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9.1.1900 Erstes Blatt
 
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Telegramme desGießener Anzeiger".

Berlin, einer Künstlervereinigung, die ftit^ungefähr drei

über eine Beschießung, welche von 3 bis 8 Uhr abends ununterbrochen fortdauerte. Das Ergebnis dieses Gefechtes ist noch unbekannt.

London, 8. Januar. Ueber Lorenzo Marquez wird ans Pretoria gemeldet, daß die Buren bei Kurumau eine» erfolgreichen Angriff gegen die englische Abteilung gemacht haben. Die englische Garnison mußte sich nach sechs­stündigem Kampfe ergeben und die Waffen strecken. 120 Gefangene, darunter 12 Offiziere, fielen den Buren in die Hände. Unter der englischen Garnison befanden fich auch 70 schwarze Eingeborene, alle bewaffnet. Eine große Menge Proviant und Munition kam in den Besitz der Buren. Kuruman liegt zwischen Bryburg und Mafeking.

London, 8. Januar. Das Kriegsamt veröffentlicht ein Telegramm des Generals Buller vom 6. ds. Mts. über die Lage bei Ladysmith. Die Buren bombardieren danach die Stadt ununterbrochen und bedrängen die Be­lagerten immer mehr. Buller telegraphiert weiter: In seinem Lager sei das Gerücht verbreitet, daß die Buren um 5 Uhr abends von den Belagerten geschlagen worden seien und die Engländer 400 Gefangene gemacht haben. (?)

Durban, 8. Januar. Die Buren haben bereits am Freitag mit starken Kräften die Engländer angegriffen und das Gefecht in der Samstag-Schlacht mit frischen Truppen erneuert. Die Buren, die ein heftiges Feuer auf Lady­smith eröffneten, setzten den Kampf bis zum Tagesanbruch fort, ohne daß bis jetzt etwas über das Resultat des Ge­fechtes verlautete.

Kapstadt, 8. Januar. Die Weigerung der Truppen, gegen die Buren ins Feld zu rücken, nimmt mit jedem Tage zu. Die Offiziere weigern fich, gegen die Uw gehorsamen mit der nötigen Strenge vorzugehen, da fie einen allgemeinen Aufruhr der Soldaten befürchten.

** Ernannt wurde am 13. Dezember der Gefangen­wärter Heinrich Großmann zum Gefangenaufseher an dem Provinzialarresthause Gießen.

** Stadttheater. Auf die heute Montagabend statt« findende VolksvorstellungDer Hypochonder" oder Eine Stadtverordnetensitzung" zu den bekannten billigen Eintrittspreisen sei hiermit nochmals aufmerksam gemacht. Morgen Dienstag kommt das jüngst mit so großem Beifall aufgenommene französische SittenbildZaza" mit Fräulein Hammer in der Titelrolle zur Aufführung.

** Konzertverein. Der Umstand, daß Gießen noch keine ständige Kammermusik-Vereinigung besitzt, hat den Mit­gliedern des Konzertvereins bis jetzt den Vorteil gebracht, auf diesem Gebiete der Musik stets die hervorragendsten Leistungen von allerersten Kräften dargeboten zu bekommen. Die Konzerte der Quartettvereinigungen Heermann und Walther, des Gürzenich Quartetts und des Künstlertrios Pauer-Zajic-Grünfeld stehen bei unserem Publikum noch in bester Erinnerung und auch die Bläser-Vereinigung der konigl. Oper zu Hannover hat gute Eindrücke hinterlassen. Das gestrige vierte Konzert des Konzertvereins brachte uns

* Born Kriegsschauplatz.

London, 6. Januar. Wie verlautet, versuche General Buller augenblicklich wiederum den Uebergang über denTugela zu erzwingen. Aus Pietermaritzburg sind schleunige Absendungen von Ambulanzen angeordnet worden, welche sich zur Front zu begeben haben. Die Re­gierung werde jedoch die Vorgänge bis nach Beendigung der in Aussicht stehenden Schlacht geheim halten. Das Korps Buller besteht aus 30,000 Mann und 66 Geschützen. Eine längere Verpflegung dieser Armee kann Buller nur Schwierigkeiten bereiten, außerdem müsse Ladysmith so bald als möglich entsetzt werden.

Nach einer Meldung des Generals French haben die Buren noch ihre Stellung auf den Hügeln südöstlich von Colesberg inne. In dem Kampfe am Neujahrstage sollen die Buren 50 Tote und eine Menge Verwundete I gehabt haben, auch ein unbrauchbares Geschütz hätten sie verloren.

