Aus Stadt und Land.
Gieße», 6. November 1900.
♦♦ Perfoualnachrichteu. Ernannt wurde der Hilfsschaffner bei der Main-Neckar-Eisenbahn Wilhelm Hartmann aus Darmstadt zum Schaffner bei dieser Bahn mit Wirkung vom 16. Oktober d. Js. an.
** Zur Fortbildungsschulfrage. . Der von uns in unserer letzten Sonntagsnummer veröffentlichte größere Fortbildungsschul-Artitel hat uns nicht weniger als neun Zuschriften gebracht, von denen sich fünf mit großer Lebhaftigkeit zustiinmend, die übrigen ablehnend gegenüber den dort ausgesprochenen Ansichten Verhalten. Es ist unS unmögliche, alle diese fast dnrch- weg sehr umfangreichen Artikel zum Abdruck zu bringen. Ss stehen sich verschiedene Jnteressengrirppen gegenüber. Die aus Lehrerkreisen uns zugegaugenen Ansichtsäußerungen erklären sich einstimmig für den Unterricht an den Tagesstunden. Dagegen erheben sich die Stimmen von Geistlichen und von Geschäftsleuten und Landwirten, die sich aut den von uns dargelegten Standpunkt stellen. So schreibt uns ein Geschäftsmann aus Lich am Schlüsse seiner längeren Ausführungen:
„In richtiger Erkenntnis der Thatsachen hat sich der hiesige Schulvorstand außer den dazugehörigen Lehrern, und der Gemeinderat einstimmig, gegen die Abhaltung der Schule am Tage ausgesprochen. Letzterer hat weiter beschlossen, dem Großherzoglichen Ministerium diesen Beschluß zur gefl. Kenntnisnahme zu unterbreiten und sämtliche Bürgermeistereien des Kreises aufzufordern, einen gleichen Beschluß beim Großherzoglichen Ministerium vorzubringen. Der Gewerbeverein setzt sich in gleichem Betreff mit den anderen Gewerbevereinen auf dem Lande in Verbindung, um das Ministerium zur Zurücknahme dieser Verfügung zu veranlassen."
Einer der Herren Lehrer dagegen sagt u. a.:
„Durch die neue Verordnung ist die Notwendigkeit der Weiterbildung für die Jugend mehr in den Vordergrund getreten; die Lernzeit füllt in eine Zeit, in der sonst noch Tagesarbeiten verrichtet wurden; der Unterricht wird also nicht mehr erteilt, zu einer Zeit, die bei den meisten Berufen der Erholung dient; dies ist ungemein wichtig. Nach Schluß des Unterrichts sind außerdem die Schüler genötigt, ihre Wohnung aufzusuchen, denn das Nachtessen wartet ihrer; ein Herumlungern auf der Straße zu einer Zeit, der allerhand Allotria günstig ist, findet nickst mehr statt u. a. m. Man war allgemein gespannt, ob sich die Maßnahmen der Regierung durchführen ließen, und siehe da — der Erfolg ist gewiß. Ernstere Schwierigkeiten haben sich fast nirgends gezeigt, ein Beweis, daß die Verfügung kein Mißgriff, und der Widerstand mancher Leute nur in ihren Anschauungen und nicht in den Verhältnissen begründet ist. Und wenn der Verdienst einiger junger Leute in der Woche durch, den Unterricht ein paar Pfennige weniger beträgt, so ist das geistige Kapital, das durch die günstige Schulzeit erworben wird, desto bedeutender."
Wir wiederholen hier ein paar Worte aus dem Artikel in Nr. 259, 3. Blatt:
„In den letzten Jahren gingen die Städte vor, den Unterricht in die Vorabendstunden zu verlegen. Praktische Erwägungen mögen die städtischen Schulvorstände für diese Aenderung veranlaßt haben. Jedoch kann man nicht ohneweiteresbehaupten, daß d a s, w a s f ü r d i e S t ä d t e m ö g l i ch u n d g u t i st, auch für die ländlichen Verhältnisse des Landes geeignet wäre."
Dem dürfte kaum zu widersprechen sein. Hoffentlich) erwägt die Schulbehörde jedes Für und Wider, prüft die Erklärungen aus der städtischen und aus der ländlichen Bevölkerung und trifft demgemäß ihre Maßnahmen.
