uns an Äußerlichkeiten, an Scheinerfolge klammerten. Und vor allem scheint es, als sei der wichtigste, im letzten Grunde allein maßgebende Gesichtspunkt nicht immer festgehalten worden: Kein fremdes Abenteuer, so glanzvoll es scheinen mag, darf dahin führen, daß unsere europäische Stellung eine unerträgliche Belastung erfährt. Hier, in Deutschland, zwischen Maas und Memel, leuchten die Sterne unseres Schicksals. Durum wünschen wir auch, daß Kaiser Wilhelm 'oa§ Wort nicht gesprochen habe, daß er Peking nicht aufgeben werde, auch wenn er sämtliche Armeekorps mobilisieren müßte. Wir dürfen nicht die Flöte niederlegen, aber wir dürfen auch nicht eigensinnig den chinesischen Generalmarsch blasen, wenn alle anderen^ Instrumente Friedenschoräle spielen. Das giebt keine wohlthuende Musik. Die Lage ist heute so ernst, wie sie -es wohl seit vielen Jahren nicht war.
Politische Tagesschau.
Von Bord des Lazarettdampfers „Köln". Der „Str. P." ist nachstehender Brief zur Verfügung gestellt worden, der an Bord des Lazarettdampsers „Köln" auf der Taku- Rheede am 26. Juli vom Arzt dieses Schiffes geschrieben, und am 31. Juli von Iokohama abgesandt worden ist:
Soeben fahren wir mit einem neuen Schub von Verwundeten nach Yokohama, um sie in unserem dortigen Hospital unterzubringen. Es sind mit den Kranken 52, darunter zwei Offiziere mit zerschoffenen Ellbogen und Knie. Unter den anderen fünf schwere, sonst leichte Verwundungen. Gott sei Dank, daß die Chinesenbande nicht mit Dum- Dum schießt. Wir haben ein paar Knochensplitterschüffe, sonst nur glatte Durchschlagswunden mit brillanter Heilung. Die Geschosse find sehr klein, und so kam es, daß einige unserer Verwundeten zwei Schüsse haben, ohne bedenkliche Folgen. Durch lebensfähige Organe, Herz, Gehirn und Unterleib, sind eigentlich die einzig tötlichen Schüsse gewesen. Wir haben Lungen-, Leber-, Hals-, Bein- und Armschüfie, die alle heilen. Kürzlich brachte ich einen Verwundetentransport mit Kapitän z. S. Lans und zwei Offizieren, fünf Verwundeten und 25 Kranken nach Aokohama. Diesmal sind noch drei Marineärzte mit, die damals alle aus Schiffen oder im Felde waren. Vorgestern fuhren ein Kapitänleutnant und ich auf das Schlachtfeld, zunächst nach den Takuforts und dann nach Tonku. Großartige Befestigungsanlagen im modernsten Stile erbaut, mit kolossaler Armierung, Kruppschen Schnellladegeschützen 15 und 24 Zentimeter mit elektrischer Bedienung. Daneben eine Reihe älterer Geschütze, hohe lange Lehmwälle mit Granit- und Cementein- lagen. Unmassen von Munition find vorhanden In Tonku knatterte es noch, da und dort eine Explosion, in der Nacht Brände in der Stadt Allenthalben wird verwüstet, besonders von den Russen. Mit den Chinesen wird kurzer Prozeß gemacht, seitdem man unsere Patrouillen verstümmelt gefunden, und man weiß, was für Greuel an Gefangenen oder Verwundeten, die man nicht mitnehmen konnte, verübt wurden. Dies ist ein Krieg, wo es heißt, siegen oder sterben. Gefangene, humane Behandlung der Verwundeten giebt es nicht'; was der tierischen Cyinesenhorde in die Hände fällt, wird grausam stückweise abgeschlachtet, und gequält, den gefundenen Toten der Kopf abgeschnitten. Unsere Leute kämpfen jetzt mit einer Wut und Erbitterung, die keinen Pardon giebt. Es ist rührend zu sehen, wie die einzelnen Nationen so einmütig gemeinsame Sache machen, wie die Franzosen, Russen, Japaner usw. Schulter an Schulter mit uns fechten. Dabei muß zum Lobe un« ferer Truppen gesagt werden, daß ihre exakte und energische Kampfes- weise allen aufs Aeußerste imponiert hat, und sich z. B. die Russen immer freuten, wenn sie mit den Unsrigen kämpfen konnten. Die Japaner wollten den Mächten zeigen, daß sie würdig seien, eine Großmacht zu sein, und gehen drauf wie besessen. Das meiste haben sie mit den Russen zusammen in Tientsin geleistet, das nun endlich so besetzt ist, daß man ruhig einem überlegenen Angriff entgegensetzen kann.
