Ausgabe 
13.2.1900 Drittes Blatt
 
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Wir gehen langsam aus derdunkelsten Zeit" des AahreS hinaus, zwar sehr langsam, aber dafür auch ganz sicher. Zu Lichtmeß, wo nach einem alten Reimdie Herren bei Tage essen", ist das Schlimmste überwunden. Noch muß freilich in den Morgenstunden die Lampe vielfach ihr Licht spenden, der trübe Himmel nötigt schon zu Auf Wendungen, um in der Hast der Morgenbeschäftigung nichts zu übersehen, und alles sofort zur Hand zu haben. Dafür ist eS aber auch eine Erleichterung, wenn zum erstenmale eine ganze Woche hindurch Tag für Tag die Kinder zur Schule wandern können, ohne daß es nötig war, beim Lampenschein die Siebensachen zusammenzusuchcn. Mit dem fortschreitenden Jahre wächst auch wieder das gewerbliche Leben, das gleich nach Neujahr eine kurze Ruhepause erlebte.

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Empfang. Se. Königl. Hoheit^der Großherzog empfingen am 10. Februar u. a. den Profeffor D. Stamm und den Kirchenrat Pullmann (Bureau der Landes­synode).

* Militärdienstnachrichten. Günther, Garn.-Verw.- Jnsp. in Offenbach, auf seinen Antrag zum 1. Mai 1900 mit Pension in den Ruhestand versetzt. Göttert, Garn.« Verw.-Kontrolleur in Frankfurt a. M., als Garn.-Verw.- Jnsp. nach Offenbach versetzt. Saxe, Zahlmeister, dem 3. Bat. des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zugeteilt.

** Oberhesfischer Gefchichtsverein. Wie wir aus bester Quelle hören, hat der Oberhessische Geschichtsverein für den fälligen Februarvortrag Herrn Professor Dr. Albrecht Dieterich gewonnen. Thema: Hexenwahn undgAber- glauben in Oberhessen. Zu dieser Veranstaltung wird auch an die Mitglieder der verwandten Vereine,Ver­einigung für hessische Volkskunde" undGesellschaft für Erd- und Völkerkunde", Einladung ergehen. Ort der Versammlung: große Aula des Kollegiengebäudes. Zeit: voraussichtlich Donnerstag den 22. d. M. Wir machen unsere Leser im voraus auf die dafür bürgt der Name des Vortragendensicherlich hochinteressante Darbietung auf­merksam, und verfehlen nicht, sie zu gleicher Zeit erneut auf die der Unterstützung werten, aber auch bedürftigen Ziele und Bestrebungen der jungenVereinigung für hessische Volkskunde" hinzuweisen, die ihnen allen aus unserer Beilage Blätter für hessische Volkskunde" bekannt sein dürften. Der Beitritt zur Vereinigung wird durch eine jährliche Zahlung von mindestens 1 Mark erworben. Die Mitgliedskarte ver­leiht zugleich das Recht, an den Veranstaltungen der Ver­einigung teilzunehmen, zu denen auch der angekündigte Vor­trag gerechnet werden darf.

** -Berichtigung) Zu dem kürzlich von uns berichteten, einem hessischen Blatt entnommenen Vorfall auf dem Nürn­berger Bahnhof, sendet uns Herr Schauspieler Dietz sch aus Nürnberg folgende Berichtigung, der wir um so eher Raum geben, als genannter Herr in Gießen bekannt ist und ferner demnächst im hiesigen Theater als Gast auf­treten wird:Schon 24 Stunden vorher, ehe der bekannte Skandalartikel über die Vorfälle am Nürnberger Bahnhof (auch in Gießen nachgedruckt) in der Nordbayerischen Zeitung erschien, lag auf dem Direktionsbureau eine getreue Schilde­rung des Vorfalles, von dem Hauptschuldigen, dem In­spizienten Molter, unterschrieben, welcher nur die einzige Thatsache bestehen läßt, daß ich einem Menschen, der mir zu nahe trat, die verdiente Züchtigung angedeihen ließ. Alle die humorvollen Schilderungen von Rauferei, dem Eingreifen der Polizei- und Bahnbeamten usw. sind Lügen. Der Chefredakteur derNordb. Ztg.'*, Herr Reitz, ver­folgt seit Jahren unser Institut, seine Leitung, Geschäfts­leitung und Leistungen auf die gehässigste Weise. Wie unser hochverehrter Direktor, so haben auch wir auf die oft flegelhaften, persönlichen Angriffe nie reagirt, und haben ihm auch in dieser Angelegenheit, die ihm eine hoch­willkommene Gelegenheit gab, sich an uns zu reiben, den Gefallen nicht gethan. Ebeuso haben die vielen hiesigen Zeitungen, außer einer einzigen, den Vorfall, den wir selbst aufs höchste bedauern, ignoriert. In Nürnberg kennt man den Herrn Reitz und uns! Da man aber in Gießen diesen talentvollenGiganten im Uebertreiben harmloser Vorfälle" jedenfalls nicht kennt, so hielt ich es für meine Pflicht, dem von mir hochverehrten Gießener Publikum, das mir einst so viel Sympathie entgegenbrachte, eine schriftliche Versicherung aus der Ferne zu senden, daß ich mich in Nürnberg nicht zum Raufbold ausgewachsen."

