Ausgabe 
10.8.1900 Zweites Blatt
 
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Deutsches Reich

Die der nun und der

nationalistische Presse hebt seine Stellungnahme in DreyfuS-Asfaire hervor. In Havre befinden sich fast sämtliche Hafenarbeiter im Ausstand beträchtliche Truppenmaffen sind zur Aufrechterhaltung

Telegramm deS Gießener Anzeigers.

Loudon, 9. August. Lord Roberts berichtet aus Pretoria vom 7. August: Ich fürchte, daß die Garnison von Elands-River nach einer 10tägigen Verteidigung in die Hände der Buren gefallen ist. Kommandant Del ar et befahl, daß General Hamilton sich mit seinen Truppen nach Rustenburg begebe, und gab infolgedessen seinen Plan, Baden-Powell zu umzingeln, auf, um sich ebenfalls nach Elandslaagte zu begeben. Hamilton be­richtet, daß die Beschießung von Elands River aufgehört hat, was ihn zu der Annahme veranlaßt, daß die Garnison sich ergeben hat. Hamilton hat Rustenburg heute morgen verlassen und die Truppen Baden-Pswells mit sich genommen. Kommandant De Wet hat mit der lieber schreitung deS Vaal-Flusses begonnen. Er wird von Kirchen er verfolgt. Lord Methuen, der sich auf dem rechten Ufer dieses Flusses befindet, muß bereits mit der Avantgarde De Weis Fühlung bekommen haben, denn man hört aus dieser Gegend Kanonendonner.

Rüstungen.

Nachdem der neu erbaute Z^reuzer Niobe am Sonn­tag zur Abhaltung von Probefahrten in Kie l eingetroffen ist, sind in Kiel sämtliche drei kleine Kreuzer vereinigt, die zur Verstärkung unserer maritimen Macht nach China be­stimmt sind: Niobe, Nymphe und Sperber. Alle drei Schiffe besitzen bereits den lveißen Tropenanstrich^ Ter Sperber wird nur während der herrschenden Wiren in den chtnesischen Gewässern stationiert sein, während Niobe und Nymphe dauernd als Crsatzschifsc für die Irene und die Olef Ion in Ostasien kreuzen werden. Tie seit fünf bezw. drei Jahren dort stationierten Kreuzer Irene und Gefion kehren heim, sobald die chinesischen Wirren beigelegt sind. Besonders wichtig ist es, daß die auslaufende Kreuzerflotte eine Verstärkung unserer Seestreitkräfte an Schiffen mit geringem Tiefgang bedeutet, die zur Verwendung in den chinesischen Flußmündungen, wie die Beschießung der Taku- Forts beweist, sich vorzüglich, eignen.

Nach dem BrüsselerSoir" hat der mit den Vorarbei­ten zur Rüstung eines Frei w U ligen - Bataillous für China betraute AussckM nicht allein die wohl­wollende Anerkennung der Regierung gefunden, sondern auch vom Kriegsminister die Erlaubnis" erhalten. Werbe-

früh energisch die chinesische Stellung bei Hsiku etwa drei Kilometer von Tientsin an. Tie Chinesen wurden ver- meben und zogen sich nordwärts zurück, verfolgt von den Verbündeten, die darauf Peitsang besetzten. Trans­porte folgten den Truppen zu Wasser und zu Lande. Ter Vormarsch auf Pekin g hat begonnen."

Die Bezirkskommandos haben bekanntlich einen Aufruf an die Reservisten der Jahrgänge 1893 bis 1898 erlassen, sich für China zu melden. Wie in militärischen Kreisen erzählt wird, haben sich schon in den ersten Tagen mehr als'120 000 Mann gemeldet.

Vier der größten Werkstätten haben die Forderungen der Militäresfektensattler bewilligt. Ein Strike wird vermieden werden. Es finden Ausgleichsverhandlungen vor dem Gewerbegericht statt.

Yokohama: Eine russisch-japanische Armee bringt uns dem Norden gegen Peking vor. Die Bewegung dieser Armee wurde geheim gehalten, damit die Regierung in Peking nichts erfährt.

London, 9. August. Aus Tschifu wird dem Expreß" gemeldet: Nach einem vierstündigem Kampfe nahmen die Russen die Eingebore­nen-Stadt von Niutschwang ein. Dieses Tele­gramm wird von derDaily Mail" bestätigt.

Paris, 9. August. Präsident Loubet, Minister- Präsident Waldeck-Rousseau sowie die Minister des Krieges und der Marine werden sich nächsten Sonntag nach Mar­seille begeben, um der Abfahrt der Expedition nach China deizuwohnen.