Hier in Tientsin will man vorläufig bleiben, bis mehr Truppen von den Verbündeten herangebracht sind. Schade, daß unsere Heimat so fern ist und wir hier nicht die ersten sein können. Ob man auf uns warten wird, ist mehr als fraglich. Halten sich Ruffen und Japaner, die jetzt 20 000 Mann hier haben, demnächst für stark genug, einen Vorstoß nach Peking zu machen, so zögern sie damit nicht, und bei der Feigheit der Chinesen werden sie aller Wahrscheinlichkeit nach Peking nehmen, ehe wir da sind. Wie geht es zu Hause? Was denkt man über die ganze Sache? Leider bekommen wir keine Post. Habe seit Abfahrt noch keine Berliner Zeitung oder Brief in die Hand bekommen. Die „Köln* scheint ganz in Vergeffenheit geraten zu sein, niemand an Bord hat etwas von zu Hause bekommen. Bis jetzt wissen wir nur, daß am 10. Juli vier Panzer von Kiel abgegangen sind, „Fürst Bismarck" auf dem Wege hierher ist und zwei Lloyddampfer, „Wittekind" und „Frankfurt". Wann die Hauptsache kommt, die freiwilligen Armeetruppen, darüber herrschen nur vage Vermutungen. Inzwischen haben sich die Verhältnisse in Ostasien wesentlich anders gestaltet und es sind auch die Berwundetenlisten eingegangen, welche zur Genüge erkennen kaffen, daß auch das kleinkalibrige Gewehr mit Vollmantelgeschoß tot genug schießt. Die Chinesen haben dieses Geschoß in ihren Mausergewehren neuester Konstruktion zur Anwendung gebracht, und wenn man die Verlustlisten des dritten Seebataillons vom 23. Juni vor Tientsin betrachtet, so sehen wir bei den Brust- und Bauchschüssen immer einen tötlichen Erfolg. Uebrigens muffen die Chinesen eine vortreffliche Schießausbildung erhalten haben, denn die vor Tientsin bei demselben Seebataillon eingetretenen Verwundungen weisen unter 29 Schüssen nur sechs in die unteren Extremitäten auf. Alle Verwundeten wurden aber außer Gefecht gesetzt, sodaß man zur Erreichung dieses Zweckes weder Dum-Dum« noch Hohlspitzen- oder Halbmantelgeschosse nötig gehabt hätte; man kann also thatsächlich die Behauptung aufstellen, daß die Verwendung solcher Geschosse, wie sie anfänglich von den Engländern im Transvaalkriege gegen die Buren beliebt worden waren, eine grausame und inhumane ist, für die jede Berechtigung fehlt.
An den orleanistischen Streiter Charles Manrras, der in zwei Pariser Zeitungen eine Erhebung über die Monarchie veranstaltet hatte, die zu Gunsten einer Wiedereinführung der französischen Königsherrschaft ausgefallen war — welcher Paul Bourget im Namen der Wissenschaft das Wort redet — richtet der ^Lhronanwärter Herzog von Orleans einen an der Spitze beider Blätter als Manifest erscheinenden Brief aus Marienbad, der lautet:
Mein lieber Maurras! Mit dem größten Interesse bin ich Ihrer Erhebung über die Monarchie gefolgt und habe die Erklärungen von (den verbannten) Buffet und Sur- Saluces gelesen. Meine Freunde können über Meinungsverschiedenheiten oder Reformpläne verschiedener Ansicht fein. Das ist ihr Recht, aber was fortan feststeht, das ist die tiefe Einheit der royalistischen Idee. Sie ist reformatorisch. Reformieren, um zu erhalten, das ist mein ganzes Programm. Auf einzelne Fragen will ich nicht eingehen. Ein Fürst, dec die Anmaßung hätte sie im voraus zu regeln, besäße geringen Wert (serait' peu de chose). Ein Fürst, der sich nicht über die Grundsätze äußerte wäre nichts (ne serait rien). Ueber einige für die Lebenskraft des Landes wesentliche Fragen habe ich bereits meine Meinung ausgedrückt. Ich habe das Heer verteidigt die Ehre und die Schutzwehr Frankreichs. Ich habe den jüdischen und freimaurerischen Kosmopolitismus, das Verderben und die Unehre des Landes, gebrandmarkt. Ueber andere Fragen dürfen die Franzosen von mir eine klare und kategorische Erklärung verlangen. Dazu gehört die,
welche ihnen am meisten am Herzen liegt, die Decentrali- sierung. Die Decentralisierung! Sie ist die Ersparnis; sie ist die Freiheit! Sie ist das beste Gegengewicht, wie der sicherste Schutz der Regierungsgewalt. Von ihr hängt also die Zukunft, das Heil Frankreichs ab. Nie wird eine schwache Regierung zu dezentralisieren wagen. Gestützt auf: das nationale Heer, selbst eine thatkräftige und starke, weil überlieferte Centralgewalt, bin ich allein imstande, das selbständige Gemeindeleben der Städte und Dörfer wiederherzustellen und Frankreich dem Drucke der Verwaltung, die ihm mit Erstickungstod droht, zu ent- reißen. Die Decentralisierung hängt zum Teil von der königlichen Gewalt und dem Gefühle, die sie beseelt, wie auch von der Richtung ab, die der König selbst ihr geben kann; aber sie ist auch eine Frage der politischen und geographischen Organisierung. Ihr wird mein erster Gedanke gehören. Die Frage wird sogleich vorgenommen werden, mit dem festen Willen nicht nur, ans Ziel zu gelangen, sondern daß es rasch geschehe. Es liegt mir daran, daß man es wisse. Ich bin, mein lieber Maurras, Ihr wohlgeneigter Philipp.
