Ausgabe 
8.5.1900 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

-üar-ÄallW i Tewrdes. tior; u. 40 «pfci. bet 1 & Krumm,

iedi

g «

im le­nd Aus­land.

Cii

28«ö i D m. V

tück

r, H. Kühn, darktahu« i, sraweg l

ie mit äk*' n.gröi*tpB angeboten

ilich.

11200.

into

£*

mit den , Taugen,. rilmprao"cn71-

nie-

Tftfifl un6 °A ,7'A^

K. xoS

'Wlt

Sonntag den 6. Mai

W. 105 Fünftes Blatt.

Amts- nnb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

<y.» tyt-v- tx

Alle Anzeigen-BerrnittlungSstellen del In« und AuSlaudeL »ehmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

GratisbeUagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Den Glanzpunkt der Feststraße, über die Kaiser Franz Josef seinen Einzug vom Potsdamer Bahnhof zum König­lichen Schlosse hielt, bildete der Pariser Platz. Die Tri­bühnen waren von der Damenwelt mit Beschlag belegt; dicht am Aufgang der südlichen saßen die weißgekleideten städtischen Ehrenjungfrauen, Fräulein Kirschner, Fräulein Knoblauch und Fräulein Jacobi, mit ihren Müttern.

Polizeipräsident v. Windheim und Polizeioberst Krause reiten mit ihren Adjutanten zum Schloß vorüber. Dann, etwa 10 einviertel Uhr, in rasender Pace vorübersprengende Meldereiter der Schutzmannschaft. Die Gardes du Corps reiten durch das Mittelportal ein, langsam und feierlich rollt der vierspännige Prachtwagen, der die Monarchen birgt, näher. Stolz und aufrecht, in bewegungsloser Ruhe Kaiser Wilhelm; ihm zur Seite mit freundlichen Zügen, das Antlitz leicht gerötet, Kaiser Franz Josef, den die große preußische Generalsuniform vorzüglich kleidet.

Oberbürgermeister Kirschner und Stadtverordneten­vorsteher Dr. Langerhans treten vor und begrüßen mit tiefer Verbeugung die Herrscher. Kaiser Franz Josef blickt den Oberbürgermeister Kirschner, der das Wort ergreift, freundlich an und neigt sich, die Hände leicht ineinander gelegt, aufmerksam nach vorn, seiner Rede zu lauschen.

Die Ansprache des Oberbürgermeisters.

Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster Kaiser und König!

Beim Eintritt Eurer Kaiserlichen und Königlichen Majestät in die Hauptstadt des Deutschen Reiches ent­bieten wir Namens der Bürgerschaft ehrfurchtvollsten und herzlichsten Willkommengruß.

Dieser Gruß gilt vor allem dem erhabenen Freunde des Hohenzollernschen Fürstenhauses. Ein treuer Bun­desgenosse der ersten drei Kaiser des neu erstandenen Deutschen Reiches, erscheinen Euere Kaiserliche und Königliche Majestät heute in unserer Stadt, um die Feier der Großjährigkeitserklärung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen durch Euerer Maje­stät Gegenwart zu einer besonders weihevollen zu ge­stalten, die Bande, welche Euere Majestät mit dem künf­tigen Träger der Hohenzollern-Krone schon von dessen

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieh«.

Fernsprecher Nr. 51.

Erscheint täglich nur Ausnahme des

Montag-.

Die Gießener Nnmilienblätter werden dem Anzeiger im Wechsel mitHess. Landwirt" u.Blätter für Hess. Volkskunde" wSchtl. 4 mal beigelegt.

