Wien, 8. Juni. Heute zog wieder die tschechische Obstruktion ins Abgeordnetenhaus. Zallinger beantragt, daß die Gewerbenovelle in die Verhandlung gezogen werde. Die Tschechen Kramarz, Brzorad und Horica erheben dagegen Protest. Sie künden an, Gewalt gegen Gewalt anzuwenden. Der Präsident will zur Ab- ftimmung über den Antrag Zallinger schreiten — es ist V27 Uhr — da beginnt auf ein gegebenes Zeichen auf den Tschechenbänken ein ungeheurer, ohrenzereißender Lärm. Die Tschechen schreien und bearbeiten die Pnlte mit Pultdeckeln, Vorlagen und Schubladen. Der schreckliche Spektakel, der manchmal im Takt geschlagen wird, steigert sich immerfort. Besonders gewaltthätig geberdet sich Dolezal, der einen Pultdeckel nach dem andern zerbricht und die ganzen Bankreihen der Pultdeckel beraubt. Rattay arbeitete mit zwei Linealen. Die Bänke sind ganz zertrümmert. Um den Präsidenten stehen die Tschechen mit drohenden Mienen. Der Präsident läßt sich auf seinen Platz nieder und schaut ruhig zu, ebenso die Minister und die übrigen Parteien. Blecherne Topsdeckel erweisen sich als ausgiebige lärmende Instrumente, dazu schrille, langgezogene Pfiffe und Trompetenstöße, ferner Glockengeläute mit Ratschen geben eine ohrenbetäubende Katzenmusik, die durch eine Art Jndianergeheul übertönt wird. Schileny schlägt mit einer großen Blechtasse auf die Pultdeckel. Zeitweilig stimmt ein Teil tschechische Lieder an, die im Chor gesungen werden, wozu einer den Takt giebt. Gegen 11 Uhr entsteht mitten im Saale eine Rauferei. Der Christlich Soziale Kletzenbauer will Dolezal ein Tablet entreißen. Dolezal giebt ihm einen Hieb auf den Kopf, worauf Kletzenbauer den Dolezal bei der Gurgel packt und ihm eine Ohrfeige giebt. Die sich Raufenden werden unter großer Aufregung getrennt. Der Präsident wird bestürmt, die Sitzung zu schließen, weigert sich aber. Auch eine Abstimmung will er nicht vornehmen. Ministerpräsident v. Körber, der nach einem Ministerrat um 11 Uhr nachts beim Kaiser war, betrat nach Mitternacht den ParlamentS-Saal, wo der Sturm andauerte, und meldete sich zum Wort. Der Präsident giebt ein Glockenzeichen, woraus Ruhe eintritt. Der Ministerpräsident erklärt: „Im allerhöchsten Auftrage erkläre ich die 16. Session des Reichsrats für geschlossen." Es entsteht eine lebhafte Bewegung und langsam leert sich der Saal. Bielchlawek ruft den Tschechen zu: „Volksverräter!"
Saaz, 8. Juni. Die hiesige Gemeindevertretung wurde wegen der Obstruktion der deutsch-radikalen Mitglieder aufgelöst. Ein Regierungskommissar übernahm die Stadtgeschäfte.
Konstantinopel, 7. Juni. Die türkische Polizei widmete dem heute nach Marseille abgegangenen Dampfer der MessagerieS-MaritimeS besondere Aufmerksamkeit. Es hieß, daß die Prinzessin Seniha, eine Schwester des Sultans und Frau des geflohenen Schwagers des Sultans, Mahmud, die Absicht hätte, als Europäerin verkleidet, Konstantinopel zu verlassen. Der Umstand, daß es zwei mit französischen Pässen versehenen Damen gelungen war, sich einzuschiffen, gab Veranlassung zu dem Gerücht, daß die eine die Prinzessin und die andere ihre Begleiterin sei.
Die Wirren in China.
