Ausgabe 
12.6.1900 Zweites Blatt
 
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Wien, 10. Juni. Infolge der Auflösung des Ver­bandes der Rechten hat sich ein neuer Verband ge­bildet, welcher mit dem Fürsten Schwarzenberg an der Spitze des czechischen Feudaladels, die Südslaven und 7 streng Klerikale, im ganzen 58 Abgeordnete, umfaßt. Der neue Verband ist zu den Czechen sofort in freund­schaftliche Beziehungen getreten und erklärte sich mit deren Forderungen auf nationalem Gebiete solidarisch. Die Schließung des Reichsrats hat allgemein verblüfft, weil eben erst eine große Mehrheit der arbeitswilligen Parteien geschaffen war und die schärfste Obstruktion der Czechen bestimmt erwartet werden mußte. Der Regierung werden von allen Seiten Vorwürfe gemacht, weil die Czechen zu einem billigen Triumphe kämen. Eine ernste Wendung in der inneren Politik wird nicht erwartet; die Regierung wird Wege suchen, um die Staatsnotwendigkeiten zu decken.

Die Wirre« in China.

Die Kaiserin-Regentin von China hat für d i e B o x e r Partei ergriffen gegen ihre eigenen Truppen. Die Lage ist faamit wenigstens klar geworden; die zivili­sierten Mächte wissen, daß sie nicht mit einer Schar irre­geleiteter Revolutionäre zu thun haben, sondern mit dem Hofe von Peking selbst, und daß die ganze Bewegung sich darum dreht, alle imhimmlischen Reiche" ansässigen weißen Teufel" den Fanatikern an das Messer zu liefern. Dem Reuterschen Bureau wird aus Tientsin gemeldet, daß ein neu erlassenes kaiserliches Edikt den Boxers Lob er­teile und das Vorgehen derjenigen chinesischen Truppen tadle, welche die Boxer angriffen und töteten.

Nach Privatmeldungen aus Peking wußte die eng­lische Diplomatie kurz vor Ausbruch der jüngsten Unruheir von der Kaiserin sehr weitgehende Zugeständnisse für die englischen Missionare, insbesondere deren Verkehr mit den Mandarinen betreffend, zu erlangen. Davon erfuhren die bei diesen geheimen Unterhandlungen umgangenen Fana­tiker des Fremdenhasses und machten der Kaiserin, die vor Monaten versprochen hatte, die Aera der Zugeständnisse an die fremden Missionare als abgeschlossen zu betrachten, herbe Vorwürfe. Die Kaiserin soll daraufhin erklärt habeü, alles se: ihr abgepreßt worden, sie sei bereit, die ihrem Volke unpassend erscheinenden Zugeständnisse für ungiltig zu erklären. Diese Haltung der Kaiserin sei von den Fa­natikern als Ermutigung aufgefaßt worden, und die Folge davon sei die jetzige Bewegung. Hervorgehoben wird, daß wahrend dieser Vorgeschichte nur von England aber nicht von Frankreich und Deutschland die Rede gewesen sei.

Der Agence Havas zufolge hat der französische Admiral Coureiolles em weiteres Detachement in der Stärke von 50 Mann von Taku nach Tientsin entsandt. Eine Depesche «us Wnnan meldet, die Erregung gegen die Fremden sei fo groß, daß der Vizekönig sich außer stände erklärt habe, sie zu schützen. Der französische Konsul hat sich deshalb ch.lt allen seinen Agenten und Missionaren nach Tonkin zu­rückgezogen; dasselbe hat der französische Resident in Mongtze gethan. Die chinesische Regierung ist benachrich- trgt worden, daß Frankreich sie für die Sicherheit seinsr Staatsangehörigen verantwortlich mache, und daß Frank­reich, wenn nötig, für diese Sicherheit selbst sorgen werde.

Das amerikanische KanonenbootNashville", von dem­selben Typ wie dieHelena", ist mit einer Abteilung Ma- rinemannschasten von Cavite nach Taku abgegangen. Man nimmt an, sie solle an die Stelle derHelena" treten. Das zur Zeit in Shanghai liegende KriegsschiffMono- cacy" ist nach Taku beordert worden.

Das italienische KriegsschiffFieramosca", mit pem Admirak Candiani an Bord, ist von Spezia nach Asien in See gegangen.

