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Freitag den 9. März

1900

Nr. 57 Mstes Blatt.

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Deutscher Reichstag.

161. Sitzung vom 7. Marz. 1 Uhr.

Dor Gesetzentwurf über die Konsulargerichtsbarkeit wird in dritter Lesung auf Antrag deS Abg. Bass ermann en blee anqe» nommin Ss folgen Rechnungsfachen. Bei der Übersicht aber Hinnahmen und Ausgaben der Schutzgebiete von Ostafrika, Kamerun und Togo aus verschiedenen Jahren erstattet

Abg. Wurm (Soz) als Referent Bericht über die verschiedent- ltchsten Stat-Ueberfchreitungen, deren Genehmigung die Kommission be­antragt.

Abg. DaSbach (Centr.) bedauert die langsame und mangelhafte «technungslegung über die Kosten der Kolonieen und beklagt die gesund- heilltche Gefährdung der Beamten in Ostafrika. c-ft*» Witz

Abg. Hasse (natl.) teilt alS Vorsitzender der Kommission mit, «wie derselben die Arbeit effchwert worden sei, sodaß sie manchmal ge­zeigt gewesen sei, die Etatsüberschreitung nicht zu bewilligen.

Seh. Rat König entgegnet, daß künftig für eine ausführliche -Begründung gesorgt werden solle.

Die Etatsüberschreitungen werden sodann ge- »> e h m i g t.

Nunmehr wird die 2. Beratung der Reichsschulden­ordnung fortgesetzt.

Am 9. Januar waren die $$ 2 und 16 an die Kommission zu- aückverwiesen worden. S 2 wird, dem Kommissionsantrag gemäß, un- werändert angenommen.

Bei S 16 handelt es sich darum, ob Absatz 2,7 welcher den Ersatz fttr abhanden gekommene Zinsscheine ausschließt, aufrecht erhalten werben soll.

Die Kommission beantragt dies.

Das Haus nimmt diesen Antrag an.

Es folgen Petitionen, zunächst eine Petition 6etr.

Zulassung der Frauen zur Immatrikulation ans den Universitäten and zu den Staatsprüfungen.

Die Petition der Studentin der Medizin Hermine Eden- Huizen zu Berlin und Genossinnen über die Zulassung der Frauen zur Immatrikulation und zu den S t a a t s p r Ü f u n g e n be­antragt die Kommission durch Uebergang zur Tagesordnung für erledigt >u erklären. Die Abgg. Schrader und Rickert (frf. Bgg.) b e - an trag en, die Petition dem Herrn Reichskanzler mit dem Ersuchen h« überweisen, eine Vereinbarung der verbündeten Regierungen tzerbeizusühren, nach der diejenigen Frauen zum Besuche der sämtlichen Siorlesungen an deutschen Universitäten zugelassen sind, welche die in dem Beschlüsse des Bundesrats vom 24. April 1899 verlangte Vor­bildung nachweisen.

Abg. Schrader (srs. Vgg.) begründet eingehend diesen Antrag. Zum mindesten ist es angezeigt, den Frauen das medizinische Studium sreizugeben. Wenn wir ihnen gestatten, sich immatrikulieren zu lassen, so ist es doch die einfache Konsequenz, auch die weiteren Schritte M thun.

