Eichelsdorf wegen Meineid eingetreten. Der Angeklagte ist wegen Beleidigung vorbestraft; er ist am 30. April 1865 geboren und verheiratet. Er bestreitet die ihm zur Last gelegte Strafthat begangen zu haben. Die Anklage wird wieder vom Staatsanwalt Zimmermann vertreten, als Verteidiger ist Rechtsanwalt Rosenberg II. erschienen. Es sind 14 Zeugen zu vernehmen. Der Angeklagte ist beschuldigt, am 16. März und am 14. Dezember 1898 vor der Civilkammer II des Landgerichts Gießen, den in der Ehescheiduugssache Falk gegen Falk geleisteten Eid wiffent- lich falsch abgegeben zu haben.
I Don den üblen Nachreden, die der Angeklagte im ganzen I Dorf gegen sie verbreitet hat.
Der Zeuge Heinrich Falk von Eichelsdorf gesteht zu, I fr. 9Qbe den Angeklagten wegen Meineid angezeigt. Er sei I oer dessen Vernehmung vor der Civilkammer des Landge- I ri(9td Zugegen gewesen und sei erstaunt gewesen über das, I was dieser dort beschworen habe. Es sei besten ganze Aus- I sage falsch und aus der Luft gegriffen.
Karl Biedenkapp bezeichnet den Angeklagten als I einen Menschen, der lügt und keinen Glauben verdient. — Diesem Urteil über die Glaubwürdigkeit des Angeklagten treten fast alle Zeugen bei. Der Bürgermeister Frey- mann bemerkt, Lein sei ein Mann, der sich überall ein- dränge und sich selbst als Zeuge anbiete.
Den Geschworenen werden 2 Hauptfragen vorgelegt, die dahin gehen, ob der Angeklagte im März und im I Dezember 1898 je einen Meineid geleistet, weiter im Fall der Bejahung der beiden Fragen, ob ein fortgesetztes Verbrechen vorliegt, eventuell ob ein oder der andere Eid fahrlässig falsch abgegeben sei.
Staatsanwalt Zimmermann Plaidiert auf Bejahung der beiden Hauptfragen. Ebenso vertritt er die Ansicht, daß beim Angeklagten nur ein Entschluß vorlag, meineidig zu werden.
Der Verteidiger, Rechtsanwalt Rosenberg, hatte den erdrückenden Belastungsmomenten der Beweisaufnahme gegenüber eine schwere Aufgabe, er wieß auf die Möglichkeiten i hin, daß trotzdem der Angeklagte die Wahrheit gesagt haben kann. Die Geschworenen waren lange im Beratungszimmer. Ihr Wahrspruch lautete schuldig des Meineids in einem Falle, während die Frage ob der Angeklagte im Dezember 1898, also bet feiner zweiten Vernehmung, falsch geschworen, veruemt wurde. Das Urteil lautete, dem Antrag des Staatsanwalts gemäß, auf 3 Jahre Zuchthaus, Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Dauer von 5 Jahren und dauernde Unfähigkeit vor Gericht, als Zeuge oder Sach, verständiger vernommen zu werden.
Lokales und Vroomfietles.
(Anonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)
Gießen, 9. März 1900.
,7*-A*schi-tskalerrder. (Nachdruck verboten.) Vor 112 Jahren, °ml0. Marz 1788, wurde auf dem Schlöffe Lubowttz bet Ratibor V Schl. Joseph Frhr. v. Eichendorfs geboren. Man hat ihn «Witter der Romantik genannt, mit der er das unbestimmte Gefühlsleben gemein hat, über die er sich aber erhebt durch Wahr- ^l und Empfindung. Seine Lieder besitzen bei tiefer Innigkeit des Gefühls eine anspruchslose Einfachheit, wie sie dem echten Volkslied ^gen ist, z. B. „In einem kühlen Grunde, da geht eia Mühlenrad". Er starb am 26. November 1857 in Neiße.
•* Ans dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern wurden die Gerichtsaccessisten Otto Gennes aus Baumholder, Ludwig Haberkorn aus Windhausen, Rudolf Müller aus Hannover und Hermann Pfeiffer aus Darmstadt zu Regierungsassessoren ernannt.
’* Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz wurden die Gerichts- accessisten August Bernhards aus Mainz, Wilhelm Dähn aus Darmstadt, Karl Dölp aus Lollar, Otto Dupont | aus Westhosen, Johannes Gläser aus Büdingen, Albert Hofmann aus Schlitz, Hans Küchler aus Darmstadt, Dr. Rudolf Reuter aus Worms, Fritz Schade aus Altenburg, Josef Schül aus Heppenheim, Gustav Vetz- berger aus Nidda, Dr. Wilhelm Weiffenbach aus Friedberg, Dr. Karl Werner aus Darmstadt zu Gerichtsassessoren ernannt.
*• Ernannt wurde am 6. März der Gefangenwärter an dem Haftlokale zu Schlitz Wilhelm Brehm zum Gefangenwärter an dem Haftlokale zu Höchst mit Wirkung ! vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an.
** Theaterverein Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, findet die 8. Vorstellung am nächsten Mittwoch, dem 14. März, statt. Zur Darstellung kommt die hervorragendste Novität dieses Winters, die Komödie „Jugend von heute" von Otto Ernst, welche in der letzten Woche vom Dresdener Hoftheater, wo sie zum überhaupt ersten Male im Dezember zur Darstellung kam, schon zum 25. Male gegeben wurde. Sofort von fast allen bedeutenden I Bühnen angekauft, hat sie dort erst von verhältnismäßig I wenigen wegen der Kürze der seit ihrem Erscheinen ver- I fivffenen Zeit gegeben werden können, sodaß unsere kleine I Bühne auch mit dieser Novität wieder an der Spitze I marschieren wird. Die männliche Hauptrolle wird Herr I
Löhr, der jugendliche Heldendarsteller des Darmstädter I Hoftheaters, wo die Komödie jetzt ebenfalls zum ersten I Male gegeben wird, spielen, die ganz entzückende weibliche I Hauptrolle liegt in den Händen unserer bewährten Lieb- I habenu, des Fräulein Hammer. Ein recht zahlreicher I Besuch dieser Vorstellung wird hoffentlich den Theaterverein I für die großen Opfer, welche er sich mit der Erwerbung I dieser Novität auferlegen mußte, schadlos halten.
** Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Todt- I geborenen, betrug in der Woche vom 18. bis 24. Februar I in Mainz 39, in Darmstadt 27, in Offenbach 23, in Worms 22 und in Gießen 11, zusammen 122, davon I 28 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 100 Einwohner kamen auf Mainz 24,9, Darmstadt 19,9, I Offenbach 27,6, Worms 30 und auf Gießen 23,1 (ohne I Ortsfremde 16,8. — Die Todesursache anbelangend, ver- I starben an Masern und Röteln 2 (je 1 in Mainz und I Worms), an Scharlach 1 (Darmstadt), an Rachenbräune I (Diphtherie) 2 (je 1 in Mainz und Gießen), an Diarrhöe I und Brechdurchfall 2 (je 1 in Darmstadt und Worms), an I Wochenbettkrankheit 1 (Worms), an Lungenschwindsucht 13 I (5 in Mainz, je 4 in Offenbach und Worms), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 31 (10 in I Mainz (davon 5 an Influenza). 8 in Darmstadt (davon I
I 3 an Influenza), 5 in Offenbach (davon 2 an Influenza), 6 in Worms, 2 tu Gießen), an Gehirn-Apoplexie 6 (je 2 in Mainz und Offenbach, je 1 in Worms und Gießen), an allen übrigen Krankheiten 53 (17 in Mainz, 14 in Darmstadt, 8 in Offenbach, je 7 in Worms und Gießen); gervaltsamen Tod erlitten 7 Personen (3 in Mainz, je 1 in Darmstadt und Worms, 2 in Offenbach).
