Ausgabe 
8.5.1900 Erstes Blatt
 
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Begrüßung durch die Ehrenjaugfraueu.

Wie bekannt, hatten drei schon oben erwähnte junge Damen im Namen der Stadt Kaiser Franz Josef nach der Ansprache des Oberbürgermeisters begrüßen sollen. Sie waren, während Magistratsmitglieder und Stadtverordnete den Wagen der Monarchen umdrängten, etwas in den Hintergrund der Szene geraten, und so kam es, daß, wahr­scheinlich durch ein Versehen des die Ehrenschwadron füh­renden Offiziers, diese sich in Bewegung setzte und auch die Pferde des kaiserlichen Wagens demgemäß anzogen. Warnend winkte Kaiser Wilhelm, der sich bis dahin in ben Fond des Wagens zurückgelehnt hatte, ab: Kom­mandorufe erschallten, und ein Adjutant sprengte vor; schon aber erklangen von jenseits des Triumphbogens die Klänge des Präsentiermarsches, den die Kapellen der draußen postierten Regimenter anstimmten. Einen Augen­blick sah es dann thatsächlich aus, als sollten die drei weißgekleideten Damen nicht dazu kommen, ihre Begrüßung anzubringen, dann aber kam der kaiserliche Wagen wieder zum Stehen. In diesem Augenblick erblickte Kaiser Franz Josef Frl. Kirschner und ihre Begleiterinnen, die an den Schlag des Wagens herangetreten waren. Und nun geschah das Unerwartete. Er blieb nicht sitzen, sondern erhob sich mit schneller Bewegung, Kaiser Wilhelm folgte ihm, und im nächsten Moment standen beide vor den jungen Damen, diese mit eleganter Verbeugung grüßend. Fräulein Kirsch­ner sprach einige von Ernst von Wildenbruch für diesen Zweck verfaßte Verse:

Durch unsre hochgebauten Hallen Ziehst, hoher Herr, gebietend Du herein. Laß einen zweiten Willkomm' Dir gefallen: In unsre Herzen, lieber Herr, tritt ein.

Wir möchten Dir ein Wort, ein einz'ges, sagen. Das man nicht laut, nur leise sagen darf, Daß Lust und Leid, was jemals Du getragen. Den Widerhall in unsre Herzen warf.

Doch weil die Herzen schweigen, wenn sie lieben, So sei die stumme Blume unser Mund,

Du kommst zu uns, und wir lind Dein geblieben. Der Frühling Gottes segne diesen Bund".

Damit überreichte sie dem Monarchen einen Maiglöck­chenstrauß, dessen Schleife die Farben Oesterreichs und Ungarns zeigte.

Sie haben sehr schön gesprochen, mein liebes Fräu­lein: das war wirklich ein ganz reizendes Gedicht!" Mit diesen Worten reichte der Kaiser von Oesterreich der jungen I Dame die Hand, und auch ihre beiden Gefährtinnen und I nach ihnen Oberbürgermeister Kirschner und Stadtverord- I neten-Vorsteher Dr. Langerhans wurden durch die gleiche Liebenswürdigkeit ausgezeichnet. Die Monarchen nähmen ihren Platz wieder ein, und der Wagen setzte sich in Bewe­gung. Kaiser Wilhelm nickte Oberbürgermeister Kirschner und den Umstehenden grüßend zu. Dann rollte der Wagen die Linden hinab. Abermals erschallte der Präsentier­marsch, diesmal rechtzeitig, und von der Höhe des Ehren­bogens herab schmetterten wiederum die Fanfaren der städtischen Bläser.

Den Epilog des Begrüßungsaktes am Pariser Platz bildete die Vorüberfahrt der Begleitung und des Gefolges der beiden Kaiser. Jubelnde Hochrufe und Hurrahs galten namentlich dem Kronprinzen und dem Prinzen Heinrich, die gemeinsam die Fahrt zum Schlosse zurücklegten.

Im Lustgarten und vor dem Schloß.

Lustgarten und der Raum vor dem Schloß waren ausschließlich dem Militär Vorbehalten. Front nach dem Museum stand das Kaiser Franz-Regiment, das dritte Ba­taillon in einem spitzen Winkel nach der Schloßbrücke zu, den beiden ersten Bataillonen angegliedert. Den Franzern gegenüber war das Augusta-Regiment postiert, vor der in ihren malerischen Uniformen die Abordnung des russi­schen Leibgarde-Grenadier-Regiments zu Fuß Posto gefaßt hatte. Den Rücken gegen die Kaiser Wilhelmsbrücke stand das dritte Bataillon des Augusta-Regiments. Auf der Schloßbrücke begann dann die Aufstellung der Alexander.

