Ausgabe 
10.8.1900 Zweites Blatt
 
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W ließ. Einige Wochen darauf empfiUg die Dame eine größere Gesellschaft. DaS Aeffchen war das Wunder der­selben und sein musterhaftes Betragen trug ihm viel Lob- spräche und Liebkosungen ein. Tine junge Dame setzte sich an den Flügel und trug ein kleines Lied vor, das sie selbst begleitete. Kaum hatte sie geendet, so ergriff der Affe, eingedenk der früher in den Straßen geübten Praxis, ein in seiner Nähe liegendes Notenblatt, knitterte es in Hut­form zusammen, und machte, zum Schrecken der Marquise und zum Ergötzen ihrer Gäste, die Sammelrunde bei sämt­lichen Anwesenden. Nachdem er seinen Umgang vollendet, sprang er der lachenden Sängerin auf den Schooß und schüttete den Inhalt seines papiernen Hutes vor ihr aus. Wie man sich denken kann, ergab die Sammlung eine ganz ansehnliche Geldsumme, die selbstverständlich zu einem wohl- thätigen Zwecke verwendet wurde.

Mteratur.

Ein ebenso zeitgemäßes als prachtvolles Rarschlied: dir, du deutsches Flottenheer", komp. von Ernst Simon, (für Pfte. Mk. 1,50), ist im Verlag von Arno Spitzner, Leipzig, Turnerstraße 1, erschienen. Dem Preise der todesmutigen, deutschen Helden, die Gut und Blut für die Ehre des Vaterlandes opfern, um volle Sühne für empörende Greuelthaten der Chinesen zu fordern, ist die feurige, packende Marsch-Komposition mit den herrlichen Dichter­worten (von E. Schmidt) gewidmet. Von dem Ertrage des Werkes ist ein beträchtlicher Teil für denDeutschen Flottenverein" zur Pflege und Unterstützung der tapferen, deutschen Streiter in China bestimmt.

Das Tierleben der Erde. Von Wilhelm Haacke und Wilhelm Kuhnert. 120 Bogen Text mit 620 Text­illustrationen und 120 chromotypographischen Tafeln. Vollständig in 40 Lieferungen zu je 1 Mark. Von diesem herrlichen Unternehmen, das die so oft gemißbrauchte Be­zeichnungPrachtwerk" wirklich einmal mit vollem Rechte verdient, ist uns soeben die zweite Lieferung zugegangen. Wie wir einerseits die vortreffliche Schilderungskunst des Verfassers des Textes bewundern müssen, so kehrt anderer­seits unser Blick immer wieder zu den prächtigen Bildern Kuhnerts zurück, von denen wir ohne Ueberhebung sagen können, daß wir ähnliches in gleich guter technischer Aus­führung bis jetzt kaum gesehen haben. Wenn der Verleger (Martin Oldenbourg in Berlin) in dieser Weise hält, was er iu seiner Ankündigung versprochen hat, so wird das Ganze ein Monumentalwerk deutscher Gelehr- samkeitund deutscher Kun st werden, das in keiner Büchersammlung fehlen sollte.

Sport, Spiel, Jagd.

Für Radfahrer. In unserer Nachbarprovinz Hessen-Nassau soll demnächst eine neue Radfahr- ord nung eingeführt werden. Dieselbe unterscheidet sich nur unwesentlich von der im Großherzogtum giltigen Fahr­ordnung; im allgemeinen sollen die Vorschriften für den Fuhrwerksverkehr sinngemäße Anwendung finden. Rad­fahrer dürfen, mangels besonderer Wege, im allgemeinen nur Straßen und Wege für Fuhrwerke, außerhalb der ge­

schlossenen Ortfchästen aber auch die Bänkette neben de« Fahrstraßen, unter Umständen sogar bestimmte Fußwege benutzen Es können jedoch einzelne Wege, Brücken, Plätze n. s. w. für den Fährverkehr gänzlich verboten werden, was öffentlich bekannt und an den betr. Stellen deutlich lesbar zu machen ist. In jedem solchen Falle müssen die Radfahrer den Fußgängern ausweichen. Weiter werden allen Radfahrern die meist seither schon beobachteten Vor­sichtsmaßregeln zur Pflicht gemacht, so namentlich Ver­meidung zu schnellen, Menschen und Tiere gefährdenden oder den Verkehr störenden Fahrens, langsames Passieren markierter Stellen, rechtzeitiges Anrufen der Passanten und richtiges Ausweichen, Anbringung hellbrennönder Laternen, sicher wirkender Bremsen und helltönender Glocken. Auf den Ruf eines Schutzmanns muß jeder Rad­fahrer sofort anhalten und absteigen. Dagegen soll die oft aus einer großen Zahlenreihe bestehende Fahrrad­nummer künftig fortfallen. Hiefür muß jeder Radler eine von seiner Wohnortsbehörde ausgestellte Radfahrerkarte oder sonstigen behördlichen Ausweis über seine Person mit sich führen und den Aufsichtsbeamten auf Verlangen vorzeigen.

