Ausgabe 
13.4.1900 Erstes Blatt
 
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Die schlechten Nachrichten aus Südafrika haben schnell die Stimmung in England gründlich geändert. Der lieber- mnt und der gehässige Hohn, mit dem die Rhodes-Presse bis dahin in täglich zunehmender Steigerung über die Buren, deren Präsidenten und europäische Freunde Herzog, ist wie weggeblasen, und mit Staunen und Verwunderung lesen wir jetzt, daß das englische Volk und die englische Presse eigentlich immer für eine Versöhnung gewesen sei. Bezeich­nend ist, daß der bei aller Zurückhaltung und Objektivität doch immer entschieden kriegsfreundlicheSunday Special" jetzt von diesem unglücklichen Kriege spricht und sich gleich­zeitig, als einzige unter den konservativen Zeitungen Eng­lands, gegen die widerwärtige und bombastische Manier wendet, mit der die Rhodes-Presse Stimmung für den Todes­mut, die unvergleichliche Tapferkeit rc. rc. der englischen Soldaten eintritt, die doch nur einfach thun, was ihre Pflicht ist. Es heißt imSpecial" nach einigen Bemer­kungen über die anscheinende Achtlosigkeit der englischen Offiziere, die sich so prompt in der Falle fangen ließen:

Wie gewöhnlich schwelgen die Kriegskorrespondenten in hysterischen Ergüssen über die Tapferkeit unserer Offiziere und Mannschaften, als sie sich plötzlich den Mündungen der Burengewehre gegenübersahen. Mr. Bennet Burleigh erzählt uns, daßdie Kanoniere sich mit Ruhm be- bedeckten", und der Mann derTimes", um nicht zurückzustehen, will alle Welt wiffen lassen, daß der Mut der Truppmübermenschlich" war. Wir zweifeln nicht, daß unsere Soldaten sich, was sie fast immer thun, mutig und stetig benahmen; und wir denken, es wäre besser für uns, wenn unser Heer etwas weniger Mut von der übermenschlichen Sorte und dafür etwas mehr gesunden Menschenverstand an den Tag legte."

lieber die sattsam bekannte ungenügende militärwissen­schaftliche Ausbildung des englischen Durchschnitts­offiziers macht da« Blatt folgende Bemerkungen:

Die Wahrheit ist, daß unsere Truppen meist von Amateuren geführt werben. Unsere Oifiziere sind sehr tapfere Gentlemen, aber sie verstehen erschrecklich wenig von ihrem Handwerk, und zeigen sich unglaublich langsam, etwas zu lernen, selbst jetzt, in der harten und guten Schule des Krieges. Offenbar kann nichts unsere Offiziere lehren, daß Vorsicht und gesunder Menschenverstand für die sach­gemäße Führung kriegerischer Operationen notwendig sind; wir find auch thatsächltch nicht sehr hoffnungsvoll, daß sie diese Lektionen bald begreifen werden. Wie leben in einer schlimmen Zeit, und hätten, wenn das nicht der Fall wäre, längst von Kiiegsgerichten und Kassieren gehört. Der Mann, der für den Verlust des Konvoi bet Tan Thabanchu verantwortlich war, gehört vor ein Kriegsgericht, der Mann, der verantwortlich für den Verlust der fünf Kompagnien bet Reddersburg ist, gehört ebenso vor ein Kriegsgericht, und aenau so Dutzend andere, durch deren Fehler und Unacht' samkeit die geben vieler ihrer Leute verloren wurden, und Unglück und Erniedrigung über die britischen Waffen gebracht wurde. Aber an so etwas denken die Kreise, die dafür ver­antwortlich sind, nicht, und wer die Notwendigkeit von Kriegsgerichten vorzuschlagen wagt, wird ein Wutgeheul aller der albernen Massen Hervorrufen, die der Ueberzeugung find, daß der Soldat, der im Felde fein Leben riskiert, schon dadurch allein gegen jede Strafe, die er durch seine grobe Nachlässigkeit anrichtet, geschützt ist. Solange derartige Ueberzeugungen maßgebend sind, haben wir keine Aussicht, daß die demütigenden Niederlagen der letzten Woche nicht wieder öortommen werden."