Während sich so die Mächte versammeln, nehmen die Greuelthaten der Boxer ihren Fortgang. Die Stadt Tung- Tschao ist niedergebrannt. Die dortigen Missionare sind aber gerettet. An der Spitze des Aufstandes der sremdenfeindlichen Bewegung steht offen Prinz China- Tuan.

Aus Stadt und Land.

($li3out>«u Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen»)

Gieße«, 11. Juni 1900.

DaS Regierungsblatt Rr. 44 vom 8. Juni hat zum Inhalt: Verordnung, die Errichtung einer Ministerial- abteilung für Finanz, und Eisenbahnwesen im Ministerium der Finanzen betreffend.

Von der Ruderregatta, die am Sonntag in G r ü n a u bei Berlin begann, sendet uns Herr Jean Kirch folgendes Telegramm:Rübsam en hat die Meisterschaft nach heißem Kampfe gewonnen.-

* Radsport. DaS Mitglied der G. R.-G.Wanderer- Herr Karl Duill gewann gestern bei einem Wettrennen in Bocholt de» 1. Preis beim Hauptfahren und Eröffnungs­fahren, den 2. Preis beim Tandem-Vorgabe- und Zweirad- Borgabe-Fahren.

* * Die 8. ordentliche Generalversamm­lung der freien Bereinigung von Kran ken- kaffen im Großherzogtum Hessen fand geshepn vormittag im Cafee Leib statt. Vertreten waren von den 45 Orts-, 23 Betriebs- und 4 Jnnungskassen, die die Ver­einigung umfaßt, 42 Kassen, vorwiegend aus den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen; von den in Oberhessen be­stehenden Kassen gehören nur wenige der Vereinigung an. Den Vorsitz führte Apotheker M ü n ch aus Worms, wo sich zurzeit der geschäftsführende Ausschuß befindet. Herr Münch begrüßte die erschienenen Vertreter, sowie den Ver­treter der Stadt Gießen, Herrn Beigeordneten Wolff, den Vertreter der JnvaliditätsversicheMungsanstalt Großheiczog- tum Hessen, Amtmann Stammler. Ihr Fernbleiben hatten entschuldigt Reg.-Rat Dr. Dietz, und die Vertreter der Großh. Kreisämter Friedberg und Gießen. Der Vorsitzende dankte hierauf der Ortskrankenkasse Gießen dafür, daß sie noch in letzter Stunde ermöglichte, daß die Versammlung in Gießer: stattfinden konnte; einbeöufen war sie ursprüng­lich nach Vilbel; die dortige Ortskasse mußte aber die Ver­sammlung absagen, da die in Frage kommenden Lokale infolge eines Festes bereits vergeben waren. Beigeordneter