Die Mündungen ihrer Geschütze der Wasserseite zu­gekehrt, steht die Leib-Batterie. Es ist etwa 40 Minuten nach 10 Uhr, als das erste Geschütz seinen ehernen Mund öffnet, das Zeichen, daß die beiden Kaiser das Denkmal Friedrichs des Großen erreicht haben. Und nun folgt Schuß auf Schuß und in das Dröhnen des kriegerischen Saluts mischt sich der Klang der rauschenden Regiments­musiken und der laute Gruß der präsentierenden Truppen. Am östlichen Brückenkopf der Schloßbrücke schwenkt die Ehreneskorte rechts zur Schloßfreiheit ab, und beide Mo­narchen verlassen die Equipage. Wenige Schritte und Kaiser Franz Josef befindet sich am linken Flügel seines Regiments, dessen ganze Front er in strammer, militäri­scher Haltung langsamen Schrittes und nur von unserem Kaiser begleitet, abschreitet.

Nach dem Wschreiten der Front begann der Vorbei­marsch. Zwischen dem zweiten und dritten der fünf dort aufgereihten Kandelaber wählten die Kaiser ihren Stand­platz, wieder beide allein und erst eine Strecke hinter ihnen alle die Prinzen und Fürstlichkeiten mit ihrem Gefolge. Den Vorbeimarsch eröffnete das Franz-Regiment. Unter den Klängen des Radetzki-Marsches zog es in Zügen an seinem Chef vorüber. Es folgte das Augusta- und diesem das Alexander-Regiment. Als die Infanterie vorüber war, setzte sich die Musik der Artillerie an die Spitze der Leib- Eskadron umd führte diese sowie die Geschütze der Leib- Batterie an den Herrschern vorbei. Damit war der mili­tärische Akt der Einzugsfeierlichkeiten beendet, und die beiden Monarchen gingen, gefolgt von den übrigen Fürst­lichkeiten, unter denen sich auch die ältesten Söhne unseres I Kaiserpaares befanden, in das Schloß.

Die Familien Frühftüikstafel.

Bei der Ankunft im Schloß wurde Kaiser Franz Josef I von der Kaiserin Augusta Viktoria auf das herzlichste be­grüßt. Mittags um 1 Uhr 15 Min. fand dann bei dem I Kaiser und der Kaiserin eine Familien-Frühstückstafel statt, art der der Kaiser Yon Oesterreich, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, Prinz und Prinzessin'Hein­rich von Preußen, Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold von Preußen, Prinz Albrecht von Preußen, der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich und Prinz Adalbert und Prinzessin Feodora von Schleswig teilnahmen. |

Galatafel.

Abends 7 Uhr fand im Königlichen Schlosse Gala- I täfel statt. Der Kaiser von Oesterreich führte die ! Kaiserin, Kaiser Wilhelm die Großherzogin I von Baden. An der Tafel saß der Kaiser rechts, die I Kaiserin links von Kaiser Franz Josef, nach rechts folgten I die Großherzogin von Baden, der Herzog v. Aork, Prin- I zesfin Friedrich Leopold, der Kronprinz, die Ecbprinzesfin I von Hohenzollern, Prinz Eitel Friedrich, Prinzessin Feodora I von Schleswig-Holstein, Prinz Joachim Albrecht, Frau I Minister Gräfin v. Bülow. Nach links folgten der Kron­prinz von Italien, Prinzessin Heinrich, der Großherzog I von Baden, Prinzessin Aribert von Anhalt, Prinz Heinrich, I Prinzessin Karl von Hohenzollern, Prinz Albrecht, Gräfin Brockdorff, Prinz Friedrich Heinrich, Fürstin von Fürsten­berg, Herzog Albrecht von Württemberg. Gegenüber dem Kaiser Franz Josef saß der Reichskanzler, rechts von ihm Graf GoluchowSki, die Botschafter Graf Szoegyeny, General­oberst Graf Waldersee, Feldzeugmeister Beck, links der ita­lienische Botschafter, der englische Botschafter, der Ober­kämmerer Graf Solms und der österreichische General Graf Paar.