Ein Beweis dafür, wie klein seit einem Vierteljahr- Hundert die Welt geworden und wie nahe wir in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht selbst an den fernsten Orten herangerückt sind, besteht darin, daß die Wirren in China fortfahren, auf Handel und Politik in der alten Welt wie in Amerika eine drückende, von Sorgen und Befürchtungen erfüllte Wirkung zu üben. Dieser Einfluß der Vorgänge in China aber schreibt zugleich den Mächten gebieterisch die Pflicht vor, alles ^ufzubietcn, um diesen Druck zu heben. Beschränkten sich die Unruhen auf einen der sogenannten Jnteressenbezirke der Mächte in China, so wäre, die beteiligte Macht zweifellos längst eingeschritteu und» ein solches Vorgehen hätte ebenso ungeteilte Zustimmung erfahren, wie vor einiger Zeit das militärische Einschreitern Deutschlands in Südschantung, wodurch die fremden- und christenfeindliche Bewegung im Bezirk von Wtschou alsbald unterdrückt wurde. Die Bewegung der Boxer aber bedroht nicht nur den Einflußbereich einer Macht, sie gefährdet geradezu die Taseinsinteressen aller Mächte in' China, denn sie trifft in der Provinz Tschili und in der, Hauptstadt Peking das Herz dieser Interessen. Schon beläuft sich der Schaden, den die Boxer an den Eisenbahnen, den abendländischen Kulturmitteln, für deren Schutz die Mächte zum wenigsten moralisch verantwortlich sind, angerichtet haben, auf 20 Millionen Mark, schon werden fortwährend Zerstörungen an der Lebensader jener Interessen, der Eisenbahn und Straße Peking-Tientsin, von den fanatischen Rebellen vorgenommen, Brücken werden vernichtet, schon sind eine Anzahl Europäer, Missionare und Ingenieure, Pioniere der Kultur und des Handels, dem Fanatismus zum Opfer gefallen — und immer noch verlautet; nichts davon, daß die Mächte sich entschlossen hätten, außer dem Leben ihrer Vertreter in Peking auch sich selbst und ihre Zukunft in Ostasien zu schützen. Die „Köln. Ztg." meint, die Lage habe sich derart zugespitzt, daß eine sofortige militärische Aktion vorgenommen werden muß; die Sorge, was aus der chinesischen Regierung, sowie aus den Beziehungen hier Mächte zu ihr werden' könne, sei eine cura posterior. Wenn Handel und Wandel in China überhaupt unmöglich sei, sei es auch gleichgiltig, ob die konservative Partei oder die Reformen in Peking die Zügel führen. Die Mächte müßten sich schleunigst verständigen und gemeinsam eingreifen; je länger dies dauere, je größer werde die Wahrscheinlichkeit, daß eine Macht allein die Arbeit tbue Solche Möglichkeit, >o gefahrvoll sie auch für den Weltfrieden werden könne, wäre immer noch dem Richtsthun vorzuziehen, das schließlich zum Chaos führen müsse.
Neuesten Nachrichten zufolge haben denn auch die fremden Schiffskommandeure gemeinsames Vorgehen beschlossen. Auf amerikanische Anregung wollen die Vertreter der Mächte zunächst um eine Audienz bei der all
mächtigen greifen Kaiserin-Mutter nachsuchen und ernste Vorstellungen machen.
Aus amtlicher chinesischer Quelle verlautet, daß 4000 Boxer zwischen Jongtsun und Lofa 1500 Mann chinesische Truppen einschlossen. Den letzten Nachrichten zufolge dauere der Kampf noch an. Wie von Beamten verlautet, sind 500 Boxer gefallen, lieber den Verlust der chinesischen Truppen verlautet nichts.
Aus Petersburg wird offiziös die Version kategorisch bestritten, daß Rußland beabsichtige, die Vorgänge in China zur Aufrollung der ostasiatischen Frage und zur Durchführung besonderer Pläne in China zu benützen.
Aus Stadt und Sand.
(Hiumumt Einsendungen, gleichviel welchen Inhalte-, werden grundsätzlich nicht aufgenommen.)
Gießen, 9. Juni 1900.
* * Perfonalnachrichten. Graf Emil von Schlitz, genannt von Görtz in Schlitz, wurde zum Ersten Präsidenten der Ersten Kammer der Stände für die Restdauer des 31. Landtags ernannt. Dem Badekommiffär zu Bad- Nauheim, Kammerherrn und Hauptmann a. D. Hermann von Grolman, wurde der Charakter als „Kurdirektor" verliehen.
* * Die theologische Fakultät Gießen ernannte den Geistlichen der Gemeinde Crumstadt, Kirchenrat Dekan Heß gelegentlich seines 50jährigen Dienftjubiläums zum Doktor der Theologie honoris causa.