Die Niederlage bei Reddersberg wird im Globe" folgendermaßen dargestellt:

Am Dienstag waren zwei Kompagnien der North- umberland Mounted Infanterie mit drei Kompagnien der Royal Irish Rifles dabei beschäftigt, Waffen von den Rebellen, die ihre Unterwerfung unter das englische Gesetz angekündigt hatten, einzusammeln, als sie plötz­lich von einem starken Burenkommando beschossen wur­den. Der Feind, der im Besitz von drei Geschützen war, pkkupierte eine starke Stellung auf einer langen Linie von Kopjes bei Mesters-Hoek, vier englische Meilen öst­lich von Reddersburg. Unsere Truppen, die sich im ganzen aus 500 Mann beliefen, standen einem sechsfach überlegenen Feinde gegenüber, aber sie suchten in einer- Donga (ausgetrocknetes Flußbett) Deckung, und ge­wannen später eine Position auf einem niedrigen Kopse. Von hier aus leisteten sie hartnäckigen Widerstand. Ob­wohl sie den ganzen Tag einem vernichtenden Feuer aus­gesetzt waren, hielten sie doch voll Tapferkeit ihre Stellung. Viele unserer Leute fielen, aber die Lücken wurden sofort von ihren Kameraden wieder ausgefüllt, und der un­gleiche Kampf wurde bis zum Anbruch der Nacht fort­gesetzt. Ungebrochenen Mutes und in der festen Hoffnung, auf Hilfe! erwiderte idie-tapfere Schar um! nächsten Morgen- das heftige Gewehrfeuer der Buren. Unter einem furcht-, baren Artillerie- und Gewehrfeuer fochten unsere Truppen mit dem Mut der Verzweiflung weiter, aber ihr heroischer Widerstand war so stark wie immer. Als die Bureff sich schließlich vergewissert hatten, daß keine britische Hilfskolonne in Sicht sei, entschlossen sie sich, unsere Stellung auf dem Kopje zu stürmen. Damit wurde die Situation kritisch, denn unsere Leute waren 25 Stun­den lang ohne Nahrung und Wasser gewesen; ihre Mu­nition war erschöpft, dazu hatten in der Zeit schwere tropische Stürme gewütet. Der Ansturm wurde indessen tapfer abgeschlagen, aber schließlich siegte die Uebermacht und, um nutzlose vollständige Vernichtung zu vermeiden, streckte der Rest der tapferen Truppen die Waffen. Von gefangenen Buren wird versichert, daß unsere Verluste schwer waren, aber daß auch die der Buren sehr groß, waren.

Kurz nach der Uebergabe zog ein Teil der Buren nach Reddersburg. General Gatacres Kolonne, die schleu- von Springfontein abgesandt worden war, um den sckffver bedrängten Truppen zu helfen, kam auf dem Schauplatze des Kampfes erst um 4 Uhr am Mittwoch nachmittag an. Seine Patrouillen fingen zwei Buren, die in Reddersburg gewesen waren. Gatacres Streit- macht bestand nur aus einigen 900 Mann mit einer lPrigadedrvision Artillerie; bte Buren dagegen, die in­zwischen starke Verstärkungen erhalten hatten, zählten nicht weniger als 5000 Mann.

Angesichts der enormen Uebermacht hielt es General Gatacre nicht für ratsam, einen Angriff zu machen, und ging infolgedessen auf Bethany zurück. Colonel Sitwell mit zwei Kompagnien Mounted-Jnfanterie und einer Batterie Artillerie war am Mittwochmorgen um 6 Uhr von Bethany ausgerüctt und hörte in der Richtung auf Reddersburg schießen; er kam aber zu spät an, um Hilfe leisten zu können."