** Einen Preis von 100 Mk. hat der Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches für den Text des von ihm für das Jahr 1901 herauSzugebenden Tierschutz­kalenders ausgesetzt. Der Text soll aus größeren und kleineren Abhandlungen (auch Gedichten) bestehen, welche in einfacher Sprache, dem jugendlichen Verständnis angepaßt, in erzählender Form durch Belehrung und Beispiele aus dem Tierleben, den Kindern Liebe zum Tierleben nahelegen, und ihnen durch entsprechende Anleitung schonende Behand­lung der Tiere empfehlen. Selbstgefertigte Arbeiten sind bis zum 5. April bei dem Berbandsvorfitzendeu, Otto Hart­mann in Köln, einzureichen.

* Zu Amerika verstorbene Hessen. HarriSburg, Pa., Peter Kehr, 66 Jahre alt, aus Merlau. MuScatine, Ja., Heinrich Nicholas, 71 Jahre alt, aus Gonters­hausen. Ebenda. Oswald Preßler, 56 Jahre alt, aus Reichenbach. New-York, Wilh. Stahl, 62 Jahre alt, aus Burg Gräfenrod. Ebenda. Frau Mathilde Jung, 65 Jahre alt. Ebenda. Heinrich Müller, 54 Jahre alt, aus Habitzheim. Ebenda. C. A. Lincoln Amend, 32 Jahre alt. Mount Vernon, N. Y., LeopoldSchwahn, 61 Jahre alt, aus Hanau. Baltimore, Md., Heinr. Heckmann, 76 Jahre alt, CaSdorf (Cassel). Marietta, O., Anna Elisabeths Knoch, geb. Weppler, 61 Jahre alt, aus Dannenrod. Bucyrus, O., Peter Ahl, 64 Jahre alt, aus Niedermodau. Philadelphia, Pa.,

Peter Hausmann, 67 Jahre alt, aus Esselborn, bei Alzey. Yeadon, Pa., Julius Siebrecht, 54 Jahre alt, aus Cassel. Chicago, Jll., Philipp Lauth, 75 Jahre alt, aus Obernheim. Jndustry, Texas, Georg Koch, aus Alberode (Kurhessen). Springfield, O., Frau Eva Scho Hers, 80 Jahre alt, aus Ingelheim. Richmond, Va., C. L. Miller, aus Lauterbach.

4- Butzbach, 11. Februar. Das zum Besten der Buren im großen Saale desHessischen Hofes" dahier veranstaltete Konzert und Theater nahm in allen seinen Teilen einen glänzenden Verlauf. Ueber 700 Personen füllten den schönen Saal, so daß von dem Ertrage der verkauften Karten und Programme noch ein namhafter Ueberschuß für unsre niederdeutschen Stammesgenossen in Transvaal verblieb. Den Ortsgerichtsvorstehern rsp. Standesbeamten hiesigen Gerichtsbezirks wurde gestern seitens des Amtsgerichts in dessen Sitzungssaal ein Vortrag über die jetzt geltenden Bestimmungen des Personenstands­gesetzes und über die neuen Stempelvorschriften gehalten.

Lauterbach, 10. Februar. Folgendes schöne Schriftstück ist dieser Tage bei einem hiesigen Herrn ein­gelaufen:Geschehen .... den 4. Februar 1900. Hoch Gehörte Herrn. Ich der Unterzeichnete bin veranlaßt Ihnen einige Zeilen zu Schreiben, da es mir noch nicht gelungen ist, das schuldige Kellt zu bezahlen. So Bitte ich zu warben bis ihm März, daß Sie mir keine Goßten machen. Ihm Märtz werde ich alles besorgen, da laße ich zwei Schweine Schlagten, wenn Sie aber früher geschlagtet werden, so wird es früher bezahlt. Hoch Achtungsvoll N. N."

