Ausgabe 
13.7.1900 Zweites Blatt
 
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des KreiSamteS sofort bereit, den Neubau in Angriff zu nehmen.

Q Holzheim, 12. Juni. Gestern wurde hier unter all­gemeiner Beteiligung der Bewohner ein Missionsfest ge« feiert. Auch aus den Nachbarorten waren zahlreiche Fest­teilnehmer erschienen. Nächsten Dienstag (17. Juli) soll in Lang-Göns ebenfalls ein MissionSfest stattfinden.

-b- Friedberg, 12. Juli. Der Neubau unseres Gymnasiums (Augustinerschule) steht nun als Rohbau ziemlich fertig da. Er befindet sich in der Ludwigstraße, einer der schönsten Straßen Friedbergs. Durch seine Massigkeit und die Vielfältigkeit des Baustils, besonders an den Ecktürmchen, macht das Gebäude schon jetzt einen im­posanten Eindruck. Unmittelbar hinter dem Gymnasium schließt sich der Neubau einer Turnhalle an. Die Lage deS Platzes, auf dem das Gymnasium errichtet ist, ist in jeder Beziehung die denkbar beste. Bekanntlich war hierorts früher nur ein Progymnasium, daS im Jahre 1897 zum Vollgymnasium erhoben wurde. Durch die beiden Wetter­auer Bahnen hat die Zahl der Gymnasiasten stetig zu- genommen, und auch nach der Verkehrsübergabe der Bahn Friedberg-Homberg erwarten wir neuen Zuwachs an Zög­lingen unseres Gymnasiums. Mit den Gießener Gymnasiasten stehen die unserigen in regem Verkehr, und schon verschiedent­lich haben zwischen beiden in Gießen und hier Fußball­wettspiele stattgefunden.

u. Udenhausen, 10. Juli. Unser Kriegerverein feiert nächsten Sonntag den 15. Juli daS 30jährige Ge­dächtnis an den großen Krieg 1870/71, verbunden mit Scheibenschießen.

-d- Ortenberg, 10. Juli. Wie alljährlich fand vom 2. bis 7. Juli hier unter der bewährten Leitung des Präsi­denten des oberhessischen Bienenzüchtervereins, Pfarrers Ellenberger, hier, und des Lehrers Hensel-Hirzen­hain ein sechstägiger JnsormationSkursuS für Imker statt. ES hatten sich 13 Herren zur Teilnahme an dem Kursus eingefunden, darunter 8 Lehrer, 2 Pfarrer, 2 Land­wirte und 1 Kaufmann. Täglich um 7 Uhr morgens be­gannen die praktischen Unterweisungen und Hebungen aus den beiden Bienenständen des Pfarrers Elleuberger, wo auch die sechs dem Oberhesfischen Bienenzüchterverein ge­hörigen Völker aufgestellt find. Um zehn Uhr schlossen sich daran jedesmal theoretische Vorträge der genannten beiden Herren über die verschiedensten Gebiete der Imkerei. ES wurden folgende für jeden Bienenzüchter interessante und wichtige Gegenstände behandelt: 1. Freude und Nutzen der Bienenzucht. 2. Bildung von Reserveköniginnen und Zusetzen derselben zu einem Volk. 3. Schwarmfassen und Einbringen desselben in die Wohnung. 4. Kunst- und Naturschwarm. 5. Vereinigung der Völker. 6. Wachs­und Wabenbau. 7. Feinde der Bienen. 8. Krankheiten der Bienen. 9. Weisellosigkeit. 10. Räuberei. 11. Bienen­weide und Tracht. 12. Ein- und Auswinterung. 13. Bienen­rassen. 14. Wanderung und Transport. 15. Bienenstand und -Wohnung. Natürlich konnte in der kurz bemessenen Zeit nur das wichtigste vorgetragen und praktisch demon­striert werden, zumal eS bis jetzt noch an einem geeigneten Vereinsbienenhaus fehlt, das hinreichend Raum und Licht zur Vornahme der praktischen Hebungen bietet. Auch machte daS fortgesetzte Regenwetter diesmal gar oft einen Strich durch den festgesetzen Arbeitsplan; aber trotz dieser Mißhelligkeiten sah man eS den Teilnehmern an, daß sie mit Lust und Freude den Vorträgen folgten und sich mit Eifer an den Hebungen beteiligten. Auch Wabenpreffen und Honigschleudern wurde praktisch geübt. Sämtliche Teilnehmer an dem Kursus waren von dem sechstägigen Aufenthalt hier sehr befriedigt.

