1
am
Der Allgemeine Verein für Armen- und Krankenpflege hat um Gewährung eines weiteren Beitrags nachgesucht. Unter Hinweis auf die bisher geleisteten und die ihm noch bevorstehenden Aufgaben werden in der Eingabe die Schwierigkeiten dargelegt, mit welchen der Verein finanziell zu kämpfen bat. Bisher erhielt der Verein jährlich 1000 Mk. Nach der Erklärung der Finanzdeputation rechtfertigen die neuen Aufgaben des Vereins sowohl, wie die Erweiterung seiner seitherigen Aufgaben eine weitere Unterstützung. Die Kommission empfiehlt aus den näher dargelegten Gründen eine einmalige Kapitalverwilligung zum Neubau des Schwesternhauses in der Johannesstraße; sie beantragt, aus Mitteln des Stadterweiterungsfonds 10000 Mk. zu bewilligen. Wie Herr Oberbürgermeister Gnauth darlegt, berechnet sich der Gewinn, welchen die Stadt durch Ankauf des „Wiener Hofes" und Verwertung des Geländes zu Bauplätzen erzielte, auf ca. 40000 Mk. Die günstige Verwertung des BauterrainS sei zu einem guten Teile unter Mithilfe des Allgemeinen Vereins ermöglicht worden, und dieser Gewinn rechtfertige die Ueberweisung eines Teils desselben an den genannten Verein. Die Versammlung beschloß demgemäß.
Die vorliegenden Gesuche um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb mit Branntweinausschank (Jean Brunner, Ludwigs- Platz 15, Martin St ein meyer, Grünbergerstraße 24, und Joh. Altensten, Bruchstraße 12), werden nicht befürwortet.
»on Spener, geboren. Durch Wort und Schrift trat er den zelotisch-dogmatischen Eiferern seiner Zeit kräftig entgegen und förderte unter rechtem Gebrauch der Bibel ein wahres, durch die That bewährtes Christentum. Spener starb am 5. Februar 1705 zu Berlin. _____________
** Schutz den Tieren! Unter den Unbilden der gegenwärtigen Witterung leiden nicht nur die Menschen, die bei der naßkalten Luft den Schnupfen nicht los werden, sondern auch die Tiere, und nicht zum wenigsten diejenigen Tiere, über welche der Mensch herrscht. Herrschen schließt vielfache Wünsche in sich. Während der Mensch mehr oder weniger Freiheiten hat, ist das Tier abhängig vom Menschen, das Haustier sowohl, wie der Vogel in der Luft; denn immer enger zieht die Kultur ihre Kreise und beschränkt die Bewegungsfreiheit der Tiere im Freien. Deshalb sollte jeder, der eine warme Stube hat und auskömmliche Nahrung für sich und seine speziellen Lieblinge, auch der armen Tiere gedenken, welche oft nicht genügend Unterhalt finden, und oft noch dazu grausame Herren und Herrinnen haben, die Pferde und Hunde, die am Wagen stundenlang, ja tagelang gespannt, oft stillstehend, jeder Unbill des Wetters preisgegeben sind, während sich ihre Besitzer in der Kneipe gütlich thun. Diese und ähnliche Klagen sind schon so oft ausgesprochen worden, und doch ist es zu verwundern, daß das deutsche Volk am Tierschutz noch so wenig Anteil nimmt. Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes! Muß man denn erst allemal selbst ein Tierbesitzer sein? Geht uns in Deutschland nicht alles Getier etwas an, das auf deutschem Boden sich befindet, und für uns lebt und arbeitet? Wo bleibt da das berühmte deutsche Gemüt und das deutsche Pflichtgefühl? Mit ätzendem Witz werden bisweilen sogar noch die wahren Tierfreunde verfolgt. Und manche sonst recht Kluge und Verständige thun die Bewegung damit ab, daß sie sagen: Erst müsse man sich mit
*♦ GeschichtSkalerrder. (Nachdruck verboten.) Vor 265 Jahren, 13. Januar 1635, wurde zu Rappoltsweiler in Oberelsaß der erleuchtete Theologe deö 17. Jahrhunderts, Philipp Jakob
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, den 12. Januar 1900.
