Ausgabe 
10.7.1900 Erstes Blatt
 
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Wen Gelegenheit, ihren alten bewährten und wohlverdienten Ruf auch in diesem Jahre wieder zu rechtfertigen und zu begründen. Hoffentlich ist den Berliner Gästen em volles Haus beschieden.

** Theater. Herr Robert Friedrich teilt uns mit, daß Herr Thalmann vom Lessing-Theater in Berlin, ein ausgezeichneter Held und Bonvivant, für seine Theater« gesellschast dienstbereit, und eine Salondame bester Art zur Mitwirkung geneigt fei. Novitäten sind bei dem Entgegen­kommen der Verlagsfirma Bloch'S Erben ohne Einschränkung zu seiner Verfügung. Die Vorstellung von Halbe s Jugend" wird durch die Unterstützung des The ater - vereins auf sicherer Basis am Mittwochabend vor sich gehen. m .

* Aus der Patentliste. Verfahren zur Verarbeitung von geronnenem Holzöl (H 22351), W. ® aller in Fried­berg. Schutzvorrichtung für Abrichthobelmaschmen (Z. 2880), A. Zilch in Offenbach. Verfahren, die Phosphorsäure - Aufnahme aus Knochenmehl zu erhöhen (J 5271), Wilh. Jüssen und Dr. R. Dorsch in Darm­stadt. Aus Rohren und Blechen zusammengesetztes Ober­gestell für Kutschwagen (R. 13517), W. Romeiser in Friedberg. Verfahren zur Herstellung elektrischer Glüh­körper (Z. 2816), H. Zehrlaut in Mainz. Vor­richtung zum Befördern von Flüssigkeiten durch Druckluft (L, 13301), A. Löhlein in Heufsenstamm bei Offenbach a. M. Federnde Sattelstütze für Fahrräder (D 10289), P. Domin ik in Offenbach a. M. Verfahren zur Dar­stellung eines schwarzen Baumwollsarbstoffes (R. 13598), Dr. Ehr. Rudolph in Offenbach a. M.

Bad-Nauheim, 8. Juli. Wochenprogramm der Unterhaltungen: Frühkonzert der Kurkapelle täglich von 7 bis 8 Uhr am Kurbrunnen. Montag den 9. Juli: abends 8 Uhr Theatervorstellung: Erstes Gastspiel von Frau Auguste Prasch-Grevenberg.Cyprienne". Dienstag den 10. Juli: nachmittags von 4»/2 bis 7 und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terraffe Konzert der Kapelle des Jnf.-RegtS.Kaiser Wilhelm" (2. Großh. Hess.) Nr. 116 aus Gießen. Bei gutem Wetter spielt die Kurkapelle nach­mittags von 4 bis 6 Uhr am Teich. Eintritt frei. Abends 8 Uhr im Saale Tanz. Große Kurkarten berechtigen zum Eintritt. Mittwoch den 11. Juli: nachmittags von 4i/2 bis 67, und abends von 8 bis 10 Uhr aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Zweites Gastspiel von Frau Auguste Prasch-Grevenberg. Der eingebildete Kranke". Vorher:Unter vier Augen". Donnerstag den 12. Juli: nachmittags von 47, bis 672 und abends von 8 bis 10 Uhr auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Sinfonie O--dur von Jos. Haydn. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: Letztes Gastspiel von Frau Auguste Prasch-Grevenberg. Zum erstenmale:Frei­licht". Freitag den 13. Juli: nachmittags von 472 bis 672 und abends von 8 bis 10 Uhr aus der Terrasse Doppel­konzert des aus Mitgliedern der Karlsruher Hofoper be« stehenden Süddeutschen GesangS-QuartettsAllemania" und der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theatervorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle:Die Fledermaus". Samstag den 14. Juli: nachmittags von 472 bis 672 und abends von 8 bis 10 Uhr Konzert der Kurkapelle aus der Terrasse. Sonntag den 15. Juli aus der Terraffe: Konzert der Kapelle des 1. Großh. Heff. Feld-Artillerie-Regiments Nr. 25 (Großh. Artillerie-Korps) aus Darmstadt. Nachdem in der abgelausenen Woche 1257 Kurgäste (1052 in der Woche vorher) in Zugang gekommen sind, beträgt die Gesamtfrequenz bis jetzt 11,557 Personen, wovon am 5. Juli noch 5680 ortSanwesend waren. Durchschnittlich werden täglich 2600 Bäder abgegeben und ist die Gesamt­zahl der gefertigten Bäder auf 132,737 gestiegen. Im vergangenen Jahre waren bis zum 5. Juli 12,049 Kurgäste angekommen und 131,212 Bäder verabreicht; die Präsenz­ziffer betrug an genanntem Tage 6064 Personen.