AlSfeld, 11. Juli. Durch feine Versetzung nach Darm­stadt scheidet der Hochbauausseher Bender aus dem Ver­bände des Lehrerkollegiums unserer Gewerbeschule aus. Gestern abend sand ihm zu Ehren ein Abschiedseffen im Kreise seiner Freunde statt. Der Vorsitzende des hiesigen OrtSgewerbevereinS, Herr Rößnersvn., hielt in herzlichen warmen Worten eine Ansprache an den scheidenden Herrn. Es erfolgte dann namens der Anwesenden durch Herrn Rößner die Heberreichung eines Andenkens (ein Weinservice und zwei Krystall-Consektschalen) an Herrn Bender.

Mainz, 11. Juli. In Sachen des Spiritusringes schreibt man demM. I.-: Eine zahlreich besuchte Ver­sammlung der hiesigen Kolonialwaren-, Droguen- und Spiri­tuosenhändler faßte die einstimmige Resolution:Den Be­schlüssen der Detaillisten im übrigen Süddeutschland beizu­treten und somit die Annahme der Verträge mit dem Spiritusringe auf das entschiedenste abzulehnen." Die Leitung des Ringes hatte zwecks Kleinverkaufs von Brenn- spintus den Ladeninhabern derartig rigorose Bedingungen zugemutet, daß solche allgemein nur als absolut unannehm­bar, als die Selbstachtung der Kaufleute aus daS gröblichste verletzend, bezeichnet werden konnten.

Kleine Mitteilungen aus Hesieu und den Nachbarstaaten. Landrat von Heimburg.Biedenkopf wurde als Ehren­ritter deS Johanniter-Ordens am 26. Juni in der Jo- Hanniter-Ordens-Kirche zu Sonnenburg vom Herrenmeister Prinzen Albrecht von Preußen der Ritterschlag und die Investitur erteilt.

Vermischter.

* Merkenich bei Köln-Longerich, 11. Juli. Heute nach­mittag fuhr auf dem Rhein zwischen WieSdorf und Merkenich ein Dampfer mit voller Wucht gegen einen mit Personen besetzten Nachen. Der Fährmann mit seinen zwei Kindern von WieSdorf und ein Mädchen auS Merkenich sind er­trunken. Der im Nachen befindliche Dr. Freitag wurde gerettet.

Könitz, 10. Juli. In der Winterschen Mord­sache wurde gestern abend von 10 bis gegen 12 Uhr im Hause des Fleischermeisters Lewy ein Lokaltermin ab­

gehalten, wozu der Arbeiter Maslow und die Frau Roß zugezogen waren. Es handelte sich um Feststellungen be- züglich der von beiden gemachten Aussagen, die zu ihrer Verhaftung wegen des Verdachts, einen Meineid geleistet zu haben, geführt haben. MaSlow machte gestern mehrere sich widersprechende Aussagen und stellte Behauptungen auf, deren Hnmöglichkeit ihm sofort nachgewiesen wurde. Ein gleiches war mit der Frau Roß der Fall, die zwischen 7 und 8 Hhr am Mordtage ein Stöhnen in dem Lewyschen Keller gehört haben will; Maslow behauptet hier, das Stöhnen noch um 12 Hhr, als er im März! etwa 1 >/, Stunden, aus dem Bauche liegend, den Keller Lewys beobachtete, vornommen zu haben. Der Tod des unglück­lichen Winter muß nach der Art der Verletzungen sosort eingetreten sein, ein stundenlanges Stöhnen gehört demnach in das Reich der Fabel. Für die Bürgerschaft ist die Affaire" augenblicklich in die zweite Reihe gerückt. DaS Hauptinteresse wendet sich der Steuerfrage zu, da den Bür­gern jetzt der Steuerzettel für das lausende Rechnungsjahr zugestellt worden ist. Darnach werden zur Deckung der städtischen Bedürsnisse an direkten Steuern 250 v. H. der StaatSeinkommenfteuer sowie 200 v. H. der Realsteuern und endlich ein Gemeindesteuerzuschlag von der Betriebs­steuer in Höhe von 100 v. H. erhoben werden. Dazu kommt, daß für die nächsten Jahre infolge der Unfoften, welche die militärische Besetzung der Stadt verursacht, eine weitere Erhöhung der Steuern bevorsteht, denn die ganzen Hnkosten werden aus keinen Fall vom Staate übernommen werden.