Loudon, 7. Januar. General Buller meldet, daß der Vorposten bei Ladysmith, bekannt unter dem Namen Lager Cassar", von den Buren gestern angegriffen wurde, dieselben aber zurückgeschlagen habe. Der Kampf dauere I noch fort. Man erwartet daher noch weitere Einzelheiten I über dieses Gefecht. Man glaubt, daß die Buren trotz I allen Abratens doch beschlossen haben, Ladysmith zu er- I stürmen.

Kiel, 7. Januar. Auf der kaiserlichen Yacht Hohenzotlern" werden die notwendigen Renovier- ungsarbeitcn sehr eifrig gefördert. Das Schiff soll | bereits im März zu Probefahrten in See gehen, da das Kaiserpaar, wie verlautet, bereits im April die geplante Reise nach Rom antreten wird. Im Anschlüsse daran sei eine Orientreise geplant, deren Ziel diesmal Egypten wäre.

Breslau, 6. Januar. Wie derBreSl. Gen. Anz." aus zuverlässiger Quelle erfährt, trifft dieser Tage in Ober­schlesien eine Kommission des ReichSmarineamtes zur Be­sichtigung der oberschlesischen Eisen-und Hütten­werke ein. Es handelt sich bei dieser Reise um eine In- formation der Marinebehörden, ob bei Annahme der Flotten­vorlage die oberschlesifche Eisenindustrie in der Lage sein werde, einen größeren Teil des Materials zu liefern. Wie verlautet, werden die Kommissionsmitglieder an einer Sitzung der Handelskammer in Gleiwitz teilnehmen.

Hamburg, 6. Januar. Auf Anregung des Hamburger Hilfsausschusses für die verwundeten Buren findet am 11 d Mts. im Konventgarten eine große öffentliche Kund­gebung gegen die englischen Uebergriffe statt.

Lokales und MovinMes.

(Anonyme Einsendungen, gleichviel welchen Inhaltes, werden grundsätzlich nicht ausgenommen.)

Gießen, 8. Januar 1900.

* Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben geruht, am 6. Dezember 1899 dem Oberamtsrichter Geheimen Justizrat Moritz Hempel m Lauterbach zum 4. Januar aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Ver­dienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen.

'* Kirchliche Dienstnachrichteu. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben geruht, am 30. Dezember dem Pfarrer Heinrich Loos zu Flonheim die 1. lutherische Pfarrstelle zu Groß-Umstadt, Dekanat Groß-Umstadt, zu übertragen.

** Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben geruht, am 30. Dezember den Geheimen Kirchenrat Professor der Theologie D. Bernhard Stade zu Gießen, den Wirklichen Geheimerat D. Ludwig Hall­wachs zu Darmstadt, den Oberkonsistorialpräsidenten i. P. D. WirklichenGeheimerat Theodor Gold mann zu Darm­stadt, den Geh. Kommerzienrat Wilhelm Cornelius Frei­herrn Heyl zu Herrnsheim zu Worms, den Dekan Dr. Heinrich Hager zu Offenbach, den Pfarrer August Hildebrand zu Echzell und den Pfarrer Otto Bon Hard zu Oppenheim zu Mitgliedern der sechsten ordentlichen evangelischen Landessynode zu ernennen.

Dienstnachrichteu. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben geruht: Am 6. Januar die Regie- rungsaffessoren Karl Klingelhösfer aus Heusenstamm, Adam M e tz aus Heppenheim a. d. B. und Johann Nicolai aus Unter-Schönmattenwag, mit Wirkung vom Tage ihres Dienstantritts an, zu Steuerkontrolleuren zu ernennen.

* Ordensverleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 23. Dezember dem Steueraufseher Friedrich Ewald zu Mainz aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu ver­leihen.

* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Groß­herzog haben Allergnädigst geruht, am 6. Dezember dem Bürgermeister Johann Leonhard G ölz in Dorf-Erbach I das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift:Für lang­jährige treue Dienste" am Bande des Philipps-Ordens zu verleihen.

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habe. Die Geschütze der Engländer bombardierten bie Stellungen der Buren mit großem Nachdruck. Die Buren beantworteten das Geschützfeuer nur durch Gewehrfeuer - Ein Telegramm vom 6. ds. aus demselben Lager berichtet

Deutsches Keich.