Vom Lande, 8. März. Während in vielen Kon- )um - Artikeln eine, bemerkenswerte Verteuerung stattgefunden hat, ja, fast alles, wie man zu sagen Pflegt, teurer geworden ist, bleibt ein Hauptproduktionsartikel des Land
auf sehr niedriger Preisstufe. Es ist eine eigentüm- liche Erscheinung, daß die Konsum- und Produktionsartikel
Landwirtes in umgekehrtem Preisverhältnis stehen, das sich so ausdrücken läßt: teure Einkaufspreise^- billige ^rkaufspreise. Wir meinen hier die Preise für die Mastschweine. Die Schweinezucht bildet für den Landwirt eine §aU£tetn”?I)mequeIIe- Durch sie vermag er die billigen Frachtpreise einigermaßen auszugleichen. Aber die Preise für die fetten Schweine waren während des ganzen Winters 6/genwärtig sehr niedrig. Man zahlt eben für das Pfund Lebendgewicht nur 34 bis 36 Pfennig §f9en 44bls 45 Pfennig in vorausgegangenen Jahren. Da» macht für ein gutes Schwein im Durchschnitt einen Miudererlos von ungefähr 20 Mark aus. Zweifellos wird diese Pretsdruckung außer der Einfuhr durch starke Pro duktton im ^nnenlande verursacht. Die gute Getreideernte UL» tue billigen Fruchtpreise ließen den Landmann die Schweinemast forzieren, so daß auf dem Markte starkes Angebot herrscht, em Umstand, der bekanntlich immer die Preise sinken läßt.
,,, § Aus dem Ohmthal, 8. März. Der Kälte-Rück lchlag, der dem Frühlings- und Sommertag zu Ende Februar gefolgt, hat die befiederten Gäste aus Wald und Hain in die Wiesen unseres Thales getrieben. Hier auf den nassen Wiesen finden sie und namentlich die Insektenfresser und Kechjäger bessere Nahrung. Der Staar, der schon seine Nistplätze in den Nistkästen ausgesucht, hat sich wieder zu Scharen gesellt, und durchsucht die Wiesen des Thales. Au den Gräben sehen wir Amsel, Drossel und Misteldrossel Der matte Flug dieser Vögel zeigt, daß der Tisch für sie nicht reich gedeckt ist. Aber auch seltenere Gäste bemerkt ■!!an Wiesenthale, so mehrfach die Kiebitze, die auf ibrern Wanderzuge durch die Ungunst der Witterung zurückgehalten werden. Da indes ein Umschwung der Witterung nngetreten, kommt die bessere Zeit für die befiederten Gaste auch wieder hoffentlich bald.
Der Thatbestand der Anklage ist der folgende:
Am 19. Oktober 1890 heiratete der Landwirt Heinrich Falk zu Eichelsdorf die Katharine Zörkel daselbst und soll die Ehe von Hause aus keine glückliche gewesep sein. Schon nach IVi Jahren reichte der Ehemann die Scheidungsklage bei Gericht ein, zog diese aber kurze Zeit danach zurück. Im Jahre 1897 reichte die Ehefrau Falk bei Gericht die Ehescheidungsklage ein, wogegen der Ehemann Widerklage wegen Ehebruch erhob. Infolgedessen wurde die Ehe durch Urteil vom 7. Juni 1899 getrennt und zwar wegen unüberwindlicher Abneigung. Es wurden beide Teile für gleich schuldig erklärt. Die Ehescheidungsklage wurde von beiden Teilen mit äußerster Erbitterung geführt. Vom Vater der Frau Falk wurde der Angeklagte als Entlastungs zeuge bezeichnet. — Infolge davon wurde Lein am 16. März und 14. Dezember 1898 vor dem Landgericht Gießen vernommen und vor Abgabe seiner Bekundung vereidet. Er verwickelte sich bei seiner Vernehmung in Widersprüche, beharrte aber trotz Vorhalt bei den einmal gemachten Angaben. Von dessen Bekundungen stehen folgende als wissentlich falsche unter Anklage:
Er sei 1891 am Hause des Ehr. Post in Eichelsdorf vorbeigegangen, bei dem Falk damals geschlachtet hat. Post j habe ihn hereingerufen und er habe mit diesem, dem Falk u. a. mehrere Stunden daselbst verweilt und getrunken. Ein Bedürfnis habe ihn in den Hof des Post'schen Grundstücks geführt, es sei dunkel gewesen, und da will der Angeklagte dicht an Falk und der Pflegetochter des Post, der Bertha Becht, vorübergegangen sein. Er will deutlich gesehen haben, daß Falk die Bertha umfaßt gehabt hatte und diese küßte, er habe deutlich das Geräusch des Küssens gehört. Ohne ein Wort zu sagen will Lein wieder ins Haus und dann I bald darauf nach Hause gegangen sein.
