englischen Offiziere in Pretoria zu erschießen- und Lord Roberts zum Gefangenen zu machen. Zehn Anstifter wurden verhaftet.
Dem „Reuter'schen Bureau- wird des weiteren hierzu aus Pretoria gemeldet: Eine Anzahl hiesiger Einwohner, die mit dem Feinde in Verkehr standen, trafen am 7. August, abends, Veranstaltungen, um die Ermordung aller in der Stadt wohnenden englischen Offiziere und die Gefangennahme und Wegführung des Feldmarschalls Roberts zum nächsten Burenkommando zu verabreden. Die Verschwörung wurde erst im letzten Augenblick entdeckt und zehn der Verschwörer verhaftet. Die Verschwörer beabsichtigten, diesen Plan während einer durch Brandstiftung hervorgerufenen allgemeinen Verwirrung zur Ausführung zu bringen.
Ob diese Angaben so völlig zutreffen, muß man wohL noch abwarten. Der Meuchelmord ist ein Mittel, besten Benutzung man den Buren nicht so ohne weiteres zutrauen möchte. Immerhin ist der Zwischenfall bedeutsam für dir. Stimmung, die selbst unter den Augen des britischen Hauptquartiers in der Bevölkerung herrscht.
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Telegramme deS Gießener Anzeigers.
Lourenzo Marquez, 11. August. Die Buren veröffentlichen ein Kriegsbulletin, worin sie mitteilen, daß eine große Schlacht zwischen Middelburg und Lydenburg stattgefunden hat, in der die Engländer geschlagen wurden und sich nach Middelburg zurückziehen mußten. Die Engländer verloren 500 Tote und Verwundete. Im Freistaat errangen die Buren ebenfalls mehrere Siege, Heilbronn, Villers und Franksort haben sie zurückerobert. Präsident Krüger erklärte für unrichtig, daß sich Buren ergeben hätten. Er sagte, der Krieg wird noch sehr lange dauern.
Loudon, 11. August. Morning Post unterwirft die technischen Kenntnisse Lord MethuenS einer scharfen Kritik, weil Methuen De Wet entschlüpfen ließ, da Methuen einen falschen Weg eingeschlagen hatte. Da- Blatt stellt fest, daß heute in der SiegeS-Periode die Totenlisten der Engländer größer sind als bei Beginn deS Feldzuges.
London, 11. August. Meldungen aus Pretoria be- 1 stätigen, daß General De Wet entkommen ist und । erfolgreich mit feinem ganzen Korps den Vaalfluß über» schritten habe. General Methuen sei nicht im stände, gewesen, ihn aufzuhalten.
London, 11. August. Aus Pretoria wird gemeldet Große Entrüstung herrscht in englischen Kreisen über die Entdeckung eines Komplotts gegen Lord Roberts. Man verlangt energische Maßregeln gegen die Buren.
Der Krieg in Südafrika.
Sehr unsicher ist der Boden, auf dem die Engländer in Transvaal stehen. Wie die „Daily News" meldet, ist dort vom gestrigen Tage in Pretoria ein Komplott entdeckt worden, welches zum Ziele hatte, alle
Telegramme deS Gießener Anzeigers.
Loudon, 11. August. „Daily Mail" kommentiert die Ernennung des Grafen Waldersee und erklärt, | Alles würde gut ablaufen unter der Bedingung, daß der | Graf nicht als Agent Deutschlands, sonder als solcher । der Civilisation betrachtet wird.
London, 11. August. „Daily Mail" meldet aus ! Shanghai: Graf Waldersee wird für den 22. September dort erwartet. Man würdigt hier die schwere Aufgabe, die er bei feiner Ankunft vorfinden wird. Dem Telegramm wird hinzugefügt, daß die Chinesen, die bisher so tapferen Widerstand leisteten, eine unbeschreibliche Furcht vor den Lydditbomben an den Tag legen.
London, 11. August. Der Standard - Korrespondent telegraphiert aus Tientsin, der Regen habe begonnen. Das Land in der Umgegend von Peking sei größtenteils unter Wasser gesetzt, wodurch Peking thatsächlich auf dem Landwege unerreichbar sei. Die Russen und Japaner behaupten, es sei nutzlos, eine Hilfs-Expedition vorzuschicken, bevor die Fluten sich verlaufen haben, was Ende August zu erwarten fei.