H. K. Friedberg, 5. November. Die Großherzogliche Handelskammer erhielt von der Kaiser!. Ober-Postdirektion folgendes Schreiben: „Seit Einführung der ermäßigten Ortstaxe sind mehrfach Unzuträglichkeiten daraus entstanden, daß Postkarten, Drucksachen, Warenproben und Geschäftspapiere, deren Nach- fendung früher nach Orten in Deutschland und Oesterreich- Ungarn portofrei erfolgte, nunmehr, wenn sie dem Adressaten im Fernverkehr nachgesendet werden sollen, mit Nachfchußporto belegt werden müssen. Die Verrechnung und Einziehung der auf diesen Sendungen lastenden Beträge verursacht mancherlei Schwierigkeiten im Dienst-
Setriebe, insbesondere wird die Bestellung verlangfalNt. Mit Rücksicht darauf, daß die Annahme solcher Sendungen zum großen Teil vom Empfänger wegen der Nachtforderung von Porto verweigert wird, den Absendern aber die Zahlung dieser Beträge für die zwecklos gewordenen, zurückgekommenen Sendungen sehr unerwünscht kommt, ist in Vorschlag gebrackst worden, die bestehenden Bestimmungen dahin abzuändern, daß die weniger wichtigen Sendungsarten, nämlich Drucksachen, Warenproben und Geschästspapiere, die für den Ortsverkehr frankiert und an Empfänger gerichtet sind, die den Ort endgiltig verlassen und sich polizeilich abgemeldet haben, nicht in den Fernverkehr nachgesendet, sondern, wenn möglich, den Absendern zurückgegeben werden. Bei den Postkarten, die in der Regel wichtigere Mitteilungen enthalten, scheint eine solche Maßnahme nicht empfehlenswert. Ebenso scheint es bedenklich, Sendungen an Empfänger, die sich nur vorübergehend außerhalb des Bereichs der Ortstaxe aufhalten, als unbestellbar zu behandeln; solche Sendungen würden, je nach der Bestimmung der Beteiligten, nicht nachzusenden, sondern in die Briefkasten der Empfänger am Orte zu legen oder bei der Bestellpostanstalt bis zur Rückkehr des Empfängers aufzubewahren sein. Es wäre erwünscht, die Stellung der Geschäftstreibenden, die als Absender der meisten derartigen Sendungen in Betracht kommen, zu der Frage kennen zu lernen. Die Großherzogliche Handelskammer wird um eine gefällige Aeußerung zur Sache ergebenst ersucht. Die Antwort wird bis zum 20. Dezember erbeten, worauf dem Reichspostamte in der Angelegenheit von hier Bericht zu erstatten ist."
-nn. Darmstadt, 4. November. DaS diesjährige Jahr essest des Hessischen HauptvereinS desEvange- lischenBundes, das heute und morgen in unseren Mauern stattfindet, begann heute vormittag lO1^ Uhr mit einem Festgottesdienst in der Stadtkirche. Daran schloß sich eine Sitzung des Gesamtvorstandes um 12 Uhr im Pfarrhaus, die gut besucht war und in der nach lebhafter Debatte folgende Resolutionen einstimmig beschlossen wurden:
1. Wenn Luther gesagt hat, ein Christcnmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann unterthan, so fordert er damit auch dies, daß die evang. Christen auch ihrer Kirche in aller Treue zu Dienste stehen. Wie es auf evang. Boden kein Vorrecht einer Priesterkaste geben kann, so auch kein Reservatrecht der Laien auf Gleichglltigkeit gegenüber ihren kirchlichen Pflichten. Daher richtet der Evang. Band an alle Evangelischen des Landes die dringende Bitte, mit Herz und Hand zum Werk und Kampf ihrer Kirche zu stehen.
2. Der Evang. Bund begleitet mit sorgenvoller Teilnahme das Geschick der evang. Missionare in China während der gegenwärtigen Unruhen. Glaubensmutig und opferfreudig haben die Sendboten des Evangeliums ihr Leben eingesetzt für ihr heiliges Werk, ein neuer Beweis, daß der Zungengeist zum Lobe ihres Herrn und Meisters noch nicht erloschen ist. Um so schmerzlicher empfindet der Evang. Bund die ungerechtfertigten öffentlichen Angriffe gegen die evang. Mission, insbesondere den Vorwurf, daß protestantische Missionen Schuld seien an dem Ausbruch der chinesischen Wirren. In der Abwehr dieser Angriffe und Widerlegung dieser Vorwürfe erblickt der Evang. Bund ein wesentlich protestantisches Interesse. das er zu wahren hat. Er hofft zuversichtlich, daß in kürzester Zeit in der gesamten evang. Bevölkerung Deutschlands die Ueberzeugung zum Durchbruch kommen wird, daß die evang. Mission die friedliche Entwicklung Chinas keineswegs aufhält, vielmehr in erster Stelle berufen ist, die Wiedergeburt des im heidnischen Aberglauben und in einer toten Kultur erstarrten chinesischen Volkes zu bewirken.