O Ilbeshausen, 10. Februar. Ein ausländischer Ar­beiter wollte bei einer Steinsprengung nach einem nicht losgehenden Geschosse sehen, welches gleichzeitig los- ging, und wäre der Arbeiter beinahe mit in die Luft geflogen. Schwere Verletzungen hat er davongetragen, sodaß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Darmstadt, 10. Februar. An der Großh. Tech­nischen Hochschule dahier sind im laufenden Winter­semester 41 Damen (darunter 16 Lehrerinnen) als Hörerinnen eingeschrieben für folgende Vorträge: Eng­lische Sprache 9 Hörerinnen, Französische Sprache 1, Litteraturgeschichte 7, Geschichte 8, Kunstgeschichte 2, Grund­züge der Volkswirtschaftslehre 8, Geld-, Bank- und Börsen­wesen 1, Arbeiterbewegung 2, Theorie der Musik 2, Ge­schichte der Oper 7, Physikalische Geographie 7, Kauf­männische Buchführung 1.

** Darmstadt, 11. Februar. Am Freitag betrug die Besucherzahl der Darmstädter Marine-Ausstellung 5500 Personen. U. a. war der Frankfurter Jngenieur- verein mit seinen Angehörigen in corpore zum Besuche der Ausstellung hier eingetroffen; auch sonst zeigte sich der Zu­zug von auswärts an diesem Tage besonders stark. Am Freitagabend hatte der Ausstellungsausschuß zu Ehren des Herrn Geh. Regierungsrats Professor Busley aus Berlin, der hochverdienten Leiters der Ausstellung, imDarmstädter Hof" ein Abschiedseffen veranstaltet, das einen sehr animierten Verlauf nahm. Von den zahlreichen Trinksprüchen, die dabei ausgebracht wurden, seien erwähnt das von Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel in zündender Rede ausgebrachte Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, der herzliche Toast des Vorsitzenden des hessischen Landesausschusses des deutschen Flottenvereins, Herr Dr. Willy Merck, auf Herrn Geheime- rat Busley, den letzterer in liebenswürdigster Weise mit einem Trinkspruch auf den Ausstellungsausschuß erwiderte, sowie die warmen Dankesworte, die Herr Oberkonsistorial- sekretär Sonne, der Vorsitzende des Preß-Ausschusses, der verehelichen Preffe des Großherzogtums und der angrenzen­den Gebiete widmete, deren bereitwilligem Entgegenkommen und thatkräftiger Unterstützung der große Erfolg der Aus­stellung mit in erster Linie zu danken sei. Herr Geh. Regierungsrat Busley, der am Samstagvormittag von Seiner Königl. Hoheit dem Großherzog in Audienz empfangen wurde, ist nachmittags über Düffeldorf, wo er einen Vor­trag hält, nach Dresden abgereist, wo die Marine-Ausstellung bereits am 26. l. Mts. eröffnet werden soll. Der Schluß der Darmstädter Ausstellung erfolgt heute abend 10 Uhr.

* Ausstellung für Krankenpflege Frankfnrt a. M. 1900. Anläßlich der vom 8. 18. März d. I. stattfindeuden Ausstellung für Krankenpflege wurde nebst dem großen Herren-Komitee, dem letzthin der Herr Oberpräfident, Staats­minister Graf von Zedlitz beigetreten ist, auch ein großes Damen-Komitee gebildet, dessen Vorsitz ihre Exzellenz die Frau Generalin von Lindequist übernommen hat, und dem es in der Hauptsache zufallen wird, das Arrangement der Gruppen für häusliche Krankenpflege zu leiten. In der landwirtschaftlichen Halle, woselbst die Ausstellung statt­finden wird, müffen große Umgestaltungen vorgenommen werden: so wird in den gesamten Räumen der Boden einen Breiterbelag erhalten, sowie elektrische Beleuchtung und elektrische Kraft zum Betriebe verschiedener Maschinen und Apparate, zugeleitet werden. Das Bureau der Aus­stellung, welches sich TöngeSgaffe 25 befindet, wurde an das Fernsprechamt unter Rr. 6286 angeschlossen und ist täglich von 9 Uhr ftüh bis 7 Uhr abends ununterbrochen geöffnet.

Marburg, 10. Februar. Herr Major von Reuß, Bezirks-Offizier beim hiesigen Bezirks-Kommando, ist zum Bezirks Offizier beim Bezirks-Kommando II Kassel ernannt und in dieser Eigenschaft nach Esch Wege versetzt worden.

Z. Wabern, 11. Februar. Der Einwohner E. in dem benachbarten Homberg machte seinem Leben dadurch ein Ende, daß er sich in der neuen Leichenhalle deS Totenhofs erhängte. Die Beweggründe zu der unseligen That sind unbekannt.

