4. September passiert hat, wird von Roberts nicht erwähnt. Vermutlich ist er ostwärts abgeschwenkt. Krügers Post, das als nördlicher Konzentrationspunkt bezeichnet wird, liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Lydenburg. Das Gebirge wird hier immer wilder. Oestlich von Lydenburg erhebt sich der MoodieSberg bis zu 2100, der Mauchberg gar bis zu 2618 Meter Höhe. DaS häufig genannte Pilgrims Rest Itcßv nördlich dieser Berge. Das ist das Gelände, in dem Botha nunmehr den Kampf zu wagen gedenkt.
Die amtliche Meldung über die Einnahme Lydenburg« wird ergänzt durch ein Telegramm der Central News aus Rietfontein vom 8. ds.: Die englischen Truppen sind jetzt im Besitz von Lydenburg; der Feind wurde überflügelt und floh in der Richtung auf Pilgrims-Rest. Der Rückzug war so überstürzt, daß die Buren einige von ihren Geschützen im Stich ließen. Der Feind beschoß auf dem Rückzüge, um diesen zu decken, BullerS Linien aus Geschützen, aber die Geschosse trafen zu kurz. Keine Verluste auf englischer Seite. Nach einer Meldung aus London wird den „Central News" aus Bloemfontein telegraphiert: Louis Botha soll sehr deprimiert sein (?), daß er die stärkste Position seit dem' Tugela aufgeben mußte. ES heißt, Krüger und Steijn flohen mit den Buren. Hamilton setzt die Verfolgung fort, ein Teil der Buren-Artillerie fiel in englische Hände.
In einer weiteren Depesche des Lord Roberts heißt es: Der Feind fährt fort, Alles aufzubieten, um Eisenbahnzüge zum Entgleisen zu bringen, und Eisenbahnlinien zu zerstören. Kaum ein Tag oder eine Nacht vergeht ohne derartige Zwischensälle. Die Angriffe sind unangenehm, doch folgt jedem einzelnen Falle schnelle Bestrafung. Ich glaube, die Buren werden bald einsehen, daß diese Angriffe nach« teiliger für sie als für uns sind.
General Hart meldet, daß im Laufe des Kampfes in Krügersdorp tote Buren gefunden wurden, von denen einer nach bei ihm Vorgefundenen Papieren für den Buren- sührer Theron gehalten wird.
General Hildyard besetzte Makker st room. • * •
Telegramme des Gießener Anzeigers.
London, 10. September. Daily Mail meldet aus Pietermaritzburg, daß, nachdem Lydenburg von den Engländern besetzt war, die Stadt zwei Stunden lang von den Buren bombardiert wurde. Die englische Flagge wurde unter Hurrahrusen der englischen Bevölkerung in der Stadt gehißt. Letztere erklärte, von den Buren gut behandelt worden zu sein. General Botha zog sich nach Nordosten zurück. Derselbe soll seinen Truppen einen heftigen Verweis erteilt haben, weil sie den Rückzug antraten. — Präsident Krüger befindet sich nach einem Bericht in Barberton, nach einem andern in Nelspruit.