„Ich", so heißt es in den Zeugeneidlichen Depofitionen des I Angeklagten, „legte mich zu Hause ins Bett; da ist plötzlich I Falk und die Bertha in die Stube gekommen. Falk hat I wich gebeten von dem Vorfall nichts zu sagen. Falk habe I ihn wieder mit zu Post genommen, und man habe dann I dort weiter getrunken. Einige Tage nach dem Vorfall ist Frau Post zu mir gekommen und hat mich gefragt: was I ift denn mit Falk und der Bertha eigentlich los, was hat I derselbe mit derselben denn gemacht?" Der Angeklagte hat I weiter zeugeneidlich behauptet Karl Suppes habe ihm mit- I geteilt, er habe Falk mit der Bertha am Abend beim Schlachten in der Wurstküche beobachtet, und gesehen, wie I diese sich unsittlich benahmen; unwahr sei, daß er an Karl I Biedekopp jemals mitgeteilt habe, Falk habe mit der Bertha I Ehebruch getrieben. Falk habe einmal ihm gegenüber ge- I sagt, eine Fensterscheibe sei kaput, es gingen noch mehr I kapnt, es gäbe Appell in der Geschichte.
Diese ganze Aussage soll in allen Punkten eine un- I wahre fein, und offenbar unter dem Einfluß des Vaters I der geschiedenen Ehefrau Falk abgegeben sein bei welchem I der Angeklagte sehr häufig arbeitet.
Der Angeklagte hält in allen Punkten seine Aussagen I als wahr aufrecht, er behauptet aber, er sei bei seiner Ver- I nehmung vor Der Civilkammer des Landgerichts im De- I Zember 1898 nicht eidlich vernommen worden. Der Vor- I sitzende konstatiert nach dem Protokoll über jene Verhand- I hing, daß Lein zwar darnach vor Meineid verwarnt sei, I d?ß aber sonst aus demselben die Angabe des Angeklagten nicht zu widerlegen sei, man werde im Laufe der Beweis- I aufnahme die Sachlage prüfen.
Der Landwirt Chr. Post von Eichelsdorf erklärt, daß I die Depofitionen, die der als Zeuge 1898 vor dem Landgericht Gießen vernommene Lein gemacht hat, unwahr sein I wüsten, denn nach der ganzen Oertlichkeit seiner ^Hofraite I fei es überhaupt unmöglich, von der Stelle aus wo der I Sein die Wahrnehmung gemacht haben will, etwas zu sehen. I W will auch nie wahrgenommen haben, daß zwischen Falk I fnnden h^t ^^tochter ein unschicklicher Verkehr stattge I
Die Ehefrau Post unterstützt die Bekundungen ihres I Ohemannes; sie bestreitet mit aller Entschiedenheit beim An- I genagten gewesen zu fein, und gefragt zu haben, was es I mit Falk und ihrer Tochter Bertha auf sich habe.
Landgerichtsdirektor Wiener hat seinerzeit den An- I geklagten a'S Zeugen vernommen; derselbe habe im Termin im Marz 1898 vor seiner Vernehmung einen Eid geleistet, I ob Lein im Termin im Dezember eine Erklärung dahin ab- I gegeben l)abe, daß er seine weiteren Depofitionen in der I SaAc Falk auf den schon früher geleisteten Eid nehme, I biefeS kann mit aller Bestimmtheit der Zeuge nicht aus- I । lagen- Er glaube aber sicher, daß dies geschehen ist. Er i als Richter gerade bei der Eidesleistung stets ein sehr : vorsichtiges Verfahren eingeschlagen und glaube, dies auch ! im vorliegenden Fall nicht unterlassen zu haben I
Der Zeuge Karl Suppes von Eichelsdorf'stellte, dem ; Angeklagten gegenübergestellt, entschieden in Abrede, diesem i g-sagt 'Zu haben, daß Falk mit der Bertha Ehebruch ae- ' trieben hat. I <
Die Polizeidiener-Ehefrau Freymann wird vom Vor- I \ stunden Landgerichtsrat Seeger streng ermahnt, bei der I i Wahrheit zu bleiben. Sie stellt entschieden in Abrede, von ' Falk je geküßt worden zu sein, es wäre ja gar nicht schlimm, i dies zuzugestehen, wenn es wirklich wahr sein mürbe. Alles । was Lein ihr nachgesagt, fti erlogen. Erst feit 1898 wiste « 1