ralstabes, General der Kavallerie Graf v. Schliessen, der kommandierende General des Garde-Korps v. Bock und Polach und die übrigen direkten Vorgesetzten der Leib- kompagnie. Außerdem war der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Graf von Bülow anwesend. Um 9 Uhr 45 Min. fuhr der Kronprinz in der Uniform des ersten Garde-Regiments, geschmückt mit dem Bande des Stephans-Ordens, und mit ihm zugleich die Prinzen Eitel- Fritz und die jüngeren Brüder, die das Band des schwarzen Adler-Ordens trugen, vor. Der Kronprinz reichte den ihm persönlich bekannten Offizieren die Hand, dann zogen die Prinzen ihre Degen und traten bei ihren Zügen ein. Der Kronprinz stand auf dem rechten Flügel des ersten Zuges, den zweiten Zug führte Prinz Eitel-Fritz, den dritten Prinz Adalbert. Die Prinzen August Wilhelm und Oskar waren Fahnen-Offizerei. Kurz vor zehn Uhr verkündeten Hurrah- rufe das Rahen des Kaisers, der in offener Schimmel- Equipage vorfuhr. Kaiser Wilhelm trug österreichische Ge­nerals-Uniform, lichtgrünen Federbusch auf dem Dreispitz, über dem weißen Uniformrock das grünrote Band des Stephans-Ordens, rote Beinkleider mit Goldborden. Der Monarch begrüßte seine Grenadiere mit einem lauten Guten Morgen", und dröhnend tönte der Gegengruß durch die weite Bahnhofshalle. Der Kaiser schritt die Front ab und nickte seinen Söhnen fteundlich zu, dann wandte er sich zu der am linken Flügel aufgestellten Generalität und zu den österreichischen Reserveoffizieren.

Punkt 10 Uhr fuhr der österreichische Hofzug in den Bahnhof ein, der Kaiser eilte entblößten Hauptes seinem Gast entgegen. Kaiser Franz Josef entstieg in jugendlicher Frische seinem Salonwagen; er trug die Uniform seines Grenadierregiments mit Generalsabzeichen. Auch er hatte den Generalshelm in der Hand, beide Monarck>en um­armten und küßten sich herzlich. Kaiser Franz Josef schüt­telte dann verschiedenen der preußischen Generäle kräftig

^us die Monarchen sich dem linken Flügel näherten, intonierte die Regimentskapelle die österreichische Volks- Hymne:Gott erhalte Franz den Kaiser". Kaiser Franz Josef salutierte nun die Fahne, er schritt rüstig und mit jugendlicher Elasttzität die Front ab. Dann schwenkte die Kompagnie zum Parademarsch ab, die kaiserlichen Prinzen als Zugführer und Fahnenoffiziere auf ihren Platzen. Kaum war der rhythmische Marschttitt verhallt, so verließen die Monarchen den Bahnhof und bestiegen den mit vier Trakehner Rappen a la Daumont bespannten Wagen. Biel bewundert wurde das österreichische Gefolge, namentlich der Minister des Auswärtigen, Graf Goluchowski, der gleich bei der Ankunft mit seinem deutschenKollegen", dem Grafen Bülow, ein sehr lebhaftes Gespräch geführt hatte dann die General-Adjutanten, General der Kavallerie Graf Paar, Feldzeugmeister Graf Bolfras, der Chef des General­stabes, Feldzeugmeister Freiherr v. Beckh und alle die übrigen in ihren schmucken und blitzenden Uniformen.

Auf dem Pariser Platz.

rttta aittfrtft der fötofe I Leopold in der Uniform seines österreichischen Husarew-

Die Feierlrchketten aus -»nnry oer regirnents. Ferner trafen ein der Chef des Großen Gene-

jährigkeitserklärrrng des Kronprinzen 1 --------- -- --

Rebeftien, Expedition und Druckerei:

AAnkßratze Ar. 7.

Annahme von Anzeigen zn der nachmittag Mr den Mftnbffi Tag erscheinender. Nummer bt8 vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.

II. I

Ein blauer Frühlingshimmel lacht nieder auf die I Reichshauptstadt, in goldenes Licht getaucht sind die Plätze, I eine froh gestimmte und festlich gekleidete Menge flutet durch die beflaggten Straßen. Berlin begeht heute einen I Feiertag in jener fteudigen Erregung, die alle Ereignisse, I die das vaterländische Gefühl bewegen, immer zu begleiten I pflegen. Namentlich ist es auch ein Feiertaa für Jung- I Berlin, die kecken Jungen und Mädchen sind den dumpfen I Schulstuben und dem Bakel des Magisters entronnen. I Leuchtenden Auges folgen sie in echt kindlicher Freude den I farbenprächtigen Vorgängen.