Loudon, 11. August. Die Morgenblätter glauben nicht, daß die Ernennung Lihungtschangs zum Friedensvermittler irgend welchen Erfolg haben wird. „Daily Mail" ist der Ansicht, daß die Besetzung Pekings durch die internationalen Truppen eine Bedingung sine qua non jeder vorherigen Friedensverhandlung fei. Es ist zweifelhaft, so sagt das Blatt, ob Lihungtschang diese Besetzung zugeben wird. Das Blatt stellt die Frage, ob die Ernennung Lihungtschangs nicht ein Manöver der hinterlistigen Chinesen sei. Die Verhandlungen könnten sehr lange dauern und die Verbündeten würden sich nach Beendigung derselben auf demselben Punkt befinden wie vor den Verhandlungen, während die Chinesen alle Maßregeln getroffen haben würden, sich dem Vormarsch gegen Peking zu widersetzen.
London, 11. August. Aus Shanghai wird gemeldet, daß am Freitag in Taining westlich von Tsinan, fünf deutsche Missionare von der katholischen Mls- sion des Bischofs von Anzer ermordet । worden sind. '
Petersburg, 11. August. 12 000 Chinesen aus den Provinzen Hunan und Hube sind aus Peking nach Tientsin abgegangen. Sie verschanzen sich am Peiho-Flusse.
Deutsches Keich.
Berlin, 11. August. Aus Mainz wird telephonisch gemeldet: Der Kaiser traf heute früh 8 Uhr 15 Min^ hier ein, und stieg bei der Waggonfabrik von Castel aus, wo er von dem Großherzog, der Generalität und den Spitzen der Behörden empfangen wurde. Der K a iJ' begrüßte freundschaftlich den Großherzog und unterhielt sich längere Zeit mit dem Provinzialdirektor Freiherrn! v. Gagern und dem General v. Zastrvw. .Hierauf begab sich der Kaiser nach dem „Großen Sand"; dort saust» ein Brigadeexerzieren statt, an dem sich 15 Bataillone, 10 Eskadrons und 12 Batterien beteiligten. Der Kaiser ritt alsdann an der Spitze der Fahnenkompagnie nach dem Gouvernement. Hierauf wurde das Frühstück |un Großherzoglichen Palais eingenommen. Nach dem Frühstück begab sich der Kaiser nach dem Hauptbahnhof, um nach Homburg zu fahren.
Berlin, 10. August. Aus Kassel wird gemeldet: Der Kaiser wohnte heute vormittag einer Felddienst- Übung der gesamten Garnison bei und nahm sodann die Parade ab. Die Felddienstübung wurde in dem Gelände zwischen Kassel-Wilhelmshöhe, Elgershausen, Knallhütte- Niederzwehren 2C. abgehalten. Daran nahmen die Infanterie-Regimenter Nr. 83 und 167 teil, ferner bas Husaren- Regiment Hessen-Homburg Nr. 14 und das Hessische Feld- artillerie-Regiment Nr. 11. , , r_, , -
— Der Kriegsminister v. Goßler begab sich heute zum Kaiser nach Wilhelmshöhe
— Mit der Ankunft des Grafen Waldersee in Berlin ist zugleich der Sitz des Oberkommandos über die verbündeten Truppen in China in das Hotel „Kaiserhof verlegt Dem Kaiser ist vom Grafen Waldersee in Kassel die Liste für den Stab des Oberkommandos unterbreitet worden. Dem Vernehmen nach wird derselbe allein mindestens 30 deutsche Offiziere zählen, zu denen dann noch die fremdländischen Offiziere als Vertreter ihrer Staaten im Hauptquartier hinzukommen. Zum Stabe gehört auch je ein bayerischer, württembergischer und sächsischer Offizier sowie ein höherer Marine-Offizier. ,
— Während des kurzen Erholungs-Aufenthaltes, den der Staatssekretär des Auswärtigen, Graf v. Bülow, m Norderney verbringt, werden die Geschäfte, soweit sich(.)raf , Bülow deren Leitung nicht Vorbehalten hat, ms aus den mündlichen Verkehr mit den Mitgliedern des dMomatifchen! Korps von dem Gesandten v. Der ent hall wahrge-
— Das Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht die" Allerhöchste Kabinettsordre, die Versorgun g der Angehörigen des Ostasiatij.chen Expeditionskorps und ihrer Hinterbliebenen betreffend.