DerGlobe" schließt diesen an Ausschmückiingen und Uebertreibungen so reichen Bericht mit der tröstlichen Ver­

sicherung, daß die 5000 Buren, sich bei Reddersburg zerstreut haben und in kleinen Abteilungen nach Osten zurückge­gangen sind.

Lokales und Vrovmsieües.

(«rrorryme Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 12. April 1900.

* GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 51 J-hrm, am 13. April 1848, würben im Suubewttt, her Jnfel Alfen gegenüber bte festen Düppeler Schanzen von bayrischen unb sächsischen Truppen erstürmt, unb die Dänen jurflefgeworfen. Bei biesem Unternehmen erkämpfte stch vor allem ber bayerische Oberst­leutnant von ber Tann, durch ritterliche Tapferkeit hervorragend, ßorbeern.

Dor 35 Jahren, am 14. April 1865, würbe ber P äfident Norbamerikas, Avraham Lincoln, ein redlicher, wohlwollender Mann, in der Theaterloge, wo er im Kretfe feiner Familie dem Schauspiele zufah, von dem Schauspieler Wilke? Booth durch einen Pistolenschuß getötet. Mit theatralischem AuSruf:Sie semper tyrannis! verschwand der Mörder von ber Bühne; er würbe jeboch eingefangen unb büßte fein Verbrechen mit bem Tode.

** Personalveränderungen im Bezirke der Ober-Po st direktion Dar m st ad t. Versetzt sind: der Postdirektor Blaß von Recklinghausen nach Darmstadt; der Ober-Postdirektionssekretär Leser von Darmstadt nach Mannheim als kom. Telegraphenamts­kassierer; der Ober-Poftdirektionssekretär Brümmlees von Frankfurt (Oder) nach Bingen (Rhein) als kom. Post­kassierer; der Ober-Postt>irektionssekretär Völker von Köln (Rhein) nach Darmstadt; der Telegraphensekretär Schneider von Straßburg (Elsaß) nach Darmstadt als kom. Ober-Tele- graphensekretär; der Ober-Postsekretär S e e l g e n von Darmstadt nach Lauterbach (Hessen) als kom. Post­meister; der Postmeister Rettig von Lauterbach (Hessen) nach Köln (Rhein) und der Postsekretär Krenzien von Kassel nach Darmstadt als kom. Ober-Postkassenbuch­halter; der Postsekretär Röder von Frankfurt (Main) nach Darmstadt als kom. Ober-Postsekretär; die Postverwalter Röhmer von Griesheim (Kr. Darmstadt) nach Gustavsburg und Dahmer von Romrod nach Griesheim (Kr. Darmstadt); die Ober-Postassistenten Habicht von Lauterbach (Hessen) nach Michelstadt, Heinrichs von Offenbach (Main) nach Mainz, Schott von Mainz nach Kreuznach und Krämer von Offenbach (Main) nach Darmstadt, dieser unter Er­nennung zum Ober-Telegraphenassistenten; die Ober- Telegraphenassistenten Elsholz von Bingen (Rhein) nach Bensheim und Herm. Müller von Mainz nach Wiesbaden;- die Postassistenten Lorenz Müller von Oppenheim nach Romrod unter Ernennung zum Postverwalter, Ditter von Oppenheim nach Erbach (Odenwald), Langsdorf von Mül­hausen (Elsaß) nach Alzey, Oberndorf von Remilly nach Mainz und der Telegraphenassistent Ludwig Becker von Kreuznach nach Mainz. U e b e r t r a g e n sind: eine Stelle für Ober-Postdirektionssekretäre: dem Postsekretär Klingel- Höffer in Darmstadt; Stellen für Ober-Postsekretäre: oen Postsekretären Schmidtgen in Mainz und Schonebohm in Offenbach (Main). Ernannt ist: zum Ober-Postassistenten der Kanzlist Goernert in Darmstadt. An gestellt sind: als Postsekretär: die Postpraktikanten Biondino in Bensl- heim, Falkenstein und Wiegand in Darmstadt; als Post­assistent: die Postassistenten Hoffmann in Offenbach (Main), Horn in Mainz, Maas in Oppenheim, Pfaff in Bad-Nau- heim, Schreiber in Mainz und Stürmer in Bingen (Rhein); als Telegraphenassistent: die Postassistenten Heinr. Becker I. in Mainz, Heinr. Becker II. und Lutz in Darmstadt. An­genommen sind: als Postanwärter: Hoboist Elzer und der Fußgendarm Reining in Mainz, der berittene Gendarm Kömpf und der Sanitätssergeant Völzing in Offenbachs (Main), der Wachtmeister Krell in Darmstadt, der Zahl­meisteraspirant Mark in Bingen (Rhein) und der Vize­wachtmeister May in Alsfeld; als Telegraphenanwärter: der Vizefeldwebel Büchler in Mainz und der Hoboist Wun­denberg in Darmstadt. In den Ruhestand versetzt sind: der Ober-Postkassenbuchhalter L o s k a n t unter Ver­leihung des Charakters als Rechnungsrat und der Post­sekretär Kümmich in Gießen. Ausgeschieden sind: die Postagenten Helf in Gustavsburg und Sims­häuser in Horchheim (Rheinhessen).