* Heber die Neuvermählten Prinz Rupp­recht, den ältesten Sohn des Prinzen Ludwig von Baiern, und Prinzessin Marie Gabriele, einerTochterdes! Herzogs Karl Theodor, des bekannten Augenarztes, wird derFrkf. Ztg." geschrieben: Der Bräutigam ist 31, die Braut 22 Jahre alt. Man pflegt immer, wenn so hohe Herrschaften sich vermählen, zu sagen, es sei eine Herzens­neigung. Das ist nun in der Regel nicht der Fall. Hier aber trifft es zu. Prinz Rupprecht hat sich seine Braut thatsächlich selbst ausaewählt, es ist ein wirklicher gegen­seitiger Herzensbund, der hier geschlossen wurde. Es fehlte ihm vielleicht sogar der anfängliche elterliche Widerspruch nicht. Frühere Versuche, dem Prinzen im diplomatischen Wege eine Gemahlin zu suchen, scheiterten an ihm selbst. In der Zeit zwischen Verlobung und Vermählung und zum Teil auch, bei den Vermahlungsfestlichkeiten wurde schon derpräsumtive Thronfolger" eskomptiert. Wenn auch nach menschlicher Berechnung die Thronfolge für den Prinzen noch in dec Ferne liegt, so darf man doch fragen, welche Qualitäten er für den Thron mitbringen würde. Der Prinz ist in bürgerlich, strenger Zucht aufgewachsen. Es ist das die Art in Vaters Haus. Trotzdem, vielleicht eben deshalb denkt und handelt er sehr selbständig. Er wird als gut veranlagt und als mit Kenntnissen aus­gestattet geschildert. Er beschäftigt sich angeleaentlich mit ernsten Studien, namentlich mit Geographie uno Geschichte. Was seine politischen Anschauungen betrifft, so hat er noch nicht viel Gelegenheit gehabt, sie öffentlich sehen zu lassen. Aber Zweierlei ist sicher. Der Prinz denkt frei und unabhängig. Zweitens gehört er zu der Mehr­heits-Gruppe baierischer Prinzen, die sehr warm für das Reich und das Kaisertum empfinden. Was seine Braut betrifft, so weiß man ja, daß alle Töchter des Herzogs Karl Theodor so etwas wie ein gelehrtes Haus sind, daß aber die Anmut bei ihnen nicht unter dem Wissen leidet. Sie gelten namentlich auch als sehr menschenfreundlich. Den Wohnsitz wird das junge Paar in Bamberg, in der fränkischen Bischoftsstadt, nehmen.

* Baden-Baden, 10. Juli. Wir lesen in derBad. Landesztg." was folgt:Die Gräfin v. Trani ist hier eingetroffen, und mit Begleitung und Bedienung imBadi­schen Hof" abgestiegen. Ihre König!. Hoheit, geborene Herzogin Mathilde in Bayern, Witwe des Grafen Trani aus dem königlichen Hause beider Sizilien seit 1886, hat vor etwas mehr als einem Jahre den stimmgewaltigen Münchener Baritonisten Kammersänger Brucks zur linken Hand geheiratet, der seitdem der Bühne Valet gesagt hat. Ihre Tochter ist mit dem Erbprinzen Wilhelm von Hohenzollern verheiratet." Soweit der Bericht der Bad. Landesztg.". Wir glauben, daß er fürstlichen Damen ein Vorrecht zuweist, das sie nicht besitzen. So viel wir wissen, find es nur die fürstlichen Männer, die fich ein morganatisch Gemahl (eine Fran zur linken Hand, wie der Volksmund sagt) küren können. Daß aber auch fürstliche Damen sich ein Männchen zur linken Hand antrauen lassen können, neindas war doch früher nicht!" Sonst hätte ja die Kronprinzessin-Witwe Stephanie nicht Gräfin zu werden brauchen! Wir glauben also, daß in dem Falle, den die ,Bad. Landesztg." citiert, nach Analogie des neu­lichen Wiener Falles oie Visitenkarte richtig lauten muß: Frau Brucks, geb. Herzogin Mathilde in Bayern, verwit- wete Gräfin Trani.

Universität und Hochschule.