Wegen Beleidigung ist ein Berliner Schriftsteller verklagt worden, weil er das Königshütter „Tageblatt" für bodenlos langweilig" erklärt hat. Der Termin in diesem schnurrigen Prozeß ist für den 18. Januar in Königshütte angesetzt. Man darf neugierig sein, wie sich die Schöffen des oberschlesischen Städtchens aus dieser höchst peinlichen Affäre ziehen werden, vorausgesetzt, daß sie in der Sache überhaupt zuständig sein sollten. Die Bevölkerung von Königshütte aber wird vielleicht Gelegenheit erhalten, durch Sachverständige zu erfahren, ob ihr „Tageblatt" langweilig ist oder nicht.
„T o d es kr e uz u n g e n" in New-York. Das Ueberschreiten der verkehrsreichsten Straßen und Plätze unserer großen Städte ist Kinderspiel im Vergleich zu dem Passieren gewisser Kreuzungen in der nordamerikanischen Metropole. Der Tod in furchtbarster Gestalt lauert auf den zerstreuten oder unvorsichtigen Fußgänger an diesen Stellen, die ber Volksmund mit dem Ausdruck „Todeskreuzungen" bezeichnet. Die zwei gefährlichsten Straßenübergänge sind am Broadway und der 14. Straße „Todeskurve" genannt, und an der 36 Straße und 6. Avenue, der „Todesecke". Am meisten gefürchtet ist die „Todeskurve", die ihren schauerlichen Namen durch eine Reihe von gräßlichen Unglücksfüllen erwarb. Ehe die um die Ecke sausenden elektrischen Straßenbahnwagen mit dem gegenwärtigen Greifapparat versehen wurden der es ermöglicht, die Schnelligkeit bei dem Um- der Kurve zu mäßigen, ereignete sich an dieser Stelle fast täglich em Unfall. Der alte Mechanismus der Cars gestattete em Vermindern der Fahrgeschwindigkeit ft .sobald der Grerfapparat das Kabel in der Kurve einmal losgelasten hatte, konnte er es nicht wieder packen und es entstanden dann immer langweilige Blo- kaden. Um das zu vermeiden, flogen die Ears in fast rasendem Tenipo um die Ecke und wehe dem Unseligen der nhhnrnf1 kam. Selbst jetzt, mit dem neuen Greif-
Morat, bleibt die Kurve noch immer äußerst gefährlich. Alle -0 Sekunden sausen Cars in entgegengesetzter Richtung um die Ecke und überraschen dabei' selbst den ^^brksamsten Fußgänger. Das Getöse der Glocken die Schrie der „Gripmen" und Zuschauer, die Rufe der Fuhr- eute bewirken eme enorme Konfusion. Tie Todeskurve ist die Szene manches blutigen Unglücks und manches
Heldenstücks gewesen. Dort wurde Polizist Irving Haugh- taling auf Posten getötet. Er war im Begriff, inmitten des Höllenlärms zwei Frauen über die Straße zu leiten. Diese blieben plötzlich erschreckt stehen und stießen dadurch ihren Schützer zurück und direkt vor eine schnellfahrende Car. Er wurde tot aufgehoben. Noch verschiedene andere Polizisten hauchten dort in treuer Pflichterfüllung ihr Seben aus oder mußten schwer verletzt fortgetragen werden. Die gewandtesten und umsichtigsten Schutzleute s^ts an dieser Kreuzung auf Posten und werden bei Regulierung des Verkehrs durch besonders dazu Angestellte der Car-Company unterstützt. Aber selbst die größte Aufmerksamkeit dieser pflichteifrigen Beamte» kann der Todeskurve nicht ihren Schrecken rauben. Die sogenannte „Hoodoo - Strecke" (Unglücks - Strecke) von der 6. Avenue und 30. Straße bis zur „Todesecke" an ber 36. Straße ist nicht minder berüchtigt wegen ihrer Unfälle. Hier fanden kurz nacheinander mehrere in New-York sehr bekannte Persönlichkeiten ihren Tod. In dem Polizeisergeanten Sexton, V'er dort postiert ist, einem baumlangen, breitschulterigen Manne, sehen die Passanten der Straße ihren Schutzengel. Nur seiner eisernen Ruhe und seltenen Geistesgegenwart verdankt der Beamte es, daß er bei der Rettung von einigen 500 Personen täglich immer noch glücklich dem Rachen des Todes entschlüpft ist. Auch am Broadway und der 23. Straße haben bfc beherzten Blauröcke tüchtig zu thun, um die Fußgänger vor Gefahr zu schützen. Von 5 bis 7 Uhr abends ist der Verkehr am schlimmsten und in dieser Zeit ereignen sich meisten Unfälle. An dieser Stelle wurde auch ber Millionär-Spiritist Henry Newton burch ein Kabelcar ins ?buseits befördert. Die größte Arbeit machen ben Hütern oer öffentlichen Sicherheit bie Fremben, aveil sie blinb in bie Gefahr hineinlaufen, währenb der^.Aew-Yorker im Grunde genommen sehr vorsichtig ist. Der uniformierte „Schutzengel" an ber 6. Avenue und 23. Straße hat es auch nicht leicht unb muß oft bie Hilfe eines ober mehrerer Kollegen in Anspruch nehmen. Am meisten machen ihm me vom „Shopping" zurückkehrenben Damen zu schaffen, die gewöhnlich fo in ihre Gespräche über ihre Einkäufe vertieft sind, daß sie weder auf die elektrischen Cars noch die Droschken, Automobilen oder Lastwagen achten.
