Ausgabe 
11.12.1900 Viertes Blatt
 
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1900

Ii rh»e »en «nzrigen ,» der nachmittag- für den

Amts- und Anzsigeblatt für den "Kreis Sietzen.

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Weniges hinter den auswärtigen Firmen zurück. Auf^ver chiedenseitige Anregung hat sich die Bürgermeisterei an das Kriegsministerium nach Berlin mit dem Ersuchen gewendet, die Bauarbeiten für die Kaserne den Mainzer Firmen zu übertragen. Nach einem nunmehr bei der Bürgermeisterei eingelaufenen Schreiben des Kriegsministeriums ist keine Aussicht vorhanden, daß dem Wunsche der städtischen Verwaltung entsprochen wird. DaS Landeskomitee der Zentrumspartei hat hier an Stelle des verstorbenen Vizepräsidenten Frhr. v. Köth den Landtagsabgeordneten v. Brentano aus Offenbach zum Vizepräsidenten gewählt.

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Kolonialpost.

Die Gründung einer Pflanzungs - Kolonie auf Samoa. Nachdem die Inseln Sawai und Upolu, die größten der Samoa Inselgruppe, der Reihe deutscher Schutzgebiete em- verlcibt worden sind, Ruhe und Frieden nun auf diesen Inseln herrscht, macht sich auch dort eine rege Anbau- thiili-gkeit bemerkbar. Nach Urteilen von Kennern dieses Landes hat Samoa durch ausgedehnten Anbau tropischer Lull arpflanzen, besonders in Kaffee, Kakao, Kokospalmen, Labalk, Baumwolle und Gewürze eine große Zukunft. Stä­dtisch nachgewiesen ist, daß der Kaffee- und Kakaoverbrauch seit mehreren Jahren gestiegen ist, sodaß die Produktion tomü kaum Schritt hält, die Preislage der Tropenprodukte andauernd hoch bleibt, und eine rationelle Kaffee-, Kakao , Kokospalmen- und Tabakkultur eines der lohnendsten und ntra.greichsten Unternehmen ist. Alle diese Faktoren zu- sammengenommen lassen die Hoffung berechtigt erscheinen, daß Samoa als tropische Produktions-Kolonie im Stande ist, marktfähige Erzeugnisse hervorzubringen, die einen Ab­satz auf dem Weltmärkte sichern. Die jetzt dort so günstigen Verhältnisse, die sich einem Pflanzungsunternehmen bieten, ausjjUnützen, ist der Zweck der geplanten Gründung. Der Ausgangspunkt des zu gründenden Pflanzungsunternehmens ist, so schreibt man uns, die Insel Upolu; diese eignet sich infolge ihrer günstigen Lage, der erstaunlichen Fruchtbarkeit, des guten Rlitaad und der paradiesischen Schönheit, ausgezeichnet zur 8nl«ge einer Pflanzungskolonie. Es sollen sämtliche Kul- laren, die ihres Wertes wegen zum Anbau lohnend sind, angrlbaut werden; vor allen Dingen aber, wie schon bemerkt, Raffee, Kakao, Baumwolle, Kokospalme, Thee, Tabak und Gewürze. Durch maschinelle Anlagen soll die rationellste tarbeitung und Verwertung der Rohprodukte geschehen, {ine Plantagenbahn dient zum schnelleren und billigen Trainsporte der Erzeugnisse. DaS Land zum Anlegen der Pflanzungen ist bereits zugesichert, es liegt in der Land- schast Felealili auf der Südseite der Insel Upolu und er- slrkckt sich vom Meeresstrande in großer Ausdehnung land- Mw-ärts. Hier findet man einen Boden von größter Zruchtbarkeit, er ist bis tief ins innerste mit schweren Wald- Wänden bedeckt, und eS hat sich ein solcher jungfräulicher Soden bis jetzt als das beste Land für Pflanzungsanlagen Währt. Das Land von Felealili ist von vielen Gebiigs- tchen und Flüssen durchzogen, es ist mehr oder weniger eien, allmählich noch dem Innern ansteigend erreicht es eine Höhe von 400600 Meter. An der Spitze des WternehmenS steht ein Praktiker, der durch mehrjährigen Aufenthalt in Ostafrika und Brasilien als Tropenpflanzer itoi Plantagenbau kennen gelernt hat. Die Begründer des Unternehmens beabsichtigen die Organisation so zu fördern, ihü| im Frühjahr kommenden Jahres die Ausreise nach kn Samoa-Inseln angetreten werden kann. Es ist jedem $itereffenten die Gelegenheit gegeben, sich an diesem hohen «Gewinn versprechenden Unternehmen zu beteiligen, da die Einlagen sehr niedrig sind. Anfragen jeder Art sind an iir Geschäftsstelle der Kolonial-Organisation für Samoa g, H. des Herrn Konrad Becker, Breslau I, Antonienstraße, zu richten.