B r e st, 9. August. Nachdem das Nordgeschwader seine Dienst-Hebungen beendet hatte und die Rückfahrt nach Marseille antreten sollte, erhielt der Geschwader-Chef un- bermutet ein Telegramm des Marineministers mit dem Befehl, sich sofort mit seinem Geschwader nach Havre zu begeben, wo ihn weitere Befehle erwarteten.

Ausland.

Paris, 8. August. Der Präsident der Republik und der Ministerpräsident begeben sich Samstag nach Marseille, um die nach China abgehenden Truppen zu begrüßen. Im Kutscherstreik ist eine kleine Abspann­ung eingetreten. Die Kompagnie Abeille hat sich mit ihren Kutschern verständigt, dagegen weist die Kompagnie Gonörale, die etwa 3500 Droschken in Betrieb hat, die Forderungen der Streikenden rundweg zurück. Die Morgenblätter widmen Liebknecht Nachrufe, in denen sie

Vermischtes.

* Berlin, 8. August. Der am Titlis abgestürzte Ber­liner ist der Privatdozent Dr. Paul Vogt.

* Wie«, 8. August. Wie dieN. Fr. Pr." meldet, wurde der bekannte Wiener SportSmann Sigmund F l e s cd in Tatrafuered, wo er zum Sommerausenthalt weilte, durch einen infolge eines unglücklichen Zufalles losgehenden Schuß in die Schläfe aus dem Gewehr des Komitatsbeamten Fuezessery, der chn auf einem Ausflug begleitete, getötet.

* Sein früherer Beruf. Eine vornehme Dame in Paris bemerkte in den Champs ElysseS einen Affen, der in äußerst drolliger Weise für seinen Drehorgel spielenden Herrn Geld einzusammeln verstand. Die Marquise sand soviel Gefallen an dem neckischen Tiere, daß sie eS von seinem Besitzer erstand und mit sich in ihre Wohnung nahm, wo sie es zierlich kleiden und seine Dressur sich angelegen

Der Krieg in Südafrika.

DemDaily Telegraph" zufolge hat ein von der Front bei den Buren nach Lorenzo Marques zurück­gekehrter Franzose berichtet, daß General Bothas Korn mando das ursprünglich 750 Mann zählte, jetzt nur noch 63 stark sei, und daß andere Kommandos infolge Deser­tierungen ähnlich zusammengeschmolzen seien. Die noch im Felde stehenden Buren seien in zwei Parteien gespalten, von denen die eine für, die andere gegen den Krieg sei Die Friedenspartei sei die stärkere und eine Revo^ lution steht bevor, die die Vertreibung des Präsidenten Krüger aus dem Staate zur Folge haben könne. Jeden- falls solle die Regierung bald nach Lydenburg verlegt werden. Krüger hoffe, daß die chinesischen Wirren Groß­britannien so in Anspruch nehmen werden, daß er sich unter solchen Bedingungen unterwerfen könne, die ihm die Selbständigkeit Transvaals sichern.

Daily Telegraph" meldet aus Lorenzo Marques, 7. Juli: Die britischen Truppen rücken langsam gegen Machadodorp vor. Eine Kolonne geht von Middelburg, eine andere vom Süden her vor. Die Buren leisten den von Süden herkommenden Truppen nur geringen Wider­stand.

Aus Kroonstadt wird berichtet: Nach hierher ge­fugten Meldungen soll der Präsident des Oranje-Freistaates, Ste>ju, schwer erkrankt sein.

mit lauten Hochrufen. Der Empfang auf dem Bahnsteig war ganz privat.

Der Erzbischof von Genua, welcher morgen bei der Leichenfeier für König Humbert ponti- fiziert, wurde heute von RamPolla empfangen. Bei der Leichenfeier befindet sich der König an der Spitze der italienischen Prinzen und der auswärtigen Fürstlichkeiten, welche die Leiche Humberts vom Bahnhof nach dem Pantheon begleiten.

Ein Minister erklärte nach demSecolo XIX in der Kammer, der König habe beim Empfange der Minister in Monza gesagt, die bestehenden Gesetze genügten, um gut zu regieren, vorausgesetzt, daß Strenge angewandt würde. Man brauche keine Ausnahme­gesetze.

Nach einer Privatdepesche aus Mailand ist die Voruntersuchung gegen BreSci noch nicht abge- schlossen. Hinsichtlich verschiedener Mitschuldigen habe man, wie die Depesche weiter meldet, Indizien auch betreffs der letzten Vorbereitungen des Komplotts, doch sei die Organisation des Komplotts noch nicht klargelegt. Br eSei weigere sich auch, die an ihn gestellten Fragen zu beantworten. Wichtige Aufklärungen erwarte man von der französischen Polizei.