London, 10. September. Ein Telegramm aus Johannesburg berichtet, daß die Arbeit in den Goldgruben wieder ausgenommen worden ist. Das Wasser hat in mehreren Gruben so große Verheerungen angerichtet, daß dieselben vor drei Monaten nicht in Betrieb gesetzt werden können. Inzwischen werden 11 000 Kaffern mit der Instandsetzung der Eisenbahn beschäftigt. Die Eisenbahn-Verwaltung hat 12 Millionen zur Deckung der notwendigen Ausgaben verlangt.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. September. Aus Stettin wird gemeldet: Der Kaiser begab sich am Samstag um 8 Uhr 45 Min. an der Spitze der Fahnen und Standarteu vom Schloß zu Pferde nach dem Exerzierplatz bei Krekow, um 9 Uhr 15 Minuten folgte die Kaiserin in einem vierspännigen Wagen. Um 10 Uhr begann die Parade des 2. Armeetorps. Sie stand unter dem Kommando des kommandierenden Generals von Langenbeck. Nach Schluß der Parade fuhr die Kaiserin im Wagen zurück, während der Kaiser sich wiederum zu Pferde an der Spitze der Fahnen und Standarten ins Schloß begab. No h d:r Parade nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen. Abends halb sieben Uhr fand im Schloß Paradetafel statt, an der die Prinzen Albrecht und Friedrich Wilhelm von Preußen, Prinz Max von Baden, Prinz Karl von Hohenzottern, der Herzog von Württemberg, die Generalität, die selbständigen Kommandeure der heutigen Parade, die Attachees u. s. w. teilnahmen. Der Kaiser brachte bei der Tafel einen Trinkspruch aus, der lautete:
Euerer Exzellenz spreche ich« meine Freude darüber ans, daß Sie das zweite Armeekorps, meine Pommern, in so hervorragender Verfassung heute vorgeführt haben. Ich ersehe daraus, daß das Korps sich auf der Höhe befindet, wie es einem Armeekorps geziemt, das eine große Tradition tmi) eine schöne Geschichte in seinen Fahnen verkörpert. Ich spreche zugleich den Wunsch aus, daß das Armeekorps immer so bleiben möge, umso mehr, Alls es dasjenige Armeekorps ist, das mein Vater dereinst geführt, und auf das die Augen meines seligen Großvaters zuletzt geruht haben! Das 2. Armeekorps hurra! hurra! hurra!
— In der vorgestrigen Rede des Kaisers auf die Ansprache des Stettiuer Oberbürgermeisters lautet der Schluß nach dem authentischen Text: Ich habe gar keine Besorgnisse für d ie Zukunft; denn mit uns ist Gott, der wird uns durch Helf en.
— Wir teilten schon mit, daß gegenwärtig in Stetttin anläßlich der Anwesenheit des Kaisers daselbst 30 Berliner. Kriminalschntzleute weilen. Im Anschluß an das Kaisermanöver begiebt sich der Kaiser in Begleitung seiner Gemahlin bekanntlich auf etwa acht Tage nach Ea dineu. Auch dort werden Berliner Krirninalschutzleute den Sicherheitsdienst versehen. Die Beamten — dem Vernehmen nach acht an der Zahl — werden dein Stettiner Kommando entnommen und später auch nach Rom inten und Tilsit entsandt werden. Gegenwärtig werden die ge nannten Orte bereits polizeilich ganz besonders scharf über wacht, um cüenL verdächtige Persönlichkeiten festzusetzen. Dem Kaiser sind diese Maßnahmen wohlbekannt: er wollte
zuerst von dieser verschärften Sorge um seine Person nichts wissen, hat aber schließlich auf überzeugende Vorhaltungen hin dazu seine Genehmigung erteilt.
— Die Würde eines Schützenkönigs des Kriegervereins zu Usch (Prov. Posen) hat der Kaiser angenommen und dem Verein zur Erinnerung an dieses Ereignis die silberne .Königsmedaille am schwarz-weißen Bande verliehen.
— Der Großherzog von Baden feiert heute seinen 74. Geburtstag. Großherzog Friedrich von Baden, der Schwiegersohn des ersten Hohenzollern-Kaisers, gelangte im Alter von 25. Jahren zur Regierung, da er, an Stelle seines kranken Bruders, des Großherzogs Ludwig II., seinem Vater als Regent 1852 folgte. Nach vier Jahren nahm er den Titel Großherzog an und vermählte sich mit der einzigen Tochter des damaligen Prinzen Wilhelm von Preußen, Prinzeß Luise, die sich der allgemeinen Liebe Badens erfreut. — Herzog Ernst von Altenburg steht im gleichen Alter. Sein 74. Geburtstag fällt auf den morgenden Tag. Er trat am 3. August 1853 nach des Vaters Tode die Regierung an. Auch er nahm, wie der Großherzog von Baden an dem Feldzuge gegen Frankreich teil und war bei der* Kaiserproklamation in Versailles zugegen. Als Schwager der Frau Prinzeß Friedrich Karl von Preußen und Schwiegervater des Prinzen Albrecht von Preußen steht der greise Herzog unserem Kaiserhofe sehr nahe.