Wann die Krönung sein soll, hat „König Philipp" X)ox= läufig noch nicht mitgeteilt.
Aus Stadt und Kan-.
Gießen, 6. September 1900.
•’ Auszeichnung. Dem Obersten a. D. v. Renz, seither Kommandeur des 2. Großh. Feld-Artillerie-Regi- mentS Nr. 61, wurde das Komturkreuz 2. Klaffe, und dem Oberleutnant Seelmann-Eggebert von der 2. Eisen- bahnbau-Kompagnie des Ostasiatischen Expeditions-Korps, seither im 4. Großh. Infanterie Regiment (Prinz Carl) Nr. 118, das Ritterkreuz 2. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Bessungen Rendanten Christian Müller aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand die Krone zum Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Distriktseinnehmer der Distriktseinnehmerei Nierstein Rendanten Joseph Dapper aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Ritterkreuz zweiter Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.
** Gießener Volksbad. Es wurden verabreicht im Monat August 7436 Bäder gegen 12508 im Juli 1900 und 7374 im August 1899 oder im Durchschnitt auf den ganzen Badetag 256 Bäder gegen 439 im Juli 1900 und 254 im August 1899. — Der Besuch im einzelnen hat sich verteilt wie folgt:j
Schwimmbad 3569 Männer, darunter 550 zu 10 Pf.,
1129 Frauen, „ 348 „ 10 M
Wannenbäder 1. Klasse 180 Männer, 72 Frauen,
,r 2. „ 607 548 „
Dampf- und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 66 Männer, 18 Frauen, Brausebäder zusammen 1247. Die Personenwage wurde von 280 Personen benützt, das Bad von 33 Personen besichtigt. — Die im Bade aufgestellten Personenwagen können von jedermann, so lange die Anstalt geöffnet ist, gegen eine Gebühr von 10 Pfg. benützt werden.
** Die Lehrer-Versammlung im Hotel „Großherzog von Hessen" findet erst Samstag den 15. September statt.
** Ueber die BehandlungderRebhühnernach dem Abschuß und über ihren Versandt möge folgendes erwähnt sein: Die Hühner müssen möglichst sofort nach dem Abschuß ausgezogen und in die Schlingen genommen werden. Insbesondere ist dafür zu sorgen, daß den geschossenen Tieren möglichst freihängend die Lebenswärme entweicht. Für den selbstverständlich möglichst schnellen Versandt gilt als oberster Grundsatz, daß noch lebendwarmes Geflügel nicht verpackt werden darf, da solches auf dem Transport fast unfehlbar verdirbt. Die Versendung geschieht am zweckmäßigsten in luftdurchlässigen Weidenoder Spahnkörben; luftabschließende Emballagen, wie Kisten oder Kartons, sind durchaus zu vermeiden, da bei ihnen das notwendige Ausdünsten der verpackten Tiere unmöglich wird. Ferner benutze man nur möglichst flache Körbe und vermeide ein zu großes Uebereinanderschichten der Tiere; als Regel soll gelten, daß man nicht mehr als drei Schichten übereinander packt. Zwischen jede Schicht werde gutes trockenes Langstroh gelegt, das die sich bildende Feuchtigkeit aufnimmt. Vor dem Einlegen der ausgekühlten Hühner in die Körbe umwickle man jedes Huhn sorgfältig, und zwar nachdem man es lang ausgestreckt hat, mit Zeitungspapier, sodaß Kopf und Ständer freibleiben und ein Entweichen der sich entwickelnden Gase ermöglicht wird. Bei sehr warmer Witterung empfiehlt es sich, in die Mitte des Korbes eine mit Pergamentpapier umhüllte Eisblase zu legen. Werden diese einfachen Regeln befolgt, so wird sich der Absender vor Schaden bewahren, der Konsument aber sich über das schöne frische Rebhuhn freuen.