Budapest, 8. August. Der frühere ungarische Minister- Präsident und Präsident deS Magnatenhauses, Kronhüter Josef Szlavy ist, 82 Jahre alt, gestorben.

Athen, 8. August. Durch den Stadtkommandanten wurden mehrere im Kriegsministerium beschäf­tigte Hauptleute, die in Zusammenkünften mit jüngeren Offizieren sich nach Auffassung des Stadt-Kom- Mandanten in eineVerschwörung gegen das Be­stehende einließen, verhaftet.

Petersbburg, 8. August. Der bisherige zeitweilige Verweser des Ministeriums des Aeußeren, Graf Lams- dorff, ist zum Verweser des Ministeriums ernannt worden.

NewAork, 8. August. Bryan verspricht in der Rede, in der er die Nomination annimmt, im Falle feiner Er- wählung sofort den Kongreß einzuberufen, um den FilippinoS ihre Unabhängigkeit unter amerikanischem Pro­tektorat zu gewähren. Die Silbersrage ließ er un­erwähnt.

Aus Stadt und Land.

Gieße«, den 9. August 1900.

** Eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordnete» I findet, wie wir hören, morgen, Freitag nachmittag statt. I Auf der Tagesordnung steht die Bürgermeisterwahl, I bezw. Vorbereitung derselben. Die gesamte Einwohnerschaft Gießens ist wohl einig in dem Wunsche, daß es unserem I Stadtvervrdneten-Kollegium gelingen möge, einen unserem scheidenden Oberbürgermeister in jeder Beziehung würdigen Nachfolger zu finden.

** Zugentgleisung. Aus der Strecke Gießen-Geln­hausen entgleiste heute vormittag ein Personenzug, mit dem auch zahlreiche Gießener gefahren waren. Mehrere Wagen gerieten aus den Schienen. Der Materialschaden ' ist gering. Personen sind nicht verletzt. Nach ein» stündiger Verspätung setzte der Zug seine Fahrt fort.

** Landeslotterie. Bei der heute fortgesetzten Haupt­ziehung fiel der Haupttreffer von 300 000 Mk. nach Groß- Bieberau im Odenwald auf Nr. 17 958, 1 ö 15 000 Mk. auf Nr. 8179. 1 & 10 000 Mk. auf Nr. 17. 1 L 5000 Mk. auf Nr. 10 193. 1 ä 4000 Mk. auf Nr. 5101. 12 L 3000 Mk. auf Nr. 1083, 3243, 10 769, 12 205, 14 071, 15 249, 17 223, 21 824, 22 728, 23 036, 30 272, 32 472. 10 L 2000 Mk. auf Nr. 2228, 6803, 7096, 9501, 10 532, 15 685, 21 960, 24 899, 26 074, 31 526. 24 L 1000 Mk. auf Nr. 1028, 2439, 5236, 7920, 8538, 9165,11 537, 11 992, 13 887, 14 159,14 307, 16 344, 18 020, 18 060, 18 344, 20 797, 21490, 22 065, 22 251, 22 356, 28 399, 28 445, 29 099, 29 974. 48 L 500 Mk. auf Nr. 475, 1067, 2056, 2153, 2742, 3567, 4344, 5119, 5396, 6351, 6812, 7702, 7950,8253, 8699, 9308, 10 256, 10 327, 10 986, 11 283, 13 215, 13 448, 13 900, 14 818, 14 946, 15 099, 15 429, 15 715,

16 376, 16 639, 17 015, 17 136, 17 583, 19 109, 19 373,

19 943, 21 095, 21 346, 21 518, 22 135, 22 268, 24 393,

24 928, 26 556, 27 570, 27 862, 31 994. (Ohne Gewähr).

Darmstadt, 8. August. Die hohen Kohlenpreise machen sich auch dadurch bemerkbar, daß von den ärmeren Einwohnern der Stadt die in den umliegenden fiskalischen und Gemeindewaldungen bestehenden Leseholzberechtigungen wieder mehr in Anspruch genommen werden. So wurden, dem hiesigenTageblatt" zufolge, im zuletzt abgelaufenen Monat über 100 neue Leseholzkarten im Stadthaus aus­gestellt, während sonst in manchem Jahre diese Zahl erst im Spätherbst erreicht wird.

besonders an seine Vorliebe für Frankreich und seine Hal­tung bei der Annexion Elsaß Lothringens erinnern.

Ordnung aufgeboten.

