Ausgabe 
12.6.1900 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

m. 134 Zweites Blatt

Dienstag den 12. Ium

190«

Gießener Anzeiger

General-Unzeiger

Amts- und Anzeigeblutt für den Ttreis Gieren.

luder

4108

>erem, mit Mn-

V

Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen de- In« und Au-l<md«E nehmen Anzeigen für ben Gießener Anzeiger entgehe»« ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., au-wärt- 20 Pfg.

ßtednttio«, Expedition und Druckerei:

-4»tstr«-e Nr. 7.

-«nähme »* Anzeigen -n der »ochmittag- für d«, senden t«| «rfcheinenden Nummer di- norm. 10 Ahr. Ad de »«Lung en spätesten- abe*fci vorher.

Der Borstoß gegen die Verbindung des Lords Robert- bei Rooderoat soll von 2000 Buren mit 6 Feldgeschützen ausgeführt worden sein; man erinnert sich dabei der vor einiger Zeit verbreiteten Meldung, Präsident Steijn und General de Wet seien in den Freistaat in den Bezirk Kroonstad zurückgekehrt, und könnte daraus die Vermutung folgern, daß dieser Streich von ihrer Initiative ausgegangen sei. Es ist aber zu berücksichtigen, daß Lord Roberts 41/, Divisionen nebst den Kolonialreitern Brabants im Freistaat zurückgelasien hat.

Telegramme deS Gießener Anzeigers.

Amsterdam, 11. Juni. Dr. Ley ds erklärte einem Ver­treter des Handelsblad, die UebergabePretoriaS habe unter den Buren durchaus keine Verstimmung hervorgerufen. Die Mehrheit derselben sei seit Beginn des Krieges gegen die Taktik, befestigte Städte zu verteidigen und längere Belagerungen zu bestehen gewesen, dagegen Anhänger deS Guerilla-Krieges und des Kampfes im Freien, in verschanzten Stellungen und in den Bergen, wo sie ihre Fertigkeit als Schützen ohne erhebliche Gefahr für ihre Person voll auSnützen können.

ihr

die Anstalt in « meinent höflichst ein. ren, und bitte ich, Familien PreismM M zu Mäßigten Prn inb vormittags von K 8 diesen Stunden wir ? « eitern >» M 9* , hi dengl*6*

6 llhr bi« 1 Uhr *

,t Rübsamen.

»it LuSvahme beS Morttag-.

Die Gießener pamtkieuvkätler »erden dem Anzeiger Wechsel mitHess, iiabteirt* e.Blätter str hetz, volkskunde- c dchtl. 4 mal beigelegt.

Gratisbeilagev: Gießener Familienbtäüer, Der hesststhe Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

R die schmerzliche D lütter und SroßE

Adresse für Depeschen: Anzeiger chittz«.

Fernsprecher Nr. 5L

amen her Itmmbet. nfer, fite.

f 1900. 4109

ig 3 Uhr statt.

Nezngvprei- vierteljährl. Ml. SAG monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die AbholesteLe» vierteljährl. Ml. IAO monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr, mit Bestellgeld.

* * reiner* inb W t «d # *

Der Krieg itt Südafrika.

