keinerlei Unregelmäßigkeiten in der städtischen Verwaltung seftgestellt worden.
Malta, 5. November. Chamberlain ist hier eingetroffen, und von den Oberbefehlshabern der Land- nnb Seestreitkräfte sowie Vertretern der Behördern empfangen worden.
New-Zork, 5, November. Wie die Blätter aus Manila melden, ließ der Führer der Reformpartei der Filipinos» Buen Carmino, auf telegraphischem Wege durch Vermittelung des Vorsitzenden der amerikanischen Philipinen Kom- Mission, Richters Taft, eine von Aguinaldo unterzeichnete Erklärung nach Amerika abgehen, wonach die Unterzeichner mit der So uv er an etät der Vereinigten Staaten sich einverstanden erklären, die Regierung bitten, den Krieg zu beendigen, den Schutz der Regierung nachsuchen und sich zur Organisation einer eventuellen Gegenrevolution bereit erklären.
Ausland.
Neapel, 5. November. Der Bürgermeister und die Mitglieder des StadtratS haben ihre Aemter niedergelegt, da ein von dem Deputierten für Neapel Casale gegen das sozialistische Blatt „Propaganda" angestrengter Verleumdungsprozeß, worin eS sich um Angelegenheiten der Stadtverwaltung handelte, für den Kläger ungünstig ansgegangen ist. Amtlich find jedoch bisher
Südafrikanisches.
Lord Roberts meldet: Verwundete Buren, die in Potchefstroorn zurückgelassen worden waren, teilten dem General Barton mit, daß die Buren in dem Gefecht am 28 Oktober 140 Mann an Toten, Verwundeten und Vermißten verloren hätten. General Paget griff am 1. November bei Rustenbcrg eine Burenabteilung, die von Norden her dem Vaalsluß zustrebte, um zu De Wet zu flößen, an. Die Buren wurden aus einer starken Stellung verdrängt, aus einer andern Stellung durch einen Sturmangriff der Yeonmanry in die Flucht getrieben. Die Engländer verloren in dem Gefecht bei Wittkop an Toten einen Offizier und einen Mann: zwei Offiziere und fünf Mann wurden verwundet. Ein Telegramm aus Belfast meldet, daß ein Gefecht zwischen Engländern und Buren in der Nähe von Belfast stattgefunden hat. Die Eng- | länder wurden heftig beschossen, ihre Verluste sind i bedeutend. Auch die Buren erlitten große Verluste.
Die Transvaal-Gesandtschaft in Brüssel erklärt, daß der Präsident Krüger auf seiner bisherigen Reise sehr gelitten hat und in gedrückter Stimmung ist. Fischer, das Haupt der außerordentlichen Burengesandtschaft, bestätigt die Meldung über eine ernste Erkrankung! Krügers, der an zunehmender Erschöpfung leide. Der Zustand des Präsidenten flöße große Besorgnisse ein und werde ihn wahrscheinlich nötigen, auf alle diplomatischen Schritte zu verzichten und vor allem lange Ruhe zu suchen. Doch werde nach seiner Ankunft in Marseille eine große Beratung von hervorragenden Buren abgehalten werden. Frau Krüger liegt gefährlich krank in Pretoria darnieder.
Ein Telegramm des „Standard" aus Pretoria schildert die am 1. November stattgehabte Beerdig u n g desPrinzenChristianViktorvonSchleswig- !h ölst ein. Acht Generale trugen das Bahrtuch und an der Spitze der Leidtragenden schritten Lord Roberts, Kitchener und Prinz Francis Teck. Auch zahlreiche Bewohner vonl Pretoria beteiligten sich an dem Leichenzuge.
Telegramme des «tteheuer Anzeigers.
London, 6. November. Aus Pietermaritzburg wird berichtet, daß die Buren, die von Waschbank signalisiert waren, in nördlicher Richtung abgezogen sind. Sie passierten die Biggarsberge und den Müllerpaß, nahmen unterwegs alles mit sich, was ihnen in bie Hände fiel, vernichteten eine große Menge L e b e n s m i t t e l und Proviant und verschwanden in den Bergen, nachdem sie'za h l r e i ch es Vieh mitgenommen hatten.