Dienstag den 11. Dezember 150. Jahrgang

Vermischtes.

* Eine Berichtigung. In derFreisinnigen Ztg." findet sich folgende ergötzliche Berichtigung:Auf dem Globus, nicht auf dem LocuS forderte am Mittwoch der mecklenburgische Gesandte v. Oertzen die Abgeordneten auf, nachzusehen, wo die von ihm bet der Darstellung der Verteilung der Katholiken in Mecklenburg benannten Orte liegen. Die stürmische Heiterkeit, welche die Vorstellung erweckte, Mecklenburg und seine Städte auf einem Globus ausfinden zu können, hat das .Mißverständnis in dem gestrigen Parlamentsbericht veranlaßt.

* Vom Beleidigen. Aus dem Zoologischen Garten zu Lüttich entwichen vor einigen Monaten zwei Robben, die längere Zeit in der Meuse ihr Spiel trieben, ehe sie wieder eingefangen werden konnten. Monatelang begrüßte man einander auf den Straßen von Lüttich höchst geistreich nur noch mit den Worten:Haben Sie die Robben gesehen?" Das WortRobbe" war in Fleisch und Blut der Lütticher übergegangen. So kam es, daß dieser Tage vor dem Lütticher Zuchtpolizeigericht ein Herr L. . . unter der An­klage stand, einen seiner ArbeitskollegenRobbe"ge­schimpft" zu haben. Sein Advokat trat mit warmen Worten für.die Robben ein, die er als harmlose gelehrige Tiere schilderte.Hübsch sind sie ja nicht", sagte er,aber in geschäftlicher Hinsicht haben sie einen großen Wert, und ich kann nichts Kränkendes darin finden, wenn ein Mensch mit einer Robbe verglichen wnd." Das Gericht war aber anderer Ansicht und kam zu einer Verurteilung,weil die Robbe ein Tier ist, und weil man einen Menschen nicht mit einem Tier vergleichen darf." In Lüttich dürfte in­folge dieses Urteils der Umgang mit Menschen sehr schwierig werden; man wird dort wederEifersüchtig wie ein Tier", nochKühn wie ein Löwe" sagen dürfen, und wenn ein Liebchen empfindlich und boshaft ist beide Eigenschaften sind ja zumeist vereinigt wird es seinen Geliebten verklagen können, weil er esMein Täubchen!" genannt hat, denn schließlich ist ein Täubchen auch ein Tier.

Ein zehnjähriger Autor. Der jüngstege­druckte" Dichter ist Wladimir d'Ormesson, der Sohn des französiichen Gesandten in Athen, deS Grafen d'Ormesson. Er hat im fliter von zehn Jahren in Nizza ein Heftchen mit zwei Erzählungen veröff ntlicht.M&noiree dun Bamboii undGriftminette", die eine für em Kind aller­dings merkwürdige Intelligenz und Einbildungskraft zeigen. Es ist natürlich kein Werk von Victor Hugo oder Alphonse Daudet, aber die Kinder, die diese Erzählungen lesen, werden sich sicher sehr gut dabei unterhalten.

* Die Besteigung des Mont-Blanc ist in unserer Zeit schon etwas ganz Gewöhnliches gerooiben. In der Zeit vom 6. Juni bis 23. September wurde der Mont- Blanc von 141 Touristen, die 77 Paitien bildeten, be° sti gen. In erster Reihe kommen 39 Schweizer, dann 38 Franzosen, 15 Deutsche und 13 Amerikaner. Von den anderen Ländern war ketns durch mehr als 5 Bergsteiger vertreten.