Berlin, 6. Januar, Der Kaiser -mpfing,g-ft»n nachmittag den Fürsten Eulenburg, welcher zu F lafel geladen war, Heute cormittag hatte der Sa er n B sprechung im Auswärtigen Amte und nahm später » Probe der zur Ausstellung nach Pans besttmm. n «oldatm figuren in Augenschein, Im kontgltchen sch Kaiser alsdann die Borträge des C°s des Generalstabe« Grafen Schlieffen, de« Chess de« Müttarkabtnetts v. Hahnte und des Oberstallmeisters Grafen Wedel, , -

- Dem Reichstage ist gestern der Gefetzentwurs,

einqeqangen und auch von sonstigen Meldungen liegt = nichts vor was auf eine schleunige Abhilfe der deutschen _

Beschwerden hinweist. Nach einer Meldung aus Hamburg i

erhielt die Ostafrika-Linie von ihrem Adener Vertreter gestern s die Bestätigung der Nachricht von der Freigabe des Dampfers < General" zugleich mit der Meldung, daß die Mefart- setzung voraussichtlich Mittwoch, bis wohin die Wieder- Verladung der Güter beendigt sein werde, erfolgen könne, t

- DemBerl. Tgbl." zufolge ist in Sachen des . DampfersBundesrat" eine Antwort Englands < auf die deutsche Beschwerde noch immer nicht 1 eingetroffen. Nachdem die englische Regierung auf die Überreichung der deutschen Protestnote, die in maßvollem Tone gehalten war, dem deutschen Botschafter mündlich eine loyale Untersuchung des Falles und eine baldige Antwort zugesagt hatte, hat fich die deutsche Regierung tn der Folge, als sich die Fälle von Behelligungen deutscher Reichspoft­dampfer mehrten, und die englische Antwort sich dagegen verzögerte, genötigt gesehen, in London seine Vorstellungen in schärferem und dringenderem Tone zu wiederholen. Es unterliege keinem Zweifel, daß von deutscher Seite alle diplomatischen Mittel angewendet werden, um die deutschen Interessen gebührend zu wahren. I

Gegenüber anderen Angaben hört dieNat.-Ztg. , I daß die auf die erste Nachricht von der Beschlagnahme I desBundesrat" von hier nach London gerichtete Rekla- I mation in sehr bestimmtem Tone gehalten war. Es dürfe I erwartet werden, daß die englische Regierung inzwischen nach Durban und Aden die Aufforderung hat ergehen lassen, I die Untersuchung zu beschleunigen, damit dem deutschen Aus- I wärtigen Amte die versprochene Erklärung baldigst erteilt I werden könne. Wie dieNat.-Ztg." weiter zuverlässig I erfährt, ist hier nichts von Vorgängen bekannt, die I zu der falschen Meldung Anlaß geben konnten, daß in I Neapel ein Dampfer der deutschen Ostafrika-Linie an der I Weiterfahrt verhindert worden fei. Wenn sich etwas der. I artiges ereignet hätte, so würde der deutsche Konsul in I Neapel sicherlich telegraphisch hierüber Bericht erstattet haben. I

Auch der Ausschuß der deutschen Kolonial- I g esellschaft hat sich in seiner gestrigen Sitzung dahin I entschieden, daß den Abteilungen der Gesellschaft bie Ab- I Haltung von Agitationsverfammlungen zum Zwecke des I Ausdrucks der Entrüstung über die Beschlagnahme deutscher | Schiffe durch die englische Marine so lange nicht zu | empfehlen sei, als der Thatbestand nicht genügend auf- I geklärt und die diplomatische Verhandlungen zwischen den I Regierungen eine gerechte und friedliche Erledigung er- I hoffen lasse.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen ersten Sekretärs bei der Botschaft in Paris v. Schön zum Gesandten am dänischen Hofe.

Dem bisherigen Oberpräsidenten der Pro- vinz Pommern, Staatsminister v. Puttkamer, wurde, demReichsanz." zufolge, die Brillanten zum Kreuz und Stern der Großkomthur des Hohenzollerschen Haus­ordens verliehen.

Der Ka'iser hat sein Erscheinen bei der am Diens­tag in der Charlottenburger Technischen Hochschule fiatt- findenden Säkularfeier nunmehr zugefagt.

Berlin, 7. Januar. DerPost" zufolge liegt eine Be­stätigung der Meldung, daß Prinz Heinrich demnächst Saigon besuchen werde, bis jetzt nicht vor.