KW LW -MensW Mi
Jeu« “ >-» 1111 bet ® ¥©obnung SÄ" ’*!’ «lei»»«»!
Sau ... ■*
ein* f "T von einem
■yb erlitt eine I «® Mt abi#’
Hie heule Win «ine unbekannte, all üiyhöttnbt Man mhrcrt Tage nn W Wsgericht mürbe ] Puditzt.
• W, IO.® uit w. ' Den nid)t MiM gebracht. Nach £ ' liches Iagbchen ir
a. Aus de« ei nmrftänbi:fe Nnbandes Mlai yi Fritzlar einen 1 hrn. Landrat Sto rar interne Angele ber Ort für ba9 welchem D btrtih ttrbtn. - Sinin tr Tage Herr Baran Di ^txbe halte mährend T ieM W deni Pf 1'serd infoWDn । ^ron sah ßch solged zv lassen. - Jnsolc d'-sseiligen Greife ho svckt. M die Uanb1 pÜblich. Seit einige M im Gange und i bn Handel gebracht, »iibrige Preise gezah' w. Ireyia, 10.
Landrat und itl ™ hem nahe gelt Lenzenden Gemarkun 9'"Strti $tlbtr M ba 10 5Qf(ll
'chen Mtsjajt« »rttger. mb !"’9 »i- Mim «« M-kblick auf ba "'S™ bei beeifj,.
dem Menschenschutz befassen Ganz recht. Aber darSb-r darf man nicht die menschlichen Pflichten gegen die Der. weit »eraeffen! Wer für Stere kein Herz hat, der hat e« sicherlich auch für Menschen nicht! Wer gletchgrltig an der No, der Tiere vorübergeht, hat auch für Menschennot keine rettende Hand. Darum, Ihr alle, dre Ihr ein warmes, edles Herz habt, vergeßt bie Tiere nicht, sondern nehmt Euch ihrer an. * e
•• Wie habe ich die Wohnung beim Auszuge dem Wirte ru übergeben, Hierüber hat enbgilttg das Reichsgericht entschieden, indem es in einem Streitfälle über diese Frage festsetzte: Wenn es in den Mietsverträgen heißt, daß der Mieter die Wohnung so zu übergeben habe, wie sie von ihm übernommen worden sei, so ist dies immer mit dem Zusatz zu verstehen: „soweit sie nicht durch ordnungsmäßigen Gebrauch abgenutzt oder abgewohnt ist". Der Mieter hat nur allen durch „unpflegliche- Benutzung verursachten Schaden zu ersetzen. So hat er u. a. abgerissene oder mit Schmutz oder Fettflecken besudelte Tapeten repariere» und zerbrochene Fensterscheiben wieder herstellen zu lasse», verlorene Schlüssel muß er durch neue wieder ersetzen; dagegen braucht er für abgelaufene Dielen, durchgebrannte Ofenrohre, zersprungene Ofenplatten, schadhafte Schlöffer und Thürklinken nicht aufzukommen. Nur wenn sie durch gewaltsames oder fahrlässiges Behandeln ruiniert oder beschädigt worden sind, muß sie der Mieter in Stand setzen. Der Mieter hat die Mietslokalitäten vollständig zu räume» und die Schlüsiel dem Wirt oder Verwalter zu übergebe». So lange dieses nicht geschehen, setzt er den Mietsvertrag fort und muß den Mietspreis weiter bezahlen. Ferner hat der Mieter beim Auszuge die Wohnung dem Wirt oder Verwalter gereinigt, d. h. „besenrein-, zu übergeben. Eine besondere Reinigung der Fensterscheiben, Thüren, Wände u. s. w. ist nicht Verpflichtung.