Bad-Nauheim, 11. April. In der letzten Gemeinde­ratssitzung wurden zum städt. Kontrolleur für die Zeit vom 1. April 1900 bis dahin 1901 Gemeinderat Dr. Stoll gewählt. Ueber den PunktKosten der Polizei" ent­spann sich eine längere Debatte, in der schließlich der An­trag angenommen wurde, bei der Regierung den Antrag auf llebernahme der Hälfte der Kosten für die Polizei zu stellen, selbstverständlich insoweit, als die Gemeinde nach der L.-G.-O. nicht verpflichtet ist, dieselben zu tragen. Sodann soll nochmals durch Gr. Kreisamt bei dem Ministerium an­gefragt werden, wie weit der Antrag der Gemeinde, sich mit einem jährlichen festen Zuschuß von Mk. 7000 an den Kosten der Polizei zu beteiligen, gediehen sei.

Q Büdingen, 11. April. In diesem Jahre wird in unserer Stadt ein Verbindungsweg zwischen Bahnhofs« und Gymnasiumstraße gebaut. Der wegen Maul- und Klauenseuche verschobene Petrimarkt (Biehmarkt mit Prämiirung) soll am 24. April abgehalten werden. Am 25. d. M. findet die Verlosung statt.

x Vom Lande, 11. April. Die gegenwärtigen nied­rigen Getreidepreise geben vielen Anlaß zu Klagen. Der Doppelcentner Weizen kostet 15 bis 16 Mk., es ist dies ein so geringer Preis, wie man ihn kaum jemals er­lebt hat. Korn, Gerste und Hafer werden ebenfalls mit durchschnittlich 15 Mk. bezahlt. Uns sind Landwirte be­kannt, die es unter solchen Verhältnissen vorziehen, ihre oft noch beträchtlichen Getreidevorräte zu verfüttern, anstatt sie zu solchen Spottpreisen zu verkaufen. Leider ist aber das Vieh eben auch sehr schlecht am Preise. Die fetten Schweine find noch billiger als im Vorwinter; ebenso herrscht nach Rindvieh nur wenig Nachfrage. Auffallend ist, daß die Ferkel auf den Märkten verhältnismäßig teuer bezahlt werden müffen.