** Von den Herb st Übung en der Hessischen Division. Ueberall wurden die Hessen, die noch nie in der Gegend bei Usingen Manöver hatten, von der Bevölkerung herzlich empfangen, und es herrscht nur eine Stimme des Lobes über die vorzügliche Verpflegung. Das gilt besonders von den in Usingen selbst, in Eschbach usw. liegenden 116em und 168ern, die schon vor acht Tagen dort ihr Regimentsexerzieren begonnen hatten. Am Sonntag, dem 2. September, vereinigte fich Militär und Civilbevölkerung zum Gottesdienste, bei dem in angemessener Weise der Schlacht bei Sedan gedacht und auch auf die Ereignisse der Gegenwart hingewiesen wurde. Der Sonntag-Nachmittag diente zur Schließung noch engerer Beziehungen zwischen Einwohnern und Einquartierung, wozu in verschiedenen Orten eine regelrechte Tanzmusik wesentlich beitrug. Am Montagmorgen 2 Uhr 45 Min. wurde, wie die „N. Hess. Volksbl." schreiben, die gesamte Brigade alarmiert. Nach zehn Minuten schon stauben die Kompagnien fast sämtlich an ihren Alarmplätzen nahezu vollständig marschbereit, um halb 5 Uhr war die Brigade bei Usingen versammelt. Es folgte ein Vormarsch gegen Gräfenwiesbach, der mit einem Gefecht gegen einen markierten Feind endigte. Kurz vor 12 Uhr war alles wieder in den Quartieren, nachdem auf dem Rückmarsch noch ein
zweites Gefaßt kurz vor Usingen stattgefunden hatte. Der nia?n"und^9lvvÄs ^bsteht bekanntlich nur aus Gewehrrei- rngen und Appell. Die übrige Zeit wird von den Mann- chaften zu Ken mannigfaltigsten Geschäften benutzt: da steht man Soldaten ins Heu fahren, Getreide abladen Holz hacken, dreschen und alte möglichen anderen Arbeiten verrichten. Auch, die Wirtshäuser machen gute Geschäfte zumal Mer Aepfelwein rc. in jener Gegend des Taunus vorzüglich ist. Um 9 Uhr wird es still auf den Straßen und in den Häusern, da Dienstag früh noch bei dunkler Nacht angetreten wird zum Brigade-Exerzieren. Die sich anschließenden Gefechte sind für die Zuschauer schöner wie für dw daran Beteiligten, da es bei Usingen ständig bera- auf und bergab geht und bei der Feuerwirkung der heutigen Schußwaffen alle Bewegungen rasch ausgeführt werden müssen Um zehneinviertel Uhr ertönte endlich das ersehnte Signal „Das Ganze halt!" worauf der Rückmarsch in pte Kantonnements begann.
. Steinbach, 6. September. Der letzte Sonntag wurde m unserer Gemeinde besonders festlich begangen; galt es doch, .das Kirchweih- und Sedanfest, das 25jährige Jubiläum des Kriegervereins und vor allem die Einweihung unseres Kriegerdenkmals zugleich festlich zu begehen. Aus diesem Anlaß waren viele Krieger- vereine von nah und fern zur Verherrlichung des Festes herbeigeeilt. Um 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug, an dem auch der Provinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold zu Wagen teilnahm, nach dem Denkmalsplatze an der Kirche. Hier wurden die Festteilnehmer zunächst durch den Bürgermeister begrüßt, worauf Pfarrer Haacke den eigentlichen Weiheakt vollzog. Der Präsident des Kriegervereins, Herr Schäfer, richtete dann noch eine patriotische Ansprache an die Festgenoffen, durch Mitglieder des Kriegervereins wurden drei Salven abgefeuert und zum Schluß fang der Gesangverein „Eintracht" unter Leitung des Lehrers Nanz den packenden Chor „Germania, verzage nichtl" Nach der Enthüllungsfeier bewegte sich der Festzug nach dem prächtig gelegenen Festplatze auf den Wiesen hinter dem Dorfe, wo sich bald ein fröhliches Treiben entwickelte, und auch die Tanzlustigen, insbesondere die „Kirmesborsch", hatten hier in eigenartiger Weise und abends in den verschiedenen Lokalen des Ortes vollauf Gelegenheit, ihre prächtig herauS- geputzten Schönen zum Tanz zu führen.