Dr. Endemann (nL): In der Beschränkung zeigt sich der Meister, und darum müssen mir uns davor hüten, etwa aus bloßer Galanterie für die Damen hier zu weit zu gehen. Es ist ja aber nur ein kleiner Teil der Frauenfrage, die wir hier besprechen. Die ganze Frauenfrage wird uns noch viel mehr Kopfzerbrechen machen. Sie wissen ja, daß die Zunahme des weiblichen Geschlechts in Deutschland eine verhältnismässig große ist, und darum stehen wir auch vor der Notwendigkeit, den Damen eine immer grössere Anzahl von Berufsarten zu er­öffnen und ihnen so Gelegenheit zu geben, sich wirtschaftlich selbständig zu erhalten. Tie Frage des Studiums der Frauen hat uns schon oft beschäftigt. Wenn nun die Damen gleich­gestellt werden in Bezug auf die Erlangung der Vorbeding­ungen zum Studium, warum soll man sie dann nur auf eine Fakultät beschränken, nämlich wie gegenwärtig auf die medi­zinische? Weshalb sollen ihnen nicht auch die philosophische und juristische Fakultät offen stehen? Mit der Theologie ist das ja allerdings eine andere Sache. Das Zentrum insbe­sondere dürfte in dieser Beziehung von vornherein wenig Ent­gegenkommen zeigen. (Große Heiterkeit.) Wie jetzt die Dinge liegen, sind die Zustände auf den Universitäten unhaltbar, nicht allein für die Studentinnen, sondern auch für die Pro- fcfforen; denn es ist wirklich eine unangenehme Lage für einen Professor, wenn er eine Studentin von seinen Vorlesungen zurückweisen muß. Was nun die Vorbedingung der Immatri­kulation anlangt, so giebt es darüber ja jetzt verschiedene Be­stimmungen, die sich nach dem Landrecht richten. Es kommt da insbesondere der Punkt in Frage, ob man z. B. den Real­gymnasien die Berechtigung zuerkennen will, daß ihre Schüler auf Grund der in ihnen erlangten Bildung sich jedem Studium zuwenden können. Ueber diese Fragen wird man sich eben ander­wärts einigen müssen. Jedenfalls kann es keineswegs berech­tigt erscheinen, die Frauen schlechtweg von allen anderen Fakul­täten mit Ausnahme der medizinischen Fakultät zurückzudrängen. Ich werde deshalb für den Antrag Schrader stimmen.

Frhr. v. Hertling (Zentr.): Ich hoffe, man wird mir nicht rückschrittliche Ideen und einseitigen Prosessoren-Stand- ounkt nachsagen, wenn ich mich hier gegen den Antrag Schrader' qusspreche. Die Annahme würde eine Erweiterung der Reichs- tvmpetenz zur Voraussetzung haben. Die Angelegenheit des Studiums der Medizin könnte man allerdings für Reichssache letzt schon halten. Im übrigen aber greift der Antrag in die Kompetenz der Landesrechte ein. Es kann ja sein, daß mit )er Zeit sich in den Einzelstaaten das Bedürfnis herausstellt, iüe Angelegenheit gemeinsam zu regeln. Dann würden aber c '^gierungen schon von selbst den Anstoss dazu geben, und c* braucht ihnen die Sache nicht durch den Reichstag aufoktrohiert werden, ^ch bin auch im Gegensatz zu dem Vorredner durchaus nicht der Meinung, daß der jetzige Zustand etwa für die Uni- ^ c-^^^hrer Ungelegenheiten mit sich bringt. Ich bin selbst häufig m die Lage gekommen, Damen zu sagen, daß ich es nicht wimsche, daß sie meine Vorlesungen besuchen, und ich habe nie

