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7.11.1900 Erstes Blatt
 
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UP. 26t Erstes Blatt. Mittwoch dm 7. November 150. Jahrgang 1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

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Amtlicher Heil.

Gießen, 3. November 1900.

Betr.: Vertilgung der der Forst- und Landwirtschaft schädlichen Vögel.

Das GroWerzogliche Kreisamt Gießen

an die Grotzh. Bürgermeistereien des Kreises.

Da es wünschenswert ist, daß die der Land- und Forst­wirtschaft schädlichen Vögel: Raben, Dohlen, Krähen, sowie die Eichhörnchen nach Möglichkeit vernichtet werden, so weisen wir Sie wie auch in früheren Jahren an, sich mit den Jagdpächtern inS Benehmen zu setzen nnd die­selben zu veranlassen, binnen einer bestimmten Frist etwa 4 Wochen den Abschuß der bezeichneten Tiere zu bethä- tigen. Nach Ablauf dieser Frist, und da, wo eine solche Aufforderung nach den in den vergangenen Jahren ge­machten Erfahrungen vermutlich ohne Erfolg bleiben wird, wollen Sie alsbald die Forst- und Feldschützeu mit dem Abschießen der gen. Vögel und der Eichhörnchen betrauen, und uns event. wenn nötig, andere geeignete Personen an­geben, die wir mit der Vertilgung beauftragen können. Zugleich empfehlen wir Ihnen, den Gemeinderat zur Aus­setzung eines Schußgeldes von 11 20 Pf. pro Bogel zu veranlassen. Sollten sich diese Maßregeln nicht als hin­reichend erweisen, so sind wir ausnahmsweise in der Lage, soweit notwendig, die Erlaubnis zur Vertilgung der gen. Tiere durch Gift zu erteilen; wir empfehlen Ihnen daher, uns in solchem Falle diesbezügliche Vorlage zu machen, und anzugeben, an welchem Platze das Gift ohne Schaden für andere Tiere gelegt werden kann, ob derselbe eingefriedigt ist, welcher Art das Gift sein soll, und welche Personen mit dem Legen des Giftes beauftragt werden sollen.

Als weitere Maßregel gegen .^as Ueberhandnehmen der bezeichneten Tiere empfehlen wir Ihnen, durch jene Per- sonen im Frühjahre die Nester ausheben oder in dieselben schießen zu lassen.

Bis zum 15. Mai 1901 sehen wir Ihrem Berichte über die Zahl der abgeschoffenen Tiere entgegen, worüber Sie zu diesem Zwecke ein Verzeichnis führen wollen.

In denjenigen Gemarkungen, in denen die Vögel nicht "stark auftreten, kann von den erwähnten Maßregeln ganz Abstand genommen werden.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul- und Klauenseuche.

Der Grünberger Viehmarkt am 15. November d. Js. kann unter folgenden Bedingungen abgehalten werden:

1. Alles nach dem Marktorte gebrachte Vieh muß auf

den Marktplatz gebracht und daselbst veterinär- ärztlicher Untersuchung unterzogen werden;

2. Vieh aus Orten, in denen die Manl- und Klauen­seuche herrscht, darf nicht aufgetrieben werden.

Gießen, 5 November 1900.

Grvßherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung,

Nachdem die Maul- und Klauenseuche in Hungen erloschen ist, werden die angeordneten Sperrmaßregeln wieder aufgehoben.

Gießen, 6. November 1900.

Großherzogliches Kreisamt Gieße«.

v. Bechtold.

Gießen, den 5. November 1900. Betr.: Den Rundgang der Feldgeschworenen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m He Wrosth. Bürger«eistereiev M Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 17. September 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 221) noch nicht nachgekommen find, werden an deren sofortige Erledig­ung erinnert.

v. Bechtold.

Polttische Tagesschau.

Die letzte Hildesheimer Kaiserrede ist bekanntlich sehr spät veröffentlicht werden. Ueber die Gründe der Ver­zögerung lesen wir imHannov. Kourier" folgendes:

S)etauthentische* Wortlaut der Rede, die der Kaiser am Mittwoch in Hildesheim bet Überreichung des Ehrentrunkes tn Er­widerung der Ansprache des Oberbürgermeisters Struckmann ge­halten hat, konnte erst am Freitag Morgen veröffentlicht werden, da er dm Blättern bis dahin vorenthalten war und diese sich deshalb aus die Wiedergabe der Auszeichnungen von Ohren­zeugen hatten beschränken müssen. Den Berichterstattern aller Blätter war nämlich der Zutritt zu dem festlichen Akte im Rathause verweigert worden, nur derHofbertchterstatter" durfte demselben beiwohnen und die Rede des Kaisers stenographisch ausnehmen M>t der Veröffentlichung hatte eS dann aber gute Wege. Das Stenogramm war Herrn o. Lucanus vorgelegt worden, dieser aber war, BlSttermeldurgen zufolge, so mit Geschäften überhäuft und die Abfahrt der Majestäten drängle derartig, daß Herr v. LucanuS das Stenogramm m t in den Salonwagen und nach Wernigerode nehmen mußte. Bis zum Donnerstag Abend verlautete dann nichts weiter von dem Verbleib der Katsrrrede."

