Ausgabe 
11.12.1900 Viertes Blatt
 
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worfen. Diese besteht darin, daß dem Opfer ein Stück Holz in den Mund zwischen Unter- und Ober­kiefer möglichst tief hineingesteckt wird. Ist dies geschehen, so wird ihm so lange Wasser in den offe­nen Mund gegossen, bis er alles sagt, was er weiß. Etwas Grausameres als diese Wasserfolter habe ich nie ge­sehen. Selbst manche Solda ten konnten den Anblick nicht ertragen. Die Röte der Scham trat ihnen ins Gesicht und sie wandten sich ab. Als die zwei Männer die Folterung überstanden hatten, waren sie dem Tode nahe. Die Weichteile im Munde waren zerrissen und die Zähne gelockert. Die Philippiner wurden sodann als Gefangene gehalten. Es kam nun ein Greis an die Reikfd. Er wurde ergriffen und mit Wasser der gleichen Folterung unterworfen, bis er ganz angefüllt war. Nicht zufrieden damit, versetzten sie ihm H i e b e a u f d e m M a g e n, aber es war kein Geständnis von ihm zu bekommen. Es kam sodann eine Frau an die Reihe. Sie wurde ebenso behandelt. Glaubst Du oder irgend ein anderer weißer Mann mit Menschenblut in den Adern, daß dies Ge­rechtigkeit ist? Ich sage nein. Es ist höllische Barbarei, die der Menschenschlächterei gleicht und eingestellt werden sollte. Es ist eine Schmach für die Humanität und die Zivilisation. Ich verbleibe Dein alter Kamerad." Das Schreiben befindet sich im Besitze des Herausgebers der genannten Zeitung.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

H. Die Spielhagen Banken. Eine Depesche, die auch von der Sistierung der fälligen Koupons der Grundschuldbank- Obltgattonen handelt, spricht von einem metkwüidigen G.rücht, bet dem der Wunsch der Vater der Absicht zu sein scheint, nämlich, daß mit den Erben des verstorbenen BaronS Cohn in Dessau Verhandlungen wegen einer Millionen - Entschädigung ein­geleitet seien. Der Genannte war sowohl im AusstchtSiat der Sptrl- Hagrn-Bank als der Grundschuld-Bi^k. Es wäre also immerhin möglich, daß eine Regreßpflicht, die man ja bekanntlich «m li.bsten denjenigen auferlegt, die reich sind, gerechtfertigt wird. JedensallS ist der Nachlaß des Betreffcnden übeiaus großartig gewesen. Man sprach zurzeit von 40 Millionen, was naiürirch nicht v rhindern kann, daß der verstorbene Cohn, der ja bekanntlich auch der finanzielle Ver­walter bei Kaiser Wilhelm I. war, ein äußerst vorsichtiger Mann wahrscheinlich auch als Aufstchtsrat jener beiden Hypothekenbanken gewesen ist. Wenn man aber nicht genügrnd ausg,paht hat, so ist das eben unter Umständen ebenso schlimm, als wenn man wirklich Mitschuldiger war. Sollte auch bet den anderen Direktoren die

Einkassierung von Millionen möglich werden, so wäre ja den Obli­gationären genügend geholfen.

