Ausgabe 
11.3.1900 Zweites Blatt
 
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des Freistaate- zu decken. Tin erheblicher Erfolg der jüngsten Bewegung des Marschalls Roberts wäre erst dann zu ver­zeichnen, wenn eS ihm gelungen wäre, sich als trennenden Keil zwischen die Buren-Abteilungen an den Bahnlinien der Kapkolonie (nördlich von Colesberg und Stormberg) und das Gros der Buren einzuschieben. Diesen Sorten aber hätte Lord Roberts vielleicht sicherer, wenn auch nur unter Aufgebot größerer Opfer, dadurch erreicht, daß er in einem Frontangriff die Stellung der Buren durchstoßen und ihnen eine empfindliche Niederlage beigebracht hätte. Ob er das jetzt durch die Verfolgung bei der Erschöpfung seiner Ka­vallerie nachholen kann, erscheint mehr als fraglich.

Jedenfalls aber steht jenem Vorteil der nicht zu unter­schätzende Nachteil gegenüber, daß Lord Roberts sich immer weiter von seiner Basis entfernt, und daß die Schwierigkeiten des Munitionsnachschubs und der Verpflegung mit jedem Schritt vorwärts in dieser Richtung wachsen. Erft neuerdings erfahren wir, daß seine Truppen auch bis­her unter diesen Schwierigkeiten schon beträchtlich zu leiden gehabt haben. So erwähnt der Berichterstatter Reuters gelegentlich, daß die Wegnahme des britischen Trains am Rielflusse (15. Februar) den britischen Truppen allerlei Entbehrungen auserlegte, sodaß sie sich aus der für die Pferde bestimmten Kleie einen Brei bereiten und Brod backen mußten, und die Intendantur gezwungen war, die Rationen erheblich zu verkürzen. Noch vom 5. März meldet der Berichterstatter derDaily NewS", der Nachschub sei jetzt soweit gesichert, daß wieder Dreiviertel-Rationen aus' geteilt werden könnten. Daß bei dieser Knappheit der Nahrungsmittel die Pferde noch schlechter wegkamen als die Menschen, ist natürlich, und so unterläßt es denn kein Be­richterstatter, den Vorzug eines kurzen Regengusses hervor­zuheben, der frisches Gras hervortreibt und den Pferden Futter bringt. Mit schnellen Schritten naht aber die Zeit heran, wo der trockene Winter einsetzt und auf einen solchen Rückhalt an der Natur nicht mehr zu rechnen ist, und über­dies betonen alle Meldungen, daß Nachschub für das mehr und mehr zusammenschrumpfende Pferdematerial das nächste und dringendste Bedürfnis sei. So schwer derartige Dinge aus der Ferne zu beurteilen sind und so leicht man sich einer Täuschung aussetzt, so kann man sich doch bei alledem des Eindrucks nicht erwehren, daß vorläufig die Taktik der Buren darauf abzielt, die britische Hauptarmee weiter und weiter von ihrer Basis abzuziehen und dadurch solche Schwierigkeiten für sie zu steigern.

Um so notwendiger wird es für die Engländer sein, sich zunächst die von der

Kapkolonie in denFreistaat str eb enden Bahnlinien zu sichern. Wie weit die darauf gerichteten Operationen der Generäle Clements bei Colesberg und Gatacre bei Dordrecht gediehen sind, läßt sich noch nicht klar erkennen. Die Buren sind zwar hier wie dort zurückgegangen, aber sie scheinen entschlossen, sowohl bei NorwalSpont den Engländern den Uebergang über den Oranjefluß streitig zu machen, wie auch die Linie Burghersdorp-Bethulie zu halten. Auch bei Dordrecht, östlich von Stormberg, stehen die Buren noch und haben in der letzten Zeit wieder einen Erfolg zu ver­zeichnen. Man berichtet:

Prätoria, 6. März. (Reuter'S Bureau".) Amtlich wird berichtet, daß am letzten Sonntage ein Gefecht bei Dordrecht geliefert worden ist. Die Engländer wurden untergroßenVerlustenzurückgeschlagen, und drei Kanonen wurden von den Verbündeten er­beutet. Drei Buren wurden getötet, fünf verwundet.