Rom, 8. August. Prinz Heinrich von Preußen ist heute vormittag hier eingetroffen und am Bahnhofe feierlich empfangen worden. Er begab sich dann nach dem Grand-Hotel, wo er als Gast des Königs Aufenthalt nimmt. Das KönigSpaar kam um 10 Uhr auf dem Bahnhof an. Offiziell waren nur die Minister erschienen, denen sich privatim zahlreiche Senatoren und Abgeordnete an­geschlossen hatten. Nach kurzer Begrüßung fuhr der Hof in schnellem Trabe nach dem Quirinal. Der Wagen des Königs war vollständig von Kürassieren umgeben. DaS Publikum applaudierte lebhaft.

Die Königinnen Margherita und Maria Pia, die Herzoginnen von Aosta und Genua, die Herzöge von Genua und Oporto, sowie die Prinzen Ferdinand von Genua und Viktor Napoleon find heute früh von Monza nach Rom abgereift. Eine große Menschenmenge wohnte sichtlich bewegt der Abfahrt bei.

Königin Margherita kam nm 9Uhr in Rom an. Eine enorme Menge empfing fie am Bahnhofsplatze, darunter viele schwarz gekleidete Damen mit Blumen und Fahnen. Die Menge schwieg, nur vor dem Grand-Hotel ließ fie sich nicht zurückhalten und begrüßte die Königin

könnten die internationalen Truppen, die ihre Lebensmittel ausschließlich aus Shanghai beziehen, in große Schwierigkeiten geraten. Aus Shang­hai wird ferner berichtet: Aus amtlicher Quelle verlautet, Admiral Seymour habe sich mit dem Vizekönig von Nanking verständigt, die internationalen Konsulate in Shanghai durch englische Truppen besetzen zu lassen.

, L o n d o n, 9. August.Daily Expreß" berichtet aus

Berlin, 8. August. Aus Wilhelmshöhe wird ge­meldet: Der Kaiser und die Kaiserin unternahmen gestern morgen um 7% Uhr mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert nebst Gefolge einen Spazierritt listen bei den verschiedenen Regimenter in Umlauf zu I ^stnallee und zurück über den Herkules. Die

setzen. Die Regimentskommandeure sollen ersucht werden, I ^i^Kftäten bestlegen den dort bereitstehenden Wagen und das Unternehmen zu unterstützen, und sämtlichen Freiwilli- I fuhren über die Löwenburg zum Schloß zurück. Die gen soll von der Regierung entsprechender Urlaub bewil- I Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, sowie das Gefolge ligt werden. Bei dem Ausschuß haben sich außer 400 ak- I kehrten zu Pferde zurück. Im Laufe deS weiteren Vorrnit- tiven Soldaten und Unteroffizieren über 700 frühere Ge- I tags verblieb Se. Majestät im Schlosse und nahm die Vor- drente gemeldet. Auch die Anmeldungen von Offizieren I träge des Chefs des Generalstabes der Armee Grafen von fe äs « BS

Mann, 100 Pferde und «rfi L-'ri-l. ö' saia^b« feto*

sur tf&axs ää - - B

Die österreichische Armeezeitung meldet aus Wien, I mittag von 10Vbis UV Ubr mr To^n"sUer^sür^n daß weitere zwei Schiffe nach Ostasien abgehen werden. I Körnig Humbert die großen Glocken der Kaiser Wilhelrn- 2^^?n^^^A^alUt.^Daiü!^Ervr?E^m?ldet j ^K*Sp-,1al«ission der beiden Buren- Hongkong: Mehrere Europäer wurden gestern in Kanton I au8 &en ^ren Fischer, WolmaranS

von chinesischen Arbeitern verfolgt und mißhandelt Die I un*cr Leitung deS Gesandten Dr. Leyds

Chinesen begaben sich alsdann nach den amerikanischen I ^ute früh aus Brüssel hier eingetroffen und im Palasthotel Missionen, wo sie aber von ander Chinesen vertrieben I abgestiegen. Ihr jetziger Besuch in Berlin soll jeden offiziellen wurden. Dasselbe Blatt meldet aus Shanghai: Infolge I Charakters entbehren. Sie wird einige Tage hierzubringen eines Befehls aus Peking hat der Taotai-Scheng einen I und sich bann aller Wahrscheinlichkeit nach Petersburg be- Auftuf erlassen, worin er die Ausfuhr von Vieh, Futter I geben. Da sie weder den Kaiser, noch den Reichskanzler, und Lebensmitteln untersagt. Das Blatt bemerkt hierzu, noch den Grafen Blllow hier vorfinden, so erweist sich ihre Zent' | »"Wesenheit schon von selbst als keine politische Mission^

Der neue Direktor der Kolonialverwaltung, Dr. St übel, ist seit drei Tagen hier und hat die Leitung der Geschäfte übernommen.