und mehr als die Hälfte ber Angreifer hätte sich I zurückgezogen. Das Blatt fügt hinzu, ba ber chinesischie I Kalenber mit bem Gregorianischen um vier Tage differiert, I so ist wahrscheinlich unter bem 5. Juli ber 1. Juli zu I verstehen.

L o n b o n, 12. Juli.Daily Mail" meldet aus Tient- I sin, bie internationale Garnison habe große I Mühe, ben Chinesen stanbzuhalten. Hilfe sei um- I gehend notwendig.

London, 12. Juli. Wie aus Shanghai gemeldet wird, erklärten aus Tientsin geflüchtete Personen, zahl­reiche Häuser seien von den russischen Truppen geplündert worben. Frauen unb Kinder hätten vor ihnen dieselbe Angst gehabt, wie vor den chinesischen 5)or- den. Russische Offiziere seien gezwungen gewesen, einige Soldaten mit dem Revolver zu erschießen.

London, 12. Juli. Ein Telegramm derCentral- News" aus Shanghai vom Dienstag lautet: Von bester Seite verlautet, daß ber Kaiser lebt unb sich wohl befindet. Er verfolgt die gegenwärtige Krisis mit ge­spannter Aufmerksamkeit. Die Kaiserin-Witwe ist eben­falls am Werke, um die Orbnung im Reiche wiederher­zustellen.

London, 12. Juli. EinTimes"-Telegramm aus Shanghai meldet: Der Eisenbahn-Präsident Sheng teilte den Konsuln mit, er habe eine Depesche erhalten, wonach die Gesandtschaften am 5. Juli noch aushielten rmd die Zahl der Boxer sehr zurückgehe.

Paris, 12. Juli. General Bailloud, der im Ma- dagaskar-Feldzuge dem Etappendienst Vorstand, und nach | dem Kriege von Faure als Generalsekretär ins Elysee be- < rufen und von Loubet auf diesem Posten belassen wurde, ist zum Unter-General Voyron's ernannt woroen. Auch der zur Zeit in Cochin-China kommandierende General Frey wird Unter-General Voyrons. Die Enösernung Baillouds vom Elysee bedeutet die Besetzung dieses wichti­gen Postens mit einem Republikaner vom Schläge jBruge^es und Andres. Frankreichs ostasiatische Macht zur /See toirb Hinter das Kommando des Admirals Pottier ge­stellt, der 1898 vor Kreta die europäische Flottille befeMgte.

Petersburg, 12. Juli. Hier hält sich hartnäckig das absolut unglaublich! klingende Gerücht, daß aus eine persönliche Anfrage Kaiser Wilhelms der Zar den Durchzug und Transport deutscher Truppen aus der europäisch^rnssischen und sibirischen Eisenbahn im Bedarfsfall bis zu zwei Armee-Korps gestattet habe. That- säck;lich ist nur die Ordre an das Eisenbahn - Ressort ergangen, darauf vorbereitet zu fein, daß die sibirische Eisenbahn auf den ersten Befehl hin für den Privat-Verkehr geschlossen werden könne und daß das nötige rollende Material für protze Truppen-Transporte zur Stelle fei. Die Krlegsbewegung ist hier völlig unpopulär. Der Zar wird von der Regierung bestürmt, sich auf die notwendigsteii Defensiv-Maßregeln und den Schutz der Russen in China zu beschränken. In Wirklichkeit hätte ouch ein offener Krieg mit China für Rußland bei ber riesigen Ausbehnung seiner chinesischen Grenzen große Lasten unb Opfer im Gefolge.

NewYork, 12. Juli. Diechinesische Gesandt­schaft in Washington wird von der Polizei bewacht. Der chinesische Gesandte übermittelte dem Staatssekretär ein Telegramm aus Peking, in dem mitgeteilt wird, die Freinden in Peking seien in Sicherheit.