— Der Reichsanzeiger" veröffentlicht eine Verordnung betreffend das Verbot der Ausfuhr von Waffen und Kriegsmaterial nach China und den europäischen Niederlassungen an der chinesischen Stufte sowie nach den China benachbarten Hafenplätzen. .
Bremen 10. August. Heute nachmittag fand irt (tteaenwart der Spitzen der Zivil- und Militärbehörden und eines Zahlreichen geladenen Publikums auf der Werft der | ZI. Weser der Stapellauf des Kreuzers D statt.
nn von heute datiertes Telegramm, das besagt, Lihung- I tschang sei durch kaiserlichen Erlaß die Vollmacht er- I teilt, über den Frieden zu unterhandeln. (Auch das I ist selbstverständlich nur ein neues Auskunftsmittel, das I dazu menen soll, den Vormarsch auf Peking aufzuhalten.) I
Ferner aus Hongkong: Zwei indische Reg:- I meuter gehen morgen von hier nach Shanghai ab, ein I drittes Regiment wird nächsten Sonntag folgen.
Rüstungen.
Der Reichspostdampfer „Sachsen", auf dem Graf! Waldersee die Ausreise antreten wird und der am I 21. d. M. von Genua abgeht, trifft am 13. September in Shanghai ein. Graf Waldersee wird demnach ungefähr I eine Woche später in Ostasien sein, als das letzte der Trans- I portschiffe, die Anfang dieses Monats Bremerhaven ver- I ließen Wie es heißt, nimmt Graf Waldersee einen ziem-- I lich großen Stab mit, auch dürften sich auf der „Sachsen" I noch andere nach China bestimmte Offiziere einschiffen.
Die Berliner Abendblätter melden, zum Chef des | Stabes des Grafen Waldersee sei der Komman- I deur der 1. Ostasiatischen Brigade Generalmajor v. Groß, I genannt v. Schwarzhoff, ernannt. Anderwärts heißt es, I «General v. Gayl sei zu diesem Posten ausersehen.
Aus New-Dork wird gemeldet: Während die ameri- I kanische Regierung mit ver Ernennung des Grafen Waldersee zum Oberbefehlshaber in China ein- I verstanden, beabsichtigt sie zunächst, eine diplomatische Verständigung darüber zu erzielen, welche Ausdehnung die I Kampagne nehmen soll. Amerikas Programm ist ledig lich die Wiederherstellung der Ordnung und Entschädigung | für die den Amerikanern zugffügte Unbill und Garantien für das Nichtvorkommen ähnlicher Geschehnisse in Zukunft.
Die Große Nordische Telegraphengesell- I schäft hat durch einen ihrer Dampfer mit der Legung I eines Kabels von Tschifu nach T a k u beginnen lassen. I Der Kabeldampfer der Castern Telegraph Com-l pany, John Pender, soll in den nächsten Tagen Singapur I verlassen, um noch vor Ende d. Mts. eine Kabelverbindung I zwischen Shanghai und Tschifu herzustellen. Nach ! Fertigstellung dieser Verbindungen sollen die Telegramme | zu den gewöhnlichen Sätzen befördert werden, und die Tele- I graphengesellschaften werden von den chinesischen Land- | Knien unabhängig sein. Die gewöhnlichen und Preßtele- I gramme werden augenblicklich von Taku durch ein De- I peschenboot nach Shanghai gebracht, was einen Zeitverlust I von vier bis fünf Tagen verursacht, wenn nicht von zehn I Tagen, sofern die Zensur sie zurückhält, lieber die Land- I Hnien von Tschifu nach Shanghai werden Telegramme nur I als dringend, also zum dreifachen Satze, befördert, sodaß I das Wort im Verkehr mit England auf 16 Mark zu stehen I kommt.