DaS englische Kriegsamt hat in den letzten 24 Stunden keive Nachrichten vom Kriegsschauplatz erhalten. In London bildet das Tagesgespräch die Unterbrechung der Tele­graphenverbindung zwischen Lord Roberts und dem Süden bei Roodewal. Diese Thatsache läßt er- kemren, daß die Buren ihre frühere Taktik wieder ausgenommen haben. Sie haben einen Anschlag gegen die rückwärtigen Verbindungen des britischen Heeres zur Ausführung gebracht, indem sie bei der genannten Bahnstation 57 Km. nordöstlich von kroonstad die Telegraphenlinie zerschnitten. Die Nachricht stammt von dem Oberbefehlshaber der Etappentruppen, Meral Forestier Walker in Kapstadt, und da die letzten amllichen nnd Preßtelegramme von der Front vom 5. Juni datiert sind, so kann man aunehmen, daß um diese Zeit der Streich geführt worden ist. Da indessen Roodewal such eine Station der Bahn uach Pretoria ist, so ist ferner so gut wie sicher, daß die Buren sich nicht damit begnügt haben, den Telegraphendraht durchzuschneiden, sondern daß sie zugleich den Bahnkörper so gründlich wie nur mög» lih zerstört haben. Eine Privatmeldung derM. N. N." sprüht sogar davon, daß Roberts bereits völlig isoliert sei. «Da Roberts alle seine Truppen selbst braucht, müssen Verstärkungen aus der Kapkolonie und aus Bloemfontein geschickt werden. Die Situation gilt als ernst." Wenn auch Lord Roberts und seine Armee vorläufig in Pretoria nicht der Gefahr ausgesetzt sind, zu verhungern, so ist diese Bahnlinie doch, so lange der Weg durch den Laing Nek nicht von Buller geöffnet ist, die einzige Lebensader der r»g.länder. Nach dem bisherigen Verlauf des Feldzuges ist man überhaupt zu der Behauptung berechtigt, daß der krieg ohne die Eisenbahnen ganz unmöglich gewesen wäre, Wd um einen Begriff zu geben, in welchem Umfang die Engländer die Bahnlinien ausgenutzt haben, sei mitgeteilt, daß vom Anfang dieses Jahres bis zum 30. April nicht vmiger als 200 000 Mann auf ihnen befördert wurden. Sie erforderten, die Pferde eingeschlossen, 60 000 Eisen- bahswagen oder 500 Wagen jeden Tag. Wäre daher von ggfung an, solange der Aufmarsch der britischen Heere noch iid)t beendet war, das Streben der Buren erfolgreich da­raus gerichtet gewesen, hier und dort und überall und immer lieber gegen die Bahnlinien vorzuftoßen, so wäre wahr­scheinlich die Entscheidung erheblich hinausgeschoben worden, stuch heute, wo der kleine Krieg begonnen hat, sind solche Vorstöße für die Briten noch empfindlich genug uud es mag ihnen nach der Richtung noch manche unliebsame Ueber- raschuug bevorstehen.

Der sachkundige Kritiker des Militär-Wochenblattes be­urteilt derartige Versuche in der letzten Nummer dieser Fachzeitung folgendermaßen:

Unternehmungen gegen die feindlichen Verbindungen können kaum Mtfi eine ausschlaggebende Bedeutung gewinnen. Und wenn auch daS Afl^ren der Oranje-Buren auf ihre Besitzungen stellenweise zur Ltdcohung und Zerstörung der englischen Zufuhrlmien führen sollte so Imt derartigen, ohne planmäßigen Zusammenhang und emheittiche tuna auSgeführten Angriffen schon deswegen kein besonderer Wert gemessen werden, weil Lord Roberts nut der kaum vermeidenden fftiuna der Drakensberg-Päffe über die Zufuhrlinie Durban-Bethlehem, Jach Maßgabe seines neueren Vordringens auch über die Bahnlinie turban Johannesburg verfügt, sobald die Sperrung des Defilees bei hingdnel beseitigt ist."

General Buller aber glaubt jetzt, durch die Umgehung Itc rechten Flanke der Buren den Schlüssel zum Latngsnek n der Hand zu haben, und wenn er besser schließt, rote der Müffel zu Ladysmith, den er am Spwnkop anzusetzen ver- Äe so ist die Oeffnung des Engroegs von Laingsnek nur 3 eine Frage der Zeit. - DasReuter'sche Bureau" utlibet aus Newcastle (Natal) vom 7. Ium: Nachdem Nieral Buller die Buren am 2. Juni aufgefordert hatte, M zu ergeben, bewilligte er ihnen eine dreitägige Waffen­öl,e um ihrem General Christian Botha die Einholung m Instruktionen zu ermöglichen. Ferner meldet General Mer vom Freitag aus Yellow Boom Farm:

Am 6 d M nahm General Talbot Coke mit der 10. Brigade mb her südafrikanischen leichten Reiterei den Banwyke Berg. Die «.rl-iiste der Engländer betrugen 4 Tote und 13 Verwundete. In der vom 6 nun 7. d. M. brachten wir 4 Geschütze auf den Vanwyke L« und zwei andere auf den südwestlichen Ausläufer des Jnkwelo S dem Schutze des Feuers dieser Geschütze griff General Hildyard Lbt die Gebirgsausläufer zwischen Bothas Paß und dem Jnkwelo an. U vom General Hildyard wohldurchdachte Angriff wurde von den rchypen, für die kein Berg zu steil war, mit ungeheurem Nachdruck üfüfirt- der Feind wurde umflügelt und gezwungen, sich aus der sehr iK Stellung zurückzuziehen. Ich glaube nicht, daß wir irgendwelche L,,fte gehabt haben, und hoffe, daß wir eine Stellung gewonnen sidrm von der aus man LaingS Nek unhaltbar machen kann.

Brussel, 10. Juni.Petit bleu" veröffentlicht einen Brief aus dem Konqogebiet, in dem der Tod des Agenten Mo rar z mitgeteilt wird, deffen Aussagen in dem bevor- stehenden Prozeffe über die bekannten Greuelthaten von großer Wichtigkeit gewesen wären. In Matadi zirkulieren allerlei Gerüchte über den plötzlichen, geheimnisvollen Tod Morays.