Wolff bewillkommnete die Vertreter im Namen der Stadt, Spengler Da hm er im Namen der hiesigen Ortskranken­kasse. Nach Erstattung des Jahresberichts des geschäfts-« führenden Ausschusses durch Herrn Ostermaye r-Worms wurde in die Verhandlungen eingetreten. Der bereits im Jahre 1899 vertagte Antrag der vereinigten Ortskranken­kasse Darmstadt, bett. Anschluß der freien Vereinigung! an den Zentralverband deutscher Krankenkassen, mußte noch­mals vertagt werden, da es sich im Laufe der Debatte herausstellte, daß in der Fassung des Antrags ein Irrtum unterlaufen ist; der in der Tagesordnung enthaltene An­trag lautet auf Anschluß an denVerband deutscher Orts­krankenkassen". Der folgende, von der Ortskrankenkasse Gießen gestellte Antrag auf Erhöhung der von der In­validen - Versicherungs - Anstalt zu zahlenden- Hebgebühr wurde von Herrn Fourier-Gießen damit begründet, daß die den Ortskrankenkassen bisher vergütete Hebgebühr in keinem Berhälnis stehe zu der damit verbundenen Arbeit. Von anderer Seite wurde an Hand einiger Beispiele an­geführt, daß besonders seitens der Heineren Orts- rc. Kassen in der Ausfertigung der Markenkarten Fehler begangen wurden, deren Beseitigung, wenn ein Karteninhaber in eine große Kasse übertrat, der letzteren schwierige und zeit­raubende Arbeit verursachten. Der auf Erhöhung der Ge­bühr von 6 auf 8 Prozent lautende Antrag wurde zum Beschluß erhoben. Zu dem Antrag auf Abänderung des- Krankenversicherungsgesetzes lagen eine Reihe, von der 1899 hierfür gewählten siebengliedrigen Kommission ausgearbei­tete Abänderungsvorschläge vor. Betx. § 1 des erwähnten Gesetzes wurde die Ausdehnung der Krankenversicherung aus das Hausgesinde für notwendig erachtet, des ferneren die Erhöhung der Lohngrenze der übrigen Versicherungs­pflichtigen von 2000 auf 2500 empfohlen. Ein weiterer Antrag bezweckt die gänzliche Beseitigung der Gemeinde- kranken - Versicherung beziehungsweise gleiche Leistungen, wie sie den Ortskrankenkassen auferlegt sind. Der zu § 6 des Gesetzes gestellte Antrag bezweckt die Gewährung von Heilmitteln, welche zur Wiederherstellung und Er­haltung der Erwerbsfähigkeit notwendig sind, ferner die Erhöhung der gesetzlichen Mindestdauer des Kranken--, geldbezugs von 13 auf 26 Wochen. Zur Vermeidung der Errichtung von nicht berufsartigen Ortskassen wurde em­pfohlen, künftig nur den Gemeinden das Recht zuzuae- stehen, gemeinsame Ortskrankenkassen zu errichten, im übrigen durch Zentralisation aller Ortskrankenkassen die Organisation zu vereinfachen und damit die Verwaltungs­kosten zu vermindern. Auch wäre die Verschmelzung der drei Versicherungsarten (Kranken-, Unfall- und Invaliden­versicherung) anzubahnen. Zu § 20 wurde die Ausdehnung der Wöchnerinnenunterstützung von 4 auf 6 Wochen, die Erhöhung des durchschnittlichen Tagelohnes von 4 auf 6 Mark und Gewährung von Sterbegeld auch dann empfoh- lan, wenn bei ununterbrochener andauernder Krankheit der Tod vor Ablauf von zwei Jahren eintritt. Die Streichung des von der Ueberversicherung handelnden ersten Absatzes des § 26 a soll angestrebt, desgl. der mit 2 und 3 bezeichneten Bestimmungen (Geschlechtskrank­heiten). Die folgenden Anträge beziehen sich auf Aender- ung der Bestimmungen über die Höhe des Reservefonds, den Zusammenschluß der Kassen zu Verbänden behufs För­derung ihrer Interessen, Ausdehnung der Ersatzpslicht seitens der Arbeitgeber in Fällen unterlassener Anmeldung oder Meldung von Lohnveränderungen, Bestellung des Reichsversirberungsamts als letzte Instanz bei Streitig­keiten und als Konsequenz hierzu Unentgeltlichkeit der Rechtspflege; auf Beseitigung der in § 75 und aller an­deren enthaltenen Bestimmungen, welche bezüglich der Be­triebs-, Fabrik-, Jnnungs- oder Hilfskassen gegenüber der Ortskassen eine ständige Gefahr bilden. Diese Kassen könnten sich lediglich nur auf Kosten der Ortskassen vor, dem Ruin bewahren, indem dieselben erstens nur gesunde Elemente aufnehmen, und zweitens häufig Erkrankten, ohne Rücksicht auf ihre jahrelang wohlerworbenen Rechte, aus dem Arbeits- bezw. Versicherungsverhältnis gewalt­sam hinausdrängen, um sich so vor weiterer Inanspruch­nahme zu schützen. Schließlich wird es für wünschens­wert erachtet, wenn das neue Krankenversicherungsgesetz Bestimmungen über die Anstellungsverhältnisse der Orts­krankenkassenbeamten enthalten würde; ein diesbezüg­licher Antrag lautet: Den bei der Ortskrankenkasse be­schäftigten Beamten find, soweit sie nicht als Staats- oder Gemeindebeamten anzusehen sind, die Rechte von Staats- und Gemeindebeamten zu übertragen, und regelt sich deren Anstellungsverhältnis nach den dort geltenden Grundsätzen. Ueber die Anstellung selbst haben lediglich die Kassenvorstände zu bestimme,:. Von einer Beschluß­fassung über die Abänderungsvorschläge mußte abgesehen werden, da die Versammlung über die Tragweite dieser Anträge infolge zu später Zustellung derselben an die Mitglieder nicht hinreichend informiert war. Die Anträge sollen einer im September d. I. in Darmstadt abzuhal­tenden außerordentlichen Generalversammlung unter­breitet werden. Dem Beitritt zum Viktoria-Melitta- Berein zur Errichtung von Heilstätten im Großherzogtum Hessen wurde zugestimmt, der Antrag auf Beitritt zum Zentralkomitee zur Errichtung von Lungenheilstätten im deutschen Reiche abgelehnt. Zum Vorort der freien Vereinigung wurde Worms (geschäftsführender Aus­schuß die Herren Münch, Borger, Lund, Pfannenbecker, Schmuck, Thomam:, Zucker, Ostermayer, Harth) wiederge­wählt, und als Ort der nächstjährigen ordentlichen General­versammlung, die satzungsgemäß in der Provinz Starken­burg stattzufinden hat, Heppenheim vorgesehen. Einer Einladung des Beigeordneten Wolff folgend, unter­nahmen die Delegierten einen Rundgang durch die Stadt und bereinigten sich gegen 2 Uhr zu einem Mittagsmahl int (Kaffee Leib.

