Ausgabe 
7.12.1900 Erstes Blatt
 
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1900

150. Jahrgang

Freitag den 7. Dezember

Kr, S87 Erstes Blatt

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Amts- «nd Anzeigeblatt für den Ureis Gieren

vor-

ZSezugspreis vierteljährl. Mr. 2,96 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnr durch die Abholkstelle» vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg.

Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.

5lht Anzeigen-VermittlungSstellen deS In» und AuSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

ItobeÜW», »rpkdition und Druckerei:

-ch»kßraße Ar. 7.

Amtlicher Heil.

Bekanntmachung.

Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glätter für hestische Volkskunde.__________________

Ende 1904;

b. der verstärkten Ersatz - Kommission an Stelle deS verstorbenen Bürgermeisters Faulstich zu Weitershaiu, für die Zeit bis Ende 1901;

c. der Körkommission für den Bezirk Grün- b e r g an Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Faul- stich zu Weitershain, für die Zeit bis Ende 1902. Gießen, 5. Dezember 1900.

Der Vorsitzende des Kreistages deS Kreises Gießen.

v. Bechtold.

Vvn Anzeigen zu der nachmittags für de« schmdm teg erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. »bd«strllungkn spätestens abenbS vorher.

schränken müssen, den staatlichen ^Grubenverwaltun gen die neuen Wege vorzuzeichnen. Hingegen ist nicht einzu­sehen, wie der teilweisen wucherischen Ausbeutung des. Kohlenmarktes durch den Zwischenhandel von Staats­wegen wirksam entgegengetreten werden soll, ohne die auf Angebot und Nachfrage sich, aufbauenden Kohlenprerse in eine staatliche Schablone hineinzuzwängen. Tas Beste zur Bekämpfung des Kohlenwuchers wird allemal von den Verbrauchern selbst durch festen Zusammenhalt und eine geeignete Berufsorganisation geschehen können. Tas Beispiel der von den Kohlenverkäufern gebildeten Orga­nisationen läßt deren Bedeutung für die Aufrechterhaltung eines gleichmäßigen Preisniveaus erkennen. Es ist nicht zu leugnen, daß die Kohlensyndikate unter Umständen ihre Macht zu übertriebenen Preissteigerungen miß­brauchen können. Die Möglichkeit solcher Folgen der Wirk­samkeit der Kartelle und Syndikate wird daher im Auge zu behalten sein, zu einem unmittelbaren Vorgehen gegen das rheinische Kohlensyndikat fehlen aber bisher sowohl die Handhaben als auch der Anlaß.

Adreffc für Depeschen: Anzeiger Hietkn« Fernsprecher Nr. 51.

Neben Herrn Bauer, dem geschätzten Frankfurter Gaste, treten die Darsteller der übrigen Rollen zurück. Nennenswert ist in erster Linie der Bürgermeister, den Herr Liebscher spielte, mit weniger Hochmut und Amtsdünkel, als man diesendummen Hans" sonst zu sehen pflegt, sogar mit einer Idee von Gemütlichkeit, namentlich im tete ä tete mit seinem Bruder. Das that im übrigen der Glaubwürdigkeit der Figur keinen Schaden, vielleicht sogar Nutzen; sie erhielt dadurch mehr Menschlichkeit. Auch gegen das Vermeiden deS sonst üblichen allzu Anämischen im Wesen dieses Mannes ist u. E. durchaus nichts einzu­wenden. Wenn Herrn Liebschers recht respektable Leistung etwas um ein kleines beeinträchtigte, so war es die von ihm so beliebte eigenartige Bewegung seiner Arme. Als Thomsen vermied Herr Kirchner die stärkere Parodie und that sehr recht daran. Seine Leistung war im ganzen ge­nommen einwandfrei. Aber ist denn dasVolksblatt" wirklich so ein Käseblatt, daß der Besitzer in blauer Schürze in seiner Druckerei herumirrt? Das dürfte selbst beim Hinterländer Anzeiger nicht der Fall sein. Herr di Balthyni wird eS nötig haben, auf sein Sprechen mehr Wert zu legen. Er überstürzt sich oft, verschluckt nicht nur Silben, sondern ganze Worte, ja halbe Sätze. Die Petra spielte Frl. Korn mit Natürlichkeit und Frische, hätte aber vielleicht noch etwas resoluter, auch in ihren Bewegungen, sein können.