London, 6. November. Der Gemeinderat von D u - bl in beantragte in der gestrigen Sitzung, den Präsidenten Krüger zum Ehren mitgliede (?) der Stadt zu ernennen. Der Lord-Major erklärte, ein solcher Beschluß sei unannehmbar.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. November. Zur Frühstückstafel beim I Kaiser waren gesteru geladen der Kronprinz, Prinz I Friedrick), Wilhelm, Botschafter Graf Lanza, Botschafter I v. Holleben, Legationsrat Frhr. Speck v. Sternburg, I Staatssekretär Frhr. v. Richthofen. Gestern nachmittag | 5 Uhr hat der Kaiser sich nach Liebenberg zur Jagd be- I geben. In feiner Begleitung befindet fick; Generaladjutant I v. Kessel. Der Kaiser trifft am 16. November abends als I Gast des Grafen v. Tschirschky - Renard in Großstrelitz I ein, an dem darauffolgenden Tage wird große Fafanen- | jagd abgehalten. Die Abreise des Kaisers von dort er- | folgt am 18. November nachmittags.
— In Hildesheim ist bei Gelegenheit des jüngsten | Kai s e r b e s uche s, wie die „Weserzeitung" erzählt, fol- I gendes passiert: Die Hildesheimer Gasanstalt hatte die Nackchildung eines flaggcngeschmückten Kriegsschiffes quer über die Straße bauen lassen. Tas Fahrzeug trug bis zum Tage vor dem Kaiserbesuch die Benennung „M i t t e l l a n d", hat doch das Projekt des Mittellandkanals in Hildesheim und Hannover seine überzeugungs- treuesten Anhänger. Aber was geschah? Am Tage des ! Kaiser Einzuges trug der Dampfer die Inschrift „Hkldesia"! „Wie wird -- fügt das Bremer Blatt dem Bericht hinzu — der im Gefolge des Kaisers besind- liche Finanzminister von Miquel geschmunzelt haben, als er. die Geschichte dieser Umtaufe erfuhr?"
— Finanzminister Dr. v. M i q u e l hat am Schluß der Hildesheimer K a i s e r t a ge in einer Rede folgende Bemerkungen gemacht: „Bei dem steten Anwachsen der Bevölkerungsziffer, bei dem gewaltigen Aufschwünge, den Industrie, Handel und Schiffahrt genommen, könne Deutschland sich nicht mehr darauf beschränken, eine kontinentale Macht zu sein. Wir hätten 200 Jahre ge- jckstasen, unb müßten uns jetzt beeilen, das Versäumte nac^uholen. Unsere Nation habe vortreffliche Eigen- sthnften vor anderen Völkern voraus, aber auch rnanckje Hehler. Wer die wirtschaftlichen Fragen aus die Spitze
Xelegtamme des Giehe««- Anzeigers.
Washington, 6. November. Ein amtliches Telegramm meldet, daß die Kompromiß-Verhandlungen und Militärischen Operationen rn vollständigem Einverständnis mit: den Verbünd e t e n vor sich grhen. Es bestätigt sich, daß b Basis der Verhandlungen, die von den freinben Vertretern in Peking gut geheißen unb den anderen Machten mitgete lt wurden/den chinesischen Friedensunterhastdlern unter- ^^Shai?ghai, 6. November. Der hiesige Tao Tai hatte die in den Fremden vierteln lebenden Reformer in die Chinesen-Stadt gelockt und verhaftet. Auf eine Anfrage antwortete Tschang-Tschi-Tung, daß ihnen der Vroreß gemacht werden würde und sie hin gedichtet werden sollen. Tschang-Tschi-Tung erhalt von der «m- serin-Regentin die Mitteilung, daß bie Bestrafung Tung- fnhsiangs nicht durchführbar sei, da dann der Hof ohne Armee an die Ausländer und Briganten auf Gnade und Ungnade übergeben sei. Die Kaiserin soll ferner verschiedene Vicekönige um chre Meinung betreffend die Bestrafung d e s P r i n z e n T u a n gebeten haben. Da aber eine solche Anfrage den chinesischen Traditionen widerspricht, so nimmt man an, daß damit die Vicekönige in Verlegenheit gebracht werden sollen.
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schließen seien.