gefunden, daß mir das irgendwelche Ungelegenheiten bereitet hätte. Der Antrag berührt ja eine große prinzipielle Frage. Wenn man unter Frauenemanzipation versteht, daß man den Frauen mehr als bisher, ermöglicht, zur wirtschaftlichen Selb­ständigkeit zu gelangen, so bin ich damit völlig einverstanden. Ich weiß zu gut, dass das alte deutsche Wort:Die Frau gehört ins Haus" in unserer Zeit seine Bedeutung verloren hat, daß die wirtschaftliche Lage die Frau aus dem Hause herausgerissen und gezwungen hat, sich selbst durch harte Arbeit ihr Brot zu verdienen, und daß in den Familien die wirtschaftlichen Ver­hältnisse häufig so liegen, daß der Vater seine unverheirateten Töchter nicht ohne deren eigene wirtschaftliche Thätigkeit be­herbergen Fann. Es ist also für viele Frauen erforderlich, sich auf eigene Füsse zu stellen. Bestrebungen, welche darauf abzielen, haben auch meine volle Sympathie, insoweit als dabei den be­sonderen Bedürfnissen des weiblichen Geschlechts Rechnung ge­tragen wird. Auch wenn man bei der Emanzipationsfrage daran denkt, daß man die Erziehung der Töchter auf eine der Neuzeit entsprechende Stufe bringen muß, so ist mir das sympathisch. Ich weiß viel zu gut, wie sehr ein talentvolles Mädchen offen ist für alles grosse und schöne in der Welt, wie ihr Geist bildungs­fähig ist nach allen Richtungen hin und wie sie häufig an Fleiß die Knaben überragt. Also eine geistige Hebung der Erziehung der Frauen hat auch an mir einen warmen Befürworter, aber was ich nicht wünsche, und ich glaube, dass auch meine Freunde darin mit mir einig sein werden, das ist das schablonenhafte Hineindrängen der Frauen und Mädchen in alle männlichen Berufe. (Sehr richtig! int Zentrum.) Das kann nicht besonders gut thun und wird auch nicht besonders gut thun. (Sehr richtig.) Das kann auch auf die Dauer nur zur eigenen Niederlage der Frauen und Mädchen ausschlagen: denn damit nehmen wir den Frauen ihre Weiblichkeit und alles, was sie vor uns auszeichnet. Wir haben ja vieles hingehen sehen, was uns früher lieb war. Die sozialpolitische Gesetzgebung selbst hat dazu beigetragen. Das Verhältnis des Brotherrn zum A/lbeiter ist andkrH u. s. w. u s. w. Es giebt aber doch unverrückbare Grenzen in der Gesellschafts­ordnung. Man sagt, die Natur hat sie gesteckt: ich sage, Gott hat sie gesteckt. Der weibliche Organismus ist eine solche Grenze. Machen Sie nicht aus der Frau', der ergänzenden Gefährtin des Mannes, dessetl Konkurrentin. Da muß die Frau unter­liegen. Von den weiblichen Post- und Telegraphenbeamten werden fast doppelt so viele krank wie von den Männern. Unsere Bildungsanstalten sind in der Reform begriffen, auch an den Universitäten ist manches veraltet. Bringen Sie nicht mit der Frauenerziehung da noch ein neues Tissolutionsmoment hinein! Wenn nötig, wollen wir lieber besondere Frauen-Universitäten gründen, aber bis dahin müssen die Studentinnen an unseren Universitäten die Ausnahme bleiben. (Beifall rechts.)

Schrader (frf. Vg.): Der Antrag in seiner Einschränkung wirft gar keine neue Frage auf und rechtfertigt diese allgemeinen Bemerkungen gar nicht. Die bisherigen unvollkommenen Beschlüsse soll er lediglich korrigieren. Was bleibt denn nach dem Vorredner für die Frauen über­haupt noch übrig? Die Erzieherin! Auf Gründung besonderer Frauen-Universitäten können wir nicht erst warten. Wenn die Frauen eine bessere Bildung erstreben, so kommt das doch auch den Männern zugute. Glauben wir doch nicht, daß wir mit kleinlichen Mitteln eine Entwicklung aufhalten. Auch Herr v. Hertling wird noch einmal stolz sein, zu einer ganzen Reche intelligenter Hörerinnen in seinen Vor­lesungen zu sprechen. (Heiterkeit.)