Das Ensemble ging im übrigen gut zusammen, es wurde in flottem Tempo gespielt, und die Volksversammlung im 4. Akte war so lebhaft und wirkungsvoll arrangiert, als es sich machen ließ. P. W.

sein Dr. Stockmann, der den blöden Spießbürgern seiner | Vaterstadt ihre für sie selbst nicht erfaßliche pestilenzartige Lügenhaftigkeit ins Gesicht schreit, ein lebensfrischer Bursche von viel Humor ist, der sich mit dem Lumpengesindel in fröhlichster Laune herumschlägt. Herr Bauer spielt den Badearzt von vornherein sehr aufgeregt, mit einem Stich ins Konfuse, von A bis Z, wodurch die Gestalt an Ge­schlossenheit der Wirkung zweifellos gewinnt, obwohl der Unterschied zwischen dem Dr. Stockmann der ersten und dem der späteren Akte klar liegt. In der großen Rede des 4. Aktes vermißte ich jede Andeutung ihres Entstehens aus dem Stegreif; zu manchem unüberdachten Worte läßt er sich hinreißen, das er dann sofort wieder zurücknimmt. Eine solche gänzlich unvorbereitete Rede fließt doch nicht so überaus glatt und wohlgefällig von den Lippen eines Mannes, der Jahre lang in voller Abgeschlossenheit unter armseligster Felsküstenbevölkerung zugebracht hat. Anderen Einzelheiten im Spiele des Herrn Bauer bm ich seinerzeit bereits nachgegangen. Die kompakte Majorität der Zuschauer hatte Herr Bauer wie damals in Frankfurt, auch gestern bei uns in Gießen für sich; der Beifall, der ihm gezollt wurde, war ungewöhnlich stark, drei- bis viermal konnte er nach jedem Akte dem Publikum seinen Dank komplimentierend abstatten.

Wenn wir das Bedürfnis haben ehrlich zu sein, müssen wir uns fragen, wie wir einen solchen Wahrheits-, man ist fast versucht zu sagen: Narrheitsfanatiker wohl im Leben behandeln würden. Offenbar nicht anders als die Leute im Stücke es thun. Wir würden ihm die Fenster ein- schlagen. Es ist ein schönes Stück für die kompakte Majorität.....

Bekanntmachung.

8etrr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes die Abänderung der Gewerbeordnung vom 30. Juni 1900.

Wir bringen hiermit zur Kenntnisnahme der Jn- lireffenten, daß während der Zeit vom 10. bis 15.; vom 17, bis 22. und am 24. d. Mts. den Gehilfen und .Lthrllmgen eine kürzere Ruhezeit und Mittagspause, wie die in § 137 c rubrizierten Gesetzes vorgesehen, gewährt werden 'M, und daß die Läden, sowie die offenen Verkaufsstellen m t iefen Tagen bis 10 Uhr abends offen gehalten werden Alfln.

Gießen, den 3, Dezeember 1900.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Hechler.

ÄM

M.ntagS.

Die Gießener Jemtlienvtätter Mttn dem Anzeiger ^»echstt mitHess Smb»ktw ».Blätter flk ML Volkskunde- *ttl. 4wtl beigelegt.

Gießener Anzeiger

Hmeral-Anzeiger

BamStag, 15. Dezember lfd. 3^

mitt agS 11 Uhr, findet im Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung deS Kreistages deS Kreises Gieße» mit folgender Tagesordnung statt:

1, Wahl eines Mitgliedes:

a. des Kreisausschusses an Stelle des zum Prä­sidenten des Finanzministeriums ernannten Ober­bürgermeisters Gnauth zu Gießen, für die Zeit bis

Volttische Tagesschau.