Lr Frankfurt a. M., 8. März. Balneologische Ausstellung. Großem Jntereffe in allen gebildeten
I Kreisen begegnet die Balneologische Ausstellung, welche am 8. März m der landwirtschaftlichen Halle in Anwesenheit I der Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden feier I lich eröffnet wurde. In Verbindung mit ihr steht eine I Ausstellung für Krankenpflege, Sanitätswesen und Chirurgie, I welche aus den verschiedensten Teilen des Reiches beschickt I wurde. Der Vorsitzende der balneologischen Gesellschaft, Professor Liebreich-Berlin entwickelte die Grundzüge der Ausstellung, nach ihm ergriff Prof. v. Leyden das Wort zn einem interessanten Vortrag über die Aufgaben der
I Balneologie und den heutigen Stand der Krankenpflege, welche durch die Ausstellung aufs beste illustriert würden. Regierungspräsident Graf von Zedlitz-Trützschler eröffnete sodann in seiner Eigenschaft als Verwaltungschef der'Provinz mit dem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Kaiser die Ausstellung, die der Oberbürgermeister Adickes mit herzlichen Worten des Dankes, daß gerade Frankfurt zum Ausstellungsort gewählt worden sei, übernahm. Die Aus- | stellung ist sehr hübsch arrangiert und enthält ein reiches Material, dessen eingehende Besprechung noch folgen wird. Im Anschluß an die Ausstellung beginnt heute ein großer balneologischer Kongreß, der zahlreiche Gelehrte nach Frankfurt geführt hat.
m. Treysa, 7. März. Der am Sonntagabend im Gasthause „Zur Burg" abgehaltene Transvaal-Abend war verhältnismäßig gut besucht und nahm einen befriedigenden Verlauf. Um das Zustandekommen desselben hat sich Herr Brauereibesitzer Haaß wohl das meiste Verdienst erworben, wie es ebenso anerkannt werden muß, daß der Gesang- und Turnverein dahier ihre Kräfte in den Dienst der guten Sache gestellt haben. Die Feier wurde durch einen Prolog des Herrn Krug eingeleitet, in den Pausen durch die er hebenden Klänge der Vaterlandslieder des Gesangvereins, unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Herrn Lehrer Stumpf, angenehm unterbrochen und erreichte ihren Höhepunkt in der Ansprache des Herrn Dr. Winterstein aus Raffel, die insbesondere Land und Leute der Buren ^um Gegenstand hatte. Als eine sachgemäße Ergänzung des Vortrages darf die Vorführung einer Reihe von Lichtbildern gelten. Erfreulich war der Reinertrag; er beläuft sich auf 61,10 Mark.___
Professoren der Leipziger Universität über die Flottcnvorlage.
Wir sind in der Lage, die nachfolgenden interessanten Aeuße- rungen Leipziger Universitätsprofessoren zur Flottenvorlage übermitteln zu können.
„ . Profest-r Dr. Ernst Haste.
Außerordentlicher Professor für Wirtschafts- geschichte usw.
Die Verdoppelung der deutschen Seewehr unter Kaiser Wilhelm II. ist ebenso die Vorbedingung für die Erfüllung der Aufgaben, die der deutschen Weltmacht im 20. Jahrhundert bevor- neben, wie die Verdoppelung der preußischen Landmacht unter König Wilhelm I. die Vorbedingung war für die Schaffung des Deutschen Reiches durch die Großmacht Preußen. Damals war das Ziel nur unter schweren Verfassungskämpfen zu erreichen. Wir sind zu der Hoffnung berechtigt, daß die politische Erziehung des deutschen Volkes so weit vorgeschritten ist, daß es solcher inneren Kämpfe nicht bedürfen wird, um dem Deutschen Reiche letzt auch die erforderliche Seemacht zu schaffen.
Professor Dr. G. Heinrtci.
Konsistorialrat, ordentlicher Professor an der evangelisch-theologischen Fakultät.
Ob die Leistungsfähigkeit des Deutschen Reiches eine Ver doppelung der Flotte gestattet, und die Sicherung seiner Politik