- Nidda, 7. Januar. Das Gasthaus „zum Stern" hier wurde von Ludwig Schmidt in Friedberg für den Preis von 27 000 Mk. angekauft, und hat derselbe bereits am 1. Januar seinen Besitz angetreten. Der seitherige Besitzer, Georg Kraft, übernimmt eine gut dotierte (Stellung als Braumeister in Caracas (Hauptstadt der südamerikanischen Republik Venezuela) und siedelt bereit- in den nächsten Tagen mit Familie dahin über.
§§ Herchenhain, 10. Januar. Die hier vor einiger Zeit aufgegebene Filiale der Zigarrenfabriktaion Bierman» u. B i e ß n e r aus Hamburg soll wieder ausgenommen werde«. Herr Kaufmann Seb. Weidner hier /will den Betrieb weiterführen, und nächste Woche sollen die Arbeiterinne« wieder ihre Beschäftigung ausnehmen.
A Lauterbach, 11. Januar. Eine recht unliebsame Entdeckung machte neuerdings der von hier stammende, aber schon seit 34 Jahren zu Griesheim am Main beschäftigte 52 jährige Arbeiter Johannes Schwarz. Derselbe galt nämlich bisher in den Augen der Behörden für eine» schwerbestraften Verbrecher, der schon wiederholt im Zuchthaus gesessen. Schwarz erfuhr erst jetzt hiervon und war natürlich über diese uüa-tgenehme Uebei« raschung mit Recht empört, zumal er, abgesehen von 6 Tagan Hast, noch niemals Freiheitsstrafen zu verbüßen hatte. Die Strafreihe war aber im Strafregister seiner hiesigen HeimatS- behörde eingetragen und mußte somit auch von irgend jemand verbüßt worden sein. Dieser Unbekannte wurde nun in der Person des 53 jährigen, unverbesserlichen Diebes und Stromers Johanne- Reul von hier ermittelt, welcher nach eigenem Geständnisse schon seit 25 Jahren unter der Flagge des Schwarz vagabundierte und sich auch unter dessen Namen vielfach verurteilen ließ. Gegenwärtig sitzt
JtN
M>erli($en nutzst . ^aurei
Nh k bteivz, ^6 btn 26 u*
1>I<!
3.
Bei alledem hat Her» Kollege Scheel mit vifer und Erfolg «it- gcwirkl; dem Dank unserer Stadt dafür an dieser Stelle Ausdruck |U geben, bin ich »on der Vorschlagskommisfion ermächtigt, Eie alle aber labe ich ein, zum Zeichen Ihres Einverständnisses, |U vhren unseres dirnfiältesten Kollegen sich von Ihren Sitzen zu erheben.
Auf dem Platze des Herrn Stadtverordnete« Scheel stand eine prachtvolle Jardiniere.
Herr Scheel dankte in bewegten Worten für bie ihm gewordene Ehrung. Die Anerkennung, die Herr Oberbürgermeister zum Ausdruck gebracht, könne er nicht in allen Teilen acceptieren. Er habe sich nur bemüht, den Anforderungen, die das Amt eines Stadtverordneten stellt, zu erfüllen. Die Blumenspende nehme er dankend an, sie solle ihm und seinen Angehörigen stets ein teures Andenken bleiben. Er danke nochmals herzlichst.
Die Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke beabsichtigt am Leihgesterner Weg einen einstöckige« Fachwerksbau mit Feuerungsanlage zu errichten. Das Gesuch wird befürwortet.
Dem Gesuch des Herrn Ferd. Schott um Rückvergütung der anteiligen Kosten, welche derselbe für die Asphaltierung der Trottoirs vor seinem Hause aufgewendet, wird stattgegeben, desgl.
dem Gesuch des Herrn L. Seuling um Erlaubnis zur Legung eines Geleises über den alten Wetzlarer Weg.
Die für Ausführung einer Probestrecke Asphaltpflaster auf der Hammstraße entstandenen Kosten im Betrage von 274 Mk. werden bewilligt.
Zwei Gesuche um käufliche Ueberlassung des Grundstücks Flur 34 Nr. 324 a an der Licherstraße werden abgelehnt, die Gesuchsteller beabsichtigen auf bezeichnetem Grundstücke eine Sandgrube anzulegen. Auf Antrag der Baudeputation soll dagegen das betr. Grundstück zum bezeichneten Zwecke im Wege des Meistgebots zunächst auf die Dauer von 3 Jahren verpachtet werden.