* Folgendenamerikanischen Hunnen-Brief" veröffentlichen die in MarShfield, Wisconsin, eischeinende NewS":La Lambay Convent, den 10. September 1900. Lieber alter Kamerad! Laß mich Dir eine Geschichte er- zählen, die Dir die Augen öffnen wird. Kürzlich nahmen unsere beiden Leutnants eine kleine Truppe Soldaten hinaus auf das Land nach einem kleinen Dorf, das etwa fünfzig Einwohner aufweist. Als wir angekommen waren, erboten sich dortige Eingeborene, Eier gegen Lachs einzutauschen. Man fragte sie, was sie von den Insurgenten wüßten, und ob Waffen in der Nachbarschaft vergraben seien. Sie sagten, daß sie nichts davon wüßten. Was geschah nun? Zwei junge Philippiner, die intelligenter als die übrigen aus- sahen, wurden vorgerufen und zur Rede gestellt. Sie wußten ebenso wenig wie die übrigen. Darauf wurden sie sestgenommen und einer sogenanntenWasserkur" unter-

Aus Stadt und Kand.

Gießen, 10. Dezember.

** Zweite Kammer der Landstände. Tages- -orbiiung zur Sitzung am 11. Dezember: 1. Regierungsvor­lage, den Gesetzentwurf, die Besteuerung des Ge - liezbebetr iebS im Umherziehen betreffend (Be- richaerstatter: Abg. Möllinger). 2. Regierungsvorlage, den Gschentwurf, das Faselwefen betreffend (Bericht- eriiatter: Abg. Dr. Heidenreichs. 3. Regierungsvorlage, len Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes die Hundesteuer vom 12. August 1899 betreffend, sowie «ntraa des Abg. Horn und Genossen, die Abänderung ied Hundesteuergesetzes vom 12. August 1899 be- wflend (Berichterstatter: Abg. Ulrich). 4. Regierungs- boülaae den Gesetzentwurf, die Abänderung des Gesetzes, die Erbschafts- und S ch e n k u n g s st e u e r bom aO. Üuguft 1884 betreffend (Berichterstatter: Abg. Jöckel). ö Antrag des Abg. Ulrich und Genossen, Progression bei der Einkommen-, Vermögens- und Erb- |d) af.tssteuer und Aufhebung der Stempelabgaben und Währen betreffend (Berichterstatter: Abg. Möllinger). 6. Antrag des Abg. Ulrich, Staatszuschuh zu dem Bau des Sicherheitshafens von Offenbach betreffend (Be- richoterstatter: Abg. Köhler-Darmstadt). 7. Antrag des Abg. Lr.. Schröder und Genossen zu Kapitel 114 Titel 4 der .iaochtragsforderungen des Großh. Finanzministeriums zu dem auf 1900/1901 erstreckten Hauptvoranschlag der Staats­

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einnahmen und Ausgaben", Vergütungen der Steuer- ko m m i s s a r i a t s g e h ü l f e n betreffend, sowie Vor­stellung der Steuerkommissariatsgehülfen, ihre Gehalts­verhältnisse betreffend (Berichterstatter: Abg. Molthan).

8. Antrag des Abg. S ch m e e l, die Gehalte der Realschul­direktoren betreffend (Berichterstatter: Abg. Köhler- Darmstadt). 9. Antrag des Abg. Häusel und Genossen, die Uebernahme der T r a n s p o r t k o st e n und Diäten der Großh. Kreisbauinspektoren auf die Staatskasse be­treffend (Berichterstatter: Abg. Weidner). 10. Vorstellung des Bezirksvereins Mainz des Verbandes der Deutschen Buchdrucker, die V e r g e b u n g v o n st a a t l i ch e n Druck­arbeiten betreffend (Berichterstatter: Abg. Dr. Frenay).

11. Vorstellung des Sekretärs bei der Technischen Hoch­schule, Rechnungsrat Koch in Darmstadt, die Regulierung seiner Pensionsverhältnisse betreffend (Berichterstatter: Abg. Jöckel). 12. Vorstellung der Kanzleibeamten der Großh. Oberrechnungskammer, die Neuregulierung ihrer Gehaltsverhältnisse betreffend (Berichterstatter: Abg. Jöckel).