— Reichskanzler Fürst zu H o h e n l o h e ist heute früh hierher zurückgekehrt.
— Bekanntlich tritt vom 1. Oktober die neue Militär st r a f g e r i ch t s o r d n u n g vom 1. Dezember 1898 in Kraft. Von diesem Zeitpunkte ab giebt es Standgerichte, Kriegsgerichte (eins bei jeder Division), Oberkriegsgerichte (eins bcsi Mem Armeekorps) und ein Reichsmilitärgericht in Berlin. Das Standgericht, das sich aus einem Stabsoffizier als Vorsitzenden, einem Hauptmann und einem Oberleutnant als Beisitzern zusammensetzt, tritt zusammen, wenn
gegen das Vaterland gerichtete Unternehmungen vom Königshause fernzuhalten. Trotzdem sind seither in dieser Richtung einzelne Versuche gemacht worden, über die jedoch der König mit Verachtung hinwcgging. Dor einigen Tagen sandte jedoch die gewesene K ö n i g i n Natalie ihrem hier, wohnenden Hofmarschall eine o f f e n e P o st k a r t e, worin sie das K ö n i g s p a a r mit den v e r l etz e n d st e n und niedrigsten Ausdrücken angreift. Infolgedessen wird hiermit tm Auftrage des Königs bekannt gegeben, daß alle Jntriguen, die bezwecken, das Königshaus zu unterwühlen, als verräterische Unternehmungen betrachtet werden, mögen sie von welcher Seite auch, immer kommen und wen immer zum Urheber haben. Diejenigen, welche darauf ausgehen, die Ruhe und den Frieden, die sowohl Serbien als seinem König so sehr am Herzen liegen, irgendwie zu stören, dürfen sich keinerlei Illusionen hingeben darüber, daß ihnen gegenüber verfahren wird, wie Verrätern und Aufwieglern gegenüber verfahren werden muß.
— Die Reise des Königs Alexander und der Kö n i gilt Draaa ist unterbrochen worden, weil die Königin Mutterfreuden entgegensieht. Tas Königspaar kehrt so bald wie möglich nach Belgrad zurück. — DaS Hof-Mar- schallamt der Königin Natalie ist aufgelöst und der Hofmarschall entlassen worden.
Konstantinopel, 8. September. Der Sultan verlieh dem deutschen Botschafter Baron Marschall von Bieberstein zum Zeichen der Anerkennung für sein hiesiges Wirken die Brillanten des Nischanel Jftihair. Es ist das erste Mal, daß ein fremder Botschafter dieser Auszeichnung teilhaftig wurde.
Victoria (Britischs-Columbien), 8. September. Mehrere Telegramme von Australien melden, daß die Neger von Neu-Süd-Wales eine große Anzahl von Weißen n i e d e r g e m e tz e l t haben, namentlich Frailen. TieFrauen der Weißen verlassen ihre Wohnungen und fliehen in die Städte. Die Polizei verfolgt mit Hilfe der Einheimischen die Neger.
1900.
des De- hat sich
Aus Stadt und Kand.
Gießen, 10. September
** Amtsniederlegung. Der seitherige Dekan
kanatS Gießen, Pfarrer Karl Wahl zu Hansen, nach zwölfjähriger Amtszeit aus Gesundheitsrücksichten ge
nötigt gesehen, um Entbindung von der Führung des Amtes eines Dekans vom 1. Oktober an nachzusuchen. Diesem Gesuch ist unterm 5. d. M. stattgegeben worden. Auf der am 24. Oktober in Gießen stattfindenden Dekanats- synode wird die Neuwahl eines Dekans vorgenommen werden.
• * Diebstahl. In einem Hause am Asterweg sind vor peinigen Tagen einem Dienstmädchen verschiedene Gegenstände entwendet worden. Ein Verdacht gegen irgend eine Persönlichkeit liegt bisher nicht vor.
* * Heilanstaltseröffnung. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, ist die vorm. O. Höpfner'sche Anstalt für schwedische Heilgymnastik, Orthopädie und Medical- Massage von Herrn Victor May, nachdem sie mit den neuesten Einrichtungen versehen worden ist, wieder eröffnet worden.