Bei der Tafel brachte Kaiser Wilhelm folgenden I Trinkspruch au«:

Es wird mir schwer, Worte zu finden, um Eurer Majestät meinen Dank und den meine» Volkes darzubringen für Euerer Majestät gnädigen erneuten Besuch. Aberkenn ich auch die schönsten Worte finden und zusammenfügen wollte, so wären fie doch nicht Imstande, die Gefühle wtederzugeben, die uns heute be­wegen. Worte müssen verstummen, wo der PulSschlag eines ge­samten Volkes sich fühlbar macht. Dieser PulS- und Herzschlag hat heute Euerer Majestät entgegengeschlagen, wie wohl noch nie. Der jubelnde Empfang in Berlin am heutigen Tvge gilt zunächst Euerer Majestät erhabenen Person, als dem großen und weisen Herrscher. Aber mein Volk steht auch in Euerer Majestät den treuen Freund und Bundesgenossen meines seligen Herrn Großvaters, meines Herrn Vaters und meiner selbst. Und nun sind Euere Majestät erschienen, um der vierten Generation die unschätzbare Gabe Euerer Majestät Liebe und Freundschaft anzutragen, fürwahr da« herrlichste Kleinod, welches heute unter allen Geschenken meinem Sohne mitgegebm werden kann. Zugleich aber haben Euere Majestät durch Ihren Besuch der Welt offenbart, wie fest und sicher der Bund besteht, den Ew. Majestät dereinst mit meinem seligen Herrn Großvater und dem Herrscher deS schönen glücklichen Italien abgeschloflen haben. Wahrlich, dieser Bund ist nicht nur eine Uebereinkunft der Gedanken der Fürste«, sondern, je mehr und mehr er bestanden hat, hat er sich tief etngelebt in die Ueberzeugung der Völker, und wenn erst die Herzen der Völker zusammenschlagm, dann kann fie nichts mehr auseinander- retßen. Gemeinsame Jntereffen, gemeinsame Gefühle, gemeinsam getragenes Freud' und Leid verbinden unsere drei Völker heute über 20 Jahre, und obwohl oft verkannt und mit Hohn und Kritik über­gossen, ist es dm drei Völkern gelungen, bisher den Frieden zu bewahren und als ein Hort des Friedens in aller Welt an­gesehen zu werden. So beugt sich denn auch beute mein Volk dem Weisen und Aeltestm diese« Bundes. Unsere Wünsche, die sich am heutigen Tage um Ew. Majestät und Ew. Majestät erlauchtes Haus und Ihre Völker zusammenschaaren, gipfeln in noch einem anderen Punkt. Ich glaube, kaum zu weit zu gehen, wenn ich ausspreche, daß, soweit hmte in deutschm Landen ein Vaterherz schlägt, es Ew. Majestät in tiefer Bewegung dafür dank« wird, daß Ew Majestät meinem jungen Sohne Ihren Segm mit auf seinen Lebensweg geben wollen. Allen Gefühlen aber, die mein Volk, mein HauS und mich heute erfüllm, geben wir Ausdruck, indem wir rufen: Se. Majestät der Kaiser und König Franz Josef Hurrah! Hurrah! Hurrah!

Der Kaiser und König Franz Josef erwiderte hier­auf mit folgenden Worten:

Bon den herzlichen Worten Euerer Majestät innig bewegt, danke ich aus vollem Herzen für den schönen Willkommen, den Euere Majestät mir bereitet haben, und gedenke mit wärmster Erkenntlichkeit des fest­lichen Empfanges seitens Euerer Majestät prächtiger Hauptstadt. Ich bin glücklich, daß es mir heute gegönnt ist, in Erfüllung eines lange gehegten Wunsches Euerer Majestät im Kreise der Ihren die Hand zu drücken. Die unverbrüchliche Freundschaft, die uns ver­einigt, bildet auch ein kostbares Gut unserer Reiche und Völler. Er» weitert durch die treue Mithilfe unseres verehrten Freundes und Ver­bündeten seiner Majestät des Königs von Italien bedeutet sie für Europa ein Bollwerk des Friedens. Um die Pflege dieses segensreichen Werkes, welches ich mit Ihrem ruhmreichen Groß­vater zu begründen so glücklich war, haben sich Euere Majestät als mannhafter Hüter eines für alle Telle gleich kostbaren Erbtells unver­gängliche Verdienste erworben. Inder frohen Zuversicht auf die Fort­dauer unserer Freundschaft erhebe ich mein Glas auf das Wohl Euerer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der königlichen Famllie. Sie leben hochl

Die Illumination.

