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Rr. 56 Erstes Blatt. Domikrstaa den 8. März
1900
Gießener Anzeiger
General-Unzeiger
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Der „deutsche" Kmrful in Aden ein englischer Unterthan!
In der Neichstagssitzung am Donnerstag hatte der AvterstaatSsekretär v. Richthofeu auf eine Anfrage des Abg. Liebermann von Sonnenberg hinsichtlich des unwürdigen Benehmens des „deutschen" Konsuls bei Beschlagnahme des Postdampfers „General" in Aden durch die Engländer nur die nichtssagende Antwort, der Regierung sei eine Nachlässigkeit des genannten Herrn nicht bekannt geworden. Jetzt wird den „Münch. N. Nachr." bezüglich des Adener Konsulats von einer über die dortigen Verhältnisse wohlunterrichteten Seite geschrieben:
Herr Schmuck, der deutsche Konsul in Aden, ist ein Kaufmann, aber kein Berufskonsul; er ist in Hamburg geboren, und war bis vor wenigen Jahren auch deutscher Unterthan, sand aber, daß er, als großer Kaufmann in Aden, von seiner deutschen Unterthanenschaft gar keinen Nutzen habe — und wurAe deshalb englischer Unterthan. Er hatte eine Engländerin zur Frau, und er ist selber durch und durch englisch gesinnt. Es kann lounder nehmen, daß Deutschland an einem so hochwichtigen Ort wie Aden, dessen Bedeutung man in Europa, aus Unkenntnis der Verhältnisse, ganz unterschätzt, keinen deutschen Berufskonsut hat. Sowohl Frankreich als Amerika haben solche. Ein deutscher Berufskonsul in Aden könnte eine sehr ersprießliche und weitreichende Thätigkeit entfalten.
Zu näherem Verständnis der Eigenart dieses sonder« 4>aren Herrn, dem in Aden die Vertretung des deutschen Reiches anvertraut ist, wiederholen wir aus den im Januar von uns abgedruckten Briefen von Angenzeugen der Beschlagnahme hier noch einmal die Stellen, die sich mit der Thätigkeit oder vielmehr Unthätigkeit dieses Herrn „Konsuls" beschäftigen. In dem Briefe heißt es:
„Also der Kaiserlich deutsche Reichspostdampfer unter neutraler Flagge, nur neutrale Häfen anlaufend, wird in einem der ersten Häfen seiner Reise trotz deklarierter und amtlich beglaubigter Listen über Ladung und Passagiere und trotz persönlicher Versicherungen strengster Neutralität einfach festgehalten, mit kriegerischer Macht besetzt, ausgeladen unter dem Schutze drohender Geschützmündungen, sein Inhalt durch rohe und frivole Behandlung zerstört, zahlreiche Passagiere in ihrem Beruf und ihrer Freiheit beeinträchtigt, und — am zweiten AbenderstwagtsichderdeutscheKonsulzum ersten Male verstohlen an Bord, um einmal zu sehen, was die Herren der Meere denn eigentlich mit seinen lieben Landsleuten angefangen haben. Ein schwacher Trost für uns arme hilflose Deutsche!"
Ein Brief eines anderen Passagiers an die „Hamb. Nachr." beschwerte sich vor allem darüber, daß der deutsche Konsul in Aden den empörenden Vorgängen ruhig zu- gesehen habe. ES heißt in dem Schreiben:
„Es war für uns Deutsche nun ein außerordentlich erhebendes Gefühl, wie englische Marinesoldaten mit geladenem Gewehr an Bord kletterten, auf Deck Gewehr bei Fuß antraten, und zum Patrouillieren kommandiert wurden. Noch erhebender war es indessen, daß bei dieser so ganz unwichtigen Sache wir armen Kriegsgefangenen während fast zwei voller Tage und Nächte vergebens nach der deutschen Konsulatsflagge aus- schauen mußten. Um so unbegreiflicher war diese glänzende Abwesenheit des Konsuls, da dieser Herr zugleich Agent der Linie ist. Erst am 5., spät nachmittags, erblickten wir endlich die ersehnte Flagge, nachdem der Kapitän am 4. persönlich seinen , schriftlichen Protest gegen die englischen Maßregeln auf dem Konsulat hinterlegt hatte.