Bebel (Soz.): Herr v. Hertling lehnt das Vorgehen nurzur Zeit" ab, hat also selbst den Weg als gangbar anerkannt. Jedenfalls sticht seine Rede sehr vorteilhaft ab gegen das, was wir vor zehn bis zwölf Jahren aus seiner Partei gehört haben. Die harte Rot des Lebens hat die Herren eines Besseren belehrt. Mit der Frage des Proletariats hat die Sache zunächst gar nichts zu thun: denn es handelt sich zumeist um die Töchter höherer Stände, welche sich einen Lebens­beruf schaffen müssen, weil sie mangels der nötigen Mitgift keine Aus­sicht haben, sich zu verehelichen. Die Zunahme der weiblichen Thättg- leit auf allen Gebieten ist das Charakteristikum der Zeit. Herr v. Hertling zieht seineunverrückbare Grenze" eben da, wo ihm und seinen Standesgenoffen die Thätigkeit der Frauen unbequem wird, sonst aber hat er nichts dagegen. Wie kolossal ist die Frauenarbeit in den Fabriken gesteigert. In München ist es schon seit Jahrzehnten ein öffentlicher Skandal, wie die Mörtelträgerinnen die Leiter auf- und abklettern in einer Kleidung, an der auch nichtprüde Gemüter Anstoß nehmen. Das geniert aber Herrn v. Hertling nicht, wenigstens sagt er nichts davon. Gewiß, das Wort Frauenmancipation ist durch einzelne Frauen diskreditiert worden, aber das allgemeine Bestreben, ihre Kräfte dem Gemeinwohl dienstbar zu machen, bleibt durch solche Auswüchse doch unberührt. Wenn man sagt, die Frau sei körperlich minderwertig, so ist das eben die Folge ihrer ganzen bisherigen Erziehung und Lebens­haltung. Für den Mann sind immer die besten Brocken da, nicht für die Frau (Heiterkeit), und daneben arbeitet gleichwohl die Frau be­deutend mehr wie der Mann. Sie fürchten die Gleichberechtigung der Frauen. Auf wie lange es Ihnen'aber noch gelingen wird, sie davon auszuschließen, ist eine andere Sache. In Amerika sieht man die Frauen als Richter, Anwälte, Geistliche. Was dort geht muß auch hier möglich sein. (Beifall links).

Frhr. v. Hertling (Gentr.): Es ist nicht richtig, daß nach meinen Ausführungen nur noch der Stand der Erzieherinnen für die Frauen übrig bleibe. Eine ganze Anzahl anderer Berufe könnte ich noch an- führen. In München z. B. sind in den großen Banken Frauen vielfach als Buchhalterinnen angestellt, die ihre Arbeit ebenso gut und häufig bester thun als die Männer. Wir wissen ja aber, daß immer, wenn eine solche Frage hier zur Sprache kommt, der Abg. Bebel auftritt, um uns in einer Weise zu belehren, als ob wir bisher noch garnichtS davon verstanden hätten. Ich habe meine Meinung schon lange gehabt und sie heute nur hier festgelegt. Gegen den Unfug der Beschäftigung der Frauen auf Bauten habe gerade ich mich früher gewandt. Das braucht aber Herr Bebel nicht zu wissen. Es ist jedenfalls weit von uns zu wessen, daß wir hier nur den Standpunkt des krassen Egoismus ver­treten. Auch der Abg. Schrader will die Frauen nur da beschäftigt w'ffen, wo es ihren körperlichen und physischen Fähigkeiten entspricht, und daran rönnen auch Sie, Herr Bebel, nicht rütteln. (Beifall -

Bebel (Soz.): Es hat mir durchaus ferngelegen, den Abgeordneten von Hertling hier irgendwie belehren zu «ollen. Wenn ich aber anderer Meinung bin, als insbesondere die Herren des CentrumS, so dürfte das nicht wunderlich sein; denn die Maßnahmen, welche sie bis­her im Jntereffe der Frauen getroffen haben wollten, hatten im letzten Ende doch keinen praktischen El folg. Ich muß es bestreiten, daß ins­besondere in geistiger Beziehung die Frauen den Männern nochstehen. Manche Frau könnte besser einen Professorenposten versehen als Männer, die nur darum einen solchen Posten haben, weil sie einen einflußreichen Schwiegervater haben. (Unruhe rechts.)

Der Anttag Schrader wird abgelehnt, die Tagesordnung an- genommkn.

Ueber eine Petition, betreffend Wiedereinführung der Prügelstrafe, beantragt die Kommission Uebergang zur Tage«, ordnung.

Abg. O ertel-Sachsen (tonf.) beantragt Ueberweisung an den Reichskanzler alsMaterial" zur Abänderung der Gesetzgebung.

Abg. Bassermann (nl.) ist gegen dm Antrag Oertel, darauf hinweisend, wir auch diejenigen Lehrer nicht gerade di» besten feien, welche prügelten. Sicher fei, daß die Prügelstrafe nicht beffere, son­dern den so Bestraften nur noch mehr verrohe. Er meine, man solle dem Richter nicht zumuten, auf eine viehische Thai auch eine viehische Strafe zu fetzen. (Bravo.)