Paris, 10. Juni. König Oskar von Schweden besuchte gestern unter Führung des Handelsministers Mille» rand die Ausstellung. Die Polizeipräfektur organisiert anläßlich des bevorstehenden Besuchs des Prinzen von Wales einen besonderen Sicherheitsdienst, und zwar ent­gegen dem Wunsche des Prinzen. Der Großherzog von Sachsen-Weimar hat dem Präsidenten der Republik einen Besuch abgestattet. _

Rom, 10. Juni. Der Abg. Lapiart wurde in Sa­lami von einem Arbeiter durch Dolchstich verwundet. Bei seiner Verhaftung erklärte der Arbeiter, er habe den Gegner seines Kandidaten unschädlich machen wollen.

fakultativer Unterricht gepflegt, aber nicht obligatorisch gemacht werden. Einstimmig angenommen wurde ein An­trag, der 1) die wenn auch nicht mechanische, so doch durckjzuführende Gleichstellung der Lehrer mit den Richtern, erster Instanz, 2) die Herabsetzung der Klassenfrequenz, 3) häufigere Revisionen der Schulen wünschte.

Der bisherige Kolonialdirektor Dr. v. Bucht a hab bereits einen Urlaub angetreten. An leitender Stelle be­steht die Absicht, ihm eine, seinem bisherigen Range und Einkommen möglichst entsprechende Stellung im Retchs- dienst zu verschaffen. Der neue Kolonialdirektor, Dr. Stuebel, wird voraussichtlich im August hier eintreffen, um jdann sofort sein neues Amt zu übernehmen.

Rach demAnhaltischen Staatsanzeiger" hat ber Herzog von Anhalt der FrauJulievoniOppenheim, geb. v. Cohn,die nach dem kürzlich erfolgten Tode ihreA Vaters, des bekannten Hofbankiers und Vertrauensmannes des Kaisers Wilhelm I., Barons von Cohn in Dessau, ihren Wohnsitz von Berlin nach Dessau verlegt hat, gestattet, Namen ujnd Adelsprädikat ihres Vaters anzunehmen, und fortan den Namen Baronin v. Cohn-Oppenheim zu führen. Sie hat neuerdings wieder eine Stiftung von einer Million errichtet, deren Revenüen den Armen und Bedürftigen des ganzen Landes Anhalt ohne Rücksicht auf die Konfession zu Gute kommen sollen.

In der Angelegenheit des im Oktober v. I. von? siamesischen Polizeisoldaten verhafteten und im Gefäng­nis mißhandelten Reichsangehörigen Ott« Eckert hat der kaiserliche Minister res ident Bangkok auf Weisung von hier volle Genugthuung und Entschädigung verlangt. Die siamesische Regierung ist dem Antrag auf Bestrafung der schuldigen Beamten dadurch nacb gekommen, daß der für die gegen Eckert verhängten ungerechtfertigtem Polizeimaßnahmen verantwortliche Gouverneur aus dem Dienst entlassen wurde. Die Verpflichtung zur Zahlung einer Entschädigungssumme hat die siamesische Regierung gleichfalls anerkannt, und nach längeren Ver­handlungen über die Höhe der Summe sich nunmehr bereit erklärt, dem Reichsangehörigen Otto Eckert 20 000 Ticals (etwa 24 000 Mark) auszuzahlen.

Das Attentat gegen den ReichstagsabgeprL)- neten Dr. Lieber, das der Schriftsteller Adolf Brand am 12. Dezember v. I. verübte, stand gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I. zur Verhandlung. Brand wurde wegen wörtlicher und thätlicher Beleidigung des Dr. Lieber dem Anträge des Staatsanwalts gemäß! zu einem Jahre Gefängnis verurteilt und so­fort in Haft genommen.

Die gegenwärtig Oberschlesien bereisende Kom­mission des Reichsmarineamts glaubt nach «ssiner Meldung aus Breslau, daß, ausgenommen Panzerplatten, alle Eisenteile der airdSren Kriegsschiffe auf oberschlesi­schen Werken hergestellt werden können.

Hamburg, 9. Juni. DerHamburgischen Börsen­halle" wird von der Woermann - Linie bezüglich der Zeitungsnotizen über die Beförderung englischer Soldaten auf einem Dampfer dieser Linie zwischen Kapstadt und der Walfisch-Bai mitgeteilt, daß sich die Beförderung ledig­lich auf die Auswechselung der ständigen Besatzung von der Walfisch-Bai bezieht. Es handelte sich dabei etwa um 80 Mann.