Das Warenhaus für Armee und Marine sollte bei dem Erlaß der Warenhaussteuer auf Betreiben । von konservativer Seite von der Besteuerung freigelassen werden. Die neueste Preisliste dieses Warenhauses vom Oktober umfaßt 348 Seiten. Dos Warenhauschat eigentlich alles zur Verfügung seiner Kunden, Militäruniformen jeglicher Art, militärische Ausrüstungsstücke, Armeefechtzeilg, Zelte, Lagcrdecken, Koch- und Bratapparate, Patentbettstellen, Schneeschuhe, Fahrräder, Civilanzüge, Hof-, Staatsund Civil-Unifonnen, Jagdanzüge, Lawn-Tennis- ustd Strandanzüge, Schuhwerk um. Gamaschen, Schlußwaffen, Munition n.nd Jagdgerät, Sättel und Reitzubehör, icg liche Bcdarfseinrichttingen für Stallgerät, tierärztlich strumente, Wagengerät, dann ferner alle Arten von Wascye und Leinen, Handschuhe, Schirme, Kiffer, -ederwar , Uhren und Uhrketten, elektrische Hau-->telegraphem Ferm qläser, Zeichengerät, Lampen Thee, ChokoladeKakao, Cigarren Cigaretten, Weine, Liköre und ..A.Ealwaster endlich natürlich auch Spielkarten und unzählige» andere^ ^^Cronberg, 5. November. Die Besserung im Be^ finden der Kaiserin Friedrich ist dem Verlaufe bei Krankheit entsprechend fortgesetzt z u fried e n st e l l e n o. Der Kräftezustand ist derart gehoben, daß die hohe Pa^ tientin fast den ganzen Tag über außer Bett zu bringen rmd
I täglich Besuche empfangen kann. Tas hefNfch ')? r i ih c n ii a a r Friedrich Karl, das feit voiiger Woche seinen Wohnsitz wieder ganz ?^'legt
hat, kommt täglich zum Besuch nach Schloß Friedrich.'- Hof. Von der kaiserlichen Familie ist fetzt nur noch Pnn zessin Adolf von Schaumburg-Lippe auf schloß ^riedrichs-
I Hof anwesend. .
treibe, erschwere nur die Durchführung der Wirtschaftspolitik des Kaisers. Von der Größe und Macht unseres I Vaterlandes habe jeder, Landwirt ober Jnbustrieller, ob I Katholik ober Protestant, bie gleichen Vorteile.
— Den mehrfachen falschen Nachrichten über bie Verurteilung des Prinzen Arenberg gegenüber hört der I „Schw. Merk.", daß der Prinz kriegsgerichtlich zum Tode I verurteilt, vom Kaiser jedoch zu lo j ä h r. Z u ch t h a n s I und zur Entfernung aus dem .Heer begnadigt wurde I und daß die Zuchthausstrafe durch einen weiteren I kaiserl. Gnadenakt in Gefängnisstrafe ver- I wandelt worden ist. .
- Ein hiesiges Blatt will gehört haben, der Kaiser I werde den Reichstag diesmal in eigner Person mit I Verlesung einer Thronrede eröffnen. Die Eröffnungs- I sitzung finde am 14. November, mittags 12 Uhr, im Saale I des königlichen Schlosses statt.
— Beim Z u s a m m e n t r i t t des Reichstages werden I die Parteien in folgender Stärke in den Reichstag ein- I ziehen: 49 Deutsch-Konservative, 21 Reichspartei. 107 I Zentrum, 50 Nationalliberale, 13 freisinnige Vereinigung, I 27 Deutsch-freisinnige Volkspartei, 7 deutsche Volkspartei, I 55 Sozialdemokraten, 14 Polen; die deutsch-soziale Re- I formpartei ist zerfallen und den Fraktionslosen zuzu- I zählen, zu diesen gehört noch der Rest der Mitglieder. I .. — Gleich beim Wiederzusammetrnitt des Reichs - I tag es wird der Antrag auf Beseitigung des so l genannten fliegenden Gerichts st an desderi Presse von neuem eingebracht werden. Ein dahin zielen- I der Antrag war bereits vor zwei Jahren, beim Beginn I der gegenwärtigen Legislaturperiode beim Reichstage ein- I gegangen, ist aber in der vorigen Tagung überhaupt nicht mehr "zur Beratung gelangt. , I
— Die im Pr-ozeß Sternberg so sensationell bc-oorgetretenen Beamten der Kriminalpolizei ~ biet und Stier st ädter sind, wie man hört, vorläufig pom Dienst suspendiert. Es ist ein Disziplinarverfahren gegen sie eingeleitet worden, und der Minister des Innern hat vom Polizeipräsidium Bericht eingefordert.