Die Kanonen können di; Buren, nach dem Verlust von fünf, übrigens unbrauchbar gemachten Geschützen, bei Koodoosrand sehr gut gebrauchen. Wir glauben, daß der Widerstand, welchen die Föderierten dem Vordringen der Engländer im Norden der Kapkolonie entgegensetzen, eher stärker als schwächer werden wird; denn gerade diese Punkte find im gegenwärtigen Augenblick von der größten Be­deutung. Gelingt es den Engländern, die von East London und Port Elizabeth nach den Freistaaten sich heraufziehenden Bahnlien frei zu bekommen, so hat von diesem Augenblick an die Trace De Aar-Kimberley ihre Bedeutung als Ver­pflegungsbasis für die RobertS'sche Armee verloren. Der Aufstand der Kap-Holländer könne den Buren dann keinen unmittelbaren Vorteil mehr einbringen, und die an der Südgrenze des Freistaates noch kämpfenden Buren-Ab­teilungen schwebten in der Gefahr, daß ihnen jede Rückzugs- möglichkeit verlegt würde.

Gerichtssaal.

303 Str.-G.-B.

- S VK' .27. Februar. Ein ganz eigenartiger Fall von

? k t? osAadigung beschäftigte heute das Reichsgericht. Es handelte sich um ein Urteil des Landgerichts Breslau vom 15. De-

3-, durch welches die Kaufleute Max Bergheimer und Frch Sternberg wegen Sachbeschädigung nach S iu ie 100 Mark Geldstrafe verurteilt worden finb.

iu je 1 uv -uiart Geldstrafe verurteilt worden finb. Sie hatten ein

an den Kaufmann T. verkauft. Nach der sich rm Erdgeschoß der Schwamm. T. verklagte veranlaßten nun schnell auf eigene beä Erdgeschosses zur Räumung, ließen den Fußboten aufreißen, um das vom Schwamm infizierte Hol; zu entfernen und einen normalen Zustand herzustellen. Sie hatten alfo anscheinend die besten Absichten Dennock tnin-hen fte wegen Sachbeschädigung zur Anzeige gebrackst und, w e rben angegeben, wegen Beschädigung einer fremden Sacke verurteilt Als strafmildernd, heißt es im Urteile, kam in Betrackt"daü sie dte Absicht hatten den Schaden zu ersetzen und den Mange? an dem das Haus litt, zu beseitigen. Auf die Revisionher die vom Reichsanwalte befürwortet wurde hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache ab das Landgericht zur,ick Das Reichsgericht ließ es dahingestellt ob der Begriff der Sachbeschädigung überhaupt ausgeschlossen er­scheine, wenn remand die Integrität einer fremden Sache ver­letzt, um Schäden derselben zu beseitigen. Jedenfalls aber sei das angefochtene Urteil in subjektiver Hinsicht bedenklich. Man könne nicht den Vorsatz haben, zu schädigen, wenn man den Vorsatz habe, zu verbessern. Möglich sei es aber, daß die Angeklagten die Absicht hatten, die Integrität der Dielen in einer Weise

zu verändere, die die Zustimmung des Eigentümers nichk finden konnte. Dies werde in der neuen Verhandlung mit untersucht werden müssen.

Die Iiührer der Auren.

(KV

Nach der Gefangennahme Cronjes gehören neben Joubert die drei Kommandanten Lukas Meyer, General Delarey und Hans Botha zu den Männern, auf welche die Buren ihre Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang des Krieges setzen. Alle drei Führer wollten dem einge­schloffenen Cronje zu Hilfe eilen, aber sie kamen zu spät, Cronje mußte sich am 27. Februar ergeben. Inzwischen ist es der Armee der Buren gelungen, sich in der Nähe von Bloemfontein zu konzentrieren, und da die Namen der Führer in den nächsten Tagen noch oft genannt werden dürften, führen wir sie unfern Lesern im Bilde vor.