Bad-Nauheim, 8. Juli. DieN. Hess. Vbl." bringen in einer ihrer letzten Nummern einEingesandt" über unser Bad, daS gewiß vieles Richtige enthält. Wir geben daraus folgendes wieder:Die Frequenz unseres Badeortes zeigt dieses Jahr ein Fehlen von Kurgästen gegen die Zahl im vergangenen Jahr. Die Ursache der Minderfrequenz dürste in den hiesigen Verhältnissen gelegen sein. Seit einer Reihe von Jahren hat sich durch eine maßlose Speku­lation in Grundstücken der Häuserwert auf eine fast schwindelhafte Höhe aufgeschwungen, sodaß die Besitzer dieser Häuser, sei es in Eigentum ober durch Miete ganz enorme Preise für ihre Wohnungen fordern muffen, um in der kurzen Zeit der Saison xur die Kosten ber Zinsen, Einrichtung re. zu verdienen. Wenn die Art der Spekulation, die durch die Bohrung des neuen Spru- bkls wieder aufs Neue einen Sporn erhalten hat, wenn diese Spekulationswut und die hierdurch hervorgernsene allgemeine Verteuerung anhält, dann dürfte unser so schönes und heilkräftiges Bad in den nächsten Jahren anstatt sich zu heben, immer größere Einbuße erleiden. Der Verein für die Interessen Nauheims sollte nach dieser Richtung vorteilhaft einzuwirken suchen, damit eine solide Grundlage und nicht die Unterstützung gewiffenloser Speku­lanten gefördert werde. (Es kommt dazu, daß sich die Großh. Badeverwaltung gegenüber der Presse so wenia entgegenkommend zeigt, daß diese wenig Lust verspürt irgendwie für die Interessen des Bades einzutreten. Wir zweifeln nicht, daß auch dies an Jbem Minderbesuch des Bades mitwirkt. Die Red.)

Darmstadt, 7. Juli. Der Groß her zog empfing gestern u.a. den Pros. Dr. Erb, Oberlehrer am Realgymnasium zu Gießen, den Oberförster Seidel von Schotten, eine Deputation der Technischen Hochschule, bestehend aus Geh Baurat Prof. Koch, Rektor, Prof. Dr. Harnack und Prof. Dr. Wickop, den Professor Dr. Eichbaum von der Uni­versität in Gießen. Die in der Zweiten Kammer ge­fallene einstweilige Entscheidung über die Lehrer­

besoldungsfrage beginnt, ihre Opfer zu fordern. Die nationalliberale Partei hatte sich bei ber Abstimmung gespalten. Das Gros der Partei stimmte gegen die Re­gierung. Damit hängt wohl der heute vomTägl. Anz." gemeldete Rücktritt des Abg. Schmeel vom Vorsitze der nationalliberalen Kammerfraktion zusammen. Mau sagt Herrn Schmeel auch nach, er fei mandatsmüde geworden. Sicherem Vernehmen nach wird das längst veraltete Gesetz, die sogen, organische Forstordnung, zurzeit einer radikalen Revision unterzogen. Die Anregung dazu gab der Abg. Köhler-Langsdorf in der vorigen Session des Landtags.

Schönberg, 7. Juli. Gestern abend gegen 7 Uhr ereignete sich dahier ein schreckliches Unglück. Das Gerüst des Turmes unserer in Neuaufführung begriffenen, im letzten Frühjahre abgebrannten gräflichen Kirche stürzte infolge eines heftigen Sturmes vollständigzusarnrnen. Die daraus beschäftigten Arbeiter merkten die Gefahr und vermochten noch rechtzeitig das Gerüst zu verlassen. Ein am Fuße des Turmes beschäftigter 40jähriger Maurer aus Heppenheim, der die Gefahr nicht merkte, wurde von einem herabfallenden Stein getroffen, der ihm den Schädel ein- schlug und das Genick brach. Der Tod trat sofort ein. Der Verunglückte hinterläßt eine Witwe mit sechs kleinen Kindern. (D. Tgl. Anz.)