• • Auch der gestrige Sonntag war mit dem sonnigen Herbstwetter wie geschaffen zu Ausflügen, Kirchweihen und sonstigen im Freien üblichen Veranstaltungen. Die Kirchweihfeste in Garbenteich, Bieber und Annerod waren zahlreich besucht, besonders die letztere. Die „Platte", sowie die im Orte selbst befindlichen Wirtschaften vermochten die zuströmenden Besucher kaum zu fassen. Aber auch die Ausflugsorte der Umgebung, in denen eigentlich gestern „nichts loS" war, wiesen zahlreichen Besuch auf. DaS Jagdschlößchen Dutenhofen hatten sich die Mitglieder des Gießener Zitherkranzes zum Ausflugsort erkoren; dort stellten sich aber auch die Einwohner unserer Nachbarstadt Wetzlar zahlreich ein. — Der Gießener Veteranen-Berein unternahm eine Partie über Langgöns und Gambach nach Münzenberg, mit Rückmarsch über Rockenberg und Griedel nach Butzbach. Bedeutend muß auch der Zug nach weiter gelegenen Ausflugsorten gewesen sein, denn die am Abend hier eintreffenden Personenzüge waren dicht besetzt.
"* Geburtstagsfeier der 60 jährigen. Am Samstagabend hatten sich 22 Herren im Restaurant „Kaisergarten" zu einem Festmahl vereint, um gemeinsam ihren 60. Geburtstag zu feiern, der in dieses Jahr fällt. Bei munteren Musikweisen und Reden verflossen die Stunden wie im Fluge. Als die letzten „Jubelgreise" endlich den Heimweg antraten, erleuchtete ihnen bereits die Sonne den Weg. Herr Karl Junker, auch ein 1840 er, war aus Karlsruhe extra zu dieser Feier gekommen, um im Kreise seiner Freunde und Altersgenossen einige frohe Stunden zu verleben. Auch mehrere in Amerika lebende Altersgenoffen wurden von der Feier in Kenntnis gesetzt. Nichtsdestoweniger waren alle zu dem gemeinsamen Familienausfluge, der am gestrigen Nachmittag nach dem „Windhos" gemacht wurde, wieder vollzählich srifch und munter erschienen. Der Ausflug, zu dem wieder Musik mitgenommen war, verlief tn eöcn)o erhebender und allgemein befriedigender Weise nnc oas Festmahl. € ...
** Der Gabelsberger Steuographenverem feutte am Samstag sein 39jährigeS Stiftungsfest durch eine gemütliche Familienvereinigung im Saale btf ®bel. I» seiner kernigen Ansprache warf derersteVorsitzende Professor Dr. Pitz einen kurzen Rückblick auf die Entwicklung der deutschen EinheitSstenographre und auf Die Tätigkeit im verflossenen BeremSjahr; er erwähnte hierbei, daß das ganze Jahr hindurch fünf verschiedene Kurse im Gang- s-° n ' und ^gedachte befonber« bet ©rünbung be8 Damen-KränzchenS. Der Redner gab der Hoffnung Aus- druck daß dieser Zweigverein ebenfalls zum Segen der Kunst des Meisters weiter wachsen und gedeihen möge. Alsdann wechselten Ansprachen, Lieder, Toaste, humoristische Vorträge, sowie einige meisterhaft vorgetragene Couplets
Ausland.
London, 8. September. „Daily Mail" bcrick)tet aus Malta, der Kommandeur des englischen Mittelmeer-Geschwaders habe dringenden Befehl erhalten, den Kohlen- v e r b r a u ch e i n z u s ch r ü n k e n und größtmöglichste Ersparnisse an Kohlen zu machen.
Brüssel, 9. September. Eiii Telegramni aus F u n ch a l (Madeira) berichtet: K ö n i g L e o p o l d ist am 8. d. M. hier eingetroffen und am selben Tage nach Kap Teneriffa weitergereist.