= Mainz, 11. April. Der (von uns bereits kurz er­wähnte) Antrag der sozialdemokratischen LandtagS- abgeordneten Haas und Dr. David auf Erbauung eines

neuen Justizgebäudes in Mainz, ist, wie wir hören, J Einverständnis mit der Regierung gestellt words Der hiesige Flottenverein hat an maßgebende. Stelle erwirkt, daß bei der Entsendung einer Torpedo boots-Division an den Rhein diese Schiffe stromars wärts bis Mainz kommen. Man hat an maßgebende! Stelle bereitwillig die Zusage hierzu gegeben, jedoch W dem Hinweis, daß der Wunsch nur dann erfüllbar, wert'! zur betreffenden Zeit der Wasserstand des Rheines e»t außergewöhnliche Höhe habe.________________________

Krrmisttftes.

* Berlin, 11. April. Von einem Unglück ist Familie des in Schöneberg wohnenden Vizeadmirals g. $ Livo nius betroffen worden. Eine 29jähri ge Sodjter des Admirals befand sich in Friedenau bei Dr. Neupm in Pension. Sie hatte ihre Eltern besucht, und sich gegen 10 Uhr auf den Heimweg gemacht, auf den ihr der Vater zm ! Schutze seinen Jagdhund mitgegeben hatte, der, als dir Dame dann einen nach Friedenau fahrenden Wagen btr elektrischen Bahn benutzte, hinter diesem mitlief. Kurz w Friedenau aber blieb der Hund plötzlich zurück und kam der auf dem Hinterplatz stehenden Dame aus dem Auge. Sie stieg deshalb ab, um den Hund zu erwarten. Er kam dm auch gleich wieder heran, und nun wollte Fräulein Livoniiu, um nach der anderen Seite der Straße zu gelangen, die Gleise der unmittelbar neben dem Bürgersteig hinlaufendrn elektrischen Bahn überschreiten, als in demselben Augenblick hinter ihr ein Motorwagen in voller Fahrt herangesmch kam, sie zu Boden riß, sie überfuhr und ihr mit den Ra­dern über den Kopf ging. Sie wurde, entsetzlich zuge- , richtet, von hinzueilenden Fahrgästen und Passanten aufge­hoben, und dann schleunigst nach dem Elisabeth-Krank»' Hause geschafft, wo sie jedoch schon eine Stunde nach btt Einlieferung an den erlittenen schweren Verletzungen verstarb. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft be­schlagnahmt worden.

Dreitausend Mark Belohnung in der Cid)« walder Mordfache. Die Nachforschungen nach dm Mördern der Schiffersfrau GraSnick sind bisher erfolglos geblieben. Nun hat der RegiernugSpräsident von Potsdam die auf die Ermittelung des Mörders ausgesetzte Belohnung auf 3000 Mk. erhöht. Aus verschiedenen Otten des Kreise« Teltow sind Gendarmen zusammengezogen worden, die dm Ermittelungsdienst in bürgerlicher Kleidung versehen. Auch die Berliner Kriminalpolizei ist mit der Angelegenheit noch fortwährend beschäftigt.

* Der verbotene Tabak. Eine heitere Szene spielte sich kürzlich während der sonst so ernsten Verhand­lungen des spanischen Parlaments ab. Der Abge­ordnete Exminister Romero Robledo, Verfechter des freien Tabakbaues, ließ im Sitzungssaale an Minister und Ab­geordnete Zigarren verteilen, um handgreiflich darzulegen, daß in Spanien ein vorzügliches Kraut gebaut werden könne. Die zahlreichen Packete Zigarren und Zigarretten waren aus Tabak, der auf seinen Gütern gewachsen war. Während er begeistert das Lob des spanischen Tabaks fang, unterbrach ihn plötzlich der Finanzminister mit der Er­klärung, daß der Tabakbau in Spanien gesetzlich untersagt sei. Er werde ihn gerichtlich belangen, und das corpus delicti nicht rauchen, sondern dem Richter überreicher. Schallendes Gelächter folgte auf diese Erklärung._________

Gerichtssaat.