Mainz, 7. Juli. Bei Beratung der Arbeitsordnung in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten kam auch die Arbeitseinstellung der Gasarbeiter, zwei Tage vor dem Gutenbergsseste, zur Sprache. Die ganze Ver­sammlung verurteilte dieses Vorgehen der GaSarbeiter; selbst die Sozialdemokraten waren darin einig. Stadtv. Dr. Rautert erklärte, nach diesem Vorgehen würde er keinen der Gasarbeiter mehr wieder in städtische Dienste genommen haben, er vergleiche sie mit dem Wegelagerer, der dem Reisenden mit dem Ruse:DaS Geld oder das Leben" die Pistole auf die Brust setze. Eine Batterie des hier garntfonierenben Fußartillerie-Regiments Nr. 3 (sämtlich freiwillige Mannschaften nebst Offizieren) tritt am Montag mit 6 Haubitzen die Reise nach China an. Heute abend wurde im Osfizierskasino für die scheidenden Offiziere eine Abschiedsfeier veranstaltet.

Mainz, 8. Juli. Die Bürgermeisterei schreibt dem Mainzer Journal": Nachdem der Ausschuß der Studierenden der Technischen Hochschule in Darmstadt in einem Schreiben die Bürgermeisterei ge­beten hatte, drei Delegierten des engeren Ausschusses der Studierenden zu empfangen, ein Begehren, dem gern ent­sprochen wurde, stellten sich gestern vormittag für die Studentenschaft die Herren Schneider, Borgmann und Benz im Stadthaus vor. Anwesend waren Oberbürgermeister Dr. Gaßner, sowie Kommerzienrat Mayer und Ring, die Vorsitzenden des Finanz- und des Festausschusses der Guten- bergfeier. Die Delegierten von Darmstadt gaben mündlich und schriftlich folgende Erklärung gab:

2>ie Darmstädter Studentenschaft bedauert aufs tiefste, daß die schöne Feststimmung bei der Gutenbergfeier durch Ausschreitungen einiger Studierenden der Technischen Hochschule in Darmstadt getrübt worden ist; sie bedauert dies umsomehr, als die an der Gutenbergfeier be- teüigten Studierenden der Stadt Mainz für die liebenswürdige und freundliche Einladung und Aufnahme und ganz besonders dem Herrn Oberbürgermeister für die Gastfreundschaft und das hohe Jntererefse, welches derselbe der Darmstädter Studentenschaft bewiesen hat, zu hohem Dank verpflichtet war."

Die Studentenschaft bat durch ihre Abgesandten, nach dieser Erklärung die Angelegenheit für die Stadt Mainz als erledigt zu betrachten und dieses veröffentlichen lassen zu wollen. Die anwesenden Herren von Mainz nahmen diese Aeußerung mit Genugthuung entgegen, für ihren Teil davon befriedigt, und versprachen, der Presse von der Bitte der Studierenden und ihrer Erklärung zur Publikation Kenntnis zu geben.

Homburg, 8. Juli. Die Grundsteinlegung der CäsarmmS auf der Saalburg soll in Gegenwart des Kaisers mit besonderer Feierlichkeit begangen werden. Mit dem Arrange­ment zu der Feier ist Intendant von Hülsen beauftragt worden. Die Feier wird einen streng römischen Charakter tragen. Die Wälle der Burg werden mit römischen Sol­daten besetzt. Bei dem Herannahen des Kaisers öffnen sich die Thore, der Kaiser betritt mit seinem Gefolge das Innere, worauf sich die Thore wieder schließen. Der Eingang ist von Spalier bildenden römischen Kriegern bewacht. Im Hintergrund ist das Cäsarium mit dekorativen Mitteln so aufgebaut, wie es später in Wirklichkeit erstehen soll. Am Cäsarium empfängt der Kaiser römische Edle, Feldherren, Priester rc., die ihn in das Innere geleiten. Hier findet nun die feierliche Grundsteinlegung statt. Zu der Mitwir­kung an der Feier werden die Mitglieder des Wiesbadener Hoftheaters, der hiesigen Bürgerschaften und der hiesigen Garnison herangezogen werden. Major Laufs wird einen Prolog verfassen, mit dem der Kaiser von einem römischen Priester, dargestellt von einem Königlichen Schauspieler des Wiesbadener Hoftheaters, an dem Eingänge zu dem Cäsarium empfangen wird. Die Feierlichkeit findet auf speziellen Befehl des Kaisers statt.