t. Sich, 11. Juni. Am Mittwoch feiert Glasermeister K. Scherff mit seiner Gattin das Fest der silbernen Hoch­zeit. Scherff war 24 Jahre Mitglied des Gemeinderats und dabei Kontrolleur der Stadtkaffe. Jetzt versieht er das Amt eines Feldgeschworenen und Ortsgerichtsmannes.

-i- Müuzeuberg, 10. Juni. Heute veranstaltete der hiesige Kirchenchor wieder ein« seiner Konzerte, die schon eine gewisse Berühmtheit in der Umgegend erlangt haben. Unter den Mitwirkenden befanden sich einige musikalische junge Damen aus Lich, denen wir schon öfters in diesen Konzerten begegnet sind. Ihr Gesang in Soli, Duetten und Terzetten übte auch heute wieder einen Zauber auf

bte Herzen bet Zuhörer aus. Die lieblichen, glockenreine» Stimmen in ihrer ganzen Anspruchslosigkeit waren erquicklich zu hören und öffneten uns einen Blick in die Schönheit bet alten Kirchenmusik. Der Tenorist, Lehrer Hildebrand von hier, hatte sich neuere Komponisten gewählt, von denen Schut:g wohl der bekannteste ist. H. trug feinen Part mit schöner, besonders in der Höhe ausgiebiger Stimme vor Auch er fang mit vielem Ausdruck, mit Eifer und Hingabe cand. Bogel aus Friedberg hatte die Violinpartie über­nommen. Er trug einige Stücke von Händel und Gluck mit großem und schönen Ton vor. Die Leistungen des Chors endlich standen auf der gewohnten Höhe und ver­rieten fleißiges Studium. Auch der Chor fang mit voller Hingabe, und feine Vorträge fanden warme Anerkennung. Der Münzenberger Kirche kommt der Reinertrag des Konzerts zu gute. Alle Mitwirkenden haben ihre schönen Kräfte m selbstloser Weise in den Dienst der guten Sache gestellt und sind des Dankes der Gemeinde und der Zuhörer gewiß.

Bad-Rauheim, 10. Juni. In der letzten Gemeinde­ratssitzung veranlaßte der Fahrweg vor der Terraffe eine lebhafte Debatte. Die Großh. Badedirektion beabsichtigt im Einverständnis mit der Regierung eine Verlegnng des Fahr­weges vor der Terraffe, da der Verkehr dort während her Konzerte rc. und besonders an Sonn- und Feiertagen za groß fei und mit der Zeit unerträglich werde. Gegen die Verlegung des Fahrweges hinter das Kurhaus hatte auch vom Gemeinderatskollegium prinzipiell niemand etwa« ein- zuwenden, dagegen wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, mit der Verlegung des Fahrwegs könne vielleicht später der Weg vor der Terraffe für Leute ohne Kurkarten geschloffen werden, was der Vertreter der Regierung mit Bestinimtheit verneinte. Das auszuarbeitende Projekt soll demnächst vor» gelegt werden. Die Fremdenfrequenz der diesjährigen Saison beträgt, nachdem in der abgelausenen Woche 1105 Kurgäste in Zugang gekommen sind (1212 in der Woche vorher) 6512 Personen, wovon sich zurzeit noch 4701 hier befinden. Abgegeben sind bis jetzt insgesamt 62943 Bäder, worunter sich 3786 Freibäder befinden.