Um 31/2 Uhr fand eine Aufführung des Gustav- Adolf-Festspieles von Devrient im Saalbau unter Mitwirkung des Hofrats Edward-Darmstadt und der Frau Hase-Rudolfi-Leipzig und von mehr als 300 Mitgliedern der evang. Gemeinden statt. Großartiger Beifall dankte den Mitwirtenden für die ausgezeichnete Darstellung. Die Ausstattung und die einzelnen Kostüme waren ebenso prachtvoll wie charakteristisch. — Die gleichfalls im Saalbau stattfindende öffentliche Festversammlung war ebenso zahlreich besucht. Oberlehrer Waitz leitete die Festversammlung. Nach den üblichen Begrüßungen sprach Pfarrer Guyot-Dortelweil über „Die allgemeine Dienstpflicht aller Christen für ihre Kirche". Missionar Flab-Frankfurt machte sehr intereffante Mitteilungen über evangelische und katholische Missionspraxis und deren Folgen in China. Nach einigen herzlichen Dankesworten des Vorsitzenden des Hess. Hauptvereins, Hofpredigers Ehrhardt, und einer Aufklärung über religiös^ katholische Religion, der man freundlich gegenüberstehe, und ulttamontan-jesuitische Anschauung, der man mit aller Macht gegenübertrete, schloß ein gemeinsamer Gesang die Feier.
belohnte ihn außerdem extra für jeden einzelnen Auftrag. — Es nützte alles nicht. Der heißblütige Mann schien nicht ohne Aufregung der verschiedensten Art leben zu können.
Zu bewundern ist es, wie wenig sich der König durch alle Jntriguen seiner Umgebung beeinflussen läßt, wie er im Gegenteil immer wieder bemüht ist, Cellini gerecht zu werden, um den tüchtigen Mann seinem Reiche zu erhalten.
Ob das Heimweh, das in der Fremde fast jeden Florentiner befiel, mitwirkte oder ob Cellini hoffte, durch längere Abwesenheit zur Klärung manck)er Wirren beizutragen, genug, er ordnet seine Verhältnisse, übergiebt ferne Werkstatt seinem Gehilfen, nimmt Urlaub und kehrt nach Florenz zurück. Es ist schwer zu entscheiden, inwieweit der Kardinal von F-errara und die Gesellen Cellinis unaufrichtig gehandelt haben — so viel aber steht fest, daß letzterer durch seinen Fortgang der Verleumdung Thor und Thur öffnete, daß er eine sichere, ja glänzende Existenz aufgab und das Feld weit untüchtigeren Männern räumte.
Daß dann später Franz I. durch das ihm unerklärliche Handelii des Mnstlers irregeleitet, endlich den Verleuindungen Gehör schenkte, war nur allzu menschlich.
Cellini fand rn Florenz schnell einen neuen Wirkungskreis am Hofe des Großherzogs Cosimol. von Medici.
Tie Schilderung seines Wirkens hier, die Teilnahme des Großherzogs an allen seinen Arbeiten, ihr fast vertraulicher Verkehr erinnert an die goldenen Zeiten Cosimo des Allen und Lorenzo des Prächtigen — nur dem scharf blickenden Auge verrät es sich, daß die wahre Größe fehlt.
Eifersüchteleien zwischen Cellini und dem Bildhauer Bandinelli, die Üblichen Hofintrignen, Betrügereien vor schiebener Leute, der Vergistungsversuch des Viehhändlers
Sbietta gegen Cellini sorgen für die gewohnte Unruhe im Leben des Künstlers. In dieser Florentiner Zeit aber entsteht die Statue, welcher Cellini in erster Linie seinen Künstlerruhm verdankt — der Perseus in der Loggia bei Lanzi in Florenz. Wer in Florenz war, kennt den ehernen Perseus, der in der Rechten das Schwert, in der hocherhobeneu Linken das abgeschlagene, bluttriefende Haupt der Medusa hält, währenb der Leichnam vor seinen Füßen liegt. Man mag ruhig die Schwächen in den Einzelheiten tadeln, an der lebensvollen Kraft des Ganzen wird man immer seine Freude haben. Der Sockel, auf welchem der Perseus steht, zeigt die ersten leichten Anklänge an das Barock, die Reliefs am Fuße des Sockels sind ungemein malerisch behandelt.--
Bei der Entstehungsgeschichte dieses Werkes schildert Cellini zugleich höchst anschaulich die damalige Methode des Erzgusses.