AuS Jena teilt man mit: Professor Biedermann, der Direktor deS physiologischen Instituts der hiesigen Universität, wird dem an ihn ergangenen Ruf nach Heidelberg nicht Folge leisten. Profesior Ernst Haeckel tritt die angckündigte wissenschaftliche Reise nach Java und EelebeS im September an. Der Pcivatdozent in der philosophischen Fakultät der Universität zu Berlin. Professor Dr. Hermann Thoms, ist zum außerordenllichen Professor in bet» selben Fakultät ernannt worden. AuS Tübingen wird ge­schrieben: Die Privatdozenten Dr. Hesse, Assistent am zoologischen Institut, Dr. Köster, Assistent am physiologisch-chemischen Institut, und Dr. Sarwey, Assistent an dcr Frauenklinik, sind zu außer­ordentlichen Professoren ernannt worden. Pfarrer Henri Rougemont, seit 1881 Profesior für alttestamentliche Exegese an brr Akademie in Neuenburg, ist dort im Alter von 61 Jahren gestorben. Durch die Uebertragung theologischer Schriften auS dem Deutschen inS Französische bat fich Rougemont um die Vermittelung deutscher theologischer Wissenschaft Verdienste erworben. Der Generalsuperintendent Bahmsen in Koburg und der Gmeral- superintendent Lohofs in Altenburg wurden von der Universität Jena zu Ehrendoktoren der Theologie ernannt. Der Privat­dozent und Kustos der Staatsbibliothek in München, Dr. Sand­berger, wurde zum außerordentlichen UniyerfitätSprofesior für die neuerrichtete Profesiur für Mufikwisienschaft ernannt.

In München hat eine junge Dame das Gymnasial- Absolutorium gemacht und bestanden, Fräulein Emilie v. Renauld. Eie ist die Tochter jenes Obersten a. D. Dr. Ritter v. Renauld, der unlängst zum Doktor der Staatswiffenschaft summa cum laude pro­moviert wurde und deffen preisgekrönte Schrift jüngst im Druck er­schienen ist. An der Straßburger Kaiser Wilhelm-Universität werden seit einiger Zeit Damen als Hospitantinneü zugelasien. Diese Neuerung scheint einer Anzahl von Professoren wider den Strich zu gehen. Dieselben lasten nämlich nach wie vor grundsätzlich Damen zu ihren Vorlesungen nicht zu.

Organisation der nichtinkorporierten Studenten. Die studentische Bewegung ist in ein neues Stadium getreten: die einzelnen Finkenschaftsorganisationen an den Universitäten zu Berlin, Leipzig und Freiburg, an den technischen Hochschulen zu Charlottenburg und Karls­ruhe sowie der Handelshochschule zu Leipzig haben an dem in Berlin am 30. Juni und 1. Juli abgehaltenen Vertretertage einen Finken­schaftsverband gegründet. Sein Name lautet: Deutsche freie Studentenschaft, Verband der Organisationen der Nichtinkopo- rierten an den Hochschulen des Deutschen Reiches. Die Vorstandschaft wurde zunächst drei Herren der Berliner Vertreter überlasten. iDer Verbandstag findet jährlich zu Pfingsten in Weimar statt. Der Ve'rband der katholischenStudentenvereineDeutsch- l a n d s (nichtfarbentragend) zählt nunmehr 2S Vereine an 24 deutschen Hochschulen. Rach den neuesten statistischen Aufstellungen gehören dem Verbände insgesamt 1598 Studierende und 4000 Herren an. Mit 686 aktiven und 573 inaktiven Burschen sowie 339 Füchsen stehen die katho­lischen Studentenvereine hinsichtlich der Mitgliederzahl an der Spitze aller studentischen Verbände. Seit dem Winterhalbjahr 1899/1900 ver­zeichnet der Verband einen Zuwachs von ungefähr 100 (98) studierenden Mitgliedern und 50 Alten Herren. Ein römischer Pilgerzug der katholischen Studenten Deutschlands,Oesterreich-Ungarns und der Schweiz wird für Anfang Dezember geplant, in Verbindung mit einemInternationalen Pilgerzug der katholischen Jugend."

Gerichtssaal.