* • Schwurgericht. Bei den Schwurgerichtssitzungen, die jedesmal vormittags 9 Uhr beginnen, werden folgende Sachen zur Verhandlung kommen: Montag, 11. Juni, gegen Johannes Kreuder I. aus Vadenrod wegen Verbrechens in Amte, (Bert.: Rechtsanwalt Grünewald und Römheld); Dienstag, 12. Juni, gegen Frau Georg Schmidt II. aus Nieder-Ohmen wegen Meineides, (Bert.: Rechtsanwalt Dr. Spohr); Mittwoch, 13. Juni, gegen Franziska Mu sott er aus Kißlegg wegen Kindestötung (Bert.: Rechtsanwalt Mendelsohn); Donnerstag, 14. Juni, gegen Konrad Wöll III. aus Brauerschwend wegen Brandstiftung (Bert.: Rechtsanwalt Weidig); Freitag, 15. Juni, gegen Julius Kübel aus Herbstein wegen betrügerischen BankerottS und Beihilfe (Bert.: Rechtsanwalt Metz); SamStag, 16. Juni, gegen Heinrich Burg er aus TraiS-Münzenberg wegen betrügerischen BankerottS und Beihilfe (Vert.: Rechtsanwalt Dr. Jung und Dr. Spohr); Montag, 18. Juni, gegen Wilhelm Löffel aus Stuttgart wegen Meineides (Vert.: Rechtsanwalt Dr. Stahl); Dienstag, 19. Juni, gegen Ferdinand Faust aus Friedrichswalde wegen Brandstiftung (Vert.: Rechtsanwalt Dr. Jung); Mittwoch, 20. Juni, gegen Wilhelm Eckert aus Chmilinko wegen Notzucht (Vert.: Rechtsanwalt Weidig); Donnerstag, 21. Juni, gegen Friedrich Dillenburger aus Offenheim und Anna Gerhard aus Steinbach wegen Urkundenfälschung (Bert.: Rechtsanwalt Engisch und Rosenberg); Freitag, 22. und SamStag, 23. Juni, gegen Johannes Sem ml er III. aus Groß-Felda wegen Verbrechens im Amte (Vert.: Rechtsanwalt Geh. Justizrat Baist); Montag, 25. Juni, gegen Heinrich Meußer aus Büdingen wegen Meineids und Urkundenfälschung (Vert.: Rechtsanwalt Grünewald); Dienstag, 26. und Mittwoch, 27. Juni, gegen Jul. Friedr. Theod. Ree aus Bleichenbach wegen Meineides (Vert.: Rechtsanwalt Katz). — Die Anklage vertritt am 11. und 12. Juni Gerichts-Assessor Pfeiffer, am 13. und 14. Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich, am 15. und 16. Staats- anwalt Zimmermann, am 18. Staatsanwalt Koch, am 19. und 20. Ober-StaatSanwalt Dr. Güngerich, am 21. Staatsanwalt Zimmermann, am 22. Gerichts-Assessor Pfeiffer, am 25., 26. und 27. Juni Staatsanwalt Koch.
* * Rudersport. Heute, Sonntag und Montag findet in Berlin die große Ruder-Regatta statt, bei der in Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers das vornehmste Rennen im deutschen Rudersport: der deutsche Meisterschafts-Titel bezw. Preis (eine goldene Kette mit Brillant-Stern) ausgerudert wird. Die hiesige Rudergesellschast beteiligt sich auch hieran, indem AlbertRübsamen, der 1894 bereits die Meisterschaft errungen hat, in dem diesmaligen Rennen in Berlin starten wird; auch der Ehrenvorsitzende Jean Kirch ist als 2. Vorsitzender des deutschen Ruderverbandes zur Teilnahme eingeladen worden, »m dem Sieger den Preis zu übergeben.
• • Der Rektor der LaudeSuniverfitat schreibt unS: Die gestern gebrachte Notiz, daß unsere Studentenschaft ihre Beteiligung an dem historischen Festzuge bei der Guten- bergfeier in Mainz angemeldet habe, ist unrichtig. Der studentische Ausschuß wird erst zu Beginn der nächsten Woche in dieser Frage Stellung nehmen. (Die Notiz war dem „Mainz. Anz." entnommen.)
* • Lotterie. Am Montagvormittag von 8 Uhr 'ab findet in dem bis auf weiteres zum Ziehungssaale bestimmten Saale des „SchützenhofeS" zu Darmstadt die Ziehung der 3. Kl ässe der 1. Großh. Hess. Landes- lotterie statt.