DerHannov. Kourier" giefct dann feiner Verwunde­rung darüber Ausdruck, daß die Vertreter der Presse fern gehalten worden seien, und meint, die Preffe werde, wenn sich derartige Dinge wiederholen sollten, sich dazu ent­schließen müssen, Angelegenheiten, bei denen ihre Teilnahme nicht gewünscht werde, alsprivat" zu behandeln. Darin

stimmen wir mit ihm vollkommen überein, daß die Presse mit Recht beanspruchen darf, über öffentliche Dinge, die das Gesamtvolk berühren und in­teressieren, zu rechter Zeit unterrichtet zu werden. Daß die Reden des Kaisers nur in einer geprüften und durchgesehenen Fassung an dieOeffentlichkeit gelangen, hat ja etwas für sich, obwohl selbstverständlich die ursprüng- liche Fassung stets noch lebhafteres Interesse hervorruft. Will man aber einmal den neuen Weg gehen, dann muß Fürsorge getroffen werden, daß diese Prüfung sofort geschehe. Sonst muß man auf den Gedanken kommen, es hätte große Schwierigkeiten gemacht, die Rede umzu­arbeiten. ___

Die Darstellung desHannov. Kourier" wird jetzt von denBraunschw. N. Nachr." bestätigt und ergänzt:

Es wurde nur einem der Hildesheimer Redakteure gestattet, im Rathause weilen zu dürfen, trotzdem Platz in Hülle und Fülle vorhanden gewesen ist. Der einzige Auserwählte aber gab die Kaiserrede nicht her, und der Hofberichterstatter rückte erst recht nicht damit heraus. So stürzte denn, als die Majestäten das Rathaus verlassen, derSalon der Zurückgewiesenen* auf ein Mitglied des Gesangvereins zu, das zugegen gewesen und erbat von dem die Kaiserrede, die der Mann, so gut er konnte, aus dem Gedächtnis den Journalisten erzählte, die tu einem Winkel der dunkeln Rathaushalle um den Sangesbruder herumstonden und sich Notizen machten, wie die Feldwebel bei der Paroleausgabe. So kam die Kaiserrede zuerst in die Zeitungen.

Es wäre von Jutereffe, zu erfahren, von wem die Aussperrung der Presse angeordnet worden ist.

Ueber die im Reichsamt des Innern geplanten neuen Vorschriften über die Einrichtung und den Betrieb von Bäckereien und Konditoreien wird mitgeteilt: In Zukunft darf der Fußboden einer Bäckerei nicht tiefer als eine» halben Meter unter dem Erdboden liegen. Die Backftuben- räume müssen drei Meter hoch und mit Fenstern versehe» fein, die genügen, um für alle Teile der Räume ausreichend Luft und Licht zu gewähren. In Bäckereien, in denen regelmäßig mehr als zwei Gehülfen und Lehrlinge beschäftigt werden, müssen ferner für das Backhaus und die Backstube getrennte Räume vorhanden fein. Die Zahl der in jedem Arbeitsraum beschäftigten Personen muß so bemessen sein, daß auf jede wenigstens 15 Kubikmeter Luftraum entfalle». Die Temperatur in den Arbeitsräumen darf 35 Grad Celsius nicht übersteigen, und endlich sollen auch noch besondere Ankleide- und Waschräume vorhanden sein, die von den Arbeitsräumen zugfrei zu erreichen und heizbar sind. In Fällen, wo diesen Anforderungen nicht ohne Um- oder An­bauten entsprochen werden kann, soll während der ersten zehn Jahre lediglich auf die Beseitigung erheblicher Miß­stände, die ohne bedeutende Aufwendungen möglich sind, verlangt werden. Zurzeit werden die Bäckermeister über diese Vorschläge gehört.

Benvenuto Gellini.

Schluß.

Endlich beschließt er mit seinem Lieblingsschüler As- lamo nach Frankreich zu gehen, wird von Franz I. sehr cffnaöig ausgenommen, suhlt sich aber wahrscheinlich in *en fremdartigen Verhältnissen doch nicht woA und läßt ftch so durch allerlei Mißverhältnisse und eine schchere Üwtrankung leicht bestimmen wieder umzukehren. So wird «r förmlich seinem Verhängnis entgegengetrieben. Kaum in Rom angefommen, wird er von einem Gesellen böswillig angeklagt er habe, als er früher mit dem Papste Clemens die Engelsburg verteidigte, eine Menge von Edelsteinen aus dem päpstlichen Schatze entwendet Peter Ludwig, habgierig und boshaft, benützt den Vor­wand, um es bei seinem Vater durchzufetzen, daß Ben­venuto Cellini als Gefangener in die Engelsburg ae= ftacfyt wird.