Darmstadt, 11. April. Strafkammer. Die Strafsache gegen den Studierenden Moritz Braunstein aus Bukarest wegen Sttt- zichkeitsverbrechens nach $ 176 Pos. 3 St. G.»B. und thätlichrr Beleidigung wurde heute durch teilweise Vernehmung zweier Sachver­ständigen, des Professors der Universität Gießen Dr. Strahl imb Großh. Medizinalrat Lorenz von hier fortgesetzt und zur Erlangung eines definitiven Gutachtens auf 28. d. M. vertagt. Die Untersuchungr- haft des Angeklagten dauert fort.

Leipzig, 11. April. Ein psychologisches Rätsel bildet toi Motiv zu den Diebstählen, wegen deren sich der 1878 zu Verlad in Rumänien geborene Student der Philosophie Johannes Gore», wie wir bereits kurz mitteilten, vor dem hiesigen Schöffengericht zu tn antworten hatte. Der Angeklagte ist der Sohn eines Großgrundbesitz^. Er hat im März in zwei Fällen insgesamt 120 Städte-Karten art -Pläne aus dem Brockhausschen Konversationslexikon des historische, Seminars herausgeriffen und mit sich nach Hause genommen. Di: Karten repräsentieren einen Gesamtwert von 27 Mk. Außerdem hat n aus einem französischen Werke einen Kupferstich, das Porträt wigs XIV. darstellend, im Werte von 50 Pfg. entwendet. Er aabzr. die Karten und Pläne genommen zu haben, behauptete aber, vaß c nicht die Absicht gehabt hätte, die Sachen zu behalten. Er habe sie nn mit nach Hause genommen, um die Karten eingehend zu studieren riii sie dann wieder an Ort und Stelle zu legen. Wenn ihm biei w<t; gelungen wäre, hätte er die Absicht gehabt, die Blätter zu zerrest« Mißliche pekuniäre Berhältniffe haben bei der Entwendung keine RI: gespielt, da Coroi einen monatlichen Wechsel in Höhe von 250W- von seinem Vater erhält. Als das Fehlen der Karten durch KomUitm« und den Bibliothekar des Seminars bemerkt wurde, und der Serba (f! auf Coroi fiel, leugnete dieser zunächst, später aber, als in feiner $Boi nung eine Haussuchung vorgenommen wurde, mußte er sich zu einer Geständnis bequemen, da die Sachen dort vorgefunden und beschlagner! wurden. Als Ersatz hat übrigens Coroi der Bibliothek des historisHo Seminars ein neues Konversationslexikon überweisen lassen. Das richt nahm an, daß der Angeklagte die Karten rc. durch Diebstahl o sich gebracht hat. Auf eine bloße, durch das Ausreißen der Karten er­folgten Sachbeschädigung war nicht zuzukommen, da Coroi die Sach« heimlich mit nach Hause genommen hat. Auch die Frage der Unter schlagung war zu verneinen. Mit Rücksicht daraus, daß sich der H geklagte an Gegenständen, die dem öffentlichen Interesse gewidmet vergriffen hat und sein Gebühren nahezu als gewohnheitsmäßig E sehen ist, erkannte, wie gemeldet, das Gericht gegen Coroi wegen TS* stahls in 3 Fällen auf zwei Monate drei Wochen Sesängnis. »c Rücksicht auf die Höhe der erkannten Strafe und den Umstand, daß Angeklagte ein Ausländer ist, hielt das Gericht Fluchtverdacht für flt geben und verfügte die Verhaftung Corois, die als aufgehoben zu gelt« hat, sobald er die bereits gestellte Kaution in Höhe von 320 Mk. ar 800 Mk. erhöht hat.___ __________

Kunst und Wissenschaft.

- ein römischer Imperator !<ttf der Saalbttrs. M dasSer!. Tagbl." hört, hat der Kaiser der Saalburg einen plastrlch» Schmuck zugedacht. Vor den Thoren des Kastells soll sich die üba lebensgroße Bronzestatue des römischen Kaisers Antoninus P"'

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