§ Butzbach, 5. September. Oberlehrer M. erlitt heute nachmittag im Schulhof einen bedauerlichen Unfall. Der Genannte kam beim Fußballspiel mit Schüler« plötzlich zum Sturze und zog sich hierdurch einen schweren Knöchelbruch am rechten Fuße zu, so daß er mittels Tragbahre nach Hause gebracht werden mußte. Ein Arzt war alsbald zur Stelle.
Vilbel, 3. September. Gestern nachmittag versammelten sich im Garten der Gastwirtschaft zur „Stadt Kassel" nicht nur die Deputationen der sämtlichen Kriegervereine des Bezirks Vilbel, sondern auch alle hiesigen Vereine, um mit dem hiesigen Kriegerverein die Ueberreichung der von dem Kaiser dem genannten Verein verliehenen Schleife mit Fahnennagel festlich zu begehen. Um 4 Uhr begrüßte Kamerad Herget in Vilbel die Erschienenen und wünschte, daß alle befriedigt von hier scheiden möchten. Geh. Regierungsrat Dr. Braden überreichte mit dem Wunsche des Wachsens, Blühens und Gedeihens die Schleife, worauf Herget dankte und das Hoch auf Seine Majestät den Kaiser ausbrachte. Kamerad Will, Vorsitzender des Bezirks, brachte sein Hoch dem hohen Protektor der „Hasfia" und überreichte an den zum Ehrenvorsitzenden ernannten seitherigen Vorsitzenden Völker ein prachtvoll ausgeführtes Diplom. Die Kameraden Mohr und Dirlam toasteten auf den Verein Vilbel und Kamerad Völker bezw. die „Hasfia" und Geheimrat Dr. Braden, worauf letzterer dankte. Kamerad Kulm an n weihte sein Glas den nach China gegangenen Kriegern. Die von den Gesangvereinen, Krieger- verein, Liederkranz und Liederzweig, dem Mufikchvr vor- getragenen Lieder bezw. Musikstücke trugen wesentlich zur Erhöhung der Festesfreude bei. (Darmst. Ztg.)
Mainz, 4. September. Gegen ein Mitglied des Gemeinderats zu Bretzenheim ist eine strafrechtliche Untersuchung wegen Beleidigung, Drohung und Nötigung des Bürgermeisters eingeleitet worden. Vor einigen Wochen erhielt nämlich der Bürgermeister von Bretzenheim von einem Mitgliede des Gemeinderats ein Schreiben mit der Mitteilung, daß er bis zum 1. September bei dem Kreisamte die Erklärung abgeben möge, daß er feine Stelle als Bürgermeister niederlege, damit eine Neuwahl anberaumt werden könne. Dieses Schreiben war mit einer Reihe von Bemerkungen gespickt, die eine schwere Beleidigung für den Bürgermeister involvierten. Aber anstatt dem Gemeinde- ratsmitgliede den Gefallen zu thun, fein Amt niederzulegen, übersandte der Bürgermeister das Schreiben dem Großh. Kreisamt Mainz mit dem Ersuchen, gegen den Schreiber des Brieses eine DiSziplinaruntersuchung einzuleiten. DaS KreiSamt übersendete aber das Schreiben der Staatsanwaltschaft zur strafrechtlichen Untersuchung gegen das Mitglied des Gemeinderats. — Der Vorstand des Vereins selbstständiger Gewerbetreibender hat, wie der „Mainz. Anz." schreibt, eine Versammlung abgehalten, behufs Stellungnahme zum Acht-Uhr-Ladenschluß. Bei der Besprechung stellte es sich nun heraus, daß über das am 1. Oktober in Kraft tretende Gesetz noch viel zu viel Unklarheit herrscht, daß sich z. B. besonders über die nach dem Gesetz platzgreifenden Ausnahmebestimmungen die verschiedenartigsten Anschauungen ergaben. Es wurde daher vor allen Dingen notwendig erachtet, die Gewerbetreibenden Über die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen aufzuklären. Der Vorstand beschloß deßhalb, in den nächsten Tagen eine allgemeine Mitgliederversammlung zu berufen, in der Rechtsanwalt Dr. Fuld eine genaue Erklärung der gesetzlichen Bestimmungen zum Vortrag bringen soll. — Die nordwestliche Umwallung der hiesigen Festung ist jetzt zum größten Teil nie der gelegt. Die NiedcrlegungSarbeite« wurden sehr beschleunigt, was hauptsächlich um deswillen