Offenbach, 10. Juli. Daß das Gesetz vom 11. Juni 1870, be­treffend das Urheberrecht an Schriftwerken, auch seine Schattenseiten hat, Indem es zu übertriebenen Forderungen wegen angeblich unbefugten Nachdrucks führen kann, zeigt wieder einmal eine Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer. Der Schriftsteller M. W. Sophar in Berlin hat den Redakteur derOffenbacher Ztg.", Rohmann, und den Buch­drucker Löb er hier wegen Nachdrucks verklagt. Sophar, der sich mit dem Vertrieb von Erzählungen befaßt, hatte von Rohmann das Ver­lagsrecht eines Romans, der bereits in derJllustr. Ztg." erschienen war, für 200 Mk. gekauft; Roh mann aber hatte seinen Roman vor Ab­lauf der Berttagsfrist in dem bei Löber erscheinendenFrauenbund" ver­öffentlicht, wozu er sich berechttgt hielt. Sophar, der persönlich aus Berlin erschienen ist, verlangt für den Abdruck 1400 Mk., schreibe vier- »ehnhundert Mark.Das ist doch wohl nicht ernstlich gemeint", sagt der Vorsitzende, Direktor Walther.Doch, sehr ernstlich."Worin besteht denn ihr Schaden?"In dem entgangenen Gewinn einerseits und andererseits in der Unannehmlichkeit, vielbeschäftigte Redakteure mit der Prüfung eines Romans belästigt zu haben, den sie doch nicht zum Abdruck bringen konnten. Denn ich habe den Roman sofort nach der Veröffenllichung imFrauenbund" zurückgezogen." Es wird der um­fangreiche Briefwechsel zwischen den streitenden Parteien vorgelegt; schließlich aber kommt ein Vergleich zustande. Sophar begnügt sich mit 500 Mk. und überläßt Rohmann die weitere Verwertung des RomanS; die Beklagten übernahmen die Kosten, da nach der Sttafprozeßordnung der Kläger wegen Einstellung des Verfahrens zur Tragung der Kosten verurteilt werden muß.

Stolp, 11. Juli. Im Krawall-Prozeß wurden von den 23 Angeklagten 22 zu Sttafen von 4 Monaten Gefängnis bis zu 3 Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein Angeklagter wurde freigesprochen.

Handwirlschast.

Landwirtschaftliche Landesausstellung Darmstadt. Wie der Hessische Lcmdwirtschastsrat mitteilt, ist seitens der meisten deutschen Eisenbahnverwaltungen bereits freie Rückfracht für unverkauft gebliebene Ausstellungsgegenstände und Tiere bewilligt worden. Der Schlußtermin für Anmeldungen zur GruppeGeflügel" ist auf den 25. August festgesetzt worden.

Arbeiterbewegung.

Amsterdam, 11. Juli. Auch die Rheinschiffer beschlossen in einer gestern in Rotterdam abgehaltenen Versammlung, sich dem Streik der Schiffsarbeiter anzuschließen. Bei der Ankunft des Tielschen Bootes ist es gestern zu einem großen Auflauf gekommen. Etwa 100 streikende Schiffer versammelten sich in der Meinung, das Boot bringe auswärtige Arbeiter. Polizei und Seesoldaten trieben die Streikenden auseinander, ohne von der Waffe Gebrauch zu machen. Abends fand eine Arbeiter-Frauenversammlung statt, in der sich 700 Frauen der Sache der Männer anschließen.

Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen. 27. Woche vom 1. Juli bis 7. Juli 1900.

(Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 16,77%q, nach Abzug der Ortsftemden 12,58«/«.

Kinder

Es starben an:

Zusammen: Erwachsene:

1.

im vom

Lebensjahr: 2.15. Jahr:

1

2 (1)

Altersschwäche Verunglückung Lungenschwindsucht Gehirnschlagfluß Rose Diarrhöe

1 1

1 (1) 1 CD

2 2

1 1

1

2 (n

Summa: 8 (2) 5 (1) 3 (1)

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betteffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

Keuche Meldungen.

Antwerpen, 12. Jnli. Wie die Blätter melden, hat die Firma Krupp in Merxem in Belgien eine große Landstrecke angekauft, in der Absicht, dort eine Geschütz- Gießerei zu errichten. Die Arbeiten sollen sofort be­gonnen werden.

Die Rhachitis ober englische Krankheit ent­wickelt fich meistens nach den ersten sechs LebenS- monaten und äußert fich in Erweichung und An­schwellung der Knochen, Bei welcher diese ihren Gehalt an phosphorsaurem Kalk, dem sie größten­teils ihre Festigkeit verdanken, oerlieren. Rba- chitiS kann vererbt worden sein, in den meisten

Fällen aber entsteht sie durch sehlerhaste Ernährung und zwar durch eine zur Säurebildung Anlaß gebende Kost, z. B. durch die Dar­reichung von Mehlbrei, von Schlempenmilch, oder durch unter Zucker­zusatz kondensierter Milch und durch die Folgen von Verdauungs­störungen. ES ist deshalb vor allem nötig, bei rhachttischen Kindern vorhandene Verdauungsstörungen zu beseitigen. Dies kann in der Hauptsache nur durch eine rationelle Ernährung geschehen. In Dr. med. TheinhardiS löslicher Kindernahrnng ist nun dem Säugling eine Nahrung geboten, welche nach amtlich festgestellten Analysen eine fast vollkommen gleiche Zusammensetzung wie die Muttermilch aufweist und nach ben eingehendsten Versuchen dieser in ihrer Wirkung gleich ist.