H Unser Kohlensyndikat. Gelegentlich der Debatte über die Kohlenverteuerung, die ja vor allem deshalb fo sehrzieht", weil jede Partei sich dabei in Popularität sonnen kann, ist auch ganz im Ernst von einer möglichst raschen Verstaatlichung unserer Zechen die Rede gewesen. Was sich die Antragsteller dabet gedacht haben, ist nicht klar, da ja die fiskalischen Kohlengruben sowohl an de> Saar als auch in Oberschlesien in keiner Weise ein wirtschaftlich besseres Verhältnis irgendwie bis jetzt gezeitigt haben. Im Gegen­teil, die Arbeiter werden dort weniger gut bezahlt, die Preise aber sind qualitativ absolut nicht billiger alS die des Ruhrkohlen- syndtkats. Haben wir es dock sogar erst kürzlich erlebt, daß der Fiskus den preußischen Staatsbahnen einen sehr großen Posten Saarkoble zu so hohen Preisen abgegeben hat, daß da durch die Basis für Ruhrkohle überhaupt erst von neuem er­höht werden könnte. Rach diesem vollständigen Versagen also unserer staatlichen Verwaltungen ist es schlechterdings nicht zu ersehen, was eine Uebernahme unserer Privatzechen auf den Staat dem Publikum nützen könnte. Gerade je mehr das Reich heute an neuen Ausgaben gebraucht, denen, wie der Schatzsekretär in der Budget­kommission erklärte, verringerte Einnahmen gegenüberstehen, desto schärfer werden auch die preußischen Behörden für ausgiebige Benutzung ihrer fiskalischen Werke eintreten. Im übrigen ist es eine alte sozialpolitische Forderung, daß alles, was unter der Erde liegt, dem Staate gehören solle. Durchführbar war dies bekanntlich bis jetzt nicht. Und heute, wenn man einmal abenteuerliche Gedanken überhaupt erwägen soll, wäre der Preis bei weitem zu hoch. Man sehe sich nur die Kurse unserer besten Kohlen-Aktien an, die trotz der Kursstürze noch immer ein sehr hohes Agio erfordern würden und für die so einfach Rente zu geben, ebenfalls nicht leicht wäre. Denn gerade wie unsere Eisenbahn- rente s. Zt. den ganzen Anlagemarkt drückte, weil es eben ihrer zu viele waren, ebenso dürfte eine Rente für Kohlenaktien eine ungeheure Nach­wirkung auf unsere Konsolskurse haben.

Märkte.

GrüN-erg, 8. Dez-mber. Fruchtmorkt. Weizen 15,7815,90 Mark, Korn 14,4215,00 Mark, Gerste 12,4014,00 Mark, Hafer 12,7013,00 Mark, Erbsen 00,0000,00 Mark, Linsen 22,0000,00 Mark, Samen 00,0000 Mark, Kartoffeln 0,000,00 Mark.

Spichlm btt Btttroigltn jtenfcfntltt AMHeatcr.

Opernhaus.

Dienstag, 11. Dezember:Czar und Zimmermann". Mittwoch, 12 Dezember: VolksvorstellungLohengrin". Donnerstag, 13. De­zember:Das goldene Kreuz" vorher:Der Ehemann vor der Thür". Freitag, 14. Dezember: Geschlossen. Samstag, 15. Dezember: Das Glöckchen des Eremiten". Sonntag, 16. Dezember, Uhr: Hänsel und Grethel", abendsAmelia" oder derMaskenball".

Schauspielhaus.

Dienstag, 11. Dezember, 1/27 Uhr:Kabale und Liebe", Präsi­dent: Herr M. Pfeil vom Lessingtheater in Berlin als Gast. Mittwoch, 12. Dezember:Rosenmontag". Donnerstag, 13. Dezember:Rosen­montag". Freitag, 14. Dezember:Zopf und Schwert", König:

Herr Pfeil vom Lessingtheater in Berlin als Gast. Samstag 1| - I zember:Heimath", Magda: Fräulein Schumowska vom | theater in Zürich, Schwartze: Herr Pfeil vom Lessingiheater m als Gäste. Sonntag, 16. Dezember, 3«/i Uhr:Johannisfe^l abendsMadame Sans Gene". Montag, 17. Dezember: Rri -N montag". Dienstag, 18. Dezember:Rosenmontag".

*) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr.

Schiffsnachrichte«.

Norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch die Agenten: Cc- Loos und I. M. Schulhof.

Bremen, 7. Dezember. (Per transatlantischen Telegraph.) & Schnellpostdampfer Lahn, Kapt. C. Pohle, vom Norddeutschen Lb, in Bremen, ist gestern 8 Uhr morgens wohlbehalten in New-Iork « gekommen.

Bremen, 7. Dezember. (Per transatlantischen Telegraph.) ;a Doppelschrauben Postdampfer Friedrich der Große, Capt. M. (juw vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 1 Uhr monq wohlbehalten in New-Pork angekommen.

Kirchliche Machrichte«.

llvavgelifche Gemeinde.

Montag den 10. Dezember, abends 8 Uhr: Bibelflngde Konfirmandensaal der Johüfineskirche. Text: Ap.-Gesch. is, 19 r Pfarrer Euler.

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