Das Reichsmarineamt steht mit dem Norddeutschen I Lloyd und der Hamburg-Amerika-Linie wegen Charte- I run g brer Dampfer Krefeld, Darmstadt, Hannover, I Roland, Andäkusia, Arkadia, Palatia und Valdivia in Ver- I Handlungen.
Das Truppentransportfchiff Batavia hat den Suez- I kanal in 17 Stunden als bisher größtes Schiff durchfahren; I Phönizia passierte am 9. August mittags Kap Carvoeiro | (Portugal). Der Gesundheitszustand der Truppen I ist vortrefflich.
Eine Meldung aus Kopenhagen besagt, daß die | dortige Dampfschiffsgesellschaft „Ostasiatische Compagnie" I mit der russischen Regierung einen Vertrag, betr. I den Transport von 10,500 Soldaten nachChina, I abschloß. Die Abgangshäfen sind Petersburg und Odeffa. Die Gesellschaft mietet hierzu 14 Dampfer, dänische, eng- I lische, deutsche, französische und österreichische.
Rußland und die Mandschurei.
Aus der Mandschurei treffen heute erfreuliche Nach- I richten ein. Chardin, der Ort, wo sich von der mand- | schurifchen Querbahn die Südbahn nach Port Arthur und Niutschwang abzweigt, ist, nach beinahe vierwöchiger Um- | zingelung durch eine chinesische Streitmacht von 15 000 I Mann unter dem General Pau, laut amtlicher Nachricht | am 4. ds. von den Muffen eingenommen worden. I Bekanntlich waren dort außer den Schutzmannschaften für die Eifenbahnstrecken der südlichen Mandschurei zahlreiche russische Ansiedlerin Sicherheit gebracht worden; sie hatten I auf der Flucht zum Teil Angriffe der Chinesen zu bestehen gehabt, sodaß viele von ihnen verwundet worden waren. Mehrere tausend Flüchtlinge waren bann, soweit die Dampfer den Verkehr zu bewältigen vermochten, trotz der Umzingelung und der Angriffe der Chinesen auf die Fahrzeuge, über den bei dem Ort vorbeifließenden Sfungari und den Amur nach Chaborowsk gebracht worden. Nach den letzten Nachrichten war noch eine Zivilbevölkerung von etwa 2000 Personen in Charbin geblieben, das durch 1000 Mann von der Schutztruppe gehalten wurde. Man kann | sich die Bedrängnis der Eingeschlossenen vorstellen, wenn ! man bedenkt, daß Charbin, erst vor zwei Jahren entstanden ! ist, mithin für die Unterkunft von so viel Personen wenig geeignet war. Aus den bisherigen Meldungen ging hervor, daß der in Charbin zurückgebliebene Oberingenieur Jugo- witsch den Befehl mit Umsicht und Tapferkeit führte. Der Entsatz des mandschurischen Ladysmith war zwei Kolonnen aufgetragen worden, deren eine unter General Sfacharow von Chaborowsk nach Südwesten aufgebrochen war und unterwegs den wichtigen Ort Ssanfin erobert hatte, die zweite unter General Tschitschagow von Nikolskoje am Uffuri anrückte und unterwegs, wie auch erstere, zahlreiche Kämpfe mit den Chinesen zu bestehen hatte. Es hieß, beide Kolonnen sollten sich vor Charbin an der Eisen- bahnstrecke vereinigen. Die Kolonne Sfacharow traf indes zuerst ein und nahm, wie gemeldet, Charbin am 3. ds.; über die Kämpfe, die dabei stattgesunden haben mögen, wird einstweilen nichts berichtet. Erst am folgenden Tage traf von der Nikolskojer Kolonne Oberst Deniffow, der am 25. Juli von Mudanzian — einem Flußübergang an der Eifenbahnstrecke — abmarschiert war, in Charbin ein, von wo ihm zwei Schwadronen entgegengeschickt worden waren. Mit Charbin haben die Russen den Schlüssel der Mandschurei, und von nun an können sie allmählich offensiv vorgehen, es beginnt ein zweiter Abschnitt des Feldzuges. Wenn auch die Bahnstrecken bis auf einige an der Nordgrenze, auf der Halbinsel Liaotung und in der Uffuriede verwüstet sind, können immerhin, abgesehen von den Aus