Paris, 9. September. Im Departement Finistere wurde auf Befehl des Kominandanten der Gendarmerie- Brigade eine ganze Gendarmerie-Abteilung, bestehend aus l'Wachtmeister und 4 Gendarmen, verhaftet. Die Ursache dieser sensationellen Verhaftung ist noch nicht bekannt. i
— Der Minister des Auswärtigen gab gestern Abend ein großes Diner zu Ehren des russischen Finanz- Ministers Witt e.
— Wie die Blätter melden, bat die ärztliche Untersuchung Saisons ergeben, daß derselbe geistig unzurechnungsfähig und für das gegen den Schah von Per s i e n versuchte Attentat nicht verantwortlich zu machen ist. Salson wird wahrscheinlich einer Irrenanstalt übergeben werden.
B e l g r a d , 9. September. Das Amtsblatt bringt folgendes Handschreiben des K a i s e r s N i k o l a u s von Rußland aus Peterhos, womit dieser bav Handschreiben erwidert, durch das ihm König Alexander seine B e r - m ä h l u n g notifiziert: v,
„Mein Herr Bruder! Mit außerordentlicher Befriedigung erhielt Ich aus Ihrem Briefe Kenntnis von der Vermählung Eurer Majestät mit der Frau Draga Lonjevica, Tochter des Herrn Panta ^.onievic, Enkelin des Wojwoden Nicola Lonjevic. Angesichts der Freundschaft und g e i st i g e n Verwandtschaft, die zwischen Eurer Majestät und mir bestehen, nehme ich an diesem glücklichen Ereignis lebhaften Anteil und beeile mich, Eurer Majestät meine herzlichsten Glück wünsche zum Ausdruck zil bringen. Ich fuge die besten Wünsche für das Wohlergehen und Glück Eurer Majestät der Königin hinzu und bitte Sie, abermals die Versicherung meiner Hochachtung entgegeuzilnehmen, mit der Ich verbleibe Eurer Majestät, meines Herrn Bruders guter Bruder Nikolaus".
-Das Amtsblatt bringt folgende Vereinbarung: Der König hat sowohl in seiner Proklamation vom 8. Juli als auch in deu Reden, die er seither gehalten hat, lauf das Ausdrücklichste betont, er werde nicht mehr zugeben, daß um das Königshaus Ränke geschmiedet werden und daß es sein fester Wille sei, solche Ränke als verräterische
es sich nm Strafthaten handelt, die bis höchstens mit 6 Wochen Freiheitsstrafen bezw. 150 Mark Geldstrafe geahndet werden. Das Kriegsgericht besteht aus einem Kriegsgerichtsrat und vier Offizieren (eilwin Stabsoffizier als Vorsitzenden, einem Hauptmann und" Avei Oberleutnants als Beisitzern), oder in wichtigeren Fällen, d. h. in solchen, wo auf eine Freiheitsstrafe über 6 Monate zu erkennen ist, aus zwei Kriegsgerichtsräten und dann aus einem Oberleutnant weniger. Das Oberkriegsgericht besteht aus 7 Richtern, und zwar 2 Oberkriegsgerichtsräten und 5 Offizieren. Die Anklage vertritt bei den Kriegsgerichten ein Kriegsgerichtsrat, außerdeni giebt es als Gerichtsschreiber einen Militär-Gerichtsschreiber. Das Kriegsgericht ist Berufungs-Instanz für die Standgerichte, während die Oberkriegsgerichte die Berufungs-Instanz für die Kriegsgerichte bilden. Das Reichsmilitärgericht ist das Revisionsgericht. Alle Verhandlungen der Kriegsgerichte sind öffentlich, wenn nicht, wie auch beim Zivilgericht, aus gewissen Gründen der Ausschluß der Oeffentlichkeit verfügt werden muß.
Homburg, 8. September. Die Kaiserin Friedrich, Prinz und Prinzessin! von Schaumburg- Lippe sowie die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen heute vormittag zum Besuch des Prinzen von Wales hier ein.
Cronberg, 9. September. Der Großherzog und die Großherzogin von Hessen sind heute mittag auf Schloß Friedrichshof zum Besuche der Kaiserin Friedrichs eiugetroffen. Auch der Prinz von Wales war zum Abschiedsbesuch anwesend.