Hanau, 8. Juli. Der Musketier Geißel von der 1. Kompagnie des hier garnifonirenben Infanterie-Regiments Nr. 166 hat sich in der Kinzig ertränkt. Der Soldat, der sich als Diener des Offizierkasinos Unredlichkeiten hatte zu Schulden kommen lassen, hat den Selbstmord jedenfalls aus Furcht vor Strafe begangen. Von den 38 Bewerbern, die sich für die hiesige neu zu besetzende Provinzial- rabbinerftelle gefunden haben, sind die Rabbiner Dr. Ko hu-Basel und Dr. Bamberger-Burgpreppach in die engere Wahl gezogen und zur Probepredigt einberufen worden.

Kirchhain, 7. Juli. Ungeheures Aufsehen erregt ein Vorfall, der sich in dem nahen Langenstein in letzter Nacht zutrug. Ein gewisser Kari Schneider, ein vielfach vorbestrafter, nicht gerade im besten Ruse stehender Mann bedrohte schon seit längerer Zeit den Feldhüter Klingel­

höf er mit dem Tode. Letzterer versah sich deshalb mit einer Waffe und machte davon dem Bürgermeister Mit­teilung. Gestern abend 11 Uhr versuchte nun Schneider in das Haus Klingelhöfers einzudringen, und unter dem RuseDich und deine Frau ersteche ich", schlug er eine Fensterscheibe ein. Der Feldhüter Klingelhöf er schoß auf Schneider. Er traf ihn in die Kehle. Schneider war sofort tot. Klingelhöfer, ein etwa 62 Jahre alter Mann, stellte sich sofort dem Bürgermeister und wurde heute im Amtsgericht Kirchhain in Untersuchungshaft genommen.

(Oberh. Ztg.)

** Kleine Mitteilungen aus Hoffen und den Nachbarstaaten. Der 71jährige Lehrer Kurzrock von Altenhasungen wurde von der Strafkammer in Kassel wegen Sittlichkeits­vergehen, an Schulkindern begangen, zu 7 Monaten Ge­fängnis verurteilt. Zum Notar wurde der Rechtsanwalt Kaufmann in Wetzlar ernannt. Auf bis jetzt noch un­erklärliche Weise stürzte am 6. ds. Mts. von dem Schnell­dampferBorussia" oberhalb Bingen während voller Fahrt ein Paffagier über Bord, wurde aber von dem Schiffer Franz Hauck, demselben, der bei dem großen Bootsunglück beteiligt war, im letzten Augenblick gerettet. Nur der Ent­schlossenheit und Energie des Schiffers ist die Rettung zu verdanken, die bei dem Nordweststurm und hohem Wellen­gang nicht leicht war. Auf dem Postamte in Offen­bach ist in den letzten Tagen ein großer Postraub entdeckt worden. Zwei Geldbriefe, die einen Gesamtwert von 4000 Mk. repräsentieren, sind spurlos verschwunden. Von dem Thäter soll bis jetzt jede Spur fehlen.

Brrmffchtrs.

* T r i e r, 7. Juli. Auf den Matheiser Schießständen wurde ein Unteroffizier des 29. Infanterie-Regi­ments durch einen Schuß durch den Kopf getötet

« * Neunkirchen, 8. Juli. Der wegen Unter­schlagung von Geldern des Gustav-Adolfvereins ver­haftete Pfarrer Pieper von Elversberg ist zur Be­obachtung seines Geisteszustandes in eine Irrenanstalt verbracht worden.

* Das grausame Experiment, das der As­sistenzarzt Dr. Strubell an einem Harnruhrkranken in der Medizinischen Klinik zu Jena unternommen hat, scheint ein g erichtliches Nach spi el erhalten zu sollen. Die Untersuchungen sind vor dem Amtsgericht in Jena bereits eingeleitet. Inzwischen hatte die Jenaer Stu­dentenschaft den Beschluß gefaßt, Prof. Stintzing! als einen Beweis ihres Vertrauens einen Fackelz.ug zu bringen. Von diesem Beschluß ist dann dem Professor Mitteilung gemacht worden und der Sprecher der Depu­tation hat die Zustimmung des öerrn Stintzing heraus- gesordert Stintzing hatte oie Studenten ersucht, die beab­sichtigte Kundgebung bis zum Abschluß der gerichtlichen Untersuchung zu verschieben.