— Wie die „Nat.-Ztg." erfährt, ist es noch fraglich, ob der preußische Landtag sicb bereits in diesem Winter mit einer neuen Wohnungs-Vorlage zu beschäftigen haben wird. Die Regierung behandelt angelegent- lichst die Wohnungsfrage, doch sind die Arbeiten noch nicht so weit gediehen, sd aß der zu beschreitende Weg mit Sicher- | heit festgelegt werden könne.
Im Kolonialamt hat unter dem Vorsitz des Direktors Dr. Stübel eine Konferenz von Vertretern der Reichsregierung, des preußischen Handelsministeriums und verschiedener Kolonial-Gesellschaften zur Vorbereitung der Gegenstände der nächsten Kolonialratssitznng stattgefunden. Wie nach der „National-Zeitung" verlautet, gewinnt es an Wahrscheinlichkeit, daß General Lieb er t bis auf weiteres im Kolonialdien st verbleiben und wieder nach O st a f r i k a zurückkehren wird.
- Der Kolonialrat dürfte sich außer mit den Etats für die Schutzgebiete auch mit einer Verordnung beschäftigen, welche die Ausfuhr Farbiger zum Zwecke der Schaustellung verbietet.
— Wie dem „Berl. Tgbl." mitaeteilt wird, hat am Samstag Nacht eine Zusammenkunft von etwa 70 Kriminalbeamten stattgefunden, die mit den in der Erklärung der „Berl. Ko'rr." verlautbarten Anschauungen des Polizeipräsidiums im Zusammenhang zu stehen scheint. (Siehe „Prozeß Sternberg. D. Red.)
— Auf die Anfrage des Deutschen Handelstages bei den Handelskammern,' ob die Errichtung einer Auskunftsstelle für den Außenhandel erstrebenswert sei, haben sich 22 Handelskammern dafür erklärt, 38 dagegen. Acht Handelskammern nehmen eine vermittelnde Stellung ein; sie treten dafür ein, daß eine Auskunftsstelle mit beschränkten Zielen errichtet werde, wobei hauptsächlich daran gedacht wird, daß die Auskunft den Inhalt amt- I 1 ich er Veröffentlichungen zum Gegenstand habe, während I Mitteilungen zur Anbahnung geschäftlicher Verbindungen I weniger in Betracht kommen könnten oder gänzlich auszu
gesprochen habe.
Die Verteidiger Iustizrat Dr. Sello und Tr. Heinemann finden es doch sehr bedenklich, daß in einer io wichtigen Sache, bei der es sich um Kopf und Kragen nicht nur eines, sondern vieler Männer handele, von einem Beamten doch so vieles verschwiegen morden )ei, was für die Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Fncoa Woyda doch! von so großer Erheblichkeit sei. Pra).: Warum haben Sie von alledem nicksts erzählt? Zeuge Stierstädter: Wenn ich alles hätte erzählen wollen, was m den Dingen erzählt worden und vorgekommen ist, dann hätte ich wohl die ganze Zeit, die für die Verhandlung angesetzt ist, allein auszufüllen gehabt.
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Der „Nordd. AUg* Ztg." zufolge hat heute Reichskanzler Gras Bülow wegen der Vorgänge iw Prozcsst Sternberg den Minister des Innern, Freiherrn N Rhe im baben, zu einer Besprechung eingeladen. Die mm»- sterielle ,Berl. Korresp." schreibt: Die Vorkommnisse m i dem jetzt schwebenden St e r n b e r g s ch e n P r o z e s) e, insbe ondere das Verhalten der beteiligten .Kriminal-B^ amten, werden von den vorgesetzten Instanzen emaeh^'v »erfolgt. Tas P°liz-i-Präsidmm hat um doUcS LrH ube- die Auzeleseuheü jit verbreiten, den betreffenden Beamten.
Prozeß Sternberg.
Berlin, 5. November.