Berlin, 6. Januar. Nach einer Blättermeldung aus Dresden wird der Generalfeldmarschall Prinz Georg von Sachsen Ende März das Kommando über das 12. Armee­korps niederlegen. Sein Nachfolger ist der Generalleutnant Frhr. v. Haufen. Prinz Georg wird Inspekteur in der Armee.

Berlin, 8. Januar. Die BerlinerMontags-Zeitung" meldet aus London: Ganz London steht unter dem Eindruck eines neuen Unglücks, welches die britische Streitmacht in Südafrika betroffen haben soll. Die Meldung bewirkt enorme Sensation Bei dem Angriff bei Ren s bürg am Freitag sollen 70 Ena- länder, darunter 7 Offiziere, als Gefangene in die Hände der Buren gefallen fein. Hier herrscht trotz der zuversichttichen Berichte aus dem englischen Lager in Südafrika große Be­fürchtung über den Ausgang der Schlacht bei Ladysmith deren Ergebnis noch unbekannt ist. y'

Loudon. 6. Januar. Ein Telegramm aus dem Laaer I Konzert des Konzertvereins bracht

von Frere vom 5. ds. berichtet, daß eine Abteilung V I Bekanntschaft des Waldemar Meyer-Quartetts

rittener Engländer unter dem Befehl des Komn-andam«»« I Ciner .Künstlervereinigung, die feit u Macdonald einen Kundfchaftsritt bis Jllangwane aemackt größtem Erfolg konzertiert und sich, wie überall,

habe. Die Geschütze der Engländer ^bo«erten di » ließen die Gunst des musikalischen Publikums

1 - ~ oomoaroierten die I mi Sturm erobert hat. Auf dem Programm prangten die

Namen Haydn, Mozart und Beethoven, ein Umstand, der jeöen, auch wenn er die angekündigten Werke nicht kannte, im voraus überzeugen mußte, daß nur ganz hervorragende

Ausland.

,om 7 Jamiar. Nach einer Meldung ans Malta erhielte» bieim roten Meer stationierten -ngl'kche» ; K?e°zerW, 1 b^ Oftfe«

um| in England dem Herzog von Orleans einen kurzen i Besuch abzustatten. Buffet wird nicht m England bleiben : Indern seinen Aufenthalt in einem Lande nehmen wo er die französische Erziehung seines KmdeS durch- setzen kemm 0 $anuar Die Kosten, welche den vom Staatsgerichtshofe Verurteilten durch die Prozeß­führung entstanden sind, belaufen sich auf mehrere hundert­tausend Franks. Um diesen Betrag zu decken, beabsichtigt der Fiskus den Grundbesitz Buffets in der Nahe vonMire- coust zu beschlagnahmen. Der bekannte Sportsman Deacon hat sich bereit erklärt, für seinen Freund Doroulöde die Ge­richtskosten zu bezahlen. .

Paris, 6. Januar. Aus San Domingo wird ge­meldet, daß das französische Konsulat von den Einwohnern mit Steinen beworfen worden ist. Die französische Regie­rung hat energische Vorstellungen gemacht, und den Admiral Richard mit einem Kreuzer nach San Domingo gesandt. Der jetzige Präsident von San Domingo Jeminez, hat sich geweigert, den Franzosen wegen Ermordung der beiden französischen Offiziere eine Entschädigung zu zahlen.

Paris, 7. Januar. Der Aus st and in St. Etienne ist nunmehr gänzlich beendet. Der Vertreter der Arbeiter Jaurös und derjenige der Grubengesellschaften Gruner haben gestern die Vereinbarung unterzeichnet, wo­nach den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 43 Centimes täglich zugesagt wird. Morgen wird die Arbeit überall wieder ausgenommen werden.

Paris, 7. Januar. Marchand ist zum Oberstleut­nant befördert worden. Er verbleibt indeffen bei dem vierten Marineinfanterie-Regiment.

Paris, 7. Januar. Durch ministeriellen Beschluß wird dem verstorbenen Komponisten Ambroise Thomas ein Denkmal errichtet werden. r

Loudon, 7. Januar. Lord Salisbury verbrachte gestern mehrere Stunden auf dem Auswärtigen Amt in einer Konsultation mit den juristischen Beratern der Krone und hatte am Abend eine Konferenz mit dem portugiesischen Ge­sandten, woraus geschlossen wird, daß Fragen des inter­nationalen Rechts, speziell der Beschlagnahme von Schiffen, beraten, und die Delagoabai-Frage verhandelt wurde.

London, 7. Januar. Wie verlautet, wurde der deutsche DampferHerzog" von einem englischen Kriegsschiffe auf­bracht. ______

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