Die Büste des Herzogs Cosimo 1. im Bargello bleibt weit hinter dem Perseus'zurück. Die Formen find klcm- lich und dies kleinliche wird noch verstärkt durch den Überladenen Schmuck der Rüstung. Viel bedeutender soll die Bronzebüste des Bindv Altoviti sein, die dem Meister von Mickflstcmgelo ein so warmes Lob eintrug, doch habe ich dieselbe leider nicht gesehen.
Interessant wäre es, könnte man die in Frankreich von ihm geschaffenen Statuen zum Vergleich heranziehen.
Von den vielen Werken der Kleinkunst, die er in seiner Lebensbeschreibung erwähnt, findet man leider fast nichts mehr in Italien. Die zahlreichen Zeichnungen in den Uffizien, die schönen Bischofsstäbe, die Kannen, Schalen, Basen und sonstigen Gesäße, die seiner Schule jugeschrieben werden und sich in den Sammlungen des
Der Prozeß Masloff itt Kouitz.
K 0 nitz, 5. November.
Seminarist Plath sagt aus: Er sei einmal mit Ernst Winter auf der Straße spazieren gegangen, wobei diese« den Moritz Lewy gegrüßt habe. Er will am Tage des Mordes mittags um 2 Uhr den Ernst Winter mit zwei jungen Leuten, die er für Gymnasiasten dielt, gesehe» haben. Rechtsanwalt Vogel beantragt die Ladung neue» Zeugen, welche die Ankunft der Lindenstraußschen Eheleute aus Conarezyn in Könitz feststellen sollen. Auch der Erste Staatsanwalt stellt seinerseits Anträge auf Ladung neuer Zeugen, sodaß mindestens 30 neue Zeugen in Aussicht stehen.
Witwe Schiller, sehr schwerhörig, will von Alex Prinz, der als der dumme Alex bekannt ist, am 13. Märgehört haben, daß mehrere Kantore, der Sckstochauer, Hamburger, der Konitzer Heymami und der Elbinger Kantor zusammen den Ernst Winter umgebracht haben. Der Mord soll bei Lewy geschahen sein. Geld hat Winter nicht gehabt, aber Blut, und das bringe hunderttausend Thaler ein. Als der Kopf gefunden wurde, sagte Prinz, daß Israels^ den Kopf weggetragen habe, aber der würde nichts sagen, und wenn er auch 10 Jahre im Gefängnis sitzen würde. Alles das habe sie von Alex Prinz, den die Zeugin für ganz vernünftig hält. Zum Wasserholen habe er sich sehr geschickt angestellt. Einmal habe er der Zeugin einen Zettel gezeigt und dazu erzählt, auf ihm ständen feine 36 Gebrüder. Sie hat sich! verpflichtet gesuhlt, alle diese Dinge dem Schlächter Hofmann zu erzählen. Eine Frau von 87 Jahren hat diese Dinge auch gehört und der Zeugin noch erzählt, Alex sei in der Synagoge furchtbar verhauen worden. Bei Hofmann sei der Bruhn gewesen und der habe die ©ax^e ausgenommen.
Schmiedemeister Henning, der von der Verteidigung geladen ist, weiß von gar nichts, Fleischermeister Weibert desgleichen. Frau Bettin hat den Kantor Haller auf dem Bahnhof in Tuchel gesehen, wie sie glaubt, am 11. März: mit Bestimmtheit kann sie es aber nicht sagen. Sie hat sich den Tag gemerkt, weil an diesem Tage das Begräbnis des SckMiedemeisters Müller war.