Der Empfang des Kaisers Franz Joses in Frankfurt a. Oder.

Eine halbe Stunde vor der festgesetzten Ankunftszeit I nahm eine Ehrenkompagnie des Leib-Grenadier-Regiments I König Friedrich Wilhelm III. mit der Regimentsmusik auf | dem Bahnsteig Aufstellung. Auch der Magistrat von Frank- I furt a. O. war erschienen, ferner bemerkte man den öfter- I reichisch-ungarischen Botschafter in Berlin, Szögyeny-Ma- I rich. Um 7 Uhr 56 Min. lief der kaiserliche Zug ein. Die I Musik intonierte die österreichische Volkshymne und Kaiser I Franz Josef entstieg dem Salonwagen. Er schritt zuerst I an die Herren des Ehrendienstes heran, begrüßte dieselben I und nahm vom Kommandanten des 3. Armeekorps, Ge- I neräl Lignitz, den Frontrapport entgegen. Der Kaiser ging I hierauf die Ehrenkompagnie ab und ließ sie an sich vor- I oeimarschieren. Nach kurzer Unterhaltung mit den Herren I des Ehrendienstes und dem österreichisch-ungarischen Bot- I schafter bestieg der Kaiser wieder den Salonwagen und mit I chm die Herren des Ehrendienstes. Als der Zug um 8 Uhr I 6 Min. aus dem Bahnhof ftihr, spielte die Musik abermals I die Volkshymne. Der ganze Aufenthalt dauerte zehn Mi- I nuten.

Auf dem Borplatz deS Potsdamer BahuhosS in Berlin.

Kurz nach 9 Uhr ritten die Gardes du Corps ein, die dem! Wagen der Monarchen als Eskorte dienen sollten. Auf das Kommando des Regimentskommandeurs Grafen Hohenau ritten die Gardes du Corps vor die b umenge- | schmückte Rampe und formierten sich dort in zwei Miedern. Nun kamen in langem Zuge.Hofwagen an, die Oberstall- meister Graf Wedel Revue passieren ließ. Der Komman­dant von Berlin, Generalmajor von Ende, besichttgte ine militärischen Aufstellungen, und Polizeioberst Krause in­spizierte zu Pferde in Begleitung seiner Adjutanten den Sicherheitsdienst. Freudig empfangen, fuhren jetzt Prmz Eitel Fritz und die jüngeren Kaiserlichen Prinzen heran, und Punkt halb 10 Uhr erschien der Kronprinz, der unaus­gesetzt die Grüße des Publikums erwiderte. Nachdem noch Prinz Friedrich Leopold von Preußen, Prinz Joachim Al­brecht, Prinz Aribert von Anhalt eingetroffen waren, kün­digten Hochrufe das Herannahen des Kaisers an, der mit dein Prinzen .Heinrich in einer zweispännigen Equipage die Rampe hinauffuhr. Kurze Zeit darauf dröhnte aus der Halle die Musik der dort aufgestellten Ehrenkompagnie, der Zug des Kaisers von Oesterreich war eingelaufen. Bald rückte die Leib-Kompagnie mit klingendem Spiel ab, ein prächtig adjustierter a la Tuumont bespannter Wagen mit Spitzenreitern fuhr auf, und nach wenigen Minuten traten aus den Empfangszimmern die beiden Kaiser hervor und besttegen die Equipage. Jetzt brach ein nicht enden­wollender Jubel aus. Kaiser Franz Josef dankte, heiter lächelnd, nach allen Seiten hin, und Kaiser Wilhelm war sichtlich auf das freudigste davon berührt, daß die Ber­liner seinem Kaiserlichen Verbündeten einen so überaus ivarmen und herzlichen Empfang schon beim ersten Be­treten des Berliner Bodens bereiteten. Von den Gardes du Corps eskortiert, fuhren die Herrscher nach dem Pots­damer Platz zu. Den beiden Kaisern folgten in einer zwei­spännigen Equipage der Kronprinz und Prinz Heinrich, und darauf verließen Prinz Albrecht, die anderen Fürstlich­keiten und das Gefolge den Bahnhof.