• • Der hessische Landwirtschaftsrat teilt uns mit, daß seitens der Stadt Darmstadt für die Zwecke der landw. Landesausstellung in Darmstadt 3000 Mk., seitens des Pferdezuchtvereins im Großherzogtum Hessen 1500 Mk., seitens des KreiSauSschusses des Kreises Darmstadt 500 Mk., seitens der Städte Heppenheim und Groß-Umstadt je 100 Mk., letztere als Ehrenpreise, bewilligt worden find. Weitere Stiftungen stehen in Aussicht. Der Umfang der Anmeldungen zur Beschickung ist jetzt schon ein sehr erheblicher. Der Anmeldetermin läuft mit dem 1. Juli (für Erzeugnisse des Pflanzenhauses, Geflügel und Bienen mit dem 1. August) ab.
• * Billige Gesellschaftsreisen nach Paris. DaS Reisebureau I. Schottenfels u. Co., Frankfurt a. M., arrangiert wöchentliche Gesellschaftsreisen unter Führung von bewährten Herren, die jeden Sonntagvormittag von Frankfurt a. M. abfahren und speziell für Reisende, welche die Ausstellung mit bescheidenen Mitteln zu besuchen wünschen,
von Jntereffe sein dürften. Für den Preis von 185 Mk pro Person wird freie Hin- und Rückfahrt in 2. Klasse per Schnellzug gewährt, ferner ein Aufenthalt von 7 Rächen in Paris, 8 Eintrittskarten zur Ausstellung, eine Wagen» fahrt durch Paris, ein Ausflug nach Versailles rc. Prospekte und weitere Auskunft sind bei dem genannten Bureau erhältlich.
Alten Buseck, 9. Juni. Die Feier des 20jährigen Stift tungSfesteS des Gesangvereins „Jugendkranz" findet am 17. und 18. Juni statt. Zahlreiche Vereine von Nah und Fern haben ihr Erscheinen bereits zugesagt. Der Verein ist bestrebt, an diesem Feste, das in seinem musikalischen Teil fein bewährter Dirigent Kümmel aus Lollar leitet, allen erscheinenden Vereinen und Festteilnehmern einen vergnügten Sängertag zu bieten. Der Festplatz befindet sich im Rabenau'schen Garten.
Lanbach, 9. Juni. Zum Besuche am hiesigen gräflichen Hose weilten am Dienstag Staatsminister Rothe aus Darmstadt und Mittwoch Graf Görtz-Schlitz. Letzterer begab sich mit dem Erbgrafen zum Johannittertag nach Nieder-Weisel bei Butzbach. Obschon in dem Befinden der Grafen eine wesentliche Besserung eingetreten ist, gestatten es ihm die Gesundheitsverhältnisse doch nicht, die Geschäfte des zweiten Präsidenten der ersten Kammer wieder zu Übernehmen und an den Kammerverhandlungen in gewohnter Weise teilzunehmen.
-r. Obbornhofe«, 8. Juni. Heber den bereits gemeldete» Totschlag eines auswärtigen Arbeiters erfahren wir noch folgende Einzelheiten. Am 2. Pfingstfeiertagabend hatten drei beim Gutspächter Bornemann hier bedienstete Knechte sich in einer Wirtschaft gemeinschaftlich ein Fäßchen Bier gekauft. Einige Burschen aus hiesigem Orte kamen dazu, die mit jenen in Wortwechsel gerieten, was den Wirt veranlaßte, die hiesigen Burschen, die die Ruhestörer waren, zum Verlaffen seines Lokals aufzufordern. Als später die drei Arbeiter auf dem Heimwege waren, wurden sie verfolgt. Zweien hiervon gelang es zu entkommen, währ-nd der dritte erwischt und in schändlicher Weise zugerichtet wurde. Die Kleider waren ihm zerrissen, Wunden hatte er am ganzen Körper, namentlich am Kopfe, dem der Hirn sch ädel eingeschlagen war. Als der arme Mensch sich nicht mehr regte, mochte es den rohen Bestien doch wohl Angst geworden sein, denn sie suchten ihn durch Rütteln und durch Essig wieder zum Leben zu bringen, waS ihnen jedoch nicht mehr gelang. Vorgestern fand die Secierung der Leiche von Aerzten aus Gießen und Friedberg statt, wobei die drei Verhafteten zugegen waren. Jeder sucht die Schuld von sich abzuwälzen. Gestern fand die Beerdigung statt. Gutspächter Bornemann giebt dem Erschlagenen das beste Zeugnis.