Zum allgemeinen Vergnügen wird A l e x P r i n z auf gerufen. Er behauptet, den Masloff zu kennen, doch sol es dessen Vater fein. Seine Vereidigung wird ausgesetzt. Wie er angiebt, trug er bei der Zeugin Schiller Wasser, doch habe er sich mit ihr gezankt, weil sie ihn angegeben hat. Er hat der Frau Schiller erzählt, Lewy und Hey mann hätten den Mord vollbracht. Bei Jeleniewski habe man ihn besoffen gemacht und ihm gesagt, er solle erzählen, daß Lewy und Heymann den Mord begangen hätten. Er ist dann beim Untersuchungsrichter gewesen und hat ihm dies erzählt. Daß er jemals verhaftet worden sei, beftreite er entschieden. Die Frage des Ge schworenen Oberlehrer M e y e r, ob er in der Synagoge, zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen worden wäre, verneint der Zeuge. Kupferfchmiebemeister Pleyer, der aus dem Zuhörerraum herausgernfen wird, sagt, Prinz habe ihm erzählt, er sei bei Jeleniewski betrunken gern amt worden.
Kreisphysikus Müller hat Prinz immer für schwachsinnig gehalten, jetzt aber erscheine ihm dessen Geisteszustand erheblich! gebessert. x,
Zeuge Richardi, von der Verteidigung geladen, weiß von garnichts. Der Staatsanwalt teilt mit, ein Isidor Lachmann aus Königsberg habe ihm geschrieben, er habe den Winter ermordet. Der Kaufmann Fleischer
könne dies bezeugen.
Als nächste Zeugin wird vernommen Witwe Fettke, 87 Jahre alt. Sie erzählt das, was ihr Prinz mitgeteilt hat, kann sich aber nicht erinnern, wann Prinz ihr diest Mitteilungen gemacht hat. Nur das weiß sie, daß he vorher schon von dem Morde gehört hat. Die Zeugin wn* Frau Schiller g;egenübergestellt.
Rentner Leß weiß nichts von dem mysteriös'" der 13 Juden im Anfang März. Spediteur- Letz, des Vorigen Sohn, weiß ebensowenig etwas davon. Zeuge Grube kennt den Masloff, weil dieser vom 4. bis - Februar bei ihm gearbeitet hat. Auch dieser Zeuge, vow der Verteidigung geladen, weiß absolutnichts zu bekunden. Zeuge Preppel war am 11. März rn Tuchel und kam gegen 12 Uhr nachts zurück. Er ging mit einem Kollegen vorn Georgplatz aus die Danziger und .NaueEraße und» Kährnerstraße entlang. Es war ganz Heller conoschein. Er hat aber nichts gesehen.. Wenn Maslo f dort -gelegen hätte, so hätte er ihn unbedingt sehen rnus em Auch bent Knecht ist er nicht begegnet. Dem Masloff gegenüber
Baraello und des Palastes Pitti finden, geben uns eine« nntbiirftiaen Begriff davon.
(Merabe in diesen Werken der Kleinkunst nmß Cellrnc Meister gewesen fein; denn selbst die Arbeiten feinet Schule verraten einen ungemein feinen Formen- unM Farbensinn, und eine unendlich leicht und graziös fdjüi- fenbe Phantasie. —
Tie letzten Lebensjahre des Benvenuto Cellini gestalteten sich friedlicher als sein früheres Leben. A« Aufregungen und Abenteuern aller Art hatte es nicht gefehlt, so ist es vielleicht erklärlich, daß Cellini in seine» letzten Jahren das Bedürfnis hatte, sich aus der Unruhr der Welt zu flüchten und in stiller Sammlung über fick und alle Einorücke seines bewegten Lebens nachzudenken. Er trat in einen geistlichen Orden, aber lange ertrug e* die Ruhe nicht. —
Schon über 60, entschloß er sich noch in bie Eh» zu treten, unb hinterließ bei seinem Tode 1572 einen Sohn unb zwei Töchter.
Anbers spiegelt sich in ihm seine Zeit als in bew gewaltigen Michelangelo; er fühlt nicht bie furchtbaren Konflikte, bie qualvollen Seelenkämpfe, welche ben Prv" metheus ber Renaissance bie etoiggiltige Verkörperun- menschlichen Leibes schaffen läßt, unb boch giebt er uiw in feiner Monographie ein klares, lebenbiges Bilb jene» Epoche. In bem leibenschaftlichen Erleben, in dem seihst ischen, energischen Auftreten, bas ihm eigen, aber aiaj in ber ungefärbten Wahrhaftigkeit, mit bem leisen Ta» jinn nach bem Rechten, schilbert er sich unb seine 3c t, jetten selbst kritisierend, aber reiches Material zusammen tragend für alle, die sich in jene letzte Periode W glänzenden Renaissance versenken möchten. —t