Wir lesen neuerdings in der nationalliberalen Mün­chenerAllg. Ztg.":An die Mitteilung vom Ausscheiden des Abg. Fr'hrn. v. Heyl zu Herrnsheim aus dem Verbände der nationalliberalen Reichstagsfraktion knüpft dieFreis. Ztg." die Vermutung, es sei jener Schritt aus gekränkter Eitelkeit" erfolgt; Herr v. Heyl sei darüber entrüstet gewesen, daß man ihn nicht seitens der Fraktion vor dem Äbg. Hilbck in der Debatte über die Kohlenfrage zum Worte zugelassen habe. Wir sind unsererseits der Ansicht, daß dieses Moment höchstens zum Anlaß gedient hat, die Differenzen, die zwischen dem Ge­nau n t e n uni) verschiedenen einflußreich^n Mitgliedern der Fraktion in Bezug auf die Be­urteilung so mancher wirtschaftspolitischer Fragen s ch o n seit längerem bestehen, in entscheidender Form zum Ausdruck zu bringen. Herr v. Heyl, liebte es, hier und da ohne Rücksicht auf die Vorschriften des Parteikatechis­mus seine eigenen Wege zu wandeln; namentlich standen seine Auslassungen über agrarische und z oll- politische Fragen wiederholt i m s ch r o f f e n G e g e n- satz zu dem, was dem linken Flügel der Par­tei in dieser Hinsicht als das Erstrebenswerte vor­schwebte. Wer es mit dem nationalen Liberalismus gut meint, der wird es indessen auf das tiefste bedauern, daß ein Mann dieses Schlages, an dessen aufrichtig natio­naler und zugleich echt liberaler Gesinnung jeder Zweifel ausgeschlossen ist, solcherart für die Zukunft verhindert sein wird, in der parlamentarischen Arena unter dem Banner der Fraktion zu streiten."

DieNatlib. Korr." schreibt u. a.: Vor uns liegt das Stenogramm der Rede, die Frhr. v. Heyl in Frank­furt gehalten hat. Darin ist allerdings der Lage des Tabakbaues in Süddeutschland eingehend Erwähnung

Hießener Hheaterverem.

Ei» Volksfeind.

Von Henrik Ibsen.

DenVolksfeind" von Ibsen wieder zu sehen, ist immer M Genuß; besonders in dieser Zeit, da der gute und große lichter bereits seit langen Jahren allenthalbendie kom- lp!l>e Majorität" hinter sich hat. Man könnte wohl sagen, Sie Menge habe sich in höchst geistreicher Weise an ihrem grimmigen Feinde gerächt, indem sie ihm bewundernd nach- jjufU wenn man das Nachlaufen von dem Standpunkte eines Jdealpsychologen erklären wollte. In Wahrheit macht Mch hier die kompakte Majorität im wesentlichen aus ihrem Mrschütterlichen Glauben an das Besserwissen der Minder- Wbl der anerkannten AuSerwählten den Erfolg; was 5h Majorität gefällt, ist das nur rein Aeußerliche, das Hkamatisch Effektvolle, wovon ja in dieses Stück der Dichter allerdings einiges wohlweislich hineingemischt hat.

Dieses trotzige Stück, bad so ganz von der Lust an »er großen Einsamkeit erfüllt ist, das uns soweit wert weg- tti&M von den Feigen, den Behaglichen, den VorteilSjagern, Dom. Gesinnungspöbel, wurde m der zweiten Hälftt des Swember in ben Ey-lus nordischer Dramen deS Fran^ Int« Schauspielhauses ausgenommen, und damals habe ich I»uhl über die Jbsensche Dichtung als über ,ene Franl- turl.tr Darstellung an dieser Stelle des Längeren mich auS- ch'wchen. Auch H-r'N Bauers m. E. nicht 9^8/"= «Mdsreie, aber doch recht gute Darstellung der Tn-lr°ll- ta ich damals eingehend behandelt. Ich habe dem heute nidjttg hinzuzufügen, sondern will nur wiederholen, daß

blems manchen schätzenswerten Beitrag geliefert, jedoch, so wird offiziös geschrieben, nicht dargethan, wo mit einer sicheren Aussicht auf Erfolg und ohne bedenklichen Eingriff in berechtigte Interessen der Reformhebel an­zusetzen wäre. Dennoch darf man den Wert der Aus­sprache nicht unterschfitzen. Aus ihr ging hervor, daß die Entwickelung der Kohlenkalamität von den zuständigen Organen der Regierung fortgesetzt aufmerksam verfolgt wird, aber auch, daß die bald vpn dieser, bald von jener Seite vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen, sofern sie über­haupt anwendbar sind, sich nid)t von heute auf morgen verwirklichen lassen, und nicht die gewünschte und er­wartete Wirkung ausüben würden.