** Der zweiten Kammer der Laudstände sind folgende Vorlagen zugegangen: 1) Bericht des ersten Ausschusses über den Antrag des Abg. Ulrich und Genossen, betreffend: die Besoldung der Kreistierärzte; 2) Bericht des ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage, betreffend: die Besteuerung des Gewerbebetriebs im Um­herziehen.

FC. Sympathiekundgebung für Krüger. Gelegentlich einer geselligen Zusammenkunft sandten 7 ob er hessische Pfarrer an den Präsidenten Krüger folgenden gereimten Gruß:Gottes Hilfe wankt doch nimmer, freie Deutsche wünschen immer Sieg den Buren von Transvaal trotz der grimmen Feinde Zahl." Krüger dankte in einem eigen­händigen schreiben.

Ranstadt, 9. Dezember. Bei der Volkszählung am 1. Dezember befanden sich hier 671 Seelen, in 1895 waren es 23 weniger. Sämtliche Obstbäume in hiesiger Gemarkung betragen 10 OOO. Es kommen also auf eine Seele ungefähr 15 Bäume.

Hirzenhain, 9. Dezember. Ein seiner Vollendung naher Neubau stürzte bei dem Sturm am 6. d. M. zusammen.

A Burkhards, 9. Dezember. Unsere Gemeinde hat seit der vorletzten Zählung um 32 Seelen abgenommen. Die Einwohnerzahl beträgt jetzt 503.

FC. Hungen, 9. Dezember. Wenig bekannt dürfte sein, daß der in Berlin angeklagte Bankier Sternberg einer der hauptsächlichsten Mitbesitzer der großen Brikett- fabrik in der Nähe, bei Trais-Horloff, ist. Vor Jahren/ als letztere einen Prozeß mit der, G'äfl. Laubach- schen Verwaltung führte, der diese etwa 20000 Mk. ge­kostet haben soll, hat Sternberg hier öfter geweilt. Damals war er in eine ähnliche Untersuchung verwickelt, und man behauptet, er habe damals hier geäußert,die Affaire werde ihn wohl 30000 Thaler kosten." Man sucht nun jetzt nach Demjenigen, zu dem er diese Aeußerung gethan haben soll. Sternberg wurde damals jreigesprochen.

FC. Laubach, 9. Dezember. Emen hinterlistigen lieberfall führte vor einigen Tagen ein Arbeiter der Fabrik Friedrichshütte gegen einen aus Oesterreich stammenden Arbeiter derselben Fabrik auf dem Wege von GonderS- kirchen nach Ruppertsburg aus. D°.r festgenommene Ar­beiter giebt an, er habe den Oesterreicher, der jetzt in Ruppertsburg krank barnieberliegt, überfallen und mit dem Stocke zusammengeschlagen, weil er ihm die Bezahlung von einigen Glas Bier verweigert hatte. Die Bevölkerungszunahme in den größeren Städten geschieht auf Kosten der Landorte. Laubach ist um 72 Personen, von 1899 auf 1827, zurückgegangen.

Darmstadt, 8. Dezember. Der Provinz! al aus schuß zu Darmnadt fällte heute folgendes Urteil: Dem Rekurs der großherzoglichen Bürgermeisterei Offenbach, die den Beschluß des KreiSausschusfes vom 19. September, nach welchem es dem von dem Stadtverordneten-Kollegium zu Offenbach gewählten Stadtv. Ulrich gestattet worden war, eine Beschwerde des Oberbürgermeisters BHni in Offen­bach gegen einen Beschluß wegen Veröffentlichung der amt lichen Bekanntmachungen in Ulrichs Organ vor dem Kreis­ausschuß zu vertreten, ist nicht statt gegeben und das Urteil wegen Unzuständigkeit des Kreisausschusses aufzu­heben unter Verurteilung der Stadt Offenbach in die Kosten.

Mainz, 8. Dezember. Die Militärbehörde hat kürzlich den Bau eitter Kaserne um den Voranschlags­preis von 1800000 Mark in Submission ausgeschrieben. Höchstabbietende blieben zwei auswärtige Firmen; zwei Mainzer Firmen blieben mit ihrem Angebot nur um

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