Hmrdel und Uerkehr. Volkswirtschaft.

)( Gießen, 9. August. Der heutige Ochsenmarkt litt sehr unter der Ungunst des Wetters; außerdem waren viele Käufer und Verkäufer ausgeblieben, weil sie es vor­zogen, den am gestrigen Tage gleichzeitig stattfindenden Fuldaer Markt mitzumachen. Aufgetrieben waren nur 80 Stück Jungochsen, unter denen einzelne recht schwere- Paare. Der Handel war flau. Trotzdem wurden hohe Preise für die Ware verlangt und bezahlt. Die besten Paare gingen für 8850 Mark fort, während leichtere Tiere das Paar für 7750 Mark gehandelt wurden. Trotz des kleinen Vorrats blieb der Markt überständig. Der Schweine­markt hatte einen Auftrieb von ca. 700 Stück, darunter wenig Ferkel. Auch hier hemmte der Regen das Geschäft, denn aus der Umgegend waren die Käufer dem Markt fern geblieben. Die Forderungen der Verkäufer waren sehr- hohe, und diese ließen auch wenig mit sich handeln. Bezahlt wurden für funge Ferkel 2036 Mark pro Paar; kräftigere Tiere wurden mit 4050 Mark pro Paar gehandelt. Springer fanden mit 80140 Mark pro Paar willig nehmer. Der Markt würde fast gänzlich geräumt.

Wegen vorgerückter Saison

▼erkaufe ich die noch vorrätigen Wasch-Anzüge, Blusen, Hosen, Loden-Joppen und Sommer-Havelocks zu bedeutend herabgesetzten Preisen.

i87 Markus Bauer.

Familien Nachrichten.

Gestorbenr Herr A. Simons, Profeffor i. P. in Darmstadt.

Sriefkasten -er Redaktion.

Herrn Dr. Sch. Wir bedauern, die per Postkarte von uvö verlangte Reihe vonBerichtigungen" nicht bringen zu kSnve», da dem .Gießener Anzeiger", dem verbreitetsten Blatte der Prootvtz Oberhesfen ein Festbericht überhaupt nicht zugegangm ist, obgleich rechtzeitig darum gebeten wurde.

Berlin, 9. August. DaS Pferdematerial für die See-Brigade sowie die Bespannung für die zugleich mit dem ersten und zweiten Seebataillon entsandte Batterie ist in aller Stille in den Vereinigten Staaten ange­kauft worden. Die E i n s ch i f s u n g beginnt nächster Tage in San Franziko. Den Transport besorgen der Nord­deutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie und zwar teils mit eigenen, teils mit gecharterten Dampfern.

Charleroi, 9. August. Die Zahl der a u S st ä n d i s ch en Glasarbeiter beträgt 700 0. Die Streikgelder belaufen sich auf 200 000 Frs.

Antwerpen, 9. August. Das Fischerboot Nr. 16, mit vier Mann an Bord, ist in der Nordsee gekentert» Alle vier Insassen ertranken.

Rom, 9. August. Kardinal Rampolla dementiert aufs energischste die Meldung von dem Zustandekommen einer Annäherung zwischen dem Quirinal und dem Vatikan. Die politische Lage sei dieselbe wie bei der Erstürmung der Porta Pia am 20. September 1870.

Monza, 9. August. Die Ueberführung der sterb­lichen Ueberreste König Humberts hat in Gegen­wart einer nach vielen Tausend zählenden Menge, die au& Nah und Fern zusammengefirömt war, stattgesunden. Der Andrang war so stark, daß das Militär die Straßen be­setzen mußte; sonst war das Verhalten der Behörden weniger streng. Um 2 Uhr kam Mailänder Infanterie au. Um 3 Uhr begannen die Glocken der Stadt zu läuten. Um

Uhr setzte sich der Leichenzug in Bewegung, voraus eine Schwadron Ulanen, dann ein Bataillon Infanterie mit Musik. Dann folgte der von 6 Rappen gezogene Leichen­wagen, geleitet von 12 Leibgardisten und 12 Hellebardistew in mittelalterlicher Tracht. Aus dem Sarge lagen der Generalshut und der Degen sowie italienische Fahnen. Dem Leichenwagen folgten der Herzog von Aosta und der Gras von Turin sowie die Minister San Martino, Gianturco und Rudini, die Präsidenten beider Kammern und die gesamte Geistlichkeit von Monza. In dem schwarz drapierten Wartesaal bildeten die Teilnehmer am Leichenzuge und die kommandierenden Offiziere mit Kerzen in der Hand einen Kreis, während der Erzpriester Rosst die Einsegnung vornahm, woraus die Leiche in den extra gebauten Totenwagen geschoben wurde. Um 4Uhr25Min° setzte sich der Zug in Bewegung.

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