Stuttgart, 10. Juni. In der Kammer der Abge­ordneten erklärte der Ministerpräsident auf eine Anfrage des Zentrums wegen der Verzögerung, die die Besetzung der Stelle eines Kanzlers der Untrer fität Tü­bingen erfuhr, die Regierung erkenne in vollem Umfange die Gleichberechtigung der Konfessionen bei der Besetzung der Staatsämter an. Bei der Wahl des Professors Schön­berg sei das objektive Interesse der Universität, nicht das, konfessionelle Verhältnis maßgebend gewesen.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Dem gestrigen Armee-Jagd­rennen wohnten der Kaiser, Prinz Albert von Schles­wig-Holstein und zahlreiches Gefolge bei. Der Kaiser fuhr in einem Vierspänner nach dem Kaiserpavillon, wo er vom Porstande des Unionklubs begrüßt wurde. Am Rennen nahmen sieben Reiter Teil. Der Kaiser verteilte selbst die von ihm ausgesetzten Ehrenpreise. Leutnant v. Veltheim Uns der StuteBulgurlu" gewann die silberne Kaiser­büste, Graf Königsmark aufGranit" eine silberne Schale, Leutnant v. Bercken aufAal" eine silberne Kanne. Der Kaiser sah sodann noch dem Rennen um den von ihm gestifteten silbernen Schild fcu, pen p. Hohenlohe-Oehringens Tamate" gewann. Der Kaiser besichtigte ferner auf dem Bornstedter Felde das 1. und 3. Garde-Ulanenregiment. Später nahm er im Offtzierkasino des 3. Garde-Ulanen- regiments das Frühstück ein.

Vom Kaiser traf an den Chef der schwe­dischen Flotten station in Stockholm folgende Antwort auf die Huldigungsdepesche von dem für die deutschen Marine-Offiziere veranstalteten Feste ein:

Es gereicht Mir zur großen Freude, zu vernehmen, daß Meine Offiziere der ersten Torpedobootflottille in treuer Kameradschaft vereint sind mit den Nackftommen der alten Wikinger. Indem Ich die Erwartung ausspreche, daß die im hohen Norden geknüpften Bande auf deutschem Boden häufig wieder aufgefrischt werden mögen, bitte Ich Euer Hochwohlgeboren, den Kameraden der königlich schwedischen Marine Meine besten Wünsche für die weitere Entwickelung ihrer alten, in Krieg und Frieden bewährten Waffen auszusprechen. W i l h e l m."

Die Königsberger Krönung s feier, die am 18. Januar 1901 stattfinden soll, wird außerordentlich pomphaft sein. DerKöln. Volksztg." zufolge ist in Aus­sicht genommen, daß der ganze Landtag, Abgeordnetenhaus und Herrenhaus, zu der Feier nach Königsberg entboten werden sollen.

Finanzminister v. Miquel hat am Donnerstag der Eröffnung der landwirtschaftlichen Aus­stellung in Posen beigewohnt, obgleich bekanntlich in diesen Tagen im preußischen Abgeordnetenhause die Inter­pellation über den Großschifffahrtsweg BerlinStettin und im Zusammenhang damit über die Frage des Mittel­landkanals verhandelt wurde. Mit dem Finanzminister v. Miquel war auch der preußische Landwirtschaftsminister in Posen, der aber neben Herrn v. Miquel wenig heroor- getreten ist. Dieychrdd. Ällg. Ztg." hebt hervor, Fürst Hohenlohe habe von dem beabsichtigten Besuch der diesjährigen Wanderversammlung der Deutschen Landwirt­schafts-Gesellschaft in Posenmit Rücksicht auf die zeitigen parlamentarischen Geschäfte Abstand genommen."

lieber die in den letzten Tqgen hier abgehaltene Schulkonferenz schreibt dieKreuzztg.": Fassen wir die Hauptresultate der Konferenz zusammen, so steht oben an der fast einmütig gefaßte Beschluß, den Abiturienten der drei höheren Schulen mit neunjährigem Kursus Gymnasium, Real-Gymnasium oder Realschule das Studium an Universitäten und Hochschulen gleichmäßig fteizugeben. In Vorkursen an den Universitäten bezw. Hochschulen sollen die für die einzelnen Fächer mangelnden Spezialkenntnisse nachgeholt werden. Diese Gleichstellung hat die Voraussetzung und Folge, daß an der Eigenart keiner dieser drei Schulen weiter gerüttelt werden soll. Deshalb sprach sich die Konferenz einhellig gegen die Hinausschiebung des griechischen Unterrichts aus. Dem­gemäß! soll das Englische an den Gymnasien und zwar als