Die Illumination zu Ehren des Kaisers Franz Josef war glänzend. Von der französischen Botschaft auf der einen, und der russischen Botschaft auf der anderen Seite der Linden zog eine Reihe prächtig beleuchteter Bauten und großer Hotels die bewundernden Blicke auf sich. Das Denkmal Kaiser Wilhelms war märchenhaft beleuchtet. Es war von weißglühenden elektrischen Guirlanden rings um­zogen und von sieben Scheinwerfern von der Schloßzinne be­strahlt. Das Standbild hob sich wie lebend von dem dunklen Nachthimmel im weißen Licht ab. Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm betrachteten das Standbild lange vom Schloßfenster aus. Inzwischen rückte die Militär­musik sämtlicher Regimenter des Garde-du-Corps, etwa 1700 Mann, die Linden entlang. Das Kaiserpaar und Kaiser Franz Fosef erschienen auf dem Schloßbalkon, während die übrigen Fürstlichkeiten von den Fenstern her­niederblickten. Jetzt ertönten die Kommandorufe: Präsentiert das Gewehr! Die Fürstlichkeiten auf den Balkons und an den Fenstern salutierten, die Musik intonierteGott erhalte Franz den Kaiser". Gegen 10 Uhr war der Zapfenstreich beendet.

Crispi über den Dreibund.

Crispi veröffentlicht in derOra" von Palermo einen langen bedeutsamen Artikel: Obschon die Feste einen familiären Charakter hätten, bewiesen fie doch die Festig­keit des Dreibundes, der stets Italien zum Heil gereiche. Daß der Dreibund Italien militärische Lasten auf­zwinge, sei unwahr. 1890 habe Caprivi seinem Plane zugestimmt, den Dreibund in einen Zollverein umzu­wandeln. Hierauf wendet sich Crispi an diejenigen, die glaubten, in Berlin würden Abmachungen für die künftige internationale Politik getroffen. Das sei unwahrscheinlich. Alle schwebenden Fragen müßten

auf einem internationalen Kongreß erledigt werde«. Die italienischen Sorgen um Albanien seien grundlos. Oesterreich werde dies nie aneklieren wollen, auch nicht können, wenigstens würde Italien dies nicht gestatte. Die emzige Lösung sei die Unabhängigkeit Albaniens. Schließlich preist CnSpi den Dreibund als einen Friedens- bund.

* * *

Reifet Franz Joses fuhr heute nachmitlaa 2f, Uhr nach dem Schlöffe Kaiser Wilhelms I., verweilte dort 20 Minuten und begab sich dann nach dem Maus oleum in Charlottenberg, wohin ihm Kaiser Wilhelm II. und Prinz Heinrich vorausgefahren waren. Franz Josef be­suchte dann den Prinzen Albrecht von Preußen, den Erb­prinzen von Hohenzollern, sämtliche Botschafter und den Fürstbischof Kopp.

Zu der großen Schießübung bei Jüterbog sind gestern und heute die Truppen von Potsdam, Berlin und Groß-Lichterfelde auSgerückt. Zwei kriegsstarke Schwa­dronen des Leib-Garde-Husaren-Regiments unter dem Befehl des Regimentskommandeurs Grafen Dosna machten gestern morgen um 8 Uhr den Anfang; sie reiten hin und zurück. Die Fußtruppen wurden mit der Bahn befördert. Der Besuch des Kaisers Franz Josef in der Kaserne des Kaiser- Franz-Regiments ist auf morgen nachmittag P/2 Uhr cm- gesetzt. Das Regiment steht bei der Ankunft seines Chefs in Parade. Um 6 Uhr findet im Offiziers-Kasino ein Festesten zu 125 Gedecken statt.

Der Reichsanzeiger schreibt: Die Kaiserin Friedrich hatte die Absicht, zur Feier der Großjährigkeitserklärung nach Berlin zu kommen. Sie mußte dieselbe indes wieder aufgeben, da ihre Gesundheit noch der Schonung bedarf.