Der Braud des Thäätre franfais

ist erst in den Morgenstunden des Freitags gelöscht worden. Eine große Menschenmenge umringte bis spät in die Nacht hinein die Brandstätte, welche von Beamten der Sicherheits­polizei und Militär abgesperrt ist. Die Feuerwehr wurde heute vormittag zurückgezogen; nur zwei Spritzen sind zur Sicherheit vor dem Theater noch geblieben. Der Direktor des Theaters, Jules Claretie, nahm auf der Mairie des 1. Arrondissements in Gegenwart des ganzen Theater- personalS ein Verhör vor mit den beiden Maschinisten, welche sich auf der Bühne befunden und ausgesagt hatten, das Feuer fei unterhalb der Bühne ausgekommen. Die Zusammenkunft verlief ergebnislos, lieber die Entstehungs­ursache des Brandes laufen noch immer die verschiedensten Gerüchte um, darunter auch das, das Feuer sei angelegt worden. Letzteres Gerücht findet aber, wie amtlich telegraphiert wird, bisher keine glaubwürdige Bestätigung. Der Inspizient Godard giebt folgende Schilderung von dem Ausbruch des Brandes: Gestern mittag stand ich allein auf der Szene, um Möbel für die Aufführung von RacinesBajazet" auf­zustellen, mit der die Matinse in einer Stunde beginnen sollte. Plötzlich erfüllte dichter Rauch die Szene. Er kam von oben, wo sich die Künstlerlogen befinden. Ich wußte aber, daß Albert Lambert und die Damen Dudlay und Henriot oben waren, und gab das Alarmsignal. Leute

stürzten die Stufen empor, um die Künstler zu retten. Ich wollte den Eisenvorhang herablaffen, aber konnte eS nicht, weil die Maschinisten, die allein mit der Manipulation vertraut sind, noch nicht anwesend waren. 12 Uhr 20 kamen die ersten Pompiers. Der ganze Teil deS Theaters, der nach der Rue Richelieu und Rue Montpenfier gelegen ist, war bereit« ein Raub der Flammen. Direktor (Slaretie erschien um V21 Uhr an der Brandstätte. Dir erste Hilfe leistete der zufällig anwesende Doktor Henri, Baron Rothschild besorgte die Bergung der Kunstschätze. Einige Augenblicke lang war die Omnibushalle auf dem Platze des Thäätre fran^ais eine viertel Million wert, weil die alten Gobelins, die bibliographischen Unicabilder und die Büsten dahin gebracht waren. An guten Ratschlägen für die Zukunft wird eS nun, nachdem das Theater, auf das Frankreich stolz war, abgebrannt ist, nicht fehlen.

Die heutige Sitzung des Pariser Gemeinderates ist bet Erwägung des Mißstandes gewidmet, daß der Wafferdruck, welcher nachts die erwünschte Intensität hat, tagsüber fast immer versagt. Dieselbe Erscheinung wie gestern wurde bei allen Pariser Feuersbrünsten der letzten Jahre wahr- genommen. Eine häufigere Kontrolle der Leitungsmündungen wurde wiederholt empfohlen, doch niemals mit dem nötigen Ernst durchgeführt. Die Anlegung eines neuen, den Waffer- dienst ergänzenden Reservoirs wird beantragt; jedenfalls wird beim internationalen Pariser Kongreffe für Städte­wesen diese Frage eingehende Erörterung finden. Der Familie der unglücklichen Henriot wendet sich alle Teilnahme zu. In der Matineevorstellung, welcher die gestrige Probe galt, war Fräulein Henriot eine Hauptrolle zugedacht. Angesetzt war die TragödieBajazet* * von Racine. Die Rollen waren verteilt unter den Herren Silvain, A. Lam« Bert jun., Billain, den Damen Dudlay, du Minil, I. Hen> riot (f) und Delvair. Dazu sollte der Biffon'sche Schwank Der Abgeordnete von Bombignac" mit den Herren Coque lin jun., de Fernandy, Langier, Falconnier, Delaunay, den Damen Müller, du Minil, Fayolle und LynnLs gegeben werden. Die unglückliche Henriot hatte als jüngstes Mit­glied des Theaters ihre Garderobe in einem Oberstock, wo sie entweder zu spät den Feuerlärm hörte, oder sich wegen ungenügender Ortskenntnis nicht mehr herausfand. Direktor Antoine übernahm es, die Mutter von dem Tode des Mädchens zu verständigen. Madame Henriot verfiel vor Schmerz in Wahnsinn. Die junge Schauspielerin war das stolze Glück der Familie. TagS zuvor hatte noch die Schwester triumphierend hinter den Kouliffen erzählt: So beliebt und verehrt, wie meine Schwester, ist doch keine von euch; ich komme vom Boulevard des Italiens; dort drängt sich vor Reutlingers Schaufenster alles, die Schön­heit meiner Schwester zu uetounbern. Von den Ehrungen, welche der Toten erwiesen werden, handelt ein demVerl. Lokalanz." zugegangenes Telegramm:

Mit den Vorstellungen der Comedie franyaise im Odeon-Theater bezw. in der Großen Oper wird bis nach dem Leichenbegängnisse des Fräulein Henriot gewartet. Die Kosten der Bestattung trägt die Comedie fran^aiee. Im Salon der Künstlerin, Rue Pergoleae, wo die Auf­bahrung ftattfindet, trafen massenhafte Blumenspenden ein. Da- Gesicht ist nur wenig geschwärzt, der Ausdruck verrät heftigen Todeskampf. Fräulein Henriot wollte wegen un­genügender Beschäftigung das Th6ätre frangaise verlassen. Seitens eines Impresarios lag ihr ein lockendes Anerbieten für eine Tournee vor, welche in Berlin ihren AuSgang nehmen sollte. Sie schwärmte für deutsche Tragödien, welche sie aus Übersetzungen kannte. Das Gebäude ist in seinen wesentlichen Teilen so zerstört, daß an eine Reparatur im Einzelnen nicht zu denken ist. Vollständig verschont blieben nur die Künftlerräume in der Höhe der zweiten Galerie, die Logen Mounet Sullys, Coquelins, WormS, LebargyS und Madame Barretta. Der Architekt des Palais Royal« Komplexes wird unverzüglich nach vollzogener Aufräumung des Schuttes die Neuherstellung des Th66tre fran^aia nach den LouiS'schen ursprünglichen Plänen beginnen.

Lokales und Provinzielles.

**P. Stadttheater. Dem Benefiz des Herrn Kirchhoff ist es zu danken, daß in dieser Winterspielzeit auch einwei Lessing, der älteste unserer klassischen Dramatiker, zu Worte kam und zwar mit seinem TrauerspielEmilia Galotti'. Unser jugendlicher Held, der während seiner hiesigen Thätig- keil recht anerkennenswerte Fortschritte gemacht hat, spielte selbst den Prinzen von Guastalla und bewies, daß er fit diese Art von Rollen eine entschiedene Begabung besitzt. Er wußte der geistreichen Liebenswürdigkeit wie der leide«, schaftlichen Erregung in gleichem Grade Ausdruck zu vn« leihen und darf die mehrfachen Blumenspenden als wohl« verdient ansehen. Auch sein Gegenspieler, Herr Rolan, zeichnete den Charakter des glatten, gewiffenlosen Höfling! Marinelli durchaus richtig. Ganz besonders war da! Mienenspiel zu loben. Nur hätte zwischen dem Kammer-

Herrn und seinem Gebieter doch ein größerer Abstand

in der Würde vorhanden fein müssen; die Schuld

daran lag auf beiden Seiten. Fräulein Hammer

legte die Titelrolle schlicht und natürlich an, wußte aber die Gestalt der Emilia im letzten Akt auch zur erforderlichen tragischen Höhe emporzuheben. Herr Walter war als der ehrenfeste, rauhe und heftige Odoardo nicht Übel; aber man hatte bei den Ausbrüchen seiner Leidenschaft doch häufig den Eindruck des Gemachten. Frl. Zimmermann ist M die Rolle der Claudia nicht sonderlich geeignet; in noch höherem Maße läßt sich das von Herrn Hiller als Appiari sagen. Dieser neu für unsere Bühne gewonnene Darsteller hatte offenbar eine ganz richtige Auffassung von der zu lösenden Aufgabe, aber seine äußeren Mittel namentlich Stimme, Aussprache und Haltung ließen das nicht zur Geltung kommen. Mit einer durch redlichen Fleiß er­worbenen Sicherheit spielte Frl. Haussig die Orsina, doch

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