Wir Passagiere haben einen Protest beim deutschen Konsul hinterlegt, in dem wir von der englischen Regierung vollen Schadenersatz für den uns durch die widerrechtliche Beschlagnahme des Schiffes erwachsenen Geld- uud Zeitverlust fordern. Allerdings, wenn der betreffende Herr sich unserer Ansprüche ebenso thatkräftig annimmt, wie unserer selbst, haben wir nicht viel zu hoffen."
Durch die englische Staatsangehörigkeit des Herrn Schmuck wird sein empörendes Benehmen einigermaßen erklärt. Wie dürfte ein englischer Unterthan auch nur mucksen, wenn die Marine-Söldner der Queen sich ein Recht anmaßen, die völlig unverdächtige Ladung eines deutschen Schiffes zu durchwühlen, und sich dabei so zu betrinken aus den.vorgefundenen Vorräten, daß sie, wie in diesem Falle, an Land geschafft werden mußten. Von einem Herrn Schmuck, dem sein nationales Bewußtsein so beiläufig aus „Geschäfts"rücksichten abhanden gekommen ist, darf man es allerdings nicht erwarten, daß er seiner Amtspflicht genügt.
Aber kann Deutschland schon solche Existenzen, die ihre Nationalität wie die Hemden wechseln, nirgends als Pioniere deutscher Kultur gebrauchen, auf den Posten eines deutschen Konsuls gehört eine derartige Limonadenseele schon garnicht.
Wir empfehlen übrigens Herrn v. Richthofen, etwas mehr Zeit auf die Lektüre der Zeitungen zu verwenden, damit er sich nicht wieder hinter den Vorwand verkriechen kann, ihm sei über solche Vorgänge nichts bekannt. Oder liest Herr v. Richthofen außer dem „Reichsanzeiger" nur noch englische Zeitungen?
Andererseits hat man es ganz vergessen, wie man noch vor einem halben Jahre das Volk in der Anschauung erzogen hat. England sei der „Erbfeind" Deutschlands. Der Zeitung, die etwa noch an das Krüger-Telegramm erinnern wollte, würde das sehr verübelt werden, als wollte sie „Mißtrauen" säen zwischen den Deutschen und ihren „Vettern", den Angelsachsen. Ebenso kommt derjenige jetzt in den Ruf eines „Reichsfeindes", der einer Annäherung an Frankreich das Wort redet, also nur der Politik vom letzten Jahre treu bleibt. Man thut in Berlin, als ob es kein CoweS gebe, wo man „geschnitten", kein Samoa, wo man an der Nase herumgeführt wurde. Und wenn heute ein deutsches Witzblatt etwa das geschmacklose Bild reproduzieren wollte, das kurz nach der Krügerdepesche erschien, und in dem die Großmutter in Windsor ihren Enkel überlegt und mit Ruten traktiert, so würde wahrscheinlich der Staatsanwalt nicht zugeben wollen, daß dieses Bild und noch weit schlimmere im englischen Witzblatte „Punch" gestanden, das in England so viel gelesen wird, wie bei uns die „Fliegenden Blätter".
Ja, es hat sich viel geändert! Man hat den berüchtigten Rhodes in Berlin empfangen, obgleich er nicht einmal im Frack, geschweige denn in Knieehosen u. s. w., sondern echt englisch im Hellen Sommeranzug, die Hände in den Taschen, erschienen war. Die Regierungsmänner haben auch den gleichwertigen Beit empfangen, einen der schäbigsten Juden und Hallunken, den die Erde trägt, und mit ihm unterhandelt. Man ist nach England gefahren, und hat dort in vertraulichem Gespräche mit Chamberlain und Balfour konversiert, derweil die Buren gegen englische Habgier und Raublust im Felde standen, und seit der Zeit sind allerhand Lieblichkeiten über den Kanal hinüber und herüber ausgetauscht worden, während man an die französische Grenze immer finstere Wolken schob.