•* Zur Mordthat Kuhmichel erhält die „Wormser Ztg." eine Zuschrift des Großh. Oberförsters Hillerich in Langen, der wir folgendes entnehmen:
Forstwart Sauerwein war vom November 1877 bis zum 1. Junb 1896 Forstwart in der Oberförsterei Mitteldick und wohnte zu Forsthaus Mitteldick an der Frankfurt — Mörfeldener Straße. Jetzt ist er in Burkhards in Oberheffen und untersteht der Großh. Oberfdrfierei Schotten. Nach Mitteilung seines Oberförster- ist er gesund und munter. — Der Kuhmtchel Mord geschah am 23. Oktober 1891, etwa 5 — 6 Uhr nachmittags, im Treburer Oberwald auf der Frankfurt—Mörfeldener Straße zwischen der Mitteldicker Grenze und der Aschaffenburger Straße, eine gute halbe Stunde vom Forsthaus Mitteldick entfernt. An demselben Tage fand Hofjagd im Distrikt Buchschlag der Oberförsterei Mitteldick statt, an der der Großherzog Ludwig IV. und der Prinz Heinrich von Preußen teilnahmen. Ich wohnte damals noch zu Forsthaus Mitteldick (in der jetzigen Restauration) und war morgens mit Sauerwein nach der Station Sprendlingen gefahren, wo das Rendezvous stattfand. Die Jagd, bei der Sauerwein als Treiberführer verwendet war, endigte wieder bei der Station Sprendlingen gegen 5 Uhr nachmittags. Saunwein ging etwa um V26 Uhr mit dem Holzsetzer Jakob vom Gundhos nach dem Forsthaus Mttteldick zurück. Ich fuhr mit dem Wildwagnr dahin. Wahrscheinlich war dann abends Sauerwein noch in meinem Hof mit Aufbrechen des Wildes rc. beschäftigt, wie dies gewöhnlich der Fall war. Am folgenden Tage fand Nachsuche im Buchschlag statt, an der Sauerwein wieder teilnahm. Er kann also gar nicht der Mörder des Fuhrmanns Arndt (Schulmeyer fiel den Mordbuben Schreck und Kramm am 30. August 1892 zum Opfer) gewesen fein. Dem Kuh- michel begegneten die Walldorfer Treiber auf ihrem Heimweg in der Nähe des Thatorts, als er nach dem Treburer Forsthaus zu schlenderte, wo er seine blutigen Hände und sein Messer abwusch. Wenn auch derselbe bis zu seinem Tode leugnete, so war doch das Beweismaterial so erdrückend, daß gar nicht an seiner Schuld gezweifelt werden kann. An einen Justizmord ist nicht zu denken.
Darmstadt, 8. Juni. Gegen den in Untersuchungshaft genommenen Maurer Heinrich Pl ößer von Stettbach liegen die schwersten Verdachtsmomente der durch brutale Mißhandlung verursachten Tötung seines vierjährigen Kindes vor. P. ließ sich am PfingstsamStag dadurch, daß das Kind nicht rechtzeitig zur VeSper nach Hanse kam, hinreißen, ihm mit seinem Messer eine allerdings unbedeutende Verletzung beizubringen. Er ist seit anfangs vorigen Jahres mit feiner jetzigen Frau verheiratet, die jenes uneheliche Kind besaß, während aus P.'S erster Ehe vier Kinder vorhanden sind. Die That ereignete sich am zweiten Pfingst- feiertag, während die Ehefrau P. ihre Eltern in Brandau besuchte. P. stellt jede Schuld in Abrede und behauptet, das Kind gar nicht ober nur in zulässiger Weise durch einige leichte Schläge bestraft zu haben. Die durch die gerichtliche Sektion festgestellten Verletzungen sind jedoch so schwerer Natur und bestehen in einer absolut tödlichen Leberzerreißung, sowie mehreren Nippenbrüchen, daß diese Behauptung hinfällig und ein Unfall ausgeschlossen ist. P. befand sich zur kritischen Zeit mit dem fraglichen und einem siebenjährigen Töchterchen erster Ehe allein in seiner Wohnung.
D.F.V. Darmstadt, 8. Juni. Unsere neuliche Mitteilung, betreffend die vom deutschen Flottenverein für die Kieler Woche (21. bis 25. Juni) geplante Rundfahrt nach der Wasserkante, können wir dahin ergänzen, daß für solche Teilnehmer, die sich erst in Hamburg der Reisegesellschaft anschließen wollen, der Preis des Billets 85 Mk. beträgt. Auch hierbei sind sämtliche Kosten der Reise (mit Ausnahme der Getränke) einbegriffen. Die Anmeldungen zur Beteiligung an der Rundfahrt — einerlei ob von Berlin ober Hamburg aus — find unter Einsenbung von 100 bezw