besserungen, die an der Bahn möglich erscheinet:, die I Strecken als Straßen benutzt werden, da es sonst im Lande ordentliche Straßen kaum giebt Zunächst dürfte von Charbin aus ein Vorstoß nach Süden stattfinden, um die Verbindung mit den bei Niutschwang stehenden Truppen her- zustellen. Letztere Stadt befindet sich nun ebenfalls in den Händen der Russen. Nach einem Telegramm des Vizeadmirals Alexejew fand die Einnahme am 4. statt. Dabei wirkten die Panzerkanonenboote Gremjafchtschij und Ot- wafchnij, die als Küstenverteidiger mit nur 3,7 Meter Tiefgang zum Flußdienst geeignet find, und das Torpedoboot 206 mit. Otwaschnij beschoß die Stadt, Gremschatschij das | Fort. Bekanntlich liegt der Vertragshafen Niutschwang i nicht un.der Mündung, sondern etwa, 30 Kilometer aufwärts am Liaoho in der breiten Alluvialebene des letzteren. An der Mündung liegt der eigentliche Hafen Mngtse, der noch vor 40 Jahren allein benutzt wurde. In ^ingtfe, wo eine Barre von 5 bis 7 Meter (bei Flut) die Schiffahrt für die Ozeandampfer versperrt, findet eine Umladung auf die Stromdampfer statt. Der Liaoho friert von November bis März zu. Die russische Endstation der Eisenbahn (russische Spurweite) liegt auf dem linken Ufer des Liaoho, auf der Stadtseite, während von dem anderen Ufer die in der gewöhnlichen Spur angelegte Eisenbahn nach Schanghaikwan und Tungsu in einem weiten Bogen um den Meerbusen von Liaotung nach Süden abgeht. Die Russen hatten eine ziemlich starke Truppenmacht in Niutschwang, es galt nur, die nördlich von der Eisenbahnstation gelegene Chinesenstadt, von wo die Station seit einigen Tagen angegriffen worden war, und das weiter stromaufwärts gelegene Fort zu erobern. Die Bevölkerung wird entwaffnet und unter russische Verwaltung gestellt; letzteres Verfahren ist bei dem gegenwärtigen Vorgehen der Russen in der Mandschurei Regel. Von Niutschwang aus wcrden die Russen nach Norden hin die Aufgabe finden, die über und von Mukden hinaus beschädigten oder zerstörten Bahnbrücken wiederherzustellen und zu schützen. Nördlich von Daschizao, das man als die Station für Mukden bezeichnen kann, befindet sich die Eisenbahn nach einem Bericht des Ingenieurs Hirschmann aus Tschifu vom 5. August in den Händen der Chinesen, die am 26. Juli die Station Gajtschou zerstört und auf der Eisenbahnlinie bedeutenden Schaden angerichtet hätten, sodaß sie neu erbaut werden müsse. Gajtschou wurde nach hartnäckigem Kampfe wiedergewonnen. Regengüsse stören indessen die Wiederherstellung der Linie.
Die Verfolgung der Chinesen im Norden, von Aigun aus in der Richtung nach Zizikar — welch letzteres nun das nächste Ziel der Russen sein muß, — ist nach einem Telegramm des kommandierenden Generals Grode- kow aus Chabarowsk vom 9. ds. eine schwierige Aufgabe. Der mit der Verfolgung des Feindes nach der Einnahme Aiguns beauftragte General Rennenkampf holte am 7. ds. eine chinesische Abteilung von 800 Mann Infanterie und 300 Mann Kavallerie mit 10 Geschützen ein und schlug sie. Hierbei nahm eine Schwadron des Amur-Regiments zwei chinesische Geschütze. Der Kamps erstreckte sich bis zum Orte Jejut (?). Abends gingen die Chinesen zur Offensive über und umgingen die beiden Flanken der Russen. Sie wurden jedoch mit großem Verluste durch Kartätschenfeuer und wiederholte Kosaken-Attacken zurückgefchlagen. : General Rennenkampf erhielt Infanterie, Artillerie und । Kosaken zur Unterstützung.