Um aber dem Ganzen die Krone aufzusetzen, berichtet der offiziöse „DailyTelegraph" daß der deutsche Kaiser anläßlich des Sieges Roberts und der Kapitulation Cronjes der Königin Viktoria und dem Prinzen von Wales gratuliert hat. Wahrlich, unter dem Donnerwetterkurse, dem Kurse der Plötzlichkeiten und Ueberraschungen gehört Ben Akiba unter das alte Eisen! Das hat sich vor vier Jahren doch gewiß niemand träumen lassen. Es macht zwar dem Enkel der Königin Viktoria alle Ehre, wenn er Anteil nimmt an dem Geschicke der englischen Waffen, allein über dem Enkel stehtder Kaiser, stehen die Interessen des Reiches, welche allen verwandschaftlichen Gefühlen vorangehen, und so ist anzunehmen, daß die sensationelle Nachricht des „Daily Telegraph" unrichtig ist, obwohl sonst gerade dieses Blatt von allen englischen Blättern noch am ehesten das Prädikat „verläßlich" verdient. Das deutsche Volk hat seine Sympathieen für die Buren so unzweideutig zum Ausdruck gebracht, daß es ein Spiel mit Kronen wäre, wenn man ihm von oben herab nun Sympathieen für die Engländer anbefehlen würde.
„Ein Spiel mik Kronen", — das wäre es nun allerdings nicht, die Zeit von 1848 kehrt nicht so leicht wieder.
* Vom Kriegsschauplatz.
Man kann im Hinblick auf die wenigen Nachrichten vorn Kriegsschauplatz die Lage nur mit dem Worte
„Ruhe vor dem Sturm" charakterisieren. Der Rückzug der Burenarmee aus Natal vollzog sich derart, daß eine Division unter Führung von Lucas Meyer über den Vanreenen-Paß nach Harrysmith zog und von dort mittels der Eisenbahn nach Bloemfontein befördert wurde, während die Hauptarmee unter Joubert über Glencoe nach der Transvaalgrenze abging. Unterdessen beschäftigten 1500 Buren den General Buller, der den Abzug der Hauptarmee nicht merkte. Burenabteilungen unter de Wet, de la Rey und Botha in Stärke von 5000 Mann
besetzten den Makawspaß gegenüber dem Lager des Feldmarschalls Roberts. Der „Standard" meldet aus Os- fontein vom 2. dieses Monats: „Unsere Vorposten sind eine Meile vom Feinde entfernt, der eine isoliert liegende Hügel-Gruppe südlich des Flusses, zehn Meilen östlich vom Standplatz unseres Heeres, besetzt hat. Die feindlichen Truppen werden auf 4000 Mann geschätzt. Sie sollen, wie es heißt, ihre Stellung verschanzen." Die Angaben über die Zahl der burischen Streitkräfte bezweifeln wir nach wie vor.
Aus Kapstadt, 5. März, wird der „Magdeburger Ztg." telegraphiert: Das Afrikanderblatt „Ons Land" bestätigt, daß sich der Entsatz vouLadysmith dadurch erkläre, daß Joubert seinen Rückzug am letzten Sonntag begann. Um den Eindruck zu erzeugen, daß dem Entsatz hartnäckig Widerstand geboten werde, ließ der Burengeneral eine Streitmacht am Grobelaars Kloos zurück. Der Rückzug Jouberts erfolgte daher mit vollem Vorbedacht. Die Belagerung von Ladysmith wurde aufgegeben, da eingesehen wurde, daß die Besatzung nur durch Hunger zur Uebergabe gezwungen werden könnte. Auch machte die Lage an der Westgrenze die Aufhebung der Belagerung notwendig. Nachdem jetzt das erste Kriegsstadium vorüber sei, würden die Republikaner ihre Taktik ändern. Während der ersten fünf Monate des Krieges hätten sie die Offensive ergriffen; jetzt beabsichtigen sie, lediglich in der D e f e n s i v e zu bleiben.