Von der Verteidigung ist für heute der Polizeibirektor: v. M e e r sch e ib t-H ü l l e s e m als Zeuge gelaben. worben. Der Chef ber Kriminalpolizei, Regierungsrat Diele- r ici, wohnt ber Verhanblung bei. Als erste Zeugin wirb Frau B l ü m k e, bie verheiratete Schwester ber Frieda Woyda, vernommen. Sie erklärt auf wiederholtes Befragen des Vorsitzenden, daß sie sich nicht mehr auf die Einzelheiten erinnern könne, die Frieda Woyda bei einer ersten Darstellung von den Ereignissen bei der Margarete Fischer angegeben hat. Der Vorsitzende befragt die Zeugin eindringlich, ob sie etwa von irgend einer Seite beeinflußt worden sei. Sie bestreitet dies, erzählt dann aber mehrere Thatsachen, die doch auf eine solche Beeinflussung hindeuten. Staatsanwalt Brant: Als Ihre Schwester davon sprach, daß sie ihr Gewissen erleichtern wolle, muß Sie das doch sehr erschüttert haben. Haben Sie denn nicht heftige Vorwürfe gegen das Kind erhoben ober es gestraft, ober voll Entsetzen bie Sache bem Gericht mitgeteilt? Zeugin : Ich war sehr aufgeregt unb habe das Mäbchen immer tuieber gefragt, wie sie zu solck>en- Lügen gekommen sei. Staatsanwalt: Hat sie benn überhaupt zugegeben, baß sie „gelogen" habe? Zeugin: Sie hat immer wieber gesagt: Sie weiß nicht mehr, es sei nichts passiert. Staatsanw.: Also, baß sie gelogen hat, hat sie nicht gesagt? Zeugin: Nein, sie hat immer gesagt, sie wisse von nichts, sie habe bem Herrn Stier- stäbter auf seine Fragen oft gesagt: Ich weiß nichts; Herr Stierstädter habe aber geantwortet: Du weißt es doch. Du weißt noch mehr! Auf Befragen des R.-A. Fuchs bestätigt die Zeugin, daß Herr Stierstädter bei den Besuchen, die e;r machte, das Wort geführt und versucht habe, über die Vorgänge in der Fischerschen Wohnung das Kind auszuholen. Stierstädter habe sich nur sehr pflichteifrig gezeigt und sei sehr eilig in seinen Schlußfolgerungen gewesen. Sachen, auf die sich das Kind nicht besninen konnte und die es noch nicht ausgesprochen, habe Herr ötier)tobter selbst 'ausgesprochen. Herr Stierstädter habe jeme B^iuck)^ bis in die neueste Zeit fortgesetzt. Rechtsanw. HUchs I.: Hat sich Ihre Schwester vor Herrn Stierstadter gefürchtet. Zeugin: Sie hat gesagt, Herr Stierstädter sei wie eine Hyäne, sie fürchte sich vor ihm. An die Zeugm wird noch von Rechtsanwalt W r o n k e r, Reck>tsanwalt Heinemann, Justizrat Sello und einigen Beisitzern । eine ganze Reihe von Fragen gerichtet, die auf die Aussagen der Zeugin Bezug haben. Die Zeugin bleibt il a. dabei, daß sie Herrn Stierstädter vor etwa vierzehn Tagen gesagt habe, die Sache werde diesmal doch vielleicht anders kommen, denn sie habe inzwischen, seitdem die Frieda bei ihr sei, doch das Mädchen wiederholt ans Lügen ertappt. Herr Stierstädter habe darauf p „Das brauchen Sie doch nicht zu sagen! DA stnd kleine Notlügen, wie sie alle Kinder mal sagen. . Meine Kinder belügen mich auch manchmal!" Herr SNerltadter habe dann noch mehr Fragen an Frieda g-nch£ unib u a. gesagt: Wenn das Kind znrnckzoppt, dann kommt Cterm berg frei. Er hat dann auch von großen Summen " MG I Mark oder 120 000 Mark gesprochen und gesagt, er könne auch Herrn Justizrat Sello hineinlegen, denn wenn er eiruae Dinae zur Sprache bringe, schieße bieder sich eine | r,1 ß, Qcuge Stierstabter bestreitet bies.
Auf Grund einÄ ihm kurz vorher zugegangenen Briefes rickstet Iustizrat Dr. S e l l o an den Zeugen Sticr- üäbter die Frage, wo und wann er gebient habe, und ab es ihm bekannt sei, baß er bei feinem Regiment den Kviknamen „Sck)windel-Stierstäbter" geführt habe. Zeuge NkerstädtT?: I Gott bewahre. Frau Bliimke wird weiter gefragt, wann sie bas Kiub aus bem Waisen- hause genommen habe. Sie bekunbet: Frieba hatte sich über schlechtes Essen im Waisenhause beklagt. Darauf habe Stierstäbter recht mit Eclat gesagt, bas Kinb sollte un Waisenhause gewiß vergiftet werben. Zeuge Stierstäbter bestreitet auch! dies mit der größten Entschiedenheit und behauptet, daß Frau Blümke den Verdacht zuerst aus-
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