Die Schilderung, welche Benvenuto von den zwei Aahren im Gefängnis entwirft, gleicht dem spannendsten Kornau und ist ebenso wertvoll für seine eigene Charak­teristik als für die richtige Beleuchtung der damaligen Verhältnisse am päpstlichen Hofe. Benvenuto Cellini hat mit Leichtigkeit seine Unschuld nachweisen können, da seit MO Jahren, wie er richtig angiebt, aufs peinlichste Buch geführt wurde über die päpstlichen Juwelen und ein Durchsetzen der Bücher hat den Papst und Peter Ludwig schnell überzeugt, daß keine Juwelen fehlen. Aber Peter Ludwig hat das Verderben des Benvenuto Cellini be- schlossen und der Papst läßt sich selbst gegen bessere Ein- lu von diesem seinem Bastardsohne leiten. Durch *e Fürsprache Franz I. von Frankreich wird ihr Haß f egen den armen Gefangenen $u$ noch größer. Freilich,

die Unschuld Cellinis ist zu allgemein bekannt, als daß sie gewagt hätten, ihn auf der Stelle zu töten, sie warten ihre Gelegenheit ab und halten ihn vorläufig sicher hinter Schloß und Riegel. Gerade in diesen Tagen des Elends zeigt sich Benvenuto Cellinis Charakter von einer ganz neuen Seite. Der feurige, temperament­volle Mann findet sich bewunderungswürdig in sein Geschick. Es fällt ihm selbst in den schwierigsten Lagen nicht ein, sich vor seinen Unterdrückern zu beugen oder ihnen zu schmeicheln. Im Gefühle des Unrechts, das ihm widerfährt, zeigt er sich stets unerschrocken, ehrlich und stolz.

Klug weiß er alle Bewohner des Kastells für sich zu gewinnen und erfährt von dem Kastellan manche Freundlichkeit, darf mit seinen Leuten verkehren und ar­beiten, soviel er sich dazu auferlegt fühlt. Der Kastellan leidet an einem jährlich einmal wiederkehrenden Wahn­sinn. Während einer solchen Attacke faßt er eine Ab­neigung gegen Benvenuto Cellini, läßt ihn strenger ein- schließen als sonst und bringt diesen gerade dadurch dazu, seine Flucht ins Werk zu setzen. Die Flucht gelingt und ganz Rom, der Papst an der Spitze, können nicht genug die Kühnheit bewundern, mit welcher der Künstler die Flucht ins Werk gesetzt hat. Er hat freilich ein Bein dabei gebrochen, aber der Kardinal Cornaro nimmt ihn in seine Wohnung und sorgt für die trefflichste Pflege. Alle Edelleute Roms besuchen den Kranken, viele, selbst die Gemahlin Peter Ludwigs, verwenben sich für ihn beim Papste, aber im Rate Peter Ludwigs war es anders beschlossen. Da er die Hinrichtung Benvenuto Cellinis nicht durchsetzen kann, so sorgt er wenigstens dafür, daß dieser wieder in die Engelsburg und zwar diesmal in eine der grauenhaftesten Zellen geworfen wird. Der wahnsinnige Kastellan vereint sich nun mit den Ueinden,

um ihn auf alle erdenkliche Weise zu quälen. Seime- Gesundheit leidet unter dem ekelhaften Schmutze in der Zelle, es fällt kaum für einige Stunden ein schwaches Dämmerlicht in dieselbe, das Arbeiten verbietet sich habet von selbst, als einzige Lektüre werden ihm die Bibel und die Chronik Villani's erlaubt. Benvenuto liest die Bibel und denkt vielleicht zum ersten Male in seinem Leben über die wunderbare Führung der Völker uti) der Einzelgeschicke nach. Alle sprühende Leidenschaft, die der Mann bis dahin auf thatkräftiges, zugreifendes Leben verwandte, fetzt sich! jetzt bei der erzwungenen Ruhe in innere Betrachtung, Ekstase und Gebete um. Es währt nicht lange und Benvenuto Cellini sieht Visionen; er, der Mann der Thatkraft, verkehrt mit den Gestalten feiner Träume wie mit lebenden Wesen.

Nur so vielleicht erhält er feine Lebenskraft, bis end­lich der Papst in trunkener Stimmung dem Kardinal bo* Ferrara, der gerade von Frankreich nach Rom zurück­gekehrt war, die Freiheit des Cellini gewährt.

Vielleicht bandelte der Kardinal im Auftrage Franz I. von Frankreich, jedenfalls war es seinem Einflüsse zu danken, daß Cellini sich entschloß, ihn nach, Frankreich, an den Hof Franz I. zu begleiten.

Dieser hatte von jeher versucht, bedeutende Mnstler an feinen Hof zu ziehen und zeigte sich auch Benvenuto- gegenüber großmütig und voll Interesse. Ob dieser durch alle erlittene Unbill etwas mißtrauisch geworden war, oder ob die Zustände in Frankreich, das doch in jeder Be­ziehung noch hinter dem Italien der Renaissance zurück- stand, es mit sich! brachten genug, Benvenuto Cellipss wurde seines Lebens dort nie ganz froh. Der König überhäufte ihn mit Gnadenbeweisen, schenkte ihm dak Schloß Klein - Netto, gewährte ihm gerade soviel Jahres- gehalt wie dereinst dem großen Leonardo da Vinci »nd.