Abg. Müller-Meiningen (frf. 93p.) ist ebenfalls Gegner der Prügelstrafe. In fast allen zivilisierten Staaten fei diese Strafe abgtfchafft. Herrn Oertel wolle er nur noch sagen, rS könnte ja einmal der Fall eintreten, daß er wegen groben Unfugs verurteilt und das Ui teil durch Prügelstrafe verschärft würde. Da würde eS doch recht schm-rssich sein, wmn etwa Herr Oertel eines der ersten Opfer der Plügelstrase werden sollte. (Große Heiterkeit.)

Abg. Groeber (Zentr.) hält es für das richtigste, die Frage noch einmal gründlich zu erledigen, damit fie nicht noch künftig dem Reichstage die Zeit wegnehme. Die Kriminalisten, zumal am Rhein und in Süddeutschland, seien aus guten Gründen entschiedene Gegner der Prügelstrafe. Er bitte um Ablehnung der P.-tition.

Morgen 1 Uhr: Fleischbeschaugesitz.

Schluß 5 Uhr 30 Min.

* Vom Kriegsschauplatz.

Loudon, 7. März. Nach der Einnahme von Dor­drecht ließ General Brabant die auf dem Rückzug befind­lichen Buren zehn Meilen weit in der Richtung aus Aliwal verfolgen. Die betreffende Kavallerieabteilung machte vier Gefangene und erbeutete im verlassenen Lager bei Bamboes- Hoeck etwas Vieh und Munition. Außer 13 Toten kostete Dordrecht die englischen Truppen 29 Verwundete bei einer Streitmacht von etwa 1100 Mann. Die Buren sollen etwas stärker gewesen sein. Sie hätten sich, wie es heißt, von den Engländern völlig überraschen lassen.

Nach einem weiteren Telegramm wird aus Queens­town (Kapland) gemeldet, daß General Brabant seine Proklamation vom 22. Februar, welche den Aufständischen im Bezirk von Barkly West die schärfsten Maßnahmen in Aussicht stellte, zurückgezogen und durch eine andere ersetzt hat, die bei Niederlegung der Waffen den Aufständischen ungehinderte Rückkehr zu ihren Farmen zusichert.

Nach Depeschen aus Sterkstroom sollen die Buren in großer Stärke 12 Meilen von Stromberg stehen und alle Vorkehrungen treffen, um ihren Rückzug über den Oranjefluß zu decken.

Aus Ladysmith wird berichtet, daß General Buller eine kombinierte Streitmacht längs der Eisenbahn nach Georgsmith vorschob. Depeschen aus Osfontein be­sagen, daß die Buren sich im Freistaate in großer Stärke sammeln, um dem Vorstoß Lord Roberts auf Bloemfontein Widerstand zu bieten.

Der Aufstand der Kolonialholländer ver­breitet sich südlich von Griqualandwest. Es verlautet, viele Holländer in der Umgegend von Prieska und Kenhardt, die von den Aufständischen für Freistaatgebiet erklärt wurden, schlossen sich der Bewegung an. Außer dem Stadtvorsteher von Kenhardt wurden viele Bewohner ins Gefängnis ab­geführt. Die Gesamtzahl der Rebellen dürfte 3000 über­steigen. Die Ankunft der Truppen dürfte den Aufstand in den Bezirken Carnarvon, Bictoriawest und Fraserburg hemmen.

Antwerpen, 7. März. Das vlämische BlattVrougpost" kann auf Grund einer Privatmeldung versichern, daß Cronje's Niederlage lediglich durch Verrat herbeigeführt worden sei. Als Schuldiger wird der Kommandant Ferrara bezeichnet, der seinen Truppen bei Kimberley befohlen haben soll, beim Erscheinen der Eng­länder diese zu beschießen. Cronje habe noch rechtzeitig"^» Verrat entdeckt, und dem größeren Teil seiner Armee be­fohlen, mit den schweren Geschützen und den Wagen nach Norden abzuziehen, während er sich nach Osten begab und den Feind auf sich zog. Ferrarasoll nacheinergegen ihn gerichteten Untersuchung erschossen worden sein.