Kaffel, 10. Februar. Ein schneller Tod ereilte gestern nachmittag einen Bahnbediensteten auf der Station Gensungen (Strecke Kassel-Wabern). Derselbe war beim

Rangieren von Wagen thätig und geriet hierbei zwischen die Puffer zweier Wagen, als dieselben zusammengesetzt wurden. Die Verletzungen waren so schwer, daß der Tod alsbald eintrat.

Diesichtbaren Vorräte" nnd der Weizenpreis.

ii.

Noch schlimmer steht es mit der Zuverlässigkeit der Angaben über dieprivaten sichtbaren Vorräte" Die Lagerhäuser sind nämlich nur in den Staaten Illinois, Minnesota und Missouri gesetzlich zu wahrheitsgetreuen Angaben ihrer Warenvorräte ver­pflichtet. In allen anderen nordamerikanischen Staaten kann sich hier der Sckpvindel ungehindert breit machen. Aus diesem Gebiete herrscht der Elevatorenring unumschränkt. Auch die Plätze-, auf welche sich diese Privaterhebungen erstrecken, bleiben noch weniger Jahr für Jahr die gleichen. So hat z. B. Bradstreet im Verlaus des Jahres 1899 16 Plätze in seine Statistik der sichtbaren Vorräte neu ausgenommen.

.Das alles muß natürlich die nordamerikanischen sichtbaren Vorräte sehr wesentlich nach der Richtung der höheren Ziffer verschieben, ohne daß damit irgend etwas für die wirkliche Zu­nahme der Vorräte bewiesen wäre. Wenn trotzdem die Presse heute fortwährend dem so niedrigen Weizenpreise gegenüber auf die Höhe der sichtbaren Vorräte Amerikas pocht, so fehlt ihr entweder die genügende Kenntnis von den Bedingungen, unter denen die Angaben über dieselben entstehen, oder sie hat sich noch nie ernstlich die Frage vorgelegt, um welchen Betrag wohl der nordamerikanische Elevatorenring die sichtbaren Vorräte Nord­amerikas willkürlich heute erhöht hat.

Die richtige Beantwortung dieser Frage aber liegt im dringenden Interesse nicht nur der Landwirte, sondern noch mehr fast in dem des soliden Händlertums.

Als Kontrollziffern bieten sich: die Höhe der Weizenernte der Vereinigten Staaten, die sichtbaren Vorräte am 1. August, die Statistik der Ablieferungen auf den acht wichtigsten Märkten St. Louis, Kansas-City, Toledd, Detroit, Chikago, Minneapolis. Duluth und Milwaukee für den Zeitraum vom 1. August bis 31. Dezember und die Verschiffungen während des gleichen Zeit­raums aus den atlantischen Exporthäfen, und zwar alle Ziffern für Weizen und Weizenmehl, das Mehl in Weizen umgerechnet.

Aus der Vergleichung dieser Daten ergiebt sich folgendes. Die Weizenernte des Jahres 1898 war eine reichliche, sie betrug nach zuverlässigster Schätzung rot. 700 000 000 Bushels, während die privaten sichtbaren Vorräte am 1. August mit 23 401000 Bushels angegeben waren. Der Gesamtvorrat an Weizen für das Verbrauchsjahr 1898/99 belief sich also auf 723 401 000 Bushels. Dieser Zahl stellt das Verbrauchsjahr 1899/1900 eine Ernte von rot. 548 000 000 Bushels und private sichtbare Vorräte am 1. August in Höhe von 64 340 000 Bushels, insgesamt also 612 000 000 Bushels Weizen, d. h. 111 001 000 Bushels weniger gegenüber. Der weitere Verlauf des Getreideverkehrs zeigt in beiden Jahren bisher gleichmäßig normale Verhältnisse. Die westlichen Ablieferungen betrugen vom 1. August bis 31. De­zember 1898 gleich 175 341000 Bushels, die Verschiffungen aus den atlantischen Exporthäfen 198 742 000 Bushels, während für erstere das Jahr 1899 gleich 122 079 000 Bushels, für letztere 186 403 000 Bushels aufweist. Aus diesen Zahlen müßte man nun folgern, daß die privaten sichtbaren Vorräte am 31. De­zember 1899 gegenüber denen vom 31. Dezember 1898 sich niedriger, in jedem Falle sich nicht erheblich höher stellen würden: Dem ist aber nicht so. Die privaten sichtbaren Vorräte ohne Kalifornien waren vielmehr am 31. Dezember 1898 gleich 68 736 000 Bushels, für den 31. Dezember 1899 werden sie mit 112 605 000 Bushels angegeben. Während diese Vorräte also für das Jahr 1898 gleich 9,7 pCt. der Jahresernte aus­machen, sollen sich am Schlüsse des Jahres 1899 gleich 20,4 pCt. der Jahresernte in den privaten sichtbaren Vorräten befinden. Ja, fast um die Hälfte sollten die diesjährigen sichtbaren Vorräte die des vorhergehenden Jahres übersteigen. Und das alles trotz der so beträchtlich schwächeren Ernte des letzten Jahres und trotz des Zuwachses des nordamerikanischen Weizenkonsums. Das ist einfach unglaublich. Angesichts dieser Zahlen muß vielmehr die bestimmte Vermutung ausgesprochen werden, daß der Ring der nordamerikanischen Elevatorengesellschasten heute die Ziffer der privaten vermittelten sichtbaren Vorräte Nordamerikas im Vergleich zum Vorjahre etwa um 35 bis 40 Millionen Bushels erhöht hat und deshalb jedenfalls auch dieofsiziellen" Vorräte um mindestens 20 Millionen Bushels in gleicher Richtung zu beeinflussen wußte.