Kaiser Franz Josef hat der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung zufolge nach dem Einzuge in Berlin dem deut­schen Kaiser die Würde eines österreichischen Ge­neralfeldmarschalls übertragen.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung begrüßt heute an der Spitze ihres Blattes die mit dem Kaiser von Oesterreich zur Feier der Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinzen hier eingetroffenen deutschen und fremdländischen Fürstlichkeiten. In dem Artikel heißt eS u. a.:

Als Vertreter des Kaisers von Rußland begrüßen wir mit beson­derer Genugthuung den Großfürst Constantin Constantinowitsch, deffen Erscheinen zur Großjährigkeitserklärung des deutschen Kronprinz'n ein neuer Beweis für die Fortdauer der alt überlieferten Freundschaft zwischen dem deutschen und russischen Kaissrhause und zwischen dem deutschen und russischen Reiche ist. Herzliche Sympathieen begegnen dem Prinzen von Neapel, in dem wir den edlen Sohn des ritterlichen Königs Umberto ehren, der, wenn Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz ich die Hand reichen, im Geiste mit seinen beiden Verbündeten vereint ist. Das unserer Kaiserfamllie nahe verwandte englische Königshaus entsendet in der Person des Herzogs von Dork einen dereinst zur Thronfolge berufenen Prinzen als willkommenen Ueberbringer von Glück­wünschen der ehrwürdigen Herrscherin des britischen Lottes.

DemBerl. Tagebl." zufolge hat die Stadt- vertretung von Mährisch-Neustadt, die deutsch- national gesinnt ist, gestern an den Oberbürgermeister von Berlin ein Telegramm gesandt, worin sie eingedenk der Zusammenkunft des Kaisers Josef II. mit dem Köuig Fried, rich IL in Mährisch-Neustadt der deutschen Reichshauptstadt treuen deutschen Gruß und Glückwunsch darbringt.

Der Kronprinz von Italien traf um 5 Uhr auf dem Anhalter Bahnhof ein und wurde vom Kaiser, dem Kronprinzen und den anderen Kaiserlichen Prinzen, dem Prinzen Heinrich, den Mitgliedern der italienischen Bot­schaft und dem Ehrendienste empfangen. Am Bahnhofe hatte eine Kompagnie des 4. Garde-Grenadier-Regiments z.F. Aufstellung genommen. Die Musik spielte bei der Einfahrt des Zuges den italienischen Königsmarsch. Der Prinz von Neapel trug blaue Husarenuniform.

Der Vertreter des Zaren bei den Feierlichkeiten traf heute abend aus Petersburg auf Bahnhof Friedrichsttaße ein und wurde von dem russischen Botschafter Grafen Osten von der Sacken mit dem Personal der Botschaft empfangen. Eine Ehrenwache des Kaiser-Alexander-Garde-Grenadier- Regiments paradierte. Die Deputation des russischen Gre­nadier-Regiments König Friedrich Wilhelm III., a la suite dessen der Kronprinz steht, ist aus Warschau angelangt.

lieber die Veranschlagung des Waldkapital­wertes zu Zwecken der Besteuerung.

Gießen, 5. Mai 1900.

Die neue hessische Steuergesetzgebung hat an Stelle der Grund-, Gewerbe- und Kapitalrenten-Steuer eine ein­heitliche Vermögenssteuer eingefühtt. Jnfolgedeffen sind die Privat-Forstverwaltungen aufgesordert worden, die Boden- und Holzvorratswerte der ihnen unter­stellten Forstreviere zu deklarieren. Da dies innerhalb kurzer Frist geschehen soll, so kann es sich selbstverständlich nur um eine annähernde Veranschlagung handeln. Eine an mich gerichtete Anfrage veranlaßt mich, für solche Ab­schätzungen einen Berechnungnungsmodus öffentlich in Vor­schlag zu bringen, der im nächsten Hefte der Allg. Forst- und Jagdzeitung näher ausgeführt werden wird und im wesentlichen auf folgenden Erwägungen beruht.

Bekanntlich ist, wenigstens bei Hochwaldungen, der bei weitem größte Teil deS Kapitalwettes in dem stockenden Holzvorrat enthalten der kleinere Teil steckt im Boden. Folglich wird e? zweckmäßig sein, bei der Ab­schätzung von dem ersteren, dem thatsächlich vor­

handenen Holzvorrat, auszugehen. Dieser wird bei den nach neuester Vorschrift ausgeführten Betriebsregulierungen ziemlich genau ermittelt, läßt sich aber auch auf Grund einer Altersklaffentabelle, wie sie wohl für jedes ordnungsmäßig verwaltete Revier vorliegt, summarisch veranschlagen. Die so ermittelte Holzmaffe (in Festmetern) wäre dann noch mit dem durchschnittlichen Einheitswerte (pro Festmeter) zu multiplizieren, der natürlich, da eS sich um größtenteils