Karlsruhe, 7. Juli. Der 18 Jahre alte Sohn des Verlegers derKraischgauer Zeitung", Weber in Bruchsal, hat sich gestern nachmittag erschossen, angeblich, weil er im Durlacher Gymnasium das Änjährig-Freiwillige- Examen nicht bestanden hat.

* Die Hochzeit des chinesischen Gesandten in London. Der Ernst der Lage in China scheint die Ruhe und den Gleichmut des chinesischen Gesandten in England, Chih-Chen-Lo Fengh-Luh, nicht im geringsten' gestört zu haben. Die Exzellenz, welche die politischen Wirren anscheinend so leidenschaftslos verfolgt, hat näm­lich, wie aus London berichtet wird, in der vorigen Woche geheiratet, und zwar eine berühmte Schönheit, die sie sich aus der Heimat hat kommen lassen. Vor etwas länger als Jahresfrist starb in London Chi-Chens erste Gattin Sor eine Schwester von Onci Taotai, demj Oberaufseher des Foo- chow-Arsenals. Vor einigen Monaten kabelte Se. Exzellenz nady China wegen einer neuen Gattin; die liebenswürdige Dame schiffte sich mit einer zahlreichen Umgebung nach London ein. Lady Chih-Chen ist die Tochter eines vor­nehmen Mandarinen, dessen hohe Stellung in China da­durch gekennzeichnet wird, daß er Besitzer der vielbegehr­ten Auszeichnung der Pfauenfeder ist. Ihre Exzellenz wird unter den Töchtern des fernen Landes für schön gehalten^ in den schimmernden Gewändern ihrer Heimat sieht sie allerdings sehr malerisch aus. Nach ihrer Ankunft wurde sie in ein Haus in St. Johns Wood gebracht, das Chih- Chen zu ihrem Empfange eingerichtet hatte. Dort sand auch die Trauungszeremonie nach chinesischer Art statt.

* Innsbruck, 7. Juli. Vorletzte Nacht ist der auf der Durchreise befindliche Priester Georg Chovat aus Nordamerika wegen eines mit einem Hausknecht irn Jnrr- park verübten Sittlichkeitsvergehens verhaf- t e t worden.

* Budapest, 8. Juli. Der Plattensee ist aus den Ufern getreten. Der Kurort Siofok ist überschwemmt. In Arad richtete ein Orkan furchtbaren Schaden an. Mehrere Gebäude sind e i n g e st ü r z t, die Straßen sind mit Trümmern bedeckt.

* Chinesische Grausamkeit, lieber die furM- baren Martern, die die Chinesen bei Revolten auch gegen die Europäer zur Anwendung zu bringen Pflegen, berich­tet der Abbe Garnier in einem Heft derMissions Catho- liques" folgendes: An erster Stelle sind dieOhrfeige n'< (py-tschang-tse) und die schreckliche Art, wie man sie er­teilt, zu erwähnen. Zwei Henker bemächtigen sich des armen Sünders; dieser muß niederknien, einer der Henker beugt auch ein Knie, ergreift den Unglücklichen an bett Haaren und zerrt den Kopf heftig auf sein Knie und legt ihn so, daß eine Backe horizontal liegt. Mit einer Art Sohle, die aus vier zusammengenähten Lederstreifen be­steht, teilt der andere Henker die vom Mandarin befohlene Anzahl üon Ohrfeigen auf die Backe aus. Die Heftigkeit der Schläge ist so groß, daß bisweilen ein einziger genügt, um jedes Bewußtsein zu rauben, wie mehrere bezeugten, die die Erfahrung an sich gemacht haben. Ist die Anzahk der zuerkannten Ohrfeigen groß, so verteilt man sie auf beide Backen. Der Kopf schwillt schrecklich an, oft werden Zähne erschüttert und ausgebrochen. Missionare und chi­nesische Christen haben mehrmals diese Behandlung er­dulden müssen. Die chinesische Rechtspflege bringt ferner zwei verschiedene Käfige zur Anwendung. Einer dient zum Transport der Gefangenen und führt den Verurteilten