Der Geflügel- und Vogelzuchtverein Gießen und Umgegend hat um Stiftung eines Wanderpreises aus Anlaß der alljährlich von ihm veranstalteten Ausstellungen nachgesucht. Unter Anerkennung der Bestrebungen des Vereins im Interesse der Allgemeinheit wird dem Gesuche stattgegeben und beschlossen, einen Preis im Werte von ca. 60 Mk. zu stiften.
Auf Ersuchen des Ausschusses für dasMittelrheinisch- Badisch-Pfälzische Verbandsschießen im vorigen Jahre wurde s. Z. beschlossen, das zu den Festbauten erforderliche Holz, 332,14 Festmeter, zum Preise von 14 Mk. per Festmeter zu überlassen, den Preis aber auf 10 Mk. (Tarifpreis) zu ermäßigen, falls das Fest mit einem Fehlbetrag abschließen sollte. Infolge ber ungünstigen Verhältnisse, welche bas Fest beeinträchtigten, hat sich ein Fehlbetrag von 7900 bis 8000 Mk. ergeben. Die Frage betr. Deckung des Fehlbetrags ist soweit befriedigend gelöst, indem einesteils der Schützenverein die stehengebliebene Schießhalle zum Preise von 4600 Mk. übernommen, andernteils einige Garantiezeichner höhere Beträge ä fond perdu zur Verfügung stellten. Der Fehlbetrag würde völlig ausgeglichen, wenn bie Stabt bas gelieferte Holz zum Tarifpreis in Anrechnung bringen würbe, welches einem Nachlaß von 1328,50 Mk. entspräche. In Konsequenz des s. Z. gefaßten Beschlusses erklärt sich bie Versammlung mit Bewilligung dieses Nachlasses einverstanden.
In Nieder-Ramstadt soll im Herbst d. I. eine Anstalt für epileptische Kinder und Jugendliche eröffnet werden. Im Hinblick auf bie noch mangelhafte Fürsorge für Epileptische, bie bis zur Einrichtung von Siechenhäusern noch in fremden Anstalten untergebracht werden müssen, erachtet die Versammlung es für anerkennenswert, wenn fortan im eigenen Lande für epileptische Kinder gesorgt wird und beschließt, zum Bau ber Anstalt 300 Mk. beizusteuern.
Feuilleton
Das Vaterland kann einen jeden von uns ; j entbehren, aber keiner vonuns des Vaterlandes. <! Wehe dem, der meint, daß er es könne; doppel^ ■ wehe über den, der es in der That entbehrt. Außerhalb der Nationalität gibt es weder Kunst, noch Wahrheit, noch Leben.
Turgenjeff. «
Den sezessionistischen Weihnachtsbaum besingt das „Jllustr. Extrablatt" in folgenden scherzhaft- farbenblinden Strophen: O Tannenbaum, o Tannenbaum, — Wie blau sind deine Blätter! — Die Aeste rosahell erglüh'n, — Tie Nüsse strahlen himmelgrün .... — O Dannenbaum, o Tannenbaum, — Wie hast du dich verändert! — O Tannenbaum, o Tannenbaum, — Wie gelb Und deine Blätter'. — Tie Reiter all aus Marzipan, — Die haben keine Hosen an; — Die Puppe dort an ihrer Tchuur — Gleicht einer Sektplakatsigur ... — £) Tannenbaum, o Tannenbaum, — Wie gehst dn nach der Mode? — O Tannenbaum, o Tannenbaum, — Wie rot sind deine Blätter! — Sogar dein Stamm zum ganzen stimmt, — Man hat ihn zeitgemäß gekrümmt; — Jetzt kannst du kaum mehr aufrecht steh'n, — Doch bist du stilvoll anzu- ieh'n . . . — O Tannenbaum, o Tannenbaum, — Was bist du für ein Gigerl!
Ein Scherz Podbielskis. Daß der Staatssekretär des Reichspostamts, Herr v. PodbielSki, gut zu parieren weiß, bewies er kürzlich wieder recht schlagend Eines Tages kaufte sich ein Mann in Westfalen einen Kartenbrief, aber siehe da, die Gummierung fehlt. Erbost scklickt der Mann den Brief mit einem Faden zugenäht •n Herrn PodbielSki und fragt in dem Briefe ironisch an' •b man so mit mangelhaft gummierten Kartenbriefen verfahren müsse? Mit wendender Post traf eigenhändige Antwort em, und in liebenswürdigster Weise teilte der Staatssekretär dem Frager mit, daß er den qu. Brief ganz richtig behandelt habe, nur müsse er den Faden durch jedes Voch der Zahnung ziehen!