Dieoffiziellen" nordamerikanischen Vorräte wären also für den 1. Januar 1900 auf etwa 38 Millionen Bushels, die privat ermittelten Vorräte auf etwa 92 Millionen einschließlich Kali­fornien, und auf 72 Millionen Bushels ohne Kalifornien zu er­mäßigen, und den exzeptionell niedrigenoffiziellen" Vorräten von 26 Millionen wie den privat ermittelten Gesamtvorräten von 85 Millionen Bushels für den 1. Januar 1899. vergleichsberechtigt gegenüber zu stellen. Damit erhält man glaubliche Ziffern, die auch sehr wohl vereinbar sind mit der von verschiedenen Seiten vertretenen Schätzung, wonach Nordamerika nur noch wenig mehr als 80 Millionen Bushels Weizen abzugeben hat.

So unterliegt es wohl keinem Zweifel, daß der nordameri­kanische Elevatorenring wieder einmal Monate hindurch den Weizenmarkt a la baisse vergewaltigt hat. Möglich, daß die Absichten dieses Ringes jetzt darauf gerichtet sind, einen nicht minder energischen Raubzug a la Hausse auszuführen. Denn ine Vorräte in den atlantischen Seeplätzen Baltimore, Boston, Buf­falo, Montreal, New-York und Philadelphia einschließlich der auf den Seeen und dem Eriekanal schwimmenden Weizenmengen waren nach Bradstreet vom 30. Dezember 1899 nur 10 224 000 Bushels gegen 14 287 000 Bushels zur gleichen Zett des- Vor­jahres, als die sichtbaren Vorräte Nordamerikas fast nur aus der Hälfte der heutigen Ziffer angegeben wurden. Möglich also, daß der nordamerikanische Elevatorenring seine Hauptvorräte im Jnlande zurückhält, um sie zur passenden Stunde einzusperren.

Indessen es ist nicht die Absicht, diese Frage weiter zu er­örtern. Nicht auf eine Voraussage über die weitere Gestattung des Wcizenmarktes, sondern darauf kommt es an, die Angaben über diesichtbaren Vorräte" Nordamerikas nach ihrem wahren Wert zu charakterisieren als das, was sie in Wahrheit sind: eine völlig unzuverlässige Grundlage für die wichtige Beurteilung der wirklich vorhandenen disponiblen Weizenvorräte, aber, solange der Weltmarkt sich von ihnen gutgläubig beeinflussen läßt, eine unwiderstehliche Waffe in der Hand des großkapitalistischen Spe- kulantentums in Nordamerika.

Kirche und Schule.

Sondershausen, 10. Februar. Durch ministeriellen Erlaß ist den Lehrern im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen die Ausübung der Jagd von jetzt ab untersagt worden.

Für die Eltern von Söhnen, die eine hessische Realschule besuchen, dürfte die Mitteilung von Jnterreffe sein, daß für die Realschulen deS Großherzogtums außer einem neuen Lehrplane auch eine neue Prüfungsordnung erschienen ist. Der erstere tritt bereitS Ostern dieses Jahres, die letztere Ostern 1901 in Kraft. Nach dieser können abweichend von der bisherigen Bestimmung bereits diejenigen Schüler der jetzigen X Realklasse (II b) am Schluffe des Schuljahre- zum erstenmal Ostern 1901 geprüft werden, die die Anstalt verlaffen und sich das Zeugnis über die wiffensckaftliche Befähigung für den einjährig-freiwilligen Dienst erwerben wollen. Die Real-

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