Der Kohlenmangel und die Kohlenteuerung sind in ihren letzten Ursachen -durch ein Mißverhältnis z w i s ch e n A n g e b o t und Nachfrage hervorgerufen wie der Abg. Richter zutreffend hervorhob; die Kohlendecke ist zeitweilig zu kurz geworden. Diese Er­kenntnis muß der Ueberzeugung Vorschub leisten, daß nicht ein einziges Heilmittel die Gesundung des deutschen Kohlenmarktes zu verbürgen vermag-, sondern daß nur durch das Zusammenwirken der verschiedenen beteiligten Elemente den hervorgetretenen Uebelständen Einhalt ge­boten werden kann. In erster Linie wird darauf Bedacht zu nehmen sein, daß das Angebot an Kohlen in Zukunft der gewaltig gesteigerten Nachfrage in breiterem Umfange als bisher zu genügen vermag. Die Förderungsmenge des inländischen Kohlenmaterials ist, wie der preußische Minister für Handel und Gewerbe darlegte, sehr beträcht­lich gesteigert worden und wird in den nächsten Jahren infolge zahlreicher Neuanlagen weiter anwachsen. Zugleich sind der Einfuhr ausländischer Kohle mannigfache Er­leichterungen gewährt worden. Mit besonderem Nach­druck wird immer wieder betont, daß das Angebot be­deutend größer sein könnte, wenn nicht ein Teil der inländischen Kohlenförderung ins Ausland vergeben würde. Demzufolge wird gefordert, daß die noch be­stehenden Ausnahmetarife für die Kohlenausfuhr beseitigt, womöglich sogar Kohlenausfuhrverbote erlassen werden. Die Zweischneidigkeit und praktische Nutzlosigkeit solcher Maßnahmen ist im Reichstage erneut nachgewiesen wor­den. Es handelt sich hier um solche Eingriffe m die wirtschaftspolitischen Verhältnisse, die auf den ersten Blick ungemein verlockend erscheinen, bei eingehender Würdig­ung aber als eine bedenkliche Drangsalierung der ein­heimischen Kohlenindustrie und eine Schädigung zugleich der deutschen Kohlenkonsumenten sich Herausstellen.

Viel angefochten ist auch der Vertrieb der «geförderten Kohlen an die Abnehmer. In dieser Beziehung kann zweifellos noch manche Neuerung Platzgreifen. In welcher Weise hierbei Hand anzulegen ist, haben die preußischen Minister für Handel und für öffentliche Arbeiten ange­deutet. Die Negierungen werden selbstverständlich nicht verabsäumen, was in ihren Kräften steht, z«u thun, um den Wünschen der Konsumenten Rechnung zu tragen, ihre Mitwirkung wird sich jedoch in der Hauptsache darauf be-

Die Kohlenfrage im Reichstage.

Die Kohlenfrage, die dieser Tage infolge einer Jnter- Mation im Reichstage zur Verhandlung stand, hat die Pckamentarischen Vertretungskörper im Laufe der letzten Zchre wiederholt beschäftigt. Die Ursachen der Kohlen- Snwlcheit und Kohlenteuerung sowie die Zweckmäßigkeit dc>. gegen sie etwa zu ergreifenden Maßnahmen sind be- »kits früher mannigfach erörtert und auf ihre 2r_agleite fin geprüft worden. Ein einzelnes durchgreifendes Mittel ater, um den Uebelständen zu begegnen, hat bisher von Hiner Seite angegeben werden können. Auch die le|3te Aichstagsverhandlung hat wohl zur Klärung dev Pro-