Schon vor neun Uhr war die Leibkompagnie des ersten Garde-Regiments zu Fuß mit der Fahne des ersten Ba­taillons, den Spielleuten und der Regimentsmusik von Potsdam gekommen. Zuerst erschien der Polizeipräsident o. Windheim in Gala-Uniform, dann kamen ine Mmen und Herren der österreichisch-ungarischen Botschaft und der Verein der österreichisch-ungarischen Reserveoffiziere, an ihrer Spitze die hohe Gestalt des Schlachtenmalers A. d. Kossak in österreichischer Dragoner-Uniform Von halb 10 Uhr an trafen dann die zum Empfang kommandierten Generale und die bei den Garde-Regimentern stehenden Fürstlichkeiten ein. Es erschienen Prinz Aribert von An­halt, der Erbprinz von Sachsen-Altenburg, Prinz Albert öon Holstein und der Erbprinz von Hohenzollern. Es kamen dann Prinz Heinrich und Prinz Friedrich Leopold Don Preußen, ersterer in AdmiralsMÜform, Prinz Friedrich

Tauffeier an verbinden, noch enger und fester zu knüpfen. Die Bürgerschaft dieser Stadt, seit Jahrhunderten ge­wöhn!, innigen Anteil zu nehmen an den Freuden und Ehren ihres Fürstenhauses, dankt Euerer Majestät fteu­digen Herzens für diesen neuen Beweis Kaiserlicher Huld und Gnade. Der Gruß gilt zum anderen dem mächtigen Herrsck)er der österreichisch-ungarischen Staaten, welche dem Deutschen Reiche benachbart und befreundet, mit demselben durch vielfache gemeinsame politische, wirt­schaftliche und geistige Interessen eng verbunden sind. Der GriM gilt nicht zum letzten dem ehrwürdigen Frie­densfürsten, welcher seit Jahrzehnten in treuer Bundes­genossenschuft mit den Deutschen Kaisern rastlos, eifrig und erfolgreich bemüht ist, den eigenen Völkern und, soweit möglich, den Völkern des Erdreichs die Segnungen des Friedens zu erhalten, ihnen den ftiedlichen Wett­bewerb in dem Streben nach ihrer eigenen Wohlfahrt wie nach den höchsten Gütern der Menschheit zu ermög­lichen.

Reich gesegnet seien die Stunden, ivelche Euere Kaiserliche und Königliche Majestät in dieser Stadt Der» 'weilen! Reich gesegnet für die Fürsten, reich gesegnet für die Völker!

Die Antwort des Kaisers Franz Josef.

Freundlich lächelnd erwiderte Kaiser Franz Josef auf die Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters:

Ich danke Ihnen, Herr Bürgermeister, für die herz­liche Begrüßung und bin hocherfreut über den präch­tigen Empfang, den Mir die Stadt Berlin durch ihre Vertreter bereitet hat. Ich sehe darin einen neuen Be­weis, daß die unverbrüchliche Freundschaft, die Mich mit Ihrem erhabenen Herrscher vereint, auch hier wie bei uns in der Bevölkerung vollen Widerhall findet. M ,,at

Ich bitte Sie, der Bürgerschaft der Reichshauptstadt Meinen herzlichen Dank und Gruß zu entbieten -

»ä= ssssäi ss* ------ Überraschend war.

1900

Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholesteüeo vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg.

Bei Possbezug Mk. 2,40 vierteljährl.

mit Bestellgeld.

Kiehener Anzeiger

Heneral-Anzeiger