D a r m st a dt, 11. Zum. (Privat Telegramm desGießener Anzeigers".) Heute Vormittag von 8 Uhr ab findet in dem bis auf weiteres zum Ziehungssaal bestimmten Saale de» Schützenhofes" die Ziehung 3. Klaffe der 1. Großh. Hessische« Landeslotterie statt. Es fielen auf: 10 915 50000 Mk. (Vs An­teil davon fällt an die Gesellschaft Fortuna mit 500 Mitglieder), 30970 15 000 Ml., 26423 10000 Mk., 5347 5000 Mk., 23 920 und 27469 je 3000 Mk., 9408, 17388 und 26709 je 2000 M., 4623,6458,15 717,28 929 und 32 878 je 1000 Mk.

Mainz, 10. Juni. Der Kaiser wird, wie man dem M. A." aus bester Quelle bestimmt mitteilt, Mitte August hierherkommen, und auf dem großen Sande eine Truppen­besichtigung abhalten. Nähere Dispositionen stehen noch aus. Unter den zahlreichen Gästen, die Mainz zum Gutenbergfest erwartet, verdienen zwei besonderer Beachtung, sind eS doch die beiden letzten männlichen Nach­kommen aus Gutenbergs Geschlecht. Der Oheim des kinderlos gestorbenen Erfinders, Ortlieb GenSfieisch zur Laden, verheiratete feine Tochter Hildegard, also Guten­bergs Base, an den Mainzer weltlichen Richter Johann v. Molsberg (1424 bis 1465). Aus dieser Verbindung stammt in urkundlich feststehender Folge das jetzt noch lebende Brüderpaar Baron Paul Adolf von Molsberg auf Langenau bei Mainz, einer der bedeutendsten Obstzüchter Deutschlands, und Freiherr Heinrich Otto v. MolSberg, General der Artillerie z. D. in Stuttgart. Mit ihnen schließt, da sie keine Söhne hinterlassen, die bis 1277 nach­weisbare Ahnenreihe dieses mit Gutenberg blutsverwandten Patriziergeschlechts, die einzigen wohl aus Gutenberg- Bn- wandtenkreis, von dem heute noch Nachkommen existieren. DaS Mainzer FamilienhauS der v. Molsberg hieß nach ihrem Wappenzum krummen Ring", eS lag am Eck der Korbgasse und des KorbgäßchenS und stieß noch an daS Marktgäßchen. Bei einer baulichen Veränderung des merk­würdigen Gebäudes im Jahre 1828, wobei viel Altertümliches verloren ging, wurden mehrere Wappen der v. MolSberg, und der ihnen verwandten GenSfieisch, Salmann, Eselweck, Knoblauch und Dulin an den Fenstervertiefungen deS ehe­maligen Rittersaales bloSgelegt. Derkrumme Ring" m seiner jetzigen Gestalt ist längst in anderen Besitz über gegangen, dagegen wird die ausgedehnte Rheininsel zwischen Ginsheim und Nackenheim ein wahres ObstbaumparadieS die der 1486 gestorbene, mit Katharina Dulin vn- heirathete Walter v. MolSberg als erster Lehensträger von Nassau besaß, heute noch von der v. MolSberg'schen Fa­milie bewohnt.

Mainz. 11. Juni. In der gestrigen Sitzung der 40. JahreS-Bersammlung des Vereins deutscher Gas- und Wasser-Fachmänner, die am Samstag­abend mit einer Begrüßung im Kasinohof zum Gutenberg eröffnet wurde, verlas der Vorsitzende des Vereins, Geh Kommerzienrat v. Oechelhäuser, ein Begrüßungs-Tele­gramm des hessischen Staatsministers Rothe. Alsdann hieß der Provivzial-Direktor Frhr. v. Gagern die Teil­nehmer, deren Gesamtzahl 765 beträgt, im Namen de- Großherzogs, der Regierung und des Ministeriums des Innern willkommen. Oberbürgermeister Dr. Gaßner sprach im Namen der Stadt ebenfalls herzlichstes Will­kommen aus. Hierauf begann die Verhandlung und die Bortrage, deren 24 angemeldet sind. Die Versammlung tagt bis zum nächsten Mittwoch und zahlreiche Festlichkeiten sind vorgesehen. Unter anderem hat die Sekt-Kellere: Kupferberg zu einer Besichtigung eingeladen. Außerdem findet eine Rheinfahrt nach dem Niederwald und Feuerwerk in der neuen Anlage statt.

Wetzlar, 8. Juni. Die diesjährige Generalversamm­lung der Lokalabteilung Wetzlar des landwirtschaftlichen Vereins [für Rheinpreußen, hatte sich wiederum eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Da der Direktor der Lokalabteilung, Landrat Goedecke, zurzeit in Berlin wellt.