Cronjes Kapitulation und Reise iu die Gefangenschaft.
Aus London wird berichtet: Lord Roberts' Worte beim Empfange Cronjes waren: „Ich freue mich, Sie zu sehen; ich freue mich, einen so tapferen Mann zu bekommen." Cronje und Frau gingen furchtbar niedergeschlagen zum Bahnzuge, „wie zum Schaffst steigend", drückt sich ein Korrespondent aus. Cronjes Lager enthielt keinerlei Nahrung oder Futter mehr. Cronje war mit de Wet in steter heliographischer Verbindung gewesen. Am Montag heliographierte er an de Wet, er müsse sich, falls ihm nicht raschest Entsatz gebracht werde, ergeben. De Wet heliographierte noch Dienstag früh, Cronje solle aushalten, denn er komme. Es war aber z u spät. Dienstag nachmittag wurde Cronjes Lager von allen dienstfreien Soldaten "besucht und jeder Winkel durchforscht. Die Soldaten durften, nachdem die Ausrüstungsgegenstände entfernt worden waren, nehmen, was sie wollten, und trugen Kleider, Kessel, Tassen und Regenschirme davon.
Cronje und Frau passierten am Mittwoch die Oranje- river-Station. Der Bahnhof war selbst für Offiziere ab> gefperrt. Cronje sah elend und leidensvoll aus. Er betrat das Speisezimmer mit seiner Frau, seinem Enkel und dem Sekretär. Der eskortierende General und dessen Suite setzten sich an denselben Tisch. Etliche Minuten lang bedeckte Cronje das Gesicht mit beiden Händen und betete.
Die Kosten des Krieges für England.
Dem Londoner „Statist zufolge wird die Regierung für die Zwecke des Krieges eine Anleihe von sechzig Millionen Pfund (1200 Millipneu Mark) machen, von denen 8 Millionen bereits aufgenommen sind. Zur Bestreitung der laufenden Ausgaben des Landes wird der Schatzkauzler genötigt fein, die Tabaksteuer um 8 Pence pro Pfund zu erhöhen, die Biersteuer um einen Schilling pro Faß, die Steuer auf Spirituosen um einen Schilling pro Gallon und die Einkommensteuer um einen Penny pro Pfund Sterling. Das würde zusammen die Steuereiu- fünfte um sieben Millionen Pfund Sterling erhöhen. 'Der „Birmingham Post" zufolge erhalten die Zollbehörden in den Häfen bereits versiegelte Instruktionen, sodaß'die erhöhten Zölle erhoben werden können, sobald das Parlament am nächsten Montag die ersten notwendigen Vollmachten erteilt hat.
Wir fügen noch folgende Meldungen an:
Berlin, 6. März. Nach hier eingegangenen Londoner Meldungen haben die Engländer am Montag unter General Gatacre Stromberg ohne Widerstand besetzt.
— Wie „Daily Telegraph" aus O st f o n t e i n erfährt, deckt die Stellung der Buren 18 Meilen am Südufer des Modder. General Freuch hatte Ende vergangener Woche wiederum ein erfolgreiches Scharmützel mit dem Feinde.
— Nach einer Londoner Depesche des „Bert. Lok.-Auz." hat General Buller beschlossen, eine Zeit lang a l l e Menschen aus Ladvsmith zu entfernen. Tie Garnison und die Einwohner begannen die Räumung am Freitag, und eine große Anzahl folgte am Samstag. Die am Freitag Ausgezogeueu erreichten das Lager am Moor River im Zustande völliger Erschöpfung. Sie bleiben einige Tage dort, um sich zu erholen. In den Stellungen der Buren fand man mehrere frische Gräber, aus denen Arme und Beine der Leichen hervorragten. Acht Tage ist niemand gestattet, Ladysmith zu betreten.


